Fuldaer Zeitung
Palmsonntag
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Motto: Der Einzug Jesu in Jerusalem.
Haben Sie
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eines der größten in einer klassischen Dichtung." Soweit Eduard Engel.
Nun aber Schluß für heute. Eine Reihe von Briefen, die mir zugegangen sind, kommen später dran. Einen besonderen tröstenden Gruß noch an das arme Sextanerlein, das die schöne neue Mütze schon unter der Schulbank batte, um dann vom Ordinarius zu erfahren, daß er sitzen geblieben sei. Lieber Kleiner, Du bist nicht der einzige, und wie manche bleiben nicht nur auf der Sexta, sondern ihr ganzes Leben lang sitzen.
Der Mann im Monde.
und Maria Heilmann — gewidmet von ihren Kindern." Auch die übrigen Fenster tragen ähnliche Inschriften, teils deutsche, teils englische. Ich finde das sehr schön und praktisch. Man muß doch nicht erst warten, bis die Eltern gestorben sind, um ihnen ein Denkmal zu setzen. Jetzt, solange sie leben, können fie sich an diesem Denkmal der Kindesliebe erfreuen — und die Kirche bekommt ihre Fenster.
Dort vorn auf dem Herz-Jesu-Altar erhebt sich eine wunderschöne Statue. Die lustige Tessie hat sie gestiftet, eine von Mr. Heilmanns Töchtern, die mir vor Jahren so liebe, hausmütterliche Briefe schrieb, aber leider schon unter der Erde ruht. Und di. Glasgemälde selbst, die die Mittelstücke der hohen bunten Fenster schmücken, hat eine andere Tochter der Familie Heilmann gemalt. Jo- sefine heißt die Künstlerin, der ich bisher noch nicht begegnet bin. Ich werde sie, wenn ich sie dieser Tage treffe, wohl kaum wieder erkennen: denn damals, als ich sie vor 40 Jahren auf den Armen trug, war sie erst zwei Jahre alt
So knüpfen sich für die Familie meines alten Freun- des ehrenvolle Erinnerungen an diese Kirche. Und ich kann den Schmerz des allen Herrn verstehen, den er bar- über empfindet, daß in dieser Kirche, die zum großen Teil unter der Mithilfe der bort ansässigen Deutschen erbaut würbe, nun keine brutsche Prebigt ober Anbacht mehr gehallen wird. Manche deutsche Familie ist nach einem andern Viertel gezogen, und die Verhetzung durch den Weltkrieg hat mitgeholfen: Das deutsche Wort ist aus der Kirche verschwunden.
Als ich nach dem Gottesdienst hinauf zum Frühstück gerufen werde und ins Zimmer eintrete, fahre ich er- schreckt zusammen. Aus einer Ecke brüllt mich ein unsichtbares Wesen in englischer Sprach« an. Aber so- gleich erkenne ich den Trick. Da ist ein „Lautsprecher" am Werk. Dort neben Mama Heilmanns Polsterstuhk, wo sie den ganzen Tag mit ihrer Handarbeit sitzt, steht ein poliertes Schränkchen. Und droben auf dem Glas- chrank mit dem feinen Tischgeschirr steht ein Aufsatz, der Aehnlichkell mit einer Stutzuhr zeigt. Diese beiden Dinge bilden zusammen das „Radio", das wohl selten in einem amerikanischen Hause fehlt.
(Fortsetzuno folgt)
[lt. 87.
Sonntag, den 13. April 1930.
