Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im tftth AötthlÄiför1* sTJnfrtltntifihritrf tmX AUvUa
1*^ O j im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag UV« der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-
Sonntag, 6. April 1930
57. Zahrz.
:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.
Tod der Königin von Schweden
Leiden
an Herzlähmung■ g estö rb en.
Die
An Zroutsoldak als Reichskanzler
Verstorbene wurde am 7. August 1862 als Tochter des Großherzogs Friedrich von
Monatlich 1,80 einichliegl. PoNgeoühr (48 Pf.» ohne 8u,tellg. An,eigen-Preise Kleinzeile (Col.s lokal 0,15 f?.Jt, auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 auswärts 0,80 O. Bei Wicdrrholunaen Rabatt. Postschecks. Tranks, a. M. 4051
bringen, lehnten es in ihrer übergroßen Zahl trotzdem ab, sich von denselben politisch leiten zu lassen. Die politischen Einflüsse des Standes und der Umgebung sind starker als die Erinnerung an das Fronterlebnis. Die Frage, ob das Eintreten der Frontgeneration in leitenden Regierungsstellen eine Aenderung der politischen Verhältnisse in Deutschland zur Folge haben werde, muß also aus Grund der bestehenden Tatsachen verneint werden und die Hoffnung der Kölnischen Volkszeitung ans eine Konsoldierung der Verhältnisse durch den „Frontgeist" werden sich wohl nicht erfüllen.
* Dr. Luther beim Reichspräside-rt.'N. sEig Meld.s Der Herr Reichspräsident empfing an Samstag den Präsidenten des Reichsbanldirek- toriumS, Dr. Luther.
* Aufhebung des Bisumzwaugs für die Einreise in Ungarn. Der ungarische Ministerrat hat seine Zustimmung dazu erteilt, daß der Visumzwang gegenüber dem Deutschen Reiche und Oesterreich im Wege eines diplomatischen Notenwechsels abgeschafft wird und den Minister des Aeußern er- mächtigt, auch mit anderen Staaten diesbezügliche Verhandlungen einzuleiten.
terlicherseits die Prinzessin Sofia Wilhelmina, eine Tochter Gustaf Adolfs IV. Ihren Unterricht genoß sie in der sogenannten „Prinzessinnenschule" in Karlsruhe. Ihre Vermählung mit dem damaligen Kronprinz von Schweden Gustaf, den sie bei den großen Manövern in der Gegend von Straßburg im Herbst 1879 kennengelernt hatte, fand am 20. September 1881 in Karlsruhe statt. Im Dezember 1907, als ihr Gemahl den Thron bestieg, wurde sie Königin von Schweden. Der Ehe entsprossen drei Söhne: Kionprinz Gustaf Adolf, geboren 1882, Wilhelm, Herzog von Södermanland, geboren 1884, und Erik, Herzog von Västmanland, geboren 1889, gestorben 1918. ■
Im Kriege hat die Königin, deren Herzensgut« und Wohltätigkeit sprichwörtlich war, viel zur Linderung her Kriegsnot beigetragen. Im August 1914 wurde unter ihrem Porsitz das sogenannte „Zentralkomitee bet* Kriegshilfe" gebildet, das die Organisation und Leitung der privaten Hilfstätigkeit während des Krieges ausübte und feine fegenbringende Tätigkeit auch nach dem Kriege fortgesetzt hat. Unter, dem. Vorsitz der hochherzigen Frau haben viele Vereine in und nach dem Kriege manche Not in Deutschland lindern können.
Die Königin von Schweden
ist am Freitag abend 7 Uhr in Rom nach langem
preußischer Landtag.
In der fortgesetzten Aussprache über beit Äui tushaushalt hatten am Freitag im Preußö scheu Landtag zunächst die Referenten für dir Wissenschaft das Wort. Der Sozialdemokrat Prof. Dr. Nölting erklärte, daß seine Freunde in den Hochschulen vor allem auch Anstalten des Staates sähen, da diese Institute ein Ausbildungsmonopol für die wichtigsten staatlichen Funktionen hätten. Er wünschte, daß der Anteil der Arbeitersöhne an den Studierenden wesentlich erhöht werde.
