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57. Zahrg

Mittwoch, 23. April 1930

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Stilb* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

von Dissidenten aus Art Hamu in die unterwor­fene Zone gehandelt. Die französischen Truppen der Gegend von Atchana seien am 14. April von diesem Stamm angegriffen worden. Alle verfüg­baren französischen Truppen feien aufgeboten wor­den. Der Stamm habe sich, wenn auch mit schwe­ren Verlusten, in die nichtunterworfene Zone zu­rückziehen können. Die Operation sei unter au- ßerordentlich schweren Bedingungen ausgeführt worden, da die fragliche Gegend ohne Wasfer ist. Die vom Ministerium mitgeteilten Verlustziffern stimmen mit den oben gemeldeten überein.

kel, chule, 546.

Die Tumulte in Indien.

Aus Kalkutta wird gemeldet:

An dem Sturm auf die Waffendepots in Chit­tagong haben nach den bisherigen Feststellungen etwa 60 Personen teilgenommen, die sich zum größ­ten Teil in die Berge geflüchtet haben dürften. Die betreffende Gegend wird von Polizeipatrouillen abgeisucht. Fünf Personen sind unter dem Verdacht, an dem Angriff teilgenommen zu haben, bereits verhaftet worden.

Nach Auffassung der leitenden- Behörden in Simla handelt es sich bei den Tumulten in Chitia- gong um ein Unternehmen der bengalischen Terroristenorganisation, die in der ge- gegenwärtig imgang befindlichen Propaganda für die Verweigerung der bürgerlichen Pflichten eine günstige Gelegenheit erblickt hat, ihre Tätigkeit von neuem aufzunehmen.

Wie aus Bo m b a y gemeldet wird, hat die Po­lizei an allen Stellen, wo in Verletzung des Mo­nopols Salz hergestellt wurde, eingegrif­fen und die dabei gebrauchten Geräte vernichtet.

den zahlreiche Waffen gefunden. In der Hauptsache handelt es sich um Dolche und fest­stehende Messer. Etwa 100 Kommunisten, die sich nicht ausweisen konnten, wurden vorläufig festge­nommen, bis auf drei aber wieder entlassen. Die'e drei stehen, so berichtet der Lokalanzeiger, auf­grund gewisser Anzeichen im starken Verdacht, an der Ermordung der Leipziger Polizeibeamten be­teiligt gewesen ie ।

* Die Einwanderung nach H. 5. A. — Aufhe­bung der nationalen Abstammungsbestimmung. Aus Washington wird gemeldet: Der Senat nahm mit 39 gegen 34 Stimmen einen Zusatzantrag des republikanischen Senators Norbeck zur Einwandc- rungsvorlage an, der die nationale Abstammungs­bestimmung zur Beschränkung der Einwanderung aufhebt. Der Zusatzantrag verringert zwar die jährliche Einwanderung aus den europäischen Ländern von 150 auf 120 000, sieht jedoch die alte Quotenbasis vor. Deutschland und Skandinavien erhalten dadurch einen größeren Prozentsatz an der Gesamteinwanderung. Präsident Hoover hatte die Aufhebung der nationalen Abstammungsbe­stimmung empfohlen.

* Der australische Heeres- und Marineelak um 10 Millionen M gekürzt. Aus Melbourne wird gemeldet: Die australische Regierung hat angeordnet, den Landesverteidigungsetat zum

Jteue Kämpfe in Marokko.

An der Grenze zwischen dem unterworfenen und dem noch picht unterworfenen Gebiet in Ma­rokko ist es zu Kämpfen zwischen französischen Truppen und Eingeborenen gekommen. Eine etwa 200 Gewehrs starke Eingeborenenabteilung hatte am 8. April von Ait Hamu aus einen Vor­stoß in die unterworfenen Gebiete unternommen. Die sranzösischen Streitkräfte sollen diese Abteilung mehrmals gestellt und ihr im Laufe der Kämpfe starke Verluste beigebracht haben, so daß sie sich nach dreitägigen Kämpfen in größter Unordnung in das nichtunterworfene Gebiet zurückzog. Die Verluste der französischen Truppen werden mit drei Toten und 12 Verwundeten angegeben, sämtlich Einge­borene Außerdem soll auf französischer Seite ein Fliegerunteroffizier verwundet worden sein.

