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Mittwoch, IS. Mürz 1930

Mr. 65

57. Zahrg

Anschlag der Hindenburg-Kundgebung

Ser deutsch-polnifchevertrag Wlerzelchnel

Wir hoben das Programm der Reichsregierung

ein mit dem

Das deutsch = polnische Wirtschaftsabkommen ist in den Räumen des polnischen Mttnsterpräsidiunis in Warschau vom deutschen Bevollmächtigten, Ge­sandten Rauscher, und dem polnischen Bevollmäch­tigten unterzeichnet worden.

Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Tchrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Aus Warschau wird gemeldet: Der Staats­präsident hat die vom Mmisterpräsidenten Bar:ei im Namen des ganzen Kabinetts überreichte De­mission angenommen. Der Staatspräsident hat gleichzeitig den Ministerpräsidenten Bartel und sämtliche Minister des gegenwärtigen Kabinetts beauftragt, bis zur Bildung der neuen Regierung in ihren Aemtern zu bleiben.

V. D. Z- Berlin, 18. Mürz. (Eig. Meld.) Im Reichstag haben die Regierungsparteien mit Aus­nahme der banerischen Volksvartei den Antrag ein- aebracht, die Kundaebuna des Reichspräsidenten vom 13. März 1930 über die Haager Beschlüsse öffentlich anwtolaaen.

Ein Schritt der Reichsregierung in München.

Die „Germania" teilt mit, daß die Reichsregie- ruug wegen einer Rede des banerischen Minister­präsidenten Dr. Hel d, die dieser am Samstag auf einer Versammlung der Banerischen Volkspartei in München gehalten hat und in der er die Haltung der Reichsregierung zur Frage des Young-Plans mir den schärfsten Ausdrücken kritisierte, den Reichs­kanzler beauftragt hat, m München um die „d rin­gend notwendige Aufklärung" zu er­suchen.

Gegenstand der interfraktionellen Besprechung über die Finanzfragen war, dem „B. T." zufolge, fast ausschließlich die Ar b e itslv senv e r si che- r ii ii g ; die Volkspartei vertrat den Standpunkt, daß der Beitrag von Zi/s Prozent nicht überschritten werden dürfe und der Rest des Defizits durch innere

Die Agrar-Verhandlungen.

B. D. 3. Berlin, 18. März. (Eig. Meld.) Die Agrar-Verhandlungen des Reichsernäh­rungsministers Dietrich mit Vertretern der Re­gierungsparteien wurden am Dienstagvormittag im Reichstage fortgesetzt. '

* Empfangsfeier für Schurmann. In New­port fand zu Ehren des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin, Dr. Jacob Goud Schur­mann. unter dem Vorsitz von Bernard Ridder eine von deutsch-amerikanischen Vereinen und son­stigen Körperschaften Newports veranstaltete große Empfangsfeier mit musikalischer Umrahmung statt. Die Redner, unter ihnen als deutscher Festredner Prof. Dr. Albert B. Faust von der Cornell-Univer­sität, feierten die Verdienste, die sich Dr. Schurmann als Botschafter und Brückenbauer zwilchen Deutsch­land und Amerika erworben bat. Sie sprachen ihm den Dank der D e u t s ch - A m e r i k a n er aus für die hervorragende Förderung des deutsch- amerikanischen Fveundschaftsverhästnisses. Schur- mann antwortete in einer längeren Rede, in bei er den heilsamen Einfluß H i n d e n - burgs schilderte und der Hoffnung auf ^n bal­digen Wiederaufstieg Deutschlands Ausdruck gab.

Sparsamkeit!

' Don besonderer Seite wird uns geschrieben:

Wie oft ist dieses Wort schon ausgesprochen worden. Wie oft hat man von öffentlichen wie privaten Instanzen und Organisationen gehört, ouß nun endlich Schluß gemacht werden soll mit alten Systemen, daß man ZU größtmöglichster Einfach- h:it in der Verwaltung und auch zu größtmöglich­ster Sparsamkeit kommen wolle. Meist blieb es bei den Ankündigungen und Versprechungen.

