NILS
16. März
Beilage zur Auldaer Zeitung
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Park im März.
Auf getauten Wegen glänzt der Sonnenstrahl. Stegen und Bewegen zeigt sich überall: Sonntäglich gekleidet seh' ich Leute gehn, Froh und ungeneidet an den Wegen stehn.
Schon dringt Dogelsingen aus dem Wipfeldach. Erste Knospen springen an dem schnellen Bach. Auf dem stillen Weiher schwand des Eises Grau. In der Flut glänzt freier Himmelssonnenblau. Große Beete liegen braun und frisch bereit. Erste Bienen fliegen, und der Blick ist weit. Goldne Fische baden vor dem klaren Quell, Und die Balustraden stehn bewußt und hell.
Wie der Bäume Schatten froh und wechselbunt, lieber grüne Matten fallen in den Grund! Schade, daß im Kasten noch die Flora steckt. Wird sie aus dem Rasten nicht bald aufgeweckt?
Günther Willms.
Legende vom Heidekraut.
Zum Volkskrauerkag am 16. 2När;
Von Therese W e z o s.
: ... Und als die Väter das Schwert in die Scheide steckten, da sie den Feind nicht bewältigen konnten, gingen die Jünglinge in den Kampf. Wie ein Sturm warfen sie sich auf des Feindes mächtige Heere. Doch ehe sie die feindlichen Linien durchbrachen, waren sie von den Minen und Granaten zerrissen.
Das Weinen der Frauen drang laut durch die verängstigten Lande; denn nun vermochten die Mütter nicht einmal die Knaben zu halten. Je schlimmer die Nachrichten vom Kriegsschauplätze waren, um so mehr von ihnen eilten, mit armseligen Gewehren bewaffnet, in die Wälder, den Spuren ihrer gefallenen Brüder folgend. Bis auch ihre Zahl zusammenschmolz. Die Geschütze donnerten und überfluteten den Kriegsschauplatz mit Blut. Schließlich begann Friedhofsstille über dem Lande zu lagern, und nur verweinte, in Trauer gehüllte Mütter und Schwestern, Witwen und Waisen, schritten durch die Straßen, durch die Lande, und manche von ihnen wankten mit irren Augen auf den Schlachtfeldern.
In einer Nacht schritt über die Wiesen am Waldessaum eine graugewordene Mutter. Des Mondes silberne sichel hatte bereits den halben Himmelsweg zurückgelegt, und sie, die Aermste, suchte etwas ohne Ende, bückte sich ein über dos andere Mal zu dem Heidekraut hinab, das hier in Hülle und Fülle vorhanden war. Plötzlich stieß sie auf eine weißgekleidete Frau, die an sie herantrat und fragte, was sie suche.
,^ch suche Blut", sagte die Frau in Schwarz, „das Blut meiner Söhne."
‘ „Wie denn — im Dunkeln?"
• „Hättest du je Kinder gehabt, dann brauchte man es dir nicht zu sagen, daß eine Mutter kein Licht nötig hat, um die Spuren ihrer Kinder zu finden und die Blutstropfen der Söhne selbst in dunkler Nacht wie zerstreute Rubinen zu sammeln."
„Du sprichst, als hättest du Liebe im Herzen . . ." ■ „Siehst du denn nicht, wieviel Muttertrönen perlen- gleich über dieses blutgetränkte Heidekraut verstreut liegen?"
| Wieder bückte sich die Frau in Schwarz über die Diese am Waldessaum. Aber jene Frau in Weiß entfernte sich noch nicht, sondern fragte nach einer Weile wiederum:
„Und wozu brauchst du jenes Blut?"
[ „Wozu?! Ich will mich damit ganz bedecken und so als ein Zeichen roten Blutes meinen Landsleuten überall und ewig vor Augen stehen, sie wie ein Gespenst in der Nacht schrecken, bis das Blut meiner Söhne in ihnen den Rachedurst weckt."
