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Mittwoch, 12. Mär; 1930.
57. Zahrz.
Monatlich 1,80 einjchließl. Postgeoüyr (48 Pf. । ohne Juitellg. Anzeigen-Preise Kleinzeile >Col.) lokal 0,15 /Lck , auswärts 0,20 Tut. Reklamezeile: lokal 0,60 -LF , auswärts 0,80 RJt. Bei Wiederholunaen Rabatt. Posischeckk 'ronff a. TO. 4051
Md aer Zeitung
M Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt Mnn^uin, i «a «nftmnühr »nt ,
Ert im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Jtv» vö der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitunq 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
am allerwenigsten auf Bayern. Die Nachricht von dem preußischen Vorgehen im Reichsrat hat in München hellste Empörung hervorgerufen. Mit Recht erblickt man darin nicht nur eine unerhörte Rücksichtslosigk nt gegen die bayerischen Lebensinteressen, sondern man empfindet es mit Bitterkeit, daß Preußen in einer Stunde wirklicher deutscher Not eine Politik treibt, die tatsächlich eine deutsche Schande ist.
Die Demokraten
Die „D. A. 3-" berichtet: Wie von absolut zuverlässiger Seite verlautet, haben die Abgeordneten Fischer-Köln, Hummel und Tantzen erkennen lassen, daß sie im Falle eines Beitritts der Demokraten zur Weimarer Koalition die Konsequenzen ziehen und ihre Mandate niederlegen würden. Im „Börsen-Courier" heißt es: Gegen eine Beteiligung an der Weimarer Koalition meldet sich starker Widerstand beim Wirtschaftsflügel der Demokraten.
Eine merkmürdige Forderung.
Die liberale „Kölnische Zeitung" schreibt zur parlamentarischen Lage u. a.: Der Reichskanzler darf es keinesfalls darauf ankommen lassen, daß das Schicksal des Neuen Planes sich erst in der Abstimmung klärt, es muß vorher entschieden sein. Gelingt das nicht, so gibt es nur einen Ausweg: die Auflösung des Reichstags. Dann mag das Volk selbst beurteilen und dafür Sorge tragen, daß seine Geschäfte künftig besser besorgt werden. Wir halten die Auflösung des Reichstags allerdings auch int Falle der Verabschiedung der Young- Gesetze für notwendig; denn von diesem Reichstag können mir uns auch für die Erledigung der Finanzaufgaben nichts Gutes mehr versprechen. Der gegenwärtige Zustand >st unerträglich geworden, und es würde ein Gefühl der Erlösung durch den weitaus größten Teil des deutschen Volkes gehen, wenn jetzt Reichspräsident und Reichskanzler den Nrtschluß zum Handeln fasten. Das Volk wartet auf die Tat!
Schöne Worte. Aber wie würde der nette Reichstag wohl aussehen? Hakenkreuz und Sowjet- Stern sind jetzt schon stark genug, um vernünftige staatsmännische Arbeit bis zum äußersten zu erschweren.
Schacht begründet.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat, wie laut „D. A. Z." in politischen Kreisen verlautet, dem Reichspräsidenten zur Begründung seines Rücktritts ein längeres Schreiben zugehen lasten, in dem er seine Auffassung über die politische Lage, insbesondere über die Aussichten der Reparativ n 5 p o 1 i t i f niedergelegt hat.
Die Mahnung des Kardinals.
Kardinal Fürstbischof Dr. Bertram traf in Begleitung geistlicher Würdenträger in Liegnitz ein, um an einer Tagung des Karitas-Verbandes teilzunehmen. Er betonte in einer Ansprache auf der stark besuchten Tagung, auf aktuelle Zeitftagen eingehend, die Not der Erwerbslosen, der Kleinrentner sowie der Wohnungsver- h ä l t n t f f e. Eindringlich habe die Fuldaer Bischofskonferenz zu diesen Problemen Stellung genommen und die Verantwortlichen beschworen, für die BesserungderVerh ält- nisse alles zu tun, was mit der Lage der Wirtschaft sich vereinbaren ließe.
Groß sei neben der wirtschaftlichen auch die seelische Not. Es gelte, die Ehe und die Familie und das keimende Leben zu schützen. Die Arbeit am Kinde müsse wirklich für das Kind und nicht zu Parteizwecken geleistet werden. Der Bolschewismus zerreiße das Band zwischen Eltern und Kindern. Ein Paktieren zwischen bolschewistischen Ideen und Christentum könne es nicht geben. Auch die Bestrebungen des Bundes der Kinder- sreunde beleuchtete der Kardinal als nicht dem katholischen Standpunkt entsprechend. Die Kirche schütze das Recht des Arbeiters und trete dem mamrnonistischen Kapitalismus entgegen. Zwischen den Ständen müsse eine Volksgemeinschaft gepflegt werden. Wachsamkeit, Arbeit und Opfer seien der Weg zu diesem Ziele.
