„Beten wir, Herr," flüsterte sie ihm zu.
Und beginnt mit den Bitten des Gebetes des Herrn: „Vater unser . « ."
Ihre Hände, ihre reinen, unschuldsreinen Mädchenhände, hat sie gefaltet und spricht mit klarer, reiner Stimme die Worte: „Der du bist in dem Himmel"
Die Leute sind verblüfft und maßlos überrascht. Daran hat wahrhaftig gar niemand von ollen gedacht! Beten — ja, man kann, man muß jetzt beten!
„Geheiliget werde dein Name."
Geheiliget der Name des Allerhöchsten, gelobt und gepriesen in dieser Umgebung auch. Hochgelobt der Herr der Welten, den das Sternenheer im Reigen in von Ewigkeit her vorbestimmten Bahnen rühmet, ebenso wie das kleinste Krebschen im Wassertropfen — hochgelobt auch hier im Donnern der Weltstadtstraße.
Zögernd erst, aber dann überwältigt von der Weihe dieses schweigenden Lobegott, ziehen die Männer den Hut, alle. Auch der Arzt nimmt seine Kappe ab, verschränkt seine Hände. Steht ernst.
„Dein Wille geschehe . .
Mit Anstrengung, mühsam formen die blutbesudelten Lippen des Sterbenden dieses Wort menschlicher Ergebung und Anerkennung göttlicher Schicksalsbestimmung:
„Dein . . . Wille . . . geschehe..." — Wie im Himmel, so auch auf Erden. Geschehe — geschehe . . .
Siehe, dort eine Frau und da ein Mädchen — sie hcfpn mit: (Sih tun« heute unser täglich Brot . . ."
Aschermittwoch.
Von Stefan Musius.
Aus grauen Nebeln bricht ein müder Tag, dem keine Sonne scheint.
Der Stein bleibt feucht und trocknet nicht — Denn früh hat jemand auf den Weg geweint.
Ein Wind spielt leise mit des Weges Staub. Er weht ihn hin und weht ihn her---
Willst Du Dein Wahnbild immer noch nicht lassen und hebst die Arme auf zur letzten Wehr, Du späte Maske aus den frühen Straßen?
Auf Deinen Armen, Deiner Stirn liegt Staub.
Grau fällt Dein Gewand, schwer ist Dein Stand---
Du späte Maske von des Lebens Karneval, wer zeichnete in Deinen Wandel dieses Afchenmal?
Aur Einigkeit macht stark.
Mancher hat es uns übel genommen, daß wir eine Aussprache über das Verhältnis der katholischen Standesvereine und Organisatio- nenzueinanderundihreZusammenarbcit in der Gemeinde angeregt haben. Man hat uns sogar eine unlautere Absicht unterschoben, besonders aber darauf hingewiesen, daß es schädlich sei, in der Oeffent- lichkeit auf die Gegensätze hinzuweisen. Nun sind wir zwar der Ueberzeugng, daß es nicht richtig ist, wenn man sachlich begründete Meinungsverschiedenheiten einfach übersieht und sie aus Gründen einer repräsentativen Einigkeit — die im entscheidenden Augenblick versagt — zu vertuschen zu müssen glaubt. Wir brauchen aber auf diese Meinung nicht näher einzugehen, weil es uns bei der Aussprache nicht darauf ankakn, die Gegensätze möglichst schroff einander gegenüber zu stellen, sondern wir wollten im Gegenteil um Verständnis bei dem einen für die Haltung des anderen werben und die Einsicht bei der großen Masse der Bereinsangehörigen wachsen lassen, daß jede Organisation ihre Aufgabe hat und sinngemäß
erfüllt, wenn sie sich bewußt und freudig in die katholische Aktion eingliedert. Eine Zusammenarbeit ist nur möglich, wenn das Bewußtsein und der Wille vorhanden ist, daß jeder Verein und jede Gruppe nur G l i e d> ist, und kein Selbstzweck.
