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2. Blatt

Druck der Fuldaer Acklendruckeret, Fulda.

falls bekannt ist, die Gewohnheit hat, in einem Hochfrequenzfeld aufzuleuchten. In den Händen des Herrn Zeileis allerdings hat sie nach dem La- zarusfchen Vortrag in der Berliner Medizinischen Gesellschaft den Zweck, „den Patienten auf die Wun­derkräfte von Zeileis einzustellen". Mit Recht weist Herr Professor Lazarus darauf hin, „eine Diagnose wäre ja an sich bei Zeileis bedeutungs­los, da er sämtliche Krankheiten mit der gleichen Methode behandelt".

Die Erfolge des Herrn Zeileis? Dem Dortrag des Herrn Professors Lazarus ist folgende Blüten­lese entnommen: Kropf hinter dem Brustbein, durch Operation sicher heilbar gewesen, stirbt auf der Heimfahrt von der Zeileis-Behandlung an Er­stickung. Patient mit Brustfellerguß, durch recht­zeitige Punktierung zu retten, stirbt unmittelbar nach Behandlung dllrch den elektrischen Magier. Frau mit kindskopfgroßer Geschwulst, monatelang bei Zeileis mit Hochfrequenz behandelt, wird, bei­nahe verblutet, in das Linzer Krankenhaus einge- liefert. „Gezeileiste" Magengeschwüre werden in verzweifeltem Zustand zu den Barmherzigen Brü­dern nach Linz gebracht. „Gezeileiste" Herzkranke oder Krebsleidende, die als geheilt entlassen wur­den, sterben kurz darauf. Eine Krebskrankheit wird allerdings nachweisbar geheilt: sie war von Anfang an nicht da- die Patientin wird drei Jahre lang in einer furchtbaren Krebsangst gehalten, also „gezeileist". Im übrigen bleiben alle Fälle, die einer Suggestivbehandlung nicht zugänglich sind, ungebessert. „Die tatsächlich Gelähmten bleiben lahm, die Blinden blind, die Krüppel Krüppel." (Prof. Lazarus in seinem Referat.)

VT.

Ueberall entstehen Zellersinstitute. Der Grün­der droht mit Klagen gegen seine wissenschaftlichen Gegner und läßt 1500 "Patienten für sich auftreten. Ob er Schlosser aus Wachenroth oder Doktor med. 'st, scheint weniger wichtig als die viel grundsätz­lichere Frage: Machen jetzt die Behörden den My­sterien des Wunderdoktors mit der Zauberröhre ein Ende oder wird wei-er „gezelleist"?

Hanns D erst r off,

* Aus den Händen chinesischer Piraten Befreit Wie Havas aus Peking berichtet, find der französi­sche Pater Barriere und ein Kommissar, die gele­gentlich fremdenfeindlicher Erhebungen in Lang Tscheu in die Hände chinesischer Piraten gefallen waren, aufgrund von Verhandlungen der französi­schen Behörden befreit worden.

BL 51.

Sonntag, den 2. Marz 1930.

Fuldaer Zeitung

Rund um die Woche.

Notopfer.—Bildung und Finanz.—Törichte Eltern.—Die Flucht vor der Handarbeit.

