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Donnerstag, 24. April 1930.

57. Zahrg.

uldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Monatlich 1,80 einschliehl. Postgebühr (48 Pf.» ohne Zujtellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 ÄJt, auswärts 0,20 Xu. Reklamezeile: lokal0,60 fUl, auswärts0,80 O. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Tranks, a. M. 4051

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt 'ft* ClJr 'm Bild' uno „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag JlV» "" der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

le Einrichtung der internationalen Sank

Vergeblicher Einspruch

er Generaldirektor ein Franzose

r. Luthers. — Die Freude der Stadt Basel als Sitz der B. 3. Z

ichgesagt wird) einen maßgebenden Posten Z. einnehmen soll.

in der B. I.

und hat als rechte Hand des Kommissars Zimmermann an der Stabilisierung der österreichen und der ungari­schen Währung mitgewirkt. 1925 und 1926 war er bis zu seiner Ernennung zum Direktor der Bank von Frank­reich als Sekretär des französischen Komitees des Völ­kerbundes in Genf tätig. Quesnays Fähigkeiten als Währungstheoretiker, Kreditpolitiker und Verhandlungs­führer werden allgemein anerkannt. Nicht diese Fähig­keiten haben die deutschen Delegierten in Frage gezo­gen, sondern die Tatsache beanstandet, daß ein Ver­treter der Hauptgläubiger-Regierung (dem überdies eine Rolle bei der vorjährigen Pariser Baisse-Attacke ^egen die Mark nai.......

Oben: Reichsbankpräsident Dr. Luther, der deutsche Haupt­vertreter.

Unten: PierreOuesnay-Frank- reich, wurde zum Direktor der B. 3. Z. gewählt.

Das Savoy-Hotel in Basel, der vorläufigeSitz der B. 3.3- Internationale Reparations­bank).

*2 .Mac Earrah-Amerika -Präsident der B- 3. Z.

. Leon Fraser,der zweite -Man. Vertreter, Kandidat 6en Posten des Vize- vräsidenten.

wtb. Basel, 23. April. (Eig. Meldg.). Aus Anlaß der ersten Sitzung des Berwaltungsrates der B. 3. Z. veranstaltete der Regierungsrat des Kan­tons Basel-Stadt am Dienstagabend ein offi­zielles Bankett. Unter den Anwesenden be­merkte man Bundesrat Motta, den Präsidenten des Berwaltungsrates der B. 3. Z. Mac Garrah sowie sämtliche in Basel anwesende Mitglieder des Berwaltungsrates, die Mitglieder der verschiede­nen Delegationen, das in Basel anwesende Konsu- larkorps usw. Namens der Regierung des Kan­tons Basel-Stadt entbot Regierungspräsident Dr. A. Brenner den Gruß der Baseler städtischen Be­hörden. Sodann ergriff der Präsident des Ber- waltungsrats der B. 3- Z. Mac Garrah das Wort, um in seinem Namen und im Namen der übrigen Mitglieder des Verwaltungsrates für die Begrü­ßung zu danken. Er wies auf die Bedeutung Ba­sels als Derkehrspunkt hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß zwischen den Behörden der Stadt und der Bankleitung beste Beziehungen gedeihen mögen. Bundesrat Motta betonte, daß die Schweiz stolz und glücklich sei, als Sitz einer Bank gewählt worden zu sein, die in der Geschichte der Welt ihres­gleichen nicht habe. Die Schweiz habe die Wahl zum Sitz der Bank nicht allein ihrer geographischen Lage '.»Europa zu verdanken, sondern insbesondere ihrer durch die Jahrhunderte hindurch gepflegten Neu­tra l i t ä t s- P o l i t i k. Bundesrat und Parla­ment seien mit dem Volke einig darin, daß in dem neugeschaffenen 3nstitut ein wirksames Mittel für die Entwicklung der 'Friedensbestre- b u n g e n zu erblicken sei und daß die Bank mit ihren Bestrebungen ein neues Moment für die Schaffung einer wirtschaftlichen Verständigung be­deute. Als letzter Redner sprach noch der Präsi­dent des Direktoriums der Schweizerischen Natio­nalbank, Prof. Bachmann, der in seinen Ausfüh­rungen gewisse Befürchtungen, als ob die Ban? eine gewisse Gefährdung für die schweizerische Wäh­rung bringen könnte, zerstreute. Sämtlichen Teil­nehmern wurde aus diesem Anlaß zum Andenken an den Tag der Eröffnungssitzung der B. 3. Z. eine vom Kanton Basel-Stadt gestiftete bronzene Gedenkmünze überreicht.

