Vorfrühling.
Blau und rein der Himmel, lieber Dächer, Die in rote- Arische freudig stehn, Winkt des warmen Lichtes sanfter Fächer, Läßt den Relf in klaren Tau zergehn.
Trocken sind die Straßen. Nur die Spalten Zwischen leicht gewellten Pflastersteinen Haben noch die Feuchte festgehalten. Und ihr Schwarz umfaßt der Quader Scheinen.
Eines Fuhrwerks glatte, blanke Riemen Mit den hellen Schnallen blitzen heiter, Und die vollen Pferde, frei von Striemen, .Ziehen munter ihren Wagen weiter.
Kinder graben in dem gelben Sande,
Der vorm Neubau liegt in leichtem ©teigen;
Andre schlingen lachend ihre Reigen
Bunt und froh als in dem Sonnenlande.
Auf dem Hofe schwatzt ein zahmer Rabe.
Fremde Wandrer fingen in den Gärten
Zu den Küchenfenstern, den Konzerten Gerne wünschend eine Gegengabe.
Wohlig schnurrt die Katze auf der Stiege.
Eines Rachbars Motorrad erwachet
Aus dem Winterschlaf, rumort und krachet.
Und im Stalle meckert laut die Ziege.....
Wie des Domes mächtige Konturen Rund und voll zu mir herüberblicken, Ahne ich in glaubendem Entzücken Fern des Frühlings erste, zarte Spuren.
Günther Willms- Fulda.
Sch önh eits -Königinnen.
Zeitungen und Illustrierte brachten sie uns wieder: die Bildnisse der gekürten Schönheitsköniginnen verschiedener Länder. Irgendein Etwas lief mir beim Seien und Beschauen durch die Glieder, ein Ruck, eine Bewegung. War es naturhafte Reaktion gegen Fremdes und Krankhaftes, das ich spürte? So erging es mir auch, als ich vor Weihnachten in einer viel gelesenen Zeitung die Aufforderung las: Sportmädels, sendet eure Bildnisse ein! Das schönste Mädel unter euch soll mit einem Preis gekrönt werden! Man hatte sich sogar die. Mühe gemacht, den Leserkreis ans den verschiedenen Städten mit ihren Umgebungen in geographische Bezirke einzugliedern, und aus den gekürten Schönen eines jeden Bezirkes sollte dann aus einem Fest die Königin gewählt werden. Namhafte Preise, so wurde mitgeteilt, seien schon gestiftet.
Aber es ist vielleicht nur ein Märchen, daß Erwachsene unter sich solche Kindereien anstellen. Denn wie sollte man Schönheit krönen mögen, die doch 3um größten Teil Geschenk und nicht eigenes Verdienst ist, in einer Zeit, die so viele Stirnen mit einem harten Leid gekrönt hat! Wer zählt die vielen Krüppel, die Verunglückten, die von Elend, Entbehrung urrt) harter Arbeit Gezeichneten und hat dann noch den Mut, sich seiner gesunden und harmonisch gebildeten Glieder wegen Bewunderung und Preise zuerkennen zu lassen?
Stein, es muß ein Märchen sein, all das, was ich las und sah. Daß eine Frau es in Wirklichkeit fertig
bringt, sich vor ein Preisrichterkollegium hinzustellen, sich mit Blicken betasten zu lassen wie eine Ware, die auf ihre Qualität geprüft wird, das ist ein Märchen. Daß sie um ihre Schönheit weiß und sie auf den Markt trägt — gibt es das? Ich kann es fast nicht glauben, denn ich habe eine Mutter gehabt. Mütter können so etwas nicht tun. Und jede Frau ist Mutter. Ist Weibtum etwas anderes als das Tor zum Lande der Mütter? Der guten, lieben, in der Verborgenheit sich verschenkenden Mütter?
Stein, es i st keine Frauenschönheit, die sich darstellt und sich krönen läßt. F r a u e n s ch ö n h e i t strahlt nur aus Liebe und Demut.