Das hörte ich nun an einem und dem gleichen xage. Ein höherer Beamter einer Stadtverwal­tung erzählt mir, sie wären eigentlich ein reiches Deineinwesen, aber bei den Ausgaben von heute oÄrden sie wahrscheinlich auch übers Jahr den Bankerott anmelden müssen ... Als er das sagte, sah ich den Pleitegeier 'n den Lüsten schweben und wurde ganz melancholisch. . . Dann sah ich m der Nähe einen prachtvollen Bau neu erstehen. Die Glasdecken darin waren vom teuersten Stoff, den es überhaupt auf der Welt gibt, der Ouadrat- meter 22 Reichsmark . . . Es war ein neues Ge­bäude für eine Behörde auf einem Platze, wie ihn kaum ein privates Unternehmen kaufen könnte. Ober man lese die Erinnerungen des Rechnungs­hofes über die Ausgaben mancher Ministerien. Wir brauchen keine Pessimisten zu sein, und das hört man auch aus den Verhandlungen zwilchen den Wirtschaftlern heraus, ebenso wie aus den Er- ortenmgen über den Poungplan, aber bei solcher Ausgaben wirtschaft kann man es werden. In jeder Stadt hört man ähnliche Dinge, und eben das bringt einen zur Verzweiflung. Ein drittes Ge­spräch will ich auch noch erwähnen: Zwei Beamte unterhielten sich über das Notopfer. Es waren edle Menschen, wie ich bald merkte. Und zustim- men mußte ich ihnen heinllich, als sie sagten, sie brächten solch ein Opfer schon gern, auch wenn sie ihren Teil Schulden hätten, aber wenn man dann sähe, wofür das Geld gebraucht werde— sie wuß­ten das sehr genau —, dann verzichteten sie lieber auf das Notopfer und brauchten das Geld selber. In der Tat: Jeder für s?ch soll fein Notopfer brin­gen, das allein hilft.

In dieses Ausgabenkonto gehört auch die Schul­frage. Ach, wie habe ich in der letzten Zeit so oft meinem Schöpfer gedankt, daß er mich vor den „Pädagogen" bewahrt hat! Es gibt immer mehr von dem Fach, und natürlich muß jeder, der weiterkommen will, eine neue Methode erfinden. Wahrlich, die Erziehunaskunst steht in Blüte! Man weiß, wie man einen Jungen tröstet und wie man ihn austlärt. Aber man weiß nicht mehr, daß Herzensbildung beim Pädagogen das Geheimnis aller Erziehung ist. Es ist am Ende nicht nötig, daß ein Lehrer sehr viel Kenntnis hat, denn so viel, wie er braucht, lernt er bald. Nötig aber ist, daß er selber ein Lebenskünstler ist, daß er überhaupt etwas seinshast ist. Wer hat mich denn selber erzogen, d. h. an welche Lehrer erinnere ich mich heute nach so vielen Jahren noch am lebhaftesten? Nun, bestimmt nicht an die Gescheitesten, sondern an jene, die uns als vornehme Naturen, als liebende Freunde, als echte Meister gegenüber« standen. Dieses Ethos, wie man es wohl nennt, kommt aber nicht vom Wissen, es kommt vom Charakter. Auch wirkt auf die Kinder zu Hause weniger das, was die Eltern sagen, als das. was sie sind. Unsere Kultur spricht zu viel Worte, wo das stille Beispiel genügte. Oder sie treibt auch eine Art Seelenmassage, wofür ich mich Zeit meines Lebens, namentlich wenn eine ge- K’ijfe Fcömmigeit sich dieser Sentimentalität be­diente, herzlichst bedankt habe.

Aber von der Schulfrage wollte ich sprechen, insofern das eine Finanzfrage ist. Von den 30 000 Abiturienten, die dieses Jahr die Gymnasien ver- lasien haben, brauchte man im normalen Verlauf

Kranke beim Magier.

Dec elektrische Aauberdokkor von Gallspach. — Was denkt die Wissenschaft über Zeileis?

H' i.

Sn Gallspach, einem kleinen Marktflecken in Oberösterreich, strömt das Leid aus aller Herren Lander zusammen und sucht Heilung bei „Doktor ineb. F. G Zeileis", dem Wunderdoktor. Täglich werden 1000 bis 2000 Personen in Gruppen von le 100 behandelt: Heilungen am laufenden Band, nne Massenfabrikation, die dem Heilindustriellen ßelleis nach Schätzunaen her „Medizinischen Welt"

