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Dienstag, 25. März 1930

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ig bis ßerge-

den Beratungen, guten Erfolg, gez.: v. Hinden­burg, Reichspräsident.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

lung vom 15. Januar bis 15. März 1930."

Außerdem soll für den Weizenzoll folgende Bestimmung in den Zollsatz ausgenommen werden:

Die Reichsregierung kann mit Wirkung bis zum 13. Dezember 1930 im Falle eines außerge­wöhnlich starken Preisrückganges für Weizen auf dem Weltmarkt den Zollsatz des Weizens mit Zu­stimmung des Reichstages und eines Ausschusses des Reichstages über den Betrag von Rm. 12. für einen Doppelzentner hinaus festsetzen. Ein au­ßergewöhnlich starker Preisrückgang liegt vor, wen die Preise für Weizen am Weltmarkt um 40 vom

Staatspartei eine Fraktion von 100 Abgeordneten zusammenbringen will. Die Aussichten werden al­lerdings auch in volksparteilichen Kreisen vorläu­fig noch skeptisch beurteilt. Dagegen hält man es sehr wohl für möglich, daß die Aktion von Dc. Scholz eine Arbeitsgemeinschaft zwischen der Deutschen Bolkspartei, den Demokraten, der Wirtschaftspartei und den Volkskonservativen zu­stande bringen kann, die in allen wichtigen Fragen zusammenmarschiert und diese Uebereinstimmung auch durch von Zeit zu Zeit wiederkehrende g e- meinsame Fraktionsberatungen befe­stigt. Aus derselben Linie der Auflockerung des Parteiwesens bewegten sich auch die Reden des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft junger Volks- parteiler Glatze! und des Abg. Thiel, der die Ge­danken der nichtkapitalistischen Kräfte in der Par­tei zum Ausdruck brachte. Die Ausführungen die­ses Diskussionsredners fanden besonders starke Aufmerksamkeit.

Ausktang in Mannheim.

Das Ergebnis von Mannheim. Seine Verschär­fung der Koalitionslage. Versuch einer Arbeits­gemeinschaft der Mitte.

Wenn man das Ergebnis dos Mannheimer Par­teitages der Deutschen Volkspartei umreißen will, muß man zunächst seststellen, daß eine Verschär­fung der außenpolitischen Lage, die von vielen Seiten erwartet wurde, nicht eingetreten ist. Die Lime, die der Zentralvorstand eingeschlagen hat, ist auch auf dem Parteitag eingehalten worden.

Auf dem Parteitag sind sogar die akuten Ge­genwartsfragen stark zurückgetreten hinter dem Versuch, Wege in die Zukunft zu finden. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der Sammelruf des Parteifichrers Scholz zu verstehen, der offenbar :n der parlamentarischen Mitte mit einer grüßen

Der Reichsparteitag der Deutschen Volkspartei fand mit der Enthüllung des Ernst-Bafsermann- Denkmals, das Prof. Lederer am Luifenpark in Mannheim errichtet hat, feinen Abschluß.

*

Auf das Telegramm der Deutschen Volkspartci, Mannheim, hat der Herr Reichspräsident wie folgt geantwortet: Dem Reichsparteitag der Deutschen Volkspartei danke ich für das freundliche Meinge­denken. Ich nehme Ihre Gelöbnisse entschlossener Mitarbeit im Dienste für Volk und Vaterland gern entgegen und wünsche Ihren, diesem Ziele dienen-

Der neue Bürgerkrieg.

wtb. London, 24. März. (Gig. Meld.)Times" meldet aus Shanghai: Die Nanking-Regie­rung will nach ihrer eigenen Erklärung eine Ent­scheidung herbeisühren und die Offensive ge­gen die Verbündeten im Norden Chi­nas ergreifen. Die Mandschurei scheint neutral bleiben zu wollen.