Daß diese Zusammenarbeit der katholischen Vereine in einer Gemeinde notwendig ist, wird wohl im Ernst niemand bestreiten. Die Zusammenarbeit darf sich aber nicht darauf beschränken, daß sich die Vorstände ab und zu einmal zur Erledigung von geschäftlichen Fragen in einem „Komitee" treffen. Wir möchten für die Jugend wenigstens ein festeres Band. Der Jugend kann es nicht genügest, daß man auf Tagungen und bei sonstigen offiziellen Anlässen schöne Worte über die katholische Einigkeit findet, in der Praxis sich aber mehr oder weniger versteckt mit allen Mitteln bekämpft. Man vergißt dabei ganz, daß die Gegner die lachenden Dritten sind. Das sind keine Hirngespinste, vielmehr hat jeder, der die Ereignisse der letzten Zeit in unserer engeren Heimat mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, diese traurige Erfahrung machen können. Die Jungen sind heute hellhörig und sehen diese Dinge schärfer als früher. Sie wollen nicht weiter schöne Worte hären und stillschweigend in dieser Atmosphäre voll törichten Gezänkes ihre Schwungkraft verlieren. Sie glauben noch an die Möglichkeit einer von idealer Gesinnung und dem lebendigen Bewußtsein der gleichen Art und Bestimmung getragenen Gemeinschaft der katholischen Jugend.
Unsere Aufgabe ist es, dieses Ziel zu erkämpfen. Notwendig ist dazu, daß wir uns stets auf das Wesentliche unseres Zusammenseins in einem katholischen Vereine oder in einer Gruppe besinnen. Wenn wir in der praktischen Arbeit uns diesen Blick auf das Ziel nicht trüben lassen, dann wird sich auch in den Fragen zweiter Ordnung, wo die einzelnen Vereine sich in Konkurrenz gegenüber stehen, eine Übereinkunft treffen lassen, weil sich jeder bemüht, im Interesse der katholischen Gesamtheit zu handeln. Weitere Worte möchten wir uns für heute ersparen. Nur sei dem Wunsche noch Ausdruck gegeben, daß die katholischen Jugendvereine der Stadt Fulda und des Landes bald eine engere Fühlung untereinander nehmen. Vielleicht kann in der Sitzung, die von der DIR. für Mittwoch mittag in die „Harmonie" nach Fulda einberufen worden ist, der Grundstein für die „Katholische Jugend Fuldas" gelegt werden.
pflegten intellektuell-theoretischen Bil- I dungsideals und der Staatsomnipotenz. Wer sehen will, dem steht der Weg der Ueberwindung dieser ganz akuten „Bilungskrise" klar vor der Seele. Ob wir aber die Männer finden, die den Mut und die Kraft haben, die neuen Wege zu gehen? Oder ob das Elend erst noch viel größer werden muß, ehe wir beginnen, umzulernen?
Dorfführerkursus in Hünfeld.
Ein Teilnehmer an dem in der vergangenen Woche in Hünfeld abgehaltenen Dorsführerkursus schreibt uns:
Der große Saal des Gesellenhauses war am Dienstag, den 25. Februar, gefüllt bis zum letzten Platz. Es waren in der Mehrzahl junge Menschen, die sich eingefunden hatten. Vollzählig erschienen waren die Landwirtschaftlichen Winterschulen von Hünfeld und Fulda, sowie die Haushaltungsschule von Hünfeld. Einschließlich der wackeren Jungens von Lüdermünd, die den weiten Weg in der Morgenfrühe schon mit dem Rade zurückgelegt hatten, werden es wohl 180 bis 200 Jugendliche gewesen sein, die in Hünfeld versammelt waren. Außer ihnen waren zugegen Landrat Ludwig von Hünfeld, eine Anzahl Geisüiche und Lehrer (von denen allerdings die meisten durch den Dienst am Kommen verhindert waren), Vertreter des Kreisausschusses, Bürgermeister und noch manche, die mit dem Gegenstand der Tagung irgendwie innerlich verbunden waren.
Kaplan G r ö s ch-Hünseld, dem unermüdlichen Jugendfreund und Jugendsührer, gebührt der Dank für das Zustandekommen der Tagung, deren Leiter er auch war. Die Vorträge wurden gehalten von A l o y s Seyock-Düsseldörf, dem über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten Jugendführer.
