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Beilage zur Fuldaer Zeitung

IS. Mürz

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ihn auch manche nicht ganz verstanden jedenfalls alle nachprüfen und nachdenk»

zu diesen mehr religiösen und kultur» Ausführungen sprachen noch Professor

Art. Mögen haben, er hat lich gemacht.

Ergänzend philosophischen

möchte man zweierlei erreichen. Einmal will man die Möglichkeit schassen, datz die nachgeborenen westdeut­schen Bauernsöhne sich einen eigenen Hof erarbeiten können. Dann aber will man der an der deutschen Ost­grenze brandenden slavischen Flut einen Damm ent- |. gegensetzen.

Die Franzosen fürchten instinktiv das waffenlose Deutschland. Biel weniger, weil sie daran glauben, daß die deutschen Heere noch einmal „siegreich Frankreich schlagen" werden, sondern weil sie die ihnen relativ über­legene physische Kraft des deutschen Volkes fühlen und sehen, wie ihr Land sich immer mehr entvölkert. Polen, Italiener, Tschechen, Belgier wandern zu Tausenden und Wertausenden nach Frankreich, weil dort Arbeitskräfte fehlen. Frankreich hofft diese eindringenden Menschen- massen assimilieren zu können. Ob es gelingt, ist eine andere Frage. Aber man ist doch unsicher und schützt P deshalb die bedrohte Ostgrenze mit unüberwindlichen Festungswerken. Sie allein werden nichts nützen. Denn wenn die innere Kraft eines Volkes gebrochen ist, dann helfen auch keine Festungswälle mehr. Stärkere Völker werden in die leeren Räume eindringsn, so wie einst die M Germanen trotz des firnes das Römerreich mit und ohne Waffe eroberten. Das ist fast ein Naturgesetz.

L Mit diesem Hinweis soll nicht gesagt sein, daß das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland so sei, wie zwischen dem niedergehenden Rom und den an­dringenden Germanen. Eine solche Behauptung wäre töricht. Der Blick auf die Lage in Frankreich erleich­tert uns aber vielleicht die Erkenntnis der Gefahr, in der das deutsche Volk schwebt. Auch an die deutsche Ostgrenze pochen unverbrauchte Menschenmassen. Jähr­lich kommen viele Tausende als Landarbeiter über die . Grenze, obwohl wir in Deutschland Hunderttausende von Arbeitslosen haben. Der Druck eines stark bevölkerten Landes, in dem die Bevölkerung um jährlich 400 000 Menschen anwächst, trifft unsere Grenze gerade da, wo dar deutsche Land am dünnsten besiedelt ist. Die Grenze kenn nur gehalten werden von Menschen, die Liebe Sur Scholle haben und Arbeit und Mühe nicht scheuen. Das ist auch ein Grund, weshalb die Siedlungsbewe­gung von der Gesamtheit des deutschen Volkes unter- Mtzt werden muß. Nun wird es keinen dauernden Erfolg haben, wenn die Regierung schematisch Siedler b*e Grenze setzt. Nein, die amtlichen Stellen kön­nen nur die Voraussetzungen dafür schaffen, daß willens- ^WMrke Menschen sich im deutschen Osten eine neue Hei- suchen. Die Siedlungsbewegung kann nur von dem E°lke selbst getragen werden. Es war ein Fehler der alten Preußen organisierten „inneren Kolonisation",

i st Kampf, ja, daß jede Schablonisierung das Ende bedeuten würde. Denn es h a t noch immer zum Wesen des Katholizis­mus gehört, Spannungen und Verschie­denheiten aller Art gelten zu lassen und sie doch noch zu meistern. Am Schicksal der K. I. D. wird es sich beweisen, ob der deutsche Katholizis­mus dazu noch die Lebenskraft hat.

Die Referate der Tagung — es sprachen 2 Priester u»d 2 Laien — waren ganz auf die Wirklichkeit die Gegenwart eingestellt. „Orientierung!" Das sollte Altenberg bringen. In zahlreichen kleineren und größe­ren Aussprachen wurden die Referate weitergesponnen. Man hat sich in Altenburg nichts vorgemacht darüber, wie es steht!

