8t. 68.
Kamstag, den 22. März 1930.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt
Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda
Das Agrar-Problem.
Don besonderer Seite wird uns geschrieben:
Der gesamte Weltmarkt weist augenblicklich ein beispielloses Durcheinander auf, wie es im letzten halben Jahrhundert nicht zu bemerken war. Das zilt besonders für die Bewirtschaftung der Körner- Süchte wie Weizen, Gerste und Mais. Bei letzterem finden wir eine Preissenkung von früher 18 ach feilte knapp 8 bis 9 Mark Diese Weltmarktmisere macht auch die deutschen Agrarprobleme sehr schwierig.
Die deutsche Zollpolitik zum Schutze der Landwirtschaft konnte mit den zusammenbrechenden Preisen am Weltmarkt nickt einmal Schritt halten. Das ist auch mit der Grund, weswegen wir bereits in der dritten Zollakt'vn stehen, und weshalb sich die Notlage der deutschen Landwirtschaft bei. «ihe täglich steigert.
Bei unserer Zollpolitik wie bei der Lösung der llgrarprobleme müssen wir die verschiedenartigen landwirtschaftlichen Verhältnisse im Osten, Westen und Süden des Reiches berücksichtigen. Im Osten wird in der Hauptsache Roggen- und Kartoffelanbau betrieben. Run liegt zwar der Roggenpreis bei uns sehr viel höher als der eigentliche Weltmarktpreis, aber er ist dennoch für die östliche Landwirtschaft unzulänglich. Kartoffeln sind kaum auf dem Markte unterzubringen. Die Landwirtschaft des Nord-Westens, also Holstein, Oldenburg, Hannover und Westfalen, betreibt in der Hauptsache Schweine- und Geflügelzucht. Sie steht vor allem in bezug auf Eierproduktion in schürfster Konkurrenz mit Holland und Dänemark. Diese Länder kennen keine Futterzölle und sind daher in der Lage, den Geflügelzüchtern größtmöglichste Unterstützung angedeihen zu lasten. Daher ist es die Pflicht der maßgebenden Reichsbehörden, auch unserer Landwirtschaft im Nordosten einen entspre- chenden Schutz sowohl für die Schweine- als auch für die Geflügelzucht durch bestimmte Zölle zu gewähren.
Das Agrcriyroblem, wie es in den letzten Wochen zur Debatte stand, wie es jetzt auch im großen und ganzen zu einer Lösung gebracht worden ist, berücksichtigt nun in überwiegendem Maße die Landwirtschaft des Ostens. Das bedeutet jedock nicht, daß man in Regierungskreisen ebenso wie in den Parteien weniger besorgt wäre um den Westen und den Süden. Aber es ist Tatsache, daß der Offen sich in einer ungeheuren Wirtschaftsgesahr befindet. Die Ostmarken, West- und Ostpreußen, auch große Teile Schlesiens, sind dadurch auch in ihrer nationalen Verteidigung außerordentlich gefährdet, wenn es nicht gelingt, die Landwirtschaft zu retten und sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
Bei allen Maßnahmen zur Hilfe der Landwirtschaft kann es sich aber nur um kurzfristige Lösungen handeln. Denn wir kennen nicht die Entwick- . lung auf dem Weltmarkt, und können uns auch nicht auf lange Zeit im Inland« selbst festlegen. Hauptaufgabe der Landwirtschaft angesichts ihrer beinahe katastrophal zu nennenden Lage wird es sein, ihren Wirtschaftsbetrieb umzuftellen, den Weizenanbau | anstelle des Roggenbauss zu begünstigen und zu . vergrößern. Die Landwirtschaft kann dadurch aus einen gesicherteren und besseren Absatz des Weizens rechnen, ebenso auf einen angemessenen Preis. Nur -o kommen mir aus den Schwierigkeiten überhaupt r heraus, wenn wir etwa zwei Millionen Tonnen ■- weniger Roggen und dieselbe Menge mehr Weizen bauen.
