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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

57. Zahl«

Sonntag, 16. Mär; 1930

H*» Al im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Jtv» "O öei Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

:: leitunq 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

Token-Sonntag 1930

Die Entvölkerung der Grenzmark

Die Gründe für die Entvölkerung eines Gebie­tes sind entweder in der Abnahme der Geburten­häufigkeit oder in der Abwanderung der Bevölke­rung oder auch in beiden Ursachen zugleich au su­chen. Im Fall der deutschen Grenzmark ist bei­des, der Geburtenrückgang sowohl wie die Abwanderung wirksam.

Von 1910 bis zur Volkszählung im Jahre 1925 sind aus der Provinz Ostpreußen nicht weniger al- 112 000 Personen abgewandert, aus Oberschlestcn rund 38 000 Menschen, aus der Grenzmark Pofen- Westpreußen rund 9 000. Auch in dem letzten Jahre ist die Abwanderungsbewegung nicht zum Still­stand gekommen. So wanderten beispielsweise im ersten Halbjahr 1929 aus Ostpreußen rund 12 000 Personen aus. Der Hauptstrom der Abwandernden fließt nach dem Westen, nach Rheinland-Westfalen und nach Berlin. Von den Bergarbeitern West­falens waren beispielsweise im Jahre 1925 37,9 Prozent im deutschen Osten geboren, im Bezirk Dortmund waren es 46 Prozent, im Bezirk Gelsen­kirchen sogar 55,2 Prozent.

Die ständige Abwanderung aus dem Osten hat zu einer fortschreitenden Entvölke­rung der dortigen Provinzen geführi. Während im Reichsdurchschnitt die Bevölkerung 1925 134 Einwohner und für Preußen 131 je Qua­dratkilometer betrug, beliefen sich die entsprechen­den Zahlen für die Provinz Grenzmark Posen- Westvreußen auf 43, für di« Provinz Ostpreußen

nung hören und befolgen, dann sind sie nicht um­sonst gestorben.

Das und nichts anderes sollen uns auch all die ungezählten Denkmäler sagen, die draußen an den Schlachtfeldern und Massenfriedhöfen und in der Heimat allüberall das Andenken an unsre Toten wachhalten wollen. Ein solches Denkmal steht aus dem Lorettobera bei Arras in Nordfrankreich, wo die furchtbarsten Kämpfe sich abgespielt haben. Hunderttausende von Menschen, Brüdern liegen hier unter der Erde. Einen großen Friedhof sieht man unten liegen und am Horizont andere, eng­lische, deutsche, amerikanische. Auf der Hohe reckt sich über all dem himmelwärts wie ein mahnender Finger ein hoher Turm, in dem eine immerwah­rende Flamme brennt. Das ist das Gedenkzeichen der dort Gefallenen. Was es bedeutet, was der ragende Turm und die lodernde Flamme sagen wollen im Namen derer, die nicht mehr reden können, das deutet eine Inschrift, vom Bischof von Arras verfaßt:

Ihr alle, die ihr als Pilger an diesen Gräbern vorübergeht,

Ihr schreitet auf blutsatten Wegen, mit Menschenleibern besät.

Vernehmt den Ruf, der aus den Massen­gräbern schreit:

Ihr Menschen, seid menschlich! Ihr Vol­ker besinnt euch auf Einigkeit!

P. Norbert K p st n e r O. F. M.

Mr Religionsverfolgung in Rußland.

wtb. Berlin, 15. März. (Eig. Meldg.). Die Präsidenten der europäisch-kontinentalen, britischen imd orthodoxen Gruppe des „O e k u m e n i s ch e n Rates für praktisches Christentum" (Stockholmer Weltfriedenskonferenzs erlassen zur Religionsverfolgung in Rußland die folgendeKund- gebung:

