2. April
Beilage zur Fuldaer Zeitung
NILS
Der Gänsehirt.
Onb wenn der Himmel regnen will, So weiß er, was er tut, Er spielt ein großes Gnadenspiel Mit seiner warmen Flut.
Er läßt die Läublein sprießen Auf Bergen und auf Wiesen, Ja Wiesen.
Und wenn der Himmel Schmerzen gibt, So ist es recht und gut. Ich weiß, daß er mich dennoch liebt. Und habe frohen Mut.
Es wird mir wohl gedeihen
Wie Regenflut im Maien, Ja Maien.
Und wenn die Gänslein barfuß gehn, So hat es Gott gewollt, Und muß ich als ihr Hirte stehn, So hab' ich es gesollt.
So will ich auf dem Rasen Der Freude Flöte blasen. Ja blasen.
Ruth Schaumann.
Die Schummerstunde.
Don Karl Linz en.
I drucken dieser Kapitel aus dem Roman » ab V«c Schlichtegroll" von Karl Linzen m-nfc -b' daß dadurch diesem tiefinnerlichen, föhn epischen Werke noch mehr Freunde zuge< I tnX «werden. (Der Roman ist erschienen im Ver- „J 8 SofeI u. Pustet, München.)
der Kaffeestunde, wenn mein Taufpate hin- "ach der Säge oder nach den Arbeiten in e zu schauen, dann kam die Schummer» _jnftunbe. Dann saß Möddersche Ose mit . i|t ?EUg^auf dem Podest und erzählte, was ihr Sinn kam. Es waren dies aber nicht sondern auch wirkliche Begebnisse ver- ", die sie teils selbst erlebt, teils aus Bü- jgjen oder von klugen Leuten gehört hatte, viel- iebo»11 8-dört zu haben glaubte. Auch diese Hi- ^Weickso Erzählte sie immer in demselben singenden es r1(f. m "E>er den Dingen schwebenden Tonfall, als Um? utn kitel Märchengebilde handelte, ja, die 6ttet ob*10 e-6 *n Hinsicht zwischen einem ■Egt p König und dem seligen Jonas Timotheus Kjg' Mischen ihrer Ahne Heide Matthisson und grüner Flut schnellenden Brunnenfee ° btbeuif tb0rcn Unterschied. Und nur, wenn sie sie her ix6 kriegerische Zeitläufte behandelte, dann iBwite* Q^e^unS QUS der Tiefe ihres Kropfes «Vf t;Q6M ?rgelschweren, altbiblischen Weihebaßtor Hk des Bom,r "die Trauben der Erde in die große
°r^S G°Ues" fallen sähen; — „und die B#t der «?Etreten, und das Blut ging bis an die Pterde, durch tausendsechshundert Feld We-
BKä’S1 be” Podest die Abendschatten lagen und ’hetn der hölzernen Stricknadel unschlüssig
n_e stocherte, weil sie im Augenblick nicht °s ste erzählen sollte, dann lispelte wohl beschichte von Jon Baalch, Möddersch
Aus: »Die Rose". 24 Holzschnitte mit Versen. « Seiten. Jllustr. Pappband 5 Mk., handkolorierte «uraabe in Pappband 10 Mk. Verlag Josef Kösel u. Friedrich Pustet, München. Auf Wunsch werden Ma- jini von dem Holzschnitt zur Verfügung gestellt.
«Frei bin ich. frei."
8m Sonntag standet ihr vor mir. Ihr alle mit euren 14 Jahren, die Schule hat die Lehrzeit abgeschlossen, und die Kirche gibt euch das Geleitwort fürs Leben. Ueberall kirchliche Schulentlassungsfeiern. Jungen und Mädchen vor dem Heiland der Welt. Mit ihnen vereint und um fie besorgt der Seelsorger der Gemeinde, Lehrer und Eltern. Beim Blick in die Zukunft will manches Elternherz nicht stoh werden. Der Beruf des Jungen! Was stngt der Karl an? Zeugnis sehr gut und keine Stelle. Und der Fritz tritt morgen an in der Werkstätte des Tchreinermeisters N. 4 Gesellen sind noch im Betrieb. Wie wird es da dem Fritz ergehen? Ja, die Umwelt des Jungen wird mit einmal ganz anders im Büro, in der it, in der Werkstatt. Das Verantwortliche ist: daß die jungen Menschen ,die doch nicht fertige Men- sind, in dem Kampf der Geister vor Entscheidungen It sind, die für sittlich reife und gefestigte Menschen gewaltige Leistungen sind. Was wird der 14jährige inem Kampf um die Reinheit auf Kraftproben ge- werden. Zeitschriften und Illustrierte muß er schon leiden wissen; Schönes und Echtes richtig zu werten ie kann es schwer sein für Erwachsene und wie leicht das Jugendurteil danebengreifen.
