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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 72

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152, Fuldaer Aetiendruckerei 1150 und 1151. ::

Donnerstag, 27.

März 1930.

Monatlich 1,80 einschließl. Poitgeoühr (48 Pf. ohne Zustetlg. Anzeigen.Preise Kleinzeile ((Sol.) lokal 0,15 O, auswärts 0,20 .0 Reklamezeile: lokal 0,60 O, auswärts 0,80 O Bei Wiederbolunaen Rabatt Vostscheckk Tranks. <i. M 4051

57. Zahrg.

Die schweren Tage der Finanz-Gesundung Auch die nächtliche Besprechung ergebnislos.

Kommt ein Kabinett Dr. Brüning?

Die Verhandlungen der Parteiführer beim Reichskanzler, die um 21 Uhr begannen, dauerten

] „1 Uhr am Mittwoch früh. Sie haben noch nicht zu einer Entscheidung geführt, obwohl man in politischen Kreisen angenommen hat, daß der Druck, den das Zentrum in Aussicht gestellt hatte, die wochenlangen Verhandlungen nach der einen oder anderen Richtung zum Abschluß bringen würde. Tatsächlich hat man auch den Eindruck, daß das Zentrum deutlich zu verstehen gegeben hat, baß cs gewillt sei, aus einer weiteren Ver- -ögerung die Konsequenzen zu ziehen, das heißt nach der allgemein herrschenden Auffas­sung den Rücktritt der Zentrumsminister vvrzu- nehmen. Wie verlautet, ist auch der Reichskanzler der Auffassung, daß man nunmehr unter allen Um­ständen zum Abschluß kommen müsse. Wenn das in dieser Besprechung noch nicht möglich war, so hat das seinen Grund darin, daß nach Auffassung der Fraktionssührer eine Entscheidung nicht möglich ist, ohne die Fraktionen noch einmal zu hören. Es scheint, daß auf den verschiedenen Gebieten des Finanzprogramms, auch in der Arbeitslosen- versicherungsfrage, eine Annäherung zu verzeichnen ist, die aber noch nicht alle Punkte umfaßt. *

VDZ. Berlin, 26. März. (Eig. Meld.) Da die Nächtliche Besprechung der Parteiführer der Regie­rungsparteien beim Reichskanzler zu einer Ver­ständigung über das Finanzproblem nicht geführt hat, ist die für heute vormittag anberaumte Sitzung des Steuerausschusses, in der die Deckungsvorlagen beraten werden sollten, abgesagt worden, ohne daß bisher ein neuer Termin festgesetzt ist. Im Reichstag finden heute Fraktionssitzungen der Re­gierungsparteien vor der Plenarsitzung statt. Tie Fraktion der Deutschen Volkspartei ist schon um 9>'-’ Uhr zusammengetreten. Die Sozialdemokraten und das Zentrum versammelten sich um W/2 Uhr. Um 2 Uhr folgen die Sitzungen der übrigen Frak­tionen.

Krise? ----

8. 2. Z. Berlin, 25. März. (Eig. Meld.) Die sozialLentokratrsche Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Mittwochmittag mit dem Ergebnis der

Parteiführer-Verhandlungen, die nachts beim Reichskanzler stattgefunden haben. Der Reichs­finanzminister hat den Parteien auf Grund dieser Besprechungen einen neuen Vorschlag un­terbreitet. Bezüglich der Arbeitslosenversicherung wird darin gesagt, daß eine allgemeine Aenderung der Leistungen nur durch Gesetz vorgenommen werden könne. Die sozialdemokratische Fraktion hält diesen Vorschlag, da er einen Abbau der Lei­stungen nicht ganz ausschließt, nicht für annehm­bar. Sie kann auch den Vorschlägen, die für die Steuersenkung gemacht sind und die im ganzen auf eine Steuersenkung bis zu 800 Mill, hinaus lau­fen, nicht zustimmen.

In den Mittagsstunden traten die Sozialpoliti­ker der Regierungsparteien zu neuen Besprechun­gen zusammen.