In den nächsten Tagen wird und kann es sich bereits entscheiden, ob wenigstens bei den Reichs- nnd Staatsbehörden der ernste Wille vorhanden tft, das "Wort von der Sparsamkeit auch in der Praxis durchzuführen. Wir müssen nach der An­nahme des Youngplanes so schnell wie möglich un­sere Reichskasse und damit auch die Finanzen der Länder und Gemeinden in Ordnung bringen. Wir Müssen eine Entlastung ocr Wirtschaft erreichen.

Voraussetzung zur Erreichung dieser Ziele ist aber, daß die öffentliche Hand mit bestem Beispiel vorangcht, daß sie durch ihre Maßnahmen in oen eigenen Betrieben unsere Wirtschaft wieder neu zu beleben versucht und nach Möglichkeiten forscht, nicht um die Arbeitslosen zu unterstützen, sondern um ihnen wieder Arbeit zu geben.

rechte Lösung dieses verwickelten Problemes gefunden habe.

wtb. Breslau, 18. März. (Eig. Meld.). Na ch­dem der Handelsvertrag mit Polen zum Abschluß gekommen ist, hat der im Mai 1927 gegründete deutsch-polnische Wirtschaftsbund mit dem Sitz in Breslau nach Fühlungnahme mit den maß­gebenden Vertretungen feine Umwandlung in eine deutsch-polnische Handelskammer vollzogen. Die handelsgerichtliche Eintragung ist bereits er­folgt. Vorsitzender ist der Präsident der Industrie- und Handelskammer Breslau und Mitglied des Reichswirtschaftsrates Dr. jur. Dr. ing. h. c. Grind. In der in Kürze einzuderuienden Generalv-r- fommluna soll die Ausdehnung des Tätigkeitsbe­reiches der neuen Handelskammer beschlossen wer­den. Der Vorstand wird erweitert insbesondere durch die Vertreter der Spitzenverbände und rch- rende Persönlichkeiten aus dem Reich. Eine Zweigstelle ist inzwischen in Berlin errichtet worden.

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Welt zu verschleiern und damit zu verewigen". Wünscht der Volkswille auch Material zur Haltung seiner Parteiführer gegenüber religiösen Menschen innerhalb der Parteien selbst, so empfehlen wir ihm die aufmerksame Lektüre des Berichts über den Magdeburger Parteitag 1929. Er wird dann sehen, daß z. B. Herr Dr. Breitscheid den Artikel des Volkswillens ehrlicherweise unmöglich gutheißen könnte.

^uien zur Verwaltungsreform. Wir n rtnemUn5 ’n &er nächsten Zukunft diesen kostfpie- Berwaltungsapparat nicht mehr gefallen las- sind die ersten Einsparungen notwendig

-„„.^^llfich. Sonst wird das Vertrauen der 6er= inflrh ‘eit *n ')’e Behörden nicht"wiederkehren, wir , nicht zu einer umfassenden und auf A ^"cht eingestellten 'Sanierung der öffentlichen kommen. Die Regierung hat die Pflicht, in fen h zuerst den ernsten Willen zu bewei- ein'löst 'e if>re gegebenen Versprechungen auch

Der neue Reichsrvehretat.

30 Trillionen für Oslbesestigungen.

Neichsfinanzminister hat nunmehr den ^^Haushaltsplan dem Rerchsrat zugeleitet.

wird m "Demokratische Zeitungsdienst" erfährt, ■Bora’ort zum Haushalt des Reichswehr- d». sU^s ausg^ührt, daß sich die Forderung fährst-.. n-?^^ministers bei der Beratung des vor- rncrmo 'cv 0*5- 65 müsse sich hierbei um eine en: (Fc m„,)tu.55un9 handeln, nicht verwirklichen lasse.

r uicht möglich, die Zuschußsumme von 707

rung ernst zu sein mit ihren Versprechungen. Doch darf man es uns nicht übel nehmen, wenn wir gleichwohl gegenüber dielen Versprechungen uns skeptisch verhalten. Wir müssen erst abwarten, wie z. B. das vom Retchsfinanzminifterium zu­sammen mit dem Reichssparkommissar aufzustel­lende „Sparprogramm", wie schließlich das „Aus­gabengesetz" aussehen werden. Wir gehen nicht so weit, zu verlangen, daß Reformen von heute auf morgen durchzuführen sind. Denn solche Umstellun­gen erfordern auf den verschiedensten Gebieten eine lange Zeit für die Vorbereitung wie auch für die Durchführung.

