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Bord zu kommen.

zerfielen.

Gosse zwischen zwei Weltteilen

C. Z. Klötzel.

18 Stunden

schleppen. Da ist der Zug, dessen Lichter am Horizont sichtbar werden, auf der Strecke nach Kairo. Arabischs

pro Tonne, mehr. Sie keine Kon-

wieder er sich

Da ist die Wolke kleiner und den Strahl des Scheinwerfers Rufe der Festmacher, wenn schlingen aus dem Lichtkegel

„Rund 40 000 Mark. 7 54 Goldfrank Das letzte Mal kostete es 25 Goldcentimes find etwas billiger geworden, obwohl sie kurrenz haben."

rief man den Seelsorger herbei. Lange hatte dem Vater gesprochen; nur die letzten Worte: stärke Sie!" waren vernehmbar. —

Der Vater hatte seinen Frieden mit Gott gefunden. Schon am nächsten Sonntage fand

der mit „Gott

am Tische des Herrn ein und tiesgerührt reichte ihm der priesterliche Greis die heilige Eucharistie. Gottes Gnade hatte ein Menschenherz dem Bösen abgerungen.

Voller Sehnsucht wartete der Kleine auf die Wieder- kchr der abgehärmten Mutter aus dem Gefängnis. Schwächer und schwächer wurde er, und als endlich die lang Ersehnte kam, gingen seine Kräfte zu Ende. Va­ter und Mutter schlossen den Frieden miteinander, und als sie sich versöhnt die Hände reichten, schwang sich die Seele des Kindes aus der sterblichen Hülle des Leibes in die lichten Himmelshöhen. Tief war der Schmerz über den Verlust des einzigen Kindes und als sie am Grabe sich die Hände reichten in stiller Ergebung in Gottes Willen, schloffen sie einen neuen Bund für das Leben, für ein anderes, besseres Leben.

Gott hatte das Flehen des kleinen Beters gehört und erhört. Der Kinder Gebet dringt durch die Wol­ken, und wenn die Kleinen den Vater um etwas bitten werden, dann wird es ihnen gegeben werden.

Carl Walter, Rasdorf.

„Kapitän, was haben wir für die Fahrt durch den Suezkanal bezahlt?"

großer Insekten, die in taumeln. Da sind die sie die schweren Seil- irgendwo ins Dunkle

du, du allein, durch deine Trunksucht, durch deinen Leichtsinn . . . .—

Mittag war vorüber und der Junge lag fröstelnd und zitternd auf der jammervollen Lagerstatt. Er konnte den Blick nicht von demselben wenden, auf dem das Kind lag, dem Glück und Freude aus den Augen strahlten. 23oÄ Reue und mächtiger Selbsdoorwürfe greift er sich an die Stirn: „D, ich Unseliger, was habe ich doch getan! Wie konnte ich so blind sein für Ne Not und das Darben der Meinen! Allmächtiger, hilf mir, daß ich den Weg der Rückkehr finde!" —

Des Kranken Zustand verschlimmerte sich, und so

Mann und Kinder begab, stand sie vor leeren Kästen und Schränken. Wars da ein Wunder, daß Weib und Kinder blaß und blässer, krank und kränker wurden? Sie mochten sehen, wie sie sich durchs Leben fortbrach­ten. So wars denn auch gekommen, daß sie eine Stel­lung als Monatsfrau annahm und ein Geldstück, das ihr in die Hände gekommen war, entwendete. Für sich hatte sie es nicht genommen — für ihre armen Kinder, die schon so lange nicht mehr sich hatten satt essen kön­nen. Doch die Strafe ereilte sie — der hartherzige Bestohlene brachte die Arme zur Anzeige, freilich nicht wegen ihres Vergehens, sondern wegen ihres trunksüch­tigen Mannes, der ihn in feiner Trunkenheit beleidigt hatte. So wars denn gekommen, daß das arme Weib recht schlimm vor den Augen der Welt dastand. Und nun, am Ehrentag ihres Jungen saß sie hinter Schloß und Riegel.