8 ihr Jungen und Mädchcnl Frohe Fahrt ins enf Ihr seid keine Schwarzseher. Ihr habt echten und festen Lebensmut zum Lebenskampf. Gott bewahre euch diesen Mut und die reine Freude!
Auch der Seelsorger und eure Lehrer hallen das Los heutigen Jugend für schwer und hart. Richt bloß ein mitleidiges Herz läßt sie verstehende Worte sprechen. D i e Erkenntnis der harten L e b e n s w i r k l i ch- 'eit, der gewaltig großen Zeitforderun- Sen und unabweisbaren Zeitaufgaben drängt und verpflichtet die Führer der Tugend zur Arbeit.
?hr jungen Menschen! Ihr wollt religiöse Vertiefung un° Aufklärung bei dem stärker werdenden Weltanschau- Mgskampf. Die Berufsschule hat ihre Aufgaben in der «benskunde. Und doch ist die Lebenskunde noch nicht E«all eingeführt. Die Christenlehre ist jetzt für euch JW Und darüber hinaus wird euch der Jugend- "ein gute Dienste leisten, weil ihr da in kleinen ^sVpen von euch aus eher zu Worte kommt, weil da lich und konkret von euren Röten gesprochen wcr-
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seh e mit dem Ern st der Zeit die Verdung immer stärker werden, in allen auch in den Filialen, in der Form 'enJugendgemeinschaften oderauch organisierten, die jungen Streiter m zu sammeln, zu schulen, zu fördern und [ *7ltfe Bewegung für Christi Reich in ihnen lebendig l2~*en- Der Jugendverein ist ein Bekenntnis der Erstens zur Jugendgemeinschaft. Zwei
tens zum Priester und zur Kirche. Und drittens zur Fa m i l i e. Durchdenkt dieses Bekenntnis, in heutiger Zeit besonders auch Numero 2. Ein Bekenntnis zur Familie.
Furchtet nicht, der Junge oder das Mädchen würde der Famllie entzogen. Gestern erlebte ich die Familienfeier eines Jugendvereins mit der Aufnahme der Neuen. Alle Eltern waren da. Und die Jungens frisch und froh dabei. Weder die Eltern noch die Jungen empfinden da eine Störung des Familienlebens. Der Jugendverein will die Erziehungsarbeit des Elternhauses ergänzen, nicht ersetzen. Er will zur Familie erziehen, zur rechten Fami- | lienart und zur hilfsbereiten Liebe. Die Freuden des Jugendvereins kommen als Freuden ins Elternhaus und die Zusammengehörigkeit der Familienglieder leidet nicht, sondern wird gefördert. Familien retten ist Zeitaufgabe.
Was ich euch Schulentlassenen wünsche: verstehende und helfende Eltern, einen guten Lehrmeister, einen priesterlichen Freund und dazu Arbeit, Brot und Sonne. Gott segne Dich, Du Jugend von heute. h.
Das neue Dors.
Die Alken und die Jungen.