der Dinge etwa ein Drittel. Was wird aus den übrigen 20 000? Hungerleider natürlich. Um aber diese Hungerleider auszubilden für ihren späteren Beruf, muß man die teuersten Bildungsinstitute unterhalten. Ein Student kostet dem Staat etwa 1000 Mark. Ist das nun nicht ein fürchterlicher Unsinn, den wir da betreiben? Die Volksschulen werden leer. Sind sie das Aschenbrödel, so gehen die Leistungen in ihr zurück. Jene Bildung, die ein Lehrling braucht, wird ihm nicht gegeben. Was soll er denn mit den Klassikern, wenn er mit sei­ner Hände Arbeit zu wirken hat? Seid doch ver­nünftig, liebe Eltern! Es ist nicht mehr wahr, daß die Zukunft des Jungen ober des Mädchens dann am besten gesichert ist, wenn sie „studieren". Nein, eben bas ist ber sicherste Weg zum Elend, ben es gibt. Ein Industrieller erklärte jüngst, baß auf ein einziges Stellengesuch nach einem Diplom­ingenieur 300 Bewerbungen eingegangen seien. Ist bas nicht beutlich? Die höhere Schule hat es nicht in sich, uns die Menschen zu bilden, wie sie die Wirtschaft heute braucht. Und so kosten uns diese höhere Bildungsanstalten nicht nur das Geld ihrer Erhaltung, fönbern sie schwächen auf bie Dauer auch noch unsere Arbeitskräfte. Das ist doch alles bie verkehrte Welt Gute Volks- und Mit- telschulbilbung, bas ist cs, was bie Kreise ber Wirtschaft und ber Kaufmannschaft heute vor allem schätzen, unb barnach sollte man sich richten.

Warum man nur bie einfach schlichte Handarbeit nicht tun will! Sie kann ja begleitet sein von einer vernünftigen Bilbung, bie im Rahmen bes Berufes liegt unb wie man sie zum Beispiel vor- bilblich in ben Häusern ber Gesellenvereine pflegt. Aber es ist nicht richtig, wenn man vier­zehnjährigen Mädchen nachgibt, bie schon in bie Stabt ober minbeftens als Verkäuferin in ein Warenhaus wollen. Warum? Nun einfach, da- mit sie abenbs frei sind unb damit sie sich amüsie­ren können. Sa merkwürdig es ist, es hat trotz der Not die Erziehung" zu harter Ar­beit nachgelassen. Die Jugend ist da nicht schuld, es liegt eben auch an den Erziehern. Bor einer Zeit waren eine Reihe Väter beisam­men und gaben sich gegenseitig zu, daß ihre Söhne braver seien unb soliber lebten, als sie selber in ben entsprechenden Jahren. Die Jugend ist bild­sam, auch heute noch. Aber diese Kultur, gemischt aus Papiermaschee unb Examensbescheinigungen, beibes Jnflationswerte, die ihren Mann nicht näh­ren, die wirb einst unsere bravsten Kinber in die Verzweiflung treiben.

Es gibt viele im Lande, die all dieses sehen. Und doch bemerkt man keine ernsten Ansätze zur Besserung. Wie kommt das? Ich glaube, daß es oft an sehr hohen Stellen liegt. Der wachsende Zentralismus bringt es mit sich, daß man an den Tischen der Regierungen und besonders auch an denen der theoretischen Pädagogen doch das Volk nicht kennt. Die wenigen, die es dennoch kennen, finden mit ihren Gedanken keinen Beifall. Im Apparat ist schon zu viel Klappern, als daß man ein Ohr behalten könnte mr bie feineren Regungen der Volksseele. Wollte doch bi» Demokratie bei uns endlich aus sich heraus jene Männer hervor- bringen, die die Dinge sehen, wie iie sind und die auch die Maßnahmen ergreifen würden, bie notwendig wären, wenn, ja, wenn ...

Der Mann im Monde.

vom 1. Februar 1930 eine Tageseinahme von 5 000 Mark garantieren. Darüber hinaus ist Herr Zeileis, der große Gallspacher, ein Fremdenver- kehrspropaganbist von vielen Graden: Gallspach und seine Umgebung können die Heilungsuchenden schon nicht mehr unterbringen. Bis auf die Kran­ken geht es also allen gut.

II.

