Sonntag Laetare.
Ejngangslied: 3f. 66, 10 u. 11.
Laetare, Jerusalem........
Freue dich, Jerusalem. Versammelt euch alle, die Ihr es liebt; seid fröhlich in Freuden, die ihr in Trauer wäret; ihr sollt frohlocken und euch satt trinken an der Brust, die euch stillt. (Ps. 121,1.) Ich freue mich, daß man mir sagte: Wir gehen zum Hause des Herrn.
Evangelium: Iah. 6, 1—15.
In jener Zeit fuhr Jesus über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. Eine große Volksmenge folgte ihm, weil fie die Wunder sahen, die er an Kranken wirkte. Da ging Jesus auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Es war kurz vor dem Osterfest, dem Feste der Juden. Als Jesus die Augen erhob und die große Volksmenge sah, die zu ihm gekommen war, sprach er zu Philippus: Woher sollen wir Brot kaufen, daß diese essen? Das sagte er, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er wußte wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus für sie, auch wenn jeder nur ein wenig davon bekommt. Da sprach einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat; allein, was ist das für so viele? Jesus sprach: Laßt die Leute sich setzen. Es war aber viel Gras an dem Platze. Da lagerten sich die Männer, gegen fünftausend an der Zahl. Jesus nahm nun die Brote, und, nachdem er Dank geiagt, ließ er sie denen austeilen, die sich gesetzt hatten; desgleichen auch die Fische, soviel sie davon wollten. ' Als sie satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Stücklein, damit sie nicht M Grunde gehen. Sie sammelten zwölf Körbe voll Stücklein, die von den fünf Gerstenbroten übrig waren, nachdem alle satt geworden. Da nun die Leute das Wunder sahen, das Jesus wirkte, sprachen sie: Dieser ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll! Jesus aber erkannte,, daß sie kommen und ihn mit Gewalt fortführen wallten, um ihn zum König zu machen. Er ,zog sich daher abermals auf den Berg zurück, um allein zu sein. /
Sie IreM des Sonnlags Laetare.
Von G o e r g e.
Die Liturgie des Sonntags Laetare ist von so seligen Klängen erfüllt, wie man sie in der Fastenzeit, die ja allgemein als eine Zeit ernstester Trauer und dunkelster Buße aufoefaßt wird, kaum ver- mu!?t. Der Eingang der hl. Messe ist gleich eine Aufforderung zur Freude: „Freue dich, Jerusalem. Kommt zusammen alle, die ihr es lieb habt; freuet euch und frohlocket, die ihr in Trauer wäret; ju- ,eIt und sättiget euch an den Brüsten eurer Tröstung! Woher diese Freude? Eine Erklärung, die herausgemachsen ist aus dem materialistischen Geist £n?reF 3eit, möchte Hinweisen auf das baldige Lnde der harten Fastenzeit, die ihren Höhepunkt überschritten hätte, so daß bald wieder volle Mahl« zetten winken. Damit kennzeichnet sich aber eine Ö«t, die eine solche Erklärung befriedigt, ganz von
r. Die Freude der Liturgie des Lactare- irmmag-^wachst auf einem ganz anderen Boden.