* Reichswehr wird kaufmanisch. Der Reichs­wehrminister beabsichtigt, wie dieMontagspost" erfährt, vom 1. April ds. Is. an das Kassenwesen der gesamten Reichswehr umzuorganisieren und es aus eine kaufmännische Basis umzustellen. Grund zu dieser Umorganisation gaben die umsangreichen Unterschlagungen in der Reichswehr, die in den letzten Jahren den Betrag von drei Viertel Million überschritten haben. Während bisher jedes Wirt- fchafts-, Verpflegungs- und Unterkunftsamt feine eigene Kaffe verwaltete, wird es nunmehr am Stand­ort n u r e i n e K a s s e geben, die von den Buch­haltungen getrennt wird. Die Kasse wird in Zu­kunft nur auf Anweisung der Buchhaltung die er­forderlichen Gelder auszahlen dürfen, und die Quittungen werden zur Buchhaltung wie in jedem kaufmännischen Betriebe zurückgehen. Der Minister glaubt, daß in Zukunft durch ein derart verschärftes und vereinfachtes Kontrollsystem der Unterschlagungs-Serie ein Ende bereitet wird.

Hundert oder mehr gegenüber dem Preisstand vom 18. März 1930 sinken. Auch die Festsetzung des Haferzolles von gegenwärtig Rm. 8. durch das Gesetz vom 22. Dezember 1929 soll künftig noch folgenden Bestimmungen unterworfen wer­den:

Wenn die Entwicklung der Wirtschaftslage es erfordert, hat die Reichsregierung den Zollsatz bis auf den Betrag von Rm. 4. für einen Doppel­zentner herabzusetzen oder bis auf den Betrag von Rm. 12. für einen Doppelzentner heraufzusetzen." Bei der Festsetzung des Gerstenzolles durch das Gesetz vom 22. Dezember 1929 war bekanntlich eine Differenzierung zwischen Braugerste und Futtergerste vorgenommen worden und zwar der­artig, daß der Zoll für Futtergerste auf Rm. 5. und der für Braugerste auf Rm. 9. festgelegt war. Jedoch soll in Zukunft bis zum 31. De­zember 1930 die Festsetzung des Gerstenzolles noch nach folgenden Bestimmungen erfolgen:

Wenn die Entwicklung der Wirtschaftslage es erfordert, hat die Reichsregierung den Zollsatz bis auf den Betrag von Rm. 2. für einen Doppel­zentner herabzufetzen oder bis auf den Betrag von Rm. 10. beraufzufetzen. Sie kann ferner den Zollsatz für Gerste zur Viehfütterung unter Zollsicherung bei Nachweis des Bezuges bestimm- terMengen von gekennzeichnetem Roggen bis auf den Betrag von Rm. 2. für einen Doppelzentner herabsetzen."

Für die Ausfuhr von im Inland erzeugter Gerste mit einem Hektolitergewicht von mehr als 67 Kg. wird nach den zur Zeit geltenden Vorschrif­ten bis zu einer Höchstmenge von 500 000 Doppel­zentner in einem Kalenderjahr ein Einfuhrschein von 6,50 Reichsmark - für einen Doppel Zentner erteilt. Dis Reichsregierung soll nunmehr mit Wirkung bis zum 31. Dezember 1930 die Er­teilung von Einfuhrscheinen bei der Ausfuhr von Gerste und Erzeugnissen aus Gerste abweichend von vorstehender Vorschrist regeln können.

Der Mehrzoll beträgt nach dem Gesetz vom 22. Dezember 1929 ll4 des Zollsatzes für Gerste + Rm. 6.. Er soll künftig ll6 des Zollsatzes für Gerste + Rm. 8. betragen.

Der Kartoffelzoll ist für die Zeit vom 15. Fe­bruar bis rum 31. August auf Rm. 4. festgesetzt.

Damit die Einfuhr der früheren Mittelmeer-Kar- toffeln eine besondere Erschwerung erfährt, soll künftig für vorstehenden Zeitabschnitt folgende Re­gelung des Kartoffelzolles in Kraft treten:

in der Zeit vom 15. 2. bis 31. 3. Rm. 20. in der Zeit vom 1. 4. bis 31. 8. Rm. 4. Der Mehrzahl ist nach dem Gesetz vom 22. Dezem­ber 1929 auf das 1^fache des Weizenzolles + Rm. 4,25 festgelegt. In den neuen Bestimmungen ist vorgesehen, den Mehlzoll auf das ll^fache des Wei­zenzollsatzes + Rm. 5,25 festzulegen.