Um 4 Uhr findet dann die Besprechung der Parteiführer beim Reichskanzler statt. In sozialde­mokratischen Kreisen hält man eine Verständigung für durchaus unwahrscheinlich. Im An­schluß an die Parteiführerbesprechung wird das Ka­binett zusammentreten, um sich darüber schlüssig zu werden, ob es an dieser ursprünglichen Finanzoor- lage festhält und die K a b i n ett s f ra g e stellt. Sollte dies der Fall sein, dann würden noch in den Abendstunden die Fraktionen ihren endgültigen Be­schluß zu fassn haben. Wenn er ablehnend ausfällt, rechnet man mit dem Rücktritt des Kabi­netts. In diesem Falle wird mit einem Kabi­nett der Mitte unter Führung des Zen­trumsmannes Dr. Brüning gerechnet. Es wird in parlamentarischen Kreisen angenommen, daß dieses Kabinett mitHilfe des Artikels 48 die c t e uerg e fe tze und Aenderung der Arbeits­losenversicherung in Kratt setzen wird. Dieses So­fortprogramm würde aber nicht die Steuersenkung für 1931 enthalten können.

Aeueueuhilssgesetzesür die Landwirtschaft

Von Friedrich Dessauer.

1)

land den Preissturz zu verlangsamen und den deutschen Preis auf etwa 240 Rm. zu halten. Aber die Möglichkeit noch tieferen Sturzes des Welt­marktpreises ist gegeben. Darum hat man die Er­mächtigung der Dezember-Gesetzgebung erweitert, d. h. man hat unter Beibehaltung der Richtpreise von 230 Rm. pro Tonne Roggen und 260 Rm. pro Tonne Weizen der Regierung das Recht gegeben, zur Abwendung einrr Dei-oute des deutschen Mark­tes, aber auch zur Vermeidung einer Teuerung dü Zölle in den Intervallen vor 1.50 Rm. bis 12 Rm. pro Dz. zu bewegen, das bedeutet also, daß . die Regierung den Weizenzoll auf 120 Rm. pro Tonne heraufsetzen kann. Bei einem Weltmarkt­preis von 253 Rm. auch bei weiterem Preissturz, zu halten und on den Rübtvreis von 260 Rin. näher heran zu bringen. Außerdem ist noch eine Katastrophenklaufel vorgesehen, die wahrscheinlich nie Aktualität bekommt, die man aber doch ange­sichts der ungeheuren Höhe aufgestapelter und künstlich zuammengehaltenere amerikanischer und kanadischer Vorräte für ratsam hielt. Der Sinn die­ser Katastrophenklausel ist der: Stürzt der Welt­marktpreis des Weizens noch 40 Prozent oder mehr unter 180 Rm., dann kann die Regierung nach eigenem Ermessen den Zoll zur Abwehr eines inländischen Zusammenbruches erhöhen. Bei al­ledem ist die Regierung natürlich auch verpflichtet, die Zollschranke hier wie in den folgenden darge­legten Fällen zu senken, wenn der Weltmarktpreis wieder normal wird, und die Zollschranken eine Verteuerung in Deutschland herbeiführen.

Die Regierung ist verpflichtet, in Zeiträumen von spätestens drei Monaten die Entwicklung des Weizenmarktes nachzuprüfen, mit dem Ziel, festzu­stellen, ob Zollregulierunq nach oben' oder unten stattzufinden haben.

Roogenproblem und Gerstezoll.

Während nun die Weizenregulierung des De­zembergesetzes immerhin den Erfolg gehabt hat, den deutschen Preis um 40 bis 50 Prozent üb"r dem zusammengebrochenem Weltmarktpreis zu hal­ten, gelang die Roggenstützung nicht. Den Roggen kann man nicht durch Roggenzölle stützen — das wußte man vorher, denn Deutschland produziert im Ueberschuß Roggen. Roggenzölle haben nur eine lokale Bedeutung kür die Ostpreußen, der Preis wird durch die eigene Iulondernte und durch d'e Preise der mit dem Roggen konkurrierenden Fm- termittel (insbesondere Gerste, Mais und Hafer) bestimmt. Das letzte Mal hatte man den Futter-- gerstezoll auf 5 Rm. gehoben (die schwere Brau­gerste auf 9 Rm.) und zwar für die Dauer eines Jahres. Es ist nun van Seiten der Importeure und Händler eine Unmenge Auslandsgerste nach Deutschland gebracht worden, und die Icmuarab- rechnung ergibt allein mit 700 000 To. ungefähr einen halben Iahresimport. Weitere große Men­gen liegen vorverzollt in den Einfuhrhäfen, um

