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Nr. 51

Beilage zur Fuldaer Zeiluug

2. Marz

jetzt

ver-

Wie gerne hätte ich dem Präsidenten meine Ge­schichte erzählt! Doch er hätte mir nicht geglaubt und mich höchstens für einen Narren gehalten, deshalb

gehabt haben — warum, weiß niemand. Sie lebt in Segovia, ihr Haus hier in der Stadt ist kürzlich kauft worden."

• ohne viel Interesse, chte gar nicht so reich sein.

schon seit Jahren von „So? sagte ich, fr' „Ich muß sagen, ic

hat sich an das Ministerium um Schutz gewendet und er» sucht, um tägliche Berichterstattung über jedermann, der ihn allenfalls beobachten könnte. Nun wohnt im Pa- lace Hotel ein junger Engländer, der sich für De Gei, sehr zu interessieren scheint — wir lassen ihn auch über­wachen."

Es verschlug mir die Rede — das war eine unerwar­tete Enthüllung! Unsere Lage wurde mit jedem Tage verwickelter.

„Ein so bekannter Mann, wie De Gex, der nicht nur wegen seines ungeheuren Reichtums, sondern auch we­gen seiner wohltätigen Gesinnung berühmt ist, kann dock keine Feinde haben?" bemerkte ich.

„Jeder Mensch hat Feinde, mein lieber Monsieur", gab der Beamte zurück. „Ms Senor De Gex vor einen* Jahre hier war, stellte er das gleiche Begehren; es han­delte sich damals um die Gründung einer neuen Bank, die von einer Gruppe englischer und holländischer F'- nanzleute garantiert wurde."

Er schwieg und fuhr bann fort:

„De Gex scheint sehr nervös zu sein. Bekannte Fremde, die nach Madrid kommen, ersuchen oft um Be­wachung, obwohl es gar nicht notwendig wäre, und 'ch muß zugeben, daß mein Beamtenapparat dadurch sehr in Anspruch genommen wird."

„Das kann ich mir denken," stimmte ich zu. „Wird Herr De Gex streng bewacht?"

„Gewiß, ebenso auch sein Vertreter, Monsieur Su- zor."

„War letzterer schon früher einmal hier in Madrid?"

„Ja, vor zwei Jahren, als De Gex mit dem Grafen Chamartin zu tun hatte, dem Direktor der Miramarc- Schiffahrtsgesellschaft in Barcelona. Er soll damals dem Grafen das gesamte Schiffsmaterial abgekauft haben."

„War der Graf Ehamartin reich? "

„Gewiß, er war zweifellos Millionär. Er soll aber kurz vor feinem Tode einen Streit mit feiner Gemahlin

Nora: (Bebend) Mutterlos —!

Helmer: Wie du es gewesen bist.

Nora: Mutterlos! (Kämpft innerlich, lägt die Reise, lasche fallen und sagt) Oh, ich versündige mich gegen mich selbst, aber ich kann sie nicht verlassen. (Sinkt halb nie­der vor die Tür.)

Helmer: (Freudig, aber leise): Nora!

(Der Vorhang fällt.)

Ob heute wohl noch jemand den Mut hätte, das Stück mit diesem Schluß aufzuführen? Und doch wird es uns heute weniger denn je einleuchten, daß Nora ihren Gatten und ihre Kinder verlassen muß, um zu einer Persönlich­keit heranzureifen. Ob jemand eine Persönlichkeit wird oder nicht, liegt hauptsächlich an ihm selbst, nicht aber an der Umgebung oder an den Verhältnissen.

Das hat übrigens auch das Urbild der Nora bewiesen. Cs ist erst vor kurzem aufgedeckt worden und ist auch heute noch den wenigsten bekannt, daß „Nora" ein Schlüs­selstück ist, daß sein Urbild noch lebt und vor nicht lan-

rückgegeben wurde und den seit 1870 kein Träger der Tiara mehr betreten hat.