• r^ni|Pt isi es gar nicht so, daß die Fasten- zeu eine traurige Zeit ist, und daß die Freude es sonntags Laetare so ganz plötzlich kommt. Die »uuze .>astenzeit ist ja, wenigstens wie die Liturgie nL.lrdie [ie Forint h<ch voll von Hoff- ■...„„V.?.! das Heil, das mit der Auferfte- mmg t^risti begonnen hat. Die stille Freude über
Kommende Reich Gottes, die sich durch die
, Fastenzeit hinzieht, offenbart sich an diesem rS ,;1 seierlicher Weist; nicht im Freuden- etiefmrfl1-6"- r?in innerlichen, individuellen Heils- der ' vtm*)ern in der verheißungsvollen Schau ^^v'.undenheit mit andern im göttlichen Leben, hpii Ergreifen der die Menschheit erheben- Eonn^^ verklärenden Kirche. Die Freude des bA all-- «fr.? Freude an der Kirche. Aller Ju- beielinpnh ' *Mes Tages formt sich aus dem hl- Ärche°Chrisst"^'n der Zugehörigkeit zu der ^c'eI,cn Hot sich alles in folgender sich hiejeniapn Aginn der Fastenzeit mußten r!enähert „nh 'n6#® h^ 'nnerlich der Kirche schon Sehre Unterweisungen in der kirchlichen scheidend-i, c-L.^tten' roemi f*e 3U Ostern den ent« ihrem b^bchntt der Taufe wagen wollten, mit cintragen ^iJ1? aufgelegten Listen
letzte Zeit der Vorbereitung auf
die Taufe und den Christenstand begann damit. Ein neues Leben sollten die Katechumen empfangen, das Leben aus Gott. Darum mußten sie in harter innerer und äußerer Zucht lernen, das Weltleben zu verachten, ihm zu entsagen. Die Buße sollte den Weg zum neuen Leben freimachen. Täglich fanden sich so diese mit der Christengemeinde in bestimmten römischen Kirchen zum Gottesdienst zusammen. Allerdings durften die Katechumenen an dem eigentlichen Opferdienst der hl. Messe noch nicht teilnehmen, aber die hl. Lesungen, Gebete und Gesänge der Dormesse schlossen ihnen mehr und mehr den Sinn auf für das Neue, das hl. Gottesreich, zu dem sie Zutritt haben sollten. Dazu kamen hl. Handlungen und Segnungen, die sie auf den Eintritt vorbereiteten. Besonders die Evangelien der Fastenmessen, in denen immer wieder von Teufelaustreibungen durch den Heiland die Rede war, weisen sie darauf hin, daß auch sie aus der Gewalt des Satans und der Sünde befreit werden sollten, um Christo zu leben. Die 3. und 4. Faftenwrche sind aber darin besonders reich, und auch die Zeremonien, die die Kirche an den Tauffordernden vornahm, erfüllten sie mit immer mehr sich steigender Sehnsucht nach der Taufe. Daher die Freude des Saetare- sonntags.
Dieses Reich Gottes steht vor den Augen des Katechumenen und der schon getauften Christen nicht als ein rein innerlicher, nur die Seele des Einzelnen erfüllender Wert: es ist vielmehr die eine große, sichtbare Völkerkirche, die als Fortfetzerin und Vollenderin des Erlösungswortes Christi dem einzelnen das Leben Gottes vermittelt und erhält, wiederherstellt und vollendet.
Diese Gedanken fanden ihren Ausdruck schon in dem Namen der 'Stationskirche, wo sich die Christen Roms am Laetaresonntag versammelten. Die Kirche trägt den Titel „Zum hl. Kreuz in Jerufale m". Ein neues Jerusalem hat sich aber erhoben, das alte, das Jerusalem der Knechtschaft ist geschwunden, das neue, die Kirchsi ist da. Die Kirche, das himmlische Jerusalem, steht also vor den Christen. Darum auch der Jubelruf des Psalmes: „Wie freue ich mich, da man mir sagt», zum Hause des Herrn laßr uns gehen." Das Glück der Eottesgemeinschaft kommt zur Vollendung im Hause Gottes, in der Kirche Dann kündet den Katechumnen das Evangelium des Tages die wunderbare Brotvermehrung. Vom Brote, das vom Himmel gekommen und in der Kirche gespendet wurde, hatten sie eine leise Ahnung. Die Kirche als Spenderin des Lebensbrotes war ihnen so doppelt lieb. Das leuchtete vor allem in der alten Kirche klar hervor, daß der Sakramentenempfang nicht, wie meistens bei uns, nur eine persönliche Angelegenheit ist, sondern ein Akt, der im innersten Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Kircke vollzogen wurde.
Den modernen Menschen mutet die Kirchen- -reudigkeit der alten Christen oft so fremd an. Es gab -eine Zeit, wo es als besonders modern galt „an der Kirche leiden" zu müssen. Man war direkt unmodern, wenn man nicht „an der Kirche litt", wenn man sst restlos bejahte, wenn man eine leidenschaftliche Liebe zu ihr fühlte. • Wo ist heute i)ie Leidenschaft für die Kirche, so wie fie dtzr Laetaresonntag nahelegt? — Die große religiöse Bedeutung des Laetaresonntags liegt eben darin, daß er uns die Kirche in ihrem wahren Licht zeigt, nicht als dis, die immer nur verbietet und ahndet, sondern als heilige, fruchtbare Mutter unseres wahren Lebens. Aus ihr geboren, in ihr und von ihr genährt, formt sich unser Gottesleben. Wo dieses Wort des göttlichen, uns durch die Kirche zuteil gewordenen Lebens erkannt und in seiner ganzen Bedeutung gewürdigt wird, da hört das Leiden an der Kirche auf, da wächst in der Seele jene Liebe, die nicht mehr leiden kann, weil sie ganz in Gott ist.
