Die Beschaffung der notwendigen Inneneinrichtung für Wasch- und Tagesraum, die Vermehrung handfester Betten in getrennten Räumen gingen langsam und nur durch die wohlwollende Unterstützung des Gaues Main— Rhein—Lahn—Fulda vor sich. Immerhin können heute bald 100 Leutchen eine — wenns nicht gerade stürmt und donnert — sorglose Nacht dort verbringen.
Das ist unsere Jugendherberge; auch für den Einheimischen leicht übersehbar; es sei denn, daß man das Helle Schild kurz vor der früheren Polizeiwache in der Schloßstraße entdeckt. Innen lustig und sauber, ein eifriger Herbergsvater behütet die Räume.
Wer schon mal über die Holztreppe geschaut hat, der, ladet sie nicht sonderlich ein; wieviel weniger den, der mit Bleibeausweis hinaufsteigt. Shirg gesagt, die Räume sind kalt, oft Enttäuschung für junge Menschenkinder, die begeistert von den Bergen der Rhön, des Vogelsberges zu Tal zogen. Hier hinter Fuldas Mauern wollen sie einige Stunden der Besinnung und Ruhe genießen. Es ist dies eine Stätte, die niemand gefällt und doch — allfommerlich nahezu 3000 fremde, wandernde junge Menschen beherbergt.
Du siehst, junger Freund, keine belanglose Sache für uns „Fulder", wie du bisher vielleicht geglaubt oder von der du bis jetzt noch nichts gewußt. Nicht fragen: W e r ist schuld an diesem liebel? Die Männer sicher nicht, denn sie taten ganz nach ihren Kräften — aber die Stadt?
Nun, du hörst doch ab und zu mal was vom ausge- quetschten Stadtsäckel, aus dem bald nichts mehr rauszuholen ist — dabei die Wohnungsnot, die Wohlfahrtslasten!
Da lese ich gerade in Nummer 4 der schönen Zeitschrift .Jugendherberge":
„Man sollte" protestieren!
„Man sollte" verlangen!
„Man sollte" dies und „man sollte" das!
Siebe Leute, wie wär der Spaß, ich versteh ja nichts von dergleichen Sachen!
Aber--wie wär'; mit selber machen^
Darüber ein andermal.
8
Ilr. 89
Beilage zur Fuldaer Zeitung
16. April
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See, Alpen, Rhonegletscher.
(Schluß folgt.)
12. August. Das waren zwei schöne Tage, die wir in der schlichten Arbeiterfamilie in Uznach am Züricher- See verlebten. Noch sehe ich das Großmütterchen, wie es uns glückwünschend für unsere Fahrt und für die Zukunft nachwinkt. Und jetzt werden die Kinder, die uns so gerne erzählen hörten, ihre Eltern bitten, die beiden Herren möchten bald wieder kommen.
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Kennst du Mas Zugendherberge?
10 Jahre werden es jetzt, daß sie d a ist. Einige wackere Männer, die den Ruf der Zeit verstanden, fanden damals den Mut. Sie brachten Opfer auf dem kühnen, aber Erfolg versprechenden Weg der Selbsthilfe; manch' dornenvolle Etappe gabs! Die Inflation brachte trotz Opfer- bereitschast und vorübergehender Mithilfe einiger Gruppen und Vereine das Werk des Jugendherbergsausschusfes Fulda stark in Gefahr. — Trotz allem gelang der b e- helfsmüßige Ausbau über dem Marstall des Stadtfchlofses, das seitens der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt war.
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Einsiedeln ist erreicht. Welch imposanter Eindruck, wenn man auf dem großen, freien Platz vor der etwas erhöht gelegenen Benediktinerabtei steht. Diese attehr- würdige Stätte, die Abtei und die Stiftskirche mit dem Gnadenbild der Mutter Gottes! . lieber 200 000 pilgern alljährlich hierher, um Trost und Hilfe zu suchen. Kein Wunder also, daß die guten Mönche uns ihre Hilfe versagen müssen.