Aber wenn ich die Bilder der Straße beobachte und sehe, wie immer wieder das Bild des Weibes preisgegeben wird für Zwecke der Reklame, dann begreife ich viel. M. E.
Hygiene im Haushalt.
In den letzten Jahren hat die Hygiene auch im einzelnen Haushalt mehr und mehr Eingang gefunden, aber immer noch stehen viele Kreise den Bestrebungen, Hygiene in den Haushalt zu tragen, ablehnend gegenüber in der Annahme, daß die Haushalt-Hygiene verbunden sei mit der Anschaffung kostspieliger Apparate. Das ist durchaus falsch. Eine der Grundregeln der Hygiene ist Sauberkeit. Dafür braucht man nur eine Schüssel Wasser, ein Stück Seife und ein sauberes Handtuch. Zum Staubwischen gehört nicht unbedingt der elektrische Staubsauger, sondern ein feuchtes Tuch oder ein angefeuchteter Besen. Um gute Luft im Zimmer zu haben, braucht man keinen Ventilator, sondern man muß morgens und abends, im Sommer wie im Winter, für kurze Zeit die Fenster offnen. Manche Hausfrau und manche Hausangestellte weiß heutzutage sehr wohl, daß durch die Atmungsluft eines Menschen unter Umständen alle möglichen Krankheitskeime in die Luft verstreut und anderen dadurch gefährlich werden können. Allein, was geschieht im kritischen Augenblick? Auf dem Herd in der Küche steht der Topf mit Milch zum Kochen. Die Hausfrau ober Hausangestellte wird im Augenblick abgerufen oder erledigt im Nebenzimmer währenddessen eine andere Arbeit. Plötzlich erinnert man sich oder es ertönt von einem Dritten der Ruf „Die Milch kocht über!" Rasch stürzt man in die Küche, schiebt die Milch herunter! Wie- viele Krankheitskeime werden so denen, die später die Milch trinken sollen, hineingeblasen! Und doch, ein schnell aus der Küchenlade genommener metallener Löffel, den man in die kochende Milch hineinhält, hätte in hygienisch einwandfreier Weise das ganz Unglück verhüten können. Dieses und ähnliche Beispiele beweisen nur, daß wichtiger als die Apparate für die Hygiene im Hause hygienisches Wissen, hygienisches Denken ist, wie es, unter Führung des Reichsausschusses für hygienische Volksbelehrung, heutzutage von den verschiedensten Seiten und auf den verschiedensten Wegen jedem zu vermitteln versucht wird. Ausgerüstet mit solchem Wissen wird die Hausfrau oder ihre Stellvertreterin imstande sein, sich hygienisch einwandfrei zu benehmen bei den verschiedensten kritischen Momenten des täglichen Lebens, ebenso wenn der Schreckensruf ertönt: „Die Milch kocht über!“
Mehr H aus wirts ch astsunlerrichk auf dem Lande.
Von Josef Albert Seiger.
Je schwieriger der Kampf mns Dasein wird, desto rstehr bedarf es auch der sachverständigen Mitarbeit der Frau, insbesondere auf dem Lande, sowohl beim Bauern, Handwerker, Kaufmann und Beamten. Wohl nirgend ist der Aufgabenkreis so vielfältig, umfangreich und verantwortungsvoll wie bei der Bauersfrau. Sie ist Gattin, Mutter, Hausfrau, Landwirtin, oft auch Buchhalterin, selbständige Geschäftsführerin in irgendeinem Zweige der ländlichen Wirtschaft in einer Person. Jahraus, jahrein ist sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend der Sorge ums tägliche Brot, um das leibliche und geistige Wohl ihrer Familie und die Wohlfahrt des ganzen Hauses festgebannt in Haus und Hof, ohne wohltuende Ablenkung und Zerstteuung.