Diese Liebe will der Laetaresonntag in un- ere Herzen hineinläuten und die Feier der österlichen Geheimnisse, die die Vollendung der Lae- taregedanken sind, mögen sie zur unvergeßlichen Melodie unserer Seele werden lassen.
Das AugustmuZ-Iubiläum.
„Ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, dessen Blätter nicht verwelken, auf dessen Zweigen die Vögel des Himmels wohnen," so kennzeichnet Hac- nack in seiner Dogmenaeschichte den größten Afrikaner, vielleicht den größten Sohn der alten Welt. 1500 Jahre sind es nun, daß er hinüberging, an der Scheide zweier Weltalter. Ihm ist es vor allem zu danken, daß das beste Erbe der versinken-
NILS
den Zeit zum unverlierbaren Besitz der neuen wurde. Augustinus ist der Lehrer der abendländischen Kirche „kat-exochen" geworben, der große Meister, auf dem ihre Päpste und Lehrer, ihre Ordensstifter und Führer immer wieder aufbauen. Unter dem Zeichen von Auguftinus Geist haben Staatsbegriff und Staatsleben vieler Jahrhunderte gestanden, an ihm werden sie sich schließlich auch heute wieder orientieren müssen, wenn sie nicht, wie zu Augustinus Zeiten das versinkende Römer- tum, ihren Untergang und damit den der abendländischen Kultur besiegeln wollen.
Wenn einer, so kann Augustinus unseren heutigen Menschen Führer sein zur Rettung in die Höhe christlicher Vollpersönlichkeit. Er hat ihre ganze Zerrissenheit, ihr en ganzen Unfrieden durchgekostet, ehe die Gnade ihn zu dem führte, in dem allein das Menfchenherz Ruhe finden kann. Ihm war wirklich nichts Menschliches fremd geblieben. Aber das Große an ihm ist, daß er nicht in diesem Menschlichen versank, daß er sich nicht mit der Scheinruhe „im Lande des Todes" begnügte, sondern entschieden empordrang zu jener Freude, „die den Gottlosen nicht zuteil wird, sondern nur denen, die den Herrn selbstlos verehren und ihm dienen ohne Rücksicht auf den eigenen Vorteil" (Conf,
10, 22). Und der in Verfolgung dieses Weges zum gewaltigsten und erfolgreichsten Streiter für Wahrheit und Siebe wurde.
Es ist über den großen Bischof von Hippo schon vieles Gute und Wertvolle geschrieben worden. Auf zwei Schriften möchten wir diesmal Hinweisen. Die kleine, aber inhaltreiche und formvollendete Schrift von Otto Karrer: „Augustinus, ein Lebensbild zu seinem Jubiläum 430—1930", die im Verlag der „Ars facra" (Joseph Müller) in München erschien, und die ausführliche Biogra. phie und Würdigung aus der Feder eines unserer besten Augustinuskenner: Heinrich Hubert ßef aar, „Der heilige Augustin, ein Lebensbild", Verlag von Joseph Kösel und Friedrich Pustet. Die erste der beiden genannten Schriften kann natürlich bei ihrem geringen Umfange nur eine erste Einführung in das Leben und die Gedankenwelt Augustins bieten. Wir sind aber sicher, daß, wer sie durchkostet hat, das Verlangen verspüren wird, tiefer in dieses Wunderreich einzudringen. Da mag denn gerade Lesaar ein willkommener Führer werden in seiner bei aller Begeisterung für seinen Heldest mehr sachlich ruhigen Art, mit dem reichen Apparat an Zitaten und Hinweisen.
Sehr willkommen sind bei beiden ^Berten die Bildbeigaben.
3um zamillensonnlag am 30« Mrz.
Der Kampf um die christliche Familie.
Zwei große sichtbare Tatsachen zwingen uns, über den christlichen Familiengedanken in der breitesten Oeffentlichkeit zu sprechen. Die eine vollzieht sich mit einer gewissen unsichtbaren Schnelligkeit in unserem Volke selbst. Sie tritt in den Großstädten deutlicher in die Erscheinung, auf dem Lande meistens noch nicht. Sie ist der Zerfall der Familie. Die andere wird uns durch Presse und Film immer wiedergezeigt. Es ist der gewaltsame Niederbruch ber Familie in Rußland.
