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Nr. 61

Beilage zur Fuldaer Zeitung

14. März

seine Gesundheit bewahrt und er vor sittlicher Gefähr­dung geschützt wird. Bei Unterkunftsgewährung muß eine gesunde und saubere Wohnung bereitgestellt wer­den. Es muß außerdem sichergestcllt sein, daß diese Unterkunft nicht nur in hygienischer, sondern auch in sittlicher Beziehung durchaus einwandfrei ist. Vor allem um der weiblichen Jugend willen wird ein besonderer Schutz gefordert. Ungeeigneten Lehrmeistern und Lehr- stellen kann auf Grund des Gesetzes die Befugnis zur Ausbildung der Jugendlichen entzogen werden Uni der Lshrlingszüchterei entgegenzutreten, ist die Möglich­keit zur Beschränkung der Zahl der Jugendlichen in be­stimmten Berufsgruppen gegeben. Der Jugendliche soI die Gelegenheit haben, seine fachliche Ausbildung burd eine allgemeine Bildung zu ergänzen und zu vertiefen Die Erfüllung seiner religiösen Pflichten, die Teilnahmi an Veranstaltungen der Jugendpflege und Jugendbewe­gung wird sichergestellt. Es muß allerdings die Ge­währ gegeben sein, daß ein Zwang in der Wahl der Art dieser Betätigung der geistigen und körperlichen Fortbildung in keiner Weise vom Arbeitgeber ausgeübt werden darf.

Die Einrichtung von Prüfungen ist im Interesse einer systematisch gut durchformten Berufsausbildung und ei­ner gefunden wirtschaftlichen Entwicklung notwendig Es muß alles versucht werden, um qualitative Arbeit wieder zur Gelttmg zu bringen. Auch für die kauf­männischen Lehrlinge wäre eine obligatorische Abschluß­prüfung zu befürworten. Zu den Prüfungsausschüssen werden Beisitzer hinzugezogen. Es ist zu hoffen, daß hierbei Frauen regelmäßig beteiligt werden.

Die Durchführung des Berufsausdildungsgesetzer erfolgt durch die gesetzlichen Berufsoertretungen. Pari­tätische Ausschüße werden zur Beschlußfassung hinzuge­zogen. Es müssen aber auch die Mitwirkung der Er­ziehungsträger sichergestellt sein und Vertreter der El­ternschaft bezw. der Erziehungsberechtigten und der anerkannten JugendverbäiSe als Sachverständige hin­zugezogen werden.

Der vorliegende Gesetzentwurf kann nur als etr erster Schritt aus dem Gebiete der Berufsausbildunc angesehen werden. — Es ist unsere Aufgabe, alles zr tun, dcmrit der Berufsgedanke lebendig wird und in im­mer weiteren Kreisen Verwirklichung findet.

Dr. Gertrud E h r l e.

Die Frau in -er Küche.

f. Speckkarkoffeln. (Für 4 Personen). Zutater 60 Gramm Speckwürfel, 1 Zwiebel, 3 Eßlöffel Mehl drei Viertel Liter Wasser, 1—2 Eßlöffel Essig (je nack Säure), 1 Eßlöffel Salz, 3 Eßlöffel Rahm, 3 Pftmü gekochte Kartoffeln, 10 Tropfen Maggis Würze. Zu­bereitung: Aus den Speckwürfeln, der feingehack­ten Zwiebel und dem Mehl bereitet man eine Mehl­schwitze, füllt Wasser auf, rührt glatt, kocht gut durch, gibt Salz, Essig und Rahm an die Tunke. Die Kartof­feln werden in der Schale gekocht, abgezogen und in Scheiben geschnitten. Man mischt sie unter die fertige Tunke und verbessert mit Maggis Würze. D. W

Praktische Winke.

Tintenflecke in allen Geweben, ausgenommen Seide entfernt man mit Weinsteinsäure, Zuckersäure oder Ear de Javelle.