Er sprach zunächst über die Not des Dorfes und des Bauerntums. Das für die meisten Zuhörer Neue an diesem Vortrag war, daß der Redner überzeugend zeigte, daß die viel besprochene wirtschaftliche Not nur ein Teil der wirklichen Not ist. Auch wenn sie behoben wäre, bliebe das Wichtigste noch zu tun, denn die Not des Dorfes und des Bauerntums ist seelischer Art.
Am Nachmittag gab der Redner Hinweise zur praktischen Gestaltung dessen, was er am Morgen als Not und Notwendigkeit gekennzeichnet hatte. Aus dem Dorfs und dem Bauerntum selbst müssen die Führer erwachsen, und das sind die, welche bereit sind, aus sich den echten Menschen zu machen, den Dorf und Bauerntum heute braucht.
Am Mittwoch sprach Seyock über die Siedelung. Er kennt die Siedelungsgebiete und Siedelungen Deutschlands aus eigener Anschauung und zeigte die für unser Volks- und Bauerntum so wichtige Frage in einem neuen Licht. Frei von jeder parteipolitischen Einstellung rollte hier ein Sachkundiger eine Lebensfrage des deutschen Volkes auf, die von den meisten Volksgenossen in ihrer ganzen Tragweite noch nicht erkannt ist. Anschließend behandelte der Redner kurz die Frage der Heimge- st a l t u n g in neuem Geiste.
Der letzte Vortrag am. Mittwoch nachmittag zeigte zusammenfassend den Führer der Dorfgemeinschaft. Er muß nicht notwendig Bauer fein, wohl aber ein Mensch, der das Bauerntum aus tiefster Seele bejaht. Es muß ihm zu tun fein einzig und allein um das Wohl der Menschen und nicht um eigenes Wohl oder Ansehen.
Kuratus Arend gab aus reicher Erfahrung heraus Ratschläge zur Gestaltung des Dorf, und Jugendheims, das im neuen Dorfe der geistige Mittelpunkt sein wird neben Kirche und Schule.
Neu für die meisten Teilnehmer waren die feinen Einstimmungen, die Kaplan Grösch gab durch Vorlesen eines passenden Evangeliums zum jeweiligen Beginn. Neu waren auch die zwischendurch gesungenen Lieder, die viel dazu beitrugen, den Geist der Veranstaltung beschwingt und lebendig zu machen. Daß Seyock in meisterlicher Art Geschichten und Märchen oorlas, fei der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnt.
Damit ist in dürren Worten ein Umriß der Tagung gegeben. Dem Fernstehenden auch nur eine schwache Ahnung von dem Geiste zu vermitteln, der diese Tagung durchwehte, dürste leider unmöglich sein: und wenn er auch Wort für Wort läse, was Seyock in diesen beiden Tagen zu einer gebannt lauschenden Menge sprach, es wäre doch nur ein schwacher Abglanz dessen, was er uns wirklich gab. Denn er läse nur Worte und hätte nicht auch die Persönlichkeit dessen vor sich, der mehr war als nur ein Redner: ein Künstler und Verkünder von Wahrheiten, die so selbstverständlich und darum vielleicht so unerhört neu waren für alle, die Seyock zum erstenmal hörten.
Seltsam — es war nur die Rede von geistigen Dingen —, die dem Menschen von heute und dem Zeitalter des erbitterten Wirtschaftskampfes so fern liegen; es wurde gesprochen vor jungen Menschen, die im allgemeinen derartigen Dingen abhold sind. Aber selbst nach zweistündigem Vortrage sah man nur gespannt lauschende Gesichter und konnte keine Spur von Langeweile und Ermüdung wahrnehmen.
Und bas war das Wesentliche, was uns Seyock gab: Den Glauben an die Macht der seelischen
Sur Geschichte des Verechkigimgsweseus.