Nachbem wir den 'Zoung-Plan angenommen haben, hat unsere Sorge um die tiefste und feinste Gemeinschaft, von der alles im Volke ausgeht, auch noch ein außenpolitisches Gepräge. Wenn beim Ausbruch des Weltkrieges der rheinische Diche ter gesungen hat: „Deutschland soll leben, und wenn ich sterben muß", so tritt heute mehr bas Schicksal der Familie als des Einzelnen in den Vordergrund, wenigstens für uns Christen.
Aber wir haben in Deutschland vielleicht noch viele Familien, die gesund sind und in selbstverständlicher Verantwortung miteinander und für« einander leben. Väter, deren Arbeit und Liebe die Familie ist; Mütter, die nicht „das Ihre" suchen; Kinder, die als bestes Vermächtnis die Kultur des Elternhauses mit ins Leben nehmen und sich gegenseitig erziehen und stützen. Wir treffen solche Familien in der Arbeiterwelt, auf dem Lande, in den Mittel- und Oberschichten. Und ohne daß wir übertreiben, dürfen wir ruhig behaupten, daß wir ihnen am häufigsten in den unteren und mittleren Schichten begegnen.
Das geistig-sittliche Fundamenit in jeder Familie ist das Miteinan- bertragen unb Füreinander? orgen.
Das unsichere köstlichste Gut ist die gegenseitige Liebe. Diese Güter kann man nicht propagieren, durch Agitation lebendig machen ober im Film unb Rundfunk ausmünzen. Sie sind der Lebenswille eines gesunden Volke» und die ungebrochene verantwortliche Gemeinschaft der von Gott gesegneten christlichen Ehe.
Wir wollen am 30. März, am Familiensonntag der katholischen deutschen Bevölkerung, im Geiste alte christlichen Familien an uns vorübex- ziehen lassen, die reifen und die jungen, die, die ihr Sehenswert schon getan haben unb bie, bie noch in frischer, hoffnungssreubiger Kraft davor- stehen. Das ist Kraft und Zukunftshoffnung.
Wir wollen auch derjenigen gedenken, bie ntübe unb ungläubig geworden finb, bie schon ihr eigenes Sehen schwer tragen unb sich baoor fürchten, es für anbere mitzutraaen. Das kann sterbendes Volk fein. Aber vielleicht brauchen dies- Vielen das Beispiel der Anderen.
Wir wollen auch an die vielen sozialen Schäden denken, bie Familienkraft zerstören ober ersticken: Arbei tslosigkeit, Armut Wohnungselenb, Volkskrankheiten u. a. m. Das alles ruft unsere Nächstenliebe auf zum sozialen Dienst an den Familien der Städte und auf dem Sande. Denn der religiöse und geistig- sittliche Gedanke ist beim Familienaufbau mit der sozialen Tat aufs engste verbunden.
In den flackernden Irrlichtern der Zeit, in dem Gewirr der „falschen" Stimmen, in der Verzweiflung der Massen und der Einzelnen soll dieser Sonntag der katholischen deutschen Familie wie ein großes Helles Osterfeuer aufleuchten. H. W.
Aus den Missionen.
Die Dorbereitung eines einheimischen Priestertums in China.