Wer ist Herr Zeileis? Im süddeutschen Lerlags- mftitut Julius Müller, München, ist eine Ver­öffentlichung erschienen über „die Beobachtungen der physiologisclren Einwirkung unipolarer, hoch­

frequenter, elektrischer Entladungen in Verbindung mit Radiumstrahlen", für die unter anderem ver­antwortlich zeichnet: Dr. med. F. G. Zeileis, Gall- fpach. Herr Prof. Dr. Paul Lazarus teilt dagegen in seinem Artikel „Die Tragikomödie von Gall­spach" (Die mebizinische Welt, Heft 5) mit: „Zeileis ist weder Arzt noch Physiker. Nach Mitteilung der Aerztekammer Oberösterreich soll er Schlosser gewesen sein." Der Wiener Kliniker Professor Gärtner gibt an, ihm habe Zeileis mitgeteilt, er stamme aus einer indischen Fürstenfamilie, sei mit dem Speichel eines Fakirs nach einem Kobrabiß am Leben gehalten worden, besitze heute eigene Radiumgruben in Alaska unb Kamtschatka, wobei er Herrn Gärtner angebliche Rabiummengen zeigte, bie ben gesamten Weltbesitz an Radium treit übersteigen.

in.

Wie heilt Herr Zeileis? Professor Lazarus, ein bekannter Strahlenforscher, war selbst in Gallspach, nachdem er eine Einladung zur „Besichtigung der Anlagen unb Laboratorien" erhalten hatte. Er be­kam sie allerbings nicht zu sehen, ba bie „Appa­ratur gerabe nach Amerika verkauft war". Ebenso erging es Herrn Professor Stephan Meyer, dem Direktor des Wiener staailichen Rabiuminstituts. vor beffen Eintreffen man — wie er selbst mit­teilt — bie Apparatur vorsichtshalber weggeschafft hatte. Das Zeileis-Berfahren besteht aus ber An- wenbung verschiedener Strahlen, kombiniert mit Hochfrequenz. Dabei ist nach ben Feststellungen von Professor Lazarus bie von Zeileis gewählte Einzelbosierung objektiv wirkungslos und die von Zelleis geübte Sekundenbehandlung und minimale Radiumdofierung „ebenso unsinnig wie die Be­hauptung, daß die Radiumwirkung durch die Hoch­frequenz verhundertfackst wird". Methode Zeileis: man' nehme etwas Hochfrequenz, ein bißchen Ra­dium, ein paar Tropfen Bogenlicht unb ber Heil­cocktail ist gemixt. Man vergesse aber nicht, baß biefer Cocktail — oft Wochen hindurch — mit gläubigem Gemüt genommen werben muß — Herr Zeileis sagt, bamit er wirkt, anbere behaupten, damit die Tageskasse der Heilbaren auf der Höhe bleibt.

IV.

Wie erkennt Herr Zeileis die Krankheiten? Die Sekundenbehandlung der Massen wäre etwas Hal­bes, wenn f?e nicht unterstützt würde durch eine „Einsekundendiagnostik". Diese Schnelligkeit des Urteils erlaubt die Zaubenöhre des Herrn Zeileis, die nichts anderes ist wie bie seit vielen Jahren bekannte, gewöhnliche Geißleriöhre, bie, wie gleich-

Am dieses Schriftstück tobt der politische Kamps.

Der Reichswehrminister

Der Reichs»irlschastsminister

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Schmid»

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ben Reichstag

Der Reichsminister des Innen«

Reichstag IV. Wahlperiode 1928

Der Reichsministcr der Finanzen

Dr. Moldeohaue» ■

eine» besehe» »ter die Sanger Sonfertn, 1929/3»

mit erläuternder Denkschrift^ach Zustimmung de» ReichSrat» pa Deschkußfüfjttilg vorziNegerr.

Der Reichsministcr des Auswärtigen . Dr. Curtis»

Der Reichskanzler

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Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth ■

Der RetchsardeiM^isier

Der Reichspostminifter

- Dr. Schütze«

Auswärtiges Amr

W. Rep. 321

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Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft

Dietrich

Der Reichsminister der Justiz oo» eetrar»

Der Reichsverkehrsminister

Dr. etcarrwaie

Die erste Seite der Noungplan-Gesehe.

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