Schweiß- und Schmutzflecke, die sich mitunter sehr schwer entfernen lassen, verschwinden bei einer Behand­lung mit einer Mischung von 4 Teilen Schweftl-Aether, 3 Teilen Alkohol und einem Teil Salmiakgeist. Vor­sicht ist bei der Anwendung geboten, da Aether außer­ordentlich feuergefährlich ist.

Venezianische Seife beseitigt Flecken von Obst. Rot­wein, roter Tinte, Ster, Milch, Kaffee, sowie alle nicht indanthrenhaltigen Pflanzenfarben. Mit verdünnten^ Salmiakgeist gemischt, entfernt man mit ihr auch schor ältere und hartnäckige Flecke.

fröhlich wagen.

Bon Franz Etngia-Schramberg, gßcnrm willst du denn ganz verzagen, Denn manchmal dir ein Werk mißlingt? Aur fröhlich wieder weiter wagen. Vis dir ein Sieg die Fahne schwingt.

gtur wer das Ziel nicht aufgegeben UNd nicht vor jedem Schatten weicht, Dorf di« Erfüllung auch erleben Und wandert glaubensvoll und leicht.

Die Erstkommunikanten.

Bon Stadtrat Else Alken- Frankfurt a. M.

Es sind nur noch Wochen, die viele, viele junge Men­schen von dem schönsten Tage ihres Lebens, von der alten heiligen Kommunion trennen. Geistliche und jyget bemühen sich, ht den jungen Menschenkindern Mich« Reise zu wecken, die sie besitzen sollen, um a* ba Verantwortung dieser Stunde bewußt zu werden. Me aber sieht es manches Mal im Elternhause aus, das den Samen für alles Gute und Schöne in dem Mgen Kinde aussäen soll, dieser Same, den die Schule dann, gemeinsam mit den Eltern zu voller Wüte bringen wird.

"Wenn man einmal Gelegenheit hat, Kinder in die­sen Wochen zu belauschen, so wird man leider sehr oft hören können, daß sich ihre Gedanken sehr, sehr viel mit den Aeußerlichkeiten beschäftigen, die zwar an die­sem feierlichen Tage notwendig sind, die aber dennoch nicht die Hauptrolle spielen dürfen. Und — seien wir offen, sind es vielleicht nicht manchesmal die Mütter, hie in begreiflichem Stolz ihre Kinder für diesen Tag bestmders nett herausputzen, leicht etwas zuviel tun 'önnen? Wird nicht di« schlummernde Eitelkeit solch Leinen Mädchens erst richtig geweckt, wenn schon wochen- tag vorher die Rede von Kleidern, von Schuhen, von -em modernsten Kränzchen und all den Dingen ist, die geschaffen sind, den großen Tag in besonderem Lichte erscheinen zu lassen?

Und gar, wenn erst im Familienkreise di« zu er» „artenden Geschenke besprochen, wenn die lieben Ver­wandten darauf betrachtet werden, was von ihnen kom­men kann. Daher kommt es bann, daß die armen Kin­der lediglich an äußere Dinge denken und die Gedanken, die sie auf den wahren Sinn dieses Tages Hinweisen, schnell bei Seite schieben.

Und bann kommt das Herum eilen am "feierlichen Tage selber. Das vorher schon erregte Kind, bas weihe­volle Momente erleben durfte, sollte doch eigentlich von den Eltern zum Ausruhen, zu stiller Betrachtung an- gehalten werden — statt dessen finden wir die Straßen an diesem Tage belebt von Kommunionkindern, die Be­suche machen, d. h. Geschenke abholen — nicht immer Str Freude der Besuchten.

Sonnen wir doch unseren Kindern, diesen Tag in Aller, glückseliger Freud« zu begehen — gestatten wir ihnen den Tag so zu feiern, daß er wirklich fortwirkt in ihnen und dazu dient, fein Andenken in den Seelen her Kinder, in den Seelen der Erwachsenen, in dem Änne fortleben zu lassen, wie er gedacht ist — im inne- 'en Erleben, fernab äußerlichen Ablenkens.

Anzufriedene Hausfrauen.

Von Emmy Ficus.