In „Schule und Erziehung" 1930, Heft 1, ver- s- . öffentlicht P. Dr. I. Schröteler, S. I., unter B obigem Titel den ersten historischen Teil einer interessanten Studie über das Berechtigungspro- btem. Das Ergebnis feiner Untersuchung der unheilvollen Entwicklung des Berechtigungswefens bringen wir nachstehend zum Abdruck:
Ueberschauen mir diese vielverzweigte, hier nur in ihren großen Zügen DargefteUte Entwicklung, so heben sich, wie uns scheinen will, fünf Faktorengrup- b e n deutlich heraus, die das Berechtigungswefen entscheidend beeinflußt haben dürften. Sie haben nicht zu ollen Zeiten in gleicher Stärke Niederschlag in den amtlichen Erlassen gefunden, ihre Wirksamkeit ist aber immer wieder spürbar.
1. Klar hebt sich von vornherein der Gedanke heraus, bej dem übergroßen Angebot an Studierenden, das sich als eine fast dauernde Erscheinung erweist, durch geeignete Maßnahmen eine solche Auswahl für das Studium an den Hochschulen, dann auch für die Anwärter bestimmter Beamtenlaufbahnen und schließlich überhaupt für die Aspiranten der sogenannten „gebildeten" Berufe zu treffen, daß nur wirklich Geeignete Zutritt fanden.
2. Diese Maßnahmen werden in fächerartig fortschreitender Entwicklung an den Staat übertragen in bem Umfang, daß die Staatsfürsorge heute nicht nur ’n der zur Berechtigung führenden Prüfung, sondern auch in der als Voraussetzung der „Reife" geforderten Ausbildung nahezu vollständig und lückenlos ’st. Wohl kaum sonst zeigt sich die uneingeschränkte Schulherrschaft des Staates so klar wie im Berechtigungswesen unserer Zeit. Das führte ebenso zu einer immer ausgeprägteren Zentralisierung und Uniformierung der Auswahlmaßnahmen wie zu einer immer stärkeren Unterbindung der Privatinitiative.
3. Als einzig mögliche Maßnahme für eine so univer- lette, von der Staatsfürsorge getragene Auslese der Ge- ^gneten bot sich eine int wesentlichen „Kenntnisse und Fertigkeiten" nochweisende „Prüfung" dar. Zwar soll bie sittliche Reife ebenfalls bescheinigt werden, sie entzieht sich aber dem „Examen". Die Prüfungsordnungen stehen durchaus im Banne eines intcllektualistischen Pildungsideales, das sich näher bestimmt durch eine, wenn "’cht total, so doch vorwiegend theoretische Einstellung. Dieses Bildungsideal beherrscht das Jahrhundert.
4. Während zu Beginn das staatliche Berechtigungs- eine innere Zuordnung zwischen der verlangten, durch Prüfung nachzuweisenden Leistung einerseits und wirklichen Ansprüchen der burd) «bie „Reise" zugänglichen Lebenslaufbahn andererseits bestand, lockerte sich der Zusammenhang im Laufe der Zeit immer mehr. D i c
„Reif e" besagt allmählich in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen gar nicht, daß der Schüler „reis", also wirklich vorbereitet für eine bestimmte Le- benslaufbahn ist, sondern nur, daß er eine gewisse theoretische intellektuelle prüfungsmäßig feststellbare Entwicklungshöhe erreicht hat, bie sehr oft gar keine entsprechenbe Voraussetzung für bie betreffende Lebenslaufbahn bedeutet. Der Berechtigungsschein eröffnet den Zugang zu allen möglichen Berufen, obwohl die Ausblldung, die der Geprüfte mitbringt, ihn keineswegs dazu besonders, wenn überhaupt qualifiziert. Auf diese Weise oerliert bas Berechtigungswesen in fortschreitenbem Maß seinen inneren Sinn und Gehalt. Artfremde Elemente strömen ihm immer stärker zu. Di'e Alleinherrschaft des intellektualistisch-theoretischen Bildungsideals verführt zu der großen Täuschung, daß Gedächtnis- und Verstanbesschulung, schulmäßig erworbenes Wissen und Können nahezu die einzige Möglichkeit zum Aufftieg in die höheren Berufe bilden. Damit wird die praktische Begabung in unheilvollster Weise diskreditiert und als Begabung niederer Ordnung gekennzeichnet. Unzählige junge Menschen müssen über bie intellektualistisch-theoretische Schule, für bie sie keinerlei ober nur schwache Begabung mitbringen, weil „dies" Berechtigungswesen es verlangt. Der Sinn ber „Reifeprüfung" als Mittel zur Auswahl wirklich für bas Uniocrfi- tätsstudiumGeeigneterwirbbamitvöllig verkehrt.