Ein gewisser Gegensatz bestand ja immer schon zwischen beiden, aber es scheint, als ob sich dieser Gegensatz in jetziger Zeit mehr und mehr verschärft habe. Stuf diese Meinung muß man kommen, wenn man die endlosen Klagen hört über die heutige Jugend; und dies Klagelied endigt so ziemlich stets mit demselben Vers: „Zu unserer Zeit, da wars anders, da war die Jugend nicht so verlottert und respektlos wie heute." Wenn man aber dos Gespräch so zufällig auf die eigene Jugend der Ankläger bringt, so kann man zu seinem Erstaunen hören, daß sie all die Streiche, wegen deren sie die heutige Jugend in Grund und Boden verdammen, selbst begangen haben — und vielleicht noch mehr dazu.—
Ohne Uebertreibung darf behauptet werden, daß das Sch impfen über die Jugend genau so zur Gewohnheit geworden ist wie das Schimpf en über d i e schlechte Zeit, denn eine Zeit, über die nicht geschimpft worden ist, gibt es nicht. Besser -als alles Schimpfen wäre dos ernste Besinnen daraus, daß die Jugend der Träger der Zukunft ist, und zwar einer besseren Zukunft, die nur gestaltet werden kann in engster Zusammenarbeit der Alten und der Jungen. Die Alten haben für sich die Erfahrung eines Menschenlebens, und sie haben die heilige Pflicht diese Erfahrung, welcher Art sie auch sei, den Jungen mitzugeben. Dadurch erst wird sie lebendig und wirksam.
Wenn man das Zusammenleben der Alien und der Jungen auf dem Dorfe betrachtet, so springt sofort in die Augen, daß da von einem Zusammenle- be n wenig oder gar keine Rede sein kann, eher ists ein Auseinanderleben. Die Schuld daran liegt mehr auf feiten der Alten, weil sie als die Einsichtigeren sich auf das Schimpfen beschränken und im Uebri- gen der Jugend ihren Lauf lassen. Wo wird erirstlich der Versuch gemacht, die Jugend an sich zu zichen? Ist man nicht meistens froh, wenn sie ihre Wege geht und das Alter ungeschoren läßt? Und doch, wie leicht ist es, einen Weg zu finden, auf dem Alte und Junge in Eintracht gemeinsam geben könnten!
Wer das Leben auf dem Dorfe kennt — und vom Dorfe ist hier die Rede —, der weiß, wie wenig es sich die meisten Väter angelegen sein lassen, die schulentwachsenen Söhne in die Dinge einzuführen, die für ihre spätere Selbständigkeit von entscheidender Wichtigkeit sind. Arbeiten in Feld und Stall, das lernen die Jungen. Ob ihnen der Vater aber auch Einblick gewährt in Steuer- und Gerichtsangelegenheiten, ob er mit ihnen den An- und Verkauf von Vieh bespricht? Ob der Junge Gelegenheit hat, eine Bestellung zu schreiben, und wenn es nur eine Postkarte ist? Ob der Vater den Jungen auch einmal zu einer Versammlung mitnimmt?
Es wird heißen, die Jungen hätten kein Interesse an derartigen Sachen. Ist möglich, ober kein Wunder: denn woher soll das Interesse kommen, wenn nichts von ihnen gefordert wird, wenn es vielleicht bei jeder Gelegenheit heißt: „Davon verstehst du nichts!" Gew'ß, es soll nicht etwa den naseweisen Bengets das Won geredet werden, die überall hineinreden und alles belfer verstehen. Aber derartige Jrmgen wird man selten auf dem Dorfe finden, gewöhnlich liegt da der Fall umgekehrt, nämlich so daß die Jungen zu wenig Interesse hoben und sich um nichts kümmern, was außerhalb ihrer gewöhnlichen Arbeit liegt. Aber ein gutes Teil
der Schuld liegt hier an den Vätern, die es meist für überflüssig halten, die Söhne in der gekennzeichneten Weise zum wirklichen Mitarbeiter, nicht nur zum Knecht zu erziehen.
Ein Vater vergibt sich durchaus nichts, wenn er den Sohn gelegentlich schickt, ein Stück Vieh anzusehen, das gekauft werden soll, oder wenn er den Jungen fragt: „Was meinst du denn, was wir dieses Jahr auf den Acker im Borngrund pflanzen?" Durch derartige Vertrauensbeweise gewinnt das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sehr viel an Wärme und Liebe, und von diesen Dingen kann es nie genug geben in der Welt.