Prof. Dr. Lauscher (Ztr.) unterstützte die Be- reifftellung von Mitteln für die Arbeiterkurse,
Am Sterbebett der Königin Viktoria in der Villa Svecia in Rom weilten der König von Schweden, Prinz Wilhelm und Prinzessin Ingrid. In Schweden hat die Todesnachricht tiefe Trauer ausgelöst.
*
wtb. Berlin, 5. April. (Eig Adeld.) Reichspräsident von Hindenburg hat dem König von Schweden anläßlich des Ablebens der Königin in herz- liehen Worten telegraphisch feine Teilnahme aus- gedrückt. Ferner hat dm' heutigen Vormittag Staatssekretär Dr. Meißner auf der schwedischen Gesandtschaft vorgesprochen, um dem Gesandten das Beileid des Herrn Reichspräsidenten zu über Mitteln. __________________
Der von uns hochgeschätzte Herausgeber des Würzburger Fränkischen Volksblattes schreibt unter obiger Ueberschrift:
Zum erstenmal seit dem Krieg sind Männer in das Reichsministerium berufen worden, welche i m Krieg an der Front standen als aktive Kämpfer. Bisher hat immer die ältere Generation die Leitung der Politik als ihr Reseroatreci)t betrachtet. Nunmehr beginnt die Kriegsgeneration in jenes Alter hineinzuwachsen, in welchem sie berufen ist, die Zügel in die Hand zu nehmen. Der neuen Reichskanzler Brüning stand von 1915 bis 1918 an der Front, ebenso der neue Minister für das besetzte Gebiet Treviranus Die „Kölnische Volkszeitung" hebt in einem Artikel „Zu neuen Ufern" diese Tatsache besonders hervor und knüpft daran bestimmte Hoffnungen. Sie glaubt, das Moment der Unsicherheit fei aus dem politischen Leben Deutschlands nicht auszuschalten, wenn nicht der Frontkämpsergeneration Gelegenheit geboten werde, „Öen Boden der Volksgemeinschaft barau ft eilen, von bem aus die staatlichen und wirtschaftlichen Forderungen gelöst werden müssen". Vielleicht ist es interessant, einmal bei diesem Anlaß die Frage zu prüfen, ob das Fronterlebnis bei den ehemaligen Soldaten sich als ein politischer Erziehungsfaktör von bestimmter einheitlicher Wirkung erwiesen hat und ob mit bem Eintritt der Kriegsgeneration in die Leitung der Politik eine Erneuerung und Veränderung der politischen Verhältnisse zu erwarten ist.
Bei Beginn des Krieges galt die Parole:. „Ich kenne keine Partei mehr, sondern nur noch Deutsche!" Der Militärdienst schaltete von selbst alle Parteipolitik aus. Die einzige Politik der Soldaten bestand darin, daß sie die Feinde besiegen wollten. Als im September 1914 der Bewegungskrieg im Westen ein Ende nahm und das Leben in den Schützengräben begann, trat bei den Soldaten an Stelle der Berechnung, bis wann sie in Paris sein würden, eine neue Berechnung, nämlich diese, bis wann sie wieder nach Hause kämen. Der erhofften und erwünschten Termine gab es in jedem Jahre zwei: „Wenn die Kirschen blühn" und „Wenn die Kerzen des Christbaumes brennen". Dom Jahre 1916 ab bewirkte die Tatsache, daß alle diese Termine den erhofften Frieden nicht gebracht hatten, eine gewisse Mißstimmung, die sich allmählich in einem mißvergnügten Politisieren auswirkte. Die geringe Kost gab zudem bald Veranlassung, über die Etappe und noch mehr über die Regierung in der
einzige , „ , _ „ _
Baden und der Prinzessin Louise von Preußen in Karlsruhe geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war Kaiser Wilhelm 1., ihre Großmutter vä-
Ae Beratung der Deckmgsnarlagen.
