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Sonntag Oculi.

Eingangslied: Pf. 24, 1516,

Oculi mei semper ad Dominum.....

Meine Augen sind allzeit auf den Herrn gerich- . »et er wird meine Füße aus der Schlinge ziehen. Schau auf mich und erbarme dich meiner; denn ^Arfant bin ich und arm. (Pf. ebd. 12.) Zu dir L-W) jch meine Seele, mein Gott, auf dich ver­traue ich; des werd' ich nicht erröten.

Evangelium: Luk. 11,1428.

In jener Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, her stumm war. Nachdem er den Teufel ausge­trieben hatte, redete der Stumme. Die Volksscha- een staunten darüber. Einige aber von ihnen sag- Wten:Durch Beelzebub, den Anführer der Teufel, treibt er die Teufel aus." Andere wollten ihn auf hie Probe stellen und verlangten von ihm ein Zei­chen vom Himmel. Er aber kannte ihre Gedan­ken und sprach zu ihnen:Jedes Reich, das in sich selbst uneins, zerfällt, und ein Haus stürzt über das andere. Wenn nun der Satan mit sich selbst uneins ist, wie soll da sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich treibe die Teufel durch Beelzebub aus. Wenn ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sic aus? Sie werden darum eure Richter sein. Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn ein Star­ker bewaffnet seine Burg bewacht, so ist sein Besitz in Sicherheit. Wenn aber ein Stärkerer ihn über­fällt und überwindet, so nimmt er ihm die ganze Waffenrüstung, auf die jener sich verließ, und ver­teilt, was er bei ihm erbeutet hat. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; wer nicht mit mir sam­melt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist aus dem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch öde Steppen und sucht sich eine Ruhestätte. Weil er aber keine findet, sagt er:Jch will in mein haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin." Wenn er kommt, finde: er es gekehrt und ge­schmückt. Dann geht er bin und holt noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er. Sie zie­hen ein und wohnen darin. Und die letzten Dinge eines solchen Menschen werden ärger als die er­sten." Während er noch redete, erhob eine Frau aus dem Volke ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig der Leib der dich getragen, und die Brust, Ähie dich genährt hat." Er aber sprach:Viel mehr noch selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!"

Wunden.

2in Brief für die Fastenzeit.

Worum klagst Du so, lieber Bruder, über die Leiden deines Lebens? Glaubst Du denn, Du wä­rest es allein, der ein Kreuz zu tragen hätte? Wür­den wir das Stöhnen und Jammern unseres Jahr­hunderts vernehmen, die menschlichen Ohren wür­den taub werden von dem Aufschrei der Kreatur. Unsere Zeit ist ganz besonders ans Schmerzensholz des Kreuzes gespannt: Gott hat es so gewollt, und *r wird feine Absichten dabei haben.

Immer im schweren Leid mrb es sich zeigen, wie stark der Mensch ist. Ob er noch verwurzelt ift im Eranitfelsen des Glaubens, oder ob er nur ouf lockerem Boden sein Leben dahinflirtet. Es m m'r geradezu ein Zeichen, wie wenig fest die Gegenwart mit Christus verbunden ist, daß sie in iftrer Prüfungszeit io wurzellos herumpurzelt und überall ihr Heil sucht, nur nicht dort, wo sie es ouein finden könnte.

Was klagen wir so kleinlich? Wissen wir denn nicht, daß wir eigentlich zum Leiden auf der Welt pb? Daß es ein Zeichen der Jüngerschaft Christi y, wenn sie mit ihm den Kreuzweg geht? Es bat heilige gegeben, die um Leid inbrünstig gebetet ha­ben, weil sie glaubten, daß ein Leben ohne Leid mcht nahe genug beim Erlöser weile. Wenn es doch unsere Zeit erkannt hätte! Unverständlich, daß Nian immer redete und schreibt, Gott hätte unsere 2e,t verlassen, weil sie so schwer heimgesucht würde. Kann man denn nicht christlicher denken und glau- Den, daß Gott die Gegenwart deshalb so schwer A^lucht, weil er die Menschen unserer Zeit ganz »eionders liebt? Rein, Gott hat uns nicht ver- Qtfen, menn wir nur seine Liebe recht verstehen, und wir ihn nicht verlassen.

Du redest so viel, lieber Bruder, von den "Kindern hieser Erde" und bedauerst, daß sie dem Etarnrnon nachlaufen und so wenig Gott suchen.

