FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt
57. Zahl«
Samstag, S. Mürz 1930
EC im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag JIV« v V der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-
?. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.
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Die lew Sottet Komnmnisken-Unruhen.
300 Verletzte.
iotb. New York, 7. März. (Eig. Meld.) In lew Pork haben aufs neue Kommunisten-Un- ahen stattgefunden. Die Berichte und Kommen- ire der Morgenblätter zu den Demonstrationen eigen, daß die Vorgänge im einzelnen doch wefent- ich stürmischer waren, als die ersten Berichte ernennen ließen. Vor allem erregt es unliebsames Aufsehen, daß die erhebliche Zähl von 300 Verletzten zu verzeichnen ist. In seitenlangen Schilderungen wird festgestellt, daß der Zusammenstoß -wischen Polizei und Demonstranten das schlimmste gewesen ist, was man in dieser Beziehung seit vielen Jahren erlebt hat. Dabei findet das Verhalten der Polizei oder besser ihrer unteren Organe n beiden politischen Lagern scharfe Kritiker. Die demokratische World, wie das rechtsrepublikanisch- emgestellte Blatt Herald Tribüne, erklären in ihrem Leitartikel, die Maßregeln der Polizeileitung seien wohl überlegt gewesen und durchaus geeignet, jedes Blutvergießen zu verhindern, wenn nur die Mannschaften der Polizei bessere Disziplin gezeigt hätten. Herald Tribüne stellt fest, daß man Kriminalbeamte mit Journalisten-Ausweisen versehen hatte. Gerade diese Kriminalbeamten hätten sich, so er» klärt das Blatt, „wie Irrsinnige im Blutrausch" benommen.
Auch aus anderen Städten laufen jetzt Meldungen ein, die erkennen lassen, daß es ziemlich stürmisch hergegangen ist, so in Detroit, wo die Polizei mit Straßenbahnwagen und Omnibussen rücksichtslos in die Menschenmassen hineingefahren sein soll. Die Verhaftungen belaufen sich auf über !0. Aus Pittsburgh werden mehr als 25 Der - haftcte, aus Milwaukee 42 Verhaftungen gemeldet.
Die Vorgänge in Berlin.
Die Störunaen und Demonstrationsversuche der Kommunisten nahmen in Berlin im Verlaufe des Donnerstag-Nachmittags und der ersten Wendstunden erheblich zu, nachdem der Vormittag wie schon gemeldet, über Erwarten ruhig verlaufen war. Die eigentlichen „Aktionen", waren für die Zeit von 14 Uhr angesetzt und wie immer, versuchten die Kommunisten auch diesmal durch schnell austauchende Gruppen, die sich zu kleinen Demonstrationszügen zusammenschlossen, die Polizei an möglichst vielen Stellen der Stadt zu beschäftigen. Der Polizei ist es überall gelungen, die Ansammlungen oder Demonstrationszüge, deren Siiirfe zwischen 40 und 400 schwankten, aufzu- lösen. Zum Teil geschah das ohne sonderliche Mühe, da die Demonstranten vielfach beim Anrük-
ken der Polizei von selbst das Weite suchten. In einigen Fällen wurde freilich vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht, so u. a. am Bülowplat> am Alexanderplatz, am Wedding und am Kaiser-Wil- helrn-Platz in Schöneberg. Leider zeigten die Kommunisten wie schon früher die Tendenz, vereinzelte Beamte oder Schutzpolizeistreifen anzu- greisen und gegen die Beamten tätlich zu werden.
An zwei Stellen ist es zu ernsteren Z u - sammenstößen gekommen, einmal im Westen Berlins, an der Ecke der Grolmann- und Goethe- straße, wo es schon im Laufe des Nachmittags zu leichteren Reibereien gekommen war und wo gegen 18 Uhr etwa 400 Demonstranten wenige Polizeibeamte überfielen und zwei von ihnen zu Boden schlugen. Die Polizei machte daraufhin von der Schußwaffe Gebrauch. Drei Personen, nach privaten Meldungen sogar sieben, wurden hier durch Schüsse verletzt. Zu einer zweiten Schießerei kam es innerhalb der Bannmeile auf der Leipziger Straße, wo durch Schüsse der Polizei ebenfalls zwei Personen verletzt wurden. Gerüchte, die au dieser Stelle von einem Toten wissen wollten, haben feine Bestätigung gefunden.
