Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

Der Alkoholverbrauch Europas

in

in dieser Frage seine ganze frühere Politik ver­leugnet. Er war es, der als Oppositionsführer mit der größten Schärfe die Absichten Chamberlo ns verwarf, die Frage der ausgebildeten Reserven als Kompromißobjekt bei der Flottenkonferenz auszu­spielen. Das war in ber Opposition. Jetzt abe-, da die englische Arbeiterpartei die Reg'erungege- schäfte führt, greift er denselben Plan auf, bezie­hungsweise macht ihn zum Gegenstand eines poli­tischen Kuhhandels.

Das ist der zweite Umfall der englischen Arbei­terregierung, den wir erleben müssen. Während der diplomatischen Verhandlungen mit England über die Liquidationsfrage war es Schatzkanzler Snowden, der ebem'o wie Macdonald umfiel und das, was er einst in aller Oeffentlichkeit verbrannte, dann anbetete.

Diese neuerliche Einigung zwischen Frankreich und England hat auch bereits die Lösung^ des ge­samten Abrüstungsproblems in ungünstigster Weile beeinflußt. Man trägt sich jetzt mit der Absicht, den Genfer Vorbereitenden Abrüstungsausschuß mindestens um einen Monat zu vertagen, bis man angeblich ein klares Bild gewonnen hat über dis Aussichten der Londoner Flottenkonferenz. Gerade die Verhandlungen in Genf über das gesamte Ab- rüstungsproblem lassen nunmehr wenig Gutes er­hoffen. Es scheint sogar sicher zu sein, daß die französische Abrüstungsthefe sich auch in Genf durch­setzen wird, weil England keinen Widerspruch mehr dagegen erheben kann. Das bedeutet eine starke Düpierung Deutschlands. Die Lage könnte sich nur

Deutsch zu sprechen. Mit der anderen freundet sich ein junger Jude an, der auf dem Wege nach Mexiko ist. Da konnte man lernen, was Politik ist. Die erste Annäherung vollzog sich dadurch, daß sie ein Zahlenrätsel aufschrieb, das er lösen mußte Wie gesagt, das Rätsel war gar nicht so wichtig, aber er, er, der es lösen mußte, er und sie. Nicht faul, beginnen die auf der andern Seite Figuren mit Streichhölzchen zu legen, der Flamme nicht ach­tend, die dabei hätte entstehen können, auch er und sie. Als ich nach einem kleinen Bummel auf einem Bahnsteig wieder einsteige, sind sie gerade daran, ihre Adressen auszutauschen. In Polen nennt man das Flirten, und man bleibt dort wirklich im schö­nen Spiel, was sonst nicht überall der Fall ist. Sie sprachen von Doppelheirat in Paris, wozu ich mich bemühte, die polnische Nationalhymne anzustim­men: Boze, cos Polske ... Ich hätte auch fingen können: Noch ist Polen nicht verloren . . . Alder nicht wahr, so sind die Menschen. Ein bißchen Lie­besgetändel, und sie pfeifen was auf die ganze Po­litik. Die hier hätten das Polenabkommen glatt unterzeichnet und es wäre auf ein Dutzend Ferkel mehr oder weniger dabei gar nicht angekommen. Komisches Rätsel: Die Menschen verstehen sich, die Völker aber hassen sich.. .

Welch ein schönes Konzert gäbe es, trenn nur die deutschen Stämme, wie sie da von Nord bis Süd und von Ost bis West unfern Boden bewoh­nen, einmal ein harmonisch Lied singen wollten. Es ist alles so gut bei uns verteilt. Eine Fanfare in Berlin, eine Zauberflöte in Wien und ein Baß in München würden dabei dominieren, und Dudelsack, Posthorn und Ziehharmonika könn­ten gewiß auch unter entsprechende Parteien ver­teilt werden. Den finanzschwächeren Städtchen müßte man Flöten geben, damit sie mit der rich­tigen Melancholie auf dem letzten Loche pfeifen könnten. Welch ein Konzert! Ist es nicht gut ein­gerichtet bei uns? Wenn der Berliner sagt: Stur schnell voran . . . , so brummt der Westfale dazu: Alles mit der Ruhe . . . Brauchts im Rheinland zu einem guten Gedanken ein Gläslein SRein, so begeistert sich der Ostpreuße am steifen Grog. Wirds einem in der Mark Brandenburg zu ungemütlich, fährt man einfach nach Dresden. <5agt der Norden Hot, so sagt der Bayer, der Württemberger sin­niert, wer von beiden im Rechte sei, und der Ba­denser behauptet: Sie haben beide Recht. . . Dabei lacht der Pfälzer bei seinem herrlichen Tröpfchen über alle drei und meint, es gehe der Pfälzer doch über einen badischen Landwein, der übrigens auch nicht zu verachten sei. Die Schildaer schreiben sich freundliche Briefe, vervielfältigen sie mechanisch oder lassen sie, wenns gar nicht anders geht, sogar drucken. Ach, was find wir für ein herrliches Völkchen, warum nur diese fürchterliche Klopf fest- terei? Bleibt doch zu Haus mit eurem ganzen Kul- turstaat, wir amüsieren uns ohnehin viel besser. Man kann doch nicht ewig Mist fahren, man muß auch mal zujehen, wie die Sonne darauf scheint... Du lieber Himmel, ja ich weiß, es ist eine ernste Zeit. Aber lange Gesichter machen sie nickt besser. Ein bißchen Humor muß der Steuerzahler behalten. Das meint auch der Wiener, wenn er sagt: Wie kann ich denn fasten, wenn ich nichts im Magen habe . . . ? Grüß Gott. Das war heute ein Salvator-Intermezzo. Nächstens Mal über Pä­dagogik ... Der Mann im Monde.