'st das bedauerlich, aber es ist weniger un- Aufgabe, darüber zu klagen, als diesen Ver- rrtert ein Leben vorzuleben, welches zeigt, daß das $er3 f{et5 unruhig ist, bis es ruhet in

"llen Dingen aber wird dadurch unsere Ver- Hortung nur umso größer! Darf ich Dir einmal ivie man das Treiben dieser Menschen auch f.ann? Es bedeutet letzten Endes ein Herzens, es ist die Unruhe zu

'.die große Sehnsucht nach Glück- «.Je 1 "Nd das ist bestimmt noch ein glim- Örrf-A» ^ünfletn des Ewigen. Freilich laufen sie der ."ach und meinen, ihr Glück wäre in ober rimI$lun9 **er Sinnenlust oder im Reichtum ein.J1^ . "hme SU suchen. Wollen wir Ihnen in ® christlichen Leben nicht Wegweiser sein?

sprichst vom Haste der heutigen Kj. Ichheit. Ich kann es Dir nicht abstreiien $ehn, ,.^ern SU, daß der Haß unter Brüdern dar Üblichste ist. Aber Du darfst trotzdem nicht Jbr «. a-r ®enn da nichts mehr zu retten wäre, fallt ° der Haß der Verdammten in der

s rde man sich so hassen, dann weilten freipr re s en nicht mehr in der Prüfungszeit auf schon*' d"nn hätte sie die Gerechtigkeit Gottes $Ue 2^ den Ort der Ewig-Hassenden geschleudert. $rh Tischchen aber, die noch mit uns auf dieser rufen ^le ohne Ausnahme, sind noch be- re" iur Gott und den Himmel.

freien? ^Een und dürfen wir nicht vergessen. In | Nüße wird irgendwo noch ein Fünklein

Liebe schwingen. Wird ihn der Blitz von Damas­kus treffen, dann wirst Du erstaunt jein, wie groß Menschen zu lieben vermögen, die tief zu hassen verstanden.

Nun wirst Du aber wissen wollen, wie man ei­nem Hassenden begegnen soll, um ihn in einen Lie­benden zu verwandeln. Ich freue mich Deiner Frage und freue mich ganz besonders, daß ich Dir darauf eine Antwort weiß. Es gibt ein Mittel, ein unfehlbares: Die Siebe! Es ist dies ja das ei­gentliche und tiefste Geheimnis des Christentums, das uns der Herr selber gelehrt hat.Lieber", klagt Herwigs Sankt Sebastian vom Wedding,wie groß muß unsere Liebe sein, ehe sie den Haß über­windet! Wie viele Liebende müssen wir sein, da­mit neben jedem Hassenden ein Liebender steht, der ihn umarmt!"

Aber darin hast Du gewiß recht, daß dem Menschen die sch merzhafte st en Wun­den von dem Menschen zugefügt wer­den. Es ist eine alte Klage . . . Aber ist es auch immer so schlimm gemeint wie unser Herz es auf» fußt? O, ich sage Dir, es ist ein eitles Ding, un­ser Menschenherz. Wenn nicht jeder vor ihm seine Komplimente macht, glauben wir schon Ursache ge­nug zu haben, uns zu grämen und uns über un­sere Mitmenschen zu beklagen. Hast Du schon ein­mal überlegt, wie wehe Du vielleicht auch anderen tust, ohne daß Du es weißt?

Aber dennoch... es mag mamhmal böse Men­schen geben, die Dir bewußt wehe tun. Dann

Europäische Alliierte des

, Friedrich Muc

Mexiko und Rußland, Zeichen des Kom­menden find sie. Wir haben einst behauptet, daß man Mexiko nicht aus Mexiko allein verstehen körnte, sondern daß die eigentlichen Träger der me­xikanischen Kirchenverfolgung in den Vereinig- ten Staaten von Nordamerika zu su­chen seien. Mit dieser unserer Behauptung haben wir auf der ganzen Linie Recht behalten. Und heute müssen wir feststellen, daß auch die russischen Greuel keineswegs in Rußland allein ihre hinrei­chende Erklärung sinden. Wo sitzen die Helfershel­fer? Wo sitzen die großen Alliierten der bolsche­wistischen Kirchenverfolgung?

