NILS
derhole und das NichtverZtandene erkläre. Doch bald wurde Thomas, der „stumme sizilianische Ochse", wie er bisweilen genannt wurde, zum Helfer seines Helfers. Albertus tat damals einen Ausspruch, der sich glänzend bewahrheitete: „Dieser stumme Ochse wird einst brüllen, daß die ganze Erde widerhallt."
Noch sehr jung an Jahren begann Thomas 1252 bis 1260 seine Lehrtätigkeit, und zwar auf der berühmtesten Universität der damaligen Welt, in Paris. Alle Länder hatten ihre Kollegien, es waren Sammelstätten der begabtesten Jugend. Zu den besuchtesten Vorlesungen gehörten die des Fraters Thomas. Später lebte und lehrte er in Rom und leitete von 1265 bis 1267 die Schule seines Ordens, kam nach Viterbo und war von 1269 bis 1271 wieder Lehrer in Paris.
In Paris begann der junge Magister aucb seine schriftstellerische Tätigkeit und es ist schier unermeßlich, was der fromme Gelehrte in wenigen Jahren geschrieben. Man sagt, er habe bisweilen drei und vier Schreiber gehabt, denen
Genüssen „nein" sagen; Fasten heißt, Christus zuliebe, der ganz Armut und Entsagung war und in dieser heiligen Zeit sich verzehrte und für uns am Holze des Kreuzes sich opferte, auf Annehmlichkeiten verzichten. Fasten im Sinne der Kirche ist willige Unterordnung unter ihre weisen Lebensgesetze. Es ist nichts anderes, als „die himmlische Huldigung des Leibes vor der Königin Seele". Doppelt und dreifach wichtig in einer Zeit, wo bas Gespenst der Arbeitslosigkeit, des düstersten Pessimismus, selbst des Hungers mit seinem hohlwangigen Gesicht durch die Straßen läuft, wo Willensschlaffheit und das „Laissez faire, laissez aller" als gangbare Münze kursiert. Das „Ich kann, ich will", will die junge Seele als Besitzstand und glückstrahlendes Bewußtsein in den Familien erleben.
Wo unsere katholischen Familien vom stillen Ernst der Fastenzeit berührt und ergriffen sind, da wird diese heilige Zeit in Wahrheit heilig, senkt befruchtenden Tau und reichen Segen herab in die Kinderherzen und hinterläßt tiefe, nachdrückliche Eindrucksspuren in der Seele oft für das ganze Leben.
nicht verraten kann. Auch das ist eine künstlerische Schwäche. Aber bleiben wir gerecht: Erzählen kann dieser Anonyme. Flott, sachlich, modern. Es wittert auch irgendein Geheimnis in dem Buch. Die Jugend der Uebergangsjahre verschlingt es. Wie mir ein bewährter Jugendführer sagte, ist eben jener Junge doch wesenhaft erfaßt, der in bestimmten erlebnis- und traumbeladencn Uebergangsjahren etwas nicht sagen, einfach nicht aussprechen kann und mag. Erziehung als Kunst, als seelisches Ineinander von Jünger und Meister wird erahnt. Dieser Autor kann vielleicht noch mehr. Er besitzt irgendein dichterisches Geheimnis. Am Ende weiß er noch nichts von dem anderen Geheimnis, daß die erste Geburt gewiß einer Art Intuition zu danken ist daß dann aber das Kind der Dichtung gepflegt, gebildet, mühsam in Form gebracht werden muß. Er fängt klein an und bescheiden. Das empfiehlt . . . Noch eins. In Westfalen darf ein Pädagoge einen Jungen nicht bei der ersten Begrüßung fragen: Nun, bist du brav ... So spricht man im Lande Widukinds nur mit Teckeln und klopft ihnen dabei das Köpfchen... Man beginnt hier besser mit dem Zitat: Mir griff des Lebens harte Faust schon in die krausen Kindeslocken .. Aber das ist Nebensache. Hauptsache aber: In diesem Anonymus steckt etwas . . .
