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Dienstag, 8. April 1930.
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57. Zahkg.
Zentrum und politische Gegenwartsaufgaben.
Tagung des Reichsparteiausschuffes der Zenkrumsparkei.
Einigkett und Geschlossenheit. — vertraue» zu Brüning.
<rje Sitzung des Reichsausschusses der Deutschen «eiitcumspartei, die außerordentlich stark aus allen Teilen des Reiches besucht war, wurde am Sonn- 'Mgvvrmittag anstelle des auf einem Erholungsurlaub befindlichen ersten Parteivorsitzenden Dr. «gas durch den stellvertretenden Vorsitzenden Sbq. Ivos eröffnet. Er begrüßte die Mitglieder des Reichsparteivorstandes, die aus dem ganzen Lande zu der Tagung herbeigeeilten Angehörigen des Reichsparteiausschusses und die zahlreichen Gäste, u. a. auch den srüheren Reichstagsabgeord- neten Müller-Fulda. Weiter konnte Abgeordneter 3oo§ sämtliche Zentrumsminister des Reiches und zahlreiche Minister der einzelnen Länder begrüßen. Namentlich aber galt sein Gruß Dr. Brüning, dem gegenwärtigen Reichskanzler slebhafte herzliche Beifallskundgebungen).
In herzlichen Worten gedachte der Redner des wegen seiner angegriffenen Gesundheit leider am Erscheinen verhinderten Parteiführers, Prälat Dr. Kaas, dem er baldige Genesung wünschte.
In einem längeren Referat behandelte der Redner sodann die gegenwärtige poIitische Situation, wobei er insbesondere auf die letzte Regierungskrise und die Bildung des Kabinetts Brüning einging.
Als der Ruf des Herrn Reichspräsidenten an unseren Fraktionsvorsitzenden Dr. B rü n i n g erging, führte er aus, und wir ihm keine Schwierigkeiten entgegensetzten, war unser Blick nicht nur auf die politische Aufgabe der Partei, sondern auf das Land gerichtet. Monatelang hatte das Parlament dem Lande Has bedrückende Schauspiel streitender Parteien geliefert, dem nicht noch das Trauerspiel einer wv- chenlangen Kabinettskrise folgen durfte. Me Kürze des Programms, die Einfachheit der Sprache, die stille Sachlichkeit und der klare Witte, die an der Regierungserklärung aufsielen, sind ein Fortschritt auf dem Wege, einer Demokratte, der Sachkunde, Pflicht- und Aufgabenerfüllung. Das neue Kabinett ist in Zusammensetzung durch ein Höchstmaß von Bolksverant- worlung gekennzeichnet, zu der sich hoffentlich Partei- und Parlamentsverantwortung ge- sclien werden.
Nach den mit gwßem Deifatt aufgenommenen Ausführungen des Vorsitzenden fand eine Aussprache statt, in der zahlreiche Vertreter aus dem Lande das Wort zu schwebenden Fragen der Politik ergriffen.
.Dann machte Reichsinnenmini st er Dr. Wirth längere Ausführungen über die beiden Haager Verhandlungen und den sogenannten Neuen Plan.