* Der Reichspräsident empfing aus Anlaß der in Berlin tagenden Generalsynode der Evangelischen Landeskirche der Altpreußischen Provinzen Mitglieder der Generalsynode, unter ihnen die Generalsuperintendenten der östlichen Pwvinzen.
* Als Folge des Goslarer Schulfalles ist Direktor Dr. Schröder vom Goslarer Realgymnasium und Gymnasium nach einer Verfügung des jetzigen Kultusministers als Direktor nach Landsberg an der Warthe versetzt worden.
Die Flotten-Konserenz.
wtb. London, 11. März. (Eig. Meld.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt über die Flottenkonferenz: In eingeweih- ten Kreisen herrschte ein sehr starker Optimismus, obwohl niemand genau jagen könne, worauf sich dieses Vertrauen gründe. Gewiß seien die Verhandlungen heikel, aber es gebe Möglichkeiten, die sich jetzt zu entwickeln begännen. Z. B. liege bereits der Entwurf eines französisch- italienischen Freundschafts-, Sckieds- und Vergleich so ertrags vor, der nur noch der Unterschrift bedürfe. Die Italiener seien zur Unterschrift bereit, es frage sich nur noch, ob die Franzosen bei der Stange bleiben.
Die Zukunft Indiens.
Von Professor Dr. Taraknath Das-Newyork.
Angesichts der Tatsache, daß Gandhi kürz lich dem Vizekönig Lord Irwin ein Ultimatun, bezüglich der von der indischen Nationalpartet geforderten Verfassungsreform gestellt hat und sich inzwischen in Indien die Spannung zwischen Indiern und Engländern steigert, verdienen die folgenden Ausführungen unseres indischen Mitarbeiters besondere Beachtung.
Wer heute die Bedeutung der nationalistischen Bewegung zur Erlangung der Unabhängigkeit Indiens in ihrer Gesamtheit erfassen will, muß vor allem berücksichtigen, daß lange vor der christlichen Zeitrechnung das indische Volk seine eigene Kultur und Zivilisation entwickelt hatte. Republikanisch geformte städtische Gemeinwesen, große König- und Kaiserreiche bestanden in Indien lange Zeit vor der Gründling Britaniens. Das Indische Reich Asakos des Großen war einst viel größer als das heutige Indien. Auf den Gebieten der reinen und angewandten Wissenschaft, in der Mathematik, den Naturwissenschaften, der Technik, Medizin, Philosophie und Religion leistete das indische Volk Wertvolles genug, um seine kultur- fördernden Fähigkeiten erkennen zu lassen.
Außerdem sollte man nicht in den Fehler verfallen, zu glauben, das indische Volk sei infolge besonderer Umstände und stiner eigenen Fehler unfähig, sich selbst zu regieren, geschweige denn sich von dem fremden Joch zu befreien, das auf ihm lastet. Für eine lebende Nation, die ihre Freiheit wieder zu erlangen trachtet, ist es vor allem wichtig, daß sie entschlossen die Wahrung ihrer noch verbliebenen nationalen Unabhängigkeit in die Hand nimmt. Sind nun Anzeichen vorhanden, die auf die Bereitschaft des indischen Volkes Hinweisen, sich von der drückenden englischen Mißherr- schaft zu befreien? Früher pflegten die englischen Staatsmänner zu erklären, das indische Volk fei nicht fähig, sich selbst zu regieren, und solle deshalb auch nicht eine verantwortliche Volksregierung erstreben. Kein Kenner der indischen Verhältnisse kann jedoch heute mehr leugnen, daß die indische Unabhängigkeitsbewegung im Laufe der letzten Jahre ein achtunggebietender Faktor der Westpolitik geworden ist.
Auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen darf ich wohl sagen, daß es vor 25 Jahren noch keine machtvoll organisierte Freiheitsbewegung in Indien gab. Damals forderten auch die Leiter des Indischen Nationalkongresses noch nicht von England die sofortige Anerkennung des „dominion sia- tus". Gewiß gab es wohl einige indische Nationalisten, die das Ziel der ntaionalen Unabhängigkeit ihren Landsleuten als erstrebenswert vor Augen hielten, doch befaßen sie noch keine nennenswerte Anhängerschaft. Vor der letzten Sitzung des „All India National Conareß" in Lahore waren viele einflußreiche indische Nationalisten, darunter Mahatma Gandhi, Pandit Moti Lal Nehm, Gegner des Gedankens einer völligen Unabhängigkeit Indiens oder einer Lösung vom Britischen Reiche, Da fällte es doch zu denken geben, daß auf dem Allindsichen Nationalkongreß in Lahore während der Weihnachtswoche 1929 von 2000 Abgeordneten 1994 für die indische Unabhängigkeitsresolution und nur 6 (!) dagegen stimmten.