In einer Auslassung des französischen Kolonial­ministeriums werden die blutigen Zusammenstöße in Französisch-Marokko bestätigt. Danach hat es sich um den Einfall eines sehr starken Stammes

SerSchlutzattderLon-onerzlotteukonserenz feierlicher Abschluß eines Fünf-Mächle-Pakks. — Der Glanbe an den Frieden. — Die Ankerschriften. — Einladung znr Betei­ligung aller Mächte an den See-Rechts-Beftimmungen.

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igften Niger intie bliche Mittel be-

t. Pr. Mik. dro» utter-

Anläßlich des Kommunistischen Jugendtages kam es in Leipzig am Ostersonntag zu blutigen Zu­sammenstößen zwischen der Polizei und den De­monstranten. Das Polizeipräsidium verbreitet dar­über die nachstehende Mtteilung:

An den Aufmärschen zum Kommunistischen Ju- gendtag beteiligten sich rund 15 000 Personen, die zahlreiche Plakate, Transparente und Fahnen mit­führten. In einzelnen Fällen beschlagnahmte die Polizei Plakate mit aufreizenden Inschriften. Wäh­rend bei den Umzügen verhältnismäßig Ordnung herrschte, kam es bei der Kundgebung auf dem Au- gustusplatz, zu der sich auch eine große Anzahl un­beteiligter Zuschauer eingefunden hatte, zu einer schweren Ausschreitung. Auf dem Grim- maischen Steinweg versuchten Demonstranten, ein Auto, das vom Augustusplatz in den Grimmaifchen Weg einbog, aufzuhalten und umzustürzen. Es gelang den eingreifenden Polizeibeamten, dem Auto die Durchfahrt zu ermöglichen, doch wurden sie von den nachdrängenden Demonstranten angegriffen und mit Latten, Fahnenstangen usw. geschlagen. Die Polizei machte von der Schußwaffe und von dem Gummiknüppel Gebrauch. Poli­zeihauptmann Galle wurde durch Schläge und atiche so schwer getroffen, daß er tot z u s a nt m e n b r a ch. Der Polizeioberwachtmeister Karte erlag einige Stunden später seinen schweren Hieb- und Stichverletzungen. Ein weiterer Beamter schwebt noch in Lebensgefahr. Drei Beamte wer­den zum Teil erheblich verletzt. In schwerster Not­lage gaben die Beamten einige Schüsse ab. Einer der Demonstranten erhielt einen tödlichen Schuß. Seine Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Außerdem wurden vier Demonstranten verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Beim Abmarsch kam es zu keinen besonderen Zwi- chenfällen. Das Polizeipräsidium hat wegen die­ser Vorkommnisse alle Veranstaltungen auf öffent­lichen Straßen und Plätzen verboten.

Der Ostermontag ist im allgemeinen ruhig ver­laufen. Am Augustusplatz wurden morgens aus» Ehrende Streifwagen der Polizei von Demonstron- ten belästigt, die sich ihrer Feststellung durch die Flucht in die anliegenden Häuser zu entziehen luchten. Beim Absuchen eines Hauses wurde ein Beamter in einem finsteren Kellerraum angegrif- len. In der Notwehr gab er einen Schuß ab, durch den ein Demonstrant schwer verletzt wurde. Eine Anzahl Personen wurde festgenommen. Die aus­wärtigen Teilnehmer des kommunistischen Iugend- tages "haben zum großen Teil bereits in Kraftwa­gen und mit der Bahn die Rückfahrt angetreten.

Bei der Durchsuchung der aus Leipzig nach Halle a. S. zurücKehrenden Kommunisten wur-

* Landwirte stimmen gegen die Agrar-Hilfs­maßnahmen. Bei der zweiten Lesung des Gesetzes zum Schutze der Landwirtschaft haben im Reichs­tag sechs Landwirte gegen die Regierungsvor­lagen gestimmt, obwohl sie wußten, daß es auf jede einzelne Stimme ankam. Dieselben sechs Land­wirte haben auch bei der dritten Lesung die Agrargesetze auf das schwerste gefährdet, weil sie, mit einer Ausnahme, Abg. Dr. Agena, der ein­fach der Sitzung fern geblieben war, gegen wich­

Traurige Folge des Radikalismus

Drei Tote am Ofter-Sonnkag in Leipzig.