Urban VIII., der Papst aus dem Hause der Bar- berini, ließ dieses kuppelüberragte Lustschloß um 1600 erbauen — und vielleicht wurde nicht nur wegen der prachtvollen Lage und der günstigen klimatischen Ver­hältnisse hierzu gerade die Anhöhe über den Ufern des Albanersees auserwählt. Denn der Flecken Castel Gan- dolfo liegt genau an der Stelle, wo einst das alte Alba longa, die Mutterstadt aller lateinischen Städte und selbst Roms, seine Mauern erhob. Nach der Sage wurde Alba von Askanius, dem Sohne des Aeneas, lange vor der Gründung Roms erbaut. Bekannt sind aus der römischen Geschichte die vielen Kämpfe zwischen Rom und Alba zur Zeit des Kaisers Tullius Hostilius, die schließlich die Zerstörung der Stadt herbeiführten. Jahr­tausende lang lag Alba dann in Trümmern — und erst im 12. Jahrhundert n. Ehr. ließ die Genueser Familie der Gandolsi auf den Ruinen den befestigten Ort Castel Gandolfo errichten. Nachdem der päpstliche Stuhl im Jahre 1596 den Flecken durch Kauf erworben hatte und das Schloß fertiggestellt war, wurde Eastel Gandolfo Jahrhunderte hindurch die Sommerresidenz der Päpste, die hier oft einen glänzenden Hofstaat versammelten. Pius IX. war der letzte Träger der Tiara, welcher in dem Palaste am Albanersee die heiße Jahreszeit zu­brachte — denn obgleich das sogen. Garantiegesetz von 1871 den Päpsten den Palast zur freien Nutznießung überließ, hat seit dem greifen Pio Nono dennoch fern Herrscher auf dem Stuhle Petri mehr die Schwelle von Castel Gandolfo überschritten.

Heute bildet der päpstliche Palast zusammen mit der angrenzenden Villa Barberini einen gewaltigen Komplex von Gebäuden und Gärten, der den Verträgen entspre­chend, nun exterritoriales Gebiet ist und wie einst der Souveränität des Papstes untersteht. Vermutlich wird darum auch der alte Sommerfitz der Päpste bald wieder in neuem Glanze erstehen — werden doch jetzt bereits umfangreiche Renovierungen vorgenommen, da ver­lautet, daß Pius XI., der als ehemaliger eifriger -Berg« fteiger und Hochalpinist an viele Bewegung in freier Luft gewöhnt war, und dem daher das heiße, dumpfe Klima von Rom gesundheitlich nachteilig ist, beabsichtigt, künftig die Sommermonate in Castel Gandolfo zu Der­bringen. Und wenn man auch heute den Exrtazug, der einst eigens für die Sommerreifen der Päpste nach Castel Gandolfo geschaffen wurde, wohl kaum mehr in Ge- brauch nehmen wird — so werden dafür wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zeit die päpstlichen Automobile das Oberhaupt der Kirche durch die blühende Campagna 20 Kilometer weit nach dem malerischen Sommersitz auf der Höhe des Albanergebirges führen. Tr.

Am 3. März sind es 50 Jahre her, feit Ibsens damals M umstrittenes Drama „Nora" mit dem Untertitel „Ein puppenheim" zum ersten Male in Deutschland aufgeführt wurde. Die Uraufführung fand in München statt. Hier wurde das Bühnenwerk in seiner ursprünglichen Fassung gegeben: Nora geht und wirft die Tür krachend ins Haus, dem Regiebuch heißt. In Hamburg, Berlin und Wien aber ging die „Nora" mit einem glücklichen ,n ®cene, und Ibsen hatte dazu einen besonderen *"Mß geschrieben, der folgenden Wortlaut hatte.

Nora: Daß ein Zusammenleben zwischen uns bei- oen etne Ehe werden könnte! Lebe wohl! (Will gehen.)