Die meisten Menschen, die einem Broterwerb nach- 9**>en müssen, fühlen sich unbefriedigt ober überlastet, klagen darüber, daß ihr Beruf sie nicht glücklich Mcht. Alleinstehende Frauen besonders sehnen sich nach Familie und Häuslichkeit, worin sie einzig (und nicht mit Unrecht!) ihren wahren Lebenszweck erblicken. Sie Mtnbern sich, wenn ihr Weg sie mit zahllosen Haus- mmen und Müttern von durchaus unbefriebigter Ein­

stellung zusammenfuhrt: und können es von der Wart« chrer Einsamkeit herab nicht verstchen, daß man inmit­ten eines Familienkreises, von allen Seiten als not­wendig und unersetzlich anerkannt, sich nicht als glück­licher Mensch zu fühlen vermag!

Woher kommt es nun eigentlich, daß man gerade unter Hausfrauen mehr unzufriedene Seelen findet als in jedem anderen weiblichen Beruf? §=nb denn die Frauen anspruchsvoller, ungenügsamer i dlebenshung- riger als der berufstätige Mann? Mai: sagt doch im Gegenteil den weiblichen Wesen «ine größere Selbst­losigkeit nach, die sich naturgemäß auch in der Lebens­führung und Lebensgestaltung auswirken müßte.

Zumeist ist auch jede Frau zufrieden, deren Tätigkeit eine befriedigende genannt werden darf, und deren Le­ben nicht arm ist an Liebe und Hingabe. Gerade di« von den Frauen verlangte Opferwilligkeit zahlt sich ja durch hundertfachen Segen an gespendeter Liebe und Anhänglichkeit nut Zins und Zinseszinsen zurück, wie jede Mutter und Gattin von einiger Erkenntnis bestäti­gen wird.

Wenn trotzdem unzählige Hausfrauen unter der Fron ihres Amtes oder Berufes stöhnen und klagen, so müssen also andere Punkte maßgebend sein, die nichts mit dem Gemütsleben zu schaffen haben. Schalten wir besonders ungünstige, wirtschaftliche Verhältnisse ober anhaltende Kränklichkeit aus: Beide Momente wirken nur hemmend auf sonst gut veranlagte Menschen. Allzu große Sorgen drücken zu Boden und ewige Krankheit zehrt am Lebensmark: da wird die Arbeit jeweils nur widerwillig geleistet;'und von Zufriedenheit kann nur noch sehr bedingt die Rede sein.

Es bleiben aber noch drei weitere Faktoren bestehen, welche die Unzufriedenheit der Hausfrau auf dem Ge­wissen haben: Erstens die scheinbare Unproduk­tivität der Hausarbeit, zweitens der Man­gel an Anerkennung von Seiten des Gatten und der Kinder, und zuletzt der Ausfall an Be- Zahlung oder Entlohnung, die sonst jeglicher Arbeit winkt!

Wer hätte nicht als Hausfrau schon darüber ge­klagt, daß alle Hausarbeit unproduktiv ist, weil sie sich jahraus, jahrein unaufhörlich wiederholt! Weil täg­lich so schnell gegessen wird, was mit Mühe und Zeit­aufwand gekocht wurde! Weil stündlich sich der Staub erneuert, und die Wäsche wieder schmutzig wird! Wer hätte nicht schon gejammert und gebangt nach einem lo­