! „Du begehrst so sehr die Rache und sprachst, als hättest Du die Liebe im Herzen . . ."
| „Eben aus großer Liebe wünsche ich Rache." „Aus dir spricht das der Mutter zugefügte Leid. 'Aber was tätest du anderes, indem du zu blutiger Rache rufst,
Das Gift.
Roman von William Le Queux.
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Inhalt des bisher abgedruckten Romanabschnitle».
Den Ausgangspunkt der Handlung bildet ein merkwürdiger Vorfall, der einem jungen englischen Ingenieur namens Garfield im Haufe des Londoner Millionärs Oswald de Gex begeg- net. Während er sich mit dem Hausherrn unterhält, ertönt plötzlich ein Schrei aus dem Nebenzimmer. Oswald de Ger, der sofort hinausstürzt, kommt mit der Nachricht zurück, daß soeben seine Nichte Gabriele Engledue einem Herz- 'chlag erlegen fei. Garfield läßt sich bewegen, einen Totenschein über Gabriele zu unterschreiben. Kurz darauf schwinden ihm die Sinne. Einige Wochen später findet er sich in einem Hospital tn Frankreich wieder. Erst ganz langsam kehrt die Erinnerung an das Geschehene zurück, das er nun mit allen Mitteln oufzuklären sucht. Er folgt de Gex nach Florenz und fordert von ihm Rechen- ichaft. Doch dieser will von nichts wissen und weist ihn ab. Zufällig begegnet er einige Tage IPuter einer Dame, die der totgeglaubten Gabriele Engledue aufs Haar gleicht. Ihr Begleiter ist ei» gewisser Arzt mit Namen Moroni, der auch in Beziehungen zu Oswald de Gex steht. Bald wird es Garfield zur Gewißheit, daß es Nch um die Totgeglaubte handelt. Nach ihrer Rückkehr nach London sucht er sie dort auf. Bei dieser Gelegenheit erfährt er Näheres über dos seltsame Ereignis, das der jungen Dame — sie nennt sich Gabriele Tennison — zugestoßen m Seitdem hat sie ihr Gedächtnis vollkommen verloren Das Datum des rätselhaften Gescheh- njlfes stimmt mit dem merkwürdigen Erlebnis Garfields genau überein. Eine gewiße Rolle m der seltsamen Angelegenheit scheint ein fron- zosischer Bankbeamter namens Suzor zu spielen. Garfield folgt ihm. begleitet von seinem Freund Harry H a m b l e d on. bei einer Reise nach Paris und von dort nach Madrid. Während fehles Aufenthaltes in Madrid macht Garfield eines Nachts in seinem Hotelzimmer eine seltsame Entdeckuna. aus der benoraeht daß man einen
als dieses: du rufst unsere Brüder auf, anderen Müttern den grausamen Schmerz zuzufügen?"
Es verstummte die Frau in Schwarz, aber nach einer Weile fuhr sie plötzlich stolz auf und rief laut der Frau in Weiß zu:
„Du hast leicht reden, die du selbst keine Söhne verlorst."
„Auch mir töteten sie einen Sohn", flüsterte jene leise.
Da lachte die Trauernde höhnisch: „Einen Sohn — — sie töteten dir einen Sohn! Kannst du denn überhaupt meinen Schmerz begreifen? Höre, ich besaß drei Söhne und verlor hier alle drei an einem Tage. Hörst du? Alle drei zogen in den Kampf und alle drei fielen hier. Wie soll ich nicht zur Rache rufen, da sie meine unschuldigen Kinder töteten! Du weiht nicht, was für Söhne ich besaß. Du hast es also leichter, Ruhe zu bewahren, da du nur einen Sohn verlorst . . ."
„Aber m e in Sohn war Got t."
