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Nr. S7

Vellage zur Auldaer Zeitung

13. April

„Hosiannah, Davids Sohn.-

Und um dich war das Jauchzen großer Schaven, Die jäh entzündet, Hosiannah riefen, Die' Palmen schwenkten und rm Zuge liefen, mit Kindern jubelnd wieder Kinder waren.

Da nun ein Blütenzweig dich leis behauchte Mit fernem Dust, hobst du den Blick zum Baum Ain Weg und sahst ein Nest, an dessen Saume Die junge Brut aus Mutterwärme tauchte.

Kn Leuchten kam auf deine blassen Wangen. Doch da dein Blick die stolze Stadt umspannte, Di« heute stürmisch sich zu dir bekannte, War's, daß dir Tränen in die Augen sprangen.

Und laut Hub deine Stimme an zu klagen. Um alle Nöten dieser Sündenstätte.

Und keiner war, der dich getröstet hätte, Nur vor den Jüngern kam'- wie banges Fragen. Du bargst dein Antlitz in die schmalen Hände Untbraust vom Lärmen einer trunknen Menge. Unb wilder jauchzten aus die Dolksgeiänge Und hüllten dich in dunkle Leidensbrände.

Pauline Rommel.

Palmsonntag.

Kn« Episode aus dem Jubel des Einzugs. Gelbe Gesichter der Pharisäer, verzerrt von Wut und Hilf­losigkeit, tauchen auf. Ohnmacht gegen diese Welle be­geisterten Volkes! Was helfen da hundert Arme? Nichts. Da kann nur — ach sie da, dies unwillkürliche Bekenntnis"— da kann nur einer helfen. Er. Und sie drängen sich an ihn heran, weisen auf die lauten Keder: Meitze doch die da schweigen!" Cs soll ruhig klingen, aber die Stimme überschlägt sich und ihre tzände sichren aufgeregt durch die Luft. Um so gegen­sätzlicher die Ruhe Christi, der zu bedenken gibt: „Wenn die da schweigen, werden die Steine schreien."

Das hat sich in zwei Minuten abgespielt. Mer diese Rede und Gegenrede verbindet den Palmsonntag mit dem Karfreitag. Es ist wie Wetterleuchten.

Was aber ist der Sinn der Worte Christi? Dieser: Das wahrhaft Große kann nicht verborgen bleiben, und decken die Menschen es zu, so wird die Kreatur davon schreien. Welch eine Predigt mitten in einer Zeit der tollsten und schamlosesten Selbstreklame, die unsere Zeit ist. D diese Menschlein, die ihre beste Kraft und ihre meiste Zeit dazu brauchen, aus sich selber eine wandelnde Lichtreklame zu machen. Sie sind auch im­stande, die Steine zum Schreien zu bringen — aber aus Scham. Und was Mit es? Ein kleiner Kurz­schluß genügt, und die ganze Glorie ist beim Teufel. Nur das Echte leuchtet von sich selber. Jo-dokus.

Das WMngerschiff.

Leo am Bruhl.

„Da das Licht des Sternes, den wir kürzlich bersten sahen", schloß der Geheimrat seinen Vortrag, „bis zur Erde Jahrtausende zu durcheilen hat, sehen wir tatsächlich war sich, in diesem Fall, vor etwa fünfzigtausend Jah­ren ereignete."

„Oder vor fünfhunderttausend", warf unvermittelt Dr. Reiter ein.

„Sie bezweifeln die Richtigkeit unserer Berechnung?" anwortete Dr. Reiter dem Gelehrten, „es gibt sicher auch in Ihrer Mathematik tückisch« Unbekannte, die dar Resultat ändern können."

Der Geheimrat fragte ein wenig spöttisch: „Unregel- "Wge Lichtgeschwindigkeit im Aether? Oder? Rennen etwas Konkretes."