benden anerkennenden Worte, aus dem Mund des Galten, wenn ein besonders anstrengender Arbeitstag bie Hausfrau zermürbt unb ermüdet hat? Jedoch auch der Ehemann kommt abgespannt aus dem Berufsleben nach Haus«, und bringt nicht immer das Verständnis auf, ober übersieht einfach aus Vergeßlichkeit, der Ar­beit seiner besseren Hälfte gerecht zu werden. Hier hllst ein wenig guter Wille von beiden Seiten, bas gegenseitige, kameradschaftliche Eingehen und Aus­sprechen der beiderseitigen Nöte und Interessen, über manche Klippe hinweg. Auch die Kinder, falls sie gut erzogen und selbst zur Mitzilfe angehalten werden, dürften früh genug Verstehen und Interesse sich ange­wöhnen für die vielseitige, durchaus nicht immer leichte, und oft aufreibende Hausarbeit. Und unproduk­tiv — ist keine Arbeit, bei der man Ersparnisse ma­chen kann. Wer sich heutzutage den Luxus einer bezahl­ten Hausgehilfin nicht mehr leisten kann, der wird bald genug erfahren, wie viel sparsamer, zweckmäßiger, also produktiver man ohne Hausangestellte zu wirtschaften vermag! Diese Ersparnisse an Lohn, Steuern, Putzmit­teln, Licht unb Gas wirb der einsichtige Ehemann sicher gerne der Gattin als Honorar zugestehen, als Taschen­geld für alle Mühe und Arbeit. Sogleich wird die Hausfrau freudiger und rüstiger ihr Tagewerk auf sich neunten, da ja ihr Beruf jetzt ebenfalls eine Anerken­nung und Entlohnung erfährt! Ueberbies hat sie ja auch den großen Vorteil, diesen Beruf im eignen Heim auszuüben, nach eignem Gutdünken und eigner Zeit­einteilung schalten zu dürfen, ohne einem fremden Wil­len gehorchen zu müssen!

Schließlich sei noch jede Hausfrau, die Überlastete so­wohl wie die sorglos und behaglich lebende, darauf be­dacht, sich in ihrer Berufstätigkeit zwei Dinge zu erhal­ten, die ihr unbedingt notwendig sind: Freistunden und Körperpflege! Die Freistunden fülle sie mit dem Pflegen geistiger Interessen aus, mit irgendeiner Liebhaberei oder der Ausübung einer Dilettantenkunst, mit Malen, Musizieren, Spazierengehen oder Lesen. Diese Freistunde muß sie täglich erübrigen, so gut man sie den Hausgehilfen zugesteht! Auch die Körperpflege ist dringend erforderlich!

Wenn alle diese Punkte berücksichtigt werden, dann bleiben Geist und Körper frisch und elastisch, — dann gibt es bestimmt kaum noch jene unbefriedigten Haus­frauen, deren Sinn und Sein am engen Niveau der begrenzten Umwelt zugrunde geht. —

Zum Aemssausblldungs-Gesetz.

Es ist viel geschrieben und noch mehr gesagt wor­den über Wege und Möglichkeiten zum Schutz der Ju­gend. Gegenwärtig sind verschiedene Reichsgesetze in Bearbeitung, die Arbeitskraft und Berufsaus­bildung sicherstellen wollen. Eine gesetzliche Rege­lung des Berufsausbilbungswesens ist bringenb not­wendig, da die vorhandenen Bestimmungen sich nur auf das Handwerksgewerbe beziehen und nicht genügend umfassend sind. Erforderlich ist ein möglichst weitgehen­der Schutz der Berufsausbildung der Jugend, eine Er­ziehung zu hochwertiger Leistung. Dadurch würden einerseits dem Volke starke Persönlichkeiten gegeben, an­dererseits durch qualitative Leistungen der Wirtschaft gedient. Für die Frau ist in ganz besonderer Weise eine tiefgehende sachliche Schulung notwendig, denn die Berufsbildung trägt wesentlich dazu bei, daß in der Frau Kräfte zur Auswirkung kommen, die zu einer reichen Entfaltung ihrer Persönlichkeit führen. Beruf ist mehr als Erwerb; Berus verlangt den ganzen Menschen mit all seinen physischen und psychischen Kräften und gibt dadurch auch eine allseitigere Befriedigung, die Be­reitschaft zur Mitgestaltung an einem Werke im Dienste von Volk und Wirtschaft.