5. All biefe Faktorengruppen würben aber nicht so unheilvolle Wirkungen gezeitigt haben, wenn nicht schon früh eine starke Verkoppelung von „höherer" „B i I b u n g" unb „höherer sozialer Schicht" sichtbar geworben märe. Die zum Aufstieg ober zum Verbleiben in ber „höheren" sozialen Schicht ersorberliche „Reise" ist bie einseitige, burch statliche Prüfung nachge- wiesene intellektuell-theoretische Tüchtigkeit.
Auf biefe Weise führt das fast alleinherrschenbe Bil- bungsibeat ber Zeit, getragen von einer omnipotenten Staatsfürsorge, ganz eng verknüpft mit sozialem Ansehen unb Wohlstanb, zu einer verhängnisvollen Verengung ber „Berechtigungen" ober besser gesagt wirklicher Eignung.
Nur wenn im Bewußtsein bes ganzen Volkes die Idee einer inneren Korrelation zwischen Eignung und Lebenslaufbahn wieder lebendig wird, wenn man den schätzt, der seinen Platz wirklich ausfüllt, ob er theoretisch ober praktisch begabt ist, wen echte Leistung wie immer sie erworben ist, zum Aufstieg befähigt unb nicht ber staatliche Schein ober Stempel, wirb ber „Unsinn des Lcrechtigungswesens" überwunden.
In seiner jetzigen Form offenbart es in traurig großartiger Weife den Bankrott des einseitig ge- |
3m Donner der Slratze.
Von Georg P l o h o v i ch.
Die Straße donnert.
^Die Menschen, die in diesem Dröhnen, Poltern, Stau« ?en und grellen Signaltönen marschieren, vielmehr lau- pn unb, nach Verdienst suchend, eilend traben — Schnell- „°UTer des Lebens und galoppierende Reiter auf den ■pogenfämmen des Großstadttrubels — die merken es Hören nicht, als die inneren, treibenden Peitschen- ‘u‘e: vorwärts — rascher —, ehe dir jemand anderer öUvorkommt. Empfinden es nicht anders an den ihrer netcrV hastbedrängten Unrast entsprechenden Ausdruck.
Aber wer von außen kommt, etwa aus schweigendem „J^nb oder verträumten Waldwinkeln, dessen Ohren geb Q^en E’vdruck unverdorben aufnehmen unb weiter« 8 en- der weiß es gleich: bie Straße bonnert.
DDn &er Höhe auf bie nebel- und rauchverhängte ein Öt *n i3er Niederung blickt, die breit unb enblos wie e 3Ur Erde gesenkte Rauchwolke brütet, auch ber hört h-, Obigen, unbewegten Herbsttagen bas ferne Donnern *** fetrofje.
9eiB>er ®onncr verschlingt jebes Wort ber Straßen- E? . Uebertönt bas Rufen, übertönt auch den Hilfe- Pllld &es.alten Herrn, ben beim lieberschreiten des weiten P utzes ein Auto niederstieß. Er fiel auf bas Hinter
in einer traurigen Lache. Jetzt stockt ber Strom, bie Wellen branben um bas Eilanb bes zu Tobe geräberten Menschen, ber, am Rücken liegenb, bie Arme so von sich streckt, als wäre er an ein unsichtbares Kreuz genagelt.
Schon brängen sich Hilfsbereite burch bie Wagenreihen zum Verunglückten. Ein bicker Herr mit einer dicken Zigarre im Mund sagt — unb dabei wippt die dicke Zigarre zwischen feinen Lippen—: „Man muß der Rettungsgesellschaft telephonieren!" Aber das hat schon der Schutzmann besorgt. Jetzt hat dieser Schutzengel ber Straße zu tun, ben Verkehr wieder in Fluh zu bringen. Schon schelten die Autolenker und die Wagentür- chen offnen sich, aus denen ungeduldige Fahrgäste nach der Ursache der Stockung fragen. Die ganz rückwärtigen Wagen aber, die nicht wissen, was los ist, fangen ein gellendes, ohrenbetäubendes Hupen unb Grölen an.