Die Regierung hält an der 75 °loigen Viersteuererhöhung fest Eine Erhöhung der Umsatzsteuer für Warenhäuser geplant?
Heimat zu schimpfen. Man schob die Schuld an den Verhältnissen der Unfähigkeit der Politiker zu. In dieser Zeit begannen in den Schützengräben auch schon teilweise philosophische Erörterungen über den mangelnden Sinn des Krieges. Das war die Zeit, in welcher teils bewußt, teils unbewußt, sich in der Mehrzahl der Frontsoldaten die Ueberzeugung befestigte, daß es kein größeres Hebel gäbe, als den Krieg und kein höheres Gut als den Frieden.
Trotz aller dieser politischen Ereignisse, lebte doch in den deutschen Frontsoldaten auch in den zwei letzten Kriegsjghren, in denen die Begeisterung geftorben war, immer noch ein ernstes Pflichtgefühl und Verantwortungsbewußtsein, das allen kommenden Geschlechtern ein Vorbild fein muß. Der deutsche Soldat tat seineschwerePflichtbiszum letzten Schuß v o r d em W a s ssnstillstaud. . .
Wenn man also von einem gemeinsamen Fronterlebnis sprechen will, so wird es dieses sein: Hochschätzung des kameradschaftlichen Geistes und treuer PflÜhterfiillung auf der einen Seite, Kritik an den Politikern, Diplomaten und „Etappenschweinen" auf der anderen Seite. Aus dieser Psychologie ist auch die eigenartige Einstellung der Truppe zu den Ereignissen der Revolution zu erklären. Die Truppe war des Schießens überbrüffig. Sie wollte zwar das Gewehr bis zum letzten Augenblick aus Pflichtgefühl gegen die Feinde gebrauchen, lehnte es aber ab, die Revolution in der Heimat mit Gewalt niederzuschlagen. Dabei spielte in dem Unterbewusstsein vieler Soldaten eine große Rolle ein gewisses Gefühl der Schadenfreude und des Rachebedürfnisses. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß bei den Wahlen zur Nationalversammlung hauptsächlich die Frontsoldaien den Ausschlag gaben, daß der Zug nach links gar so stark wurde, so daß die „nationale Rechte" oder gar nationalistischer Radikalismus damals fair gar keine Rolle spielte.
Nachdem die Flut der revolutionären Ereignisse verrauscht war, die von 1918 bis 1923 Deutschland erschütterten, kehrte im allgemeinen der Frontsoldat in die politische Bildung zurück, die ihn vor dem Kriege festgehalten hatten. Heute gibt es wieder ehemalige Frontsoldaten in allen politischen Lagern, von den Kommunisten bis zu den Nationalsozialisten. Die Versuche, mit Hilfe der Kriegervereine das Fronterlebnis politisch auszunützen, find mißlungen. Die ehemaligen Soldaten, welche ihren Offizieren bis zuletzt militärisch gehorchten und ihnen heute noch Achtung entgegen«
uldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
politische Wochenschau.