Helmer: Nun denn — geh! (Faßt sie am Arm.) er erft sollst du deine Kinder zum letzten Male sehen! Nora: Laß mich los. Ich will sie nicht sehen! Ich kann es nicht!

ton r1?612 lZ'°ht sie gegen die Tür links.) Du Es. ref)en! (Deffnet die Tür und sagt leise): Siehst V °°rt schlafen sie so sorglos und ruhig. Morgen, wenn erwachen und nach ihrer Mutter rufen, dann sind sie mutterlos.

Blicke ruhten auf dem kleinen Schmetterling, den kein warmer Hauch des Mundes aus feinem tiefen Schlaf lösen konnte. Aber erlebte; zuweilen bewegte er ganz zart und leise seinen schlanken Leib. Vielleicht fand der kleine Schmetterling draußen den Weg in die Frei­heit! Die Freiheit, die er so liebte, da er zu früh aus schlüpfte.

Am andern Tage hockte der Schmetterling noch auf der Blüte. Als man ihn ins Zimmer brachte, regte ei sich nicht mehr. Er war ohne Leben. So teuer be zahlte er feine Frühlingssehnsucht. Aber er brachte in das Grau des Krankenzimmers einen Schein von Lenz und Sonne und durfte sein Leben auf einer Blume, einer blauroten Nelke, verlöschen. Was wollte er mehr!

Grete.'

Gang im Sturm.

Der Sturm hat alle Hunde losgelassen.

Die Dünen rauchen, beißend fliegt der Sand.

Weit vorgebeugt, durch Sturm und Staub die Wand.

Kämpfen wir unfern Leibern schmale Gassen.

Wir müssen fest uns bei den Händen fassen. Schaumspritzer klatschen auf dem Mauerrand. Es kocht die See. Grellweißer Wogenbrand Erhellt grauzottig-dunkle Wolkenmassen.

Die Brecher taumeln überm Riff empor, Mit irren Händen in das Tosen greifend;

Doch immer neue Wogen rollen vor.

O Heimatsturm! O Brandung-Donnerchor!

Wie fegt ihr fort, was unftät war und schweifend!

Fest wird das Herz, das euer Atem schor.

Verend de Vries.

Professors, daß nämlich die Spitzen der Nägel mit Oro- sin bestrichen waren, dem erst kürzlich entdeckten Glft, das in kleinen Dosen Gedächtnisschwund und Geistes­zerrüttung heri»eiführt, in größeren hingegen den fo- sorttgen Tod.

Er hingegen teilte mir mit, daß der Flüchtling trotz aller Versuche, seiner habhaft zu werden, noch immer nicht gefunden worden war.

„Doch, wenn er dieses furchtbare Gift in seinem Besitz hat, dann ist er eine umso größere Gefahr für die Allgemeinheit," fuhr der Polizeipräsident fort. „Jeden­falls danke ich Ihnen, Monsieur, für Ihre Nachrichten. Sie können sich verlassen, es wird alles geschehen, um den Verbrecher in Haft zu nehmen. Heute früh erst habe ich mich mit der Pariser Suretee telegraphisch ins Ein­vernehmen gesetzt und will nochmals depeschieren."

Wieder fühlte ich mich verleitet, dem liebenswürdigen Polizeipräsidenten gegenüber offen zu fein, doch ich sah ein, daß ich dadurch jede Chance aufgegeben hätte das Rätsel zu lösen, das die Gesundheit und das Leben jenes Mädchens betraf, in das ich mich fo innig verliebt hatte.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, bemerkte ich so nebenbei:

„Wie ich höre, hält sich der bekannte englische Fi­nanzmann De Gex im Hotel Ritz auf?"

„Jawohl", erwiderte er. „Er ist wegen eines beab­sichtigten Eisenbahnbaues in Estremadura hier — es handelt sich um eine Linie zwischen Toledo und Merida — und hält sich unter einem angenommenen Namen hier auf. Diese Linie märe sehr notwendig, man spricht

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wie De Gex," fuhr Tenor Andrade fort „So wie er aus Paris hier an (am, bekam ich von der Regierung den Auftrag, ihn bewachen zu lassen, weil er sich an­scheinend vor einem Anschlag gegen ihn fürchtet."