„Gern!" sprach Dr. Reiter ruhig. „Ich erzähle ganz ksvsach ein Erlebnis und überlasse es dann Ihnen, mir *ne wissenschaftliche Aufklärung zu geben; i ch selbst siche der Sache hilflos gegenüber."

,Lch bitte!" sagte der Geheimrat trocken, fast ärger-

Dr. Reiter lehnte sich in den Sessel zurück und be- zmm:

„Sie wissen, daß ich fast zehn Jahre lang in dem ungeheuren Gebiet zwischen der Hudsonbucht und den

| Das Gift.

Roman von William Le Queux.

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des bisher abgedruckien Romanabschnittes.

Den Mittelpunkt der Handlung bildet die Aufklärung eines geheimnisvollen Vorfalls, den «n junger englischer Ingenieur namens Gar- lield eines Abends im Haufe des Londoner ’ Millionärs D e G e x erlebte. Gabriele Engledue, die der Mlllionär als feine Nichte ausgibt, stirbt an dem ftaglichen Abend angeb- «ch an einem Herzschlag. In Wirklichkeit ist Mer Gabiele nicht gestorben. Sie wird einige Tage später in völlig erschöpftem Zustand aus auf einsamer Landstraße ausgefunden. Das Se!t- lmne ist, daß sie fett dieser Zeit chr Gedächtnis verloren hat. Auch bei Garfield zeigten sich nach oem seltsamen Vorfall ähnliche, wenn auch nicht 1° starke Erscheinungen. Sie sind, wie sich später herausstellt, die Wirkung eines geheimnisvollen «rftes. Gari-eld sucht nun unter allen Umstän- oen die Sache aufzuklären. Er reist zu ^asem Zwecke nach Florenz, wo De Gex einen ^"awersitz hat, nach Paris und Madrid. Es ge­b' {hlti,m' allmählich immer mehr Licht in die »unrie Angelegenheit zu bringen. Immer kla­rer wird es, daß De Gex ein gewissenloser Schuft, ?as Haupt einer Verbrecherbande ist. Im letz- f» Kapitel finden wir Garfield zusammen mit bekannten Madrider Detektiv m der Itt^ostlchen Stadt Nimes, wo De Gex mit zwei uoeren dunklen Elementen eine Zusammenkunft z™- De Gex und Genossen gelingt es, im letz- . Augenblick der Verhaftung zu entkommen, ’^ge Tage später kehrt Garfield nach London wo er Gabriele und ihrer Mutter seine Wartung macht. Auf seinen Rat bringt die - t.,*?“61 chrer Tochter Gabriele zwecks Unter« Zu einem berühmten Professor nach Lyon.

rfield begleitet sie auf dieser Reise. Nach Lon- owi„«3u^ff9^ef>rt erfährt er von dem eigen« | Umständen erfolgten Tod eines bekannten mit ix y?en Finanzmannes. Zusammenhänge nm vermutend, fährt er nach Amsterdam, . tort weitere Nachforschungen anzustellen.

Rocky Mountains gelebt habe, in einem Land, das auch heute noch zum größten Teil unerforscht ist. Die Kar­ten, die wir besitzen, sind billige Täuschungen, denn die dort nach den Angaben von Eskimos und Indianern oingezecchneten Berge, Flüsse und Binnenseen hat nie ein Weißer wirklich sestgestellt. In dieser Wildnis ken­nen sich eben nur di« nomadisierenden Eingeborenen einigermaßen aus. Mer ich möchte noch weitergehen und behaupten, daß wir nicht nur geographisch über Nordkanada im unklaren sind, sondern daß uns die un­ermeßliche Eiswüste noch andere Geheimnisse verbirgt, die wir nicht einmal auch nur erahnen können.