Auch die Frau auf dem Lande hat Wissens- und Bildungstrieb, das Bedürfnis nach zeitgemäßer Aufheiterung und Unterhaltung in ihrem verantwortungsvollen Schaffen. Cs ist deshalb auf dem Lande sehr wichtig, die Töchter für den vielseitigen Lebensberuf der Landfrau rechtzeitig vorzuschulen, die geistigen und seelischen Anlagen auf bodenständiger Grundlage har- nwnisch zu entfalten.
Cs ist darum erfreulich, daß die Bedeutung des h ausw irisch aftlich en und t erbens * kundlichen Unterrichts in ländlichen Kreisen immer mehr erkannt wird und die Vorurteile gegen den hauswirtschaftlichen Unterricht mehr und mehr schwinden. Hat er doch neben seinem praktischen Zweck auch die Förderung der allgemeinen Geistesbildung im Auge. Von ganz besonderer Wichtigkeit in heutiger Zeit erscheint mir die erziehliche Seite des Hauswirtschaftsunterrichtes. Hier werden die Schüle- rimten an Sauberkeit, Genauigkeit und Ordnung gewöhnt und zu rechter Sparsamkeit angeleitet. Weil Nichtbeachtung gegebener Vorschriften und Weisungen in einem schlechten Ergebnis der praktischen Arbeit alsbald zu Tage treten, so erzieht dieser Unterricht ganz von selbst zu verständnisvollem Gehorsam und freiwilliger Ein- und Unterordnung. Unter den Schülerinnen selbst bildet sich durch die gegenseitige Hilfeleisttmg ein freund- und kameradschaftliches Verhältnis heraus, das wieder eine Reihe von Tugenden erweckt (Gefälligkeit, Höflichkeit, Nachgiebigkeit, Hilfsbereitschaft), die für das weibliche Geschlecht von nicht zu unterschätzendem Werte sind.
Wer z. B. schon eine Schulküche im Betriebe gesehen hat, der wird sicher durch eigene Anschauung von dem hohen Werte des obligatorischen Hauswirtschaftsunterrichtes und des mit ihm verbundenen Lebens- und Bürgerkundeunterrichts aufs klarste Überzeugt. Uebcrall ist Emsigkeit, zielbewußte Tätigkeit, Freude und Interesse vorhanden. Die alberne Meinung, daß die Mädchen all das am besten von der Mutter selbst lernen, wird gründlich korrigiert. Mancher Gegner und manche Gegnerin sind durch persönliche Anschauung zu Freunden des obligatorischen Hauswirtschaftsunterrichtes geworden, denn sie haben erkannt, daß dieser Unterricht nicht nur private, sondern auch volkswirtschaftliche und sozialethische Ausgaben erfüllt.
Die $tau in der Küche.
— Getrocknete Gemüse. Jetzt werden die Kellergemüse im Geschmack allgemach etwas fade, deshalb seien die getrockneten Gemüse empfohlen, die lange nicht genug geschätzt werden. Sie müssen am Abend vorher eingeweicht und am anderen Morgen abgewaschen werden, dann bringt man sie, wie frisches Gemüse, in leicht gesalzenem Wasser zu Feuer und kocht sie genau rot" jedes frische Gemüse Besonders zu empfehlen sind Bohnen, Spinat, Wirsing und Mohrrüben.
— Li- und Schinkenschnitte. Aus altem Brot runde Schnitten ohne Rinde etwa in der Größe eines Setzeis schneiden, in Fett goldbraun backen. In der Mitte eine runde Vertiefung ausstechen oder schneiden, mit gehacktem Schinken füllen und mit einem sauber rundgeschnittenen Setzei (evtl, durch ein umgestülptes Glas ausstechen) zudecken. Recht heiß servieren und evtl, mit gehackter Petersilie ober Schnittlauch bestreuen.