. Unser Führung des Zentrums und des Reichs- n irtschaftsministeriums unter Minister Dr. Dict- rich find in den letzten Tagen innerhalb der Re- grerungsparteien Gesetzentwürfe ausgearbeitet wor­den, um der verschärften Rotlage landwirtschaftli­cher Produktionszweige zu Hilfe zu kommen. Zwei ahnlickie Aktionen sind oorangegangen. Im Juni- gcsetz hat man den Getreidebau, den Kartoffelbau und den Zuckerrübenbau durch Zölle gestützt, der Milchwirtschaft durch die Erhöhung des autonomen Butterzolles helfen wollen, eine Maßnahme, die Uq) noch nicht ausgewirkt hat, weil das dazu not- ?ENdlge, ergänzende finnikche Handelsabkommen deutscherseits nicht ratifiziert wurde, Maßnahmen W "le Vieh- und Fleischwirtschaft, die Müllereibe- rriebe (Vermahlungszwang) eingeführt.

In der Dezember-Gesebaebung wurden die va- nablen Zölle für Weizen (3.50 bis 9.50 Rm.) «.Algen (3 bis 9 Rm.) geschaffen, Braugerste (9 und Hafer (8 Rm.) heraufgesetzt, analoge Steigerung des Mehlzolles mit einem neuen Pustel 1-50 Rm. Getreide,zoll plus 4.25 Rm. he,r#r5cru^?' starke Schutzbestimmungen für die

Wirtschaft getrosten lder autonome Zoll k°r Rinder von 18 am 27 Rm., für Schafe von ^.50 Rm) unter Verständigung mit den b*e. "uch die Zölle für Weizen, Roggen • ^iqaben. Der Schweinemarkt wurde ein°» e,n." variablen Zoll (9, 18, 17 Rm.) und m J variablen Cinfuhrschein geregelt, die untere c »?^ragsmäßige Abmachung über Rind- 24.50 Rm., Schake auf 22.50 Rm. und X’"c auf 16 Rm., für Rindfleisch auf 45 Rm rinhf^d)*ve,t,nef(ei|"d> °»k 32 Rm. festgesetzt. Die vo füllten so reguliert werden, daß tm atnein Preis von 230 Rm. für den Rog- beh».,1«i s ‘ für den Weizen erreicht werde. Dies für h;„ o i $erfud) einer Rentabilitätssicherunx $„rFl„e Landwirtschaft und zugleich einen Schütz der Verbraucher gegen Ueberteuerung.

Der Deizenzoll.

s^ütte niemand geglaubt, daß alsbald l®e Regelung, die eine weitere starke sind nr,n Ur*9 bedeutet, in Aussicht stehe. Aber es Di? sm'u ungewöhnliche Verhältnisse eingetreten Höbe uoorrate an Weizen sind auf ungefähr die Sutfprriu65 ?an$cn Iahresbedarfs gestiegen. Dir fern>:*U re batten eine glänzende, besonders zuk- Mick 1» s Lnlte' "icht nur in Deutschland, sondern Senern»°n " ^aukurrenzländern. Zwei starke Rog- Btoonpn^ ^.^utschland brachten einen gewaltigen X A>er auch in den übrigen Fut- m hr,sn ? bie Welternte über Erwarten groß Ben hnc £t,nQci> Deutschland Einige Ziffern mö- Gf ® belegen. Der Weltmarktpreis in Weizen pro bei der Höhe von etwa 180 Rm,

zoll»- ,.nne- Rtit Hilfe des erhöhten Dezember- n 95 Rm. pro Tonne gelang es in Deutsch­

nach Deutschland zu drängen. Der Auslandsgerfte- preis hat ein ungemein niedriges Niveau. Auch ist durch eine rücksichtslose, die landwirtschaftlichen Interessen aufs schwerste vernachlässigende Borein­fuhr von Braugerste, der deutsche Gerstenbau noch einmal getroffen. Um da abzuhelfen, hat man die Ermächtigung der Regierung auf Zollerhöhung bis zu 10 Rm. ausgedehnt, wobei vor allen Dingen die Braugerste sofort auf 10 Rm. erhöht werden sott. Auf diese Weise kost mehr Roggen als stärk­stes Inlandsprodukt zur Viehfiitterung gebracht werden