Worauf es aber ankommt, das ist der ernstliche Wille, zu Taten zu schreiten. Wir sind der Auf­fassung, daß bei den Haushalten aller Ressorts noch sthr viel gespart werden kann, obwohl gerade diele Ressorts immer gegenüber jeder Sparpolitik sich ab­lehnend verhalten. Abstriche sind möglich. Das hat sie Praxis immer gelehrt. Wenn Widerstände ge­gen Sparmaßnahmen vorhanden waren, dann la- gen sie in einem übertriebenen Bürokratismus be« grunoet. Daher nutzt nicht allein der Wille zur Sparsamkeit, sondem er muß gepaart s, Rillen zur Verwaltungsref

wtb. Warschau, 18. März. (Eig. Meld.) Außen­minister Z a l e s k i gab in einem Interview, das er Äurjer Pokski gewährte, seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Unterzeichnung des deutsch-pol­nischen Handelsvertrages noch vor der Annahme der Demission der Regierung durch den Staatsprä­sidenten erfolgt sei. Arif diese- Weise habe er noch vor seinem Rücktritt an einer wichtigen Handlung teilnehmen können, die zur deutsch-polnischen Ent­spannung beitragen müsse. Der Minister stellte im weiteren Verlauf der Unterredung fest, daß sich in dem vorliegenden Vertrage beide Staaten gleich­wertige Zugeständnisse gemacht hätten. Nur ein solcher Vertrag sei real, der die Probezeit be­stehen könne. Wenn ein Vertrag einen Partner allzu sehr bevorzuge, so werde er von kurzer Le­bensdauer fein, da ihm die benachteiligte Seite bei nächster Gelegenheit aufkündige. Die zu überwin­denden Schwierigkeiten ’cien ungeheuer gewesen. Man hätte die Interessen der Industrie und der Landwirtschaft in beiden Ländern miteinander in Einklang bringen müssen. Der Minister betont, daß man hier seiner Auffassung nach eine g e -

ftorbenen hat einäschern lassen und sich deswegen von katholischer Seite den Vorwurf des Wmt- bruchs zugezogen hat? Was aber die angebliche Neutralität der Sozialdemokratischen Partei in re­ligiösen Dingen angeht, so scheint der VolkswiUe auf eine geradezu unglaublich unwissende Leser­schaft zu spekulieren. Es ließen sich Bände füllen mit beweiskräftigen Zitaten, die das Gegenteil der vom Volkswillen so entrüstet vorgetragenen Mei­nung bartun. Einige Beispiele aus der letzten Zeit: in dem Weihnachtsartikel des Sozialdemokrati­schen Pressedienstes, der doch wohl einwandfrei die Meinung der Partei roiebergibt, wird der Versuch gemacht, das Weihnachtsfest seines christlichen Cha­rakters zu entkleiden. Die Sozialdemokraten be­dürfen, so heißt es darin, keiner durch Sündenfall erworbenen Ehrenknechtschaft, keiner Hörigkeit. Und der Abgeordnete Sollmann, der so gern ferne religiöse Neutralität betont, schrieb im „Abend", der Spätausgabe des „Vorwärts": „Die Welterlösung durch das Christentum ist ausgeblieben . . . das Christentum wurde idealistisch gepredigt, und die Christen haben materialistisch gehandelt". Und schließlich hat im „Vorwärts" Erich Suttner die so­zialistische Weihnacht ebenfalls in einer besonderen Art gefeiert. Das Wissen um den Klassenkampf verleide uns die sacharinsüße Oeligkeit, die uns so unsystematisch und unecht aus den Kanzelpredigten vieler Geistlicher entgegentrete. „Wir verlachen dieses frömmelnde Liel :gesäusel, weil es dazu die­nen soll, die Fehler und Ungerechtigkeiten dieser

Die Sozialdemokraten hielten sich gegenüber diesen Vorschlägen sehr zurück. Die Volkspartei will formulierte Vorschläge in dem erwähnten Sinne unterbreiten.