Kleie konnte bisher zollfrei in beliebigen Men­gen eingeführt werden. Rach der neuen Reichr- tagsvorlage sollen jedoch innhaltlich folgende Be­stimmungen in den Zolltarif unter Nr. 192 ausge­nommen werden:

Weizenkleie, ausschließlich für Viehfutterzwecke, mit Reinheitszeugnissen, die von der Reichsregie­rung anerkannt sind, soll auch künftig zollfrei blei­ben. Aus andere Kleiearten (Roggen-, Maiskleie usw.) soll ein Zoll vom t4fachen des Roggenzoll­satzes gelegt werden. Reisabfälle sollen zollfrei bleiten. Auch der Zuckerzoll soll eine neue Rege­lung erfahren und zwar der Art, daß der Zoll von Rm. 25. für Verbrauchszucker auf Rm. 32. und der Zollsatz von 21 Rm. für flüssigen und festen Zucker anderer Art auf Rm. 27. heraufgesetzt wird. Nach der neuen Bestimmung soll es jedoch dem Reichsminister der Finanzen überlassen blei-' den, bei einer langandauernden Ueberschreitung der Durchschnittspreise das Gesetz über Zolländerun­gen vom 17. August 1925 bezüglich des Zuckers wieder in Kraft treten zu lassen.

Etwas ganz Neues bieten die Regierungsan­träge bezüglich des Futtermais. Da der Mainoll in Höhe von Rm. 2.50 jn.dem Handelsvertrag mit Jugoslavien gebunden, ist. besteht vorerst keine Möglichkeit, denselben zu verändern. Der Mais- handel soll künftig eine gesetzliche Regelung finden, die einem Maismonopol gleichkommt. Das bean­tragte Gesetz sieht vor, daß aller im Inland er­zeugte und aus dem Ausland eingeführte Mais nur durch eine von der Reichsregierung bestimmte Stelle in den Verkehr gebracht werden darf. Eine Reichsmaisstelle" soll also den ganzen Maishan» del innerhalb der Grenzen Deutschlands kontrol­lieren. Sämtliche Maismengen müssen der Reichs- maisstelle zum Kauf angeboten werden. Dis Reichsmaisstelle darf nur in Ausnahmefällen selbst Mais einführen. Sie hat für den übernommenen Mais einen angemessenen Preis zu zahlen und setzt auch den Verkaufspreis fest. Mais darf nur mit Genehmigung der Reichsmaisstelle ausgeführt werden, lieber Preisstreitigkeiten zwischen einzel­nen Handelsfirmen und der Reichsmaisstelle hat ein von beiden Seiten anerkanntes Schiedsgericht zu entscheiden. Das Maisgesetz soll am 1. April 1930 in Kraft treten und am 31. März 1932 seine Gül­tigkeit verlieren. Dieser in groben Zügen ange­führte Inhalt des beantragten Maisgesetzes ist in 13 Paragraphen genau formuliert worden.

Das beabsichtigte Maismonopol ist notwendig, da der in beliebigen Mengen eingeführte Mais die Auswirkung der schon heraufgesetzten Futterge­treidezölle illusorisch macht. Denn da das deutsche Futtergetreide bis zu einem gewissen Grade durch ausländischen Mais zu ersetzen ist, liegt auch heute noch das beuttow Futteroetteide (Gerste, Hafer, auch Roggen) fast unverkäuflich und zu jämmerli­chen Preisen am Markt. Die Herauffetzung des Malz- und Kleiezolles soll ebenfalls den schlechten Getreidepreisen zugute kommen. Die größere Variabelgestaltung der Getreidezölle beabsichtigt bei starken Getreidepreissteigerungen die Verbraücher- schaft vor einer unbilligen Belastung zu schützen. Im Uebrtgen ist es zu begrüßen, daß die Regie­rungsparteien der Not der Landwirtschaft Rech­nung tragend, dem Drängen der Grünen Front endlich mal wieder einen kleinen Schritt nachgeben wollen.