Damals in der mexikanischen Sache war es das Komplott des Schweigens" eines gro­ßen Teiles der Weltpresse, das dem Henker Calles die unentbehrlichsten Dienste geleistet hat. Erst als das Blut in Strömen floß, erst als unabhän­gige Berichterstatter nach und nach mit unwiderleglichen Zeugnissen das, was man längst wußte oder wissen konnte, belegten, erst als Rom mit unwiderstehlicher Wucht von jenemKomplott des Schweigens" sprach, erst da regte sich langsam dasWeltgewissen" und gestand schüchtern, daß es in Mexiko so etwas wie eine Christenverfolgung gebe. Man muß diese Berichterstattung immer vergleichen mit der, die zum Beispiel Sacco und Vanzetti in den Tod begleitet hat, um die rechten Maßstäbe bei der Hand zu haben.

Auch im Falle Rußlands hat diese große Presse, und damit auch die Machte, die hinter ihr stehen, geschwiegen, solange sie konnte. Erst der Papst hat sie mit sei­nem Donnerwort aufgeschreckt, und doch beginnt man schon wieder zu arbeiten mit Ausdrücken wie Legendenmoral", als fei den Berichten aus Ruß­land denn doch nicht zu trauen. Wie? Stammen diese Berichte denn nicht zum großen Teil und zum entscheidenden aus der Sowjetpresss selber? Ist es nicht erwiesen, daß am hohen Weihnachtsfeste die Tscheka die Gläubigen an der Feier ihrer heiligen Geheimmsse gehindert hat? Ist Rußlands größte Glocke in Kiew nicht am 3. Ja­nuar aus ihrem uralten Turm gerissen und ein» geschmolzen worden? Haben uns nicht Augenzeu­gen in derPrawda" selber berichtet, wie man das Simonowkloster bei Moskau, die altehrwür­dige Kulturstätte des Christentums, gesprengt hat? Hat man nicht nach derKrasnaja Gazeta" das letzte Geläut der weltberühmten Jsaakkathedrale m Leningrad zwecks Verwendung zg antichristlicher Propaganda in einen Tonfilm aufgenommen, um dann auch dieses Metall einzuschmelzen? 28 Bi- feböfe und 1200 Priester sind bis 1928 ohne Gericht und Beweisaufnahme erschossen worden. In der Zeit 1928/29 sind wiederum 30 Bischöfe und 1-348 Priester auf geheimnisvollem Wege spurlos ver- lchwunden. Nach offiziellen Angaben sind bis zum

1. Dezember 1929 1386 orthodoxe Kirchen, 416 Sy­nagogen und 762 Bethäuser geschlossen worden Seitdem können wir aus der Sowjetpresse selber ersehen, wie viele Hunderte noch hinzugekom- men sind, wie wir denn aus dieser gleichen Presse von der Vorbereitung eines Gesetzes erfahren, demzufolge bis zum Juli 1930 sämtliche Kirchen und religiösen Einrichtungen Rußlands liquidiert werden sollen. Woher nimmt denn die Kölnische Zeitung den Mut, dies alles für Legende zu erklä­ren und vonLegendenmoral" zu sprechen? Auf welche Hintermänner stützt sie sich da? Warum springt solchen Meldungen, die einer objek­tiven Fälschung gleichkommen, nicht die öffentliche Meinung ins Gesicht? Wir treiben hier keine Magie, sondern wir folgen der simpelsten Logik, wenn wir annehmen, cs sei da ein Zusam­menhang zwischen den Mördern in Rußland und jenen Revolten und Putschen, die von Madrid bis Chikago die alten Banner der Garibaldi und Mazzini erheben.

Die gleiche Tendenz kommt zum Ausdruck un­ter verkappten Formen. Die englische Regierung verbot jüngst, nach den Militärgottesdiensten für d'e Verfolgten in Rußland zu beten. Henderson er­klärt, er sei nicht in der Lage, die Auskunft aus Moskau, die er durch den Englischen Botschafter erhalten habe, auch nur auszugsweise wiederzuge­ben. Warum? Es fällt das Wort vom Staate« intereffe. Der Staat verlangt das. Der Staat hat

ich Dir auch noch einen Trost: Menschen sind es auch, die Deinem Gott wehe tun, alle Tage, jede Stunde, so oft gesündigt wird. Hat Deine Seels vielleicht den Mut, abzustreiten, daß Du nicht zu diesen Menschen gehörst?