nach der Derkehrsvorschrist seine Hupe benutzen. Allein das ist noch nicht das Schlimmste. Irgendwo in größerer Entfernung brüllt irgend ein rätselhaftes Ungetüm immer wieder zwei, drei langgezogene Töne wie hundert Ochsen. Dazwischen klingelt auch noch einmal die Feuerwehr vorbei, und eine Sirene läßt ihren jammernden Ruf ertönen. Erst gegen Morgen gelingt es mir, für eine Stunde den Schlaf zu finden. —
Eines finde ich sehr ungewohnt im Hause meiner Gastfreunde. In dem Schlafzimmer gibt es keinen Waschtisch, keine Waschschüssel und kein Waschwasser. Das amerikanische Familienhaus besitzt einen gemeinsamen Waschraum, der immer sehr nett und vornehm ausge- stattet ist. Das heißt, jede Familie hat in ihren Räumen diese Einrichtung. Da steht an der einen Wand die blitzblanke weihe Badewanne, da sind zwei bis drei Wascheinrichtungen mll kaltem und warmem Wasser, und da ist das Klosett. Und ringsum an den Wänden laufen Spiegel und Glaskonsolen, auf denen alle mög- lichen Toilettegegenstände stehen und liegen. Zur Morgentoilette muß sich jedermann nach diesem Raum begeben. und ich mußte es auch tun. Das war mir anfangs ein bischen unbequem und peinlich; allein man gewähnt sich an alles. In Amerika gibt es keine alten Häuser in dem bei uns gebräuchlichen Sinne. Und die Häuser, die in den letzten 40 Jahren erbaut sind, besitzen alle modernen Einrichtungen unserer Zeit. Dazu gehört aber vor allen Dingen eine Vadeeinrichtung. Der Amerikaner ist ein Reinlichkeitsfanatiker. Wenn er nun in seiner Wohnung eine Ladeeinrichtung verlangt, die er zudem hübsch ausstatten läßt, so ist es naheliegend, im Laderaum auch die täglichen kleineren Waschungen vorzunehmen. Meistens liegt ja der Laderaum zwischen den verschiedenen Schlafzimmern und ist durch Türen mit ihm verbunden. —
Täglich besuchen mir die hl. Messe in der gegenüberliegenden St. Josefskirche. Meine Gastfreunde gehen trotz ihres hohen Alters täglich hinüber. Sie haben diese Kirche mit erbauen helfen. Die prächtigen bunten Fenster der Kirche stammen aus der Werkstatt meines allen Freundes. Eines dieser Fenster interessiert mich ganz besonders. Es trägt unten auf dem Widmungsfeld die Aufschrift: ..Dem Andenken von Franz Joseph
schiedensten Richtungen. Das Spezialistentum, statt von den Universitäten und von den Akademien ein wenig zu verschwinden, dringt in die Lehrer- schast und bis ins Volk hinab. Ich sehe den Tag schon kommen, wo man sich geradezu sehnt n a ch dem schlichten Lehrer der altenZeit, der ein tiefes Gemüt hat und Wissen genug, um der Jugend soviel mitzugeben, wie sie spater tm Leben braucht. Sei auch eingeräumt, daß die Schularten sich den Bedürfnissen des modernen Lebens anpassen müssen, schließlich kommt es doch auch hier wieder auf die Persönlichkeit an, den wirklich guten Lehrer, den Freund der Kinder und den Berater so mancher Cltern.
Um mit Eduard Engel zu schließen, nachdem ich mit ihm angefangen habe, will ich noch ein Wort von ihm erwähnen, das in dem Kapitel über Sudermann steht, dem damals eine gewisse Berliner Clique so übel mitspielte. — „In England und Frankreich wären Schurkenstreiche wie die von Sudermann urkundlich erwiesenen, unmöglich, nicht weil es in jenen Ländern nicht auch Schurken gibt, sondern weil dort Gefühl für die Ehre des Bürgers herrscht, ein durch strenge Richter anerzogenes Gefühl." Keiner würde es dort wagen, die Ehre seines Nächsten in aller Form an
zugreifen, feine Beweggründe zu verdächtigen, ihm eigensüchtige Bestrebungen zu unterschieben. Täte es einer, so würde ihn das einftimmige Urteil der Gesellschaft unschädlich machen. Weil wir in Deutschland zuviel mit allen möglichen Theorien und zu wenig mit den naturechten Werten der Persönlichkeit arbeiten, darum schätzen wir diese Persönlichkeit nicht und sind höchstens fähig für das Reifezeugnis des Kasernenhofes. Dieser Eduard Engel sieht auch sehr wohl ein, daß dieses Zurückgehen des Echten und des Naturhaften sehr viel zu tun hat mit dem Abfall vom Christentum. Jedenfalls ahnt er diese Wahrheit, obwohl er ein Liberaler ist. Eines der schönsten Kapitel bei ihm rst überschrieben: ,.Himmlische Menschen". Mit diesen himmlischen Menschen meint er die katholischen Krankenschwester. Er sagt: „Was für niedrige Dienste verrichten diese höchstverfeinerten himmlischen Menschen! Eins unserer vielen verlogenen Modestrohwörter heißt „Kultiviertheit"; es wird schmockisch angewandt auf Schmocke, die sich mit möglichst vielen Fremdwörtern, als „Epochanten" aufspielen und nichts aber auch rein weg nichts sind und nichts können. Damit vergleiche man die Krankenschwestern, die ihr ganzes Menschenwesen so tief in die vollendete Bildung getaucht haben, daß unter ihren Händen das Irdische der armen, schmutzigen Menschheit zum Feierdienste wird. Auf die bedauernde Klage meiner Frau an eine dieser Himmlischen: „Ach, liebe Schwester, was für unsaubere Dienste müssen sie verrichten! — antwortete die Verehrungswürdige: „Ich darf sie verrichten." — Ich finde d'cses Wort so groß wie
Menge. Und der liebe Gott erhörte ihr Gebet. Sie bekam ein amerikanisches Kind — unb bas bin ich." — Recht selbstbewußt kam biefer Schluß heraus, während sie stolz auf ihre Brust tippte. — Ja, sie ist eine echte unb rechte Amerikanerin.