Mit zweitönigem Sirenenfignal, bem die Wagen Platz machen, soweit sie können, kommt das Rettungsauto an- gesaust. Bei seinem Anblick hält auch die Straße den Atem an. Der Arzt besieht den Verunlückten, erkennt rasch die bedrohliche Lage. Schüttest unmerklich den Kops.
„Es dauert nur ein paar Minuten," hort man ihn zu ben zwei Gehilfen, bie bie Tragbahre losschnallen, sagen.
„Ein paar Minuten," flüstern bie Nächststehenden.
Ein Mädchen unter ihnen. „Ein paar Minuten — die wichtigsten, entscheidenden paar Minuten des ganzen Ledens" — weiß sie. Und drückt sich durch die Menschenmauer, kniet nieder bet dem Todesröchelnden. Neigt r-A ...
Dinge. Denn bei den Vorträgen tarn es einem so recht zum Bewußtsein, wie sehr dieser Glaube uns verloren ging. Wir alle wissen ja gar nicht, wie sehr unsere Seelen angekränkelt und zerfressen sind von dem Materialismus unserer Tage. Das ewige Klagen und Schimpfen über die wirtschaftliche Not unserer Zeit, über schlechte Preise und hohe Steuern hat sich auf uns gelegt wie ein grauer Nebel, so daß wir weder Sonne noch Sterne mehr sehen. Hier aber wurde dieses graue Gewölk des Mißmutes unb ber Niedergeschlagenheit zerstreut von ber sieghaften Kraft eines Menschen, ber selber lebt im Glauben an bas, was er sprach zu uns.
„Ich will bas echte beutsche Dors unb ben echten beutschen Bauer schaffen helfen, und ich will nichts weiter fein als er." Diese Schlußworte vom Vortrage des ersten Morgens sind Gelöbnis geworden in all denen, bie an biefen beiben Tagen in Hünfelb versammelt waren.
Die Milde eines schönen Vorfrühlingsabends lag auf den Bergen der Vorderrhön, als wir von der Bahn aus unserem abgelegenen Heimatdorfe zuwanderten. Wir waren ein Trupp von acht oder neun jungen Menschen, und mir alle waren diesen Weg schon wer weiß wie oft gegangen. Heute aber hatten wir tagsüber Seyock sprechen hören. Daher mochte es wohl kommen, daß einer leise zu singen begann. Einer nach dem anderen siel ein, und schließlich gingen wir alle im Gleichschritt und fangen. Die Leute am Dorfeingang rissen verwundert die Fenster aus. Kein Wunder, es war das erstemal, daß ein Trupp junger Burschen am Werktag singend von der Bahn kam.
Vielleicht erzählt diese kleine Begebenheit mehr von der Hünfelder Tagung als ein wortreicher Bericht. L.
Konferenz der Zugeudvereine in Fulda.
Die Gauleitung der D3fi. gibt bekannt:
ArnMittwoch, den 5. 3. (Aschermittwoch) nachmittags 3 Uhr, findet in ber Harmonie in Fulba eine sehr wichtige Besprechung der Stammverbände der DIK. statt. Wir laben dazu ein alle H. H. Diözesan- präfibes und Bezirkspräsides, alle Diözesansenioren und Obleute. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben.
kleine Mitteilungen.
Das Jrantfurter haus der 3ugenb.
Der Bau des Hauses der Jugend geht seiner Vollendung entgegen. Die Einweihung wirb in ber ersten Hälfte bes Mai erfolgen. Zunächst wird die Jugendherberge mit 330 Betten eröffnet, sowie neun Räume für Iugendheimzwecke unb ber große Vortragssaal.
Cfperanfo-Strbeit in der katholischen 3ugenb.
