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itag, den 13. März 1930.
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Mmg andächtig. Jetzt tu Aschermittwoch begannen ja die berühmten Predigten in den verschiedenen ehrwürdigen Gotteshäusern, vor allem in Gesu, in San Lorenzo, in Damoso und anderen. Da wird cs ost schwer, jedes Wort recht zu erfassen, aber dann stählt man, wie einem gerade dies Bild in seiner Bewegtheit, in der der alte römische Volks- charvkter durchbricht, lieb wird, daß man es nicht entbehren möchte.
Eine machtvolle Frier war wie alljährlich am 7. März das Fest des hlg. Thomas v. Aquino in Santa Maria sopra Minerva, wo sich am Ehrentage der Dominikaner die sämtlichen in Rom studierenden Theologen, Welt- und Ordenspriestec zum feierlichen Pontifikalamt und den Vespern von ergreifender Schönheit versammeln.
• Und nachdem am 9. März S. Francesca Romana ihren Festtag gefeiert hat, wobei nachmittags dos ehemalige Wohnhaus der Heiligen geöffnet wird, und am 12. März zu S. Gregorio Magno hinausgepilgert wird, ist am 16. März im schönen Renaissancepalaste Massini in der Kapelle des hlg. Filippo Bert oben im zweiten Stock zur Erinnerung an dessen Erweckung eines Kindes der Maf- sini vom Tode eine Reih? feierlicher Messen, zu denen Römer und Fremde in Scharen durch die an diesem Tage geöffneten historischen Räume strömen. Es ist ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, sogar Schulen werden durch die mittelalterlichen Patrizerräume geführt, und in der Tat, der Gang lohnt sich. Malerisch ist der Blick hinab
Oefterliche Zett in Rom.
unserem besonderen römischen Mitarbeiter.
n Gesicht Roms hat sich seit dem Kriege ge- aeändert; man mag das bedauern oder be- “hirn so muß man tich mit dieser Tatsache je- WÜSf fls 'abfinden. Rom, das für die letzten Aus- r einer romanischen Zeit mit malerischer Un- ■Hmna und köstlicher Ungezwungenheit und Sorg- WÄÄ-it vor dem Kriege eine geheiligte Stätte zu I fcfiien, hat unter Mussolini alles ins System Die innere Stadt gestaltet sich mehr und ■SEftTiui einem großen Museum, in dem fein säu- ErfiA aeorbnet und herausgeputzt die Zeugen der I ftni Epochen nebeneinander liegen, gleichsam i V®" Geburtstag Roms bis zu den gesegneten Zei- des Liktorenbündels heute.
I um diesen Kern der Stadt wächst ein Ring k fernster Straßen und gewaltiger Häuserblocks - }o daß der Beschauer, der nach langer Zeit Ader vom Janikulus den Blick über das einst so graute Bild fchw'eifen läßt, Rom fast nicht wie- ... erkennt.
Der Vatikan ist bekanntlich hinter dieser Entwicklung keineswegs zurückgeblieben. Wenn auch •St schonfamer Hand, so ist auf dem engen Gebiet des Vatikanstaats doch viel altes Gemäuer, aus z d-sfen verwitterten Bruchstellen rankende Kräuter M mld Feldblumen hervorlvgten, gefallen. Roch ist <Ie5 im Werden, und es bedeutet gewiß einen not« ? Leigen Fortschritt; dennoch wird man sich gern jener beschaulichen Zeiten erinnern, fehlten doch I auch jene Gestalten nicht, gestikulierende oder stumpf hinbrütende Alte inmitten einer in Lum- pen fröhlichen Kinderschar, wie sie zu einem rechten italienischen Gemälde gehörten.
Öesterlichc Zeit war damals die Zeit, da dies heiter, ungebundene Leben sich nach Winterkälte imb trüben Tagen wieder ans Licht, an die Sonne wagte.
Nun, es ist die gleiche Sonne, die die ewige Stadt heute wie vor Jahrhunderten bestrahlte und hie pflegende Hand des Gärtners hat sicher viel Schönes geschaffen, das man früher entbehren muhte. Eine Pracht ist in diesen Wochen der Anblick der Packs auf dem Pinco, in der Billa Borghese und I flUf dem Palatin, wie rn zahllosen neuen grünen Plätzen der Stadt. Ausländische Blütenbäume | wetteifern mit den alten Bekannten, Kamelien, echten Akazien (Mimosen), Pfirsichen, Mandeln, Kirschen und bald auch frühen Kletterrosen.