Zu einer Zeit, wo der übertriebene Nationalismus überall der Mission die ernstesten Schwierigkeiten bereitet, ist die Schaffung eines einheimischen Klerus in allen Missionen dringende Notwendigkeit. In den letzten Jahren hat auch in China, namentlich unter dem Einfluß des Antriebes von Rom, eine starke Entwicklung zur Schaffung eines chinesischen Priestertums eingesetzt, die frühere Versuche kleineren Maßstabes in großem Stile weiterführt. Alle Missionen müssen z. Zt„ wenn eben möglich, eine Vorbereitungsschule besitzen, wo alle Kinder geprüft werden und die ersten Elemente der lateinischen Sprache erlernen. Ferner müssen sie ein sogen. Kleines Seminar unterhalten, wo die Schüler einem vollständigen Kurs klassischer Studien folgen. Nach er« olgreichem Besuch dieser Anstalt werden die Schüler in bie Regional- oder Zentralseminarien gesandt, wo sie sich dem Studium der Philosophie und Theologie widmen. Fast alle Gegenden Chinas besitzen heute ihr Regional- cminar. Augenblicklich stehen die Anstalten von H o n g- ’ong (für die Südmissionen und Fukien) und die von Kaifeng (für Honan) vor der Vollendung. Der Bau eines Seminars für die Mandschurei und Szet- chwau stehen in sicherer Aussicht. Man kann erst damit beginnen, wenn diese Gebiete einigermaßen zur poli-
tischen Ruhe gekommen sind. Die zahlreichen Seminaristen von Hup eh (Tschili) werden im Akademischen Seminar bei der Katholischen Universität Peking, die schon eine philosophische und theologische Fakultät besitzt, Aufnahme finden. Nach.den Statistiken von 1929 befinden sich in den Vorbereitungsschulen Chinas 1462 Schüler (1927: 1102) in den Kleinen Seminarien 2465 (1927: 2202), in den Großen Seminarien 838 (1927: 783). Im ganzen gab es also 1929: 4765 Kandidaten für das Priestertum (1927: 4087). Dazu kommen 165 Schüler, die von religiösen Gemeinschaften abhängen, aber die Studien in den Seminarien machen. Man zählt darunter 53 Franziskaner, 45 Lazaristen, 26 Trappisten, 22 Jesuiten, 36 „Jünger des Herrn", 3 Steyler. Da man sowohl im Weltklerus als in den Orden Chinas zur Zeit ein wahrhaft ermutigendes Ansteigen der Priesterberufe trotz Krieg und Unordnung wahrnehmen kann, so muß man eine Einwurzelung des Katholizismus in China mit froher Hoffnung erwarten.
Merkspruch.
Das Anschauen bes Schönen soll nicht bloß auf unser ästhetisches Gefühl, fonbem auch auf unseren ethischen Sinn einwirken. Es soll uns besser machen, es soll unser Fühlen unb Wollen läutern unb unsere Empfänglichkeit für hohe, sittliche Ideen vergrößern. Hans Urner.
lebe die „Voy-Sulkur"!
5 Die neueste Errungenschaft.'
t u I f n r siL in 2lmerika bisher eine sog. „Girl- Girl, eicenfn*6 .nQd) Europa importiert wurde, '-morafinfreipn" .Mädchen, wurde zum Begriff' des sf von Gut unb Böse stehenden
fante, abcr 'rx 3tcn9ton unb Sittlichkeit intcref« Stgenftänbc mJL, belanglose Unterhallungs-
weihunq bp<- «/erL, ®lncn Schritt weiter in her Ent- $ “riete s Girl (gesprochen Görl) ging das es nrr, Programm ohne Girls. Natürlich bie da auänw "C!i)te" Amerikanerinnen, alles Misses, «Äfo tQm . Wenn man die Schminke herunter« at1n "ft echt deutsche Gesichter zum Dor-
'en un?K unter oft erniedrigenden, soziale» unb befnhH en Bedingungen angewor- ÄMsouen a'- wurden zur ständigen «chaunummer 6s «efi„ und da machte eine reli - r°nt baann Bevölkerung energisch Umlungen 3 <•/ c n’ Man veranstaltete Protestver- Immi es lieft sich gesetzlich wenig ma=
4 der 3QU1. ' G direkt schamlos herging. Allmählich ' alle hießen n * Jackson-Girls, Haller-Girls unb wie ^e bas ffin*,,,-. Die sogenannte Ausstattungsreoue Softer Szenerie belreben W Farbenpracht, zau« , ausgiebigem Gebrauch farbigen Ram
penlichtes, mit blitzartig wechselnden Bildern, die vom Montmartre in Paris zum tropischen Urwald, zur Chinesenstadt in Schanghai und zu den Lotosblumen am indischen Ganges führten, wurde neue Stimmung gemacht. In rasender Eile sausten die Mädchen nach jener Szenerie in den gemeinsamen Umkleideraum, wechselten bie „Kostümchen" unb erschienen, mit einem „Ah" begrüßt, wieder auf der Bildfläche, nachdem der Regisseur im Frack dem Publikum Durch eine kurze Wechselrebe mit dem „August" (wie er im Zirkus heißt), angenehm bie Zeit bes Kulissenwechsels vertrieben hatte.
