Fuldaer Zeitung
Der Sternhimmel im März
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erster Größe, nämlich die Wega, den Arctur
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Sonne
Mond:
Viertel @ Vollmond ((letztes Viertel
WMMßEBi GROSZE BUCH; STABEN
Venus JMors (&Jupiter <&Saturn
Sonnenaufgang von 6.50 bis 5.40 Uhr.
Sonnenuntergang von 17.35 bis 18.30 Uhr.
Lichtge st alten des Mondes: 1. Mertel am 8. um 5 Uhr, Vollmond am 14. um 20 Uhr, letztes Viertel am 22. ;tm 4 Uhr.
mf. Die gerade in dirfem Monat rasch zuney-
der, die nun immer entschiedener Heraufziehen. Hoch am Himmel prangt die Sichel des Löwen. Zwischen ihr und den Zwillingen ist der Sternhaufen Praesepe sichtbar. Er steht uns verhältnismäßig nahe. Etwa 120 bis 150 Lichtjahre mag seine Entfernung betragen. Südlich vom Löwen steht Alphard, „der Einsame". Im Osten erblickt man nun die für den Frühling bezeichnenden Sterne
Haupt nicht erhöht, sondern um 70 000 Mark vermindert, wobei noch festgestellt wurde, daß sehr viel unnötiges Telegraphieren zu diesem Kostenaufwand beioetragen hat.
Das aber'ift nicht der einzige Fall, wo man unrichtige Auskünfte gegeben hat. Beim Umbau der deutschen Gesandtschaft in Bern ergab sich eine Ueberschreitung von 42 000 Mark. Darüber zur Rede gestellt, erklärte das Auswärtige Amt, es Hobe von dieser Ueberschreitung erst erfahren, als das Geld ausgegeben gewesen fei; der Gesandte in Bern habe eigenmächtig die ihm bewilligten Beträge überschritten.
Und was zeigte die genaue Prüfung des Falles? Daß das gerade Gegenteil wahr ist! Das Auswärtige Amt mußte schriftlich zugeben, daß die Gesandtschaft sich jeder unmittelbaren Einmischung in die Ausführung des Baues enthalten hat, und die Arbeiten von der Reichsbauoerwaltung ausgeführt wurden, die dem Auswärtigen Amt sämtliche Kosten teils mündlich, teils schriftlich zur Genehmigung unterbreitet hatte! Der deutsche Botschafter
* Ein kanadischer Personenzng entgleist. In der Nähe vvn Holland Landing (Ontario) entgleiste ein Persvnenzug der kanadischen National- Eisenbahn. S i e b e n P a s s a g i e r e erlitten Verletzungen.
die Spica schon in oen frühen Abendstunden über dem Horizont.
Was die Wandelsterne anlangt, so ist zunächst ein Wort über bie Sonne zu sagen. Sie wandert in diesem Monat :o schnell nach Norden wie in keinem andern. Um gut zwei Stunden nimmt die Tageshelligkeit im Verlaufe des Monats zu, und am 21. um 9 Uhr 30 ist der kalendermäßige
Mittelpunkt der Sonnenscheibe den Himmelsgleicher in nördlicher Richtung überschreitet. Von den übrigen Wandelsternen ist vor allem auf die Venus zu achten. Zu Beginn des Monats steht sie der Sonne so nahe, daß sie unsichtbar bleibt. Aber schon nach Verlauf einer Woche kann sie unter günstigen Bedingungen* am Abendhimmel erblickt werden. Man beachte, wie außerordentlich weit sie nrch vom Jupiter entfernt steht, dem sie sich indesien in diesem und dem kommenden Monat mit der für diesen Stern der Liebe bezeichnenden Schnelligkeit zu nähern trachtet. Dcm Jupiter scheint dies nicht ganz recht zu sein, denn er weicht, wenn auch in sehr gemäch-
Der die 24 Stundenzahlen ton Mitternacht bis Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend su denken. Der Sternhimmel dreht sieh samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage cor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil Vs Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte V* Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lieht- gestalt zeigt.
amtenstellen wegfallen und übernahm ohne irgend- welche Genehmigung des Reichstages die 12 anderen Beamten ganz ruhig in den eigenen Haushalt. Das nennt man Achtung vor einem Re'chs- tagsbefchluß!
Doch es kommt noch besser. Bei den Postgebühren und Geschäftsbedürfnissen, für die 1,9 Millionen im Etat bewilligt waren, ergab säh ein wirklicher Aufwand von 3,1 Millionen, also eine Ueberschreitung von 1,2 Millionen. Das Auswärtige Amt erklärt in seiner gedruckten Begründung dem Reichstage gegenüber, das komme hauptsächlich daher, daß für Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren über 200 000 Mark mehr ausgegeben werden mußten. Der Unterausschuß, etwas gewitzigt gegenüber amtlichen Erklärungen, gab fit; damit nicht zufrieden und verlangte eine genaue Entzifferung des Aufwands. Und was stellte sich dabei heraus? Daß die ganze Begründung des Auswärtigen Amtes von A bis Z unzutreffend war. Die Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren hatten sich gegenüber dem Jahre 1927 über-
liebem Schritte, nach links aus. K ü st e r m a n n.