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große befreundete Nationen nicht in der Lage feien, ein freundschaftliches Abkommen zu treffen.

Der italienische Delegierte Sirianni er­klärte, die fa sz istische Auffassung des Pwblems habe stets die Herabsetzung der Rüstun­gen auf den niedrigst möglichen Stand befürwortet. Italien wolle nur rein defensive Rüstungen.

uldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt._____

Unbekannte haben sich in der Nacht zum zwei­ten Feiertage in der evangelischen Kirche in Bornim bei Potsdam betätigt. Wahr­scheinlich hatten sie sich mit Nachschlüsseln Zutritt verschafft. Sie zerbrachen an der Orgel 60 Pfei­fen, schraubten die Ventile der Dampfheizung ab, so daß der Dampf entwich und drehten alle Gas- hähne auf. Als am Montagvormittag der Küster erschien, um die Kirche für den Gottesdienst vor­zubereiten, fand er die Verwüstung vor. Der Got­tesdienst konnte trotzdem stattfinden, denn für die zerstörte Orgel wurde als Ersatz ein Harmonium beschafft. Die Täter sind noch nicht ermittelt.

Gegeu die russische Rellgionsversolgung.

Aus Breslau wird gemeldet:

Erne große katholische Protestkundgebung gegen die Verfolgung der christlichen Kirche in Sowjet­rußland, zu der auch Kardinalfürstbischof Bertram erschienen war, fand in der Jahrhunderthalle in Breslau statt. Nach einem Vortrag von Dr. Alger­missen (München-Gladbach) über das Thema „Wachst auf zur Wehr gegen Freidenkertum uni Bolschewismust" betrat Kardinalfürstbischof Ber> tram das Rednerpult zu einer Ansprache, in der ei u. a. ausführte:

„Die Greueltaten in Rußland sind nichts an­deres als das Bangen des schuldbeladenen Gewis­sens, das mit neuen Greueltaten die alte Schuld vergeffen will." Die Versammlung richtete ein Crgebenheitstelcgramm an den Papst. Ferner wurde an die Smvjetbotschaft in Berlin ein Pro­testtelegramm gerichtet. Es lautet: „Zehntausend« Katholiken von Breslau, um ihren erhabenen Kar dmalfürstbsichof versammelt, erklären öffentlich fol gendes: Die Liebe zu Christus und seiner Kirche, die brüderliche Teilnahme an dem S^ickial von 147 Millionen Christen in den russischen Staaten und die furchtbare Gefährdung aller Kutlur in Europa drängt uns, feierlich Protest zu erheben gegen die Vergewaltiguna s '"ücben Religion und gegen die unerhört grausame Verfolgung der christlichen Kirchen '

Der Zollkonflikt mit Polen.

Die polnische Presse führt seit einigen Tagen planmäßigen Feldzug gegen die Ratifikation i 75 Polenvertrags unter ausdrücklicher Bczug- Ame auf die vor einigen Tagen erfolgte Er- der landwirtschaftlichen Zölle in Deutsch- |SÖ' Sie geht dabei sogar soweit zu behaupten, auch die Genfer Abmachungen durch .Zollerhöhungen für Polen hilflos würden; °en ells könne Polen die Voraussetzungen, unter neu es feine Unterschrift zu den Genfer Ab- gegeben habe, heute nicht mehr als vor- M »»"den ansehen.

| wird von zuständiger Stelle erklärt,

M^°,Zuf der Genfer Konferenz ausdrücklich Kon- U^"°usstaaten die Möglichkeit offengehalten wor- iJ < $re autonomen Zölle zu erhöhen; dabei M»,'" dringenden Fällen vorgesehen, daß die übri- M^-,"anventionssisaaten davon vorher nicht be- ijitfrin - werden brauchen und daß Verhand- r über diese Zolle nicht erforderlich sind Udm • ~ Genfer Konferenz war ferner bekannt, U^^..Deutschland, wie übrigens auch in anderen