O, er wußte, um was er zu bitten hatte — nm die Rückkehr der Eltern auf den Weg des Guten. Wieder und wieder brachte er diese seine Bitte vor seinen Heiland mit aller Inbrunst, deren ein kindliches Herz nur fähig sein kann.

Als nun nach der kirchlichen Feier sich die Kinder in der Schule noch einmal zusammenfanden, um das An­denken an diesen unvergeßlichen schönen Tag in Emp­fang zu nehmen, zitterten die Hände des Kleinen, daß er sich kaum noch zu halten vermochte. Fröstelnd und bebend brachte man den Kleinen heim; er bekam das Fieber und mußte sich zu Bett legen.

Auch der leichtsinnige Vater hatte dem Gottesdienste beigewohnt, seit langer Zeit freilich das erste Mal. Immer wieder mußte er auf den Jungen schauen, fein einziges Kind. Wie arm er doch unter all den anderen Kindern aussah! Wie er doch unter den anderen Kom­munikanten auffiel durch seinen erbärmlichen Anzugl Wer war doch an dieser grenzenlosen Armut schuld? — Und so brannte es denn weiter in seiner Seele: Du,

Ich mache schnell eine kleine Rechnung.

sind wir im Kanal gewesen. In dieser Zeit sind wir

Jugend.

Don Stefan Musins.

ist die Jugend wie ein goldener Altar, ich erbaut in meinen Kinderspielen.

nahm mein Tändeln huldvoll wahr, alle Schranken zwischen Schöpfer und Geschöpf

13 Schiffen begegnet. 2 Schiffe fahren, uns sichtbar, vor uns her. Wenn wir vorsichtig rechnen, sind mit uns wenigstens 6 Schiffe in gleicher Richtung gefahren. Macht im ganzen 19 Schiffe. Davon waren eine An­zahl kleiner als di« „Duisburg", 4 ganz erheblich größer. Unsere 7000 Tonnen können als Durchschnitt gelten. Macht eine Einnahme für die Suezkompani« von 760 000 Goldfrank in 18 Stunden. In den restlichen 6 Stunden des Tages haben sie die Million sicher voll- gskriegt.

„Ganz gutes Geschäft, der Kanal, Kapitän!"

Ich fahre zum vierten Male durch den Suezkanal. Es gibt Leute, die sehen in ihm nichts als einen Graben durch die Wüste, zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer. Sie setzen sich in Port Said zum Skat, und wenn es wieder anfängt, leise zu schaukeln, sehen sie einmal flüchtig auf und sagen: „Wir scheinen durch zu sein!"

Für mich gehört dieser Rinnstein zwffchen zwei Kon­tinenten zu den magischen Stellen der Erde. Er übt den Zauber einer zwiefachen Grenze. Stelle dich oben auf das Peildeck deines Schiffes und blicke um dich. Der Kompaß sicht genau auf Noch-Süd. Blicke nach Westen: Dort ist Afrika. Blicke nach Osten: Das ist Asien. Sich nach vorn: Du fährst in den Orient. Sieh zurück: Du kamst aus dem Okzident.

Der Kanal trennt Asien von Afrika. Aber in fünf Minuten rudert man von einem Ufer zum andern. Er verbindet Okzident und Orient. Die künstliche Nabel­schnur ist 168 Kilometer lang. Langsam gleitet man

M seinem Antlitz, lichtumflossen, ich' ich das müde Haupt zur Ruh. xch seine Hände unterdessen schlossen den Tabernakel leise zu.

zerschlug ich den Altar? Ich weiß es nicht, jod; die Verwundrung hab ich mir gerettet Warum bin, fern von Gottes Angesicht, ich so unselig an die Welt gekettet?

gtir ist die Jugend wie ein goldner Altar, den ich noch einmal werde wiederfinden: Kin Spiel mehr — nun bring' ich das Opfer dar! Und Gott küßt mir hinweg die Frage nach den Gründen.