Noch auf etwas Anderes muß hier hingewiefen werden. Daß auf unseren Dörfern die Jungen besonders an Winterabenden allerlei Schabernack treiben, ist bekannt. Dieser Schabernack ist sehr oft harmlos, manchmal aber auch nicht. Leicht ist es, darüber zu schimpfen, besser aber, der Sache auf den Grund zu gehen. Die weitaus meisten der Jungen würden an den Winterabenden bestimmt zu Hause bleiben — wenn man es verstände, sie dort zu halten. Das ist so schwer nicht, wenn der gute Wille vorhanden ist.
Im allgemeinen halten die Schulentlassenen ihre bestimmten Freundschaften, meist in einer Gruppe von drei bis fünf oder sechs. Wenn nun diese Freundschaften reihum an den Abenden in einem Hause zusammen kämen, und zwar mit Zustimmung der Eltern? Natürlich ist der Sache nicht gedient, wenn diese Zusammenkünfte widerwillig geduldet werden und die Jungen gezwungen sind, möglichst unbemerkt am Tische oder gar in einem Nebenzimmer Karten zu spielen. Nein, der Hausvater wenigstens muß dabei fein. Es schadet nichts, wenn er auch mit den Jungen Karten spielt. Aber nur Kartenspiel an solchen Abenden wäre Zeittodschlogen. Es muß auch etwas erzählt werden. Der Vater braucht nur von seiner Jugendzeit anzufangen, das hören die Jungen immer gern, und sie werden die Karten ohne Geheiß aus der Hand legen. Ein anderer Stoff, der immer roieber ungeteilte Teilnahme findet, ist der Krieg, den ja die meisten unserer Väter mitgemacht hoben. Diese kurzen Hinweise mögen genügen. ,
Du aber, mein lieber Jungmann, der du diese Zeilen liest und dich freust, weil es den Alten nun aber gesagt worden ist, du hast dich zu ftüh gefreut. Denn auch ihr Jungen habt die heilige Pflicht, das Alter zu ehren. Widersetzlichkeit und störrisches, herausforderndes Benehmen sind durchaus keine lobenswerte Eigenschaften, und nicht der ist der Tüchtigste, der den „größten Mund" hat.
Und allen Einsichtigen liegt die Pflicht ob, nach Kräften darauf hinzuwirken, daß das Verhältnis zwischen Jungen und Alten im Geiste der Liebe und des gegenseitigen Verstehens neu gestaltet wird. Auch das ist wesentliche Mitarbell am „Neuen Dorfe". L.
IugendbeUagen der kath.Vresse.
In dem Februarheft der „Deutschen Volks- w a ch t", einer von jungen Katholiken herausgegebenen Monatszeitschrift, wird ein Ueberblick über die wenigen Jugendbeilagen der kath. Zeitungen gegeben. Da es die Leser der Jugendbeilage der Fuldaer Zeitung sicher interessieren dürfte, wo Beilagen ähnlicher Art bestehen, bringen mir die Aufzeichnungen des Chronisten hier zum Abdruck. Es heißt dort:
Es sind schon verheißungsvolle Anfänge gemacht worden. Die katholische Presse beginnt allmählich aufzuwachen und dem Drängen der Jungleserschaft nach eigenem Ausspracheraum entgegenzukommen. Somit beginnt sie sich hoffentlich langsam ihrer ureigensten Aufgabe gemeinschaftlichen Austausches und gemeinschaftlicher Willensbildung bewußt zu werden. Bis heute treten ungefähr 10 kath. Zeitungen mit ihren Jugendbeilagen hervor, die wir laufend beachten und kritisch würdigen wollen.
Die bedeutendste und vielleicht auch vorbildlichste Ju- aendzeitung Hot sich unseres Erachtens die Deutsche Reichszeitung in Bonn mit ihrer Beilage „D e r Jungkatholik spricht Blatt der kathol. Jugendbewegung im Bonner Land" geschaffen. Eine scheinbar sehr gut sitzende Kritik am Bonner Theater in der De- zembernummer zeigt, daß man gewillt ist, sehr deutliche Worte zu sprechen.