Heute sind sich alle verantwortlichen Staatsmänner und alle politischen Parteien Englands darin einig, daß die britische Regierung Indien den „dominion status" schließlich doch zuerkennen muß, andernfalls für England die Gefahr besteht, Indien zu verlieren. Auch die britischen Behörden und Zeitungen in Indien verfchließen sich nicht mehr dieser Einsicht. Sie fordern die Einberufung einer Konferenz gemäßigter Inder, die gewillt sind, sich mit dem „dominion flah-s" als letztem Ziel Indiens zufrieden zu geben. Die politische Zukunft Indiens wird somit entweder im Zeichen des „dominion status" oder in dem völliger Unabhängigkeit stehen.
Gemäßigte Inder, die zu der .Liberal Federation of India" gehören, verwenden sich für den „dominion status", während sich hingegen gemäßigte indische Nationalisten wie Mahatma Gandhi u. a. für die indische Unabhängigkeit erklärt haben, wenn sie auch noch nicht alle Türen, die zu einer Regelung der britisch-indischen Beziehungen führen, verschlossen haben. Sollten die britischen Behörden sich nicht dazu verstehen, in absehbarer Zeit Indien den „dominion status" zu gewähren, würde die „Liberal Federation of Äidia" die Mehrheit ihrer Mitglieder einbüßen und die Leitung des Allindischen Nationalkongresses in die Hände so extrem nationalistischer Führer wie Suthas Chandra Bose-Kalkutta und Stayamurti-Madras übergehen.
Mahatma Gandhi hat sich zwar für die Unabhängigkeit Indiens erklärt; aber er erstrebt dieses Ziel auf dem Wege ziviler Gehorsamsverweigerung und geroalttofer passiver Resistenz. Die jungen Nationalisten unter der Führung Suthas Chandra Boses erachten diese Erklärung Gandhis deshalb nicht für ausreichend. Sie verlangen die Organisation der Regierung einer Bundesrepublik der Vereinigten Staaten von Indien, mit einem rechtmäßig gewählten Präsidenten und einem Ministerkabinett an der Spitze. Sie sind bereits mit der Organisierung einer Indischen Nationalmiliz beschäftigt, um auf diese Weise die erforderliche Verantwortung für die nationale Verteidigung Indiens übernehmen zu können. Außerdem hat Suthas Chandra Bose kürzlich tn einem feiner Manifeste folgende Richtlinien für die allind'sche Aufbauarbeit in öen Dörfern, in denen bekanntlich die große Mehrheit des indischen Volkes lebt, aufgeftetlt:
1. Der Kongreßausfchuß jedes Dorfes hat eine Dorfmiliz zu organisieren, der die Verteidigung
X, J t* Ö' re is ei r r- b«
ge für eine große Reihe der Länder, deren Leistungsfähigkeit in
Frage steht. Fällt der § 35 fo ist das Schicksal dieser kleinen Länder entschieden und zwar im p r e u- ß i s ch e n Sinne. Unter Verfolgung einer brutalen Machtpolitik nimmt Preußen keinerlei Rücksicht auf die lebensfähigen füddeutschen Länder,
g run d la kleinen
CNB. Berlin, 11. März, (Eig. Meldg.). Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, ist unter den Mitgliedern des Eeneralrats der Reichsbank, der heute nachmittag 4 Uhr Zusammentritt, wegen der Wahl des Nachfolgers Dr. Schachts Fühlung genommen worden. Sie hat das Ergebnis gehabt, daß nun mit Sicherheit mit der Wahl Dr. Luthers zum Reichsbankpräsidenten gerechnet werden kann. Don den ausländischen Mitgliedern des Generalrates sind heute vormittag auch Mc. Garrah, der frühere Präsident der Bundes-Reservebank von New York und Prof. Bachmann, der Präsident der schweizerischen-Nationalbank, in Berlin eingetroffen.
| N. Brüning bei Hindenburg.
Dös Zentrum als Retter der Lage. — Was tut die Volkspartei?