Ganz anders geartet ist das Buch „Bedrängte Jugend. Es gestaltet wirklich ein Schicksal. Der Verfasserin acht es nicht um Kunst, aber das ist noch
Es ist ein harter, steiniger und schmaler Weg, der uns zum Tor des herrlichen, sonnigen Oster- nwrgens führt. Der Weg des Kreuzes, der Buße, der ernsten Fasten- und Passionszeit tritt als stummer, ergreifender Mahner und Prediger vor das Herz eines jeden Christenmenschen. Kein Allelujagesang und kein feierliches Gloria wird mehr angestimmt; die Orgel, deren Brausen sonst an den Sonntagen das Gotteshaus erfüllt, ist verstummt. Eine ernste Zeit ist die Fastenzeit und doch die wahrhaft geheiligte Zeit des Kirchenjahres. Alle Jahre, wenn ihr stilles, wehmütiges Violett aufdämmert hinter dem lichtumflossenen Lichtmeßtage,weht mich ihr stiller, heiliger Schauer wieder an und ergreift immer aufs neue die Seele. Die Kindheitserinnerungen werden wach, da ich noch gar nicht begriff, warum auf einmal alles so verändert und still in der Kirche. Nicht mehr erschallt dann jubelnd das „Hier liegt vor deiner Majestät", wie Grabgesang hallte es an den Gewölben hernieder: „Erbarme dich, ach, über mich", mahnend und erschütternd das ernste Lied: „Christ, sprich zur Seel, o Tochter mein", wie ein Todesringen in harter Sterbestunde: „In finsterer Nacht zur'erften Wacht ein Stimm begann zu klagen". Die farbenbunten Fahnen, die mit ihren rot-weißen Stangen an den Kirchenbänken befestigt waren und das Gotteshaus so farbenfroh machten, waren entfernt. Die Figuren von den Altären schauten so ernst, die beiden Engel, die hoch oben auf den Konsolen des Hochaltares saßen und in die Kirche hinunterfliegen wollten, schienen die Flügel kraftlos hängen zu lassen, der Engel mit dem scharfen Schwert vor der hl. Katharina drängte sich vor nNd wies nur immer bin auf das Musikinstrument und das gebrochene Rad. Johannes der Täufer faltete e^ft fein Büßeraewand. Nüchtern und schmucklos blickte der Altar, heimlich zitterte und flimmerte das ewige Licht in der mattblauen Ampel. Zag- M' und schüchtern und doch mit soviel Trost und Hoffnungslicht darin singt die Gemeinde: „Jesus ruft, o Sünder mein, mit ausgespannten Armen". Im Bcnedieamus dcmino schien wohl der Gesang noch einmal zu jubilieren, aber dann beim letzten Evangelium erklang wieder der schaurige Ernst: „Himmel und Erd, schau, was die Welt".
Nur in der Sonntagsnachmittagsandacht wagte sich die Orgel hervor und klagend und wehmütig klangen ihre verhaltenen Akkorde durch den hohen Raum, jeder Ton bleich und leidend. Die färben- prächtige Kleidung des weiblichen Geschlechtes, die onst immer bei Bruderschaften angelegt wurde, war jetzt ein dunkles Einerlei.
Die eindringliche, oftmals rufende und donnernde Fasten- und Bußpredigt erscholl von hoher Kanzel herunter, so gewaltig und erschütternd, daß wir Kinder uns oft ängstlich duckten und noch enger zusammenrückten auf dem kalten Fußboden, wo wir knieten. Nicht nur der Sonntag, auch der Werktag hatte sein Passionsgesicht. Mit dem all- morgendlichen Schulgottesdienst, wo meist die Litanei vom bitteren Leiden gebetet wurde, mit dem Kreuzgang am Freitagspätnachmittag, wo nur die beiden Kerzen brannten, die die Meßjungen trugen. Dann an Werktagabenden das Beten des chmerzhaften Rosenkranzes in der großen, niedrigen Wohnstube, im Halbdunkel des Abendscheines, wo jedes von uns Kindern sich ein Plätzchen suchte in einem Winkel, der vorbetende Vater mit seiner
er gleichzeitig diktierte. Thomas' Geist war von erstaunlicher Tiefe. Heute noch ist es für den kundigen Leser eine Wonne, sich von Thomas weit hinein in das Reich der erhabenen Wahrheiten führen zu lassen. Dem Mitbruder R e g i n a ld u s, der Thomas besonders nahe stand, gestand dieser einmal, zu Füßen des Gekreuzigten habe er mehr gelernt als aus den Büchern. Seine innige Bereinigung mit Gott war das große Geheimnis seiner Wissenschaft, und sie gründete sich auf tiefe Demut und tiefste Gottesfurcht.
Bis zum heutigen Tage stehen die gelehrten Werke des hl. Thomas von Aquin in der ganzen katholischen Kirche in größtem Ansehen, die heilige Kirche legte ihm den Ehrentitel „Doctor a n g e [ i c u s" — „engelgleicher Kirchenlehrer", bei, und Papst Leo xm. erhob ihn zum Patron aller katholischen Schulen.