Um neun Uhr erscheint unserer. Er sieht aus wie Weiher Anzug,

macht. Seit acht Uhr hängen über der Brücke drei weiße Signallampen: „Schicken Sie mir einen Lotsen!" Man hißt sie so früh als möglich; nach dem Reglement haben die Kanalloffen anderthalb Stunden Zeit, an

Säerfpruch.

Bemeßt den Schritt! Bemeßt den Schwung! Die Erde bleibt noch lange jung!

Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht.

Die Ruh ist süß: es hat es gut.

Hier eins, das durch die Scholle bricht, Es hat es gut. Süß ist das Licht.

Und keines fällt aus dieser Welt, Und jedes fällt, wie's Gott gefällt.

Konrad Ferdinand Meyer.

man jetzt wieder verpflichtet.

Die Lotsenposten im Suezkanal sind eine Sinekure. Der Dienst ist leicht: zwischen Port Said und Ismailah zu steuern oder zwischen Ismailah und Suez ist ein Kinderspiel. Im Kanal gibts keine Stürme, man gehl so sicher an und von Bord wie ein Passagier erster Klasse. Man weiß immer, wo man ist; die Kilometer­steine am Ufer begleiten den Kanal wie einen Schie­nenstrang. Ob man halten soll oder weiterfahren, sig­nalisieren die „Grares", die Uferstationen. Mehr als zwölf Kilometer in der Stunde darf nicht gefahren werden. Und überdies bleibt alle Verantwortung beim Kapitän. Der Lotse ist, seerechtlich betrachtet, nur der „Berater".

Die Kanalloffen werden nicht schlecht bezahll. Sie sind vornehme Leute. Lange nicht so vornehm aller­dings wie ihre Kollegen, die zwffchen Kalkutta und Rangoon Dienst machen; die bringen ihren eigenen Proviant an Bord und ihren eigenen — Koch und la­den den Kapitän zum Essen ein.

Lange vor dem Loffen ist ein Boot mit fünf wild aussehenden Kerlen längsseits gekommen. Sie laufen barfuß, tragen schmutzige Taschentücher um ihren Fes gewunden und haben, bis auf einen, entzündete Augen. Trachom. Wir hissen diese armseligen Flibustier samt chrem Kahn an Deck. Es sind die „Festmacher", Ange­stellte der Kanalverwaltung. Wenn eine der zahlrei­chen Signalstationen am Ufer uns den Befehl zum Hal­ten gibt, werden sie ausgesetzt und befestigen die ge­waltigen Haltetaue an den Steinpfosten, die in je 100 Meter Abstand beide Ufer säumen.

Die Festmacher führen auf dem Vorderdeck ihr ei­genes, orientalisches Leben. Kochen ab, brühen ihren arabischen Kaffee, schlafen — alles in chrem kleinen Boot. Außerdem haben sie einen konzessionierten Ne­benberuf. Sie verkaufen der Mannschaft und den Pas­sagieren „Andenken". Glasketten aus Gablonz. So lange sie an Bord sind, flehen die Stewards ihre Passagiere an, die Kabinen verschlossen zu halten.

Wir knipsen unseren Scheinwerfer an. Sein blau- weißes Licht schneidet messerscharf einen hellerleuchteten Keil aus dem Dunkel. Er umfaßt die Wasserfläche und einen schmalen Streifen beider Ufer: Böschung, Halte­pfosten, Telegraphenstangen. Alles schnurgerade. Alle paar Kilometer eine „Gare". (Die Dienstsprache des Kanals ist Französisch.) Saubere Steinhäuser, von ei­ner Mauer umgeben, niedrige Fächerpalmen und ein hoher Signalmast, dessen rote und gelbe Lampen uns anzeigen, ab wir weiterfahren dürfen oder halten müs­sen.

Das wiederholt sich in ewig gleicher Monotonie. Trotzdem steckt die Nacht voller geheimer Erlebnisse. Da ist der Wüstenwind, der zu uns auf das Schfff weht.

Ein weißer Sonntag.