E Die agrarpolitischen Vorschläge, die in den nächsten Tagen wohl schon den Reichstag beschäftigen werden, können nicht in allem unsere Zustimmung finden, obwohl wir aus den oben angeführten
Gründen im Augenblick eine umfastendere Lösung kaum erwarten dürften. Außerdem handelt es sich darum, der Landwirtschaft schnell zu helfen, da jeder Tag neue Katastrophen bringen kann. Schwer war vor allem, eine Besserung auf dem Roggenmarkt zu erzielen. Eine Ausfuhr von deutschen Roggen in größerem Umfange kommt kaum in Frage, da die wichtigsten Absatzmärkte, die nordischen, höchstens eine Million Tonnen ausirehmen können. Ueberdies ist der Preis in den nordischen Staaten für Roggen bereits auf 110 Mark gesunken. Wir haben einen weit höheren Roggenpreis. Um dennoch in etwa helfen zu können, wird jetzt der Weizen verteuert, indem fein Zoll auf 12 Mark erhöht werden kann. Dabei wird
Der Schnelldampfer „Europa" des Norddeutschen Lloyd trat am Mittwoch um 13 Uhr von Bremerhaven seine erste Reise nachNew York an. Die zweite Klasse, die Kajüte für Touristen und die 3. Klasse des Schiffes sind ausverkauft. Die erste Klaffe ist gut besetzt. Außer den fünf Sonderpaffagierzügen des Norddeutschen Lloyd verkehrte von Berlin der Lloyd- Expreß mit vollbesetztem Schlafwagen auf direktem Wege über Bremen nach Bremerhaven-Colum- bus-Pier.
Der Start der ersten Ausfahrt der „Europa" kennzeichnete sich wieder durch riesigen Ver- kehr in den Unterweserorten. Seit den frühen Morgenstunden kamen Autos um Autos in Bremerhaven an und fuhren zum Kaffer-Hafen, dicht besetzt mit Leuten, die diesem Ereignis beiwohnen wollten. Vor dem Columbus-Bahn- höf standen unübersehbare Autokolonnen, die, wie die Nummer- fchilder verrieten, aus allen Gauen Deutschlands kamen.
Kurz nach 9 Uhr traf der erste Zug mit Pasfagiereu der 3. Klasse fär die „Europa" ein, dem bald darauf em zweiter folgte. Dann trafen mit dem erstmalig verkehrenden FD-Zug Berlin-Bremerhaven Passagiere der 1. Klasse ein. Insgesamt kamen sechs Züge, der letzte um 12.35 Uhr von Bremen, ebenfalls mit Passagieren 1. Klasse. An Bord der „Europa" herrscht ein unbeschreibliches Leben, da die meisten Ausreffenden von ihrem Recht, Verwandte mitanBord zu bringen, Gebrauchmachten. Währenddessen hatten die großen Kräne auf der Coluinbus-Kaje mit erstaunlicher Schnelligkeit die unübersehbare Gepäckmenge der Passagiere bewältigt. Um 12.50 Uhr wurde der letzte Laufsteg eingezogen. Die „Europa" ließ ihre gewaltige Danrpfpfeife ertönen. Die letzten Trossen wurden losgeworfen, und punkt 13 Uhr zogen die achtern und vorn vorgespannten Schlepper das Sckiff von der Käse ab. Nach mehreren Minuten schon ging das Schiff mit eigener Kraft ström a o - w ä r t s. Die Taufende an Land begleiteten diesen Vorgang mit begeisterten Hurra-Rufen, Tücher- schwenken und großem Jubel.
an dem Durchschnittspreis von 26 Mark festgehalten. Außerdem wird von der Futtermistelseite her geholfen. Der Gerstenzoli kann bis 10 Mark erhöht werden, Mais unterliegt in Zukunft der öffentlichen Bewirtschaftung.
Bei der Gerste hat man auf den alten Plan zurückgegriffen, der die Regierung ermächtigt, den Käufern von Futtergerste, die gleichzeitig vergällten Roggen kaufen, den Zoll zu ermäßigen, um ihnen so den Kauf von billigen Futtergerstemitte'n zu ermöglichen. Je niedriger hier der Zoll, desto stärker dann der Anreiz zur Roggenverfütterung. Es ist entscheidend hier, daß in das Ermessen der Regierung gestellt ist, wann die Maßnahmen und welche in Kraft treten sollen.