Kath. Gesellenhaus. Diesmal frage ich, hatte seither immer die größere Chance. Mutig voran. Der Präses sitzt zufällig mit dem Gesellenwirt am Tisch: Grüß Gott, Entschuldigen Sie . . . Ehe ich weiter komme, erhebt sich der greife Pater, geht freudig auf mich zu und drückt mir liebevoll die Hand: „Nun, mein lieber, junger Fenmd". Mein Wunsch wird gerne erfüllt. Fulda kennen sie gut, hatten sie doch von dort einen Gesellen im Verein. Wie erleichternd ist es auf einer so anstrengenden Fahrt, wenn man gute Herzen und liebevolle Aufnahme findet.
Und während ich nun so dasitze, aus einem Buche laut vorlese und meine Aufzeichnungen mache, quält mich eine Unruhe. Nur selten kommt es nämlich vor, daß wir meh. rere Stunden wie heute in einem schönen Zimmer fitzen. Was liegt da näher, als daß man bei dieser angenehmen Ruhe die rastlose Wanderfahrt empfindet, in dem von selbst aufsteigenden Gedanken an die Heimat, an das Elternhaus in den Ferien? Heimweh etwa! Doch das sind nur Augenblicke, nicht zu vergleichen mit den schönen Stunden. Schon winken ftohe Tage. Vierwaldstätter-
(Entnommen dem Buche „Christus und der Geist des Abendlandes". Bücherei des Katholischen Gedankens, Bd. 1 Kart. Mk. 1.50.)
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Fabrikarbeit täglich zu tragen, mit ihnen die karge Speise und den kahlen Wohnraum zu teilen, um bann Zuletzt mit ihnen zu beten und sie in den Hochzeitssaal ZU führen? Vielleicht aber auch, daß uns Gott in Sturm und Ungewitter naht, daß mir in die Katakomben ft eigen müssen, um Christus wieder zu finden? Ich weiß es nicht. Aber das weiß ich: Ob Gottes Gnade im milden Säuseln des Windes, ob er im Brausen des Sturmes uns erneuern will, — dadurch allein wird sie uns erneuern, daß sie uns klein macht.
[Zur Heirat oder aus wirklicher Eignung und Neigung ergriffen worden ist. Wenn die notwendigen Fähigkeiten da sind, kann die Neigung ersetzt werden r durch Pflichtgefühl, Ehrgeiz und die klare Einsicht, daß | äußerer und innerer Lebensgewinn vor allem von der vollwertigen Arbeitsleistung abhängt.
Wille und Talent, von anderen zu lernen, müssen ebenfalls, und zwar lebenslang, vorhanden fein. Wer glaubt, schon alles zu wissen, kommt niemals vorwärts. Freilich will die heutige Jugend nur zu gerne den eigenen Gesetzen folgen, ihre Erfahrungen selbst machen, sich selbst den Weg suchen. Sie empfindet die ältere Generation im allgemeinen als rückständig und tritt häufig in scharfen Widerspruch zu ihr. Gestehen wir es offen: es handelt sich hier um einen heftigen Rückschlag gegen Oie frühere Gepflogenheit, die Jugend grunvsätzlich niederzuhalten, sie stets als leitungs- und er- mahnungsbedürstig anzusehen — auch auf Gebieten, die dem Mentor selbst keineswegs vertraut waren und auf denen er besser getan hätte, feine Autorität nicht geltend zu machen. Was dazumal der Jugend ost ungerechterweise bestritten wurde, das nimmt sie jetzt um so nachdrücklicher für sich in Anspruch: das Recht der Kritik und Selbstbehauptung.
Kritik ist ein gutes Ding, wenn man sie nicht nur an anderen, sondern auch an sich selbst übt. Wer allein steht, wie so viele junge Mädchen heutzutage, hat nicht mehr die Berater zur Seite, die traft der Blutsbande sich einen gelegentlichen Tadel oder wenigstens eine Mahnung gestatten konnten. Es gilt also, sich selbst gegenüber objektiv zu werden, zu überlegen, ob das, was man jetzt tut, uns an anderen gefallen würde, ob es Sinn
Der nachfolgende Aufsatz ist dem neuen Jung- mädchenbuch entnommen: Dr. Maria Maresch, „Neue Jugend", ein Buch der ßebensgeftaltung für junge Mädchen. 400 Seiten.