Insgesamt berichtet man bisher von sieben Polizeibeamten und elf Zivilisten, die erheblicher verletzt sein sollen, zum Teil sogar schwer. Die Zahl der Zwangsgestellten beträgt 105. Nach privaten Schätzungen soll es außerdem noch 30 Leichtverletzte gegeben haben.
Man muß nach allem, was bisher bekannt geworden ist, allerdings annehmen, daß auch der Tag mit einem völligen Fiasko für die Kommunisten, die sich in Großsprechereien nicht genug tun konnten, geendet hat.
Im Reich ist es an einigen Plätzen gleichfalls zu Zusammenstößen gekommen.
In Ammendorf bei Halle gab es zwei Tote auf feiten der die Polizei angreifenden Kommunisten.
Verbot der Münchener kommunistischen Gewerk- schaftstagung.
wtb. München. 7. März. (Eig. Meld.) Die .Polizeidirektion München hat den von der Bezirksleitung Süd Bayern der K. P. D. für kommenden Samstag und Sonntag einberufenen Kongreß der revolutionären Gewerkschaftsoppositiön Süd-Bayern mit Begrüßungsabend, sowie die anläßlich dieses Kongresses geplanten öffentlichen Demonstrationen und Kundgebungen verboten, weil sie der unmittelbaren Vorbereitzing kommunistischer Kampfaktionen dienen sollten.
Das Zentrum vetlaugl Verpflichtung.
Neue Erschwerungen. — Der Streik um die Finanzen geht weiter. — Frontstellung gegen das Zentrum.
Das Urteil der gesamten Presse gegenüber 5cm Finanzprogramm des Kabinetts ist mit Aus- whme der Oppositionspresse sehr vorsichtig und zurückhaltend. Das ist verständlich, weil ja das Programm der Reichsregierung ein Kompromißwerk darstellt, das von vornherein kritisch und bedenklich bewertet werden mußte. Es hat nur den einen Vorteil, daß es endlich praktische Vorschläge Zur Ueberwindung der Notlage der Reichskasse dringt und auch eine Basis darstellt zur weiteren Swßen Finanzreform.
Die Parteien müssen sich jetzt entscheiden. Und schon scheint wieder der alte Streit zu beginnen, ^mmer noch fehlt der Wille zum Handeln, immer noch versucht man zu verhandeln und läßt dabei das große allgemeine Ziel außer Acht. Das ernennen wir sofort an den verschiedenen Presse- außemngen. Der „Vorwärts" z. B. hat in seiner Morgenausgabe vom 6. März schon die Absicht der Sozialdemokratie durchblicken lassen, daß es Wnüge, wenn das Kabinett sich auf ein Finanz- 'rvgramm geeinigt habe, die Parteien könnten rber tun und lassen, was sie wollten. Er geht ®Sar noch weiter. Er verlangt nämlich, daß mit Rücksicht auf diese im Kabinett erfolgte Eini- Wng nunmehr lediglich die PounK-Gesetze _ er- lebtgt werden sollen, während die Debatte über das Regierungs-Finanzprogramm auf eine spätere <>«« verschoben werden müsse.
Dabei wendet er sich in nicht mißzuverstehender I'ds cht an das Zentrum, das jetzt seine Forderung ^uf eine Bindung der Parteien aus dieses Finanz- dwgramm und auf seine Durchführung aufgeben wi!e, damit eine rasche Verabschiedung der Poung- ^wsetze ermöglicht werden könnte.