Beim Mais war die Einführung der öffentlichen Bewirtschaftung notwendig. Wegen des Jugoslawischen Handelsvertrages war eine Zollerhöhung nicht möglich. An dieser Bewirtschaftung ist auch die Beteiligung des Handels in möglichst großem Umfange vorgesehen. — Eine Erhöhung des Mehlzolles war ebenfalls infolge der stetig steigenden Mehleinfuhr notwendig. Der Mehlzoll beträgt das l^fache des Weizenzolls plus 5,25 Mk. Schutzspanne. Auch hier ist eine Ermächtigung der Regierung vorgesehen, daß, wenn es die Preisgestaltung auf dem Weltmarkt notwendig machen sollte, sie noch weiter erhöhen kann. — Auch der Weltzuckermarkt weift eine katastrophale Entwicklung auf. Infolgedessen war auch hier eine Neure-
Nun ade du mein lieb Heimatland!
Die „(Europa“ hak sich vom Kai gelöst und sticht zur ersten Amerikasahrt in die See.
An Bord der „Europa" befinden sich neben den Vertretern des Norddeutschen Lloyd, dem Präsidenten Heineken und den Generaldirektoren Stimmig und Glaessel der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, der Pressechef der Reichsregierung Ministerialdirektor Dr. Zechlin, ferner als Vertreter Bremens Bürgermeister Dr. Donandt, dieSenaro- ren Dr. Apelt und Bömers, Bankier I. F. Schröder, Generaldirektor Stapelfeld. Auch zahlreiche bekannte Jndustrieführer machen die erste Reise mit, u. a. Krupp von Bohlen und Hallbach, Hantel, Klöckner, Silverberg, Generaldirektor Bögler, von der Danatbank Jakob Goldschmidt und eine ganze
Reihe von Vertretern der deutschen, englischen und amerikanischen Presse.
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Der neue Riesendampser des Lloyd, die „Europa", ist wie das Schwesterschiff „Bremen" ebenfalls mit einem großen Orgel-Harmonium ausgerüftet worden. Die Ausführung wurde wiederum der Firma Aloys Maier in Fulda übertragen. Das Werk ist nach den Entwürfen des Innenarchitekten Klaus Hoffmann-Hamburg in hellgelbem Birnbaumholz gebaut und dient den täglichen Gottesdiensten in der Kapelle des Schiffes und zu Konzertzwecken.
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«Ueti ÄnkSngee« -er Pfarrer Heumrmn'lcksn Heilmittel
geben wir bekannt, daß das 272 Seiten starke, reich illustrierte Pfarrer Heumann-Buch, ein wertvoller Ratgeber in vielen Krankheitsfällen, auf Wunsch an jedermann völlig kostenlos durch die Firma Ludwig Heumann & Co., Jtürnberg-E, versandt wird. Ferner weisen wir darauf hin, daß die Pfarrer Heumann'schen Heilmittel (bis jetzt 178000 Dankschreiben) künftig in allen hiesigen Apotheken zu haben sind, bezw. bestellt werden können, bestimmt aber in den Haupkniederlagen:
fjofapothche zum Süirvan, faUa / tzirW-Npotkoke, Oel|a (Wit).
Sie grüne Saffianmappe.
Roman von Harold Efsberg.
Copyright by Carl Bunter, Berlin.
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Seine Koffer packen, nach Berlin verschwinden?
Christa in ihrem Unglück allein zurücklassen?
Was halte sie eben zu ihm gesagt?
Was auch kommen mag, ich habe auf der Welt nur
Aber wie sollte er ihr gegenüber bestehen? Bon chrem Stiefvater im Stich gelassen, hinters Licht ge- stihrt, betrogen und nun auch von ihm? Was meinte He damit: „Was auch kommen mag? Ahnte sie etwas? Was hatte er ihr doch gestern im Zuge gesagt? Er müßte erst noch gewisse Dinge abwarten, bevor er von der Zukunft sprechen könnte? Brachte sie das vielleicht m Zusammenhang mit der plötzlichen Rückkunft „seines Sekretärs?" Wie recht hatte sie doch damit!