Ländern, die Absicht bestand, mit auf die schwere Krise der Landwirtschaft Kta k landwirtschaftliche Zölle zu ändern. Polen s frfahlclJ° unterrichtet, daß in Deutschland Zoll- | |tn v^Sen auf landwirtschaftlichem Gebiete erfol- M^wurden, und hat daher keinen Anlaß, sich i ^>gen U°er b*e erfolgten Zolländerungen zu be« Wiiy, ,°?. da? deutsch-polnische Wirtschaftsabkom- ■geoighd) die Meistbegünstigung erhalten; da- Verchwelche Zollbindung, nicht zuletzt im Polens selber, nicht festgelegt worden. ^■bL "Ugen find auch für Polen trotz der Zoll- "gen für agrarische Produkte die Doüeile

wtb. London, 22. April. (Eig. Meld.) Im - Gegensatz zur Eröffnung der Konferenz vor drei Mnaten, die im Nebel erfolgte, strömte heute voller Sonnenschein in die Fenster des berühmten Queens-Salon im St. James-Palast. Die Schluß- ßtzung machte einen sehr feierlichen Eindruck. Alle s Elegierten erschienen im Gehrock und im Zylin­der, Ms erster traf Macdonald ein. Wohl zum ■ ersten Mal in ihrer Geschichte sahen die Staats- «mächer des St. James-Palastes Vorkehrungen «w Aufnahme von Lichtbildern und Sprechfilmen. Pünktlich um 10,30 Uhr erhob sich Macdonald. Er erkundete, daß die nächste Flottenkonserenz im Jahre 1935 stattfinden werde, außer wenn be- ftuders glückliche Ereignisse eintreten, die sie nicht notwendig machen. Er erklärte weiter: Die Dele- qaüonshäupter haben erwogen, welches der pak- kendste Titel sein könne, unter dem die Konferenz bekannt sein soll. Ich mache den Vorschlag, daß sie bekannt sein soll unter dem Namen „Londoner Flottenkonserenz und Vertrag vom Jahre 1930". Die Konferenz stimmte dem zu. I. • Macdonald sagte weiter: Wir sind so weit ge­gangen ,wie wir augenblicklich gehen konnten, und wir sind zusammengekommen, um unsere Punkte, L in denen wir Uebereinstimmung erzielt haben, rusammenzustellen und sie in einem Vertrag nie­derzulegen. Verglichen mit Washington oder Genf sind wir weit fortgeschritten, verglichen mit unseren Wünschen sind wir noch im Rück- st an d. Dies ist nur eine weitere Phase, und die Arbeit wird fortgesetzt werden müssen. Wir werden die Probleme in Angriff nehmen, die sich bisher nicht lösen ließen. Wir müssen uns jedoch zu dem Erreichten beglückwünschen, weil immer und immer i wieder irgendein falsches Wort eine Lage hätte erzeugen können, die nicht leicht zu beschwichtigen ist. Wir kennen uns heute in einem Geist aktiven Wohlwollens, und wir wollen alle Mittel be­nutzen. um einen Fünf-Mächte vertrag ! zur Wirklichkeit zu machen.