Alle diese sozialdemokratischen Versuche, dem Aeutrum irgend welche Vorschriften machen zu wollen, schlagen fehl. Noch einmal sei deshalb wu aller Deutlichkeit festgestellt, daß wir uns fei» ^wegs mit der Einigung des Kabinetts über das '^^Hprvgramm zufrieden geben werden. Erst w^äern wir nunmehr die unzweideutige Bin- a "9 der Regierungsparteien auf ein Finanzpro- H Qmm, das sichere Durchführungsmöglichkeiten bie- ... ’ Zwar nach wie vor vor der dritten Le- der Younggesetze. Wir befinden uns dabei - düstrer Forderung in bester Gesellschaft.Denn : Forderung entspricht staatspolitischen Erwä- Jitgen, Politischer. Vernunft und finanzpoll- n Notwendigkeiten. Denn selbst das „Berliner olatt", das in den letzten Tagen sich immer gegen die Forderungen des Zentrums ge» )t: batte, schreibt am 6. März, daß das Zen
trum recht habe, wenn es die feierliche Verpfnch- tung der Führer der Regiemngsparteien auf den Plan des Kabinetts verlange und daß es nicht weniger recht habe, wenn es meine, die neue Versteifung komme vorläufig auf das Konw der Partei, die den Reichskanzler stelle. Auch die „Kölnische Zeitung" vom Mittwochabend bringt zum Ausdruck, daß der Wunsch des Zentrums das Richtige treffe und es durchaus den Gesetzen der Logik entspreche, daß dieselbe Regierungsmehrheit die den Neuen Plan annehme, auch zur Deckung und Verteilung der aus ihm folgenden Lasten verpflichtet sei, daß also keine Regierungspartei vor der Lösung beider Fragengebiet aus der gemeinsamen Verantwortung entlassen werde.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die Sächsischen Handelskammern sich gleichfalls auf den Standpunkt des Zentrums stellen, wenn sie auch die Partei nicht mit Namen nennen und in einem Beschluß zum Ausdruck bringen, daß, wenn es nicht möglich wäre, die Finanzreform zusammen mit dem Youngplan zu erledigen, dann unbedingt die Finanzreform mit dem Artikel 48 gemacht werden müsse. Dieselbe Auffassung vertritt nahezu die gesamte deutsche Wirtschaft und beweist dadurch noch einmal deutlich die Richtigkeit der Zentrumsforderungen.
Nun sind bereits heftige Kämpfe im Gange. Das Zentrum wird natürlich ihren Verlauf sorgsam beachten. Aber es wird sich durch sie in seiner Haltung in keiner Weise beeinflussen lassen. Denn kämmen wir nicht vor Annahme des Poungpla- nes zur Sanierung der Finanzen, hat der Reue Plan an sich schon seine Bedeutung für künftige Erleichterungen der Reichskasse wie der Wirtschaft verloren. Dann treiben wir Katastrophen entgegen.
Vorläufig sind wir der Auffassung, daß die bis jetzt bekannt gewordenen Beratungsergebmsse der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wie die der Deutschen Volkspartei mehr auf Außenwirkung eingestellt find, wenn auch nicht verkannt werden darf, daß man durch sie noch einmal einen bestimmten Druck auf die Zentrumspartei ausüben will. In der Sitzung der Fraktion der Deutschen Volkspartei am Donnerstag wurde das Finanzprogramm der Reichsrsgierung mit außerordentlicher Schärfe kritifierr und wäre auch restlos ab- gelehnt worden, wenn nicht Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer m die Debatte eingegriffen und mit seinem Rücktritt gedroht hätte, falls die Fraktion einen derartigen Beschluß zu fassen sich an- schicken wollte. Daher hat man dann eine dehn
bare Beschlußfassung herbeigeführt, durch die dem volksparteilichen Parteiführer für die Verhandlungen am Samstag zwischen dem Reichskabinett und den Parteiführern bestimmte Richtlinien mit auf den Weg gegeben sind. Der Widerspruch der Deutschen Volkspartei richtet sich nicht nur gegen den Inhalt der Finanzreform, fonbern auch gegen die Erledigung und Sicherung dieser Reform vor der Erledigung des Pounaplans. Es wird nun darauf an kommen, inwieweit die volksparteiliche Fraktion ihre eigenen Minister im Reichskabinest durch ihre Politik desavouieren will.
Noch auffallender ist die Tatsache, daß am Donnerstag abend der „Vorwärts" sogar der Volkspartei wieder einmal die Steigbügel hält. Man weiß nicht recht, was man mit solchen Erklärungen anfangen soll, wenn wir da lesen: „Wie es scheint, identifiziert sich das Zentrum in solchem Maße
Reichsb ank-Diskont 512 Prozent.
wkb. Berlin. 7. März. (Eig. Meld.) Die Rcichsbank hak mit Wirkung vom S. März den Wechseldiskont von 6 auf 5% Prozent und den L o m b ar d zin sfuh von 7 auf 6% Prozent herabgesetzt. (Siehe unter Handelsnachrichten.)