Das „Blatt der Jugend" der Fuldaer Zeitung verdient gleichfalls in unseren Kreisen besondere Beachtung. Gut und lebendig redigiert, erfreut es durch die Frische, mit der es dos Fuldaer Jugendleben wie- bergibt, durch die feinfühlige Art, mit der es auch den
Ose." Aber die Alte zögerte dach noch eine gute Weile, damit erst in der Stube die rechte Dämmerung wurde, und wenn inzwischen etwa Matten, die Magd, herein» geschlürft kam, um die Kupferlampe über dem Tisch anzuzünden, so sagt die Möddersch: „Laß nur, Matten! Wir brauchen jetzt kein Licht. Die Kammer der Meerfrau, wo Jan Baasch gewohnt hat, ist zwar unterirdisch, aber es sind doch allerlei Fische, die tragen Lampen auf den Rücken und leuchten uns genug." Wenn Matten bann mit einem Gebrumm wieder hinaus mar und die hölzernen Stricknadeln lange Zeit in der Stille allein geklappert hatten, bann erhob enblich bie Möddersch ihre gleichmäßig singende Märchenstimme, und zwar floß aus ihrem Kropfe diesmal ein feines und fast zierliches Hochdeutsch, ganz als ob sie aus einem Lesebuch vorläse:
„In alten Zeiten lebte einmal ein Hummerfischer, der hieß Jan Baasch und mar ein wohlhabender Mann. Er nannte nicht weniger als sechs Hummerkästen sein eigen und legte in jedem Frühjahr gegen hundert Fangkörbe aus, deren Ertrag er für gutes Geld noch Hamburg schickte. Da er aber auch ein stattlicher Bursche war, der bie Sonne liebte und an Tanz und Geigenspiel seine Freude hotte, so fiel ihm bie Gunst bes schönsten Mädchens zu. Schon war der Hochzeitstag verkündet, da hantierte Jan Baasch eines Morgens bei stechender Sonne weit draußen im Meer vor einem der tiefen Brunnen, b. i. der unterseeischen Felsenriffe, darin sich bie Hummern mit Vorliebe aufhalten. Plötzlich sah er zwischen zwei dunkelgrünen Wellen einen Arm hervorschimmern, weiß wie Schnee, und gleich danach tauchte ein Meerweib dicht vor Jan Baaschs Nochen auf. Ihr Antlitz war schön, aber bloß; dos Haar wie Flachs und die Augen die reinste Perlmutter."
Die Kundigeren von uns hatten wohl die ersten Sätze der Erzählung in einem gedämpften Chorus mit» gesummt; nun aber waren wir alle still. Denn bie Brun- nenfrou entbrannte sogleich in einer Neigung zu dem irdischen Manne, und da ihr Wille stärker war als der (einige, so konnte Jan Baasch nicht anders als hinunter- frügen in die unterirdische Felsenkammer, wo sie wohnte. Dort warr" die Wände mit Perlen übersäet und hob ।
sich eine Bettstatt, ganz aus Korallen gebaut. Fische, die auf ihren Rücken brennende Lampen trugen, standen unbeweglich im Wasser und durchleuchteten die schwarzgrüne Finsternis. Drei Monde verlebte Jan Baasch in Zufriedenheit bei der Brunnenfrau. Danach aber verlangte ihn wieder nach seiner Braut, nach der warmen blühenden Erde, nach Sonnenlicht und Geigenspiel. Doch als er der Brunnenfrou seine Bitte vortrug, da sah die mit ihren Perlmutteraugen ihn rätsel- hast an, schüttelte den Kops und hauchte: „Jan Baasch, ich lasse dich nicht. Du weißt: ich bün bin — bu büft mm — mir sünd een —"
Da flehte Jan Baasch nur um drei Tage und drei Rächte Urlaub und schwur einen Eid, daß er nach Ablauf der Frist wieder kommen werde. Und kaum hotte er den Eid ausgesprochen, da saß er wieder in seinem Boot oben auf dem Meeresspiegel, die Sonne stach heiß, er zog die Fangkörbe herauf und fuhr mit reicher Beute nach Hause. Dort war die Freude groß; denn alle hatten geglaubt, daß Jan Baasch im Meer ertrunken wäre. Arn dritten Tage schon begannen bie Hochzeitsglocken zu läuten: Ion Baasch führte die schöne Braut zum Altor und dachte nicht mehr an seinen Eid. Als er danach aber mit seinem Weib und den Gästen beim Hochzeitsmahle saß und die Geigen für einen Augenblick schwiegen, siehe, da schlug plötzlich ein feuchter Zugwind durch den Saal, daß die Lampen flackerten. Jan Baasch fühlte es an seiner Wange wie nasses Weiberhoar, und deutlich hörte er in sein Ohr einen Hauch wehen: „Ich bün bin — du bist mht — mir sünd een —" Da streckte Jan Baasch die zitternde Hand aus, um einen Becher Wein hinunterzu- trinfen. Doch es riß ihn am Arm, daß der Wein verschüttet wurde, und lauter .dringender, daß bie Halde Tafel es hörte, kamen bie Worte zugeweht: „Ian Baasch, ich lasse dich nicht! — Komm — komm — es ist Zeit!"