Nach Macdonald ergrfff St im son das Wort, Umn u. a. zu erklären: Der Vertrag setzt unsere R Kdttenbeziehungen zu dem britischen Reich UMf gerechter, dauerhafter Grundlage fest und stellt mit unseren japanischen Nachbarn Beziehun­gen her, die eine wachsende Freundschaft mit «tsem großen Lande, das wir als einen Faktor | der Ruhe und des Fortschritts in Ost-Asien be­trachten, verbürgt. Erfreulicherweise setzen Frank- ■ «ich und Italien ihre Verhandlungen fort, in der ff Hoffnung, ein Fünfmächteabkommen über die Ein­schränkung der Flottenrüstungen herzustellen. Ame­rika glaubt, daß die Rüstungsbegrenzung durch li gegenseitige Vereinbarung die wirksamste Methode E P, um das Vertrauen der Nationen auf den t gegenseitigen Friedenswillen zu stärken. Die Flot­tenbeschränkung ist der beste Gradmesser des Elau- bens der Welt an die Möglichkeit einer Regelung der internationalen Fragen durch friedliche Mittel, , Dann sprach Briand. Er erklärte, Frankreich sei den Ideen tteu geblieben, die stets seine sried- uchen Verhandlungen geleitet hätten, insbesondere drnen in Verbindung der Arbeit der Konferenz und denen der Genfer vorbereitenden Kommis­sion, die von neuem den Grundsatz der gegenseiti- 19«1 Abhängigkeit der Rüstungen hervortteten iasse. Briand sprach sein tiefes Bedauern brmVcr s aus, daß der Dreimächteverttag keine größere Ausdehnung gefunden habe. Die französisaze Steumg werde jedoch alle Anstrengungen unter- Amen, um die letzten Schwierigkeiten zu über« "tnden. Sie könne nicht daran glauben, daß zwei

tige Teile der Finanzvorlagen stimmten, nur in dem Bestreben, dem Kabinett Srüntng Schwierig­keiten zu bereiten. Fünf von diesen Landwirten gehören der D eutschnationalen Volks­part e i an, nämlich die Abg. Dr. Agena, v. Gold­acker, Soth, Stubbendorf, v. Troilo. Abg. Willi- kens (Hannover) ist Mitglied der Nationalsozia­listischen Partei. Alle diese Abgeordneten spielen sich in der Oeffentlichkeit als Fü h r e r d e r Land­wirtschaft auf und wollen immer von sich be­haupten, daß gerade s i e die Interesien der Landwirtschaft am nachdrücklichsten vertreten.

* Auch die hessischen Sozialdemokraten für An- schlutzverhandlungen. Nachdem erst kürzlich auf dem Parteitag der heMchen Demokraten eine Ent­schließung wegen Angliederung Hessens an Preu­ßen gefaßt wurde, hat nun auch, wie das P. T. aus Frankfurt a. M. berichtet, ein Bezirksparteitag der hessischen Sozialdemokraten zu der Frage Stel­lung genommen und nach eingehender Aussprache die Landtagsfraktion der Soziclldemokratifchen Par­tei ersticht, einen Gesetzentwurf zu beantragen, durch den die hessische Staatsregierung ermächtigt wird, mit der preußischen Regierung in Unterhandlungen zu treten wegen Abschlusses eines Staatsoertrages mit dem Ziel des Auf gehens des Hessen- landes in Preußen. In der Begründung heißt es u. a., daß eine Verreichlichung des Hes­senlandes undiskutabel erscheine, da dadurch die oberhessische Enklave nicht beseitigt und die verbil­ligte Verwaltung nicht erreicht werde. In Frage komme nur eine organische Vereinigung des HesfenlandesmitderpreußiscyenPro- vinz Hessen-Nassau.

aus dem Wirtschaftsabkommen so groß, daß es keine Ursachen haben dürfte, das Abkommen nicht zu ratifizieren. Außerdem ist erkennbar, daß die Zollerhöhungen sich nicht etwa gegen Polen rich­ten. Im Gegenteil bedeutet z. B. die ^Befestigung des Gefrierfleischkontingents gewisse Vorteile für die polnische Fleischausfuhr. An den Grundlagen für die Bemessung der Schweinezölle hat sich durch die Neuregelung nichts geändert; es ist lediglich eine notdürftige Anpafsung der Lebendviehzölle an die schon bestehenden Fleischzölle erfolgt.

Völlig unbegründet sind die in der polnischen Presse erhobenen Vorwürfe wegen der Zollerhö­hungen für Speck und Schmalz; denn diese Zölle sind überhaupt nicht erhöht worden. Eine Reibe weiterer Zollerhöhungen, die an sich für Polen von Bedeutung fein könnten, ist dadurch zum min­destens für die nächste Zeit für Polen ohne Inter­esse, well diese Zölle in anderen Handelsverträgen gebunden sind und Polen die Meistbegünstigung genießt, während es bis zur Ratifikation des Ab­kommens die zum Teil wesentlich höheren Kampf­zölle zu tragen hat. Aus alledem ergibt sich, daß der Kampf der polnischen Presse gegen die deut­schen Zollerhöhungen auf landwirtschaftlichem Ge­biete durchaus unberechtigt ist.