All diesen Forderungen sucht der Entwurf des Be­rufsausbildungsgesetzes gerecht zu werden. Was will

ec uns bringen? Eine einheitliche Regelung des Be­rufsausbildungswesens. Der Geltungsbereich ist nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt, sondern um­faßt alle Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren, gleich­viel, ob es sich nur um eine Beschäftigung Jugendlicher handelt, ober ob die Arbeitsleistung zum Zwecke der Be­rufsausbildung erfolgt. Somit können nicht nur für di« in einem Lehrverhältnis, sondern auch die in ei­nem Arbeitsverhältnis stehenden Jugendlichen be­stimmte allgemeine Mindestvorschriften ausgestellt wer­den, insbesondere jugendpflegerischer unb erzieherischer Art, um dadurch die Jugendlichen vor einer ungehin­derten Ausbeutung durch den Arbeitgeber zu schützen. Um möglichst allen Jugendlichen den gesetzlichen Schutz einer Berufserziehung zu sichern, sollen die Ausnahme­bestimmungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Nicht mit einbezogen ist die Landwirtschaft, deren Be­lange in einem besonderen Gesetz geregelt werden sollen. '

Die allgemeinen Vorschriften des zweiten Absatzes beschränken sich auf die Beschäftigung Jugendlicher in Verbindung mit deren Berufsausbildung. Die Pflichten des Lehrherrn werden klar festgelegt. Der Arbeitgeber unb Lehrherr hat den Jugendlichen zur Arbeitsamkeit u. zu guten Sitten anzuhalten und dafür zu sorgen, daß

70 Pf:

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Der Sündenbock.

heißt Waltraut, ist drei Jahre alt, hat einen uni*v-x n!3en Muschel köpf unb große leuchtend blaue Augen. Im Kaffee, auf der Straße, bie b'e Eltern mit ihr erscheinen, wenden sich fceiiw" ZU. „Sieh dort jene entzückende

„Weich goldiges Geschöpf" und ähnliche Ä Bewunderung legen davon Zeugnis ab, irb xT SrUt wieder einmal ihre Umgebung bezaubert lem / H^zen im Sturm erobert hat. Und die El- 'tol- x®, 011 f vielbewundertes Kind, so

sie in ihm einen kleinen Engel sehen, des- Atz— 9“ratter von keinem Wölkchen getrübt wird.

65 nicht sonderbar, bas Waltrauts Beliebt- btt fjx nr.". fi,,f Erwachsene erstreckt? Nun ja, Kin- für äußere Reize noch kein Verstänbnis, sie ^brioenc x- nach anderen Grundsätzen und

Iftn' on' ®er kommt es nicht auf das Urteil von Kin- ^^ber^5 $ein3’' Brigitte, Fee und Bärbel spielen Ufat >ur. Waltraut trudelt um die Ecke, bleibt stehn. •W herf .Küchen wortlos zu, drängt sich plötzlich vor toifltmFW. ba5 Spiel zu stören. Als ihr dies nicht sthch for/161'? '’e üie kleine Bärbel in den Arm und Rhch in 5 b*c größeren Geschwister das weinende jrhrt sRi-t, nehmen können. Ein anderes Mal llraut ihre Puppe spazieren. Paul und Gre­

tel von drüben spielen mit einem Ball. Waltrauts Puppe ist zerkratzt, verbeult und schmuddlig, der fremde Ball, zur selben Zeit gekauft, glänzt, als käme er eben aus dem Laden. Waltraut läßt ihren Wagen stehen, steckt einen Finger in den Mund, blickt neidooll auf den hüpfenden blau-roten Ball, stößt plötzlich wie ein Habicht darauf zu, ergreift ihn und rennt davon, Paul unb Gretel schreiend hinterher, holen sie ein. Ein kurzes Handgemenge, Waltraut brüllt, kratzt und kneift, umsonst, die Nachbarskinder ziehen mit ihrem Eigentum ab. Waltraut heult. Die Mutter beugt sich aus dem Fenster: „Liebling, hat Lisel dir wieder was getan? Komm, ich gebe dir etwas Schönes und Lisel bekommt Schläge". Schluchzend verschwindet bie Kleine im Haus.