(Aus dem Buche „Betrachtungen über das Leben der Heiligen" von Rupert W i ck l, S. I., Berlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck.)
Meine Mitteilungen.
Die kakhol. Elementarschulen in den Vereinigten Staaten.
Gemäß einem Bericht, den die Sektion für Ec- ziehnngswesen des N. C. W. C. soeben heraus- gibt, betrug die Gesamtzahl der Kinder, die die 7664 katholischen Elementarschulen im Jahre 192g besuchten, 2 201942; das heißt eine Zunahme von 90 382 Schülern (4,28 Prozent) innerhalb zweier Jahre. Im gleichen Zeitraum war die Zahl der katholischen Elementarschulen um 215 gestiegen (2,08 Prozent). Die Zahl der Lehrer stieg von 55155 auf 59 013, d. h. eine Zunahme von 3858 (6,98 Prozent). Die Zahl der Religionslehrer be trug 54 830, d. h. 3899 mehe als im Vorjahre. Dik meisten katholischen Schulen und auch Schüler weiß die Erzdiözese Chicago auf, dann ’ folgt Philadelphia, New York, Brooklyn. 23 Erzdiözesen be> sitzen über 100 katholische Elementarschulen.
Sonntag Jnvocabit.
Eingangslied ps 90, 15 und 16.
me, et ego exaudiam eum . . .
Er ruft mich an, und ich erhöre ihn, erlöse und bringe ihn zu Ehren. Ich will ihn fät- liae» mit langem Leben. (Ps. ebb. 1). Wer un- Lrm Shutz des Höchsten steht, der wohnt in des Himmelsgottes Schirmdach.
Evangelium: Matth. 4, 1—11.
In jener Zeit wurde Jesus durch den Geist m die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden. Und als er vierzig Tage und vierzig Je »Ätzte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher heran und sprach zu ihm: Bist du Gotte- Sohn, so befiehl, daß diese Steine Brot werden. §r antwortete: Es steht geschrieben: Nicht vom Brot allein lebt der Men sch, sondern »on jedemWort, das aus demMunde A o 11 e s k o m m t. Daraus nahm ihn der Teufel mit in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Sinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Zolles Sohn so stürze dich hinab; denn es steht ^schrieben: Seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen, daß sie dich auf ihren Händen tragen, darmt 5u deinen Fuß nicht an einen Stoß stoßest. Jesus sprach zu ihm: Es steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Abermals nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du medsrMst und mich anbete,t. Sa sprach Jesus zu ihm: Weiche Satan! Denn 65 steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott sollst du anbeten und ihm allein dienen. Nun verließ ihn der Teufel und Enge! traten herzu und dienten ihm.
men war, was ihre eigenen Gedanken zu berühren scheu- [ ten, um der Genesung willen. Preisgabe hieß es nun j für sie, mußte es für eine Frau heißen, ganz gleich, ob sie diesen Mann liebte oder nicht.' Nun stand sie da ohne die für jene Preisgabe verheißende Genesung hilflos in Lebensnot und er ließ sie kaltblütig steher und redete: „Das Weib in Ihnen liebt mich, den Mann. Und er hatte auf diese Situation gewissermaßen hingezielt. Der sexuelle Komplex entpuppt sich als ein viel umfaffffenbcrer. Die seelische Heilung wird eir religiöses Problem.
Von der Religion aus kommt Rettung und roiebei nicht von der Religion, indem man sie zergrübelt uni analysiert und das Starke und das Tragende in sich in oen Zweifel stürzt, sondern von der Religion aus, nach der man lebt, aus deren Geiste man die Tat fetzt. Im Verzicht auf eine Ehe, die mit dem Gesetz der Kirche nicht vereinbar wäre, erwacht dieses Starke, der schlafende Riese des Glaubens .... Bleibt auch gelegentlich die künstlerische Gestaltungskraft etwas zurück, er ist ein wundervolles Buch, ein Lebensbuch, die geliebt, Auseinandersetzung des Katholizismus mit der Pfycho analyfe. Interreffiert es jedermann, so müssen es unbedingt Aerzte, Geistliche und Erzieher lesen. Ist dies, Verfasserin einmal ganz gesundet, so haben wir wahrscheinlich von ihr noch Schönes und Starkes zu erwarten, jedenfalls etwas sehr Lebenskluges
priester-Spütberufe.