Wer die neue Regierungsvorlage sich genauer ansieht, wird erkennen, daß manche wichtige Ent­scheidung über Zolländerungen aus den Bereich des nicht immer sachlichen Parteikampfes im Darla-

Agrar-Zölle und Weizen-Monopol

Inikiakiv-Ankräge der Regierungsparteien.

luldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

liche. Das Entscheidende an dem neuen Plan sei nicht, daß Deutschland jährlich etwa 2 Milliar­den Mark aufzubringen habe, sondern wie dieser Betrag an die Gläubigernationen in fremdländi­scher Währung übergeführt werden solle. Der Streit in den letzten Wochen habe sich auch nur darum gedreht, ob im Augenblick eine Dawesplan-Krise oder eine Houngplan-Krise erträglicher sei, und welche von beiden eventuell in Kauf genommen werden solle. Streiten könne man aber höchstens darüber, ob das Jahr 1929 schon reif war für die Verhandlungen zwecks Revision des Dawesplanes und zwecks endgültiger Festlegung der deutschen Reparationsverpslichtungen. Dieser Kampf war für Deutschland eine große und entscheidende Sache. Leider war Deutschland gezwungen, in diesen Kampf mit leeren Kassen hineinzugehen, ja, wenn man die öffentliche und private Wirtschaft als Einheit ansieht, hatte Deutschland zirka 10 Milli­arden kurzfristige Schulden. In einer solchen Si­tuation den Boungplan abzulehnen, hätte bedeutet, daß für Reich und Länder anstatt 500 Millionen 1400 Millionen Mark neue Steuern hät­ten beschlossen werden müssen. Außerdem seien wahrscheinlich von den zirka 10 Milliarden kurz­fristigen Schulden mehrere Milliarden zurückgezogen worden, und außerdem hätte eine große Kapital­flucht eingesetzt. Als Folge davon hätten wir uns auf eine Arbeitslosenzahl von fünf bis sechs Millionen gefaßt machen müssen. In die­ser Zwangslage hätte auch eine Rechts- regierung unbedingt Ja sagen müssen, da kein anderer Ausweg blieb. Die augenblicklich herr­schende Finanzmisere fei in der Hauptsache zurück­zuführen auf das im Jahre 1926 beschlossene Ar­beitsbeschaffungsprogramm, auf die Steuersenkung von 500 Mill. Mark im Jahre 1926, ferner auf die Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung und auf die Neuregelung der Beamtenbesoldung. Ein Hauptübel war ferner, daß Deutschland in den letzten Jahren häufig von Minderheitsregierungen regiert wurde. Im weiteren Verlauf seiner Rede befaßte sich Dr. Stegcrwald mit der gegenwärtigen Wirtschaftslage, in der er vor allem die Krank­heitserscheinungen sieht: die zu hohen öffentlichen Abgaben; die deutsche Kapitalbasis ist zu schmal und daher das Geld zu teuer; die Rationalisierung ist in der Gütererzeugung überspitzt und in der Güteroerteilung zu mangelhaft durchgeführt wor­den; die deutsche Landwirtschaft ist seit mehreren Jahren unrentabel und daher nicht ausreichend kaufkräftig für den deutschen Markt. Als wich­tigste Aufgabe bezeichnet der Redner, daß das deutsche Volk lernt, die deutsche Außenhandelspoli­tik, die Wirtschaftspolitik, Finanzpolitik, Steuer­politik und Sozialpolitik als eine Einheit anzuse­hen und zu beurteilen, nm zu einer stabilen inne­ren und äußeren Wirtschaftspolitik zu gelangen. Da Deutschland imAugenbllck noch nicht ohne fremd­ländisches Kapital auskommen tarnt, müsse ange­strebt werden, die aufzunehmenden Kapitalien in Form von langfristigen Krediten zu erhalten. Ein Hauptaugenmerk müsse der Agrarpolitik zugewen­det werden. Zu beachten fei hierbei aber, daß die deutsche Landwirtschaft nicht mit der anderer Län­der verglichen werden könne, da in Deutschland stets eine gemischte Landwirtschaft (Viehzucht und Ackerbau) getrieben werde. Auch eine Verbesserung der Handelsbilanz müsse ongeftrebt werden, und zwar um rund 1,5 Milliarden, die dadurch erreicht werden könne, daß die Einfuhr von Weizen, Blut­ter, Eiern unb Gemüse erheblich eingeschränkt wer­den. Neben der Wirtschaftspolitik müsse den staats- örganisatorischen und Steuerfragen größte Sorg­falt zugewendet werden. Zu beachten ist, daß der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr rund 2 M'l- liarden mehr zufließen, und zwar infolge Weniger­leistung durch den Poungplan anstelle bes Dawes­plans 600 Mill. Mark, durch die Kreuger-Anle'he 500 Mill Mark, Reichsbahn- und Postanleihe 400 Mill. M und Schuldentilgungsfonds 450 Mill. M Außerdem' fei vom Jahre 1931 ab eine Steuersen­kung von rund 600 Mill. Mark in Aussicht genom­men. In sozialpolitischer Hinsicht herrsche in Deutschland gegenwärtig eine große Perwirrung. Weite Kreise seien immer noch sehr stark gegen die Arbeitslosenversicherung eingestellt. Es sei aber unmöglich, diese 3 Millionen meist unverschuldet Arbeitslosen einfach verhungern zu lassen. Die Hauptaufgabe der deutschen Sozialpolitik liege in den nächsten Jahre nicht auf dem Gebiete der So­zialversicherung, sie bestände vielmehr einmal a der Gingliebrung der Arbeitslosen in den Produk­tionsprozeß, in einer Wirtschafts- und Steuerpoli­tik, die in absehbarer Zeit eine aktive Lohnpolitik ermögliche, und in der gleichberechtigten Eingliede­rung des Arbeitnehmers in den Wirtschafts- und Gesellschaftsorganismus.