Es gibt nur eine wirkliche Wunde, und diese vermag Dir niemand zu schlagen als Du allem. Du schaust mich fragend an? Ich meine die Sünde, ganz besonders die schwere Sünde. Das ist die einzige Wunde, die an den Kern Deiner Be­stimmung geht, und an der Du verbluten kannst fürZeit und Ewigkeit. Trägst Du diese Wunde nicht an Dir, so bist Du kerngesund, lieber Freund!

Gewiß, es gibt dunkle Stunden, wo man sich feinen Trost mehr weiß. Den größten Heiligen sind sie nicht erspart geblieben, der Gott-Mensch selbst hat sie durchlitten, als aus feinem sterbenden Munde die Klage blutet: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Es sind die Stun­den, wo einem Gott ganz ferne scheint, wv einem das größte Opfer als ein eitles Nichts vorkommt, wo selbst unser heiliger Glaube uns als ein Hirn­gespinst erscheint, wo unser Herz in einer Dürre schmachtet, als sei alles Leben gestorben.

Kennst Du diese Stunden, mein lieber Freund? Dann ist es gut, ganz gut. . . Soll ich Dir sagen, wo Du in solchen Stunden weilst? Nicht fern von Gott, o nein, ganz nahe bist Du bei ihm. Ver­halte Dich nur ruhig, bete und schaue nach oben. Dort werden Dir bald die ewigen Sterne aufgehen, die Dir dann ganz besonders hell leuchten, weil Deine Nacht so dunkel ist. Josef H a ch m a n n.

Henkers.

ermann S. J.

immer recht. Der Staat ist das höchste Recht. Wenn es dem Staat einfällt, die Religion zu ver­folgen, man darf ihn nicht hindern. Der Staat tabu! Man durfte auch Calles nicht in den Arm fallen, denn Calles war der Staat. Mag der Bolschewismus die letzten Reste christlicher Kultur zertrümmern, mag er Barbarei auf Barbarei häu­fen, mag er die Jugend vergewaltigen und von den Windeln bis zur Universität" in seine atheisti­schen Arme nehmen, der Staat hat Recht. Man darf nicht intervenieren. Es gibt eine Zivilisation, es gibt Menschenrechte, es gibt Religion, aber nur infomeit, als das Staatsinteresse das alles duldet.

Europa hätte es in der Hand, der Christenver­folgung in Rußland von heute auf morgen ein Ende zu machen. Schon jetzt, nachdem sich nur ein wenig Protest regt, gerät man in Moskau in Ver­legenheit. Aber man bemüht sich nicht, in Mexiko so wenig wie in Rußland. Wenn es um deutsche Ingenieure geht, wird man eine Lanze brechen, aber Priefterblut ist eine gleichgültige Sache. Von dem Stoff ist schon mehr verraucht, wenn der omni­potente Staat sprach: Wir haben ein Gesetz! Von Nero und Diokletian bis Calles und Stalin. Auch hier stoßen wir auf intereuropäische Zusammen­hänge. So oft sie zerrissen erscheinen, gegen die Kirche halten sie fest. Macht uns nichts vor!

Da ist endlich das rein politische Inte­resse. Calles war unser Freund, und was hat sich damals das Auswärtige Amt gesträubt, die Wahrheit durchzulassen. Was haben wir tun müs­sen, um das Wolffsche Büro zu einer einigermaßen objektiven Berichterstattung zu bewegen. Auch Ruß­land ist unser Freund. Möge es. Auch die Türke: betrachtet Rußland als Freund, stellt aber daheim jeden Kommunisten an die Wand. Wir plädieren nicht dafür. Die paar schlecht geführten Kommu­nisten bei uns sind nicht gefährlich. Diese Alliierten sind wirklich eine Bagatelle, mögen sie morgen oder übermorgen auch vielleicht eine Macht fein. Hier klagen wir Deutschland n:cht an. Hier geht unsere Klage gegen eine europäische Politik, die es in einer wahnsinnigen Verblendung noch erreichen wird, daß Deutschland sich an den Bolschewismus ver­kauft. Was in manchen Köpfen bei uns spukt, es ist ja aller Welt bekannt, obwohl man es geheim­hält. Wir mischen uns hier nicht in die Politik. Ader die Frage müssen wir stellen, wie man sich denn in Europa die Zukunft denke? Die Frage, ob man um eines politischen Vor­teils willen die christliche Kultur aufs Spiel setzen darf? Auch das poli­tische Interesse wirkt sich hier praktisch gegen das Christentum aus.