„Wer soll diesen Anschlag planen?" fragte ich ge­spannt.

„Meine Information ist etwas ungenau," antwor­tete der Polizeipräsident und nahm dabei einen Sogen Papier, der auf seinem Schreibtisch lag, zur Hand. „Er

Gaffel Gandolfo.

ter Sommerfih des Papstes — die Stelle, an bet das alte Alba longa stand.

Eine gewaltige, erhabene, von südlicher Vegetations- füllc verschwenderisch überschüttete Wildnis, nur von wenigen Offerten, Bahnwärterhütten, kleinen Gutshöfen und schmutzigen Hirtenbehausungen notdürftig belebt dafür aber mit zahllosen Ruinen und den malerischen Resten von zerstörten Wasserleitungen und Grabmälern überstreut — so dehnt sich beinahe 3000 Quadratkilo­meter weit das Gelände der Campana di Roma vor den Toren der ewigen Stadt. In fast mannshohem Gestrüpp jleißt der golden blühende Ginster im heißen Schein der Sonne, in lachender Farbenpracht bedecken zur Frühlings- und Herbstzeit Narzissen und Cyflamen ringsum den ganzen Grund, und filbergrau leuchten da- Zwischen die Dickichte der Kastanien und wilden Del- sträucher. Dann und wann steht eine gigantische Stein­eiche, über deren knorrige Aeste sich Efeu und bunte Winden schlingen, einsam am Wege, und auf jeder An­höhe grüßen den Wanderer von fern der blaue Spiegel der Meeres, die Gipfel des Albanergebirges und die dunklen Felsen der wie ein Schwalbennest an den Hän- |en klebenden Bergstadt Rocca di Papa.

Durch diese, wundervolle Landschaft, unter deren blü­hender Pracht sich jedoch das graue Gespenst des Ma- teriafiebers trügerisch verbirgt, zieht in fast schnurgera- ’et Linie die Via appia antica nach Castel Gan- 1 o I f o, dem berühmten Sommersitz der Päste, der vor Urzem auf Grund der Lateranverträge dem Vatikan zu-

ger Zeit feinen 80. Geburtstag, kurz vor Ibsens 100. Ge­burtstag, gefeiert hat.

Laura Kiler war die wirkliche Nora des großen Nor­wegers. Heute ist sie eine Greisin, mit wundervollem Silberhaar, aber noch lebt alles in ihr, und in ihrem Lächeln spiegelt sich noch der Abglanz des Liebreizes, der die kokette Profesiorsgallin von ehedem glaubwürdig macht. In allen ihren Zügen schwingt noch jener leichte, leise Rhythmus, der zur „Nora" gehört . . .

Es war im Jahre 1866. Da lernte Ibsen Laura Kiler kennen. „Brand" mit seinem „Alles oder Nichts!" jenes große, gedankenreiche Drama, war erschienen und rief bei der blutjungen Skandinavierin einen flammenden Protest hervor. Laura ist nämlich Norwegerin, mütterlicherseits jedoch dänischer Abstammung. Ihre Ansichten über „Brand" konnte Laura Kiler dem Autor unverhohlen ausdrücken. Ein langer Briefwechsel folgte, und der Mei­ster lud seine unbekannte Korrespondentin zu sich nach Kopenhagen ein. Natürlich kam Laura, und Ibsen war erstaunt und erfreut zugleich, ein fröhliches .lebhaftes Menschenkind vor sich zu haben. Bald befreundete sich Laura, der Ibsen sogleich den Namen „Lerche" gegeben hatte, mit seiner Frau, besuchte die Familie Ibsen oft in deren Landhaus bei Dresden und heiratete bald darauf den Professor Kiler.

Ibsen war häufiger Gast des jungen Paares und gab ihrem Heim den Namen „Lerchenkäfig" ober „Puppen­heim", denn es glich einem Nippeskästchen. Die Freund­schaft beider Ehepaare war eine sehr innige, währte aber nur bis zum Erscheinen der „Nora", 1879.