Das alleinstehende Mädchen war ehemals eine große Seltenheit. Bis zur Vermählung blieb die Tochter im Elternhause; denn selbständig und allein aufzutreten, galt ür ein junges Mädchen als höchst unschicklich. Diese Fürsorge und Bevormundung durch andere hatte zur Folge, daß entweder im Falle der Heirat der Gatte ortan die Leitung des zur Unmündigkeit erzogenen We- ens übernahm oder daß, wenn sich kein Freier sand, die einsam alternde immer noch die innerliche Abhängigkeit ihrer Jugend beibehielt.
Heute gibt es die verschüchterte alte Jungfer nicht mehr, und auch nicht das unselbständige junge Mädchen von einst. Teils die Notwendigkeit, sich wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen, teils der Drang, zu wirken und zu nützen, treibt die Töchter aus in die Berufe. Allein und selbstverantwortlich stehen sie in der Welt, hausen in einer Pension, einem Frauenheim oder möblierten Zimmer, bestenfalls in einer bescheidenen Iunggesellenwohnung. Ihr Einkommen, nicht Her- kunst ober Bildungsgrad, entscheidet über ihre äußere Lebenshaltung. Die Schranken von ehemals find gefallen und zugleich der feste Halt einer allgemein gültigen Ueberlieferung. Die Einzelne muß die Norm ihres Daseins selbst schaffen, die Menschen ihres täglichen Verkehrs wählen, soweit nicht auch diese durch den Beruf gegeben sind. Wichtig vor allem ist ihre Einstellung zu eben diesem Beruf: ob er nun als Broterwerb, als Verkürzung der Wartezeit bis
Ostern und neues Leben.
Seit bem ersten Osterfeste ist durch unseren Heiland alle Well von dem Fluch erlöst worben. Alle Well ist gesegnet imb in besonderer Weise von Gott geliebt. Der Heiland hat den Schuldschein zerreißen dürfen, der gegen uns lautete; und so ist a 11 e s n eu a u s Gott g e- baren, Gott hat eine neue Ordnung eintreten lassen in Gnade und Liebe Der neue Bund hat angefangen, und wir sind Glieder eines Gottesreiches geworden. Die Gotteskindschaft ist wieder in die Welt gekommen. Diese Tatsache ist etwas unglaublich Großes. Wir Menschen sind uns dessen oft nicht bewußt. Wir denken nicht daran und fühlen uns gar nicht als Erlöste. Wir ftef- fen in der Not und stehen Gott gegenüber unter einem Druck, ober wir leben ganz gleichgültig dahin, als ob nichts Göttliches bei uns und in uns wäre. Die Natur draußen, überhaupt das Körperliche bringen wir gar nicht m Verbindung mit Gott. Wir empfinden dieses und jenes wohl einmal als schön, vielleicht sogar als sehr schön — erleben dabei aber nicht das Tiefste und Schönste, daß nämlich alles durch das Kreuz Christi erlöst ist, daß 'alles unter dem Segen Gottes steht und ein neues Leben führt ober führen soll. Deshalb benehmen wir uns den Menschen und den Dingen gegenüber oft so ehrfurchtslos. Wir gebrauchen sie zur Befriedigung unserer Bedürfnisse und unserer Selbstzucht und sind dabei kein bißchen fromm, sondern empfinden alles ganz weltlich. In Wirklichkeit sicht seit dem ersten Osterfeste alles in Liebesverbindung mit Gott, und alles soll uns zu Gott fichren.
und Zweck, und welche Folgen es hat. Wer einfach nach Laune und Trieb darauf loslebt, den Schluß aus feinen Worten und Handlungen nicht zichen will, der bewährt sich vor aller Welt als das, was junge Mädchen um keinen Preis scheinen möchten: als unreif. — Berechtigte Selbstbehauptung darf nie verwechselt werden mit kurzsichtigem Eigenwillen, und Freiheit ist nicht gleichbedeutend mit Hemmungslosigkeit.