„3n der öffentlichen Kritik," so führte Dr. Wirth a. aus, „spielt die sogenannte Sanktions- sra ge noch immer eine gewisse Rolle. Nun hat Tardie u im Senat das ausgeführt, was von uns schon längst erklärt worden ist, daß nämlich Sanktionen, wie sie der Versailler Verttag vorgesehen hat, endgültig ausgelöscht sind, -vardieu selbst erklärte, daß durch die Beseitigung der Reparationskommission der Artikel 430 des Versailler Vertrages erledigt sei. Nach unserer Auffassung gibt es in der weiteren Zukunft S a n k - ilonen nach dem Versailler Vertrag uicht mehr. Sollte irgendeine Regierung einmal den Plan zerreißen, so ist es auch selbstverständlich, daß ein solches Zerreißen des internationalen Verlages Repressalien nach sich ziehen würde. Es ht auch schon die Frage angeschnitten worden, ob uun wirklich die Fristen für die Befreiung oer besetzten Gebiete eingehalten würden. Viese Frage ist unter allen Umständen zu bejahen, El nach dem Haager Abkommen unbedingt die ^aumung bis zum 30. Juni durchgeführt fein
Zur inneren Po litt k sagte Dr. Wirth: er ucue Reichskanzler Dr. Brüning hat in tnem bedeutungsvollen geschichtlichen Augenblick nie Regierungsbildung und die Regierungsführung ^"ldurmen zur Hütung und Rettung der alten Demokratie und des wahren 2 V lamentarismus. Er wird mit seinem «aoinett auch nur in dieser Richtung weiterarbei- Litl.Vw Zenttumsfraktion und ihre Minister im Maomett, und gerade ich als Derfassungsminister, r? na($) Sinn und Geist der Verfassung die k n. Hüter des demokratischen Gedankens sein, ««rade dieses Kabinett wird sich an Dersassungs- übertreffen lassen. Ich weiß aber auch, »°?.^.Derfassung die Mittel gibt, um v"?u"uden auch des parlamentarischen bnt.« ,tä Wirksam zu begegnen. Kommt es ,’T einer Wahlschlacht, dann wird das Zen- ans- „s?wrttäger sein müssen für den Glauben fonx, Listmrg der großen Aufgaben, für die Ge- des Reichstages, des staatlichen Lebens für die Bekundung des Willens nach Mi scher und sozialer Gestaltung des Wirtschaftens starker Deifatt).
I*Q„ Dr. Wirth sprach der Abgeordnete Hos- beini,»? ° Ludwigshafen über Grenzlandfragen, ins- L.-!l °.ete über Fragen der westlichen Grenzgebiete, cwhn» n Dsten sprach Abgeordneter Ulitzka. wi °nn verbreitete sich der Reichsarbeits- Dr. Stegerwald über die nächsten anh® „ Sozialpolitik. Er führte unter Qus, daß die Meinungsverschiedenheiten Reform der Llrbeitslosenversicherung A 9at üicht so tief seien. Cs handele sich Hauptsache um die Deckungsfrage. In seinen
weiteren Ausführungen bekannte sich der Minister zur Fortführung der bisherigen Sozialpolitik.
Darauf nahm, mit stürmischem Beifall begrüßt,
Reichskanzler Dr. Brüning
das Wort.
Er behandelte in einer großangeleglen Rede die akuten innerpolitischen Probleme, wobei er noch einmal einen Uebcrblick über die oorange- gangene Entwicklung gab. Anknüpfend an seine Rede auf dem Parteitag der rheinischen Zentrumspartei in Köln betonte er, daft er, obwohl er bereits damals auf alle Schwierigkeiten hingewiesen habe, denen die Innenpolitik entgegengehen würde, bis zum letzten Augenblick, bis zur letzten Stunde, alle Kraft daran gesetzt habe, um die politische Krise zu vermeiden. Darauf sei von Anfang an der Vorstoß des Zentrums über das Junktim zwischen Poung-Plan und Finanzproblem gerichtet gewesen. Und wenn man heute dem Zentrum den Vorwurf mache, daß es schuld an der Krise sei, so möchte er in diesem Augenblick daraus aufmerksam machen, wie lange es gedauert habe, bis die anderen Parteien sich über die Befürchtungen des Zentrums wegen der Dauer der Regierungskoalition klar geworden waren, wie ernst es dem Zentrum bei seinem Vorstoß war und welche Bedeutung dieser