Die Ost-Reparationsfrage.

wtb. Paris, 23. April. (Eig. Meldg.). Dem „Exelsior" zufolge sollen die in Paris fortgeführ­ten Verhandlungen wegen der Ost-Reparationen nunmehr einen günstigeren Verlauf nehmen. Das Blatt berichtet, man sei von einer Formel, die Ungarn und den Staaten der kleinen Entente Ge­nugtuung geben, nicht mehr all zu weit entfernt so daß man auf eine baldige Ratifizierung des Poung-Planes durch alle interessierten Staaten rechnen könne. Das werde es der Bank für inter­nationalen Zahlungsausgleich ermöglichen, ohne neuen Verzug die Zeichnung des Grundkapitals in die Wege zu leiten.

wtb. Basel, 23. April. (Eig. Meld.) Der Der- waltungsrat der B. I. Z. setzte heute vormittag seine Beratung fort. Die Frage der Ernennung der leitenden Beamten der Bank, des Sekretärs, des Generaldirektors, der 4 Abteilungsdirektoren, und eines Generalkontrolleurs wurde verhältnis­mäßig rasch erledigt. Die Namen der Gewählten werden später offiziell bekannt gegeben werden. Einen wichtigen Punkt der Beratungen bildete,

In der in Basel abgehaltenen Sitzung des rwaltungsrates der Bank für 3nternationalen hlungsausgleich wurde der Franzose Pierre ü e s n a y gegen die drei deutschen Stimmen zum -neraldirektor der Bank gewählt. Reichs- nkpräsident Dr. Luther gab zu dieser Wahl gende Erklärung ab:

'„Nachdem der Präsident der neuen Bank, Herr Mac arrah, einen Vorschlag für den Generaldirektor der Bank gemacht hat, würde es der aufrichtige Wunsch der deutschen Mitglieder des Verwaltungsrats fein, dem Vor­schlag des Präsidenten zu folgen. Wir wünschen alles für uns Mögliche zu tun, um den Präsidenten in der Führung der Bank zu unterstützen. Wir würden es auch begrüßen, wenn der Generaldirektor einstimmig gewählt werden könnte. Es handelt sich indessen für uns um die grundsätzliche Frage des Charakters der Bank, womit die Stellung Deutschlands innerhalb der Bank unlöslich verbunden ist.

Aus dem Wege, der zur Entstehung der Bank geführt hat, ist der Grundsatz der Parität zwischen Deutschland als dem einzigen Schuldnerland und Frankreich als dem hauptsächlichsten Gläubigerland zum deutlichen Ausdruck gekommen. Beiden Ländern weisen der Doung-Plan wie auch die Statuten der Bank eine bevorzugte, aber gleichberechtigte Stellung in der Bank zu.