Eine Erinnerung an das beste, an das herrlichste Europa bedeutet der Ruf Roms gegen Moskau. So haben einst die Vorgänger des elften'Pius gegen die Türken gerufen. So haben die Päpste immer die euro­päische Solidarität gegen die zerstörenden Mächce der Barberei verteidigt. So haben sie über den Eigennutz der Fürsten hinweg das Ganze gesehen. Diese Stimme klingt heute reiner denn je. Nur im Namen des Gottesreiches. Ein erhebender Anblick'fürwahr, daß sich in solch einem Augenblick die Kirchen aller Länder, auch der nichtkatholischen, neben Rom stellen. Als fühl­ten sie die Solidarität aller Christen untereinan­der.Gottlose" gegen Gottgläubige, das ist in der Tat die Lage, die furchtbar gefährliche . . . Für wen wird die Welt sich entscheiden? Mit Mexiko haben sich jene großen Alliierten des antichristlr- chen Henkers verrechnet. Sie werden sich auch mit Rußland verrechnen. Man wird mit seinen schwäch­lichen Ausreden von Legendenbildung nicht den I Schrei der Opfer übertönen, die Rußlands heiligen I Boden decken. Man wird an der Angst der Euro- I päer selber scheitern, die den Antichristen im Bunde I mit der Barbarei sehen. Man wird sich bessere I Larven für den blutigen Fasching suchen müssen, I den man da propagiert. Aber die Wahrheit Le- I gende nennen, den Staat gegen die Zivilisation I ausspielen, das politische Interesse dem Untergang I Europas überordnen, das hält nicht Stand,' das I sind im Grunde dumme Mätzchen, das gibt die I Herrschaft schon aus der Hand Das ist das E n d e I des Liberalismus. Das entlarvt in der I Lüge sich selbes, 1

Das Weltreich des Unglaubens,

Die Internationale proletarischer Freidenker.

Von P. Zyrill Fischer O. F. M., ÄZien.

In der WochenschriftDos Neue Reich" (Ty- rotin, Wien) hat eine bedeutsame Arbeit über Freidenkertum zu erscheinen begonnen, bei wir folgendes entnehmen:

Seit je hat es den Feinden Gottes und der Kirche vor Augen geschwebt, sich zu einer einheit­lichen Organisation zmärnmenzuschließen. Die ka­tholische Kirche mit ihrer zentralen Leitung und großartigen Geschlossenheit schwebte ihnen dabei vor Augen. Aber die Verwirklichung dieses Planes stieß und stoßt noch immer auf Schwierigkeiten, denn die Feinde der Kirche find in die verschieden­sten Gruppen zersplittert und bekämpfen sich oft sehr leidenschaftlich. Doch ist der Haß gegen Gott und seine Kirche so stark, daß dieser Einigungs- gedanke immer greifbarere Font annimmt. Arn besten ist es bisher den Freidenkern gelungen, ihre Gesinnungsgenossen unter einen Hut zu bringen. Freilich nicht lückenlos, aber es existiert ein Ver­band, der wirklich die wichtigsten Freidenkerorgani­sationen zufarnmenfaßt und trotz manch innerer Spannung nach außen hin sehr geschlossen dasteht und was praktisch entscheidet sehr einheitlich den Kampf gegen Kirche und Religion führt. Jch meine dieInternationale proleta­rischer Freidenker" (JPF).

Die JPF wurde beim internationalen Frei­denkerkongreß in Wien (Ostern 1924) angeregt und dann am 1. Juni 1925 zu Leipzig konstituiert. Mit der Führung des Sekretariats wurden die öfter« reifchischen Freidenker betraut (Wien, X., Sonnwendgasse 6). Organ der JPF ist der ,Atheist', seit dermalen verantwortlicher Schriftleiter Ferdi­nand Mayer. Das Blatt erscheint monatlich, vor­derhand bloß in deutscher Sprache, soll aber auch in Fremdsprachen erscheinen, sobald es die Mittel erlauben und genügend Abnehmer vorhanden sind. Spiritus rector der JPF ist der Genosse Hart­wig, der sehr radikal eingestellt ist. In dieser JPF sind alle proletarischen Freidenker von der äußersten Linken bis zu der äußersten Rechten ver­eint. Es ist begreiflich, daß es da oft recht leb­hafte Auseinandersetzungen gibt. Der gemeinsame Haß gegen die Kirche ist nicht immer imstande, alle Gegensätze zu überbrücken, zumal auch persön­liche Strebereien eine große Rolle spielen. Am ge­fährlichsten sind für die JPF die kommuni - st i sch en Sprengversuche, denen man nur mit Mühe und Not immer Herr wird. Auf die Dauer wird sich diese Einheit kaum halten. Hartwig, der doch den Kommunisten gegenüber gewiß sehr weit­herzig und duldsam ist, hat auf den Tagungen der letzten Monate immer schärfere Stellung genom­men gegen ihre Sprengversuche und Treibereien und verkündet:Wer nicht pariert und die Einheit stört hinaus mit ihm!" Recht eingelebt hat sich die JPF noch nicht.