Monatlich 1,80 einichlietzl. Poitgeoühr (48 Pf., ohne Zustellg. Anzeigen-Preise Kleinzeile (Col.» lokal 0,15 HJI, auswärts 0,20 JUL. Reklamezeile: lokal0,60 'Mt, auswärts0,80 HJt Bei Wiederholungen Rabatt. Pofffcheckk. Tranks, a. M. 4051

wlb. London, 22. April. (Eig. Meid.) Ihn 12.40 Uhr wurde der Londoner Flottenvertrag von bcn Delegierten unterzeichnet.

Der Inhalt des Abkommens.

wtb. London, 22. April. (Eig. Meld.) Der Londoner Fünfmächteverttag, dessen Wortlaut so­eben veröffentlicht worden ist, besteht aus einer Einleitung und fünf Teilen. Teil 3 wird vorläufig nur von den Vertretern Amerikas, Englands und Japans unterzeichnet werden.

Teil 1 (Artikel 1-5) betrifft den Verzicht auf den Ersatz der Panzerschiffe während der Jahre 1931—36 mit der Sonderbestimmung, daß Frank­reich und Italien die Ersatzbauten vornehmen dürfen, zu denen sie dem WaMngtoner Brr- ttag in den Jahren 1927 und 29 berechtigt waren.

Teil 2 (Art. 6—13) bezieht sich auf die Regeln der Festsetzung der „Standard-Wasserverdrängung" und verzeichnet die bereits bekannte Einschränkung der Tonnage und der Ausrüstung von U-Booten (Höchstgrenze 2000 Tonnen, höchstes Geschützkaliber 13 Zentimeter) mit der Ausnahmebestimmung, daß jede Macht drei U-Boote bis zu 3800 Tonnen mit einem Geschützkaliber bis höchstens 15,5 Zentimeter haben darf. Dieser Teil hat drei Anhänge, von denen der erste die Regeln für den Ersatz und der zweite die Regeln für die Unbrauchbarmachung von Kriegsschiffen enthält. Der dritte Anhang zählt die Spezialschiffe aus.

Teil 3 (Art. 14—21) enthält die nur von den drei Mächten Amerika, England und Japan zu unterzeichnende Vereinbarung, die sich auf die Begrenzung der Kreuzer, Zerstörer undU-Bovte bezieht und in allen wesentlichen Einzelheiten bekannt ist. Dieser an technischen Einzelheiten reiche Teil wird abgeschloffen durch Artikel 21 (die sogenannte Sicherheitsklausel).

Teil 4 (Art. 22) umfaßt die neue völkerrechtliche Regelung der Behandlung von Kauffahrtei-Schiffen durch U.Boote und auch durch andere Kriegsschiffe und schließt mit den Worten: Die hohen vertrag­schließenden Teile laden alle anderen Mächte ein, ihre Zustimmung zu den oben angeführten Regeln zum Ausdruck zu bringen.

Teil 5 (Art. 23—26) besagt u. a., daß der Ver­trag bis zum 31. Dezember 1936 in Kruft blei­ben soll außer Teil 4, der auf unbegrenzte Zeit gültig bleibt. Weiter heißt es: Falls die ho­hen vertragschliehenlen Teile sich nicht auf Grund eines allgemeinen Abkommens über Begrenzung der Seerliftungen, dem sie alle beitreten,, anders entscheiden, werden sie tnt Jahre 1935 eine Konferenz abhalten, um einen neuen Vertrag zu entwerfen, der den gegenwärtigen Vertrag er- setzen und seine Ziele ausführen soll. Art. 25 be­stimmt, daß noch Niederlegung der Ratifikatio­nen die britische Regierung allen außerhalb des Vertrages stehenden Mächten den Teil^ 4 bekannt geben und sie einladen soll, -hre Zustimmung dazu auf unbegrenzte Zeit zu er­klären.