Nach längeren Verhandlungen über die Er­höhung des Schutzzolles für landwirtschaftliche Er­zeugnisse wurden am 19. 2. 1930 von Seiten der Koalitionsparteien verschiedene Anträge i m R e i ch s ta g eingebracht. Diese Anträge stehen am Montag im Plenum des Reichstages zur ersten und zweiten Beratung. Der Inhalt dieser Anträge soll nachstehend wiedergegeben und einer kleinen Besprechung unterzogen werden.

Nach dem Gesetze vom 22. Dezember 1929 be­trägt die Höchstgrenze für den Weizenzoll zur Zeit 9,50 Rm Mit Wirkung bis zum 31. Dezem­ber 1930 soll nunmehr folgende Bestimmung in Kraft treten:

Wenn die Entwicklung des Weizenpreises es erfordert, hat die Reichsregierung den Zollsatz für Weizen und Spelz bis auf den Betrag von Rm. 1,50 für den Doppelzentner herabzusetzen oder bis auf den Betrag von Rm. 12. für einen Doppel­zentner heraufzusetzen. Hierbei hat ein Preis von Rm. 260 je Tonne als Durchschnittspreis zu gelten. Die Notwendigkeit einer Aenderung des Zollsatzes ist jeweils spätestens nach Ablauf einer Frist von 3 Monaten zu prüfen; die erstmalige Prüfung er­folgt auf Grund der durchschnittlichen Preisentwick-

Anruhen in Lemberg.

Lj0®- Warschau, 24. März. (Gig. Meld.) Wie I ^mberg gemeldet wird, kam es gestern zu titn r artt isemitischen Kund gebun- KnT.r"cr polnischen Studenten. Die Erregung der I nationalistischen Studenten hat ihren Itoob? afMblich darin, daß der Lemberger Wvj- fäiX s bie drei Rektoren der Lemberger Hoch- c Protektorat über eine Sammelwoche Pta-rtfll*en eines Heimes für lungen- iaben * 'irdisch e Studenten übernommen $tnxk?5n Akademiestraße überfielen polnische

L M jüdische Passanten und hieben auf sie Mtzgß Tücken ein. Etwa 500 Studenten zogen vor W»ZUoischtz Studentenheim und warfen dort die umV* em. Die Straßenpolizei wurde verstärkt, me Ruhe aufrecht zu erhalten. »»

Die kommende H

5 Ms Paris wird gemeldet:

F In der gemeinsamen Sitzung der sranzösischen Kammerausschüsse für Auswärtiges und Finanzen, in der Ministerpräsident Tardieu und Außenmini- Lr Driand auf Fragen über den Young-Plan ant- - walteten, führte Briand, demPvpulaire" zufolge, auf die Anfrage des sozialistischen Abgeordneten Krumbach wegen der Räumung aus: Frankreich tat keinen Grund und auch kein Interesse, die Meinlandbesetzung zu verlängern. Alles ge­stattet mir, zu erklären, daß die Räumung des | Meinlandes zum vorgesehenen Zeitpunkt beendet ' fein wir. Es wäre denn, ein nicht vorherzusehen- ter Umstand tritt ein, beispielsweise die Weigerung -es Parlaments, den Poung-Plan zu ratifizieren, damit der für die Räumung festgesetzte Zeitpunkt I geändert werden könne. Die Ratifizierung ist die einzige notwendige Bedingung, damit der Räumungszeitpunkt eingehalten wird. Uebrigens alaube ich zu wissen, daß der Kriegsminister bereits sämtliche notwendigen Maßnahmen gettoffen hat, um die Räumung durchzuführen. Auf die präzise Frage des Abgeordneten Franklin Bouillon, ob i ßas Rheinland vor dem 30. Juni geräumt merden würde, habe Briand kurzerhand erwidert: ' Za, die Räumung wird zu diesem Zeit­punkt beendet sein.