Kurz also, wir sahen uns eines Tages gezwungen, mitten im Schneesturm, es war nördlich der Ehester- fisldbucht, ein Notlager auszuschlagen, weil unsere weni­gen Schlittenhunde zu entkräftet waren, um weiterfah­ren zu können. Unsere Lebensmittelvorräte hatten sich längst erschöpft, und seit einer Woche sttllten wir den schlimmsten Hunger mit halbfaulem Walroßfleisch, das eigentlich als Hundefutter mitgenommen worden war. Unsere einzige und letzte Hoffnung war, die Küste von Roes Welcom« zu erreichen und dort einem Robben­jäger oder einem Walfischfänger zu begegnen, der uns nach Churchill zurückbringen würde.

Der Wend brach herein. Unsere Bemühungen, ein Schneehaus zu bauen, mißlangen, denn der Neuschnee war spröde. So stellten wir in aller Elle nur einen notdürftigen Windschutz aus EiMöcken auf, verteilten die letzten Happen Fleisch, krochen unter den Pelzen dicht zusammen und schliefen erschöpft ein.

Mit dem ersten Grau der Früh« werd« ich wach und sehe, daß ich — allein bin.

Allein im Eisfeld? — Verlassen?

Wo — sind — die Hunde?

Hätte ich wenigstens einen Schlitten und die Hunde!

Schreckerfüllt springe ich hoch und — atme erleichtert auf: die Tiere Kegen abseits in einer Mulde, vollkom­men eingeschneit.

Aber meine Gefährten, di« beiden Kanermiut-Es- kimo?

Da entdeckte ich auch sie. Kniend, das Gesicht tief im Schnee vergraben, den Rücken zum Bogen gespannt, kauern sie dort reglos

„Was fft?" schrei« ich, aber meine Stimme ist rauh und klanglos.

Taffek, der Mutigere der Kanermiut, hebt die Stirn vom Boden.

„Umjarfuak!" brüllt er, um sofort wieder die Augen im Schnee zu bergen. Mit zwei Sprüngen schnell« ich auf den Windschutz und reiße das Zeißglas hoch, um auszuspähen.

Rettung? — Umjarfuak? — Mn großes Schiff also? Wo denn nur? Haben wir die Küste schon erreicht? Aus welchem Grund aber dann bie Angst der Eskimos?

Ich gewöhne meine Augen an die blendende Helle der Weite und schaue ostwärts. Ich schaue — und taumle zurück — und schließe die Lider und öffn« sie, als könnte ich so den — Spuk vertreiben.

Träume ich denn? Bin ich von Sinnen?

Drüben ist ein Küstenstreif und — ein Schiff!

Es sitzt fest im Packeis, aber die Mannschaft — welch seltsame Mannschaft! — ist bemüht, das Fahrzeug flott­zumachen.

Das Schiff aber — Grauen steigt in mir herauf und engt mir die Brust — das Schiff ist ein — W i k i n g er- schiff! Unverkennbar einer jener normanischen „Drachen", die einst den kühnm ßtff hierhertrugen, der das gcheimnisvoll« Weinland, das rätselvolle Steinllmd entdeckte. — Um das Jahr Tausend!

So sehe ich durch mein Zeißglas--tausend Jahre

in die Vergangenheit zurück?! Ich versuche, den Blick abzuwenden, meine Eskimos anzurufen. Es gelingt mir Nicht. Wie von einer Starre gebannt, blicke ich hinüber zum geisterhaften Normannschiff. Bis es zergeht wie eine Luftspiegelung.

Jetzt rüttle ich Tassek hoch und frage ihn:

„Was hast du gesehen?"

„Umjarfuak!" berichtet er, grau im Gesicht, „man sich ein Dämonenschiff". — „Zeichne, was du sähst!" Ich reichte ihm ein Stück Kistenholz, und Tassek wirft in rohen Umrissen ein Bild hin: einen typischen normani­schen Drachen. Und Aluk, der andere Kanumiut, be»

Was der Kammerdiener erzählte.

Als ich um die angegebene Zeit in der Halle stand, trat ein junger, glattrasierter Mann ein und wechselte einige Worte mit dem Portier, der ihn sofort an mich wies.

Ich führte chn in eine Ecke und nachdem wir dort Platz genommen hatten, erzählte ich ihm von meinen Nachforschungen und von meinem Verdachte.