Einleitend führte Generalpräses W o l k e r näher aus, wieso die „K. I. D." eine Schicksalsgemein­schaf t sei in dem gegenwärtigen und noch mehr in dem zukünfigen Kampf um die Jugend oller Stände und Alter. Wirklichkeitsblick! Katholische Menschen­bildung! Sammlung der jungen Kräfte! (was noch mehr ist als nur äußerliches Bewahren!) — das war seine Losung.

Das bedeutsamste Ereignis der Tagung war jedoch die Auseinandersetzung Pater Przywaras S. I. mit der „geistigen und religiösen Krisis der Gegenwart". Leider kann dieser große Aufriß hier nicht wiedergegeben werden. Pater Przywara wagte es, einmal unsere geistige und religiöse Lage in ihren letzten Zusammenhängen und Begründungen zu deuten. Er be­rührte und klärte dabei — in einer erstaunlichen Ver­trautheit mit der „Welt um uns" — Dinge, die sonst meist ganz übersehen oder mißverstanden werden. Unzweifel­haft haben wir wenig Katholiken in Deutschland, die eine j derartige Schau der Dinge bieten könnten. Nach einem kritischen Rückblik über die sog. „Bewegungsjahre", etwa 1922—26 (Phänomenologie, Liturgie und Jugendvereini­gung) sprach Przywara über die augenblickliche Krisis der Erlahmung im deutschen Katholizismus und über die Machtverteilung bezw. Machtverschiebung der Geistes­kräfte im modernen Weltgeschehen; alsdann zog er die I sich daraus ergebenden Folgerungen und entwickelte zum Schluß die somit zeitgeforderte und zeitgemäße religiöse Einstellung. An Stelle eines Katholizismus der Anpas­sung, der kleinen Erfolge muß treten ein Katholizismus des Wagens und der weiten Sicht!

Przywaras kühner Gedankenbau, der schonungslos I jede Verschleierung vermied, bot reichlichst Gelegenheit 3um persönlichen Nachdenken und zu Aussprachen aller j

Heilige Flamme.

Reines Feuer unsrer Seele, Nur dem reinsten Licht geweiht, Nährst Du Dich aus Heilgen Gluten Gott, aus Dir seit Ewigkeit!

Wir, aus Erde, staubgeboren. Sind von heilger Lust durchbebt, Durch das Licht der reinen Sehnsucht, Das aus Deinem Wesen lebt.

Was von deinen Erdgeschenken Du uns gabst, ward heilig Gut: Weib und Bruder, Volk und Freiheit, Heilig durch der Liebe Glut.

Nur, was irdisch und vergänglich. Senkt sich dem Verderben zu. Aber du, du heilge Flamme, Unsere Sehnsucht, glühe du!

Heinrich L e r s ch.

Die Ostsiedlung

eine Lebensfrage des deutschen Volkes.

- Eine der traurigsten Erscheinungen unseres volklichen Lebens ist die wachsende Entvölkerung des deut­schen Ostens. Während sich im industriereichen We­sten die Menschen zusammenballen, und Hunderttausende vergeblich nach Arbeit suchen, wird der deutsche Osten immer menschenärmer. Der schon vor dem Kriege fest­stellbare „Zug nach dem Westen" hat nicht aufgehört. Mr wollen heute nicht die Gründe wirtschaftlicher und sozialer Art untersuchen, die deutsche Menschen jenseits der Elbe zur Abwanderung gedrängt haben. Fest steht, daß die Landflucht im Osten mit der Tatsache, daß dort der Großgrundbesitz vorherrscht, auf das engste zusammenhängt. Es fehlt dort der mit der Scholle verwachsene deutsche Bauer.

Seit Jahrzehnten gehen deshalb die Bestrebungen dahin, im Osten Bauernsiedlungen zu schaffen. Damit

mit sich zu tun. Aber wenn der Arzt'an Sepps Lager hintrat, dann wandten sich alle Augen mit einem selt­samen Blick dorthin. Und sie bekamen alle Herzklopfen vor dem entsetzlichen Augenblick, der über kurz oder lang kommen mußte. Denn jedesmal kehrte die gleiche Bitte wieder und jedesmal dringlicher und ungeduldiger: „Nehmt mir doch die Binde von den Augen! Ich möcht' halt meine Kameraden sehen ,mit denen ich red' und die bayerische Sonn' und den bayerischen Himmel weiß und blau, wie's im Lied heißt, das wir immer gesungen ha­ben."