Von unserem besonderen Mstarbeiter.

Die Londoner Flottenkonferenz drohte zu schei­tern. Da fanden sich am Sonntag Macdonald und Tardieu in Chequers zulammen, um sich, wie man zu sagen pflegt, auszusprechen. Solche pri­vaten Unterhaltungen spielen bei allen internationa­len Verhandlungen die größte Rolle.

Man hat sich zwar noch nicht völlig geeinigt, aber immerhin scheinen doch Möglichkeiten für eine Einigung vorhanden zu fein. Die Verhandlungen in London werden weitergehen, unter Umständen kann sogar die Konferenz Resultate erzielen. Wie­der auf Kosten Deutschlands. Auch Italien ge­winnt nichts durch diese französisch-englische Eini­gung.

Ursprünglich hatte Frankreich bestimmte Siche­rungen für seine Rüstungen auch zur See verlangt. Amerika und England lehnten ab. Daraufhin ent­schloß sich Tardieu so etwas wie einen französischen Verzicht zu erklären. In Wahrheit hat er aber da­für neue Garantien nicht nur verlangt, sondern er­halten.

England muß nämlich jetzt in Sonderverhand­lungen mit Italien die italienische Regierung dazu bringen, daß sie auf Oie Forderung der Flotten­parität verzichtet. Ferner hat Macdonald die fran­zösische Forderung anerkannt, daß die Abrüstung zur See nicht getrennt werden darf von der Ab­rüstung zu Lande und in der Luft.

Damit hat Frankreich sein Hauptziel erreicht. Denn in Wirklichkeit gehl es hier um die Frage der ausgebildeten Reserven Da hat Macdonald

m Trotz der trinkfrohen Rheinländer und Bayern steht Deutschland erst an sechster Stelle. Die Reihe führt Frankreich an, wo der Wein selbst für den kleinen Mann das tägliche Mittagsgetränk ist.

Lor, was aber keine Heiligen mehr sind. 3m An­zeigenteil einer frommen Zeitung las ich, es müsse vom Salvator jedes christliche Haus wenigstens 25 Flaschen auf Vorrat haben. Möchten die Heiligen, i)ie hier in eine so seltsame Litanei geraten sind, dafür sorgen, daß man die Gaben des Himmels nicht mißbrauche und nur die Lampe eines christ­lichen Humors dabei ein wenig auffülle. Drollig war es, wie einer sich erhob, um den Spruch einer Exzellenz aus dem großen Kriege, gesprochen flämmender Begeisterung, zu zitieren:

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackieudruckerel, Fulda.

Wir waren, was wir sind. Wir bleiben, was wir waren, Das erste Volk der Welt, Der Schrecken der Barbaren.