Es kommt nicht selten vor, daß ein Junge Berus und Liebe zum Priestertum hat; baß sich ihm aber unüberwinbliche Hindernisse in ben Weg stellen. Er muß einen anderen Beruf ergreifen: Hanbwerker, Kaufmann, Lanbwirt, Arbeiter werben. Aber fein Sehnen bleibt. Wie es erfüllen, ba es mit zunehmendem Alter immer schwerer, fast unmöglich wirb, zum Ziele zu kommen.
Dir hat vor acht Jahren ein ebenfalls Spät- berufener eine mutige Tat vollbracht. Er gründete in Belecke i. W. ein eigenes Heim, um Spätberufenen bas Stubmyr unb bie Erfüllung ihrer Herzenssehnsucht zu ermöglichen. Ein alter Gasthof nebst Scheune, Schober, Kegelbahn unb Baracke bienten als erste Wohnung biefer Prie- fterfanbibaten. Es ist unglaublich, welche Opfer unb Entbehrungen Gründer unb Zöglinge auf sich genommen haben, um bas Unternehmen in Gang zu bringen. Aber Gottes Segen ruhte auf diesem Werke, dem ersten, bas Jünglingen bie Möglichkeit gibt, Weltpriester in ber Heimat zu werben.
Jetzt ist ein zweites großes Heim in Bad D r i b e r g gebaut, bas 180 Schüler aus allen Ge- genben Deutschlands beherbergt. Aber mehr als 4 00 0 Jünglinge wandten sich in ben acht Jahren um Hilfe an ben Grünber, ein Beweis, wie notwendig biefes Werk war unb wieviele edle Jünglingsseelen in unserem Volke sind, die ein stilles Sehnen nach bem Priestertum in sich tragen. Wie segensreich dieses Werk wirkt, bei bem großen Priestermangel, bebars keiner Erwähnung.' Die meisten Schüler sind minderbemittelt, unb auf bie Hilfe guter Menschen angewiesen. Wievielen konnte das Klemens-Hosbauer-Hilsswerk, bas Träger des Unternehmens ist, helfen, wenn ihm mehr Mitglieder unb Freunde zur Seite stäuben. (Jahresbeitrag 3 Rm.). Hohe Baulasten brüt* ken schwer, aber trotzbem würben in ben letzten Jahren ca. 25 000 Rm. cis Beihilfen an ärmere Schüler verteilt. Fast 50 Jünglinge würben schon ben heimischen Priesterseminaren zugeführt. Möchte doch halb die Zeit kommen, wo auch dem ärmsten aber begabten und braven Jungen gehofen werden tonn.
Wäre cs nicht eine überaus edle, katholische Tat, diesem Priesterbildungswerk beizutreten ober Zuwendungen in Gelb,Büchern oder letztwilligen Verfügungen zu machen? Auch durch Darlehen kann man ihm helfen. Sendungen richte man an bas Stiibienheim St. Siemens, Bab Driberg i. Wests, Postscheck Dortmund 6874.
nicht der schlechteste Weg, um künstlerisch Wertvolles hervorzubringen. Es find sehr starke Parteien in dem Leben dieses Mädchens, das erblich schwer belastet, schon früh zu Hause und dann besonders im Schwe- sternpensionat in ernste Konflikte gerät. Heber der ersten Jugend liegt bei alledem noch ein Märchenzauber, und vielleicht wird uns die Verfasserin auf diesem Gebiete noch manches Schöne schenken. Das Märchen aber weicht bald der psychoanalytischen Behandlung. Meines Wissens ist das der erste katholische Roman, der sich ausdrücklich mit der Psychoanalyse aus- einandcrsetzt.
Das Motiv, Letztes und Entscheidendes rückhaltlos zu sagen, ist nicht einmal der e-gene Drang sich auszu- sprechen, sondern das Mitleid, armen Menschen zu helfen, die in ähnlicher Lage find. Seelische Not wird hier sichtbar, die man im Leben oit nicht beachtet. Für alle möglichen Kranken interessieri man sich, diese seelisch Kranken aber finden kein Verständnis. Da steht das schöne Wort: z,Jhr könnt ' ür diese Menschen kein Büro aufmachen, aber Herze». Die ganze erschütternde Problematik geht pns auf, wo das Verhältnis ber Kranken, die doch Frau ist, zum Arzte aufgc- deckt wiiH, der doch Mann bleibt. Gewiß ist diese Frage schon oft behandelt worden, hier erscheint sie aber in der wehen Klage der beleidigien Frau: „Sie hatte in das Dunkel hinein einem Arzt ihre innerste Seele ausgesprochen, was nie über chre Lippen gefönt-
ernsten, tiefen Stimme unb wir Kinder, oft so flattrig unb sehnsüchtig bas Enbc erroartenb.