Uebrigens verbirgt sich hinter stark unterstrichenem Selbstbewußtsein oft Unsicherheit. Besonders das alleinstehende Mädchen will in vielen Fällen, wo es scheinbar anspruchsvoll auftritt, nur die befürchtete Geringschätzung seiner Person und Leistung entwaffnen. Ruhige Sicherheit des Betragens findet sich zumeist bei solchen, die sich schon durchgesetzt haben, ihr Leben der Arbeit und Verantwortung als selbstverständlich nehmen, sich darin wohlfühlen.
Ein höchst erfreulicher Umschwung der Anschauungen bedingt, daß heute die Unverheiratete nicht nur Geselligkeit außer Hause pflegt, sondern auch bei sich Gäste sehen kann. Im reifen Alter, wo die selbständige Unvermählte mehr die soziale Stellung einer Frau einnimmt, ist das schon gang und gäbe. Eine junge Kunstschülerin ober Studentin soll zwar noch nicht Hausfrau fein, wenn es sich um Einladungen „mit Herren" handelt: wenigstens wird sie klug tun, eine ältere Bekannte beizuziehen. Jedenfalls ist es in vieler Hinsicht für sie eine Empfehlung, wenn sie ihrem Iunggefellinnenheim einen festlichen Anstrich zu geben, den Tisch hübsch zu decken, das Gespräch mit Takt und Anmut zu lenken weiß. Die Geselligkeit legt der Alleinstehenden die heilsame Pflicht auf, sich nicht in sich zu verspinnen, sondern Anteil zu nehmen an den Interessen anderer, auf sie einzugehen, liebt sie eine soziale Tätigkeit aus, bann ist in dieser das Gegenteil gegen Ichsucht und Einseitigkeit schon gegeben.
Im geselligen Verkehr wirkt das, was die Alleinstehende daheim an Erziehung und Beispiel empfangen Hot, sich am deutlichsten aus. Instinktmäßig schlägt das guterzogene Mädchen, das auf sich hält, einen Ton an, der bei allem Freimut doch die notwendige Schranke aufrichtet. Jeder männliche Kollege weiß, wie er sich ihr gegenüber zu verhalten hat. Die frühe Bekanntschaft mit dem Leben hat ihren Blick geschärft für Dinge, von denen sittsame Mädchen ehemals nichts wußten und wissen durften: sie schützen die Grundsätze eines Mannes meist ganz richtig ein. Auch die Mädchenfreundschaften tragen heute ein völlig anderes Gepräge als ehedem, sind nüchterner, krittscher, sachlicher. „Kameradschaft" ist auch zwischen jungen Menschen ein modernes Losungswort.
Auch das ist ein Rückschlag, eine Reaktion auf das übersteigerte Gefühlsleben früherer Epochen. Ebenso das jetzige verstandesmäßige, fast zynisch offene Bereden von Dingen, die vordem allzu geheimnisvoll behandelt wurden.
Es wäre töricht, dergleichen zu überschätzen. So viele Möglichkeit sich dem jungen Mädchen heute auch bieten im Vergleich zu ehemals, fo viel Teil es auch hat an den geistigen Gütern, die sich ihm früher versagten — das alleinstehende junge Mädchen wird, wenn seine Stunde geschlagen hat, auch heute am liebsten das sein, was die Töchter der Vergangenheit waren: Frau und Mutter.
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„Nein, Wasser, Und diese Gurnrnischläuchchen sind zum Saugen. Man braucht bann nicht abzusteigen".
„Praktisch, aber das Wasser wird warm. Darum steigen wir lieber einmal an einer frischen Quelle ab."
„Das hält nur auf".
„Wohin fahren Sie?"
„Neckar aufwärts — Stuttgart".
„Wir fahren Richtung: Karlsruhe, Freiburg. Heil! Frohe Fahrt!"
Ich komme zurück und erzähle es meinem Kollegen. Er kann es nicht fassen.