Dem gemütlichen Abend, der recht lange währt, folgt leider eine für mich recht unruhige Nacht. Unten in dem schönen Zimmer, daß sie „Parlor" nennen, hat mir Anna ein feines Bett zurechtgemacht. Das lange und breite Sofa ist ein wunderliches Ding. Mll einem Hand- griff kann man den Sofafitz unterft zu ob erst kehren. Dann werden zwei klein- Handgriffe umgelegt, unb bas Untergestell klappt zu einer breiten, bequemen Matratze auseinanber. Zwei Kopfkissen unb einige Decken herauf, und das Bett ist fertig.
Gepolsterte Sessel und Schaukelstühle stehen umher, ein Klavier an der Wand. Gemälde, Spiegel, Stutz- uhren, Rauchtischchen, alle möglichen Dinge, denen ich in meiner einfachen Zelle ganz entwachsen bin, umgeben mich. Der Amerikaner hat ein erstaunliches Geschick, sein Heim recht behaglich einzurichten.
Ich soll die Fenster offen lasten, rät mir Anna, und zeigt mir die Mechanik der Schiebefenster. Gegen die Mosquitoplage, die hier groß ist, sind in allen Fenstern des ganzen Hauses Mosquitonetze aus seinem Drahtgeflecht eingesetzt. Ja sogar eine eigene Haustür aus Drahtnetz ist vor der massiven Haustür angebracht. Man muß hier viel Luft haben; denn in Newyork herrscht im Sommer eine furchtbare Schwule. Das habe ich schon heute erfahren. Außer den Vorhängenhaben die Fenster noch doppette Roleaux, ein dickes, schwarzes zum Abdunkeln des Zimmers unb ein helles, lichtdurchlässi- ges. Ich lasse zwar zunächst bie Fenster offen, später aber schiebe ich sie, trotz ber herrschenden Schwüle wieder zu. Wir wohnen an einer Straßenkreuzung, unb ich, der ich daheim schon durch das geringste Geräusch am Einschlafen gehindert werde, muß nun den ganzen nächtlichen Verkehrslärm über mich ergehen lassen. Wir aber daheim in unseren bescheidenen kleinstädtischen Ver- hältniffen haben keine Ahnung von dem ungeheuren Autoverkehr, der in den amerikanischen Städten herrscht. Unaufhörlich sausen die Autos vorüber bis ein, zwei llhr nachts. Und jeder, der hier die Straße kreuzt, muß 1
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Druck der Fuldaer Ackieudruckerel. Fulda
QsafflÄ und PrelswMlskeif.
I Joseph Schmitt, Fulda.
Weingroßhandlung.
* Berlins hunderkaufer.dster Kraftwagen. Ber. lins einhunderttausendster Kraftwagen wurde Don. nerstag nachmittag vom Kraftverkehrsamt zugelassen. Aus dem Hof des Kraftverkehrsamtes in der Blücherftraße stand unter zahlreichen abzunehmenden Wagen der mit Frühlingsblumen und grünen Ranken geschmückte Jubliar, Berlins einhunderttausendster Wagen, ein Mercedes-Sport- Zweffitzer mit der Nummer IA 75 075, neben ihm ein großer Mercedes-Personenwagen mit Berlins erster Zulassungsnummer 1A 1, der dem Inhaber des Kaufhauses Rudolf Herzog gehört, der bereits feit 30 Jahren diese Nummer führt. Bei der Ue- berreichung der Zulassungspapiere sprach der Leiter des Kraftverkehrsamtes Oberregierungsrat Bey dem Besitzer des einhunderttausendsten Wagen, dem Berliner Juwelier Werner, herzlichste Glückwünsche aus. An der llebergabe nahmen neben anderen Beamten des Kraftverkehrsamtes auch Vertreter des Finanzamtes teil.