Vorstoß gehabt habe. Wir, so fuhr Dr. Brüning fort, sind tu fachlicher Beziehung zu jeder Konzession bereit gewesen. Uns kommt es, wie die Zentrumspartei durch ihre Vertreter und Minister immer wieder erklärt hat, nur daraus an, daß die damalige Koalition gerettet wird, und daß der Parlamentarismus seine Pflicht gegenüber dem ganzen Volke erfüllt. Es ist deshalb verwunderlich, daß nunmehr, nachdem diese Regierung gescheitert ist, deren Rettung die gesamte Zentrumsfraktion einheitlich bis zum letzten Augenblick wollte, -gerade von der Sozial^ demokratischen Partei nur Vorwürfe gegen die Zentrum spartet erhoben werden. Die Minister dieses Kabinetts hatten den ehrlichen Willen und haben sich unermüdlich bemüht, die Dinge zu meistern, aber von Monat zu Monat ging von dem Kabinett die Verantwortung an das Gremium der Parteiführer über. Das ist eine ganz ungesunde Entwicklung innerhalb des Parlamentarismus. Es steht jedoch das eine fest, daß unsere Minister im Kabinett diejenigen waren, die zwischen den Flügelparteien vermittelten. Dr. Brüning betonte dann, daß in der Zeit, als die Zentrumspartei nicht in der Regierung war, di» irr Kabinett verbliebenen Koalitionsparteien nicht in der Lage warn, einen Etat zuitande zu bring en.
Damals sei man von ivzialdemokratischer Seite an ihn mit der Bitte herangetreten, doch zu den interfraktionellen Besprechungen der Regierungsparteien zu kommen. Dr. Brüning erinnerte weiter an den Sturz des fozialdemokrattschen Finanzministers vor Weihnachten, der ein schwerer politischer Fehler gewesen sei und warf die Frage auf, wer damals die treueste Stütze dieses Mannes gewesen sei. Die Zentrumspartei, so fuhr er fort, und nicht seine eigene Partei. Und auch da haben wir den Vorstoß unternommen, und mein ganzes Bestreben war, von dem Augenblick an, indem ich die Führung der Fraktion übernommen hatte, diese Koalition bis an das normale Ende des Reichstages zu halten. Dr. Brü ning verwies sodann auf die Taktik der damaligen Regierungsparteien bei den Abstimmungen im Reichstag und betonte, daß die Zentrumsputei allein mit der Demokratischen Partei immer und immer wieder für diese Regierung gestimmt und sie von neuem Monate und Wochen gehalten habe. Es sei deshalb außerordentlich verwunderlich, daß der Stoß der Sozialdemokratischen Partei sich ausgerechnet gegen die Zentrumspartei richte. Wenn die Sozialdemokratie so betonte Dr. Brüning fortfahrend, em Interesse daran hat, die Brücken zur Zentrumspartei nicht abzubrechen, würde sie gut daran hm, in ihrem Auftreten gegenüber der Zentrumspartei andere Methoden als in den letzten Tagen anzuwenden Uebergehend zur
Bildung feines Kabinetts wiederholte Dr. Brüning gegenüber der sozialdemokratischen Kritik jene Stelle seiner Kölner Rede, in der es heißt: 3e unfruchtbarer das Parlament wird, je uneiniger die Parteien werden, desto stärker wird auto- mattsch die Stellung des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident halte sich streng an die Verfassung, aber die gebe ihm Mittel, die angewendet werden könnten, wenn das Parlament versagt. Er habe sicherlich in den vergangenen Tagen schwere Sorgen gehabt. Den P o u n g - Plan anzunehmen, ohne die Konsequenzen daraus zu ziehen, das fei eine einfache Politik, erst die Konsequenzen ziehen und dann den Young-Plan anzunehmen, das sei eine wahre Politik, und wenn das Zentrum seinerzeit sich gefügt habe, so doch nur, weil sich der Reichspräsident in bezug auf die Finanzsanierung mit dem Standpunkt der Zentrumspartei einverstanden erklärte. Unter Hinweis auf die Auseinandersetzungen um hie Arbeitslosenversicherung, die schließlich zum Sturz der alten Regierung führten, er