Frühling wars geworden. Goldener Sonnen­schein lag auf Flur und Wald, feierlich klangen die Mocken vom Turme des festlich geschmückten Gottes- hairses und vereinten sich mit dem sanften Säuseln des Frühlingswindes und dem munteren Gezwitscher der üögfein zu einem herrlichen Preisliede auf den All­mächtigen, der in schlichter Brotsgestalt heute Einkehr Mn wollte in den engelreinen mffchutoigen Kinder- hkrzen. Das weitgeöffnete Portal, durch das die stattt. Echaar der Kommunionkinder einzog, war in ganze Wen hellstrahlenden Sonnenlichtes getaucht. Stan­der. und Bermögensunterschiede gab es auch hier; die F einen waren reich, die anderen einfach gekleidet. Die Kirche billigt es nicht, daß solche Unterschiede sich sogar bei einer derartig erhabenen Feier bemerkbar machen, ■ linst doch die Demut Gefahr, verloren zu gehen. So geb denn jedes gute Christenherz den einfachen den

ein Kommerzienrat auf Norderney.

steifer Kragen, schwarzer Schlips, Klemmer auf der Nase — und Strohhut. Eine goldene Uhrkette über dem Bauch. Grieche. Das Loffenkorps des Suezkanals ist international. Sogar einen deutschen Loffen hat

dahin: zwischen den Erdteilen, den Hemisphären, den Kulturen. Zwischen Sahara und Sinai. Dom Gro­ßen Bären zum Südlichen Kreuz. Von der „Unrast" Europas zur „erhabenen Ruhe" des Orients.

Magische Grenze! Zauberwort!

Einen Schffssofsizier, der seine hundert- oder hun­dertfünfzigmal durch den Kanal gefahren ist, darf man damit nicht kommen:

„Magst? Schietkram! Die Suezkompanie feierte im Oktober (1929) sechzigjähriges Jubiläum. Da ist Zeit genug gewesen, den Kanal doppell so breit zu machen oder einen zweiten Kanal zu bauen. Sie schlucken auch genug Geld und zahlen verdammt nie­drige Löhne an ihre arabischen Arbeiter. Aber es fehlt der Unternehmungsgeist. Was ist das für'n 23er- kehr hier! Wer den Strom auf dem Kopf hat (das heißt, wer gegen die Strömung steuern muß), muß je­desmal festmachen, wenn ihm wer entgegenkommt. Vier Stunden haben wir in der Nacht allein vor Kantara gelegen, um sieben Dampfer vorbeizulassen. Wenn wir Deuffchen hier mal . . ."

„Ich weiß, lieber Freund! Wenn wir Deuffchen hier mal. . dann gäbe es längst zwei Suezkanäle, ei­nen zum rauf- und einen zum runterfahren, der Strom käme immer von achtern, und statt in Salzwasser schwämmen wir in Bremer Lagerbier. Aber vorläufig können wir ganz zufrieden sein, daß wir, zehn Jahre nach Kriegsende, in 24 Stunden fünf deuffchen Schiffen begegnet sind, davon zweien Ihrer Linie. Wenn Ihr Ballin das geahnt hätte . . ."

„Na ja, aber 18 Stunden im Kanal, das ist ein bißchen zuviel, das müssen Sie selbst sagen . . ."

Nein, mir ist es gar nicht zuviel. Vielleicht wird es mir zuviel sein, wenn ich wieder heimfahre, wenn jede Stunde zählt, wenn man jeden Tag das Mittagsbesteck abliest und sich über jede Seemeile freut, die das Schiff über den Durchschnitt läuft. Jetzt ist es ein Erlebnis.

Um fünf Uhr nachmittags sind wir in Port Sato eingelaufen, haben gekohlt und dann „Klar Schiff" ge«

Sie aufs letzte Plätzchen war die Kirche mit Gläu- ■ N« gefüllt, unter denen sich die Eltern der Kinder befanden, um für ihre Lieblinge zu beten und mit ihnen Sott zu danken für das hohe Glück, das tonen der heu- , #ge Tag gebracht hat.