mit dem Steuerprogramm der Regierung, daß es für seine unveränderte Annahme die Alleinoerant- ir-Ortung zu übernehmen bereit ist . . . Will das Zentrum Katastrophenpolink treiben?" Also trotz der Besprechungen unter den Kabinettmitgliedern, trotzdem die Sozialdemokratie weiß, daß die Dolks- partei durch diese Koalition keine Finanzreform will, kann sie sich nicht zu einem vernünftigen politischen Standpunkt entschließen. Es ist ja sicher, daß damit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, aber wir sehen, daß scheinbar die Volkspartei und die Sozialdemokraten eine Front gegenüber dem Zentrum bilden wollen, um einmal die Vor- veradschiedung der Iounggesetze zu erzwingen, dann aber auch um freie Hand zu behalten für die künftigen finanzpolitischen Entscheidungen.
Nur Fehlschlüsse. Das Zentrum bleibt fest. Die anderen Parteien haben bei einem Scheitern der Verhandlungen die volle Verantwortung für die kommenden Krisen und den unvermeidbaren Zusammenbruch der Wirtschaft.
Aus den Parlamenten.
Reichstag.
Jin Reichstag kamen am Donnerstag die Aoung-Gesetze zur zweiten Beratung. Der Zentrumsabgeordnete Ulitzka gab der tiefen Enttäuschung Ausdruck darüber, daß der Boung-Plan keineswegs die Liquidation der Kriegsära gebracht habe, sondern erfüllt sei mit äußerst bedenklichen Bestimmungen, die von dem Fortbestand des Mißtrauens der Gläubigermächte gegen Deutschland zeugten. Er wandte sich scharf gegen bas beutsch-polnische Liquibations abkomm en, besten Berbunbenheit mit dem ?)oung» Werk er nicht als notwendig anerkannte. Nur weil der Fortbestand des Dawes-Planes eine schwere Wirtschaftskrise herbeiführen müsse, sei die Annahme des Poung-Planes geboten. Das Zentrum werde seine Zustimmung erst erteilen können, wenn die Voraussetzung erfüllt sei, nämlich die Sanierung der Reichsfinanzen.
Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s bestritt, daß in dem provisorischen Charakter st's Dawes- Planes und in der Transferklaufel Vorteile für die deutsche Wirtschaft gelegen hätten, wie der deutschnationale Oppositionsredner behauptet hatte. Das Gegenteil fei der Fall. Er versuchte darzulegen, daß der Poung-Plan gegenüber dem Dawes-Plan manche Vorteile enthalte. Der größte Vorzug liege neben der finanziellen Ersparnis darin. daß Deutschland die ausländischen Vormünder seiner Wirtschaft los werde.
Am Freitag wird die Beratung fortgesetzt.
Dolkswirtschaftlicher Ausschuß des Reichstages.
V.D.Z. Berlin, 7. März. (Eig. Meld.) Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages setzte am Freitag die zweite Lesung des Eaststätten- gesetzes fort. Die Konzession für den Ausschank alkoholischer Getränke ist streng persön- l i ch. Trotzdem erhalten schon jetzt Aktiengesellschaften und andere unpersönliche Unternehmungen Konzessionen. Um der Rechtsunsicherheit dieser Gesellschaften ein Ende zu machen, sieht der Entwurf vor, daß ihnen bis auf längstens 30 Jahre eine Konzession erteilt werden kann. Die Kommunisten beantragten mit Unterstützung des Abgeordneten Dr. Mumm die Verkürzung dieser Frist auf 20 Jahre, blieben jedoch in der Minderheit. Die ursprüngliche Fassung des Entwurfs wurde angenommen.
Haushaltsausschuß.
V.D.Z. Berlin, 7. März. (Eig. Meld.) Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet den Nachtragsetat für 1929. Von verschiedenen Abgeordneten wurde darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen mit der Reichsbahn übereine Herabsetzung der Entschädigung für die Frei - fahrt der Reichstagsabgeordneten zu keinem Erfolg geführt haben. Die Entschädigung beträgt nach wie vor 1250000 Mk. Der Ausschuß beschloß, die enbgiiltige Stellungnahme zur Entschädigungsfrage der Reichsbahn für die Freifahrten der Abgeordneten der Beratung des Etats 1930 iu überlassen.
Zirm Tode des Grotz-Admirats.