,^ch war durch fünf Jahre im Dienste des Barons und kannte all« feine Gewohnheiten", erklärte er dann. ,Kr war ein guter Herr, fteundlich und entgegenkom­mend — ich bin mit ihm in allen Windrichtungen durch Europa gereist. In London, wo er eine zweite Wohnung in der Iermon Street hatte, waren wir ost."

,/Das weiß ich", antwortete ich. „Doch sagen Sie mir jetzt, was Sie über den unerwarteten Tod Ihres Herrn wiffen und was Sie darüber vermuten."

„Die Sache hat einen Haken, Herr", erwiderte er, ohne zu zögern. „Der Baron war ein kräftiger, gesun­der Mann, der, obwohl er sehr reich war, ungemein ein­fach lebte und niemals später als um halb 11 Uhr zu Bett ging. Fast sein halbes Einkommen widmete er wohltätigen Zwecken — ich weiß das schr genau, weil ich oft dabei war, wie er einen Scheck ausstellte."

„Schildern Sie mir nun genau die Vorfälle", bat ich.

Eines Morgens", begann der Kammerdiener, „machte mir mein Herr beim Ankleiden die Mitteilung, daß er mit dem Auto nach dem Haag fahren muffe, da er dort ganz im geheimen mit einem Mann Zusammen­treffen wolle, der ihn in einem kleinen Hotel in der Oranje Straat aufsuchen werde. Er ersucht« mich, das Auto zu lenken, so daß Mullard, der Chauffeur, nichts von der Sache erfahre. Wir kamen zeittg am Nach­mittag an und der Herr Baron, den man in dem obsku­ren Hotel nicht kannte, bestellte für uns beide einen Lunch. Er nahm die Mahlzeit auf seinem Zimmer ein. Gegen drei Uhr kam der Besucher, der zuerst beim Hotelier nach fragte und bann ins Zimmer meines Herrn geführt wurde. Er war meiner Meinung nach ringe- jähr vierzig Jahre alt, mittelgroß, elegant gekleidet und trug große, runde Brillen, wie sie bie Amerikaner tra­gen. Sein Gesicht war gerötet und er hinkte ein wenig."

stätigt, noch zitternd vor Furcht, bas gleiche gesehen zu haben!"

Dr. Rotter schwieg und sah erwartungsvoll den Ge- Geheimrat an. Der warf rasch hin:

„Sinnestäuschung, infolge körperKcher Entkräftung!"

„Nein!" bestritt Dr. Reiter bestimmt. „Daß zwei eingeboren« Jäger und ich derselben Halluzination zum Opfer gefallen sein sollen, das glaube ich nie und nim­mer."

„Und was glauben Sie, Herr Doktor?" fragte ich da- zwischen.

„Nichts!" — Vielleicht gibt es einen unbekannten Stoff, der Serien von Lichtstrahlen, ganze bildhafte Vorgänge also, aufsaugt oder ansaugt, die Energie in Materie verwandelt, um sie später einmal wieder als Licht und — Bild freizugeben. Denken Sie an Ein­frieren und Auftauen. Vielleicht auch wird ein ferner

Stern gleichsam als Spiegel, der durch eigene, in ihm wohnende Kräfte Strahlen und Bilder auf die Erde zurückwirft. — Ich weiß es nicht."

„Und wie endigte das Abenteuer?"

»Höchst unromantisch!" schloß Dr. Reiter. „Wir schlugen die Richtung ein, in der wir die gespenstische Erscheinung erblickt hallen, und fanden tatsächlich bie Küste von Roes Welcome. Ein paar Hunde mutzten noch geopfert werden, bis uns ein Walfischfänger auf­nahm. Vierzehn Tage später langten wir wohlbehallen in Churchill an."

Unsere Blicke trafen fragend den Geheimrat. Der machte eine hilflose Geste und erhob sich stumm, um dos Fenster zu öffnen.