Als diese Worte auf dem verlassenen Schlachtfelde fielen, erstarrte die Frau vor Schreck. Aber die Mutter Gottes streckte ihr die Hände entgegen, schmiegte sie an ihre Brust, die schmerzzerwühlte Mutter der gefallenen Söhne. Und als sie die in Tränen Aufgelöste beruhigt hatte, sprach sie:
„Das Blut deiner Söhne hat das Heidekraut längst aufgesogen. Aber der Mutter Tränen, die in diesem Augenblick auf es herabfielen, blieben an seinen Blüten hängen.
Jahr für Jahr werden die Lichtungen auf den einstigen Schlachtfeldern aufblühen, und die Menschen werden das Heidekraut hier abreißen und als etwas Wertvolles und Teures nach Hause mitnehmen. . .
Bis die Zeit kommen wird ,wo das Heidekraut kein auf den Schlachtfeldern vergossenes Bruderblut mehr finden wird. Dann werden die Menschen, wenn sie es nach Hause bringen, jene Tränen erblicken, die aus der Mütter schmerzzerwühlten Herzen geflossen, an dem Heidekraut hängen blieben: die Tränen des Verzeihens.
Und die Menschen werden auf den im Herbst gepflügten Feldern neue Saat sähen, die Saat der Liebe, aus der niemals das Unkraut des Hasses oder die flammende Mohnblüte der Rache aufsprießen wird."
(Deutsch von Leo Koszella.)
Trachk und Mode.
wann und wie entstand die Mode?
Die Mode, viel geschmäht und gelästert, eine unbarmherzige Tyrannin, eine Verführerin und Verschwenderin, und doch auch ein Mittel, in das Einerlei des Lebens ein wenig Farbe, Freude und Abwechselung zu bringen — wir können uns heute kaum noch denken, daß auch sie etwas durchaus Zeitbedingtes ist und daß es auch ganz gut ohne sie geht, jedenfalls in früheren Zeiten gegangen ist. Der ewig-weibliche (und auch männliche) Trieb, sich schön zu machen, kann auch in bescheideneren Grenzen zu seinem Recht kommen, es braucht deshalb nicht Jahr für Jahr ein Wechsel in der Kleidung einzutreten, — so lehrt uns der Hinblick auf frühere Zeiten. Bei den Naturvölkern gibt es nur eine Tracht, keine Mode. Eine durch jahrhundertelange Ueberlieferung gewissermaßen geheiligte Tracht herrscht unbedingt, und nur innerhalb ihrer oder in Nebensächlichem können sich Putzsucht und Schönheitssinn auswirken. Auch unsere Volkstrachten blicken ja auf ein Aller von Jahrhunderten zurück.
Aber auch die Kulturvölker kannten früher keine Mode. Weder in Griechenland noch in Rom unterlag die Kleidung wesentlichen kurzfristigen Aenderungen. Die ersten Ansätze zu einer Mode entstanden im Mittel- alter, und zwar durch oder wenigstens zur Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge sind ja, allgemein gesehen, dasjenige Ereignis, das die bis dahin festgefügte abendländische Kultur zuerst erschütterte, den Gesichtskreis weitete, Unruhe und Neuerungen in das mittelalterliche Kulturbild hineinkrug. Mit den Kreuzzügen beginnt die Eroberung der Welt durch das Abendland, beginnt aber andererseits auch die Einflußnahme der Welt auf das Abendland. Die bunte und malerische Tracht des Orients, vor allem auch die im Abendland unbekannten farbenprächtigen edlen Stoffe, Tuch, Samt
und Seide, die die Kreuzfahrer sahen, und die sie in ihre Heimat brachten, übten ihre Wirkung auf die Frauenwelt aus, und es erfolgte der erste Einbruch in die herrschende Volks- und Ständetracht. Die vornehmen Stände begannen zuerst, einem Kleiderluxus zu stöhnen, das reich werdende Bürgertum strebte ihnen nach, und bald kam es dahin, daß man die Kleidertracht behördlich regeln mußte, um Auswüchse zu verhüten. Und zwar wurde auch die Männerwelt von dem „M obete u f e I" — so drückte man sich damals aus — ergriffen. Die weiten Pluderhosen, die kostbaren Wämse, die vielen Borten und Schnüre, das alles geht auf orientalischen Einfluß zurück. Ein öfterer Wechsel der Tracht geschah allerdings noch nicht.