Der Herr Reichspräsident hat der Witwe des verstorbenen Großadmirals von Tirpitz in einem Telegramm folgenden Wortlautes fein Beileid ausgesprochen:
„Tief erschüttert durch die Nachricht von dem Heimgange Ihres von mir hochgeschätzten Satten, des Großadmirals von Tirpitz, spreche ich Ihnen und den Ihren meine tief empfundene Teilnahme aus. Die großen Verdienste des Verstorbenen um die deutsche Flotte.in Frieden und Krieg werden in der Geschichte der deutschen Wehrmacht weiter» leben. (gez.) Generalfeldmarschall von Hindenburg, Reichspräsident".
Reichswehrminister Groener widmet dem verstorbenen Großadmiral von Tirpitz folgenden Nachruf:
Heute verstarb im 81. Lebensjahre der frühere Staatssekretär des Reichsmarineamtes und preu» ßische Staatsminister Großadmiral Alfred von Tirpitz. Sein Name gehört für alle Zeiten der Geschichte an als der des Schöpfers der deutschen Flotte. Der Entwicklung der Reichsmarine galt sein wärmstes Interesse. Sie wird das Andenken an den hochverdienten Offizier und treuen Kameraden alle Zeit in Ehren halten.
England und Tirpitz.
wtb. London, 7. März. (Eig. Meld.) Das Andenken des Großadmirals von Tirpitz wird von den Morgenblättern ausführlich gewürdigt. Sie zollen der organisatorischen Fähigkeit und der Arbeitskraft des Schöpfers der deuffchen Flotte uneingeschränkte Anerkennung, dagegen beurteilen sie sein politisches Wirken abfällig.
Großadmiral von Tirpitz.
* Nationalsozialisten überfallen Reichsbanner- lenle. Aus Berlin wird gemeldet: In einem Restaurant in Röntgental bei Berlin hielt Mittwoch abend ein Tambourkrrps des Reichsbanners Uebungen ab. Gegen 10 Uhr abends rückte em größerer Trupp Nationalsozialisten, die in einem anderen Lokal gesessen hatten, an und überfiel die Reichsbannerleute. Die Nationalsozialisten schossen sofort aus Revolvern auf die völlig überraschten Reichsbannerleute und verletzten o ?: Personen, von deuon zwei dem Tambourkorps angehören, während bis beiden anderen, die das Lokal besuchen wollten, unbeteiligt waren. Als bas von dem Gastwirt alarmierte Ueberfallkom- manbo eintraf, waren die Täter bereits geflüchtet und formten nicht mehr festgestellt werben. — Inzwischen ist der Arbeiter Kubow aus Röntgental. ein jung verheirateter Mann, an ben Folgen bes schweren Bauchschusses im Kreiskrankenhaus Bev- nau gestorben.
* Haftbefehl gegen einen Provinziallandtags- abfltorbntfen. Das Amtsgericht hat gegen den Dezirksfchonsteinfeger-Obermeister und Amtsvov- steher von Bornstedt F r e n z e l, der Mitglied des Provinziallandtags Brandenburg fft, Haftbefehl wegen des Verdachtes der Blutschande erlassen. Frenzel. der im Provinziallandtag verhaftet werden sollte, hat sich der Festnahme durch die Flucht entzogen. Das Bormundfcbaftsgericht hat die drei Töchter Frenzels unter die Obhut des Ortspfarrers von Bornstedt nestelst. Die wirtschaftsparteiliche Fraktion des Provinziallandtages beschloß, Frenzel zur Mandatsnieder- legung aufzufordern. <
♦ Das deutsch-amerikanische Kriegsschuldenab- kommen. Aus Washington wird gemeldet: Im Senat hat Senator Snioot die Vorlage über die Ratifizierung des deutsch-amerikanischen Kriegs- schulbenabkvmmens eingebracht.
* Eine Aktion für die Erhaltung der Monarchie in Spanien. Wie Havas aus Madrid meldet, hat Ministerpräsident Berenguer eine Abordnung des Aktionsausschusses des spanischen Adels empfangen, der eine Propaganda zugunsten der Monarchie zu entfalten beabsichtigt. Nach einer Havas- Meldung aus Sevilla haben Anhänger der DiNa- tur dort eine Partei unter dem Namen „Soziale Demokratische Gruppe" gearünbet.