Gerade auch auf diesen Grundsatz der Parität hat das deutsche Volk in seiner dem Poungplan zustimmen­den Mehrheit die Erwartung gegründet, daß die neue Bank ein nutzbringendes Instrument nicht nur der Weltwirtschaft im allgemeinen sondern namentlich auch der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutsch­land sein würde. Wir drei deutsche Mitglieder des Ver­waltungsrates geben unter keinen Umständen unsere Bemühungen auf, die neue Bank in dem genannten einr.e zu entwickeln. Im Einklang mit der Anschau­ung des deutschen Volkes müssen wir jedoch unsere Auf­fassung dahin aussprechen, daß die Wahl des Herrn Pierre Quesnay zum Generaldirektor dem Grundsatz der Parität nicht entsprechen würde. Wir sehen uns daher zu unserem Bedauern aus ernsten und grundsätzlichen Erwägungen gezwungen, gegen die Wahl des Herrn üuesuay zum Generaldirektor zu stimmen."

Bei der Sitzung des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich handelte es sich n i ch t eigentlich um eine formell offizielle Sitzung; dafür sind bekanntlich die formellen Vor- I aussetzungen noch nicht geschaffen. So hat ja 3ta- Wien offenbar wegen der Frage der Ostreparationen noch nicht den Poungplan ratifiziert. Man hat sich dahin geeinigt, provisorische Beschlüsse zu fassen, die dann in einer offiziellen Sitzung gutgeheißen werden können, ohne daß die Debatte noch einmal eröffnet werden müßte.

Der Vorsitzende des Organisationskomitees, Sir ^Harles Addis, leitete die Sitzung ein. Provisorisch in dem angedeutoten Sinne wurde dann zunächst Mac G arrah zum Präsidenten gewählt Md übernahm auch sofort die Leitung der Ver­sammlung. Darauf wurde die Frage der Vize» p r ä s i d e n t e n aufgeworfen. Während der Präsident zugleich Vorsitz, des Verwaltungsrats u. Präsident der Bank ist, haben die Vizepräsidenten mn nur in der erstgenannten Funktion, d. h. wäh­rend einer Sitzung des Verwaltungsrats zu vertre­ten, sofern er abwesend ist. Unter diesen Umstän­den haben die Deutschen von sich aus keinen Wert darauf gelegt, eines der beiden Aemter der Vize­präsidenten zu besetzen. MacGarrah äußerte aber ®en dringenden persönlichen Wunsch, man möge die Frage der Vizepräsidenten erledigen und die beiden Aemter mit einem Engländer und er» Deutschen besetzen. Gewählt wurden daraus zu Vizepräsidenten Sir Charles Addis und Dr. Melchior.

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Heber Pierre Quesnay, der nunmehr zum Ge- neralbireftor der Internationalen Bank gewählt worden 8z. berichtet die Frankfurter Zeitung: Quesnay ist seit *»26 Direktor der Bank von Frankreich, in die er von ^oulouj berufen worden ist im gleichen Zeitpunkt, in “em Herr Moreau zum Gouverneur ernannt wurde. । ™ doung-Komitee war Quesnay als General- Ie' r e t ä r beigegeben, und es ist noch in Erinnerung, *061^ bedeutende Rolle er in dieser Position und spä- ?r bei den Verhandlungen des Organifations-Komitees I r“ bie Internationale Bank in Baden-Baden gespielt Der erste Generaldirektor der B. I. Z. steht heute E3 6. Lebensjahre. Seine Karriere im offen!« Jyen Leben begann im Jahre 1918 im Saargebiet, wo fcnf .®erteibiger vor französischen Kriegsgerichten auf» I 9 wurde Quesnay vorn Völkerbund nach Wien schickt. In ähnlicher Mission war er in Ungarn tätig

an

AuMslims-Enmklitll Mt Pius' XI

Mit dieser Langmut, die schon bedenklich nahe Gedankenlosigkeit grenzt, muß Schluß g e -

Papste hervorgehobene Nachdruck bemerkenswert, womit der Kirchenlehrer auf die Verdienste der Katholiken um das Gemeinschaftsleben hinweist. Die Katholiken sind die besten Staats­bürger, insofern sie auch in der antiken griechisch- römischen Kulturwelt sich nach den Lehren uni» Weisungen der Kirche und ihres Oberhauptes rich­teten, die immer auf das wahre und allseitig gei­stige, aber auch materielle Wohl der einzelnen wir der Gemeinschaft bedacht waren.