Aber auch bas mürbe langweilig, altgewohnt. Dian suchte burch politische Witze unb „Einlagen", bie die Ueberwachungsbeamten der politischen Polizei etwas kitzeln und das Publikum amüsieren sollten, den Besuch zu heben, besonders in Berlin und München. Schließlich nötigte der schleppende Gefchäfts- g a ng, bie Provinz zu beglücken. Die Haller- Revue befindet sich feit Anfang des Jahres mit ihrem ganzen Girl-Stab unb allen Theaterrequisiten auf Tournee. Sie hat auch bas katholische Westbeutschland beehrt, wo man staunte, baß aus „Berlin" eine solche Edelsrucht der Kultur kam, bie eine Kultur ber „Scene" mar „Beene, Beene will das Publikum sehen. Dazu einen Schuß Pikanterie. Das ist bie ganze Revue." So erzählte ber Spielleiter ober Conferencier, wie man ihn auch nennen kann, den Massen herbeistpömenden Volkes.
Nun ists mit dieser Attraktion auch zu Ende. Hauptstadt und Provinz sind gesättigt. Die letzten Karnevalsrevuen in den rheinischen Städten entbehrten ber Ori
ginalität in ber Ausmachung. Der Besuch war auch teilweise schlapp. Aber schon ist was „Neues" ba. Statt ber Mäbels treten jetzt schöne Jünglinge auf, bie natürlich nur '„B oys" heißen können. Die Boy-Scouts, bie Pfadfinbcrbuben, werdens mit Entsetzen hören. Der frische, problemlose, an Leib und Seele gesunde Junge, mit den roten Wangen, dem unternehmenden Blick und ber kecken Fröhlichkeit, ben man im englischen Kulturkreis 'als Boy (Junge, Bub, Buch, Bua) bezeichnet, muß seinen Namen blasierten Tanzjünglingen leihen, die ihre „Bühnenschönheit" und die knabenhafte „Reinheit" ihrer Seele von hunderten elektrischer Birnen beleuchten lassen. Ists Spekulation auf die Instinkte des „Girlgeschlechtes", das oft bei ben Darbietungen ber Revuen im Zuschauerraum sich etwas wenig angeregt glaubte, ists ber Schritt von ber lieber« feinerung der Sinnlichkeit zur Perversität? Wie im alten Rom? Dann ginge die Entwicklung ja pro« grammäßig nach Analogie des römischen Kulturzusammenbruchs, wie Spengler es für den „Untergang des Abendlandes" prophezeite!
Also, mir haben „Hausse in Boys". Das Illustrierte Blatt ber Frankfurter Zeitung kündigt sie an. Die Frankfurter Zeitung, die in ihrem Literaturblatt oft strenge Moral vertritt, erfreut sich hier in ihrer Illustrierten an einer offenbaren Erscheinung sittlichen Niedergangs: „Die Boys sind blasse, schmale, hübsche, Jungen von zarter Haut unb biegsamen Gliedern. Muskulös dürfen sie nicht , sein. Alle sind fein unb distinguiert, elegant und diszipliniert. Unb tpären sie auf bem Programm nicht als 1
Boys bezeichnet, könnte man sie leicht mit Girls verwechseln!" Liebe Frankfurter: reden wir doch deutsch: Boys sind verweiblichte Lebejünglinge, die auf ber Bühne nach feurigen Jazztakten ihre Glieder in grotesken Figuren verrenken. Die Boys werden wie Mädels „ausgebildet". Die Frankfurter bringt farrifierenb eine Zeichnung, wie sie in ber Garberobe vor bem Spiegel sitzen unb mit bem Lippenstift arbeiten. Die meisten dieser Jünglinge kommen sogar aus „Girl-Familien" unb wohnen in einem gemeinschaftlichen Heim. In England werden sie jeden Sonntag zur Kirche geführt. Die sog. Piersons Boys „haben dieselbe Figur, dieselbe schlanke Linie, dieselbe Nase, und dasselbe mit Bril- lantine geplättete Haar". Die Frankfurter Jllustriert.e macht sich durch die Aufmachung des Artikels in feiner Weife luftig über diese Dekabenzerscheinung. Mehr barf man von ihr und ihrem toleranten Freisinn auch nicht verlangen.
Man könnte meinen, cs handle sich um einen verspäteten Karnevalsscherz. Aber cs ist Tatsache: Wir haben bald Boy-Revuen zu erwarten. In den Großstädten der westlichen „Kultur" (Ncwyork, Berlin, London, Paris) bestehen schon überall Boy- Schulen. In der Wintersaison sollen für Paris 300 Boys engagiert worden fein. Von der „Girl-Kultur" zur „Boy- Kultur"! das ist die neueste 'hafe des Kulturzerfalls Wieviele solcher Entwicklungsabschnitte sind noch möglich bis zum Untergang?
Joseph Peters.