Da aber Gerste für bestimmte Gebiete (Nord­westen) zur Fütterung nicht entbehrlich ist, hat die Reichsregierung die Ermächtigung solchen Mastern, die nachweisen, daß sie deutsche Futtermittel in be­trächtlichem Umfange verfüttert haben, die Ein­fuhr von Gerste zu ermäßigten Zöllen zu gestat­ten. Durch diese Maßnahme kann also zusätzliche Futtergerste mit zwei Zöllen hereinkommen, aber nur, wenn gleichzeitig Roggen verfüttert wird. Das wiederum hat die Konsequenz, daß die etwa 200 000 bis 300 000 To. mit 5 Rm. vorverzollte, in unseren Häfen wartende Auslandsfuttergerste wahrscheinlich nicht mehr bereintommt, weil die Möglichkeit, mit 2 Rm. verzollte einzuführen, grundsätzlich besteht.

Zentrale Maishewirkschaflung.

Der deutsche Roggen konkurriert auch mit dem Mais als Futtermittel. Deutschland selbst erzeugt nur etwa 5000 To. Mais. Die Einfuhr betrug im Iahre^1928 1,2 Millionen To., im Jahre 1929 670 000 To. Die Verwendung von Mais ist zum Teil zur menschlichen Ernöbrung (Maismehl, Mai­zena, Glukose). Etwas Mais wird wird zur Mais- fchnaps gebrannt. Eine beträchtliche Menge dienr zur Tier-, insbesondere zur Hühnerfütterung. Der Maiszoll ist mit 2.50 Rm. für Futtermais in Ju­goslawien gebunden, und dadurch auf dem Mais­begünstigungsweg für andere Länder gültig. Hier hat man sich zu dem Schritt entschlossen, dieses verhältnismäßig einfache Gebiet monopolartig zu bewirtschaften. Die Details bildete eine Körper­schaft, die sogenannte Reichsmaisstelle, an hie alle größeren Mengen Inlands- oder Auslandsniais rerkauft werden müssen, und die nun ihrerseits auf dem gewöhnlichen Wandelswege zu dem regulier­ten Preis in den Verkehr bringt Dabei sollen die menschlichen Bedürfnisse und die Verwendung zur Hühnerfütterung besonders bevorzugt behandelt werden.

Bei dem Maiszoll, das das l^fache des Ew-. stcnzolls plus einen Zuschlag ausmacht, hat man diesen Zuschlag von 6 auf 8 Rm. erhöht, beim Ha­fer eine Regulierung zwilchen 4 und 12 Rm. ein- gefübrt und die Roggenkleie, die bis jetzt zollfrei nach Deutschland ging, mit einem Zoll von der hal­ben Höhe des Roggenzolls velegt (also gegenwärtig 4.50 Rm.)

Alle diese Bestimmungen sollen den Roggen- markt stützen und die Handhabung der variablen Zölle bzw. Preise für Mais, Gerste, Hafer sollen so ausgeübt werden, daß der Roggenpreis gehalten wird und sich dem Richtpreis von 230 Rm. pro Tonne nähert. Außerdem ist ein Roggenbrotgesetz in Vorbereitung — durch eine starke Propaganda soll sich auch die Verwendung zur menschlichen Er­nährung steigern.

Z>er_ wirtschaftspolitische Sinn dieser Maßnah­men läßt sich etwa so darlegen. Es gibt zwei Pro­bleme. Das eine ist die stwrlige Stützung dieses lendwirtschaftlichen Gebietes unter Schonung dw landwirtschaftlichen Veredlungsproduktion (also Vieh-, Milch- und Eierwirtschaft) und das zweite ist die Regulierung der Anbauflächen. Auf di?