Man schreibt uns:
Unter der katholischen Jugend aller Länder hat die Cfperanto-Bewxgung in letzter Zeit bedeutsame Fortschritte gemacht. Die Welthilfssprache findet vor allem umfangreiche praktische Anwendung in der Katholischen Weltjugendliga, die in fast 100 Ländern aller fünf Erdteile Mitarbeiter hat und für die Zusammenarbeit katholischer Jugend eintritt. In Köln erscheint ihre Esperanto- Zeitschrift „La juna Batalanto" (Der junge Kämpfer). Bischof Majlah von Alba Julia in Rumänien ist Protektor des Verbandes und arbeitet auch selbst an seiner Esperanto-Zeitung mit. Die Katholische Weltjugendliga verwendet Esperanto als offizielle internationale Verkehrssprache. Bei den zahlreichen von ihr veranstalteten Konferenzen, im letzten Jahre z. B. in Turin und Barcelona, fand es Verwendung.
Für bas beutsche Sprachgebiet veräfsentlichte bie Liga vor einiger Zeit einen Aufruf „Katholische Jugenb und Esperanto" ber von führenben Persönlichkeiten aus mehr als 40 Bünben katholischer Jugenb- und Friebensbewe- gung unterzeichnet war.
Von Zeit zu Zeit frohen in verschiebenen Gegenben sogenannte „Esperantotreffen katholischer Jugenb" statt, bie zwei Tage bauern unb Gelegenheit geben, in Vortrag unb Aussprache, Lied (!) und Spiel Hebung in der Welthilfssprache zu erlangen. Man zählte jedesmal weit mehr als 100 Teilnehmer. — In Gent (Belgien) veranstaltete der belgische katholische Esperanto Jugendbund unter dem Protektorat des dortigen Bischofs einen gutgelungenen Esperanto-Studientag. — In Köln fand im Kolpinghaus eine Esperanto-Ausstellung des Katholischen Gesellenvereins statt. Prälat Hürth, der Generalpräses des Gesellen- verbandes, ber in 20 Ländern mehr als 100 000 Mitglieder umfaßt, hielt die Eröffnungsansprache und gab der Hoffnung Ausdruck, Esperanto möge auch den Kolpings- sohnen aller Welt zur Schaffung einer besseren Verständigung unter einander behilflich sein. — Wie „La juna Batalanto" meldet, hat in China die katholische Welt- jugenbliga schon in 6 Provinzen Esperanto-kundige Delegierte unb Mitarbeiter. Der Bischof von Sianfu gab Esperanto-Unterricht in seinem Seminar, unb jetzt arbeitet bort eine rührige Gruppe. Der chinesische Landes- verband der Katholischen Weltjugendliga gibt eine kleine Zeitschrift unter dem Titel „Sio-Ming-Sing" in chinesischer Sprache und in Esperanto heraus.
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec. publ. Joseph Sauer-Fulda.
Wir essen hartes, trockenes Brot.— viel härter als jenes, das du spendest im weiten freien Land unseren glücklicheren Brüdern. Heute gabst du Brot — wenig- stens auch Brot. Morgen — was wird morgen fein? —
Wie ein demütiges, schuldbewußtes Aufschluchzen geht es durch die ergriffene Menge: „Vergib uns unsere Schuld." Wieviel fehlen wir täglich und keuchen schuldbeladen unseren Steinweg. Vergib — vergib!
„Wie auch wir vergeben unseren Schuldigem — führe uns nicht in Versuchung — sondern erlöse uns . .. Erlöse uns von allem liebel . . ."
Der Sehnsuchtsruf ber Menschheit: Erlösung! Diese Großstadtsklaven beten ihn: erlöse uns von ben Ketten ber Unraftqual — bem Zwang ber Lebensgier — der Gebe bes Diesseitsgebundenseins. Mach uns frei von allem liebel . . .
Und alle, alle sprechen es laut mit, das beteuernde: „Amen."
Dann fährt das Auto mit dem Totgeräderten in bie Leichenkammer. Ein Manu kommt unb spült ben Blutfleck vom Asphalt. Die Menschen gehen ihre Wege, laufen, rennen, stolpern weiter. Unb die Straße donnert wieder.
Es ist das gleiche drohende, unheilbringende Grollen. Aber ist es nicht, als klänge jetzt noch ein anderer, ein • neuer, versöhnter Ton mit? Als schwänge der fiiberreine Klang ber Mäbchenstimme, bes mutigen Großstadtapostels im ßaiengewanbe durch das irdische, erdgebundene Lärmen al« Ausruf nach oben?