Im Jahre 1928 umfaßte die JPF erst 16 O r gantfationen. Die erste Etappe, die Los­lösung der proletarischen Freidenker von den bür­gerlichen ist zwar erst mehr schlecht als recht voll­zogen, aber die weitere Vertrustung der prole­tarischen Freidenkerverbände ist nicht aufzuhalten. Daß ausgerechnet Wien der Sitz des Zentralsekre­tariates ist, zeigt feine Bedeutung für die geistige Umstülpung Europas. 1928 zählte die JPF bereite 1670 000 organisierte Mitglieder, die sich auf fol­gende Länder und Verbände verteilen: Deutsch­land (Verband für Freidenkertum und Feuerbe­stattung; Proletarische Freidenkerjugend Deutsch­lands), Rußland (Zentralverband der Gott- I losen); Oesterreich (Freidenkerbund Oester- I reichs; Bund tschechischer Freidenker Oesterreichs). I Tschechoslowakei (Bund proletarischer Frei- I denker der C. S. R.; Svaz prolefarskych bezvercue I Spolek Vonych myslitelu Augustin Smetana), Frank- I reich (Federation proletaire des Libres Penseurs d< I la France; Union Föderale des Libres Penseun Revolutionaires de la France), Belgien (Ligen Materiellste), Schweiz (Proletarische Freidenker der Schweiz; Federation des Libres Penseurs de la Suisse Franchise), Polen (Zwiazek wolnomysliciel1 Polskich), Dänem arf (Arbejdernes Fritänker vorbund); Nordamerika (Freidenkerbund von Nordamerika).

Neben diesen organisierten Freidenkern finden wir noch sehr viele unorganisierte, über die aber genaue Zahlen nicht vorliegen. Einen ganz nn- | verbindlichen Berechnungsschlüssel gibt vielleicht die Erwägung, daß in den Ländern mit der beftor* ganifierten Freidenkerbewegung etwa dieHälfte der von der Kirche Ausgetretenen dem Freidenker­bund angehört. Da es nun in der JPF 1,6 Millionen organisatorisch erfaßte Freidenker gibt, so kann man vielleicht ihre Gesamtzahl für die ganze Welt mit 3 bis 5 Millionen beziffern, zumal wenn man auch die bürgerlichen Freidenkergruppen und Verbände einrechnet. Das Jahr 1928 brachte der JPF beim Kölner Kongreß eine stark kommu­nistisch gehaltene Resolution, welche sich noch heute auswirkt undparteipolitisch", d. h. kommunistisch ausgeschrotet wird zum Aerger der Sozialisten. Ganz lächerlich wirkt bei diesem Streit die ständige Betonung derpolitischen 9teutra(ität" der JPF, als wäre ihre ganz eindeutige Stellungnahme für den Sozialismus Neutralität.

Die erste Etappe der proletarischen Freidenker­bewegung war mit der Gründung der JPF ab­geschlossen. Nun setzte die Arbeit der zweiten Etappe ein. Den Aufgabenkreis dieser zweiten Etappe umreißt Hartwig imAtheist", Julinummer 1928, S. 2. f. folgendermaßen:

1.In den Ländern mit schwach entwickelten Ansätzen einer proletarischen Freidenkerbewegung (wie z. V. Belgien, Dänemark, Schweiz) müssen wir die Bewegung zu fordern suchen durch:

a) materielle Unterstützung (Beistellung an Werbe- und Agitationsmaterial);

b) Ausbildung geeigneter Referenten, Veran­staltungen von Wanderausstellungen usw.

2. In Ländern, wo noch gar (Sine Ansätze be­stehen, müssen wir Fuß zu faffeh trachten' durch Fühlungnahme mit geeigneten Persönlichkeiten, die im Dienste irgend einer vroletarischen Bewegung stehen."