Durch die Nachrichten über die schwere Bedrük- kung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in Ruß- land sind wir tief erschüttert. Wir haben weder Beruf noch Absicht, uns in die innere Politik Ruß­lands einzumischen. Aber kraft rmserer Verantwor­tung als Diener unseres Herrn und Heilandes Je­sus Christus und in Treue gegen die Prinzipien unserer Stockholmer Botschaft von 1925 erheben wir unsere Stimme zum Protest. Wir versichern die in chren heiligsten Menschenrechten schwer Verletz­ten unseres tiefen Mitgefühls. Wir ermahnen un­sere Glaubensgenossen in allen Landen, treuer noch als bisher sich mit den Bedrückten in Bittgebet und Mrbitte zu vereinen und den allmächtigen Gott anzuflehen, daß Er den Bedrückten Kraft bis zum Aeußersten gebe, daß Er der schweren Not unserer Brüder ein Ende mache, daß Er durch die Zeichen der Zeit uns alle aufrüttele zu neuer Buße für die Versäumnisse der Christen­heit und zu neuem brüderlichen Dien st in derNachfolge unseres Mei- st e r s.

Berlin, Winchester, London und Upsala, den 15. März 1930.

Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchen- ausfchusies D. Dr Kapler, Präsident der euro­päisch-kontinentalen Gruppe, Lord-Bischof von Winchester, Präsident der britischen Gruppe: Me­tropolit von Thyaira, Erzbischof Germonos, Prä­sident der orthodoxen Gruppe; Erzbischof Söder- blom, Ehrenpräsident der europäisch-kontientalen Gruppe. ______________

Frankreich und Young-Plan.

wtb. Varis, 15. März. (Eig. Meld.). Die Regierung wird dem Kammer-Ausschuß für Aus­wärtige Angelegenheiten und dem Finanzausschuß am konnnenden Dienstag die Texte der Haager Abkommen übermitteln. Es ist der Wunsch der Regierung, daß das Plenum der Kammer sich am 25. März mit der Ratifizierung beschäftigt und daß dies« am 28. März, spätestens aber in den letz­ten Tagen des Monats März vollzogen ist. Die nationalen und die internationalen In­teressen erforderten, so wird halbamtlich erklärt, daß die internationale Z a h l un g s b a nk di« den Haupt-Organismus des Poungplanes bil­det, unverzüglich in Tätigkeit trete, da die große Kammer,üalisierunas- und Anleihe-Operation, die für Ende April vorgesehen gewesen seien, unum­gänglich noch im Frühjahr vorgenommen werden müßten, und zwar deshalb, damit Frankreich die Gewähr habe, daß die Mobilisierung der ersten Tranche, die ihm zukomme, vor der für den 30. Juni vorgesehenen Räumung des Rheinlandes er­folge. Vie verlautet, soll am Sonntag in London in einer Besprechung zwischen Ministerpräsident Tardieu und Außenminister Briand die Begrün­dung des Gesetzentwurfes zur Ratifizierung des Noungplanes festaeleat werden.

„Toter Krieger"

ou3 der Krvvta des Münchner Gefallenendenkmals vor dem Armeemuseum.

Für Hindenburg.

Die von den Deutschnationalen abgefa-llene Gruppe Treviranus hat dem Reichspräsidenten für seine Kundgebung aus Anlaß der Unterzeich­nung der Dung-Gesetze gedankt und treue Mitar­beit versprochen. Der Reichspräsident hat auf das Schreiben der volkskonservativen Vereinigung ge­antwortet, daß er das Gelöbnis der Mitarbeit gern entgegengenommen und mit Befriedigung davon Kenntnis genommen habe, daß die volks- konservative Vereinigung die Ueberwindung der nationalen Uneinigkeit mit ihm als das dringend st e Gebot der Zeit ansehe. ______________

dann tut uns dies Unglück weh. Wenn ein Ei- fenbahnunfall 20 Opfer fordert, dann packt jeden Zeitungsleser ein Schaudern. Und wie geht es in großen Lettern durch die ganze Presse, wenn ein paar hundert Menschen der Katastrophe einer Ueberschwemmung zum Opfer fallen. Was ist das alles gegen 10 Millionen Menschen! Und dazu all das andere.