Hans-Jürgen, Waltrauts Brubcr, zählt bereits sie­ben Jahre, besucht die Schule und hat infolgedessen Pflichten, sehr unangenehme, denn er schätzt es nicht hinter Büchern zu sitzen, wenn draußen die Sonne scheint und er empfindet diesen Zwang beim Anblick der müßigen Waltraut als besonders ungerecht; auch verdrießt ihn die immerwährende Bevorzugung der Kleinen, er ist eifersüchtig. Waltraut betritt das Zim­mer, niemand ist in der Nähe. Hansel nutzt die Gele­genheit, um die Schwester zu piesacken. Prompt er­hebt Waltraut ein markerschütterndes nicht enden wol­lendes Gebrüll. Hans drückt sich eilig, denn die er­schrockenen Eltern eilen herbei. Heulend (lagt die Kleine den Bruder an. welcher den ersten Sturm in llche­

, rem Versteck ab wartet, auf den vermittelnden Einfluß I des Vaters vertrauend, der feinen Jungen stets in Schutz nimmt. Aber nicht immer gelingt es diesem seinen Sprößling vor Strafe zu bewahren. Dann hilft sich Hansel durch die Ausrede, die fünfjährige Lisel habe ihn dazu angestiftet.

Still in einer Ecke hockt Elisabeth, wiegt eine alte Puppe mütterlich int Arm. Dieser Puppe fehlt ein Arm und ein Sein, Waltraut hat sie einst ausgerissen aber Lisel liebt ihr armes entstelltes Kind deshalb um so inniger , vielleicht aus dem unbewußten Gefühl der Schicksalsverbundenheit. Schritte im Nebenzimmer; ängstlich heften sich Lisels große Augen auf bie Tür bie Mutter kommt. Lisel ist angeklagt und wird ge­straft, obwohl sie nichts verbrochen hat und weinend ihre Unschuld beteuert. Und wenn Waltraut heimlick genascht hat und die Mutter nach dem Uebettätet fragt, so ist es Lisel gewesen und diese muß dafür büßen, und wenn Hans ober Waltraut etwas zer­schlagen ober sonst irgendeinen Unfug angerichtet ha­ben, immer ist Lisel der Sündenbock unb erntet Schelle oder Schläge. Ganz verschüchtert drückt die Kleine sich in den Winkeln herum und muß von Waltraut allerlei erdulden, denn dieses Kind hat mit dem feinen Instinkt feines Alters bereits erfaßt, welche Macht es besitzt.

„Komm Lisel", sagt die Nachbarin, ihr tut das arme. Kind leid unb sie schenkt ihm einen Apfel. Lisels Auaen Strahlen. Da bient Waltraut um bie Eck» ftui»* *

geht auf die Schwester zu unb droht: „Gib mir den Apfel, sonst sag ichs Mutti und du bekommst Schläge". Ohne Widerrede reicht Lisel ihr die Frucht unb schaut aus großen traurigen Augen, wie Waltraut den Ap­fel verzehrt.

Die Großeltern kommen zu Besuch, bringen aller lei vom Lande mit, auch für bie Enkel. Ihnen fäll bas scheue gedrückte Wesen Lisels auf; was mag den Kinde fehlen? Sie beobachten. Vor der Abreise ein lange Unterredung mit den Eltern Waltraut hüpf herum, freut sich, nun wird sie für eine Weile von be; Oma mitgenommen werden, wie immer. Sie wühlt ir ihren Spielsachen, sucht dies heraus und jenes, wählt etwas anderes, wirft alles wieder durcheinander, drängt sich schmeichelnd zu den Eltern, tobt gleich der jauchzend durchs Haus. Die Koffer stehen bereit die beiden Alten hüllen sich in die Mäntel. Waltraw drängt sich atemlos aus dem Kinderzimmer, verlang' nach ihrem Jäckchen, erblickt plötzlich die Schwester reifefertig mit der Puppe im Arm und erstarrt. Di' Tür schließt sich hinter den Abreisenden, cs sieht beina! wie Flucht aus. Nun erst begreift Waltraut unt flüchtet schreiend zur Mutter. Ganz benommen vor ihrem Glück kuschelt Lisel sich in den Arm der Groß­mutter. „Oma, muß ich bald wieder nach Hause?" Die alte Dame beugt sich über das kleine eingeschüchterte Wesen: „Nein Liebling, nun bleibst du bei uns!"

W. v. Klot.

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