Ein weiterer Schritt wurde dann durch die Entdeckungen des 16. Jahrhunderts gemacht. Die Weltreisen brachten Einflüsse des fernen Ostens, Chinas, Japans, Indiens nach Europa, und dazu trat das von der Renaissance-Bewegung ausgehende Luxusbedürfnis. Wenn bis dahin trotz des Kleiderluxus von einer schnell wechselnden Mode nicht gesprochen werden kann, so bildeten nunmehr die Höfe jener Zeit, besonders Frankreichs, die ersten Modezentren aus. Nun konnte Friedrich von Logau feinen Spruch mit der Überschrift „Ala- mode-Zeitalter" prägen:
Alamode-Kleider, Mamode-Sinnen,
Wie sichs wandelt außen, wandelt sichs auch innen.
Allerdings wurde diese Modebewegung durch den Rückschlag, den die Renaissance von feiten des Bürger-
tums erfuhr, rückläufig gemacht. Das solide Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts, zu dem sich mehr und mehr das Schwergewicht verschob, kannte eine Mode nur in bescheidenen Grenzen und solider Maßhollung. Zu der Zeit, als „der Großvater die Großmutter nahm", war ein Kleid noch ein Stück fürs Leben, ein Frack begleitete feinen Eigentümer von der Hochzeit dis zum Sarge, und ein Dichter wie Beranger konnte feinen Rock noch als treuen Gefährten auf seinem ganzen Lebensweg besingen. Selbst Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Mode noch einen sehr langsamen Rhythmus. Zu ihrer saisonmäßigen Bedingtheit und dem dadurch heroorgerusenen unablässigen Wechsel gelangte sie erst mit der Erfindung all der vielen Ersatz- und Kunststoffe, die verhältnismäßig billig, entsprechend weniger haltbar, aber großartig in der Wirkung waren. Besonders die Kunstseide hat da ganz wesentlich mitgewirkt. Genau so wie wir heute nach dem Auskommen des unechten Schmuckes eine schnell wechselnde Mode in dem ehemals so beständigen Petriosengeschmack erleben, hat die Herstellung minderwertiger und dennoch gefälliger und wirksamer Gewebe den Modewechsel hervorgerufen. Man mag es bedauern und beklagen: wir sind Kinder einer kurzlebigen, auf den Augenblick eingestellten, Flitter und Effekt suchenden Zeit:
Alamode-Kleider, Alamode-Sinnen,
Wie sichs wandelt außen, wandelt sichs auch innen Rö,
Gesang der Sphären?
Dom„2llftavioleff* des Ohres.—„Tastversuche";« derWett des Schalles Das Orchester der Taubstummen.— Franklins Glasharmomka.
Die Welt des Lichtes hat schon seit langem ihre Grenzen weit über das menschliche Auge hinaus erweitert. Wir wissen, daß es Strahlen gibt, die wir nicht sehen, die Farben des Regenbogens sind für uns nur noch ein Abschnitt innerhalb der Skala der Lichterscheinungen, Ultrarot und Ultraviolett sind uns geläufige Begriffe. Anders in der Welt des Schalles. Da find wir noch im Hören befangen, das Ohr erscheint uns noch als dasjenige Organ, das diese Welt des Schalles ganz umschließt. Und doch bahnen sich auch hier nun schon neue Erkenntnisse aif, die uns ein „Ultrarot" und „Ultraviolett" auch für das Ohr als möglich erscheinen lasten.