Sn der Kmderschar fiel ein armer, blasser Knabe oflgemein auf. Seine Kleidung verriet, daß er aus der taften Bevölkerungsschicht stamme; beim augenschein­lich hatte der leichte Sommerstoff schon anderen Beklei- M dmgszwecken gedient. Doch darüber machte sich der I staatliche Knabe keine Gedanken. Seine kindlich reine l jauchzte dem himmlischen Bräutigam entgegen und I E heiliger Scheu und innigster Andacht erfüllte ihn d« wwergehliche Augenblick, in dem er aus des Prie» P» Hand seinen Herrn und Gott empfangen sollte.

Sie heilige Handlung begann.

toetnbe Akkorde lösten sich aus dem meisterhaft ge» B Orgelwerk, und als vom Chore herab sich ein sicher Chor mit dem Orgelklang vereinte, wurde fo MNches Auge feucht.

diesem schien der kleine Beter entrückt zu ■ nieder bewegten sich seine bleichen Lippen

lwrlinstigem Gebete. Wie war es ihm doch zu Her- I PL 8®9®t®en, als er die Heilandsworte vernommen Ktt ’ "™e5, 0X15 ihr den Vater in meinem Namen iS* ®etoet, das wird euch gegeben werden!" Wie r“er Hto diese Ewigkeitsworte tief in die Seele hin- | ^Wrieben, und was hatte er nicht zu bitten. Noch rL®01 65 ihm so bewußt geworden, daß fein Bitten “’WUng fände. —

I glicht gekleidete, tief gebückte Frau hatte sich - *7*toe unmertlid) aus der dichten Reihe nach vorne | cj'**’’ und ließ fast ängstlich ihr suchendes Auge auf ■ jg j.. “en Knaben hasten. Er war ihr Enkelkind, und fast vergehend, zog es ihr durch den Sinn: ^Hr»ub stirbt sicher bald, und das ist gut für ihn;

s»ll aus ihm werden."

■L?1^ ®ater, dem Trünke ergeben, verpraßte gleich ■ wsfvT "Zählung die geringe Einnahmen im ■ Zr^us, und wenn fein Weib sich ans Kochen für

Das Gift

. Roman von William Le Queux.

Risden Freund ist noch er vor

war kaum fünf Minuten in meiner Wohnung, als es tlingelte.

Ich öffnete und sah mich meinem erwarteten Besucher Senor Rivero, gegenüber.

„Lieber Freund", rief der Polizist erfreut aus und schüttelte mir herzlich die Hand, „endlich habe ich Sie ge­funden! Der Chauffeur hatte sich geirrt und führte mich ein Stück weiter. Sie haben also für uns fleißig gear­

beitet und Mateo Sanz ausgeforscht?" „9a, ich habe ihn wieder erkannt." „Ich komme soeben vom Superintendenten

von Scoüand Darb — wir haben uns unseren angesehen, den wir schon so lange suchen. Er ganz ahnungslos. Wie ich aber höre, besuchte

äußerten, lachte ich Sie aus; doch heute habe ich einige Umstände in Erfahrung gebracht, die die Sache in einem anderen Lichte erscheinen lassen. In der verflossenen Nacht besucht« Mateo Sanz neuerlich de Gex. Der Fi- nanzmann veranstaltete einen musikalischen Abend, als aber die Gäste weggegangen waren, erschien Sanz und wurde sogleich in bie Bibliothek zu de Gex geführt."

„Ah," rief ich aus, „biefes Zimmer kenne ich! Daran knüpfen sich für mich recht unangenehme Erinnerungen!"

„Dort blieb er bis gegen zwei Uhr früh, bann kehrte er zu Fuß in fein Hotel zurück. Auf dem Rückweg piff er vor sich hin — er schien in gehobener Stimmung zu fein."

„Die Sache ist gar nicht so seltsam," bemerkte ich. „Sagte ich Ihnen nicht, daß de Gex mit Sanz ebenso be­freundet fft, wie er es mit Despujol war?"