Werdet nicht müde, der Jugend zu erzählen von den Schrecken des Krieges. Bietet ihnen ruhig dar. was in Büchern darauf hinzielt, den Krieg in seiner wahren Gestalt, die nicht lieblich und an­ziehend sein kann, zu zeichnen und festzuhalten. Scheut euch auch nicht, ihnen Bücher zu geben, die in Nachbildungen kleine, bescheidene Bruchteile aus dem grauenhaften Gemälde des Krieges wie­dergeben: wo Tote an Toten liegen, Mann an Mann, in langen Reihen, wo sie auf Wägen hau­fenweise, in langen Feldeisenbahnzügen zurückge­führt werden, um in Massengräbern ihre Ruhe­stätte zu finden. Wo in der Oeffnung eines in Brand geschossenen Tanks oder zwischen den Trümmern eines abgestürzten Fliegers verkohlte Rümpfe sichtbar werden. Wo einer zwischen den Stacheldrähten eines Drahtverhaues hängt, in dem er nach langen Stunden qualvollen Leidens end­lich vom Tod erlöst wurde. So sieht des Krieges wahres Antlitz aus.

Und dann sein verderblicher Einfluß auf Glauben und Sittlichkeit — direkt und indirekt, der noch lange nachwirken wird. Viel könnte darüber gesagt werden.

Das sind die Kriegsgedanken, die der Toten­sonntag in uns wach werden läßt: nicht Jubel und prahlende Reden, sondern tiefer Ernst und Trauer, Trauer über all die Toten des Krieges und über all das Krieaselend.

Darum höre ich noch eine dritte Mahnung aus den Gräbern der Gefallenen, eine andere freilich als viele zu vernehmen glauben: Dienet dem Frieden! Tief und stark muß die Friedensfehn- iuckt und die Friedensliebe in uns werden aus dem furchtbaren Wissen um den Krieg heraus. Lieben wir denn nicht alle den Frieden? Freilich, bei vie­len muß man daran zweifeln. Zur Liebe muß sich aber auch noch der Glaube gesellen, der feste Glaube, daß der Friede kein unerreichbares Gut ist, daß er sich, verwirklichen läßt. Und kein Kriegs­hetzer darf uns in diesem Glauben wankend ma­chen. Wir müßten verzweifeln an der Menschheit, wenn uns der Glaube fehlte, daß wir einem Ge­schehen, wie der letzte Krieg es war, nicht völlig machtlos ausgeliefert sein können, daß hier Schuld des Menschen vorliegt, aber auch die Möglichkeit, von solcher Schuld sich wenigstens einigermaßen freizumachen.

Dieser Glaube und diese Liebe müssen sich aber auch äußern in der Tat, müssen uns drängen, mitzuarbeiten am Friedenswerk. Je mehr Men­schen eintreten in die Reihen derer, die hier Mit­wirken, desto tiefer wird der Friede verankert werden. Wir stehen da auf sicherem Boden. Wir gehen da in den Spuren Christi und mancher Gro­ßer im Reiche Gottes. Hinter uns steht Papst V i u s XI.. der einmal bekannte: Mein Lebens­werk ist das Friedenswerk! Wenn das Friedens­werk das Lebenswerk des obersten Führers der Kirche ist, dann darf es auch ein Gutteil unsres Denkens, unsrer Liebe, unsrer Arbeit beanspru­chen.

Es gibt gar manche Formen, in denen Frie­densdienst sich auswirken kann. Nicht vergessen sei, daß der Anfang im kleinsten Kreis gemacht werden muß, in unsrer nächsten ilmge- b u n g, daß der mit Unrecht vom Völkerfrieden spricht, der im Kreis der Familie und der Gemeinde nicht den Frieden hält und fördert, der hier seiner Selbstsucht keine Zügel anlegt: Menschen des Friedens, die ganz beherrscht und durchstrahlt sind vom Geist des Friedens, müssen wir werden, dann dienen wir in Wahrheit dem Frieden, auch dem Frieden in der großen Welt. Und das ist Wunsch und letzter Wille unsrer ge­fallenen Brüder, das rufen sie uns in di« Seele heute am Totensonntag. Wenn wir diese Mah­

Beoor der Weltkrieg über uns kam, feierte man in Deutschland Jahr für Jahr das Gedächt­nis des Krieges 1870-71. Mit Freude und Jubel beging man dieses Fest am 2. September, dem Tag der siegreichen Schlacht von Sedan. Der Se­dantag, der Krieg von 1870 mußte verblassen vor der furchtbaren Größe des letzten Krieges. Jetzt begehen wir alljährlich das Gedächtnis des Welt­krieges. Große Siege haben deutsche Krieger er­fochten, doch keinen dieser Siege feiern wir, denn am Ende stand die Niederlage. In der Bußzeit der Quadragesima lassen wir das Bild unsrer To­ten vor uns erstehen, wenden uns ihm in Trauer ,zu! Das ist der Gedenktag des Weltkrieges. Und wir lauschen den Stimmen der toten Helden, zu er­fahren, was sie uns sagen wollen.