Die deutsche Politik stand in der vergangenen ancche durchaus im Zeichen der Regierungskrise, «an', unnötig und ganz unerwartet haben die So- -jaldemokraten die Konsequenzen gezogen, wo keine lieben waren und damit nicht nur sich selbst aus Mst' Regierung herausmanöveriert und ihrem Kanzler eine Niederlage bereitet, die ihm hätte er- ®jtrt werden können, sondern auch den Kampf der teinungen wiederum in einem Maße aufgewühlt, _k gn sich dem Reich und feinem darbenden Volk -«kbi gut tun kann. Mit einer Energie, die ihm ebenimuenig vergessen werden wird, wie seine mi- Mriichen Erfolge, hat der Reichspräsident dann in die Krise selbst eingegriffen und zum Kanz- ler Den bisherigen Zentrumsführer Dr. B r Ü - n i n q ernannt, dem er feinen Auftrag so for= jmtlierte, daß eine angesichts namentlich der si- ^jfliielicn Schwierigkeiten des Reiches unerträg-- Parteizänkerei um die Ministersitze verinie- D -en wurde. Dr. Brüning hat mit einem eiskalten fc Mlen zur Arbeit den Auftrag übernommen und D innerhalb zwei Tagen die ihm geeignet dünkenden Stornier der Politik unter selbstverständlichem Ver- K&bt aus sozialdemokratische Mitarbeit, als seine i Minister ausgewählt. Der Kampf um dieses Ka- Münett war von der ersten Stunde an heiß und lei- densi'dafllich. Durch die Berufung des Landbund- fiibrers Schiele konnte aber der neue Kanzler } die deutschnationale Fraktion, wenigstens für die H erste Abstimmung, auf seine Seite zwingen. Jetzt Mhai die eigentliche Arbeit begonnen, im Steuersschuß des Reichstages ist man bemüht, das eckungs-Prograrnrn zu Wege zu bringen.
Unterdessen ist der Aoung-Plan auch in Frankreich mit großer Mehrheit a n g e n o m= Mm e ii worden, und zugleich dürfte er in den allernächsten Tagen von Belgien ratifiziert werden.
Zweiflern nach den Haager Verhandlungen immer noch unsicher scheinen mochte, wird also M Wirklichkeit: das Rheinland und die Pfalz werden geräumt. Das ist der erste Erfolg, den wir aus Kem Voung-Plan, so vieles wir auch an ihm zu - kritisieren haben, herleiten dürfen. Und noch eine l| erobere Folgen. Die Reparation S-K o IN m i s- f i o u löst sich auf. Den Angestellten, deren es aueh E heute noch mehrere Hundert gab, ist gekündigt wor- WWl, Damit verschwindet eine Einrichtung, unter -C der Deutschland seit dem Friedensdiktat unendlich b Mttkü hat, eine Einrichtung, die eigentlich fast ÄNtinärbtiq war, die naturgemäß immer mit unseren Gegnern dachte, und die z. B. im Jahre 1923 | den Franzosen juristisch den moralisch lächerlichen •f Normand zum Einfall ins Ruhrgebiet lieferte. | Biel zu lange hat dieser Ausschuß bestanden, aber f nun ist auch fein Ende da, es geht, wenn auch un» eniüch langsam, aufwärts.
M^ Uebrioens gibt es nach wie vor auch in den Staaten, denen der Versailler Vertrag ein wolkenloses Glück zu bescheren gedachte, Schwrerigkei- ^.Hnug. In Polen kann man sich immer noch nicht an parlamentarische Zustände gewöhnen. Die Regierung Bartels mußte zurücktreten, der Bruder des Diktators Pilsudski verzichtete alsbald auf die Kabinettsbildung, und die zur Zeit amtierende neue Regierung ist wiederum nichts ande- Mchs als ein kaum maskierter Geschäftsführungs- Ausschuß des Marschalls, der das Land als fein persönliches Eigentum betrachtet. Es sieht ganz danach aus, als ob uns von Polen her noch allerlei • lleberrafchungen bevorständen.
Aus dem Reichstag.