„Ich weiß es. Angesichts anderer Taffachen jedoch, die ich erfahren habe, ist die Sach« sehr erstaunlich."

Während seiner Worte hatte es an bie Türe geklopft — ein Boy reichte nun eine Karte herein.

„Führen Sie den Herrn herauf," befahl Rivero in seinem gebrochenen Englisch.

„Der Mann, der jetzt kommt, wird uns einige merk­würdig« Sachen erzählen," bereitete mich Rivero vor. „Es ist mein Freund Gonzalez Maura, ein Advokat, der vor feiner Anstellung bei unserem hiesigen Konsulate in Madrid praktizierte. Ich traf ihn gestern auf dem Äon- Mate und da er mir einige merkwürdige Sachen er­zählte, ersuchte ich ihn, dies vor Ihnen zu wiederholen. Zu diesem Zwecke kommt er jetzt." — Einige Augen- blicke später ließ der Boy einen eleganten Herrn in mittleren Jahren, der einen schwarzen Bart trug, ein­treten. Er verneigte sich höflich, als wir einander oor- gestellt wurden.

„Nun, mein lieber Freund," rief Rivero aus, als wir olle drei Platz genommen hatten, „wollen Sie jetzt Herrn Garfield das erzählen, was Sie mir gestern mitgeteilt haben."

„Gewiß, ich sage Ihnen nur das, was ich weiß," be­gann er in tadellosem Englisch. „Die Sache verhält sich folgendermaßen: Bevor ich Madrid verließ, war ich mit einem Provinzanwalt, namens Ruiz Serrano, der in Valladolid lebt, sehr befreundet. Der verstorbene Graf Chamartin hatte an meinem Freunde großen Gefallen

sie ihnen aus gewissen privaten Gründen noch nicht ent­hüllen. Langsam, Schritt für Schrill, habe ich mich in bas Geheimnis einiger seltsamer Vorfälle hn Hause be Gex in ber Stretton Street hineingearbeitet. Nachdem ich kreuz und quer durch Europa gereift war, ist es mir endlich gelungen, einen Lichtstrahl in bas undurchdring­liche Dunkel zu bringen.

Ich sollte hierdurch getäuscht und auf eine falsche Fährte gelockt werden. Wenn Sie die njeitoergroeigten Anschläge, bie de Gex und feine Freunde ausgefiihri haben, fesfftellen, und bie Bande bekämpfen wollen, dann wird es wohl am besten fein, wenn sie feinem Komplizen Sanz auch weiter volle Freiheit loffen. Hal­ten Sie ihn unter scharfer Bewachung, doch lassen Sie ihn keinen Verdacht schöpfen", riet ich. „Er wird zwei­fellos wieder in die Stretton Street gehen. Man sollte Sanz, der, wie fein Freund Despujol, nur ein gelun­gener Mörder ist, noch nicht in Hast nehmen, denn je länger er auf freiem Fuße bleibt, um so umfassender werden unsere Erhebungen fein, bie wir gegen de Gex, den Haupffchurken, führen."

Rivero verbrachte den Abend mit mir zusammen; wir speisten bei Clarendon, jenseits ber Hammersmith Bribge, und gingen nachher in eines der Kaffees in ber Nähe von Piccadilly Circus.

Rivero war mit bem Haftbefehl gegen Mateo Sanz in ber Tasche nach London gekommen, doch über mein Zureden ließ «r vorläufig davon ab. Sanz, der gar kei­nen Verdacht schöpfte, wurde mittlerweile nicht nur von zwei Detektiven von Scotland Pard überwacht, sondern auch von zwei spanffchen Geheimpolizisten, bie Rivero mit nach London gebracht hatte.

Zwei Tage später begab ich mich über Riveros Auf­forderung nach dem Büro ins Hotel Cecil. Er erwar­tete mich in ber Halle und ich sah sofort, baß fein Ge­sicht einen ernsten Ausdruck zeigte.

„Kommen Sie in mein Zimmer hinauf," sagte er auf französisch, „dort können wir ungestört miteinartoer sprechen."