Der Arzt streichelte dem Bittenden über bas allrnäh- l'ch länger werdende Kraushaar, tätschelle ihn wie ein Kind und tröstete: „Sepp, hab doch noch acht Tage Ge­duld! Weißt, der Kopf ist eben ein edler Teil, auch bei dir, Sepp. In so einem Kopf steckt allerlei feines Werk- Zeug, das heikel zu kurieren ist. Da gibt's nicht nur Heu und Stroh, wie dir dein Feldwebel vorgemacht hat, son­dern z. B. Augen, und die sind sehr heikel. Und eine Ge- Hirnhautentzündung ist im Handumdrehen da, so ge- schwind wie die Franzosenkugel. Also, mein Freund, acht Tage Geduld!"

Aber endlich spürte Sepp gar keine Schmerzen mehr. Er klopfte mit der Faust gegen die Stirn und überprüfte mit festzugreifenden Fingern durch die Binde hindurch Nase, Augen und Wangen. „Alles kerngesund!" trium- phierte er.

Da nahmen sie ihm die Binde von den Augen. Kei­ner im weiten Saal wagte zu atmen; eine peinvolle Stille lag um Sepp, so daß er erstaunt umherhorchte. Die Binde war weg. Er aber saß immer noch harrend im Bett und wartete auf die Befreiung. Endlich flehte er wieder: „Aber Herr Doktor, tun Sie mir die Binde halt doch weg, ich bitt' mit aufgehobenen Händen!" Er legte die kraftvollen Finger ineinander und war anzu­sehen wie ein betendes Kind. Durch den Saal ging ein Flüstern und Knistern. Die Einarmigen und die Män­ner ohne Fuß und Bein weinten um ihren ärmsten Ka­meraden.

daß man nur Einzelsiedler ansetzte, daß man keine innerlich geschlossenen Dorfschaften grün- dete. Aeute hat man erkannt, daß die Siedlung nur von geschlossenen Gruppen, die durch ihre Stammesart, Weltanschauung oder gemeinsame Ver­gangenheit sich enger verbunden fühlen, durchgeführt werden kann. Man weiß, daß die Siedlung in der Heimat und von der Heimat vorbereitet werden muß. Die großen katholischen Verbände pflegen deshalb den Siedlungsgedanken mit aller Sorgfalt. Sie stoßen dabei im Gegensatz zu der Zeit vor dem Krieg überall aus das größte Interesse. Bezeichnend ist, daß sich zur Teilnahme an einer am Karitasverband Derart« statteten Besichtigungsfahrt nach Pommern sofort 14 Jungbauern aus dem Fuldaer Land bereit erklärt haben. Das zeigt, daß der Wille zur Siedlung da ist.

Wir möchten deshalb schon jetzt auf eine von dem Ju­gend- und Jungmänner-Verband für die Pfingst- woche geplante

Siedlungsfahrk katholischer Jungbauern Westdeutschlands Hinweisen.

Das Programm der Fahrt ist:

Pfingstsonntag und Pfingstmontag: Ein­treffen in Münster.

Pfingstmontag: 10.30 Uhr erste Zusammenkunft im Gesellenhaus: 1. Begrüßung und Ausgabe der Teilnehmerkarten. 2. „D e r S i n n u n f e r e r S t u= öienreife“. Moys Seyo ck-Düsseldorf. 3. „Die Weltstadt Hamburg und mir Katholi- k e n." Diözesanpräses Schepers-Osnabrück. — Ge­meinsames Mittagessen. — 14.49 Uhr Abfahrt von Munster Hbf. über Osnabrück-Bremen. 20.23 Uhr Ankunft in Hamburg. — Abendimbiß. — Nachtruhe.

Dienstag: 9 Uhr Vortrag „Der Welthandel und die Hamburg-Amerik a-L i n i e". (Di-

Katholische Jugend Deutschlands

Zur ersten Iahrestagung in Altenburg.

chenbrüche nicht gerade an. Dann fügte er ein oft gehör­tes Scherzwort hinzu: „Wegen dem Kopf", sagte er; „wißt, das ist bei mir nicht gefährlich, denn da hat es keinen edlen Teil verletzt."