*
7. August. Nach Freiburg der schönen Schwarz- waldstadt, ist der Feldberg unser nächstes Ziel. Um schneller vorwärts zu kommen, benutzen wir ausnahmsweise die Höllentalbahn. Ein herrlicher Sonnentag! Der Zug ist gedrängt voll von ftohen Ausflüglern nach dem Titisee und Feldberg. Wenn es manchmal bei stundenlanger Fahrt auf der staubigen Landstraße unbequem wird, kommt wieder neue Stimmung. Der Titisee und Feldberg. Wir erlauben uns hier nur kurzen Aufenthalt zum Morgenfrühstück, am Rand des Waldes bei der Landstraße. Heute können wir uns doch einbilden, sehr „angesehene Leute" zu sein, obwohl nur arme Touristen. Autos, Fußgänger, alle recken die Hälfe und wollen uns sehen, wie wir unseren Bauernschinken verzehren. Eigen- artig!
In Bärental lassen wir unsere Räder zurück und gehen zu Fuß auf den Feldberg. 1500 Meter Höhe müssen schon einen guten Ausblick gewähren. Wir find noch nicht ganz oben, da ruft uns schon freudig ein alter Pensionär zu: „Schauen Sie doch, die Alpen! So viel hatten wir nicht erwartet, es stimmte wirklich, die Berner Alpen ganz deutlich in dieser ungeheuren Entfernung; wie helle Wolken am fernen Horizont. Das Herz weitet sich vor Freude.
Oskersprache.
Als mir, dem Kind im Vaterhause, Des jungen Lebens Traum verrann. Als sich der Wunsch im Knabenherzen Zu regen mannigfach begann:
War mir die liebste Zeit von allen
Mtt ihrem Licht die Wechenacht, Die all des Herzens bangen Wünschen Ein froh Gewähren hat gebracht.
Doch da den Mann das harte Leben' Mit fester Faust zur Arbeit zwingt. Da es mir singt fo ernste Lieder, Deß' Endreim: „Schaffen! Schaffen!" klingt:
Ist mir die liebste Zeit von allen
Der frühlingsfrohe Oftertag;
Er macht mir reich das rauhe Leben, Er macht mir süß die harte Plag.
Er ruft mir zu, daß ich im Sturme
Der herben Zeit nicht untergeh;
Er sagt mir laut, daß ich, gestorben, Mtt meinem Heiland aufersteh!
?. Hippolytus Böhlen, O. F. M.
Sieche und soziale Erneuerung
Don Professor Dr. theol. Karl Adam.
An unserer W e 11 f e l i g f e i t ist es nicht zum wenigsten gelegen, wenn die Armen und die Gedrückten an uns irre wurden, und wenn sie es glauben, daß die Kirche nur mehr ein Instrument der Reichen sei. Diese Weltseligkeit nahm uns jene Schlichtheit der Lebensführung, jene Armut des Geistes und jene Brüderlichkeit der Gesinnung, die uns das Vertrauen der Enterbten allein gewinnen und erhallen können. Weil wir mit der Uebernatur und ihren Forderungen nicht genug ernst machten, verfielen wir in breitem Ausmaß offenem oder verschleiertem Standesdünkel und der Hybris von Bildung und Besitz. „Der Name Sattes ward durch uns verlästert bei den Heiden." (Röm. 2, 24.) So entfremdeten wir uns gerade jene, die draußen „auf den Keuzwegen und Gaffen" (Mt. 22, 9) mehr denn alle übrigen berufen sind, dereinst „den Hochzeitssaal zu füllen" (Mk. 22, 10). Noch heute weilt ja der Herr nirgends lieber denn „bei den Zöllnern und Sündern". Und noch heute gilt fein „Selig" nicht den Reichen und Satten, sondern den Notleidenden und Verfolgten. Da, wo heute die Armut durch die Gassen schrell, wo der Götze Mammon Millionen enterbt und mit dauernder Fronarbeit knechtet, wo er mitleidslos dos Familienglück niederstampft und mtt einer Frivolität ohnegleichen den Haß der Klassen entzündet, da ist noch heute der rechte Ort, der fruchtbare Ackerboden für j,sJtas Heilandswirken der Kirche. Aber es kann sich nicht in schönen Predigten erschöpfen. Auch umfassende soziale Organisationen genügen nicht mehr, selbst nicht einmal die hingebende Arbeit der Karitasvereine. Hier hilft allein
ein neues Leden
im Heiligen Geist, die Rückkehr von uns allen zur Paradoxie der Uebernatur, das entschlossene Ja zum armen, gekreuzigten Jesus. Das ist der Weg zur Wiedergeburt des Abendlandes, und einen anderen Weg gibt es nicht. Denket neu und wandelt euch!