Ohne daß jemand etwas vorher wußte, hatte Ibsen Erfahrungen bei der Kilerschen Familie gesammelt und ein Schauspiel daraus geformt. Laura erkannte sich so­fort in der „Nora", und es war ihr ganz außerordentlich peinlich, zumal ein heikles Ereignis in ihrem Leben da­durch aufgedeckt wurde. Laura Kiler hatte nämlich, ähn­lich der „Nora", hinter dem Rücken ihres Mannes Schul­den gemacht, doch sie hatte das Geld nicht nur für allerlei „Kinkerlitzchen", Süßigkeiten, Putzgegenstände, verwandt, sondern auch dazu, ihrem erkrankten Gatten eine Erho­lungsreise ins Bad zu ermöglichen.

Lauras Schulden waren indes Tagesgespräch gewor­den, und man gewährte ihr nicht immer mildernde Um­stände. Im Gegenteil, man munkelte von Dokumenten- fälschung, und ihr Gatte, der genesene Mann, war außer sich, als man ihm alle diese Gerüchte hinterbrachte.

Wie ein Blitz aus heiterm Himmel traf also die „No- ra"-Aufführung das Ehepaar Kiler, und besonders schwer empfanden es Laura und ihr Mann, daß alle Bekannten bereits von dem Nora-Urbild haargenau wußten. Sehr verschlossen wurde Laura Kiler, sehr still und sehr in sich gekehrt. Was war aus dem luftigen Wesen dieser kleinen Frau geworden!

Zwanzig Jahre waren dahingegangen. Aus Laura Kiler war eine geistreiche, produktive Schriftstellerin ge­worden, deren Arbeitsfeld die Politik und die literarische Ärttit wurden, — ohne daß sie es nötig gehabt hätte, ihre Ehe aufzugeben. Eine rührende Versöhnung zwischen Ibsen und Laura blieb übrigens nicht aus. Das Jahr 1902 brachte sie. Der gealterte Ibsen war erschüttert und meinte, als ihm Laura berichtete, wie unendlich weh er ihr mit seinem Theaterstück getan hätte, wie er sie und ihren Gatten damit gekränkt. Aber es war ja nun nichts mehr zu ändern. Laura -vergab, und Ibsen und sie blie­ben Freunde. Die persönliche Beziehung der beiden Häu­ser wurde wieder ausgenommen und dauerte bis zu Ibsens Tode im Jahre 1906.

Der Schmetterling.

Wie er an diesem naßkalten Februartag, da draußen Schneeflocken nieberriefelten, ins Krankenzimmer geflat. tert war, wußte niemand zu sagen. Auf einmal war er da, ein kleiner gelber Schmetterling! Er flog etwas ängstlich und erschreckt hin und her, saß einen Augenblick regungslos auf der Bettdecke vor den Augen der blas­sen kranken Frau und flog dann schnell zu einer hell­roten Nelke, die in einer Vase auf einem kleinen Tisch zur Seite stand. Er hockte auf der Blüte, hatte die klei­nen Flügel aneinandergepreßt und verharrte ohne Leben lange Zeit!

Zur Nacht wurden die Blumen auf den Balkon ge­stellt. Eine vorsichtige Hand trug die Vase, besorgte

Anschlag auf sein Leben versucht hat. Ein ge­wisser Rodriguez, einer der gefährlichsten Verbrecher hat feine Hand dabei im 'spiele. Man hatte vergiftete Reißnägel vor sein Bett gelegt. Nach dem Gutachten eines berühmten Forschers hatte man ein Gift verwendet, das, wenn es nicht sofort tötete, dieselben Wirkungen zeigte, die Garfield an sich selbst und an Gabriele Engledue beobachtet hatte.

18. Kapitel.

Weiteres über den Rätselhaften.

Eine wichtige Tatsache hatte ich nunmehr festgestellt; das Gift, das der Rätselhafte in seinem Hause in der Stretton Street mir sowohl, als Gabriele Tennison ein­gegeben hatte, war Arosin gewesen. Gabriele, die Schwächere, litt noch immer unter den Folgen, während ich als der Stärkere, mich fo ziemlich davon erholt hatte.