Millionen Rm. des Jahres 1928 wieder zuzubil­ligen. Der Gcsamtzufchuß für 1930 kann nur auf 700 Millionen Rm. bemessen werden. Das bedeu­tet für das Reichswehrministerium die Notwendig­keit, 35 Millionen Rm. einzusparen. Bemerkens­wert ist, daß der Haushalt des Neichswehrministe- riums die Vorbemerkung enthält: „Die Reichsre­gierung hält hiernach weitere Abstriche nicht für möglich." Für Maßnahmen zur Verbesserung der Landesbefestigungen werden insgesamt 30 Millio­nen Rm. angefordert. Der angesetzte Betrag von 2,25 Millionen Rm. ist nur ein erster Teilbetrag. In der Erläuterung für diese Summe heißt es: Die geänderte Grenzführung des Reiches im Osten erfordert im Anschluß an die vorhandenen Befesti­gungsanlagen besondere Maßnahmen, die nach Ab­schluß der auf Grund der Pariser Abmachungen vom Januar 1927 eingeleiteten Ermittlungen nun­mehr in Angriff genommen werden müssen. Ir­gendwelche Bemerkungen über das Panzerschiff V „Ersatz Lothringen" finden sich im Etat der Reichs - marine nicht.

Noch keinen Schritt vorwärts.

V.D.Z. Berlin, 18. März. (Eig. Meld.) Die Besprechungen der Finanz-Sachverständigen der Parteien sind, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. erfährt, bisher noch um keinen Schritt vorwärts gekommen. Man kann auch vor dem Partei­tag der Deutschen Volkspartei keine sachliche Klärung mehr erwarten . Am Dienstag Nach­mittag wist Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer mit den Finarn'achverständigen lediglich die Frage erörtern, wie *.e erste Lesung der Steuer- uno Zollvorlagen am morgigen Mittwoch vor sich gehen soll, ob man morgen damit fertig werden kann oder ob noch der Donnerstag für die Debatte in Anspruch genommen werden muß.

würde oft durch das, was ihm in diesem Blatt vor­gesetzt wird, erstaunt sein.

Immermehr wird hier der Versuch gemacht als ob der Verschmelzungsprozeß des Deutschtums mit dem eingewanderten Italienertum in vollstem Gange wäre. Man muß aus der Lektüre dieses Blattes den Cndruck gewinnen, als ob einerseits die Italiener die entgegenkommensten, menschenfreund­lichsten Herren des Landes: die Deutschen wiederum die begeistertsten Freunde des neuen Systems wä­ren Das ließe sich an zahllosen Beispielen bewei­sen.

Es gibt keinen Anlaß, bei dem nicht gleichsam ein Verbrüderungsfest gehalten würde. Bald gilt I es die Einweihung einer Schule, bald eine Glocken-

ihre Entgegnung so naiv, um einen liebenswürdi­gen Ausdruck zu gebrauchen, ausfallen würde, wie es in einem Artikel des Münsterischen Vollswillcns vom 10 März der Fall ist, hatten wir doch nicht erwartet Der Volkswillen wirft uns schäbige po- litstche Kampfesweise vor, weil wir unfern Artikel geschrieben hätten, obwohl wir wissen müßten, daß die große Mehrheit der Mitglieder der SPD. den christlichen Bekenntnissen angehöre und etwa ein Drittel der sozialdemokratischen Wähler katholi'ch sei. Im übrigen bekämpfen die Freidenker die An­schauungen und Einrichtungen der bestehenden Kon­fessionen, die SPD. werde sich aber niemals da hin­ein mischen. Auch fei die Feuerbestattung eine Angelegenheit, zu der auch Katholiken ständen. So habe sich z. B. die katholisckfe Fürstin Bülow feuer» | bestatten lassen.