Den Weg der Erneuerung sehen wir also wohl. Frei- '' lich, indem wir diesen Weg beschreiben, wird unser Herz bang, und mit dem Apostel möchten wir rufen: „Herr, wer kann da gerettet werden!" Ganz deutlich steht es oor unserer Seele, daß wir, daß das Abendland diesen Weg zum armen und gekreuzigten Jesus aus eigenem "W gehen wird. Aber ist nicht „bei Gott alles mög- «4"? (Vgl. Mk. 10, 27.) Vielleicht, daß Christus der Herr aus dem Schoß seiner Kirche wiederum Apostel und Heilige erweckt, die, angetan mit der Kraft aus der Hohe, einen neuen Geistesfrühling in die Kirche tragen? Vielleicht, daß er uns einen zweiten St. Fran- Hstus schenkt, einen Heiligen mit glühendem Her- 3en, einen, der die Armut im lebendigen Menschen sucht und liebt, in der nackten Brutalität ihrer Wirklichkeit, n» der Vielgestattigkeit ihrer Dumpfheit, Enge und Wildheit, der mit seinen Brüdern sich aufmacht, um selber
den Kindern der Not das harte Joch stumpfer
Schweizer-Aahrk.
*ne dem Tagebuch eines Fuldaer Wanderburschen.
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Well;
Doch würd' er ihn noch höher preisen, Gäb er ihm auch das Reisegeld".
(Aus dem Fremdenbuche einer Jugendherberge.)
3a, wenn Wochen und Monate hinter einer schönen 2°hrt liegen, bann sieht man oft nur das Gute solcher ""b die Schwierigkeiten haben sich in angenehme «ttebnisse verwandelt. Daß wir sie hatten, dafür steht er kleine Spruch an der Spitze. Aber um fo lieber greift lieft °n ben fangen Winterabenden zu seinem Notizbuch, un& freut sich und erzählt auch anderen gern davon.
Politik kann in erster Linie erfolgreich nur von tark religiösen Naturen getragen werden, nicht. mir in dem Ginne der Befolgung der Gebote Gottes, sondern auch im Sinne folgenden Ausspruchs: „Man betrachte der Reihe nach die wirklich bedeutenden, die wirklich erfolgreichen Staatsmänner! Was sie an Kraft und Stärke aufmelfen, entwuchs stets ihrer Fähigkeit, ich selbst zu entsagen." Hier liegt die Aufgabe der echt christlichen Demokratie- Dr. Heinr. Brüning.
Der Führer rüst.
Es kann sich ein Staatsmann verzehren im besten Wollen, wenn er nicht eine Gemeinschaft hinter sich hat und mit ihr durch Weltanschauung und Charakter verbunden ist. Beruhen die Gefolgschaften auf anderen Gründen, erwarten sie von einem Staatsmann immer steigende Versprechungen, daß er immer leiben- chaftllcher das Denken aufpeitsche, bann muß über kurz ober lang eine solche Gefolgschaft auseinanderbrechen und der Staatsmann, der sie führt, politisch scheitern.
Um uns immer wieder daran zu erinnern und den höheren Sinn in uns zu wecken, hat die Kirche bas Bedürfnis, auf alles ein Segenskreuzlein zu zeichnen. Dadurch fallen wir sehen, daß Menschen und Dinge — selbstverständlich auch gerade wir selber — bekreuzte, gottgesegnete, geweihte Wesen sind mit einer höheren Bestimmung, als nur hier dahinzuleben und zu vergehen. So zeichnet die Kirche uns bei der Taufe das Kreuzlein auf die Stirn, auf das Haupt, auf Hals und Nacken, so zeichnet sie es wieder hin bei der hl. Firmung, so zeichnet sie es hin über die Menschen bei jedem Segen, ben sie erteilt. So macht sie bei der hl. Gelang ein Kreuz auf Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände.' In derselben Gesinnung segnet die Kirche die Fluren und weiht viele einzelne Gebrauchsgegenstände.