klärte Dr. Brüning: Die Krise ist gekommen durch eine gewisse Soalitionsmübigteit; sie ist gekommen, weil bei den innerpolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre immer und immer wieder nur die . außenpolitische Situation mühselig die Klammern 'chuf. Seit dem Jahre 1926 konnten wir voraussehen, daß 1 9 2 9 oder 1930 der Kulminationspunkt unserer finanzpolitischen Schwierig- leiten kommen würde. Immer und immer wieder war von der Zentrumspartei daraus verwiesen worden. Von Monat zu Monat haben wir in der schweren Besorgnis gelebt, ob wir am Ende des Monats in der Lage sein würden, bi». Geholter und Sozialleistungen aus der Reichskasse zu zahlen. Wenn das sich wiederholt, bann kommt ober ein Zweifel an der Sicherheit der gesamten Politik auf, der einen Pessimismus im Lande verbreitet, der die Lust zur Arbeit in allen Kreisen der Bevölkerung ertöten muß. Soll das so weitergehen? Wenn der Ponng-Plan von allen in Frage kommenden Mächten, wie wir hoffen, angenommen und in kurzer Zeit ratifiziert sein wird, bann kommt doch zuerst das
große Problem der internationalen Anleihe.
Glaubt man denn, in den Vereinigten Staaten, in der Schweiz ober in Hollanb diese Summe von 1,2 Milliarden unterbringen zu können, wenn in Deutschland Finanz und Wirtschaft nicht in Ordnung sind? Und von dieser Anleihe sind doch wiederum die weitere Entwicklung des Geldmarkts und der Wirtschaftslage unbedingt und entscheidend abhängig.
Davon ist abhängig, ob wir in diesem Jahre ein Steigen der Erwerbsloienziffer oder ein Absinken zu verzeichnen haben werden. Wir wollen daran festhalten, und wir haben unsere Politik darauf gerichtet, bas Parlament nicht in eine hoffnungslose Stellung gegenüber der Wählerschaft sinken.und..es arbeitsunfähig werden zu lasse», sondern das Parlament z» zwingen, sich aufzuras- fen und mutig die Verantwortung zu übernehmen.
Auf feine Verhandlungen um bie Kabinettsbildung übergehend, betonte Dr. Brüning, daß eine Lösung mit bemalten Kabinett! unmöglich gewesen sei. Eine Lösung, die nach links ging, hätte man schon in Vorverhandlungen gesucht, sie sei jedoch an der Tatsache gefiltert, baß. eine kleinere Partei Forderungen stellte, bie außer dem Zentrum die übrigen Parteien glaubten nicht übernehmen zu können. Hätte ich mich dem Auftrag bes Herrn Reichspräsidenten versagt, bann hätte, so betonte Dr. Brüning, niemand gemutzt, wer dann die Führung bekommen hätte. Wir haben ein Interesse daran, auch wenn Parlament und Kabinett jetzt vor außerordentliche Schwierigkeiten gestellt werden, einen Grundsatz der Politik der Zentrumspartei auch in dieser Situation durch- zuführen: Mäßigung in allen Mitteln, in allen Methoden, in allen Wegen, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Aber, wenn es eine Aufgabe für das deutsche Volk gibt, die gerade dahin geht: entweder versumpft die ganze Wirtschaft ober der Parlamentarismus ober es müssen Männer fein, die ben Mut haben, bagegen zu kämpfen, bann bin ich allerbings ber festen Ueberzeugung, baß man. wenn es auch schwer sein sollte, den Mut haben müsse, i n bie Bresche $u treten unb ben Kampf für bie Rettung ber Demokratie unb bes deutschen Volkes zu wagen. Kein anderer Beweggrund war für mich bei dieser schweren Entscheidung maßgebend. Ich sage jedoch das eine: Wenn ein bestimmter Plan vorgelegen hätte, bann hätte ich nicht genau 48 Stunden gebraucht, bann hätte ich ein Kabinett in zwei bis drei Stunden auf die Beine stellen können. Zu den verschiedentlichen Angriffen von so- zialdemokratischer Seite betonte Dr. Brüning int Zusammenhang, baß er in den vergangenen Tagen wiederholt Persönlichkeiten aus den verschiedensten Lagern empfangen hätte.