* Bon einer Granate zerrissen. In dem ost- galizischen Dorf Wierczany wurde der Ukrai- ner Kiba durch die Explosion einer aus dem Kriege stammenden Granate, die er unvorsichttg anfaßte, zerrissen. Bei der polizeilichen Untersuchung in der Behausung des Verunglückten wurden große Vorräte an Explosivstoffen gefunden, die offenbar zur Herstellung von Bomben bestimmt waren. Kiba war Mitglied der geheimen ukrainischen Gesell- schaff (Burma.
• Die Bekämpfung der Heuschrecken in Palästina. (Gig. Meld.) Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Palästinas ist zur Zeit damit beschöfttgt, die Heuschrecken zu vernichten, die in ungeheuren Schwärmen in das Land eingefallen sind und bereits unübersehbaren Schaden angerichtet haben.
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Reife-Erinnerungen
von Fr. Donatus Pfannmüller, Fulda. 10) ----------
. 9Senn dich ein Freund aus Amerika besucht, bann I nage ihn nicht, was er brüben für eine Stellung ein- Er ist sonst vielleicht gezwungen, dich anzu- | ®r kennt ja dein deutsches Vorurteil gegen die ■tSu ’ ®enn er dir sagt, daß er in feinem eigenen HjT“ äur Arbeit fährt, dann sollst du ihm glauben; denn bd ”irb„tDof’l stimmen. Du hältst den Herrn, ber dich I Z/*1, für Irgenb einen großen Geschäftsinhaber, und er auch. Wer er arbeitet vielleicht als Fenster» ™5tt, als Geschirrspüler oder als Heizer. Damit Der- ZS“ er das Geld, mit dem er sein Auto, die Klubsessel . ,,, Ooldgerahmten Spiegel feiner Wohnung und sein | JgQre5 Radio bezahlt hat. Und fein Chef schätzt ihn | feines Fleißes unb seiner guten Eigenschaften | nto?en vielleicht mehr, als seinen ersten Buchhalter, ber I niirf*ere sprachen spricht, ben er aber nächstens hinaus- ? ü, weil er unzuverlässig ist.
6»f*-^abe m.*r von einigen allen Landsleuten ihre r'unn * •" erzählen lassen. Sie haben gekämpft, ge= Blti» in °Üen möglichen Geschäften gearbeitet, fie K. cn gehungert, gelitten, Vermögen erworben und roie- bis sie sich für ihre alten Tage doch ein I Cl es Heim unb einen gewissen Wohkstanb erkämpft I 8nbCr Bie Dollarscheine wachsen nicht auf ben Bäumen Eta le9en "icht auf ber Straße. Das sehe und erfahre arbeit meinen Kindheitssreundinnen, die alle fleißig Bi#. oJLunb sich keine Ruhe gönnen, obwohl sie alle in stehen, wo eine jede Frau gern geruhsam eigenen Heim sitzt. Darum habe ich solche Hoch-
3 ,Dor dieser Clsie und chren fleißigen Geschwistern, ■-u. » etnem der folgenden Tage war es, als mir (Elfte | ertiärtUnil ii)re Existenz in ihrer originellen Weise I» ?e; ~ „Weißt du," sagte sie, „meine Mutter ist ober acht Kindern von Deutschland getom» Die amerikanischen Kinder gefielen ihr so gut, daß M-uch ein amerikanisches haben wollte. Da hat fie M rtan3e gebetet unb Kerzen geopfert — eine ganze
[ Rund um -ie Woche.
Rechts um, links um! — Ein teures Pförtcheu. — Die Ehre des Bürgers. — Vom Sitzenbleiben.
Ein neuer Fernsprecher.
Die Teilnehmer sehen sich am Apparat.
Zwei Personen unterhielten sich in Newyork über eine Entfernung von anderthalb Meilen hinweg in Büros mit Hilfe eines Jkonophon genannten Apparates telephonisch, wobei jeder den anderen genau sehen konnte. Laut- und Blldwiedergabe waren bemerkenswert gut. Der Rahmen des Jkonophons, in das sie hineinsprachen, hat eine Größe von 12.5 zu 17.5 Zentimeter.
China.
Vor einem kommunistischen Staatsstreich?