Ach ja, man kann doch nicht immer das Polen- abkommen studieren, und man gebraucht geradezu etwas Humor, um über die Kinderkrankheiten des Parlamentarismus hinwegzukommen. So schön, trenn der alte Vater Hindenburg von Zeit zu Zeit nach dem Rechten schaut, und ich dachte mir so, als ich das in der Bahn las, wie wir Deutschen doch brave Leute sind. Dabei hat mich meine Reisege­sellschaft dauernd in bieer Meinung bestärkt. Erst stieg ein richtiger moderner Bubikopf ein, zwischen dessen Zähnen so schnell wie möglich eine Zigarette I saß. Schon wollte ich diesen Splitter im Auge k d. h. hier imMunde ber Nachbarin pharisäisch glossieren, wie das so christliche Sitte ist, da zieht mein Fräulein ein Buch heraus, ein sehr ernstes Buch gewiß keinen Roman und das noch eine Woche vor der eigentlichen Bußwoche und als sie nun vollends noch die dritte Tätigkeit entfaltete, nämlich beim Rauchen und Lesen eine Decke zu sticken, was sie mit großer mechanischer Fertigkeit tat,da war ich aus einem Pharisäer in einen Zöll­ner verwandelt und suchte aus lauter Schamgefühl ein anderes Abteil auf, immer noch den Hinden­burg im Kopfe.

£.' Da sitzen nun Polen, die nach Paris fahren. Ne­ben der Panienka bemüht sich gleich ein junger Deutscher, mit der holden Nachbarin ein wenig

fr---------- __________

Br. 69.

Sonntag, Öen 23 März 1930.

Rund um die Woche.

Die Philosophie und die Slarkbierzeik. Ein gescheiter Bubikopf. Das Polen abkommen und die Politik der Liebe. vom Orchester der deutschen Stämme.

Was ist Philosophie und was insbesondere 9)1:-* laphysik? Darauf ist einmal die berühmte Ant­wort gegeben worden: Metaphysik ist ein blinder Mann, der in seiner schwarzen Kammer einen dunk- ' 'en Hut sucht, der nicht da ist . . . Auf das Sprüch- 'ein hin gab es keine andere Wahl, als am Sonn­ig, dem 16. März, im kunstfrohen München an rgendeine Stelle zu gehen, wo jenes echte Salva- ,-orbier zu haben ist, das am Sonntag vor St. Joseph, um 2.30 Uhr nachmittags, also um 14.30 Uhr, angestochen wird. Am Sonntag darauf ist barm Schluß damit, und das ist auch gut so. Ich sah, wie da jemand saß vor einem Krug, der drei Liter faßt, und wie er die Nase immer tiefer hin- f einsteckte. Dabei wurde ich in die Mysterien der Sauferei eingeweiht, obwohl ich persönlich kaum einen Tropfen Bier das ganze Jahr trinke. Aber ick bin Föderalist und achte in München die Ge­bräuche der Vorzeit. Merkwürdig, daß bleie Starkbiere fast alle sehr heilige Namen tragen, was mich an ein Kapitel bei Felix Zimmermanns erinnert, wo auch der Wem alsFließender Jor­dan" und unter ähnlichen Snmbolen im Keller des Pfarrhauses vomBlühenden Weinberg" liegt. Liebfrauenbier, St. Franziskusbier, St. Augusti­nusbier, alles das gibt es. Anderes erinnert an den hl. Benno, anderes an Potentator und Anima-

Mus die Woche brachte.

Außenpolitische Umschau. Londoner Einigung«: versuche auf Kosten Deutschlands. Der Umfall Macdonalds. Frankreichs Abrüstungsthese setzt sich durch. Der Tod primo de Riveras. Die Vankerottspolitik Rußlands. Kommunistischer kirchensturm in Deutschland.

Italien.

Schweiz

inkrelchl Willy

ieulscnX lan\

ii ii

Ungarn

Finnland

GasthofZum Karpfen

Ausschank der beliebten hiesigen Unionbiere, Löwenbräu und Dortmunder

aiMiI11«11I1II»«UI11,11111,11,11111,11,11,11,11,11,1,,^,»,^,^,^^^,^,,11111,1111

Reichhaltige Speisekarte. Bekannte gute Küche.

iManiei

jMeider TuM»

Brähler & Nüchter

Inh. H. Nüchter

Im Friedhofsgässchen Fernsprecher 284

Kunststein - Kunstgranit - Terrazzo Kork-Estrich - Steinholzböden Terrazzomaterialien Kunst-Marmor Gartenkies

Meine SdintzmarRe

verbürgt

QualMt und Prtiswttrdfekeit«

Joseph Schmitt, FuM

Weingroßhandlang.

Die grüne Saffianmappe.

Roman von Harold E f f b e r g.

Copyright by Car! Dunker, Berlin.

391 ___________

\ »Und wo ist Pomernatzki jetzt? Ich wollte ihn ge­rade anrufen!"

»Auf dem Wege nach Rio de Janeiro!"

»Was macht er denn dort?"

»Cr sucht sich eine neue Existenz!"

»Wieso? Ich verstehe nicht?"

»Er hat das ganze Geld mitgenommen, das 2ela- losse und sein Freund eingezahlt hatten."