Lange Zett dann saßen wir und schauten stumm gegen den hellgestirnten Nachrhimmel und seine tausend Wunder.

Der Kamps mit dem Drachen.

Die Riefenechsen von Komodo, die letzken Zeugen einer versunkenen Welk.

Man weiß schon fett langem, daß hinter all den sa­genhaften und mythologischen Gestatten und Fabelwesen mehr zu suchen ist als bloße Ausaeburt her Fantasie. Die älteste Dichtung war keine Fantasiodichtung, son­dern war nur die Ausgestaltung alter Ueberüefening: wie aus einem Samenkorn ein ganzer Baum erwächst, so «Wachsen im Laufe von Generallonen Märchen und Sagen, — ein Kern aber, ein wahrer Kern, der zur Entstehung des Ganzen den Anlaß gegeben hat, fft vor­handen gewesen.

So sind auch die vielen Ueberllefemmgen der Urzeit über die sagenhaften Diergeftalten zu verstehen, ob es sich nun um den deutschen Drachen ober ben griechischen Minotaurus oder die ägyptische Sphinx handelt. Es sind Erinnerungen an bie riesenhaften Untiere, die in früheren Zeiten die Erde bevölkert haben. Beson­ders hinsichüich des Drachens fft jeder Zweifel be- settigt. Wir wffsen heute, daß diese alten Überlie­ferungen sogar von einer zoologischen Schilderungs­treue sind, die überraschen muß. Die gespaltene Zunge, der giftige Hauch, der keine Annäherung gestattet, die ungeheuren Krallen, der Schuppenpanzer — all das haben die riesigen Eidechsenarten, die Saurier der Vorzeit, tatsächlich befeffen. Ja, und sind sie denn nurk« kch schon ganz ausgestorben? Gibt es wirklich keinen Winkel der Erde mehr, wo sie, wenn auch nicht in der ganzen furchtbaren Größe von ehemals, so doch immer« hin noch als ganz respektable „Ungeheuer" leben? Im Jahre 1912 brachten Eingeborene, Perlenfischer, nach Buitenzorg auf Java die Nachricht, daß aus der kleinen Sundainsel Komodo, die nur 35 Klm lang und 20 Klm breit fft, rieserchaste Eidechsen, „Drachen", ge­sehen worden seien. Das Zoologische Museum in Bui- tenzorg beauftragte sie, einige dieser Eidechen zu fangen, was auch geschah. Es handelt« sich jedoch nicht um sehr groß« Exemplare. Dann kam der Krieg, und niemand hatte mehr Zeit für die „Drachen von Ko­modo". Rach dem Kriege jedoch richtete sich die Auf- merkslmrkett wieder auf die kleine Insel und ihre Fauna, und der Forscher W. Douglas Bürden rüstete im Auf- trage des amerikanischen Museums für Naturkunde eine Expedition nach Komodo aus. an der außer ihm und seiner Frau der Spezialist für Kriechtierforschung Dr. Dünn vom Smich- College, ein landkundiger Jäger aus Singapur, namens Defosse und mehrere Heller teilnabmen. Das Resuttat war überraschend. Das Fabeltier der Dichtung, die Spukaeltalt des Märchen?, der alte sagenhafte Drache stand leibhaftig vor ihnen da, auf der einsamen, wilden und zauberhaft schönen Insel, stark, riesenhaft, jedem Gegner gewachsen, un­verkennbar der König der Dschungeln, wenn auch nicht zu vergleichen mit den Untieren der Ueberlieferung. Im Vergleich zur prähistorischen Zett fft ja alles auf unserer Erde zwergenhaft geworben — ein drei, viel­leicht auch vier bis fünf Meter langer Drache fft für uns immerhin schon ein Ereignis.

Elf dieser Warans wurden erlegt, drei gefangen. Nicht immer ging es dabei ohne Kampf und Gefahr

und Zwischenfälle ab. Folgendermaßen schildert bei Expeditionsleiter Douglas Bürden in seinem im Vev lag von F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Buch! „Drachen-Echsen" den Kampf mit dem größten der Ungeheuer, das die Expedition zu Gesicht bekam.