Da vergaß Jan Baasch olles. Verstört sprang er auf und stürzte hinaus. Alle Gaste stoben hinter ihm drein. Die Geigen blieben stumm, bie Lampen loschen im Racht- wind aus, und cs mar ein feuchter, salziger Geruch im Saale wie von Seetang und Fischen
Aelteren für den Gedankengang der Jugend zu interessieren weiß.
Spürt man aus diesen beiden Blättern stark bie Feder der „jugendbewegten Redakteure", so tritt uns in den anderen Blättern, die zumeist auf den Druck der mehr und mehr aufmachenden Jungmännerverbände entstanden sein dürften, zwar ein anerkennenswert guter Wille, aber wenig schöpferisches Element entgegen. Aber die oft trocken geschriebenen Zeilen erfreuen doch mit ihren zahlreichen Berichten überall herzhaft angepackten Jugendarbeit.
Es seien erwähnt:
Die Beilage der Kath. Jugendgemeinschaft Essen in der Essener Volkszeitung.
„Neue deutsche Jugend", Beilage der Niederrheinischen Volkszeitung.
„Aus der Hoch schul- und Jugendbewegung", der Schlesischen Volkszeitung.
„Jugendbewegung" der Bergischen Tageszeitung.
„Katholische I u g e n d", Blätter für kath. Jugendarbeit am Niederrhein des Boten für Stabt und Land, Tanten (mit guter Dezembernummer).
Aus dem Lebenskreis der Jugend, bes Westfälischen Kuriers — leiber nur über die Jugend und ohne erkennbare eigene Haltung.
„Die Jungen" der Kreuznacher Zeitung.
„Das junge Deutschland" des Düsseldor- f e r Tageblattes.
Märkische Jugend der M ä r f i f d) c n 23 d t fs» 3 e i t u n g, Berlin. Diese Beilage, die nicht, wie sonst üblich, sich organisch in den offiziellen Rahmen der Tageszeitung einfügt, sondern bedauerlicher Weise an der Form des „Blättchens für den Sonntagsleser" festgehalten hat, entbehrt infolge ihrer schwammigen „einheitlichen Gesichtspunkte" der oft so dringend notwendigen Aktualität. — Das gleiche gilt für bie „Zentrum s- fugend", der Monatsbeilage der Berliner Windthorst- bunbe.
Sehr schwach ist die Beilage der Sächsischen Volkszeitung: „Der katholische Jung- mann", bie als Diasporazeitung ihre aufrüttelnbe Aufgabe vollkommen verkennt.
Soweit der Schreiber. Ob bie eine ober andere Jugendbeilage katholischer Zeitungen vergessen ist, wissen wir nicht. Doch zeigt dieser Ueberblick, baß noch bie wenigsten der katholischen Jugend ein besonderes Blatt zur Verfügung gestellt haben.
kleine Mitteilungen.
katholische Jugendgemeinschaft Fulda.