Nach einer Havasmeldung aus Schanghai erklärt man, daß das Zentralkomitee der Kuomintang zahlreiche Nachrichten erhalten habe, wonach die Kommunisten im Begriffe ständen, einen Staatsstreich vorzuberetten. Die Untersuchung habe das Vorhandensein von Waffenlagern ergeben. Das Gerücht sei verbreitet, daß die sehr bekannte Revolutionärin Sume T'chang verhaftet worden fei. Die nordchinesischen Truppen rückten weiter vor und bedrohten Hankau. Die Regierung beabsichtige, Hankau zu räumen und Verteidigungsstellungen bei Nanking zu beziehen.
Eduard Engel hat ein prächtiges Buch geschrieben, das sich „Mensch und Dinge" nennt. Darin spricht der Verfasser, der ein echtes, deutsches Original ist, — er möge mir das Fremdwort vsr- zeihen, — iehr häufig von dem Verantwortungs- bewußtsein der Deutschen. Es gelingt ihm, zu zeigen, daß bei allen entscheidenden Schritten, die cuf dem Wege zum Welttrieg von der Berliner Politik gemacht worden sind, irgendein bedeutender Mann die Folgen sehr gut übersehen hat. Aber sie besaßen nicht den Mut, vor das Anllitz feiner Majestät zu treten und chre Ansicht geltend zu machen? Man stellt sich mnen Abgeordneten vor als eine Persönlichkeit, die eine eigene Meinung hoben sollte. Dennoch erleben wir es, daß das | Kommando eines einzigen Menschen, der weiß, was er will, genügt, um ganze Fraktionen über Nacht nach rechts oder nach links zu kommandieren. Immer noch der Kasernenhof. Rechts um, links um, stillgestanden! Oder ist am Ende die Natur des Menschen auf dem einstigen Kasernenhof richtiger eingeschätzt worden als in der neuen Republik.
Darin ist Eduard Engel recht zu geben: Immer kommt es doch zuletzt auf den Kerl an, auf die Persönlichkeit. Wir sehen das umso mehr, je mehr uns die Erfahrungen der lieber- Organisation bedrücken. Da bin ich neulich zu Gast bei einem Studienrat. Er wohnt so nah bei seinem Gymnasium, daß nur ein ganz gewöhnlicher Drahtzaun fern Gärtlein vom Schulhof trennt. Man kann sich vorstellen, daß dieser Studienrat dort gern ein verschließbares Pförtchen an- brächte, um sich den weiten Weg zu den Schulräumen zu sparen. Er spricht also mit dem Ober- studiendirektor, der wieder entsetzt erklärt: Aber ich bitte Sie, Herr Kollege: So etwas, ja so etwas, das muß doch zur Provinziakfchulbehörde. Es zeigt . sich aber bald, daß auch diese nicht zuständig ist, sondern das wichtige Projekt an das Hochbau- ämt der Provinz weiter muß. Traurig filmend stand mein Studienrat vor dem Draht- Min, die Wglein beneidend, die arglos vom .Schulhof in den Garten flattern dursten, ohne sich nm die Provinzialfchulbehörde oder gar um das Hochbauamt zu kümmern. Das wird ja ein teures Pföttchen geben, wenn man all die Eingaben, die dafür in doppelter Ausierttaung geschrieben werden mußten und die Zeit, bre ihre Abfassung und ihre Verarbeitung kostet, einberechnet. Man nehme hinzu, daß etwa morgen oder übermorgen ein Riesenauto des Hochbauamtes auf dem Schulhof landet, um einigen Herrn von der Regierung die persönliche Besichtigung der hoffnungs- rcllen Stelle zu ermöglichen. Man muß ihnen zum Schluß doch auch ein Glas Wein geben und noch etwas dazu, damit der Wein nicht schade. Das kostet ein Pförtchen, noch ehe es da ist. Weiß Gott, wieviele solcher Pförtchen in Deutschland unter- NWs sind, die sämtlich den Etat belasten, und die «mach nicht einmal existieren.....
, Angst habe ich von der Verschulung Deutsch- lands geschrieben, die seit der bekannten Broschüre von Spranger fast schon zu einem Schlagmort geworden ist. Wie weit das liebet schon fortgeschritten ist, ersieht man aus dem Andrang M den Gymnasien usw., der heute die Leiter der Schulen in Verzweiflung bringt. Man merkt es andererseits im Verkehr mit den Lehrern der ver-
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