Erklärung des Reichsfinanzminifters zur Deckungsvorlage. —
zum Reichsbankpräsidenken.
ranbunt meggelaffen. Oft durch erregte Kundgebungen von rechts unterbrochen erklärte Minister Dr Curtius, der deutsch - polnische Handelsvertrag werde in den nächsten Tagen paraphiert werden, und die deutsche Landwirtschaft werde sich über diesen Vertrag nicht zu beschweren haben. Der Protest ostpreußischer Kreise gegen das deutsch-polnische Liquidations - Abkommen fei unverständlich, denn gerade durch dieses Abkommen werde Ostpreußen vor der Isolierung bewahrt, die sein Schicksal sein würde, wenn jene Drücke fällt, die durch die deutschen im polnischen Korridor gebildet wird, und deren Fundament die Deutschen in der abgetretenen Provinz Posen sind.
Dem Haushaltsausschuß wurde dann nach kurzer Aussprache ein Gesetzentwurf überwiesen, wonach das Reichsentschädigungsamt am 31. März 1930 aufgelöst werden soll.
Gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten bei Stimmenthaltung der Deutsch- nationalen wurden schließlich Anträge des Ge- jchäftsorbnungsausschusses angenommen,nachdenen die Immunftät von sieben kommunistischen u. zwei nationalsozialistischen Abgeordneten für Strafverfolgungen wegen Hochverrats und Beleidigung aufgehoben wird.
Am Dienstag wird die Sitzung um 15 Uhr beginnen. Neben der Abstimmung über die Poung- Gesetze stehen das Brotgesetz und kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung.
Aus -em Reichskag.
. Reichstag konnte die zweite Beratung der Nsig-Gesetze auch am Montag noch nicht end- abgeschlossen werden, weil gemäß der Ver- B-j’-arung der Regierungsparteien mit der Regie- u e Abstimmungen erst am Dienstag nachrnit- IlhnLl .finden sollen. Die Debatte wurde beendet
^uich eine Rede des Reichsaußenministers D r.
“*Hus, in der er sich für die Annahme des r j n °er Rechten besonders scharf angegriffenen Hin \H°*n’fäen Liquidationsabkommens einsetzt- te« s» $’n®e'5 aus ein von der Regierung eingehol- Eilte A^tsgutachten betonte der Minister, daß die-
"kommen keinen verfassungsändernden Cho- m ‘er habe. Die Untrennbarfeit von den übrigen berst? ®e^cn ergebe sich ous den Verhandlungen s,. pariser Sachverständigen-Konferenz. Auf die-
^Merenz sei auch festgestellt worden, daß eine Teki , uag hes Wertes der an Polen abgetretenen ehrtek ausgeschlossen fei. Der frühere Reichsbank-
6achn^--®r: habe diese Stelle der Darifer
^nyverständigenvereinbarungen in seinem Merno-
Vor der Wahl Dr. Luthers
CNB.Berlin, 11. März. (Eig. Meldg.). Der Reichspräsident empfing heute mittag den Vorsitzen - ben der Zentrumsfraktion des Reichstages, Dr. Brüning. Es ist anzunehmen, daß der Reichs- »räsident sich bei dieser Unterredung vergewissern wollte, wie die A u s s i ch t e n der A b st i m m u na über die Young-Gesetze stehen. Es lag nahe, daß er sich hierüber gerade mit Dr. Brüning unterhielt, da die Entscheidung über die Abstimmung in erster Linie beim Zentrum liegt. Nachdem die Parteien der Weimarer Koalition sich über ein Finanzproaramm geeinigt haben, Zweifelt man in parlamentarischen Kreisen nicht ' mehr daran, daß das Zentrum in der Schlußabstlm- mung mit Ja stimmt. Im Reichstag neigt man übrigens heute vormittag sehr der Auffassung zu. daß die Entscheidung über die Frage: Fortführung der großen Koalition ober Kabinett ber Weimarer Koalition erst nach ber Schlußabstimmung über den Noung-Plan fallen wird. Der Zeitpunkt hängt davon ab, wann die Parteien der Weimarer Koalition ber Deutschen Volkspartei ihr (Einigungsprogramm präsentieren werben.
Reichskanzler a. D. Dr. Hans Luther.