,Lhr seid ein tapferer Mann," bewunderte die Schwe- fter. „3a freilich," sagte Sepp ein wenig geringschätzig, „wir sind nicht umsonst die bayerischen Löwen."

Der Arzt hatte viel Arbeit, denn in dem weiten Saal, in dem Sepp lag, litten noch viele schwerverletzte Stie­ger, deren Wunden auf neue Verbände warteten. Als der „bayerische Löwe" merkte, daß ihn Schwester und Arzt verließen, da winkte er sie zurück und sagte: „Sonn­tet ihr mir dies Bandzeug da nicht richten, daß ich ein bissel sehen könnt'? Ich möcht doch auch wissen, wo ich bin."

Wieder traf den Arzt der Angstblick der Schwester, der etwa sagen mochte: Wollen Sie ihm das jetzt schon offenbaren? Aber der Arzt tröstete mit ruhiger Stimme: „Sie müssen die Binde schon tragen, wie sie ist, wenig­stens acht Tage! Dann vielleicht. Nun, wir werden schon sehen. Sic müssen sich in Geduld fassen und schön folg­sam fein."

„Jawohl, Herr Doktor."

Und Sepp gab sich zufrieden. Der Arzt erneuerte den Verband in der folgenden Zeit wiederholt. Das Gesicht des Kranken war so wund und zerrissen, daß dieser nicht unterscheiden konnte: saß der größere Schmerz in der Stirn ober an den Backenknochen; ihm war, als sei alles eine Wunde und eine Geschwulst. Und doch ließ er sich nichts anmerken, sondern leistete sich gelegentlich noch einen Scherz: „Seh' ich denn noch nicht bald raus? So ein Geschwollener, wie ich bin! Das Hütt' ich mir doch nit getraut." „Aber jetzt wird mir bald zu eng in mei­ner Arche; ich möcht' gern aussteigen und ein’n Regen­bogen sehen."

Sepp war bald der Liebling des ganzen Saales. Von feinen Leidensgenossen waren viele furchtbar verstüm- mell. Dem einen fehlten die Arme; bei anderen tat ein Lungenflügel nicht mehr mit. Jeder hatte zu seufzen und

Der Arzt, der in den letzten Tagen Elend ohne Ende gesehen hatte, würgte und schluckte, und endlich sprach er, indes seine feine Hand das junge Kriegerantlitz streichelte und liebkoste, stoßweise: „Sepp, weißt, die Binde, die ich wegtun kann, hab' ich wohl weggetan. Aber die andere, die kann ich dir nicht wegtun. Das kann der liebe Herr-' gott einmal. Sie haben dir die Augen . . . gelt, du bist schon brav und schön tapfer . . . die Augen ausgeschossen . . ., deine lieben Sternlein sind erblindet."

Sepp fuhr mit seinen beiden Händen unter sein« Brauen und griff umher, als wolle er von da etwas weg­ziehen. Dann neigte er sich vor wie einer, der in weiter perne etwas erspähen will, krampfte die Stirnfalten zu­sammen, riß die versengten Augenlider auf und machte die unsagbarsten Anstrengungen, um die Finsternis zu durchbrechen. Es war anzusehen, wie wenn einer an cifernen Ketten zerrt und sic nicht zu zerreißen vermag.

Endlich mußte erkennen, daß es ihm nicht gelingen werde, die Binde der Blindheit wegzuschafsen. Er sank machtlos in sein Kissen zurück und lag wie in tiefer Ohn­macht regungslos auf seinem Bett. Von allen Seiten tfang es: „Sepp, Sepp!" Der eine rief es weinend, der anberc wie ein Vater, ber seinen Sohn aus ber Ver­zweiflung aufrufen will, ber britte wie ein Offizier, ber „Vorwärts marsch!" fommanbiert. Allen fehlten Worte bes Trostes, nur in bem Ton, in bem sie riefen, lockten unb schmeichelten, lag ihr Erbarmen, ihr Mahnen, Hel­sen und Bitten. Nach einigen Augenblicken war es wie­der ganz still im Saal.

auf einmal richtete sich Sepp auf unb sagte hochaus- atmenb unb feierlich: „In Gattes Namen! D' Sonn’ gebt unter, b’ Sonn’ gebt auch wieder auf. Meine Sonn’ ist balt 's ewige Licht. Werd' 's wohl erwarten können."