Vor einiger Zeit kam die Nachricht, daß es einem englischen Physiker gelungen sein soll, einen Apparat zu konstruieren, der das Hören mit den Zähnen ermöglichte. Man hat seitdem nichts mehr davon gehört, aber es ist dies eine Arbeit auf einem Gebiet, das schon feit geraumer Zeit Aufmerksamkeit beansprucht. Wir haben genug Hinweise dafür, daß auch bei gänzlich Ertaubten die Wahrnehmungsfähigkeit für Schallwellen nicht völlig fehlt. Oft schon hat man sich die Frage vorgelegt. wie es möglich war, daß Beethoven gerade nach seiner Ertaubung seine großartigsten Werke schrieb. Helen Keller, die taubstumme und blinde amerikanische Schriftstellerin, erklärt in ihrem Werk „Geschichte meines Lebens", daß sie das Toben des Niagarafalles bis zu einem gewissen Grade empfinden könne, und sagt, sie erfasse manche Tonwellen mittels der Hände und der Füße. Auch von anderen Taubstummen liegen ähnliche Aeußerungen vor, so von dem Schweizer Sutermeister, der Konzerte be- fucht und angibt, er spüre die Tonwellen in all ihren Akkorden und Klangabstufungen auf ihn zuströmen, sein Körper sei wie ein hohles Metallgefäß, an das in rhythmischer Weise und in verschiedener Stärke geschlagen werde. Und in Amerika gibt es in einer Taubstummenanstalt eine Musikkapelle, die innerhalb der Anstalt und auch außerhalb öffentliche Konzerte gibt Nicht den Klang der Instrumente empfinden die Taubstummen natürlich, sie empfinden nur die Tonstärke und den Rhythmus. Die Schallwellen strömen zu ihnen hin und treffen auf Organe, die weiterleiten; sie hören also nicht, sie ertasten sie empfinden. In der Natur der Sache liegt es, daß vornehmlich die starken Schallwellen der Blasmusik, der
Orgel, des Klaviers, empfunden werden, weniger dagegen die zarten hohen Geigentöne
Auch bei hörenden Wesen lassen sich Wirkungen der Schallwellen feststellen, die außerhalb des Gehörs liegen. Die Schallwellen üben wie alle Wellen, einen Druck aus. Solche mit der Schwingungszahl 300 000 bewirken einen Druck wie 3 Gramm auf 1 Quadratzentimeter. Dieser Druck genügt, um kleine Lebewesen zu töten. Man hat das Experiment mit Fischen gemacht. Wasser leitet bekanntlich die Schallwellen gut; sie nehmen im Wasser auch an Geschwindigkeit zu. Man hat nun Schallwellen von der genannten Frequenz auf Wasser übertragen und dadurch kleine Fische und Frosche getötet. Für unser Gehör kommen Schallwellen von so hoher Sckwingungs- zahl nicht in Frage; denn als Scholl empfinden wir nur solche von 1615 bis 16 5000 Schwingungen. Sie find jedoch vorhanden. Sie begleiten als sogenannte Obertöne die Schallwellen bei manchen Instrumenten, besonders bei Geigen. Durch gewisse Geigentöne kann man mitunter Glas zum Zerspringen bringen, — ein Experiment, das von manchen Artisten gemacht worden ist. Auch Glas selber kann zu hohen Schwingungszahlen kommen. Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, fall eine Glasharmonika besessen haben, die aus abgestimmten Gläsern besonderer Art bestand und beim Bestreichen mittels eines feuchten Fingers sehr zarte, wesenlos-un- irdische, aber für den Menschen nahezu unerträgliche, förmlich ins Ohr schneidende Tone von sich gab. Noch höher als beim Glas scheinen die Schwingungen bei manchen Kristallen zu sein, die sich mit Hilfe der Elektrizität erzeugen lassen und die zwar von dem menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden, nichtsdestoweniger aber eine Wirkung auch auf den Menschen ausüben sollen und u. a. Brandwunden erzeugen. Die amerikanischen Physiker Loomis und Wood haben sich der Erforschung der Schallwellen mit hohen Schwingungszahlen besonders gewidmet.