Der sozialistische Abgeordnete Grumbach fragte, unter Verbindung des Begriffes Sicherheit und Rheinlandräumung, innerhalb welcher Frist die Räumung beendet sein könne. Ministerpräsident Tardieu antwortete hierauf, daß das eine Frage -- des guten Glaubens und der Auslegung sei; Frank­reich habe das größte Interesse daran, möglichst rasch die Räumung vvrzunehmen, damit es den moralischen Gewinn der Räumung davontrage.

Auf eine Frage, was die Worte des Haager | Abkommens von der Wiedererlangung der Aktions- fteiheit der Mächte im Falle eines Schiedsspruches | des Haager Gerichtshofes, der eine Verfehlung Deutschlands feststelle, bedeuteten, antwortete Ministerpräsident Tardieu, man müsse in diesem Falle auf das Völkerrecht Bezug nehmen, das die Bedeutung dieser Aktivnsfreiheit definiere. Auf iyüne neue Frage des Abgeordneten Guy, ob diese Formel die eventuelle Wiederbesetzung des Rhein- lmdes in sich schließe, antwortete Ministerpräsi- Ljent Tardieu, daß die Attionsfreiheit Frankreichs Wstne völlige bleibe.

Der Kammerausschuß für Auswärttge Ange- legenhetten wird am Montag zusammentreten, um den Bericht des Abgeordneten Pastor Soulier über den Amng-PIan entgegenzunehmen.

Die Saar-Frage.

Aus Saarbrücken wird gemeldet:

Unter Hinweis auf die im Reichstag von Re- ziemngs- und Parteiseite ausgesprochene Hoffnung, » mit der nahen Befreiung der Rheinlande auch die alsbaldige Liquidierung des gegenwärtigen Caarregimes folgen werde, schreibt dieSaarbrük- ker Landeszeitung", das Hauptblatt der faarländi- fchen Zentrumspartei in einem Leitartikel: Noch wie vor sind wir der Meinung, daß die deutsche Abordnung sich nicht zu Zugeständnissen pressen lassen solle, die für das Saargebiet und Deutschland untragbar sind. Jeder Tag näher zum toftimmungstag verbessert die deutschen und die jaarländischen Aussichten. So sehr wir im Jnter- tffe einer endgültigen Kriegsliquidierung und der Aolut notwendigen deutsch-französischen Verstän- togung eine alsbaldige Bereinigung der Saarfrage wünschen, so entschieden wehren wir uns gegen fine Regelung, die nur aut Kosten der saarlcindi- fchen und der deutschen Interessen erfolgen soll. Im übrigen meinen mir, es dürfte auch langsam an der 9eit lein, die Verhandlungen etwas aktiver zu ge= sollen und sie aus der Dunkelkammer der Heim- nchkeit, in der sie sich bislang vollzogen, herauszu­nehmen.

Dr. Kkegerwald spricht.

,, 2m Rahmen einer vom Zentrum im Paulinen- I ^vchen in Wiesbabe n veranstalteten Kund- seoung sprach Reichsverkehrsminister Dr. Steger- I wald übet Deutschlands Lage nach der ^.uregelung seiner Reparativnsver- I kllrchtungen. Der Minister wies einleitend vorauf hm, daß nach der Annahme des Poung-

I Mnes noch kein Mensch sagen könne, ob der neue &?tt längere Zeit durchführbar sei oder nicht, rfeine Meinungsverschiedenheit bestände allerdings | daß das deutsche Volk diesen Plan allein Ausfuhren könne. Unbedingt notwendig sei, f. ^^/r^jchland ein bevorzugter Platz in der Welt- eingeräumt werde. Nötig sei ferner, daß Ier deutschen Gin« und Ausfuhrpolitik ein Jeritaifte§ Eindringen in den Weltmarkt ermög-