Augustinus führt vorzugsweise den Ehrentitel des Gnadenlehrers, weil er die Gnade gegen die beiden scharf entgegengesetzten Richtungen vertei­digte, von denen die eine, der Pelagianismus, sie bis zur Leugnung herabdrückte, die andere sie auf Kosten der Willensfreiheit übertrieb. Die Enzy­klika behandelt diese schwierige Frage und bejaht wiederum den wunderbaren Einklang von göttlicher Gnade und menschlicher Freiheit.

Die Wirksamkeit der Gnade zeigt der Papst im letzten Teil der Enzyklika, wo er uns Augustinus als einen Heiligen mit seinem in heroischen Tu- r- den, in Gottes- und Nächstenliebe und in wahrer Demut vollendeten Innenleben vorstellt. Er sc l- dert ihn als einen in der Seelsorge ganz für sein Volk sich aufopfernden Bischof und als Jünger der evangelischen Räte, der als Gründer von Klöstern, als Gesetzgeber für Ordensmänner und Ordens­frauen und als ein eifriger Förderer des voll­kommenen Lebens nach den Lehren des Evange­liums dasteht.

Das herrliche Welttundschreiben schließt mit der innigen Mahnung an den Klerus und das gläubige Volk zum Gebet, zum Studium und zur Nachahmung des heiligen Kirchen­lehrers, der nicht nur auf Bewahrung des Guten, sondern auch auf die Bekehrung der Ver­irrten und die Rückführung der Irr­gläubigen in der Sinigung aller im Glauben an Christus und seiner Kirche hinarbeitete.

Der Hinweis auf den demnächst stattfindenden • Eucharistischen Kongreß in Karthago und der Wunsch für die Rettung der Heimat des heiligen Augustinus für Christus lassen die Enzyklika als ein Herzensanliegen des Papstes erkennen.

macht werden. Es ist ein lächerlicher und für die Staatsautorität blamabler Anblick, wenn ir­gendeine Gruppe, und wären es wie jüngst bet den Nationalsozialisten, nur je 25 bis 35 Mann, durch die Straßen ziehen, und freche Lieder smgett darf und hinterher folgt, damit den Radaubrüdern ja nichts passiert, im Auto eine Schupobereitschaft. Wird man höheren Orts für die Unhaltbarkeit sol­cher Zustände noch doch einmal Verständnis auf­bringen? Uttd was ist nun wichtiger: daß die staatsfeindlichen Parteien ihre Hetzreden unter freiem Himmel halten dürfen, ober daß das Le­ben der Polizeibeamten und der Bevölkerung ge­schützt wird? Man kann aus der Freiheit auch, einen Popanz machen. In Leipzig scheinen wir wiederum nahe daran gewesen zu fein.

Verhaftungen.

Auf Veranlassung der Leipziger Polizei ist lh „Vorwärts" in D e s s a u der Jungkommunist Ger­hardt Weiszner verhaftet worden, weil er in dringendem Verdacht steht, an den Leipziger Blut­taten beteiligt gewesen zu sein.

Mit Rücksicht auf die kommunistischen Unruhen in Leipzig hatte, laut „Lokalanzeiger", der Poli­zeimajor Barthel in Torgau eine Kontrolle der Kraftfahrzeuge angesetzt. Beim Kontrollieren eines Wagens kam ihm ein mit roten Fahnen geschmück­tes Motorrad entgegen, dessen Führer das Zei­chen zum Halten nicht beachtete, sondern weiter­raste und Barthel zu Boden riß. 3m Kranken­haus stellte man einen Schädelbruch und eine schwere Gehirnerschütterung fest. Sein Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Der Motor­radfahrer ist entkommen.