Lilloe pfiff, dann sagte er wieder:

. »Das ist ja fabelhaft, aber wie wollen Sie mir das beweisen?"

~ beo nahm seine Mappe auf, die er neben seinen «tuhl gestellt hatte, zog die drei Berichte der Firma "'erson, Leroi u. Emerson heraus und reichte sie Lilloe über den Tisch.

»Bitte, lesen Sie!"

Im. o^De los die drei Berichte langsam durch, dann sah "r l!eo wieder an.

»Das ist ja fabelhaft! Und woher wissen Sie, daß « wirklich abgefahren ist?"

»Die Firma hat es mir vor einer Stunde telepho­niert.

»Haben Sie Delafosse schon etwas mitgeteilt?" «» « klarte ihm, daß er erst den Abend vorher °ngekommen sei.

ein ßrf?menn bie recht verstehe, ist Pomernatzki w» ^ch^sndler, und wenn ich rechtzeitig hier gewesen dere^"märe mein Geld ebenso verloren, wie das an-

Das Letztere ist wahrscheinlich, wenn Sie ihm nicht Es Schwierigkeiten gemacht hätten, wie ich.

a6er ^was anderes dazwischen gekommen sein, j, Pomernatzki zu der plötzlichen Abreise veranlaßt hen ra hiE wich doch für Sie und ich habe ihm kei- Cr und gegeben, mich in London sitzen zu lassen. Mit = gewerbsmäßiger Betrüger. Er hat sowohl elafosse wie mit Burnbill große Geschäfte gemacht.

Er hat wohl anderweitig Geld verloren, vielleicht setz­ten ihm seine Gläubiger zu, da hat er sich mit dem Sedlaczek eingelassen, der ihn überredet hat, mit der abgelaufenen Konzession Geld zu verdienen. Wie mir scheint, hat er diesen und feine Helfershelfer ebenfalls betrogen. Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, daß er vom Betrüge lebte."

Seine Tochter? Wo ist die?"

Sie sitzt unten und wartet!"

Wartet? Auf wen?"

Auf ... auf mich!"

Das ist ja fabelhaft! Und was haben Sie mit dem Scheck gemacht?"

15 000 Franken stehen auf meinem Konto beim Credit Lyonnais und zur Verfügung der Herren, de­nen sie gehören. Den Rest habe ich zum größten Teil verbraucht, kann aber dafür aufkominen."

Und wieder sagte Lilloe:Das ist ja fabelhaft!"

Und dann setzte er fragend hinzu:

Sie sind Bankbeamter in Berlin? Was verdienen Sie da?"

Leo lächelte. Mein Gehalt kommt nicht in Frage.

Und dann erzählte er Lilloe von seinem Kohlenge- schäft.

Lilloe sah ihn bewundernd an.

Hören Sie mal," sagte er,ich müßte Ihnen ei­gentlich böse sein, daß Sie auf meinen Namen und meinen Paß gereist sind! Aber, wenn ich mir die Sache gehörig überlege, haben Sie mir einen großen Dienst erwiesen. Ich verstehe nur nicht recht, was Sie ge­macht hätten, wenn Pomernatzki kein Betrüger gewe­sen wäre! Wo hätten Sie denn das Geld hergenom­men, um sich daran zu beteiligen?"

Herr Lilloe, ersparen Sie mir bitte die Antwort. Ich muß Ihnen offen gestehen, ich weiß es selbst nicht. Nielleicht von Berckenfeld, dem Chef meiner Schwester, mit dem ich unter Gebrauck Ihres Namens das Kohlen­geschäft gemacht habe. Ich habe Ihnen ja schon zu Anfang zu erklären versucht, wie sehr ich unter meiner untergeordneten Stellung gelitten habe, zu der ich nach Herkunft und Bildung nicht bestimmt gewesen bin. Ich gebe zu, ich habe Ihnen Unrecht getan und bitte Sie deswegen um Verzeihung. Ich weiß auch nicht, ob Sie Anspruch auf das Geld erheben, das ich aus dem

Kohlengeschäft gewonnen habe. Wenn ja, steht es zu Ihrer Verfügung. Allerdings . . ."

Jetzt erst kam ihm Christa wieder ins Gedächtnis!

Allerdings werde ich meine Stellung verloren haben, da ich sie ohne Entschuldigung aufgegeben habe, und ich habe noch eine andere Verpflichtung!"