Die Eingeborenen hallen im „Urwald" eine Ei­dechse !feftgefteM|, die nach ihren Erzählungen das furchtbarste „boeja darat" sein sollte, das sie je gese­hen. Um sie lebend in unsere Gewatt zu bekommen, bauten wir am Rande des Dickichts eine Falle und beköderten sie sorgfällig. Wir wollten uns in der Nähe hinter einem Beobachtungsschirm setzen, um sofort zur Hand zu fein und den Gefangenen fesseln zu können. Defosse schoß einen Bock, und bie Farbigen errichteten die Falle. Rings um das tote Tier wurden starke Pfähle so in den Boden gerammt, daß nur bie eine Sette offen blieb. Die einzelnen Pfähle würben bann fest durch Stricke verbunben und bas Ganze wurde sorg- fälllg mit Zweigen und Blättern verblendet. Ein kräf­tiger Baum sollte den Drachen hochreißen. Wir hieben dem Daum die Zweige ab und banden ein Tau an die Spitze. Fünfzehn Träger mußten den Stamm nieder­biegen, dann wurde die Schlinge vor dem Fallenein- gcmg angebracht.

Am nächsten Morgen waren wir schr früh zur Stelle. Der Köder oerbreitete weithin einen fürchter­lichen Geruch, wir konnten also mit baldigem Eidechsen­besuch rechnen. Eine Nein« Eidechse erschien und machte sich an der Falle $u schaffen. Millen in chrer Tätigkeit sah sie plötzlich auf und floh, als wäre der Teufel hinter chr her. Ich sagte zu den andern: „Jetzt wird gleich der große Drache kommen." Ein« halbe Stunde verging jedoch, ohne daß wir etwas hörten ober sa­hen. Da stieß einer der Leute einen dumpfen Laut aus. Ich schaute durch bie Hinterwand des Schirmes. Himmel! Was meine Augen erblickten, war wirklich ein Drache, ein echtes Ueberbleibsel der Ungcheuer, bie vor Jahrmillionen lebten.

Sein schwarzes Auge war auf den Schirm gerichtet. Nun trat er ein paar Schritte vorwärts: gerade auf uns zu nahm er feinen Weg. Der Eingeborene, der das Scheusal zuerst gesehen hatte, war vom Schrecken völlig überwältigt. Ganz nahe hatte ich das Untier vor mir. Tief in den Höhlen lagen die Augen, unter den Lberhängenden Brauen musterten sie mißtrauisch alles genau. Jetzt war das schwere Trappsm des Tieres d.utlich zu hören. Dicht am Schirm strich es vorbei, ich hätte es mit der Hand berühren können. Es war ein eigentümlich erregendes Gefühl, diesen Urzeitriefen so nahe zu hoben. Unsere Leute waren in heller Aufre­gung, es war schwierig, sie ruhig zu hallen.

Als der Drache vor der Falle angelangt war, staut er eine geraume Zeit, ohne sich zu rühren. Er schien sehr argwöhnisch zu fein. Er untersuchte alles ganz genau, wobei bie lange Zunge immerwährend in Bewe­gung war. Als wir meinten, er würde den entscheiden­den Schritt tun, machte er kehrt, trottete ein Stückchen

„Was geschah, während Ihr Herr mit dem Fremden beisammen war?

„Der Baron gab mir den Auftrag, mit dem Auto in bie Garage zu fahren, wo er mich beiläufig eine Stunde später telephonisch onrtef. Als ich ihn bann sah, schien er schlechter Laune zu sein und befahl mir, nach Amsterdam zurückzufahren, so schnell ich könne. Auch mußte ich nachmals versprechen, niemanden etwas von dieser ge­heimen Zusammenkunft zu sagen."

„Und dann?" fragte ich gespannt.