Für die Ermittlung der Täter, die die beiden Polizeibeamten im Verlaufe der Kundgebung bet kommunistischen 3ugenb in Leipzig getötet haben, haben bie. Staatsanwaltschaft unb bas Polizeiprä­sidium von Leipzig die Belohnungen von je 500 Mark, zusammen also 1000 Mark unter Ausschluß des Rechtsweges ausgesetzt. Zu den Vorkomm­nissen teilt das Polizeipräsidium u. a. mit: Der Vorwurf, es fei während des kommunistischen Ju- gendtages zu wenig Polizei aufgeboten und nicht scharf genug zugegriffen worden, sei durchaus un­begründet. Das Polizeipräsidium habe sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Bereitschaften aufge­boten und zum Einsatz bereitgestellt. Ferner hätte das Ministerium des Innern auf Ersuchen des Leipziger Polizeipräsidiums noch in zwei auswär­tigen Standorten, nämlich Chemnitz und Zwickau für Leipzig Kräfte bereitgehalten. Nach ein­mütiger Auffassung der leitenden Offiziere der Schutzpolizei hätten diese Kräfte vollkommen ge­nügt. Es fei den Offizieren nicht einmal nötig erschienen, die auswärtigen Verstärkungen anzu» fordern.

Wie wir erfahren, hat auch der volksparteilichi Abgeordnete Winkler-Leipzig im Zusammenhang mit den Ereignissen während der Dfterfeiertage in Leipzig eine Anfrage im Sächsischen Landtag an die Regierung gerichtet, in der die Regierung ge­fragt wird, was sie zu tun gedenke, um ein» Wie­derholung solcher Vorkommnisse, durch die die Si­cherheit und das Leben der Einwohnerschaft, vor allem aber auch der diensttuenden Polizeibeamten in Gefahr komme, unter allen Umständen zu un­terbinden.

Zur Fünfzehnhundertjahrfeier des Todes des heiligen Augustinus veröffentlicht der „Osservatore Romano" eine bedeutsame Enzyklika des Papstes Pius' XI. Ausgehend von der Augustinus-Zenenar- fefer ruft der Papst zunächst die großen Lobes­erhebungen, die seine Vorgänger und die Konzilien der Lehre des heiligen Augustinus gezollt haben, in die Erinnerung. Indes darf dieses Lob nicht auf Kosten anderer Kirchenlehrer und späterer päpstlicher und konziliarer Entscheidungen ausge­deutet werden nach Art der Jansenisten unb ande­rer Neuerer. Der Pontifex schildert dann das Leben, die dramatische Bekehrung Augustins nach den Absichten der erbarmenden göttlichen Vorse­hung, die ihn auf seine außerordentliche Mission in der Kirche vvrbereiten wollte. Der Schwerpunkt des neuen Welttundschreibens liegt vornehmlich in zwei Abschnitten, die Augustinus als K i r ch e n - lehrer und als Heiligen behandeln. Im ersten Teil lehrt Augustinus uns den wahren Glauben in Unterwerfung unter die kirchliche Autorität. Er zeigt die Mittel, wie die Menschen, um zu ihrem letzten Ziel, nämlich Gott, zu gelangen, den rechten Gebrauch von Gottes Schöpfung machen, unb den Weg zu beiden, zu Gott und seiner Schöpfung, durch die katholische Kirche mit ihrer steten, un­wandelbaren Führung und Autorität, die verkörpert ift in dem sichtbaren Oberhaupte, dem Papst.