— Hammelfleisch wirb leibet von vielen nur ungern genossen und doch gehört es zu ben gesunden Fleischsorten, die besonders leicht bekömmlich und besonders bei Darmbeschwerden (eicht vertragen werden. Hammelbrühe wirkt bei Durchfall oft Wunder Sie sieht etwas hell aus, wer sie dunkel von Farbe haben will bräune einige rohe Zwiebelscheiben auf der Herdplatte und koche sie mit. An Hammelbrühe können Reis und Graupen, auch Nudeln gegeben werden.
Die praktische Hausfrau.
Sttuminium
reinigt man am besten und billigsten mit erkalteter Brikettasche, die mit einem weichen Lappen auf dem Mumimumtopf verrieben wird. Man poliere mit einem weichen Tuche nach, nachdem man nochmals ;s heißem Wasser gespült hat.
Brucheier zu kochen.
Um gesprungene Gier noch zu kochen, gibt es ein ver- hältnismäßig einfaches Mittel. Man setzt dem Wasser, das beim Einlegen der Eier stark kochen muß, einen Löffel Essig zu. Dies Verfahren ist natürlich nicht bei Eiern anwendbar, deren Schale stark eingedrückt ist.
Glasstöpsel zu lösen.
Glasstöpsel bleiben zu gern im Flaschenhals stecken. Man nimmt dann einen Kochlöffel und klopft ringsum den Flaschenhals, wobei man die Flasche am besten ntit der linken Hand etwas stützt. Auf diese Weise wird sich der Stöpsel rasch und leicht löfen;
Gummimäntel
werden mit verdünntem Salmiakgeist abgerieben, um Schmutz und Flecken zu entfernen. Ebenso kann man Gummimäntel, wenn die Flecke noch nicht gar zu alt sind, mit reinem Seifenwasser abwaschen. Das Wasser darf nicht sehr warm sein, da sonst die Appretur des Mantels leidet und er nicht mehr wasserdicht ist.
Rohe Zwiebeln
sind ein ausgezeichnetes Reinigungsmittel. Man reibt mit ihnen Bronee-Gegenstände ab, reinigt auch stark verschmutzte Glassachen mit dem Saft der rohen Zwiebel und entfernt weiter auch Grünspan auf Messingteilen.
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Sie grüne Saffianmüppe.
Roman von Harold Effberg.
Copyright dy Carl Dunksr, Berlin 251 --
Jetzt wurde es Leo ganz leicht ums Herz, jetzt hatte tr die Gewißheit, nicht Olaf ßilloe ist auf dem Schlosse ?es Stahlmagnaten zu Gast, sondern Leo Ortrand, er frlbst. Ihm galt die Bewunderung der Anwesenden, persönlich allein. Nicht jenem Schemen, der viel- leicht — der Gedanke kam ihm erst jetzt — der Schemen ''#es Toten war! War denn Lilloe überhaupt noch am An seinem Aufkommen wurde doch gezweifelt, .J" wenn er tot war, was ging er ihn noch an! Er s^>te und das Leben mar schon, so schön, wie er es sich y girier wildesten Phantasie nicht erträumt hatte.
o drese Lebensfreude klang wieder aus dem nächsten «,hutf- das er spielte und wieder dem nächsten.
er da fiel ihm ein, Christa sollte doch fingen, Christa, allein er in Wahrheit gespielt hatte. Er er- l ^crte Lily <»t ihr Gespräch am Teetisch. Christa er» W „Wenn Sie mich begleiten wollen, Herr Lil- - fmge ich gern, aber — es hat hoffentlich niemand dagegen — wenn ich deutsche Lieder finge und in Äscher Sprache?"
&l!e verneinten.
Christa stellte einen Band Brahms auf das Noten- °es Flügels, an dem Leo noch faß. Ihr weicher, Ol,,i.^r Arm streifte ihn unwillkürlich, als sie das Buch ^nchlug.
fdh^r^ta ^an9‘ Leo wußte nicht, ob künstlerisch ober nicht, es war ihm gleich, ihre Stimme tönte nnig und warm, die Worte, ein jedes ihm vertrant, ftc wit ihrer leicht gefärbten Aussprache fang, schlu- ij. ln fein Innerstes wie himmlische Musik, klangen ftn’f'1'5 ^e*en f'e nur für ihn bestimmt, als wollte sie kahlen lassen, was sie ihm zu sagen sich noch scheute. Ätohi um den Zauber zu brechen, der sich auf beide L,* Hoden schien, schlug Lily vor, als sie geendet E- • 3u tanzen und ließ das Grammophon kommen.