Die heilige Zeit ber Fasten lebte für uns nicht nur in der Kirche, beschränkte sich nicht auf Altar und Gotteshaus. Die Fastenzeit füllte das Leben, erfüllte die Familie, Heim unb Elternhaus, unb ihre stumme Sprache hörte man burch die eintönige Stille des Dorfes, als schwebe gleichsam ihr heiliger Hauch und Dust über alles, füllte aus Natur und Landschaft, die in diesen Wochen der Still« und Sammlung sich mit den Menschen zum Feste der Fülle rüstete, zum Ostersieg über die Finsternis ber Winternot., Fürwahr: Passion und Ostern, Licht und Finsternis, Tod und Leben ringen auch hier in der heiligen Zeit der Fasten einen zähen Kampf. Wenn auch ber Winter trotzig sich wehrt unb in schwarzer Nacht ber Frost den jungen Frühling mit seinen Knospen und Keimen tötet und ins Grab legt: In drei Tagen steht der Frühling als Sieger doch wieder vom Tode auf. Tob unb Leben ringen in gewaltigem Streite, bis bas Leben ben Tob verschlungen hat im Sieg, bis bie Erbe bleibenbes, jungfrohes Leben gebiert unb das zarte Grün des Frühlings uns in bie Augen lacht unb bie golbgelben Himmelsschlüsselblumen aus bem braunen Winterlaub hervvrlugen, die Amseln hoch oben in noch laubkahlem Geäst ihr Lied schmettern und die Stare ihre süßen, sehnsüchtigen Weisen pfeifen, die Lerchen in den Frühlingshimmel ihre Triller hinaufjubilieren, während der Bauer die Schollen stampft und mit seinem Pfluge lange, tiefe Furchen in das dampfende Erdreich reißt unb bie goldgelben Samenkörner ins Erdreich senkt als köstliche Saat zukünftiger Ernte.
Alles feiert heilige Zeit, selbst die stumme Kreatur, Mutter Erde. Da darf der Mensch, die Krone ber Schöpfung, nicht kalt und stumpf bei Seite stehen, um in seiner Behaglichkeit, in seinem Alltagstrott nicht gestört zu werden. Dor allem an bie Eltern unb Erzieher ergeht die ernste Mahnung: Laßt die Fastenzeit als hohe, heilige Zeit nicht auf die Kirche nur beschränkt bleiben, holt sie herein in eure Familie, diese heilige, kostbare Zeit mit ihrer kräftigen Mah - nung, ihrer stillen, ein drin gen den Sprache.
Fastenzeit ist Zeit der Buße. Für die moderne Welt klingt bas Wort zu hart, sie hält sich'die Ohren zu. Fasten wird verlacht als Wüten wider den Leib, verlacht und belächelt vom Materialismus der Straße, aber nur von ihm, nur von kleinen Menschen und Zeiten. Die wahrhaft gwßen Zeiten schufen die Totentänze, um mit dem Leben Ernst zu machen. Da steht ber Totentanz vor mir auf dem Kalender, er reißt die Fastnachtslarve vom Gesicht des in ben Tag Hineinlebenben, wirst die Noten der Musikanten achtlos beiseite und zeigt den Menschen in seiner Not. Der tieffte Sinn des Lebens ist doch: Die Seele muß herrschen über den Leib: die Sinne, Gaumen, Zunge, Auge und Ohr dürfen den Menschen nicht bezwingen imb beherrschen, sondern müssen dem Geist unterwarfen sein; Fasten heißt, den Leib nicht zum Tyrannen sich herausbilden lassen, bumit nicht die Sense des Todes ihn stürzen kann in lächerlichem Falle: Fasten heißt gern und freudig sich selbst beherrschen und leuchtenden Auges auch bei erlaubten, liebgewordenen
Der hl. Thomas von Aqmn.
Zum 7. März.