Konnte man noch Zweifeln, daß Despujol, der diesen Anschlag auf mich verübt hatte, im Solde De Gex stand, der sich vor mir fürchtete?

Als ich mich von Professor Vega empfohlen hatte, schickte ich sofort einen Brief zu Hambledon und bat ihn zu mir zu kommen.

Als er dann kam, erzählte ich ihm alles, was mir der Professor gesagt hatte.

„Jetzt wissen wir wenigstens die Wahrheit, lieber Freund," sagte er, als ich geendet hatte, „und müssen den Kampf mit unseren Gegnern aufnehmen. Wenn sie dich als Opfer auserschen haben, bann ergeht es mir zweifellos ebenso, wir müssen daher sehr vorsichtig fein." „Sollen wir nicht alles der Polizei sagen?" schlug ich vor.

„Mein Lieber, man würde uns nicht glauben und außerdem wird man einen fo einflußreich*-* Mann wie De Gex. nicht verhaften," erwiderte er ernst. „Nein, wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir ebenso schlau vorgehen, rote er. Er muß die Ueberzeugung gewinnen, daß wir fein Vorgehen nicht im geringsten verdächtigen, das ist die einzige Möglichkeit."

Sein Vorschlag hatte viel Wahres an sich; wir be­schlossen daher, zu warten und weiter die Augen offen zu halten.

Einige Stunden später berichtete ich dem Polizei­präsidenten, Senor Andrade. von der Entdeckung des

Äsens „Koto“ feiert den 50. Geburtstag And Motas Arbild lebt!

Von Bolschewisten gehetzt.

Von Konstantin W. Sakharow. - -

Wir entnehmen den Abschnitt dem ausgezeichneten russischen Revolutionsroman „Nina Grigorewna von Konstantin W. Sakharow (Verlag Kölel u. Pustet, München. 264 S. M. 6.—). Das Werl ist eine ergreifende Gestaltung der übermächtigen Leiden eines Volkes.

Wladimir Neklonin trug den Anzug eines Kaufman­nes zweiter Gilde. Er war mit einem kurzen Pelz, einem Leibrock, rote man ihn an der Wolga trägt, und einem gestickten russischen Hemde bekleidet. Er hatte sich den Bart wachsen lassen und trug die Haare nach russischer Sitte rund um bett Kopf geschoren. Er glich einem Händ­ler, der in die Steppe zu den Kirgisen reift, um Vieh ein­zukaufen. Nur die stramme Haltung, die geschmeidige freie Bewegung und der scharfe Blick der grauen Augen mochten den verkleideten Offizier verraten.

Es war im Januar des Jahres 1918. Alles brach zusammen. Das Volk wurde von neuen Gewalthabern unverhüllt zu Aufruhr und Gewalttaten aufgefordert' willig folgte die Masse und wandte sich gegen alles, was vorher als erhaben, groß und ehrlich gepriesen worden war. Mit ganz besonders leidenschaftlicher Härte verfolgte man die ehemaligen Offiziere.

So tarn es, daß zu dieser Zeit viele Tausende von Offizieren in den verschiedensten Verkleidungen, unter fremden Namen und mit falschen Pässen versehen, in Lande umherirrten. Mancherorts entfalteten sich Fahnen, um alle Getreuen des alten Rußlands zu versammeln' am Don, in Orenburg, in Uralsf und Astrachan und in fernen, falten Sibirien ....

Wladimir Neklonin befand sich unterwegs, um ein« Verbindung zwischen dem Hetmann der Kosaken von Astrachan und Kornilow herzustellen.