Im Reichstag wurde am Freitag die zweite Beratung des Gaststättengesetzes zu Ende geführt. Die Abstimmungen sollen erst in der näch- gen Sitzung, am Dienstag nächster Woche, folgen. Während der Beratung schleppten die Reichstagsdiener riesige Stöße von Druckschriften in den Saal, die sie auf dem Tisch des Hauses aufstapelten und dann unter und neben den Tisch stellten, als sich aus her, großen Tischplatte nichts mehr unterbringen ließ. Bei dieser Druckschriftenmenge, deren Gewicht etwa 3 Zentner beträgt, handelte es sich um die Petitionen, Proteste und Denkschriften, die von Organisationen der Abstinenten, der Temperenzler und ihrer Gegner im Laufe von drei Jahrzehnten zum Schankstättengesetz eingegangen sind. Set jüefige Papierblock erinnerte daran, daß über der Schankstättengesetzgebung ein dunkles Verhäng- £ sie ist bisher niemals fertig geworden,
El^ immet^ eine Krise oder gar eine Auslösung
Bei der Aussprache waren die Parteigrenzen »lemlich verwischt. Gegen den Alkoholmißbrauch „ sieht zwar eine Einheitsfront, aber in der Be- urteichng des mäßigen Alkoholgenusses scheiden sich oie Geister in den meisten Fraktionen.
j ~ Reichswirtschaftsminister Dietrich hielt seine I E'Metiirede für das neue Ressort, das er jetzt s^rnommen hat. Er erklärte sich mit der Aus- Wutzsassung der Vorlage einverstanden.
, Samstag und Montag sollen sitzungsfrei Blei» s *”•. Am Dienstag sollen die Abstimmungen zur elh#nlten Beratung des Gaststättengesetzes stattsin- und dann soll die dritte ^Beratung folgen.
Der Sohn des Reichspräsidenten verunglückt, i, f erstleutnant von Hindenburg, der Sohn und Ad- Lr™ des Reichspräsidenten, erlitt am Freitag- ^„ursitag einen schweren Reitunfall. Oberstleutnant b” Huidenburg befand sich auf einem Ritt durch ch^rgarten, als sein Pferd vor dem Wasser- SSUn. de» Nähe des Zvo scheute und ihn abwarf, tourh ° m’t einem Fuß im Steigbügel hängen und hon dem durchgehenden Pferd eine Strecke beitr "^geschleift. Er erlitt dabei einen Schlüssel- iei« und schwere Rippenquetschungen. Trotz , «er Verletzungen ritt Oberstleutnant von Hinden- in i $uin Statt zurück. Von hier aus wurde er M,,sirne Wohnung ttansportiert. Die ärztliche
ll £n m un9 des Verletzten liegt in den Händen |*Ä Professor Sauerbruch.
des Steuermerts, der von ihnen versteuerten Zigarren.
Reich-fiuanzrninffter Dr. Moldenhauer teilte mit, daß die Vorlagen über den Finanzausgleich und über die Reichsfinanzreform noch heute vorgelegt werden. Um keine weitere Zeit zu verlieren, hat die Regierung bezüglich der Arbeitslofenversicherung von einer Doppelvorlage abgesehen. Die Vorlage enthält dafür nicht das Kompromiß der früheren Regierungsparteien; dieses muß durch besonderen Antrag ausgenommen werden. Die Vorlage sieht die Schaffung eines Notstocks für die Arbeitslosenversicherung aus Mitteln der Industriebelastung vor, ferner enthält sie grundsätzliche Bestimmungen über die Ausgabeiiersparnifse und Steuersenkungen, nicht dagegen wird der Entwurf über die Senkung der Einkommensteuer vorgelegt, weil der Reichsrat ihn zurückgestellt hat und die Regierungsparteien inzwischen fick über den Entwurf über die Senkung der Gewerbesteuer verständigt haben.