Als wir wieder zu Hause angelangt waren, wusch er sich, kleidete sich um und speiste allein. Dor dem Fortgehen zog er seine Handschuhe an — es waren graue, schwedische Handschuhe — vertauschte sie aber dann mit einem Paar weißer, da er sich erinnerte, daß er in die Oper gehen wolle. Dann ging er zum Auto hinaus, rief aber plötzlich aus: „Oh, mein Kopf — mein Kopf!", und stürzte zu Boden. Ich befand mich gerade hinter ihm und versuchte, ihn aufzurichten, aber er war schon bewußtlos und starb, bevor wir ihn noch recht ins Haus bringen konnten."

„Aus welchem Grunde vermuten Sie, daß bie Sache einen Haken habe?", fragte ich.

„Ich habe bie feste lieber,jeugung, daß mein Herr keines natürlichen Todes gestorben ist," erklärte der Kammerdiener.

„Sie vermuten affo, daß der Fremde mit den Bril­len seine Hand im Spiele hatte?"

„Gewiß, wenn sich auch die Polizei über meinen Ver­dacht lustig macht. Wenn aber mein Verdacht unbegrün­det ist, warum hat sich dann der Unbekannte nicht ge­meldet? Die Zeitungm brachten doch lange Berichte über den SBorfaC."

„Das fft allerdings auffällig," erwiderte ich, „denn jetzt, wo der Baron tot ist, gibt es doch keinen Grund mehr zu einer Geheimtuerei, selbst wenn es sich um ir­gendeine große finanzielle Transaktion gehandelt ha­ben sollte."

„Mein Herr empfing öfters so seltsame Besucher", warf Folcker ein. „Als er mit Herrn De Gex einmal in Aix les Sains war, kamen zwei sehr merkwürdig aussehende Individuen zu ihm."

„Gewiß, ein intimer Freund, sie hatten oft wichtige Geschäfte zusammen, an denen auch der Graf Cha» martin aus Madrid betetiiat mar."

„Ah, das fft aber interessant", bemerkte ich. „Be­suchte der Baron, wenn er sich in London aufhielt, Herrn De Gex in der Stretton Street?"

„Schr häufig", gab der Kammerdiener zur Antwort.

„Sie begleiteten vermutlich Ihren Herrn auf seinen Reffen?"

„Fast immer. Wir waren oft in Paris, Berlin, Rom ober Madrid und dadurch erlangte ich ziemlich gute Kenntnisse über feine Geschäfte. Sein bester Freund war Herr D« Gex. Kennen Sie chn vielleicht?"

Ich biß die Zähn« zusammen und bejahte ferne Frage.

„Ein äußerst lieber Herr," erklärte der Diener, der der Dienerschaft gegenüber immer sehr gut war. Wenn er hier ht Amsterdam bei uns war, bediente ich ihn stets."

.Lernten Sie vielleicht auch einen Freund mm ihm kennen, einen Franzosen, namens Suzor?" fragte ich.

,Za, als wir bei Herrn De Gex in Florenz waren, wellte er ebenfalls als Gast dort."

„Vielleicht auch einen italienischen Arzt, namens Moroni?"

Folcker schüttelte den Kops und antwortete:

„An einen italienischen Arzt kann ich mich nicht er­innern, wir waren nur zwei Wochen in Florenz."

„Jedenfalls kennen Sie auch den Kammerdiener des Herrn De Gex, einen gewissen Horton?", erkundigte ich mich.

„Nein, der, den ich kenne, heißt Farmer. Ich bin mehr als ein Jahr nicht in der Stretton Street gewe­sen."

Es ergab sich demnach, daß Horton ein neuer Diener war.

„Habm Sie gar keine Ahnung, woran Ihr Herr ge­storben ist?", lautete meine nächste Frage.

„Keine — nur sagt mir eine innere Stimme daß er einem Anschlag zum Opfer fiel."

„Warum bas?"

„Weil er mir mehr als einmal erzählte, daß gewiss«