Und hatte er damit nicht die ganze Zeit gerechnet, damit rechnen müssen, daß der Olaf Lilloe, den er be= ftobten hatte, ja bestohlen, ein anderes Wort gab es "'tht dafür, daß dieser Lilloe wieder aus der Bersenkung austauchen würde, und daß er mit ihm abrechnen müsse! Jetzt war es soweit, abzurechnen! Ja, und konnte er das nicht? Hatte der Mann nicht allen Grund, ihm dankbar zu sein? War es ihm nicht gelungen, den Betrug aufzudecken, den Betrug mit der Konzession die offenbar gefälscht war, und wenn sie nicht gefälscht war, tedensalls keinen Wert hatte! Hatte er ihn nickst davor bewahrt, sein Geld in die Sache zu stecken, wie es Sela« fasse und Bloemensteen getan hatten!
Und plötzlich kam ihm noch ein rettender Gedanke. Auch deren Geld war ja noch nicht verloren! Er, Leo, mußte ja, wo er war. Ohne ihn würden die beiden klugen Bankiers mit Signalement und Steckbriefen die ganze Welt nach Pomernatzki absuchen müssen! Er war es doch allein, für den ein einfaches drahtloses Telegramm nach Gibraltar genügte, um den flüchtigen Verbrecher festnehmen und den Scheck sperren zu lassen!
Was konnte ihm Lilloe viel vorwersen! Als er mit feiner Mappe loszog, lag er bewußtlos im Kranken
haus! Er hätte ihn also nicht um Erlaubnis fragen können, und wenn er darum gebeten hätte, wäre sie ihm sicherlich nicht gegeben worden!
Er faßte sich und gewann wieder Mut. Es blieb nichts anderes übrig, er mußte sich Lilloe stellen, und wenn es nicht um seinetwillen war, so doch um Christas willen, die auf ihn rechnete und die er ohne Kampf aufzugeben nicht gewillt war.
Er holle aus seinem Koffer die grüne Saffianmappe heraus. Wie gut war es doch, daß er sie mitgenommen halle! Sann packte er in sie die Konzession ein mit sämtlichen Anlagen, den Brief des Pomernatzki an Lilloe und den Durchschlag von dessen Schreiben und schließlich auch den Paß, aus den er die ganze Zeit gereift war.
Das einzige, was er nicht mehr einpacken konnte, war der Scheck über 20 000 Schweizer Franken! Aber 15 000 lagen noch unversehrt auf dem Credit Lyonnais und für die übrigen 5000 konnte er mit seinem Konto gutfagen! Er war kein Sieb! Warum sollte er daher das Spiel verlorengeben!
Sann nahm er seine Mappe, stellte fest, daß die drei Berichte der Firma Emerson, Leroi u. Emerson darin waren, ebenso die Kontoauszüge und die Quittungen des Credit Lyonnais.
Mit den beiden Mappen unter dem Arm ging er hinaus auf den Flur, die Treppen hinauf in das zweite Stockwerk und klopfte mutig an die Tür des Zimmers Nr. 231.
„Herein!" rief eine dunkle Stimme auf französisch.
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Als er die Tür öffnete, sah er am Toilettentisch einen Mann im Hemd ohne Kragen, der sich vor dem Spiegel rasierte. Erstaunt sah dieser sich nach dem Besucher um. Sein Gesicht entsprach genau dem auf dem Passe, mit dem Leo so oft das Seinige verglichen halle. Ser Mann sah ihm nicht einmal unähnlich. Er halle dasselbe blonbe Haar und die gleichen blauen Augen, aber er war wesentlich älter. Und er schien größer und stämmiger, als Leo, obwohl er saß.
„Sie wünschen?" fragte seine tiefe Stimme wieder auf französisch.
„Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich störe, haben Sie einige Minuten Zeit für mich?"
„Bitte sehr, wenn Sie gestatten, rasiere ich mich weiter, nehmen Sie bitte Platz".
Leo dankte und setzte sich auf einen Stuhl in der Nähe des Toilettenttsches.
„Mein Name ist Leo Ortrand, ich bringe Ihnen Ihre Mappe zurück."
Mit diesen Worten hielt er ihm die grüne Mappe hin.
Herr Lilloe sah ihn verständnislos an.
„Meine Mappe?" fragte er.
„Ja, Ihre Mappe, die Sic verloren haben."
„Ach, Gott, ja! Das ist ja meine Mappe, aber wieso.. Ich verstehe nicht, ich habe sie in Berlin bei einem Unfall verloren, sind Sie mir bis hierher nachgereyt?"