Um mit betrt Letzten anzufangen: weiß der [ Volkswille nicht, daß Fürst Bülow die Leiche feiner I Gattin aegen den: ausdrücklichen Willen der Ver-

Das österreichisch-italrenische Sonderabkommen hatte gewisse Hoffnungen geweckt, als ob nunmehr die scharfen Entnationalisierungsmethoden des Fa­schismus in Südtirol ein Ende nehmen würden. Gewiß find einzelne Verordnungen zurückgezogen worden, cs ist auch eine Amnestie gefolgt. Das alles bedeutet aber noch keineswegs ein Entgegen­kommen an die äußersten Existenzwünsche des Deutschtums. Es war einfach ein Gebot der Not­wendigkeit, der sich auch der italienische Faschismus beugen mußte.

Recht bezeichnend dagegen ist die Haltung der „Alpen-Zeitung" in den letzten Monaten. Sie ist bekanntlich das einzige deutschsprachige Tageblatt Südtirols, das aber von Faschisten geleitet wird. Die dreimal wöchentliche deutsche „Dolomiten" muß sich mit dem Referieren der Tagesereignisse ohne geringste kritische Stellungnahme begnügen. Die „Alpen-Zeitung" nun, die unter Giarratana b s vor einem Jahr mit recht gehässigen und scharf­macherischen Tönen gegen das Deutschtum und ge­gen deutsche Wünsche einschlug, hat sich seit einiger Zeit in ihrer Tonart auffällig gewandelt. Aller­dings wird kein Deutscher die Meinung dieser Zei­tung mißverstehen. Es handelt sich keineswegs um einen Gesinnungswandel, noch viel weniger um eine System-Aenderung. Vielmehr wird hier — allerdings zumeist mit untauglichen Mitteln — ein neuer Kurs der Entnationalisierungstaktik versucht.

Es ist gut, wenn man in Deutschland darüber den Blick offen behält, denn der ahnungslose Deutsche, dem etwa aus der Reise durch Südtirol die „Alpenzeitung" in die Hand fallen könnte,

V. D. Z. Berlin. 18. März. (Eia. Meld.) Die Agrarverhandlungen der Parteiführer im Reichs­tag hoben auch am Dienstagvormittag noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Der Gedanke ei­ne r Generalermächtigung für Die Re­gierung ist, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. hört, bereits in den Besprechungen am Montag- Abend endgültig fallen gelassen wor­den. Infolgedessen wurde heute über die einzel­nen Teile des Agrar-Programms sachlich weiter verhandelt. Die Hauptschwierigkeiten bilden nach wie vor die Wünsche der Grünen Front auf Erhöhung der Weizenzölle. Der Vorschlag, die Regierung zu ermächtigen, die Wei­zenzölle je nach der SJiarttlage sestzusetzen, und Zwar ohne Bindung an einen Höchstzollsatz, begeg­net dem stärksten Widcstand der Sozialdemokra­ten, obwohl ein Weizenhöchstpreis von 26.00 Mk. für den Doppelzentner nicht überschritten werden soll. Umstritten sind auch die Futtermittel­zölle, namentlich der Gerstenzoll. Eine Annähe­rung ist dagegen in her Frage des sogenannten Mais Monopols erreicht worden. In parla­mentarischen Kreisen verlautet ebenfalls, daß man mit der Einbringung eines Initiativantrages rech­nen könne, der eine Zentralisierung der Mais-Einfuhr vorsieht. Allerdings würde dieser Antrag wahrscheinlich nicht die Unterschrift und die Zustimmung der Deutschen Dolkspartei und eines Teiles der Demokraten finden. Eine weitge­hende Annäherung ist ferner in den weniger wich­tigen Fragen des Ma i s-, Z ucker- und Mehl­zolles erreicht worden. In diesen Fragen rech­net man sogar mit gemeinsamen Initiativanträgen aller Regierungsparteien. Die Verhandlungen der Agrar-Sachverständigen der Parteien wurden rackmittaas frrlaafeüt.