Die Gegenwartsaufgabe».
Uebergehend zu den akuten Fragen, betonte Dr. Brüning, baß bie Dinge, die notwendig wären zur Lebenserhaltung des deutschen Volkes, durchgeführt würden. Hinter diesem Kabinett stehe zu diesem Zweck die ganze Autorität des Reichspräsidenten, und er fei überzeugt, daß hinter diesem Kabinett $ur Erfüllung dieser Aufgaben auch die Mehrheit des deutschen Volkes geschloffen stehe. In bezug auf bas Regierungsprogramm betonte er, daß die Kassensanierung die Voraussetzung sei für die Sicherung des Kapitalmarktes, für das Einströmen neuen ausländischen Kapitals und deutschen Kapitals, das in ungeheurem Umfang aus Verzweiflung über die deutsche Politik ins Ausland flüchtete. Das zweite sei, der Landwirtschaft für alle ihre Produkte st a- bile Preise zu sichern. Die Landwirtschaft müsse aus der Verzweiflung heraus. Wir müssen, so fuhr er fort, für bie besonders bedrohten Gebiete des Ostens etwas Außergewöhnliches tun, damit alles dort bleibt und nicht die Massenwan- berung ber um ihre Existenz bebrohten Landarbeiter und Bauernsöhne schließlich in bie Großstädte erfolgt unb das Problem ber Arbeitslosigkeit zu einem unlösbaren macht. Was wir im
| Zusammenhang damit brauchen, ist eine stabile Wirtschaftspolitik. Unser Ausfuhrüberschuß muß wachsen, damit wir in ber Lage sind, bie Reparationssumme zu bezahlen. Bislang hatten wir die Kontrolle des Reparationsagenten. Mit dem Augenblick der Annahme des Poung-Plans liegt bie ganze Verantwortung ausschließlich auf bem beutschen Volke, dem Reichstag unb ber Reichsregierung. Das ist die schwerste Aufgabe, bie wir übernommen haben, und ich wünschte, daß eine Reihe von Parteien etwas sorgfältiger ihre Stellungnahme und Bedenken über den Pounz-Plan nachgeprüft hätten. Die Freiheit auch auf diesem Gebiet erfordert eine Bezwingung gewisser Auswüchse im politischen Leben, sie fordert die Erziehung zur Ver- antworllichkeit in einem Ausmaße im ganzen deutschen Volke, von der bie meisten Wähler vielleicht noch keine Vorstellung haben. Das Kabinett hat ben Zweck, bem Volke klar zu machen, baß wir vor neuen Abschnitten in unserer Geschichte stehen, und daß wir aufrufen wollen zur Sparsamkeit auf allen Gebieten. Wenn es nicht gelingt, im Parlament bie notwenbigen Aufgaben zu erfüllen, muß das deutsche Volk selbst bie Entscheidung in die Hand nehmen. Ich bin überzeugt, daß es dann in seiner Mehrheit wissen wird, was es in Zukunft m der innerpolitischen Entwicklung will.
Der Parteiausschuß bereitete dem Reichskanzler, nachdem er geschlossen hatte, eine stürmische Ovation.
In ber Nachmittagssitzung ergriff als erstei Redner Reichsverkehrsminister von Guerard das Wort und sprach über die Verkehrsprobleme im Westen und Osten. Zu ben Tariferhöhungswünschen der Reichsbahn erflärte der Minister, daß er sich unter keinen Um« "tähben damit abfinden könne, denn die so notwendige Ankurbelung der Wirtschaft würde durch derartige Erhöhungen zerschlagen werden.