Am Tage vor Mariae Lichtmeß kam ein junger Mensch zu mir und sagte, er könne sich den Blasiusfegen nicht geben lassen. Er habe von dem Göttlichen eine so hohe Auffassung, daß er derartig kleinliche Dinge wie ein Segen gegen Halsleiden nicht damit in Einklang bringen könne. Ich habe ihm klarzumachen versucht, daß es sich hierbei nicht um etwas Kleinliches handle, sondern um das große Bemühen der Kirche, alles mit Gott zn verbinden, alles unter das Kreuz des Heilandes zu tragen, Kleines und Großes, damit wir die ganze Welt und das ganze Leben bis in alle Einzelheiten und Kleinigkeiten hinein in einem neuen göttlichen Lichte sehen, das von dem Kreuze Christi ausstrahü seit jenem großen Dfteriage.
Es gibt Menschen, die sich stark in diese Erkenntnisse bineingelebt haben, die sich und alle Menschen und die Welt lebhaft als erlöst sehen, die hieraus ihre tiefste Frömmigkeit schöpfen. Weltanschauung wird dadurch zur Gottanschauung.
Zur Osterzell, wenn wir das Gedächtnis unserer Cr- lösung feiern, soll uns dieses besonders bewußt werden. Ihr jungen Menschen sollt zu Ostern auf der ganzen Schöpfung das Segenszeichen Christi sehen und in allem neues Leben spüren: .Im Wasser, int Feuer, im Licht, in der Natur, im Körperlichen und im Seelischen. Das ist eine frohe Osterbotfchaft: alle Welt erwache zu neuem Leben seliger Gotteskindschaft!
„O du, der uns zum Leben eine neues Recht gegeben, wie du vorn Grab erstanden bist, erweck auch uns, Herr Jesu Christ.
Herr Jesu, all dein Volk erfreu’, in uns den rechten ®etft erneu; daß mir durch solche Dfterfreub’ gelangen zu der Seligkeit'
3uito 9 be- ■ Un t wir!
Das alleinstehende junge Mädchen
Von Helene Raff.
Uttg, mlu lamm' ts aus zell.
8 Uhi astwir Derbe« Heiner ann.
c j.* Heidelberg. ... Jugendherberge.
. l On' ®ir beziehen Notlager. Vorerst eine kleine *»J:run9- unweit des großen Tors. Der Hof füllt sich. jJ"®c kommen noch von der Stadt zurück, andere bireft f4e S®on$entng; einzeln und in Gruppen. Die Deut» Inr, vU®en^ Zsthk auf. So oiel junge Wanderer, soviel Srort . ,®an steht deutlich, die einen wandern aus r ’ u ""deren Zur Erholung, zum Studium.
Steih °en kommt eine Gruppe von 12—15 Monn, in L*nb ^ied unter Sing-Sang. Der Führer geht der Reihe. Vor dem Tore ein kräftiges „Halt"! Et bj, nj 8Ur Anmeldung, wie er zurückkommt, löst sich rupp, auf. Welches sind die Motive dieser Drbnuftg? ■ pari, *e ,d) öur Fahrradhalle gehe, um mein Rad zu re- *enn2"'J0,nmen 3me* Kollegen zum Einstellen, mit S >ötb a,*inen- Sportsgesichter. Jugendliche Frische nmut ist aus ihren Gesichtern verschwunden.
! Haben Sie aber eine bombige Maschine! Wie- «tlometer fahren Sie am Tage?" 200—250".
| ni*fYV Das 'st allerhand, soweit hoben wir es noch Mik 100 sind wir auch zufrieden."
sind di" /^"^es Lächeln! Ich frage weiter: „Wofür I lerin,« rilaschen auf dem Vorderrad? Haben Sie Del
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