Am vergangenen Freitag waren bie Präsides uni Vertreter der Organisationen, Vereine und Gruppen, in denen katholische Jugend zusammengefaßt ist, in der Harmonie versammelt, um die äußere Form für die katholische Jugendgemeinschaft in Fulda zu finden. Rach einer Aussprache über das Ziel und die praktischen Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft, wurde der Führerrat gewählt. Ihm gehören an: Religionslehrer Becker, ein noch zu bestimmender Lehrer, zwei Vertreterinnen der weiblichen Jugendvereine, sowie Aloys Miltenberger, Dr. Josef Sauer und Hermann Bögler. In der Arbeitsgemeinschaft ist jeder Verein durch einen Jungführer vertreten. Die Präsides sind geborene Mitglieder dieses Ausschusses, können sich aber durch einen weiteren Jungführer vertreten lassen.
Nachdem diese Punkte geregelt waren, wurden aus der Versammlung heraus noch manche brauchbare Anregungen für bie Arbeit der katholischen Jugendgemeinschaft gegeben.
Fahrpreisermäßigung für Jugendvereine.
Die Deutsche Reichsbahngesellschaft teilte in einem Rundschreiben vom 13. März den Jugendpflegevereinen und -Verbänden mit, daß nunmehr die neuen Vordrucke für den Führerausweis hergestellt sind, so daß vom 1. April 1930 an der Ausweis nicht mehr von der Anerkennungsbehörde (Regierungpräsidenten usw.), sondern von dem Vereinsleiter selbst auszustellen und von der Gemeinde- bezw. Ortspolizeibehörde ober dem Jugendamt zu beglaubigen ist. Die neuen Vordrucke werden von der Eisenbahnverwaltung an die Jugendpflegevereine gegen Vorzeigung der Bescheinigung über bie behördliche Anerkennung unmittelbar abgegeben. Die bisherigen, von den Anerkennungsbehör- ben ausgefertigten Führerausweise behalten bis auf weiteres noch Gültigkeit.
Seitdem gewann Jan Baasch den Frieden nicht mehr. Wie ein einsames Wild floh er über bie Erde; er lernte alle Länder und den Glanz der Sonne auf allen Ozeanen kennen. Eines Tages im Herbst erlitt er Schiffbruch bei Island. Das Firmament war dunkel wie Eisen, das Meer brüllte unter den Schlägen des Sturmes, und Jan Baasch, der eine schwache Planke gefaßt hatte, flog wie ein Korkstück auf den Wellen. Schon wollte er versinken, da hob es sich aus dem schwarzgrünen Wasser schiM" wend wie ein schneeweißer Nacken — an den Ertrinkenden schmiegte sich ein unirdisch blasses Weib mit flächsernem Haar: „Ich bün bin — du büft min — mir sünd een —"
So zog das Meerweib Jan Baasch, der bie Sonne liebte, hinunter in ihr kühles Schattenreich."
Meine Gespielin Marte saß in solchen Dämmerstunden fast immer dicht neben mir auf dem Podest. Ost tarn es dabei vor, daß ihr Köpfchen mit dem flächsernen Haar an meiner Schulter lehnte, ober daß ihre Hand bie meinige mit den feinen Fingern gefaßt hielt. Man konnte glauben, daß Morte schlafe. Wenn dann aber die Möddersch zu der Stelle gelangte, wo die Brunnenfrau zu Jan Baasch sagt: „Ich bün bin — du büft min —", bann lief es jedesmal wie ein heimliches Zittern durch den schmächtigen Kindeskörper, die Mondsteine flirrten leise, und die Fingerlein, die seltsam falt waren, klammerten unwillkürlich fester.
Es konnte wohl auch kommen, daß, während Mäd- derfch Oses Erzählung von den Katzen ein paar auf das Fenstergesims gesprungen waren. Dort saßen sie nun aufrecht und schnurrten wie Spinnrädchen, während ihre runden Augen mächtig groß in die dunkle Stube hin- einglommen. Manche von den Katzenaugen waren wie milchiger Bernstein, andere wieder klargrün und durchsichtig, so wie wir uns die Flüssigkeit in zierlichen Giftfläschchen vorstellen.
Wir aber hielten Herzen und Ohren gespannt und fühlten oft genug bie Scheidewand zwischen Traum und Wirklichkeit versinken.
So gewaltig war Möddersch OseS Märchenkunst. ■