„Das können Sie doch wenigstens", hatte sie schnippisch zu Leo gesagt, „wenn man so himmlisch spielt wie Sie, muß man auch tanzen können!"
Schnell wurden in der Halle die Teppiche fortgeräumt und Leo begann mit Lily den Tanz. Sie schmiegte sich zärtlich in seinen Arm und sah bewundernd zu ihm auf.
„Sie sind so ganz anders als unferc Jungens hier. Ich bin Ihnen gar nicht mehr böse, daß Sie nicht Golf spielen. Das würde wahrscheinlich auch Ihren Fingern schaden, und das wäre doch schrecklich. Es muß doch wundervoll sein — sie konnte ihr Lieblingswort nicht unterdrücken — eine solche Gabe zu besitzen. Wieviel Freude können Sie doch damit anderen Menschen machen!"
„Hat es Ihnen Freude gemacht?"
Sie drückte seine Hand — „und wie!" — und sah ihm herzlich in die Augen. „Ich war ganz gerührt als Sie spielten Es hat mich so ergriffen. Sie werden jjetzt jeden Abend spielen, solange Sie hier sind, das müssen Sie mir versprechen! Morgen abend kommen mehrere Familien aus der Umgegend, es sott, glaube ich, getanzt werden, aber vorher müssen Sie uns etwas geben".
„Herzlich gern", sagte Leo, den schon wieder ein Schauder bei dem Gedanken ergriff, mit neuen Menschen zusammen zu kommen. Gebe Gott, daß keine Norweger dabei sind oder ich lege "mich krank zu Bett, bis sie fort sind!
Lily ließ nicht locker, er mußte wieder und wieder mit ihr tanzen, während er mit einigem Neide sah, wie gut der Major mit Christa tanzte. Sie warf ihm häufig einen schelmischen Blick zu, der ihn etwas tröstete. Schließlich gelang es ihm aber doch, sie von ihrem Partner loszubekommen. Und wie am 2lbenb im Savoy- Hotel gab er sich ganz seinem Glücke hin .als er sie am Arme hielt.
„Ich habe Ihnen noch gar nicht gedankt", sagte sie, „Sie haben mich so wundervoll begleitet!"
Es kam ihm abgeschmackt vor, ihr seinerseits feine Bewunderung auszudrücken und doch konnte er es nicht lassen. Sie wies sein Lob zurück.
„Wenn Sie nicht vorher so ... ich weiß keinen Ausdruck dafür, so gespielt hätten, wäre es mir vielleicht
nicht so gut gelungen. Ich habe nie gewußt, daß man soviel Musik hineinlegen kann! Ich hatte das Gefühl, als wollten Sie ... ad; lassen wir das", sagte sie plötzlich schnell . . . „mir wollen nicht sentimental werden, das ist nicht mehr modern."
Leo schwieg. Dann sagte er: „Vor Tisch im Salon, was wollten Sic mir da gestehen?"
Sie sah ihn fragend an und wurde rot: „Ach gar nichts, ich weiß nicht mehr!"
„Doch, doch das gilt nicht!"
„Nein, vielleicht ein anderes Mal."
Er ließ sie los und sie ging und fetzte sich neben Lady Burnhill, die den Tanzenden zugeschaut hatte.
Cs war fast Mitternacht, als man sich trennte.
-Ich darf doch noch zu dir kommen", sagte Lily zu Christa, „wir plaudern noch ein bißchen."