Den Schluß des gesamten Tages bildete dann die Schlußrede des Vorsitzenden Abgeordneten Joos.
Ivos gab der Freude Ausdruck darüber, daß in dem neuen Kanzler dem Zentrum ein Mann entsprungen sei, der mit seltenem Ernst und Intensität seine Aufgabe auffaßt. Trotz allen Ernstes habe aber Dr. Brüning tin freudiges Ja füi seine schweren Aufgaben ausgespwchen. Diese seine Aufgaben kann er aber nur erfüllen, wenn ihm das unbedingte Vertrauen der Wählerschaft wie auch des gesamten Volkes zur Seite steht; Reichsparteiausschuß wie auch die gesamte Zenttumspartei brächten Dr. Brüning dieses Verhauen entgegen.
Sond erv eranstattungen.
Am Samstagvormittag und -nachmittag fam sich die junge politische Generation, die im W i u dt« Horstbund zusammengefaßt ist, sowie der Reichs« jugendausschuß der Zenttumspartei zu besonderen Beratungen zusammen. Der Verlauf der eingehenden Aussprache bewies erneut den lebendigen Gestaltungswillen der jungen Zenttumsgarde, die zu den besten Hoffnungen für die Entwicklung der Partei berechtigt. Neue Kräfte werden so dem Parteileben zugeführt, Kräfte, die mit Stolz und Begeisterung das Zentrumsbanner Hochhalten und durch die Lande tragen, Kräfte, die bei kommenden Wahlen mit die besten Stützen sein werden für die Werbe- und Aufklärungstätigkeit aller Parteiorganisationen.
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Gleichzeitig tagte am Samstagvormittag der Reichsarbeiterbeirat der Deutschen Zen- trumspartei, bet eine Reihe von Entschließungen faßte, welche der Zentrumsfraktivn des Reichstags zugeleitet werden.
Am Sonntagabend nach Schluß der eigentlichen Tagung traten der Diaspora-Ausschuß sowie ber Kulturpolitische Ausschuß zu Sondersitzungen zusammen. — Am Montagvormittag um 10 Uhr findet eine weitere Sitzung der Parteibeamten sowie der Landesvorsitzenden statt, die sich mit der Gestaltung der Opfer- und Werbewoche der Zenttumspartei beschäftigen und entsprechende Beschlüsse fassen werden.
Aus dem Reichstag.
BDZ. Berlm, 7. April. (Eig. Meld.) Die Tagesordnung für bie Dienstagssitzung bes Reichstags, auf der zunächst das Schankstättengesetz stand, ist jetzt dahin ergänzt worden, daß auch die erste Beratung der Gesetzentwürfe zur Vorbereitung der Finanzreform unb zur Uebergangstegelung des Finanzausgleichs er« lebigt werden sollen. Der Gesetzentwurf zur Vorbereitung der Finanzreform ist heute dem Reichstag zugegangen. Entsprechend ben Ankündigungen des Finanzministers ist die Vormge in der ursprünglichen Fassung gehalten, sieht also bei der Arbeitslosenversicherung auch eine Bei- ttagserhöhung bis zu "4 Prozent vor. Das Kompromiß der letzten Regierungsparteien, wonach eine Beitragserhöhung zunächst nicht stattfinden soll, muß erst durch Anträge in bie Vorlage ausgenommen werden. Ferner enthält die Vorlage die Bestimmungen über die Steuersenkung und Ausgabenersparnis. _____________
* Der Preußische Landtag hat sich bis zum 6. Mai vertagt.
• Der Deutsche Beamtenbund gegen Beamtenabbau. Der Gesamtvorstand bes Deutschen Veam- bunbes hielt am Freitag, 4. April, im Plenarsitzungssaal bes Reichswirtschaftsrates eine außerordentlich gut besuchte Sitzung ab, an ber auch eine Reihe Parlamentarier des Reichstages und bes