Vor allem aber ist es die gleiche Kirche, die H her öfter,teit in Rom die erhabene Weihe gibt und sie zu einem einzigartigen unvergeßlichen Erlebnis macht. Man muß iick an das unruhige Hinein- und Hinausfluten der Massen in den Kirchen zunächst erst sehr gewöhnen. Es erscheint einem so
Fuldaer
in die beiden Höfe mit ihren Säulenhallen und Stukkaturen, dem plätschernden Brünnlein, alles so eng, daß eben der Himmel und ein wenig Sonne hereinstrahlen können, aber gerade darin ein rechtes Stück Mittelalter.
Maria Verkündigung wird man, wenn man nicht eine der großen Hauptkirchen wählte, wieder in S. Maria sopra Minerva feiern, in der einzigen alten gotischen Kirche Roms. Auf deutsche Besucher pflegt gerade diese Kirche immer wieder einen tiefen Eindruck auszuüben. Weihevoll ist ihr Hauptaltar mit Reliquien der hl. Katharina von Siena. Links davon steht Michelangelos Christus mit dem Kreuz und am Boden der Kapelle links findet sich der Grabstein Fra Angelico de Fiesoles, meistens mit Blüten geschmückt. Wundervolle Schätze der Kunst birgt diese Kirche, die von außen so anspruchslos im Gewirr der Gassen am Pantheon da- liegt.
Aber der deutsche Besucher wird auch nicht versäumen, seiner schönen, auch aus der Wende des 15. und 16. Jahrhunderts stammenden Santa Maria del Anima, der Nationalkirche der Deutschen, einen Besuch abzustatten, finden doch hier an den Sonn- und Freitagen Fastenpredigten in deutscher Sprache statt, und der Chor im Hochamt am Sonntag pflegt in trefflicher Weise vor allem deutsche Kirchenmusikmeister.
Oesterliche Zeit in Rom — mit ihrer erwachenden Natur, ihren ergreifenden Gottesdiensten, ihrem bunten Volksleben! Wer das einmal erlebte, dessen Gedanken wandern in diesen Wochen immer wieder hinüber in die ewige Stadt.
* Mißglückter Hungermarsch von Leipzig nach Dresden. Die Kommunistische Partei hatte für Sonntag einen „Hungermarsch" von Leipzig nach Dresden angeordnet. Als sich in der Nähe von Park Meusdorf etwa 80 Teilnehmer versammelten, erschien in einem Auto ein Kommando der Polizei, das den Zug auflöste und 38 Mann fest- nahm, die nach Leipzig in das Polizeipräsidium gebracht wurden. Ein Teil der zersprengten Zugteilnehmer sammelte sich wieder in der Nähe von Liebertwolkwitz und marschierte von dort nach Groß-Pösna. Dort wurde der Zug wiederum von der Polizei aufgelöst. Fünf Personen wurden festgenommen.
* Maßnahmen gegen unerwünschte Elemente in der Schweiz. Aus Bern wird gemeldet: Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement hat dem Bundesrat einen vorläufigen Bericht der Bundesanwaltschaft über die polizeil. Voruntersuchung unterbreitet, die in den Kantonen Tessin und St. Gallen wegen unerlaubten Informationsdienstes eingeleitet wurde. Der Bundesrat hat die Ausweisung des aus Mailand stammenden Emilio Bottiglia beschlossen. Dieser ist mit falschem Paß nach der Schweiz gekommen und hat von Chiasio aus als angeblicher Antifaschist den Herausgeber des antifaschistischen Witzblattes „Secco Giallo" in Paris veranlaßt, ihm regelmäßig größere Lieferungen zu angeblichem Vertrieb in Italien zusammen zu lassen.
• Regierungskrise ja Bagdad. Wie aus Bagdad gemeldet wird, ist die Regierung des Irak zurückgetreten.
Das Deutsche Forschungsinstitut
für Agrar- und Siedlungswesen.
Von Staatssekretär Dr. G e i b.