Gegen Abend hatte er in einem Landstädtchen seinen alten Wasfengefährten Alexej Iwanowitsch Barewitsch getroffen. Nun saßen die Freunde in dem engen Stüb­chen beisammen, das Neklonin vorübergehend Unterschlupf gewährte. Cs war das eine finstere, längliche Kammer mit schmutzigem Anstrich der Wände und einem schma­len Fenster, das auf einen düsteren Hof ging. Die Ein­richtung bestand aus einem alten, schmalen Bett aus Fich­tenholz, einem ebensolchen Kasten, einem Tisch und drei Stühlen. Ein eiserner Waschtisch ergänzte dieses primi­tive Mobiliar. An der Wand zwischen Kasten und Tisch hing ein kleiner, blinder Spiegel, darüber baumelten drei staubige Rosen aus gelbem Papier, lieber dem Bett ar der Wand mar ein kleines Bildchen befestigt; ein dunkler Christus blickte gütig und ernst aus dem schmalen Gold- rahrnen. Eine stickig blackenden Petroleumlampe warf, ihr flackerndes Licht auf die beiden Männer.

Rittmeister Barewitsch stand gerade und groß vor Ne- fIonin, die breiten Schultern ein wenig nach vorne ge­beugt, das dunkle, finstere Gesicht halb im Schatten. Nur die schwarzen Augen leuchteten trüb aus diesem Schatten hervor und ihr Blick tat dem Herzen weh. Man sah es förmlich: viele Tränen wären gerne aus diesen Auger gestürzt, aber der Wille des Mannes hatte sie verbannt ' und zurückgedrängt in das Herz, — dieses hatten sie nun versengt und hatten es zu einem harten Stein verdorrt, der die Brust zerdrückte.

Auch der harte Munh des Riesen hatte gelernt, dem Befehl des Mannes zu gehorchen; seine Lippen hatte.

Das Gift. Roman von William Le Quent. _

Wf des bisher abgedruckten Romanabschnittes.

Ausgangspunkt der Handlung bildet ein merkwürdiger Vorfall, der einem jungen englischen Ingenieur namens Garfield im Hause des «j-onöoner Millionärs Oswald de Gex begeg- t't- Während er sich mit dem Hausherrn unter- hmt, ertönt plötzlich ein Schrei aus dem Neben- Oswald de Gex, der sofort hinausstürzt, mit der Nachricht zurück, daß soeben seine fJ.*‘e Gabriele Engledue einem Herz-' ~r,eSen jci. Garfield läßt sich bewegen, nen Totenschein über Gabriele zu unterschreiben, urz darauf schwinden ihm die Sinne. Einige in 8en .sp^er findet er sich in einem Hospital ^?"kreich wieder. Erst ganz langsam kehrt J, Erinnerung an das Geschehene zurück, das er un mit allen Mitteln aufzuklären sucht. Er folgt f*nw Florenz und fordert von ihm Rechen-

-l.D"ch dieser will von nichts wissen und - Qb- Zufällig begegnet er einige Tage ffn^r<.emer Dame, die der totgeglaubten Gabriele emgtebue nuf5 Haar gleicht. Ihr Begleiter ist ■ *!*, gewisser Arzt mit Namen Moroni, der u<y ln Beziehungen zu Oswald de Gex steht, fi* m,rb 65 Garfield zur Gewißheit, daß es gK.""' die Totgeglaubte handelt. Nach ihrer bi»!, nac& London sucht er sie dort auf. Bei fp(J£r Gelegenheit erfährt er Näheres über das .Ereignis, das der jungen Dame — sie ifi n’H Gabriele Tennison — zugestoßen . «dtbem hat sie ihr Gedächtnis vollkommen nifte=rerv ®QS Datum des rätselhaften Gescheh- (Bn-4- ,[‘*mmt mit dem merkwürdigen Erlebnis in h , 9enau überein. Eine gewisse Rolle xätiiA ’^amen Angelegenheit scheint ein fran< len «> .nfbcamter namens Suzor zu spie- ’ Garfield folgt ihm, begleitet von seinem nnrt? '^arrö Hambledon bei einer Reise Laris und von dort nach Madrid. Während Aufenthaltes in Madrid macht Garfield . ^„.?Nachtz m feinem Hotelzimmer eine seltsame gus der hervorgeht, daß man einen