So war Leo die Möglichkeit genommen, Christa noch einmal zu fragen, was sie hatte. Im Stillen hatte er gehofft, er könne sie bis an ihre Zimmertür begleiten. Da Hansens nicht gekommen waren, waren sie beide doch die einzigen, die im Gästeflügel wohnten. So blieb ihm nichts anderes übrig, als auf die Aufforderung Burnhills, im Billardzimmer noch eine Pfeife zu rauchen und einen Wisky zu trinken, diesem und dem Major dorthin zu folgen.
*
Die Sonne brach strahlend durch den November- nebel dusch, als das Auto vor dem Klubhaus borfuhr. Der Major mit Christa neben ihm hatte es gesteuert, während Lily mit Leo hinter ihnen gesessen hatten. Lev hatte das unbestimmte Gefühl, als ob Lily sich zu ihm hingezogen fühlte, ja, sogar noch mehr, als ob die beiden Freundinnen sich bei ihrer nächtlichen Unterhaltung auch über ihn ausgesprochen hätten. Unbewußte Anspielungen auf feine Unterhaltungen mit Christa in Paris und London bestärkten seine Vermutung. War das nun nur ein Flirt und hatte. Christa ihn ihrer Freundin für die Zeit ihres Aufenthaltes überlassen, ober hatte die Musik in dem Mädchen neben ihm wärmere Gefühle erweckt? Sie machte anscheinend" daraus gar keinen Hehl, daß er ihr gefiel, und daß er ihr gegenüber liebenswürdiger fein durfte, als im allgemeinen üblich war. Sie hatte ihn nach allem möglichen
gefragt und er hatte ausweichend geantwortet. Er konnte doch ihr am wenigsten die Wahrheit sagen, aber immerhin war er heute nicht so zurückhaltend und abweisend gewesen, wie am gestrigen Abend in feiner Angst vor dem dänischen Ehepaar. Und als sie bei ei» , uem plötzlichen Stoß des Wagens näher an ihn herangerückt war und sogar versehentlich ihre Hand die (einige berührte, war er nicht zurückgewichen und hatte die kleine Hand in die (einige genommen. Bei ihr hatte er weniger Bedenken, als bei Christa. Am Montag verließ er Durham House und da ergab sich das Ende von selbst. Warum sollte er ihr nicht den kleinen Gefallen tun? Für ihn bedeutete es nichts. Bei Christa hätte er es nicht gewagt und wieviel lieber wäre ihm doch Christa an seiner Seite gewesen! Gelegentlich hatte er einen Blick auf sie nach vorne geworfen, aber der Pelzkragen und das kleine Hütchen hatten sie völlig feinen Augen entzogen, und sie hatte sich nicht einmal nach ihm umgesehen! War das etwa auch verabredet?
Kaum waren sie ausgeftiegen, als Lily ihren Arm in Christas schob und eifrig auf sie einredend mit ihr ins Klubhaus ging.
„Wir kommen gleich an den Abschlggplatz!" rief sie über ihre Schulter gewandt den beiden Männern zu. „Ich will mir nur andere Schuhe anziehen."
Der Major führte Leo durch bas niebrige, einstöckige Haus, zeigte ihm bas Klubzimmer unb ließ sich bann vom Trägermeister seine Tasche mit ben Golfschlägern geben, bie sich der Junge sofort über die Schulter hing Dann gab er sich Mühe, Leo bas Spiel zu erklären und sie sahen einem Paare zu, das gerade adspiette. Bald darauf traten Lily und Christa, gefolgt von ebensolchem Jungen mit einer Schlägertasche über den Schultern, aus dem Hause. Leo sah gespannt ihrem Beginnen zu. Lilys Träger setzte btn Ball auf ein kleines Klümpchen Erde auf und sie tri b ihn, mit mächtigem Schwünge ausholenb und mit einer Kraft, die er ihr nicht zugetraut hatte, weit außer Sicht. Der Major folgte ihrem Beispiel und dann zogen bie beiden ihren Bällen nach. Leo folgte ihnen mit Christa.
(Fortsetzung folgt.)