Da kniete ber Arzt am Bett bes Solbaten nieder, faßte feine Hände, küßte sie und sagte ebenso feierlich: „Bayerischer Löwe!"

So bat Sevv den fürchterlichsten Feind, die Serweif- lung, besiegt

Dessauer und Oberbürgermeister Adenauer.

Professor Dessauer trug in seinem Referat „Hoff­nungen deutscher Jugend in deutscher Wirtschaft" u. a. Gedanken vor, die aus seiner rednerischen und schrift­stellerischen Tätigkeit ber schon bekannt sind, die er aber in besondere Beziehung brachte zu bem Erziehungs- unb Berufsproblem ber Jugend. Leider konnte sich an feine Rede keine Aussprache anknüpfen, die gewiß sehr interessanten Aufschluß darüber gegeben bätte, wie denn die einzelnen Kreise ber Jugend, z. B. Arbeiter, Ange­stellte, Studenten, Dessauers kooperatives Wirtschafts- । Programm beurteilen.

Oberbürgermeister Adenauer konnte ebenfalls nur, für die Stunde seines Referates über „Die poli- I tischt Sendung ber katholischen Jugenb" erscheinen. I Adenauer glaubt an die politische Sendung dieser Ju­gend, ohne sich einem einseitigen Optimismus zu ver­schreiben. Er wußte wertvolle unb kritische Winke für die pädagogische Vorbereitung auf diese Aufgabe zu ge­ben. Besonders bemerkenswert war cs, wie sich Adenauer für die noch immer viel zu sehr vernachlässigte ka­tholische weibliche Jugendarbeit einsetzte, die bisher in ihrer fundamentalen Bedeutung noch ver­kannt worden fei, „denn die Mädchen von heute sind die Mütter von morgen und haben als solche die kommende Generation in ber Hanb" — ein Wort, das noch öfters auf der Tagung auftauchte. Als besondere Mission der । Jugend bezeichnete Adenauer: „Die Pflege ber gei­stigen Einheit" und „Die Erneuerung unseres Volkes auf der Grundlage der katholfchen Weltanschau­ung."

Die sonstigen Beratungen galten grundsätzlichen tak­tischen und organisatorischen Fragen aller Art. Beson­ders behandelt wurde dabei die

Frage der (pfarr-)Iugendheime, die mit der steigenden wirtschaftlichen Not unb öem wachsenben Zerfall ber Familien immer größere Be- beutung bekommt. Gegen bie Bestrebungen mancher staatlicher Stellen, ausschließlich interkonfessionelle Iu- genbheime mitzusinanzieren, nahm die K. I. D. eine Entschließung an, die eine gerechte Berücksichtigung der katholischen Heime fordert. Grade diese Aussprachen, die sich nicht ohne Glück freihielten von organisatorischer Uebcrbürbung unb von ungesunder Einengung in ju­gendbewegte Problematik, zeigten sehr reale Nöte unb Schwierigkeiten, bie trotz allem Idealismus nicht so schnell werden geändert werden können.

_ Naturgemäß fanden sich auf der Tagung noch manche Fragen, die noch nicht spruchreif sind. Es war ja auch nicht der Zweck der Tagung, in dialektischer Debatte Lö­sungen zu erzwingen; die Probleme sollten vielmehr zunächst einmal in allen wachgerufen werden. So nahmen denn auch alle, die Altenberg miterlebt haben, ernste Erkenntnisse mit heim. Aus bem religiösen Bo­den, wie ihn Przywara aufgezeigt hatte, konnte jedoch diese Wirklichkeit nicht schrecken.

Ein letztes noch. Das „Jugendhous" Düsseldorf darf stolz sein auf das Heim Altenberg. Wirklich, das ist eine moderne, positive LeLiftung! So haben mir — schon rein äußerlich geborgen — dort viele schöne Stunden verlebt. Daß der Arbeiterdichter Lersch persönlich noch zu uns sprach, war allen eine frohe Ueberraschung.

Heber den Wert der Tagung zu sinnen, ist müßig. Die künftige Entwicklung ter D. I. K. wird das zu ent- scheiden haben. Karl Seger le.

rettor der Hapag). Besichtigung Hamburgs, beson­ders des Hafens.