Wie in allen übrigen europäischen Ländern, so haben auch in Deutschland die agrarischen Fragen nach dem Kriege erhöhte Bedeutung gewinnen.
Mehr als je machte sich deshalb das Bedürfnis nach einer sorgfältigen und systematischen Klärung der ver- schiedenartigen agrarischen Fragen geltend. Es darf zweifellos als ein Verdienst des Reichsarbeitsministeriums gelten, daß es diese Sachlage frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen veranlaßt hat. Zu seiner Zuständigkeit gehören wichtige agrarische Sachgebiete, namentlich das Siedlungswesen in seinen mannigfaltigen Formen, das Pachtwesen und die Landarbeiterfragen.
Bald nach Erlaß des Reichssiedlungsgesetzes vom 11. August 1919 wurde ein „Ständiger Ausschuß für das ländliche Siedlungswesen" unter Leitung des hochver- dienten Agrarpolitikers und „Vaters des Reichssiedlungsgesetzes" Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Gering begründet.
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Nachdem der Reichstag die erforderlichen Mittel bewilligt hatte, konnte im Frühjahr 1921 das „Forschungsinstitut für Agrar- und Siedlungswesen" gegründet werden. Die wissssenschaftliche Leitung wurde in die Hande des Prof. Sering gelegt. Damit ist eine enge Verbindung der hauptsächlich beteiligten Reichs- und Länderressorts mit den Forschungsarbeiten des Institut hergestellt.
Die erste große Aufgabe des ncugegründeten Instituts war die Klärung der besonders vordringlichen Frage des ländlichen Pachtwesens in Deutschland. Durch Versendung von etwa 4000 Fragebogen und mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter in allen Teilen Deutschlands wurden tue Grundlagen geschaffen, auf denen nach mehrjähriger Arbeit des Instituts die bekannten Berichte über „die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Zeitpacht in der deutschen Landwirtschaft" erwachsen sind. Etwa gleichzeitig mit diesen Erhebungen nahm das Institut eine weitere große, sehr zeitgemäße Arbeit in Angriff, die Untersuchung des Weltmarktes für landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Besonders die erstgenannte Untersuchung über das Pachtwesen, der sich für Deutschland Erhebungen über Anlieger und Bergmannsstedlungen anschlossen, erwies bald eine Erweiterung des Instituts als dringend wünschenswert. Eine schematische Behandlung landwirtschaftlicher Fragen ist ganz unangebracht. Dieser Ausbau des Instituts ist seit dem Jahre 1926 weitgehend gefördert worden. Das Institut führt seitdem die Bezeichnung
„Deutsches Forschungsinstitut für Agrar- und Sied!ungs> wesen . Erstmalig wurden neue Zweigstellen für Meck lenburg und Pommern in Rostock und in Bonn-Poppels< dorf für das Rheinland und Westfalen errichtet. Erfreu- licherweife war es auch möglich, in dem besonders wichtig gen Ostpreußen eine Zweigstelle zu errichten. Verhand jungen über den notwendigen Ausbau des Instituts für Süddeutschland und Schlesien sind noch nicht abgeschlossen
Aus den Arbeitsgebieten find zu erwähnen eine Un> tersuchung über die Entwicklung und bevölkerungspolb tische Bedeutung der Siedlungen, der Anliegersiedlung sowie der genossenschaftlichen Siedlung, Oedlandfiedlunx und gärtnerischen Siedjung. Das landwirtschaftliche Sied- lungswefen wird ebenfalls beachtet. Die in der Gegenwart im Vordergründe stehenden Fragen des Agrarkredites und des Absatzes der landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden ebenfalls eingehend und planmäßig bearbeitet. Auch wird die bedeutungsvolle Frage geklärt, welchen Einfluß die zunehmende Bildung zufammenhän- gender Industriegebiete in Deutschland aus die umliegen- den landwirtschaftlichen Gebiete bat.
* Ans dem Freistaat Sachsen. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei Sachsens, Reichsmini- ster a. D. Dr. Külz, hat der „Voss. Ztg." zufolge die sozialdemokratische Anfrage wegen Einleitung von Verhandlungen über die Regierungsbildung grundsätzlich zupimmend beantwortet.
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