Das Deutschtum Südtirols

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter:

. weihe, dann wieder ein Volksfest, oder auch es ' wird irgendein industrielles Unternehmen eröffnet, eine Berufs- oder eine landwirtschaftliche Tagung gehalten, oder man feiert auch Königs Geburtstag oder ein kirchliches Fest, es ist immer dasselbe Bild. Da wird mit schwungvollen Worten berich­tet, wie sie alle kamen, herbeiströmten aus den fer­nen und fernsten Höhen und Tälern. Aber etwa- verdächtig muß es den kritischen Leser stimmen, wenn dabei niemals die Angabe fehlt, daß d«e Spitzen der militärischen und polizeilichen Behör­den zugegen wären, natürlich immer in Gala, die faschistischen Korporationen, nicht zu vergessen die so wichtigen Finanzbehörden, die Orts- und Pro­vinzialbehörden und dergleichen mehr.

Ueberblicft man einen größeren Zeitraum, so wird man den Eindruck nicht los, daß es in Süd­tirol zahllose Persönlichkeiten in mittleren, höheren und höchsten Aemtern — Herren und Damen — geben muß, die eigentlich dauernd auf der Reise von einer Veranstaltung zur anderen, von einer Beweihräucherung zur anderen sind. Das mag in dem besonderen italienischen Temperament begrün­det sein, aber doch nur teilweise. Denn was für Rom, dem man in Bozen und Metan anscheinend nacheifern will, gut und interessant sein mag, ist es noch lange nicht für dieies äußerst national emo- findende Gebiet im Norden des Reiches. Man wttd darob den Eindruck nicht los, daß das Ganze krampfhaft forciert ist. Es soll um jeden Pre's etroas auf die Beine gestellt werden, und da es an wirklichen Früchten der italienischen Assimilie- rungs-Politik glücklicherweise trotz härtesten Schul­zwanges immer noch fehlt, so müssen eben Statisten herhalten und Kulissen vorgeschoben werden. Es gehört zur Eigenart des fonft so selbstbewußten und so ehrlich sein wollenden Faschismus, daß er sich damit sehr oft begnügt. Das ist aber nicht nur in Südtirol der Fall. Jeder Italienreisende kann dasselbe in jedem Punkte des langgestreckten Rei­ches erleben, nicht zuletzt auch in Rom.

Gerade diese Seite Oer Entdeutschungs - Polstik des Faschismus in Südtirol muß aber von uns mV besonderer Aufmerksamkeit betrachtet werden. Wtz. haben die Gefahren nur angedeutet. Unsere Pflicht wird es bleiben, diese Dinge mit Interesse und der gleichen nüchternen Sachlichkeit wie bisher zu oer- foloen.

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.

Naivität oder —?

Be’bunh kürzlich in einem Artikel auf die ^bundenhelt der Sozialdemokratischen hinaemJf m < der Freidenkerbewegung daß hi» ; und dabei auch zum Ausdruck gebrach:, lichkeit m Reichsoerfassung vorgesehene Möw die (M%frfSrIe^UrnJ br Körperschaftsrechte an Pilcqe eme? M stch die gemeinschaftliche unseres Weltanschauung zur Aufgabe machen, für itroisJw» !ns 3U Unrecht von dem Verband spruck crtum nnd Feuerbestattung in 21 n daß iUn-n4%nm-ert airb- Wir sind der Meinung. geHärt wissenschaftlich — begrifflich

eine "uißte, ob das Freidenkertum als

funq nnh im Sinne der Reichsvecsas-

®ehan'"rf.m^ ,eme Agitation als die Pflege einer MeÄS0 angesehen werden kann. Daß diese te» e ^*9 den Sozialdemokraten nickt pas-

Le 'nutzten mir voraussehen. Daß freilich