Ich war überrascht und fuhr mit ihm im List in den britten Stock hinauf. In seinem Zimmer angekommm, bas auf bie Themse hinausging, sagte er:

„Sie sehen mich sehr erftaunt, Herr Garfield. Als Sie diese fettfamen Beschuldigungen gegen de Gex

zwei Tagen Herrn be Gex." — „3a, er ist sein Freund, ebenso wie es Despujol war", bemerkt« ich.

„Das kann ich nicht begreifen," rief Rivero aus. „Es scheint einfach unglaublich, daß ein Mann in fo hoher Stellung wie de Gex Verbrecher zu feinen Freunden zählt."

„Die Wahrheit über de Gex enthüllt« ich Ihnen schon damals in Sinnes", unterbrach ich ihn. Schon damals wollten Sie mir nicht glauben, doch jetzt kennen Sie ja den wahrm Sachverhalt. Die beiden Geschäftspartner Oswald de Gex, Graf Chamartin aus Madrid und Ba­ron van Veltrup aus Amsterdam, sind beide eines plötz­lichen Todes gestorben — auf Anstiftung ihres ganz un- verdächtigen Freundes. Es ist feftgestellt, daß Sanz den vergifteten Rasierklingensplitter in den Handschuh des Barons hineingegeben hat."

„Auf Anstiftung de Gex?" — Unmöglich!"

„Er war der einzige, der durch den Tod des Ba­rons einen Vorteil hatte", erklärte ich. „Er schuldete ihm nämlich aus einer finanziellen Transaktion eine hohe Summe — jetzt, wo der Saron tot ist, entgeht er feiner Zahlungsverpflichtung."

„Sie wollen doch nicht de Gex beschuldigen, daß er sich für feine Zwecke jenes unbekannten Giftes be­dient?" rief der Detektiv aus, ber mir gegenüber in ei­nem Fauteuil faß. —

„Sie werden überrascht fein, bis mir bie volle Wahrheit kennen, was hoffenllich halb ber Fall fein wird", versicherte ich. „Vorläufig kennen Sie bie merk­würdige Geschichte noch nicht zur Genüge — ich tonnte

2r. ®ar fein Besuch in ber ßongribge Rood wie- '^gettoeiner teuflichen Absicht verbunben. Ob- i* ^"briele gegenüber Freundschaft heuchelte, «9 doch, daß er ihr Feind war, ebenso gut wie der toreni l':' i

i ai * nwr ulso in London — da würde er zwei- Nt ®eE aufsuchen. Moroni kannte Hamble- deshalb stand dieser in ber folgenden Nacht in aon Street auf Beobachtung, von Nora unter- £ J ma" einiges von den seltsamen Ereignissen ^datte, wenn auch nicht die ganze merkwürdige Stf? n»Or Uhr kehrten Harry und seine Braut •koenu nung Zurück und berichteten, baß sie Mo- halb zehn Uhr in der Stretton Street an- gesehen hallen. Er war von einem neuen Be- *1 • ^"gelassen worden. Horton schim gegmroär» )ton ^tCnfte be ®CE ZU stehen.

j. Minuten später kam Suzor an," erzählte wi°iv "?^°hr eine halbe Stunde darauf kam Mo- ^'«-r heraus."

fc en?‘crte eben langsam an dem Hause vor- h 8d r?7er. die Stufen herunterkam und auf tta- hmbrummte", sagte Nora. „Er bemerkte denn «r schien sehr erregt und zornig. Er Wft u$Iitf auf das Haus zurück, ballte BL,. stieß einen Fluch aus. „Vielleicht haben l*8tii*--manber gestritten?"

bemerkte Hambledon. „Als Advokat 1 Q( .Voraussagen zu können, daß mir in P oui interessante Enthüllungen rechnen tön» schr h Zuw Essen bei uns, denn mir waren alle n9n9; Harry brachte sie bann nach Rich-

schickte man aus bem Hotel Cecil | w) ging vom Büro früher nach Hause und

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Beilage zur Fuldaer Zeitung

T NILS

27. April

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