Mittwoch: Fahrt nach M e ck l e n b u r g-S ch m e- r i n". Dr. Johannes Schauff-Berlin. Rundfahrten durch Mecklenburg unb Besichtigung verschiedener Siebtungsgüter und Siedlungen.

Donnerstag: Fortsetzung ber Rundfahrten durch das Siedlungsgebiet. — Abends: froher Abend in der neuen Siedlung.

Freitag: norm. Reife nach Berlin. Nachmittags Besichtigungen, abends Empfang durch die großen Bauernorganisationen Deutschlands.

Samstag: Vormittags 9 Uhr Vortrag: „Kacho­lisches i n B e r I i n". Kaplan Hünermann-Ber- lin. — Führung durch den Reichstag. — Begrüßung durch das Preußische Landwirtschaftsministerium. — Rundfahrten durch Berlin. — Abends Besuch einer Theatervorstellung.

Montag: 6.30 Uhr gemeinschaftlicher Gottesdienst. — Frühstück im Bahnhof Friedrichstraße. 8.02 Uhr Abfahrt. Ankunft gegen 16 Uhr in Dortmund. Dort Abschluß und Abschied.

Teilnehmer: 10 0 Jungbauernführer wer­den zugelassen, lieber die Zulassung entscheidet der Verband.

Kost en: Die Studienreise bietet allen Teilnehmern eine tjülle von Vorteilen, vor allem auch in finanzieller Hinsicht. — Daher braucht ber Teilnehmer für biefe große, vielseitige Reise nur 70 Mk. einzuzahlen. — Der Verbanb übernimmt mit dieser Einzahlung die <-orge für die Fahrt- und Besichtigungskosten, so­wie für Unterkunft, Frühstück, Mittag- und Abend­essen.

Die Leitung der Fahrt hat Aloys Seyock vom Jugendhous in Düsseldorf. — Fahrt-Seelsorger ist Bezirkspräses Vikar Karl Horstmann-Ahaus in Westfalen.

'Sicher werden sich auch eine Anzahl von Jungbauern | aus unserer Gegend an dieser Fahrt beteiligen wollen.

Bei uns ist verspätet ein Bericht über die erste Jahrestagung ber „Katholischen Jugend Deutschlands", bie vom 24. bis 26. Januar in Altenberg stattfand, eingegangen. Wir veröf­fentlichen ihn aber doch noch, weil bekanntlich auch bie katholische Jugend in Fulda sich kürz­lich ZU einer Arbeitsgemeinschaft zusammen­geschlossen hat unb beshalb größeres Interesse für bie auf der Tagung aufgeworfenen Fragen bestehen dürfte.

Mehr als einmal hörte man in Altenberg die Klage, daß in ber katholischen beutschen Oesfentlichkeit bie Be­deutung ber katholischen Jugenbarbcit bei weitem noch nicht so erkannt worben ist, wie es angesichts ber Zeitlage nötig wäre. Jugenbarbcit im heutigen Sinn ist Not- ftanbsarbeit, ist Dienst am Volk; ja, sie kann noch ein­mal bas Schicksal bes Deutschen Katholizismus entschei­den. Entweber begreifen bie Katholiken bie Sage, ober die Entwicklung geht über uns hinweg. Die Frage geht noch weiter. Nicht ein Jugenblichcr, fonbern ein berufe­ner Vertreter der katholischen Oesfentlichkeit sprach in Altenberg das Wort, baß nur mehr noch vom katholi- chen Volksteil bie Erneuerung bes beutschen Volkes zu erhoffen sei, baß also bas beutsche Schicksal in ben Hän­den ber katholischen Jugenb ruhe. Unb so ist die „Ka­tholische Jugend Deutschlands" als der Zusammenschluß aller katholischen Jugendverbände mit einer Mitglieder­zahl von 1,4 Millionen bie große Schicksalsgemeinschaft ber jungen Generation.

In bem Willen, sich ganz für bie E i n h e i t i m j u n- gen bcutschen Katholizismus einzusetzen, trafen ich in Altenberg zum ersten Mal Führer aus fast allen Berbänben, vom Stubenien bis zum Arbeiter, von ber Jugendpflege bis zur Jugendbewegung, und man hat sich oft tiefer verstanden, als bas zu erwarten gewesen märe.