Welch zerrüttende Wirkung Schallwellen von hoher Frequenz auf uns ausüben können, kann übrigens ein jeder an sich selber wahrnehmen, nämlich an Fällen, wo die 16500-Grenze erreicht wird. Ein starkes Kreischen, ein quiekendes Geräusch, ein schneidender Ton, bringen uns, wie wir sagen, „durch Mark und Bein", wir halten
Anschlag auf fein Leben versucht hat. Ein gewisser Rodriguez, einer der gefährlichsten Verbrecher hat seine Hand dabei im Spiele. Man hatte vergiftete Reißnagel vor fein Bett gelegt. Nach dem Gutachten eines berühmten Forschers hatte man ein Gift verwendet, das, wenn es nicht sofort tötete, dieselben Wirkungen zeigte, die Garfield an sich selbst und an Gabriele Engledue beobachtet hatte. De Gex mußte also gemerkt haben, daß er überwacht wurde. Er hatte den Verbrecher gedungen, um Garfield zu beseitigen. Der junge Ingenieur blieb trotzdem ht Madrid beauftragte aber einen Privatdektektiv mit der lieber- wachung des reichen Verbrechers. Eines Tages gibt Suzor ein Telegramm an ehren gewissen Charles Stabet in Montauban (Südfrankreich) auf. Garfield, der in dem Addrefssaten den flüchtigen Verbrecher wittert, setzte sich sofort mit dem Madrider Polizeidirektor in Verbindung und reift am nächsten Tage mit einem ihm mitgegebenen Detektiven nach Montauban, um dort wettere Nachforschungen anzustellen.
Dort herrschte ein großes Gedränge, denn eben war der Expreßzug aus Bordeaux angekömrnen.
Plötzlich faßte mich Sensr Rivero am Arm und flüsterte mir zu:
„Sehen Sie dort drüben das Mädchen in dem dunkelblauen Kleid? Das ist Mademoiselle Jacquelot! Sie darf mich nicht sehen. Wahrscheinlich ist sie hier, um ihm mitzuteilen, daß sich ein Fremder nach ihm erkundigt hat."
Ich blickte in die angegebene Richtung und sah ein schlankes, hübsches Mädchen, das auf uns zu schlenderte „Rasch", rief mein Freund, „kommen Sie!"
Im nächsten Augenblick waren wir m den Kaffee- raum zurückgeschlüpft.
„Denn sie mich sieht, würde sie Verdacht schöpfen — wenn sie nicht es ohnehin schon getan hat," erklärte mein Gefährte. „Aus dem Umstand, daß sie hier auf dem Bahnhof ist, ergibt sich die Frage, ob sie wirklich fo unschuldig ist. wie sie tut."
„Wenn sie Verdacht geschöpft hat, dann ist sie schlauer als Sie angenommen haben", bemerkte ich.
„Allerdings. Doch nun ist es besser, wenn wir uns
trennen — gehen Sie tmeber auf den Bahnsteig hin
aus, Sie kennt sie ja nicht. Verbergen Sie sich irgendwo und beobachten Sie das Paar, ich will mich beim Ausgang aufhalten."
In diesem Augenblick begann es zu klingeln, und man horte das Schnauben der Lokomotive, die eben in die Halle einfuhr.
Ich schlüpfte wieder auf den Bahnsteig hinaus und stellte mich dort fo auf, daß ich nicht leicht gefeheu werden konnte. Als der Zug einfuhr, drehte ich den Kopf weg. Gespannt drehte ich mich dann wieder um.
Das Mädchen in dem blauen Kleid ging suchend den Zug entlang, bis sie plötzlich einen Herrn in dunklem Ueberzieher und mit dunkelgrünem Hut erspähte, der eben ausgestiegen war und einen kleinen Lederkoffer in der Hand trug. Er hatte ein rundes, volles Gesicht und einen kleinen Schnurrbart.