Lieber Freund", erwiderte Lilloe,ich will es Ih­nen nicht verhehlen, ich wäre Pomernatzki ebenso auf den Leim gegangen wie Delafosse urü> Burnhill! Ich bin kein geriebener Geschäftsmann, wie sie in Berlin und Paris Herumlaufen, sondern ein norwegischer Waldbe- sitzcr, wenn Sie wollen, ein Bauer, der mit Holz han­delt, allerdings mit sehr viel Holz, denn mein Geschäft ist vielleicht größer, als Sie denken! Internationalen Spitzbuben bin ich nicht gewachsen! Mit Delafosfes Empfehlung, den ich dem Namen nach gut kannte, wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, Pomernatzki beo­bachten zu lassen."

Er erhob sich und reichte Leo die Hand.

Ich danke Ihnen, Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen, der das Unrecht, das Sie mir vielleicht getan haben, bei weitem überwiegt! Und nun sagen Sie mir, wie kann ich mich Ihnen crkennllich zeigen?"

Leo hatte sich ebenfalls erhoben und drückte ihm die Hand. Dann wandte er sich zum Fenster, um die aufkommende Rührung zu bemeistern. Diese Liebens­würdigkeit war doch eigentlich mehr, als er hatte er­warten dürfen, und ein großer Stein fiel ihm vom Herzen. Schließlich drehte er sich um, während Lilloe ihn lächelnd ansah.

Cs hat Sie wohl ein wenig gedrückt", sagte Lilloe, Ihr . . . wie soll ich sagen Schuldbewußtsein? Bitte, machen Sie sich keine Gedanken weiter darüber. Ich versichere Sie ausdrücklick) meiner Wertschätzung."

Ich danke Ihnen", sagte Leo. Dann fuhr er fort: Was soll jetzt mit Pomernatzki geschehen? Sollten wir nicht zu Delafosse gehen und ihm alles mitteilen? Allerdings wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie ir­gendeine Ausrede wüßten, um den Herren dort begreif­lich zu machen, warum ich unter Ihrem Namen aufge­treten bin. Sie könnten doch der Ansicht sein, sie seien von mir hinter das Licht geführt worden."

Ueberlassen Sie das mir, lieber Ortrand, ich werde da schon einen Weg finden. Aber was wird mit der

Tochter unseres Freundes Pomernatzki? Sie sagten doch, sie wartete unten auf Sie. Weiß sie von dem Be­trug ihres Vaters?"

Leo fühlte, wie er rot wurde.

Nein, sie hat keine Ahnung. Sie ist übrigens nicht seine Tochter, sondern nur die Stieftochter und innerlich mit ihm zerfallen. Sie hat vermögende Freunde in England, an die sie ihr Vater verwiesen hat."

Leo erzählte von dem Abschiedsbrief, verschwieg aber vorläufig, baß diese Freunde seine Verwandten waren.

Die Dame tut Ihnen sehr leid?" fragte Lilloe.

Sehr", sagte Leo,ich willg ihr unter allen Um­ständen behilflich sein."

Hm", machte Lilloe und sah Leo prüfend an. Das Beste ist. Sie bitten die Dame, auf unsere Rückkunft zu warten, entweder hier oder in ihrem Hotel, und wir erledigen erst die Angelegenheit mit Delafosse, die viel­leicht eiliger ist."

Leo nickte.Ich will nur meinen Hut und Mantel aus meinem Zimmer holen und werde ihr dann unten Bescheid sagen. Wenn Sie gütigst erlauben, möchte ich ihr gegenüber mein Inkognito noch nicht lüften. Das würde vielleicht eine längere Auseinandersetzung geben. Sie glaubt, weil zwei Zimmer auf den gleichen Na­men im Hotel genommen worden sind, daß Sie mein Sekretär sind!"

Lilloe lachte.Lassen wir sie vorläufig bei diesem Glauben! Ihr Sekretär wird sich gestatten, vorläufig im Hintergründe zu bleiben."

Leo lächelte ebenfalls und dankte Lilloe für sein Entgegenkommen.

Während Lilloe im (Eingang des Hotels wartete, ging Leo in das Lesezimmer, wo er Christa fand. Sie sprang sofort auf und ging auf ihn zu.

Hast du gute Nachricht von deinem Sekretär?"

Ausgezeichnete", sagte Leo,aber ich muß deine Geduld noch ein bißchen in Anspruch nehmen, ich muß sofort mit ihm zu Delafosse, und das kann vielleicht eine Stunde dauern. Tu mir den Gefallen und geb in dein Hotel. Sobald ich fertig bin, komme ich zu dir."

Was wirst du mit meinem Stiefvater beginnen?" (Fortsetzung folgt)