Thomas entstammte (1225) einer gräflichen Familie, die zu Roccasicca in Unteritalien ihren Sitz hatte. Durch ben Vater war bie Familie verwandt mit dem Kaiser Friedrich II. Wie Thomas fünf Jahre alt war, gaben bie Eltern ihn dem verwandten Abte des Benediktinerklosters Monte Casiino, wo auch andere Söhne aus dem Abel erzogen wurden. Sieben Jahre blieb Thomas in der Klosterfchule, dann schickte ihn der Vater auf die Universität nach Neapel.
Vor der Ueberfiebelung weilte ber angehende Hochschüler auf bem säterl-ichen Schloß. Allen fiel es auf, wie sanft fein Charakter geworden und wie freundlich er im Umgang sich zeigte. Dabei leuchtete dem Knaben bie Unschuld aus ben Augen unb sein Wesen war so voll natürlicher Frömmigkeit, baß alle daran sich erbauten.
Sie Studenten waren auch dazumal laute, lu- l’tige Leute. Thomas war still, bescheiden; er lebte nur dem Gebet unb bem Studium. Einem wichen Gnadenkinde fiel es nicht schwer, die hinfälst- gen Erdengüter zu lassen und nur dem Ewigen zu leben. Mit 18 Jahren (Ende 1243) trat Thomas in den Orden der Dominikaner und wurde von den Oberen nach Rom in bas Noviziat geschickt in bie
; Jugendschule des Orbenslebens.
< In Neapel war man erstaunt über ben Or- oensemtritt des jungen Grafen und kaiserlichen Berwandten. Selbst seine Angehörigen hatten kein -Berjtanbms für seine Berufung zu Höherem. Um oor ihrem lästigen Zureden befreit zu werben, bat j-Domas die Oberen, ihn zu den Mitbrübern nach Paris reifen zu lassen. Man billigte feinen Wunsch uno Heß ihn ziehen. Volles Fügung wollte jedoch, atz er m toskanischem Gebiet mit zweien feiner ■öruber Offizieren im kaiserlichen Heere, zusam- mentraf unb von ihnen auf bas Schloß zu seinen Angehörigen gebracht ururbe.
3uerft versuchten die Mutter und bie beiden «Wtern in aller Ruhe unb Güte, Thomas zu STVrtP- Dominikanerhabit wegzulegen und zu werben. Aber Thomas glühte M von Liebe unb Treue für feinen Beruf unb sein i rs°-n mbas fo herrlich kund tun, daß sie b ’ur Kuf)e ließen. Er durste bie heiligen ES "biegen. Durch diesen Schritt war'er n/re or •• DDr allen weiteren Widersprüchen iei- "Schorigen, Thomas war Gott verlobt. Er I hebelte nach Paris (1245), später (1248) nach um fein Studium zu vollenden.
■Eh.® °l11 weilte in jenen Jahren Bruder A
| (6rnV^5- dem spater ber Beiname Magnus (ber MM ^eben wurde. Thomas war aber so schweigsam, daß di- Oberen glaubten, er ber mit »hm bie Vorlesungen wie-
Die heilige Fastenzeit
Von G o e r g e.
3»ei neue kathol. Schriftsteller.
Friedrich Muckermann S. I.
Vorabdruck aus dem Märzheft des Gral, in l oem eine Reihe neuer Werke von Wilhelm von Scholz über Capistrano, von Gustav Simay uoer Loyola, von Schwarzkopf ein Grüne- 5R„I0Tan'r> .Don Gerhart Hauptmann $ ■' uch der Leidenschaft" u. a. besprochen werden. ieibe6), Ä-. treibt anonym, die andere pseudonym genb .^'Hochgen sich mit Fragen der modernen Ju- ^Mchiel 9 > S uns f*on festzustellen, daß beide Bücher hnk ^ern cin außergewöhnliches Interesse ge- 8 rr6n' Sinb wir um ein paar bedeutend- ler reicher geworden?
Mienn verheißungsvolle Titel: „Nur eine -Kna- ■Sri . laßt gewiß mehr erhoffen, als geboten E pitetz, h.as 'st auch noch der Fall bei den ersten Ka- ■ fPrKf>en Lemcn großen pädagogischen Roman zu oer- scheinen. Es folgt dann aber plötzlich schon E tiertnin v QOr ®eiten der Sprung in die Mystik eines Dfgen Erlebnisses. Stand das auch in den Fa- i bas Lawren ober ist es dichterische Zutat? Wäre es |_ matftrg , ■ f° dächte man doch eher an den Deus er "5 an Dichtung. Die Nebenfiguren sinken Typisch« zurück vor der Hauptfigur eines Kna- feinem priesterlichen Erzieher ein Geheimnis