Ich war enttäuscht — der Mann war mir fremd Es war nicht der Fremde, den ich in meinem Schlafzimmer in Madrid überrascht hatte, greubig begrüßte er das Mädchen, doch sie mußte ihm etwas Wichtiges mitgeteilt haben, denn feine Miene wurde plötzlich ernst.
Rasch richtete er einige Fragen an sie, bann blieb er stehen und sah auf feine Uhr.
Würde der Mann bei dem Ausgang hinausgehen, bei dem Rivero wartete? Der Detektiv kannte Desju- pol durch die Bilder und war auch dabei gewesen, als er vor einigen Jahren verurteilt worden war.
Der Mann zögerte einige Augenblicke, dann ging er auf einen Bahnbediensteten zu und fragte diesen etwas Der Eisenbahner rotes auf einen Zug, der auf einem anderen Bahnsteig stand.
Hatten ihn die Worte des Mädchens beunruhigt? Es hatte so den Anschein; denn statt sich zum Ausgang zu wenden, trat er zur Kaste und löste eine neue Fahrkarte.
Im nächsten Augenblick stürzte ich zum Ausgang und klärte den dort wartenden Detektiv über die Absichten des Mannes auf.
Zu meinem Erstaunen zeigte sich Tenor Rivero nicht hn mindesten überrascht.
„Ich habe schon auf Sie gewartet", sagte er. „Der
Man«, den Sie beobachtet haben, ist gar nicht Sespu-
jol. Der richtige Despujo! ist vor wenigen Minuten hier herausgekommen und fuhr mit einem Wagen zu feiner Wohnung in der Rue de Lalande.
„Sie haben ihn also gesehen?" rief ich erstaunt aus.
„Icy der Mann war zweifellos Rodriguez Despu- jol. Sie haben sich nicht geirrt, und mir müssen Ihnen ungemein dankbar dafür sein, daß Sie uns auf die Spur dieses gefährlichen Verbrechers brachten."
„Meine Vermutung war also doch richtig! Er wird demnach am Montag seinen Auftraggeber in Slimes treffen. Der Anschlag auf mich mißlang — wahrscheinlich wird ein zweiter Anschlag versucht werden."
„Wir werden schon achtgeben, daß er uns nicht sieht, bis er nach Nimes abreist", erklärte Rivero lachend.
„Wer mag denn jener Mann fein, mit dem das Fräulein gesprochen hat?" bemerkte ich. „Sie hat ihn sicher vor einer Gefahr gewarnt"
„Dann müssen wir ihn im Auge behalten", rief mein Freund aus. „Gehen wir miteinander auf den Bahnsteig hinaus — so lange mich das Fräulein nicht erkennt, sind wir sicher."
Mit dem beruhigenden Bewußtsein, daß sich der langgesuchte Verbrecher in feinen Unterschlupf in der Rue de Lalande begeben hatte, kehrten wir auf den Bahnsteig zurück, auf dem ein Zug eben zur Abfahrt bereit stand. Es war der Schnellzug über Bourges nach Paris. Der Fremde war bereits in einen Waggon dritter Klaffe eingeftiegen und sprach durch das offene Fenster mit dem Mädchen Lange hatte er sich in Montauban wahrlich nicht ausgehalten.
Kaum hatte Rivero einen Blick auf das Gesicht des Mannes geworfen, da rief er aus:
„Heilige Madonna — das ist doch Mateo Sanz der Autoräuber! Wir suchen ihn überall, er hat vor einem Monat bei Malaga einen Gendarm erschossen!"
Im nächsten Augenblick war er verschwunden dock er war gleich wieder zurück. Er hatte sich nur eine Fahrkarte gelöst.
„Sanz kennt mich nicht. Bleiben Sie hier — ich werde Ihnen telegraphieren, auf jeden Fall treffen wir uns aber am IDtontag in Nimes. Geben Sie aber acht,