Dauer muß ein Anreiz gegeben werden, daß ent­sprechend der Weltentwicklung die Weizenproduktion auf Kosten der Roggenproduktion gesteigert wird. Deswegen will man durch relatives Höherhalten des Weizenpreises einen Anreiz geben, geeignete Böden von der Roggenkultur zur Weizenkultur zu überfuhren. Um aber für lw,i Augenblick den un­haltbaren Zustand, daß das deutsihe Produkt Rog­gen mit gegenwärtig ungellrhr 140 Rm. pro Tonne bei reichlich 200 Rm Selbstkosten) fast un­verkäuflich ist. während aus d: . Ausland zum Teil billige und zum Teil unnötige Futtermittel in Massen hereinströmt, ab,zuhelfen, hat man diese kurzfristige Ermächtigung bei Gerste, Hafer' und Weizen beschlossen. Alle diefe Gesetze enden 'ach kurzer Zeit, und zwar die Zollerhöhungen für Wei­zen, Hafer und Gerste am 31. Dezember 1930, für Mais am 31. März 1932.

Konsequenterweise führt die Ermächtigung, den Weizenzoll zu erhöhen, aadi zu einer neuen Zoll­regulierung des Mehls. Man hat vorgesehen, die Relation mit Zollschugspanne durch Erhöhung der Schutzspanne um 1 Rm. auf 5.25 Rm. zu ver­bessern. Der Kleiezoll wird wahrscheinlich die Ein­fuhr von Roggenkleie völlig stocken und dadurch be­wirken, daß der Bedarf an Roggenkleie aus Rut­schern Roggen gedeckt werden muß, wodurch w'e- derum der Roggen verkäuflicher wird.

In den Juni- und Dezembergesetzen hatte die Regierung außerdem noch Ermächtigung bekommen, mit reichlichen Mitteln ,ur Roggenstützung durch Aufkäufe der Reichsgetreidestelle beizutragen. Sie verfügt zurzeit etwa über 320 000 Tonnen Roggen und ist, wenn auch in vesthränklem Umfang, in der Sage, weiter Roggen aufzunehmen, natürlich not­falls abzugeben. ' Damit kann sie verhindern, daß etwa die Maßnahmen sich zu stark auswirken und eine Roggenteuerung eintritt — Ein großer Un­fug macht sich jetzt wieder breit, die Enfuhr von Malta-Kartoffekn, während in Deutschland reiche Vorräte noch nicht verbraucht sind. Diese Lurns- fartoffel abzuwehren, deren Einfuhr nichts anderes ist als eine Disziplinlosigkeit des Konsums, hat man den Kartoffel,wtt vom 15. Februar bis nun 31. März auf 20 Rm. zu erhöhen, vorgeschlagen.

Angenommen.

Der Reichstag verabschiedete am Dienstag eie Jnitiativgesetze der Regierungsparteien über die Agrarzölle. Rach einer ziemlich lebhaften Debatte, während deren der Reichsernährungsminister für den Fall der Ablehnung des Maismonopois als des Kernstücks der Vorlagen drohte, die Konse­quenzen zu ziehen und die Verantwortung denen zu überlassen, die das Gesetz zu Fall gebracht hät­ten, folgte zunächst die Abstimmung über das Maismonopöl, das in namentlicher Schlußabstim­mung mit 195 gegen 122 Stimmen bei 78 Stimm­enthaltungen angenommen wurde. Dagegen stimm­ten Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei, Kom­munisten und einige Demokraten, während die Deutschnationalen "sich der Stimme enthielten. Die übrigen Initiativanträge der Regierungsparteien, in denen Zvllerhöhungen für Weisen, E.rste, Hofer, Mehl, Malz, Kleie, Kartoffeln und Zucker vorge­sehen sind, wurden bann in namentlichen Abstim­mungen mit großen Mehrheiten angenommen. Alle Abänderungsanträge wurden abgelehnt. Danach vertagte sich das Haus ans Mittwoch 15 Uhr.