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wtb. Berlin, 11. März. (Eig. Melbg.). Der Reichsminister ber Finanzen leitete heute bie Sit- Äung der Vereinigten Ausschüsse des Reichsrates, in ber mit der Beratung ber neuen Steuergejetze begonnen wurde. Der Reichsfinanzminister erwarte, es fei wichtig, einige Worte zu den Verhandlungen vorauszuschicken, um zu verhindern, baß durch bie Besprechungen ber letzten Tage Verwirrung in bie Verhänblungen gebracht würde. Die Reichsregierung haben dem Reichsrat ihre Del» kungsvorlage zur Beschlußfassung vorgelegt und Jur diese Gesetzesvorlage sei Gegenstand der Verhandlungen. Er gäbe diese Erklär £“”9 sowohl als Reichsfinanzminister wie auch im Narnen des Reichskanzlers ab, der ihn ausdrücklich
Nr ermächtigt habe. Die Regierung werde die -llorlage, wenn sie durch den Reichsrat verabjchft-
fei, an den Reichstag bringen. Die zur Zeit ®ange befindlichen Besprechungen zwischen ein- fjemen Parteigruppen hätten, wenn überhaupt, dann 'ediglich für bie Haltung ber Parteien
eichstag Bebeutung. Die Regierung benke "'cht daran, in dieser Frage die Führung aus ber Huw zu geben.
VDZ. Berlin, 11. März. (Eig. Meld.) Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte seine Beratungen über den Nachtragsetat des Auswärtigen Amtes fort. Bei dem 'Posten von 60000 Mark für ein neues Dienstgebäude der Gesandtschaft in Adis Abeba erklärte ein Pertreter des Auswärtigen Amtes, das Gebäude sei so baufällig geworden, daß irgendeine Renovierung völlig unzweckmäßig sei. Auf Bemängelung des Abgeordneten Köhler, daß dem Ausschuß keine genauen Kostenanschläge vorlägen, erklärte Ministerialdirektor Dr. Schneider (Auswärtiges Amt) sich damit einverstanden, daß der Betrag von 60000 Mark zunächst im Nachtragsetat gestrichen wird und die Kosten erst im ordentlichen Haushalt nach Vorlage der nötigen Unterlagen bewilligt werden. Für die notwendigen Vorarbeiten wurden jedoch vom Ausschuß 10000 Mark bewilligt.
Rückkehr des deutschen Gesandten nach Warschau.
wtb. Warschau, 11. März. (Eig. Meld.) Der deutsche Gesandte in Warschau, Dr. Rauscher, ist heute vormittag aus Berlin, wo er wichtige Verhandlungen geführt hatte, wieder hier einge- troffen.
Die bayerischen Belange.
Zu verschiedenen Meldungen, wonach für den Falle des Bruches in der jetzigen Reichskoalition die Möglichkeit einer Weimarer Koalition unter Einbeziehung der Bayerischen Volkspartei in Aussicht gestellt wird, melden die „M ü n ch s n e r Neuesten Nachrichten", es sei ihnen von maßgebender Stelle erklärt worden, daß für bie Bayerische Volkspartei die Beteiligung an einer Weimarer Koalition nicht in Frage kommt.
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Die Bayerische Volkspartei-Konferenz verU- fentlicht einen scharfen Protestartikel, in dem es u. a. heißt: Die preußische Staatsregierung hat jetzt, in der Stunde der deutschen Not im Reichsrat den Antrag auf vollständige Be seifig u n g des § 35 des Finanzausgleich s- gesetzes eingebracht. Preußen ist dieser Paragraph schon längst ein Dom im Auge und schon lange arbeitet es auf seine Beseitigung hin. Der Beweggrund dieses Manches ist ein höchst politischer. Der § 35 bedeutet nämlich die Existenz-
VDZ. Berlin, 11. März. (Eig. Meld.) Im Reichstag hielten am Dienstagmittag alle Fraktionen der Regierungsparteien Sitzungen ab. Als erste begann um 11-30 Uhr die Sitzung des Zentrums. Erst wenn die Frakttonen Stellung genommen haben, werden am Nachmittag die interfraktionellen Besprechungen fortgesetzt werden. Die Ausschüsse des Reichsrates beschäfttgten sich, wie das Nachrichtenbüro des. V. D. Z. weiter hört, am Dienstag mit den DeckungsVorlagen des Kabinetts, die vom Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer ausgearbeitet worden sind. Falls sich die Regierungsparteien oder ein Teil der Regierungsparteien auf ein von diesen Vorlagen abweichendes Finanzprogramm einigen, dürften die jetzt im Reichsrat liegenden Gesetzentwürfe nicht zurückgezogen werden, sondern die neuen Vorschläge der Parteien würden als Abänderungsanträge zu den ursprünglichen Vorlagen ober als Jnitiativ-Anträge im Reichstag eingebracht wer- den, während die Regierung nur zu erklären brauchte, ob sie mit diesen Abänderungen ihres Programms einverstanden ist oder nicht.