Unter solch lichtvoller und sicherer Führung dringt der katholische Denker Augustin bis zu steilsten und kühnsten Höhen der philosophischen Spekulation unb der theologischen Forschung vor, die er zur besseren Darlegung und Verteidigung seines Glaubens unternimmt. Hier greift die En­zyklika in der erhabenen Sprache des Theologen den Kernpunkt des augustinischen Denkens heraus und weist den vollkommenen Zusammenklang der christ­lichen Lehre an einigen höchsten Wahrheiten auf, wie der Natur Gottes, der Dreifaltigkeit, der Menschwerdung des Logos, der göttlichen Vorse­hung in der Welkegierung, woraus sich dann die Scheidung des Eottesstaates vom Satansreich und die in die Sozialechik so tief einschneidende und verschlungene Lehre über das Verhältnis von Kirche und Staat ableiten. Dabei ist der vom

wie die schweizerische Depeschenagentur erfährt, die Dvppelfrage der Emission der Aktien der B. I. Z. und die Auflegung der Obligationen, welch letztere die eigentliche Mobilisierung und Kommerzialisierung der deutschen Reparations­schuld darstellt.

Gegen Hugenberg.

Protest deutschnationaler Abgeordneter.

Die Abgeordneten Graf Westarp, Wallraf, Dr. Hatzlacher, Dr. Koch-Düsseldorf, Dr. Reichert, Dr. Hampe, Leopold, Hemeler, Dr. von Drymrder, Schultz-Bromberg, Lind, Dr. Philipp, Hartmann, Domsch, Dr. Rademacher, Freiherr von Richthofen, Schröter-Liegnitz, Dr. Stvathmann, Bachmann, Fromm, Saris, Voigt, Ohler und Gerns haben laut „Börsenzeitung" zugleich im Namen noch weiterer Abwesender an den Parteivorsitzenden Dr. Hugenberg eine eingehend begründete Protest- fchrist gegen bie falsche und irrefüh­rende Darstellung gerichtet, die bie parla­mentarischen und fraktionellen Vorgänge der letz­ten Woche in der Parteipresse unb in parteiofsiziö- fen Verlautbarungen gefunden haben.

Lehren von Leipzig.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Bei der kommunistischen Demonstration, bie zu Ostern in Leipzig ftattfanb, hat es wiederum Tote gegeben. Und niemand, außer der „Roten Fahne" und ihren Nachbetern, wird diesmal behaupten können, bie Polizei sei zu scharf vorgegangen unb habe das Volk provoziert. Die Leidtragende ist vielmehr in erster Linie die Polizei selbst.

Bis Montag abend waren die Täter, welche zwei Polizeibeamte auf dem Augustusplatz nieder- gestochen haben, noch nicht ausfindig gemacht. Die Berliner Abendpresse wirft dem Leipziger Polizei­präsidenten Fleißner vor, dies sowie auch die Blut­taten selbst mittelbar verschuldet zu haben, weil feine Anordnungen weder vor noch nach den Mor­den ausgereicht hätten. Man ist ohne weiteres ge­neigt, diese Vorhaltungen als berechtigt zu emp­finden, wenn man hört, der Leipziger Polizei­präsident habe ernstlich mit Ausschreitungen nicht gerechnet und später die Kommunisten friedlich aus Leipzig wieder abfahren lassen, ohne der Täter habhaft geworden zu fein. Wir haben alsso wie­derum den für den einfachen Untertanenverstand unbegreiflichen Fall, daß unsere zuständige Be­hörde durch noch sooiele Erfahrungen nicht ge­witzigt ist, sondern ein kommunistisches Massenauf­gebot wie einen harmlofen Sonntags­spaziergang eines Gesangvereins wer­tet. Mit dieser Sorglosigkeit werden wir der Dinge aber nicht Herr werden. Man sieht schon von weitem einen neuen Berliner Fall kommen. Am 1. Mai wollen im Lustgarten bie Kommuni­sten um 11 Uhr, bie Sozialdemokraten um 13 Uhr demonstrieren. Es ist tausend gegen eins zu wei­ten, daß es dabei zu blutigen Schlägereien kommt. Aber die Berliner Polizei verbietet nun nicht etwa was überhaupt immer das Richtige märe, beide Aufmärsche kurzerhand, sondern verlangt von den beiden Parteien nur, daß sie ihr bie Straßen, welche bie Züge passieren sollen, vorher genau mitteilt. Also selbst das war bisher nicht selbst- verftändlich.