„Nein", sagte Leo, „das ist eine lange Geschichte. Aber nehmen Sie sie doch!"
Zögernd nahm sie Herr Lilloe in Empfang. Er drehte sie um und um und schien nicht recht zu wissen, was er mit ihr anfangen sollte.
„Wollen Sie sie nicht öffnen?" fragte Leo.
„Ja . . . bas konnte ich wohl, aber ich verstehe nicht recht, wieso ... ich kann mich nicht recht entfin- nen . . . Wollen Sie mir nicht bitte erklären . . .?" „Vielleicht prüfen Sie einmal erst den Inhalt?" „Ja, das könnte ich wohl", erwiederte er mechanisch. Ser Unfall schien ihn doch mitgenommen zu haben, er konnte sich wohl nicht recht erinnern!
Herr Lilloe öffnete die Mappe und zog die einzelnen Schriffftücke heraus.
„Sa ist ja mein Pah, den ich nicht finden konnte. Ich dachte, ich hätte ihn in meine Brusttasche getan."
Sann las er langsam und bedächtig das Schreiben Pomernatzkis und feine Antwort darauf.
„Sie sind operiert worden?" fragte Leo.
„Operiert? Nein! Wieso?"
„Haben Sie nicht einen Unfall erlitten, sind Sie nicht überfahren worden?"
„Ja, das schon. Ich bin mit dem Kopf gegen die Bordschwelle gefallen und war lange Zeit bewußtlos. Aber nach vier Tagen konnte ich in mein Hotel. Sie Schererei wegen des verlorenen Paffes hat mich so lange aufgehalten. Aber ich verstehe nicht, waren Sie denn dabei?"
„Nein", sagte Leo. Und dann fügte er hinzu:
„Ist der Inhalt vollständig?"
„Ja, wie mir scheint, ja."
„Nein", sagte Leo. „Es fehlt ein Barscheck über 20000 Schweizer Franken!"
„Was! Ser war auch in der Mappe? Aber wie kommen Sie eigentlich zu meiner Mappe! Und wo ist der Scheck?"
„Sie sind sicher, daß Sie die Mappe bei dem Unfall verloren haben?"
„Das kann ich beschwören, absolut sicher!"
„.Hat Ihr. Gedächtnis durch den Unfall gelitten?1
„Ich glaube nicht. Einen Augenblick, bille."
Lilloe erhob sich und wusch sich das Gesicht. Nachdem er sich abgetrocknet hatte, knöpfte er umständlich einen Kragen um. band sich eine Krawatte vor dem Spiegel und zog die Weste und Jacke wieder an.
Sann setzte er sich auf das Sofa und sagte:
„Wollen Sie mir bitte jetzt erzählen, wie Sie zu meiner Mavpe gekommen sind?"
„Ihre Erinnerung trügt Sie! Als Sie von dem Auto umgestoßen wurden, hatten Sie Ihre Mappe nicht mehr. Sie hatten sie in der Bank liegen lassen, in der Sie einen Scheck der norwegischen Staatsbank gewechselt hatten. Das muß wenige Minuten vorher gewesen sein?"
Und bann erzählte Leo die Geschichte der grünen Sasianmappe bis zu dem Augenblick, wo er mit Pomernatzki zu Delafosse gegangen war, und man beschlossen hatte, daß Leo und Pomernatzki zu Krassin nach London fahren sollten.
Während der ganzen Erzählung untrbrach Lilloe ihn nicht ein einziges Mal, sondern hörte ihm, ohne eine Muskel seines Gesichtes zu verziehen, gespannt zu Ais Leo jetzt eine Pause machte, sagte er: „Das ist ja fabelhaft, das ist ja einfach »abelhaft! Bitte erzählen Sie weiter."
Leo erzählte wahrheitsgelleu, wie er mit Pomernatzki und dessen Tochter immer unter dem Namen Olaf Lilloe nach London gefahren sei und wie ihn Pomernatzki plötzlich dort verlassen hätte, ohne Krassin zu sprechen. Er erzählte weiter von seinem Besuch bei Burnhill, der sich an der Konzession hätte beteiligen wollen, und von seiner Rückreise nach Paris, da Pomernatzki ihn im Stich gelassen hätte.