Abg. Dr. Horlacher (Bayr. V.P.): Gerade die Bayerische Volkspartei hat sich am meisten bemüht, der Regierung beizustehen, den Etat in Ordnung zu bringen. Auch in der Arbeitslosenver- sicherunqsfrage hat die Bayerische Volkspartei alles getan, um zu einer befriedigenden Lösung zu gelangen. Allerdings muß sich die Bayerische Volkspartei einseitigen Anspannungen der Steuerschraube entgegenstellen. Das Reichskabinett kann noch 'so fräftige Töne anschlagen, die Bayerische Volkspartei werde die Bier- steuervorlage keinesfalls mitmachen. Wenn man bedenkt, daß das Gesamtaufkommen an eigenen Steuern in Bayern 178 Mill. Mark beträgt, so sieht man, welch drückende ungerechte Last Bayern mit der Sonderbelastung von rund 100 Mill. Mark für Biersteuer aufgebürdet wird. Dieselben Parteien, die bet der Weinsteuer in Hinsicht, auf die Not der Winzer Rücksicht genommen haben, müssen dieselbe Rücksicht nehmen im Hinblick der furchtbaren Bedrohung der Interessen des Braugersten- und Hopfenbaues.
Reichsfinanzminister Dr. Molden Hauer versichert, daß das Kabinett auf Grund einer sorgfältigen Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen ist, die Biersteuererhöhung vorzuschlagen. Maßgebend war dabei die Erkenntnis, daß andere Wege dem Reich Mittel zur Verfügung zu stellen, nicht gegeben sind. Die Erhöhung der Umsatzsteuer würde für die Gesamtheit unendlich viel schwerer tragbar fein.
Der Vorschlag, auf die Einfuhr eine Umsatzsteuer zu legen, ist eine Frage der Handels- und Zollpolitik. Die Sitzung dauert an.
Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett Freitag nachmittag eine Sitzung abgehalten, die sich mit den Verhandlungen über die Deckungsfrage beschäftigte. Das Kabinett beschloß, an der 75prozentigen Biersteuererhö- h u n g f est zu h a l t e n. In der Frage der Umsatzsteuer ist noch keine Entscheidung getroffen. Es ist aber richtig, daß, man an eine Erhöhung der Umsatzste,uer für Warenhäuser denkt, und zwar in Form einer Staffelung nach der Höhe des Betriebskapitals. Dieser Gedanke geht auf einen Wunsch der Wirtschaftspartiei zurück. Bis zum Wiederzulammentritt des Reichstages loll nun der Steuerauslchuß arbeiten. Er "o-f- einen Unterausschuß eingesetzt. Daneben gehen ober auch die interfraktionellen Besprechungen weiter.
In einem Berliner Abendblatt wird übrigens im Zusammenhang mit den Steuerfragen eine neue Krise angekündigt. Diese Darstellung entspricht nicht der Situation. Natürlich werden die Finanzverhandlungen recht schwierig sein. Sie sind aber noch im Anfangsstadium, so daß weder nach der einen, noch nach der anderen Seite schon jetzt etwas Bestimmtes sich sagen laßt.
Das Reichskabinett hofft übrigens, bisOstern mit den Steuergesetzen unterDach und Fach zu kommen.
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Die italienische Zeitung „Popolo di Roma" veröffentlicht unter der Ueberschrfft „Gkück- w u n s ch" einen längeren Artikel zu der Ablehnung der Mißtrauensantrage gegen das Kabinett Briining, in dem das Blatt in erster Linie darauf hinweist, daß Brüning die deutsche Landwirtschaft wieder zu Ehren bringen wolle. Es spricht den Wunsch aus, daß in Deutschland durch diesse Maßnahmen wieder bessere wirtschaftliche Verhältnisse eintreten werden.
Die Beratungen im Sleneransschntz.
DöO.Z. Berlin, 5. April. (Cig. Meld.) Im Steuerausschuß des Reichstages wurde am Samstag vormittag die allgemeine Ausspracheüber dieDeckungsvorlagen der Regierung, fortgesetzt. Inzwischen ist der gestern von den Regierungsparteien vereinbarte neue Gesetzentwurf zur Aenderung der Tabak- und Zuk- ferfteuer als Initiativantrag eingegangen. Er verkürzt die Zahlungsfrist bei der Tabaksteuer um einen halben Monat, läßt die Tabaksteuerläger bestehen und erhebt von den Inhabern dieser Lager als Verwaltungsentschädigimg laufend 1 Prozent
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