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VDZ. Derl'n. Tie Dells'-tzlmg des Reichsrates, in der gestern über die vom Reichstag angenom­menen Agrar-Vorlagen entschieden werden soll, findet bereits am heutigen Mittwochnachmittag statt.

Der goung-Uau in der pariser Lämmer.

Sichere Mehrheit in Aussicht.

sizierung stimmen wird. An der Ratifizierung selbst

Aus Paris wird gemeldet:

Für die Generaldiskussion über den Aoung-Plan in der Kammer sind 14Ab geord­nete von ihren Fraktionen als Red­ner b e st i m m t worden, darunter der Abgeord­nete Flabry von der Fraktion Maginot, Louis Ma­rin und Dubois von der republikanifch-demokrall- schen Bereinigung, Herriot und Beraerie von den Radikalen und Grumbach von den Sozialisten.

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C.N.B. Paris. 26. März. (Eig. Meld.) Frühe­stens Mitte nächster Woche wird die Abstimmung über den Voung-Plcm in der französischen Kammer erfolgen. Ihr (Ergebnis ist nicht zweifelhaft. Für die Ratifizierung wird sich eine Mehrheit finden, auch bann, wenn das Verhalten der Radikalen und der Marin-Gruppe mit den rechts von ihr stehen­den Anhängern noch Ueberrafch-ungen bringen sollte. Die Lage hat sich nämlich insofern geklärt, als die Sozialisten gestern beschlossen haben, für die Ratifizierung zu stimmen, auch dann, wenn Ministerpräsident Tardien die Vertrauensfrage stel­len solüe. Die Marin-Gruppe hat ihren Mitglie­dern die Abstimmung freiqegeben. Es können allo beliebig viele Anhänger dieles Mannes, der selbst tn der Debatte das Wort ergreifen wird, und in derselben energischen Weist wie seinerzeit gegen das Locarno-Abkommen auch gegen den Aoung-Plan und die Rheinlandranmung sprechen dürste, für oder gegen die Ratiftkation Stellung nehmen. Die Radikalen, die gestern getagt haben, haben noch keine Entscheidung getroffen :‘fie sollen sich erst heuw schlüssig werden. Es scheint, daß eine Einigung über eine einheitliche Stellungnahme nicht zustandekom- men, daß Fraktionszwang nicht geübt wird, daß zum wenigsten eine starke Minderheit für die Rati-

ist also nicht zu zweifeln.

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wtb. Paris, 26. März. lEig. Meld.) Wegen der Unmöglichkeit der rechtzeillgen Berabfckstedung des Budgets wird die Regierung am Freitag in der Kammer die Bewilligung eines Budget-Zwölftels beantragen.

Die Konferenz in London tot? Italienische Delegierte über Grandis Vorschlag auf der Seemächie-Konserenz.

wtb. London, 26. März. (Eig. Meld.) Der diplomatische Korrespondent der „Moming Pofll' lagt: In italienischen Kreisen wurde gestern dem Erstaunen Ausdruck gegeben über die Meldung mehrerer Blätter, daß der italienische Außenmini­ster Grands eine Vertagung der Seemächte-Konse- renz um sechs Monate angeregt haben füllte. Grandi habe, so wurde richtigstellend betont, tat­sächlich nur gesagt, der fetzt herrschende Stillstavo beirrtte, daß die Reibung zwischen Frankreich und Italien zunehme. Er habe deshalb den Wunsch, daß eine Entscheidung in der einen ober anderen Richtung erfolge. Grandi habe hinzugefügt, er sehe nichts Erschreckendes in der Möglichkeit eines Dre>- Mächte-Paktes. Hierauf habe Maedonald geäußert, wenn ein solcher Dreimächtepakt geschlossen werde, bann sollte versucht werden, seine Grundlage so zu gestalten, daß die Möglichkeit eines späteren Bei­tritts Frankreichs und Italiens offen bleibe.

♦ Szymanski gibt seinen Auftrag zurück. Wie aus Warschau gemeldet wirb, hat Senatsmarschall Szymanski die Vertreter der Parteien zu sich gebeten. Die Sprecher der oppositionellen Mehrheit,