Und ich höre als ihre erste Mahnung: Ver­gesset nicht eure Brüder, die in edler und treuer Gesinnung vier Jahre lang die Not des Krieges getragen haben. Nicht die, die wohlbehalten in die Heimat zurückkehren durf­ten, nicht die, die ihre Gesundheit oder eines ihrer Glieder geopfert haben, und die vor allem nicht, die mit ihrem Herzblut fremde Erde getränkt ha­ben. Wenn unsre deutschen Krieger auch nicht mit Siegeszeichen heimzogen, wir wollen allen, die treu gekämpft, darum nicht weniger treues Geden­ken bewahren. Wir wollen nicht vergessen, was sie geduldet in mehr als vier Jahren bitterharten Kampfes und unsäglicher leiblicher und seelischer Not in Erdhöhlen und zerfallenen Schützengräben. Nicht steinerne Denkmäler und glänzende Feiern sollen der erste Ausdruck unsres Dankes sein, son­dern das ernste Streben, unsrer Väter und Brüder würdig zu sein. Wie sie Unglaubliches geleistet für ihr Volk und ihr Leben Hingaben im blutigen Krieg, so wollen wir hart arbeiten und kämpfen und entsagen in der Zeit des Friedens, auf daß unser Volk nicht in den Abgrund der Entartung stürze, sondern emporsteige zu sittlicher und kultu­reller Kraft. Wer daran mitschafft, der geht in den Spuren der edlen und treuen Helden des Welt­krieges, und kein andrer.

Wir wollen auch nicht steinerne Denkmäler bauen und dabei derer vergessen, die ein Opfer des Krieges geworden sind. Verlieren wir nie die Ehrfurcht vor den Männern, die ihre Glieder oder ihre Gesundheit im Krieg verloren haben, und sorgen wir, daß sie zeitlebens keine Not zu leiden brauchen. Sorgen wir für die Frauen und Kin­der, die um ihren Gatten und ihren Vater weinen. Solange eines dieser Kriegsopfer noch Not leidet, ist jeder Pfennig für ein steinernes Denkmal zu Unrecht gespendet.

Ich höre weiter eine zweite Mahnung: Ver­gesset nie den Krieg! Grabet den Krieg, der hinter euch liegt, tief und unverwischbar in euer Gedächtnis ein! Noch spüren wir feine Fol­gen nur zu gut am eignen Leib. Und doch bringt es der immer größer werdende Abstand vom Krieg mit sich, daß sein Bild in manchen blasser wird, die ihn nicht in unmittelbarer Nähe miterlebt ha­ben, die zum Teil wenig von seinen Wirkungen merkten. Ein neues Geschlecht wächst langsam heran, das das Elend des Krieges nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt. Da mag der Toten­sonntag uns ein« Mahnung sein, mit zu sorgen daß das Gedächtnis des Krieges lebendig bleibt. So wie er war, so soll sein Bild weitergegeben werden, alle Poesie und allen Zauber die um den ritterlichen Kampf sich gerankt haben, rooHen wir herausreißen, denn im letzten Krieg hatten sie keinen 131a*’ mehr. Eine Unsumme von Elend, zusam- menaetraaen aus allen Teilen Europas und darü­ber hinaus: das war der letzte Krieg!

Ueberflüssig scheint es, davon zu sprechen, was der Weltkrieg an Zerstöruna und Elend auf dem Gewissen hat. Aber es gibt Zahlen, die nie ver­gessen werden dürfen, die darum immer wieder gesagt werden müssen: daß 10 Millionen Menschen in die Gräber gesenkt, daß 20—30 Millionen ver­wundet. daß über eine halbe Million menschlicher Heimstätten vemichtet wurden. Wenn wir heut« in einer Zeitung lesen, daß ein Mann von einer explvdierenden Granate getötet wurde, die seit Kriegsende in einer Scheune liegen geblieben war.

Schuh der Republik.