Der Zusammenschluß zur „Katholischen Jugenb Deutschlanbs" (K. I. D.) bient nicht organisatorischer Ge­schäftigkeit unb geistlosem Zahlenfanatismus. Die K. I. D. ist keine Mache, sondern ein Entwicklungspro­dukt, das noch vor Jahren unmöglich gewesen wäre. — Nicht irgendeine haltlose Gemcinschaftsduselei, sondern die klare Erkenntnis der Lage und religiöses Verantwor­tungsgefühl Haden bie K. I. D. geschaffen. Sie will weber geistig noch organisatorisch eine „Vertrustung", fonbern Einheit in ber Mannigfaltigkeit. Unverkennbar spiegelt die K. I. D. die Strömungen unb G c cn- ftrömungen i in beutschen Katholizis!.. u s nüber — gelegentlich in jugendlich scharfer Prägung. Aber bie Führer der K. I. D. wissen: wo Leben ist,

Die Binde vor den Augen.

Don Peter Dörfler.

Wir entnehmen die folgende eindringliche Schilderung mit Erlaubnis des Verlages Küsel u. Pustet, München, dem „Weltkrieg im schwä­bischen Himmelreich" von Peter Dörfler. Die­ses .stille, ober starke und gesunde Kriegsbuch gehört nicht zu den Konjunktur-Kriegsbüchern. Hier ist das Kriegserlebnis eines gesunden, ka­tholischen Volksteiles von einem feiner besten Dichter geschildert.

Le"Zenbauers Sohn war in ber großen Vogesen- iAi * Don. einer Franzosenkugel getroffen worben. Sie J/,US am linken Augapfel ein, fuhr durch bas Nasenbein ■ *r ®Qr grausam genug, auch ben Stern bes rechten E itnhES nuszulöfchen. Sepp verlor sofort bas Bewußtsein WSm erwachte in einem Spital, ohne zu wissen, was mit KS” geschehen sei. Er fühlte stechenbe Schmerzen im Ge- tastete um sich unb spürte eine Binbe, die feinen W vo>?E" Kopf umhüllte und nur den Mund und etwas . uer^Nofe sreilnß. Eine Stimme redete ihn an: Kkie e*1 ®'e r"hig; vor Ihnen steht ber Arzt, unb hier ist ^trankenschwefter. Haben Sie einen Wunsch?"

besann sich eine Weile, bann fragte er: „Was 1 'ch denn? Was fehlt mir benn?"

r konnte nicht sehen, wie bie Schwester an seinem mit Angstblick auf ben Arzt schaute unb wie biefer Erbarmen auf feinen Kranken nieber« Er hörte nur, wie ber Arzt sagte: „Sie haben, lieber, . . . Sie haben einen Kopfschutz."

K>-3a, bas merk' ich", sprach ber Solbat; „er muß schon Dräng' haben, weil ihr ihn so eingeschachtelt

K(?ar°uf Zwang sich fein Mund mühsam zu einem Lä- .er Sepp war wohl nie zimperlich gewesen, und

I Nw offenbar auf ein paar Schrammen und Kno°

Kleine Mitteilungen.

wäfchezwang in Jugendherbergen.

Auf Grund eines Beschlusses des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen besteht ab 1. Januar 1930 Wäschezwang im ganzen Reich für alle Jugendherbergen. (£s muß also jeder Herbergsgast entweder eigene Bett­wäsche (Schlaf sack) mitbringen, ober in ber Herberge sieh Wäsche entleihen. In ben Jugcnbherbcrgen werben in ber Regel zwei Wäschestücke ausgegeben, jetzt meist Zwei Laken, bavon bas eine zum Einschlägen der Decken. Diese (selbstverständlich vollkommen sauber gcwaichcnc) Wäsche kostet eine Leihgebühr von 20 Psg. je Stück unb Nacht. Den Herbergsgästen, für bie badurch eine erheb, liehe Verteuerung bes Uebcrnachtungsprcises eintreten mürbe, ist beshalb zu empfehlen, daß sie sich mit eigenen Schlafsäcken ausrüften.

Verantwortlich für „Das Blatt ber Jugenb”: Dr. oec. pubt. Joseph Sauer-Fulba.