BDZ. Berlin, 15. März. (Eig. Meld.) Auf der Tagesordnung des Reichstags cm Samstag steht die 3. Beratung des Republikschutzgesetzes. Abg G e s ch k e (Kom.) führt aus, das vorliegende Ge­setz sei um nichts besser als das alte Sozialistenge­setz. Abg. Dr. E v e r l l n g (dtn.) wirft der Lm- ken vor, daß sie aus Haß gegen eine Vergangenheit handle, die größer, tüchtiger und sauberer war als di« Gegenwart. Bei den anderen fei Koalitions- Gebundenheit und Mangel an Entschluß für ihre Haltung maßgebend. Aba. Stöhr (Nat.-so;.) erklärt, das ganze Gesetzgebungswerk leide an in­nerer Unwahrhaftigkeit. Weder der Reichsinncn- minister noch der Reichsjustizminister hätten den Wahrheitsbeweis erbringen können dafür, daß c$ Kreise gibt, die d i e R e p u b l i k st ü r z e n wol len. Für die Führerschaft der national = fo* zialistischen Partei kann ich erklären, daß wir in der .Sozialdemokratie der Vor­kriegszeit eine gesunde Reaktion gegen den menschenoernichtenden Kapitalismus sahen und daß wir auch Heuti keineswegs Haß gegen die Republik empfinden sondern nur gegen die Auswüchse des Systems Bei den Mitteilungen über Zersetzungsversuche in der Reichswehr handelt es sich um die Arbeit eines gewöhnlichen Lockspitzels. Wir mußten schon frü­her wegen ähnlicher Behauptungen den Reichs- Innenminister der Lüge und Verleumdung besä vl> digen. Präsident Löbe lügt diese Ausdrücke. Er- füllen sie diesen Staat mit vernünftigem Inhalt, da werden seine wertvollen Einrichtungen am be­sten geschützt fein.

Abg. Stöcker (kom.) verliest eine längere Er klärung, in der das Republikschutzgesetz als ein- Schußwaffe für die imperialistischen Mächte be zeichnet wird. Die Kommunisten würden diesem Ausnahmegesetz zum Trotz die deutsche Sowjet- Republik bekämpfen. Damit schließt die Aussprache Die Abstimmungen werden auf Dienstag vertagt

Eine Novelle zum Scheck- und Wechselsteuerge setz, mit der die mißbräuchliche Vordatierung vo: Schecks verhindert werden soll, wird in zweite und dritter Beratung angenommen.

Ohne Debatte wird auch in 2. und 3. Beratung ein Gesetz über di« Pflicht zum Antrag auf Greif nung des Konkurses oder des gerichtlichen Bei gleichsverfahrens angenommen. Damit werden im wesentlichen die Rechtsverhältnisse der Vorkriegs­zeit beim Konkursverfahren wieder hergestellt.

Um 11.30 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 4 Uhr. Auf der Tagesordnung steht neben kleineren Vorlagen die dritte Beratung des Mini- sterHesetzes.

Mnderhetze.

Schon seit langer Zeit bemühen sich nach Mos­kauer Muster die deutschen Kommunisten, die Äin- berfeele zu vergiften. Tatsachen dafür brauchen wir wohl nicht mehr anzuführen. Nur eine geradezu unglaubliche Verhetzung sogar der vorschulpflich- ngen Kinder verdient doch festgehalten zu werden. Aus Flugblättern werden für Kinderspiele von den Kommunisten sogenannte „Abzählreime" verteilt, welche die kommunistischen Kinder (!!!) bei den Spielen verwenden sollen. Ein solches Verslein «utet:

| „Hammer, Sichel, Sowjetstern, Sowjettußland hab ich gern. Wen ich zeige mit der Hand, Fährt mit mir in Lenins Land. Widdewiddewiddewitt, Und du fährst mit."

„Eins und zwei und drei und vier, Kommunisten heißen wir,

Und Gewehre woll'n wir tragen, Schwarzweißrot zum Teufel jagen. Wer im Kampfe bleibt zu Haus, Der muß raus."

Also noch nicht einmal die sorglosen Kinder­spiele bleiben von den kommunistischen Hetzereien wid Vergiftungen verschont. Die einzig wirksame Waffe dagegen bleibt die Einsicht und Vernunft filtern.

FuldaerZeiiung

t Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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