Kleine Buch- sfaben
Vertreter:
Fr. Wohlgemuth Fulda Petercbergerstr. 34 Telephon 781
Trinkt das gute Mainzer Actien-Bier
Mr den Karnevals «Fastnachtsbock"
llr. 50.
Samstag» den 1. März 1930.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda.
beim Vatikan in Rom allerdings konnte für eine Ueberschreitung von 27 000 Mark bei der Jnstand- sebung des Botschaftergebäudes sich nicht in derselben Weise rechtfertigen. Ihn machte deshalb der Rechnungsausschuß für bie Ueberschreitung perwn- lich verantwortlich.
Wenn der Unterausschuß auch sonst feststellen konnte, daß die Angaben über die Ursachen von Ueberschreitungen „nicht völlig" mit den tatiach- lickzen Verhältnissen überemstimmten, dann zeugt das dafür, daß er sich außerordentlich Muhe gegeben hat, in die Geheimnisse des _ Auswärtige" Amtes einzudringen. Aber überall scheint es ihm doch nicht gelungen zu fein. Denn er erklärt selbst, daß beim „wirtschaftlichen Nachnchtenfonds eine restlose Klärung über die Buchungsmetoode des Auswärtigen Amtes trotz eingehender Erorie- tung nicht erreicht worden sei; er ersucht deshalo den Rechnungshof, bei diesem Titel alle Unterlagen ganz besonders eingehend zu prüfen. Er traut allo euch hier nicht und vermutet Unrichtigkeiten.
In der Oefkentlichkeit wird es intereffieren, daß die Abrechnung über die Kosten der Konferenz von Locarno, die im Jahre 1925 stattgefunden hat, bis heute noch nicht endgültig geprüft ist, und zwar, weil immer wieder Unterlagen fehlten, Rückfragen notwendig waren, und das Auswärtige Amt den Rechnungshof monatelang mit der Antwort warfen laßt. Ende 1929, alio zu einer Zeit, wo der „Lo- carnogeist" selbst schon ganz bedeutend im Schwinden ist, war es noch nicht möglich gewesen, die Reise- und Verpflegungskosten der damaligen Delegation als endgültig erledigt zu erklären.
Was übrigens die Delegation anlangt, ,o erklärte der Ausschuß, daß nach seinen eingehenden Prüfungen die Delegationen des Deutschen Reiches bei den Völkerbundstagungen das eine oder andere Mal unnötig umfangreich gewesen seien. Man begreift diese Bemerkung, wenn man erfährt, daß bei der Septembertagung 1928 Deutschland mit nicht wkiüger als 51 Köpfen in Genf vertreten war. Im Dezember 1928 und im März 1929 waren es immer noch 40 und 44 Leute, die dort wochenlang versammelt waren, die Interessen Deutschlands zu vertreten.
Wie stark sich das Auswärtige Amt gegenüber den anderen Reichsbehörden bei solchen Vertretungen bedacht hat, zeigt unter anderem folgende Aufstellung: Von 34 Delegierten bei der Konferenz vom Juli 1928 waren 31 vom Auswärtigen Amt und nur drei von den anderen Reichsbehörden. Bei der Septembertagung 1928 in Genf waren von im ganzen 54 Vertretern 42 vom Auswärtigen Amt und 12 von den übrigen Behörden, bei der Dezembertagung von 40 nicht weniger als 38 vom Auswärtigen Amt und zwei von den übrigen Reihs- behörden, und auf 3er Konferenz im März 1929 von 44 wiederum nicht weniger als 41 vom Auswärtigen Amt und drei von sämtlichen übrigen Reichsbehörden.
Wir wollen hier einhalten. Es gäbe noch eine ganze Reihe von ebenso peinlichen Feststellungen wie die obigen, die aber alle schließlich nur das eme zeigen, daß nämlich im Auswärtigen Amt auf dem Gebiete der Ausgaben geradezu eine Mißwirtschaft eingerissen ist. Der Nachrtagsetat von 1929. der in den nächsten Tagen vom Parlament beraten werden wird, zeigt erneut wie unbedenklich mast im Auswärtigen Amte mit dem (Selbe der deutschen Steuerzahler umgeht. Es ist ein Verdienst des Rechnungsausschusses, diesem gesetzwidrigen Sebahren mit Energie nachgegangen zu fein. Hoffentlich bleibt der Reichstag nun fest und zieht die Verantwortlichen rücksichtslos zur Rechenschaft.
Das Auswärtige Amt.
Von einem parlamentarischen Mitarbeiter:
Reben dem kleinen Palais in der Wilhelmftraße , Berlin, das die Reichskanzlei und die Dievst- Lchnung des Reichskanzlers in sich schließt, reckt ück ein düsterer, schmuckloser Bau, das Auswärtige Amt Sine Behörde besonderer Art, die m diesem burdi Anbauten und Aufbauten recht unübersicht- M gewordenen Gebäude untergebracht ist. Kein irgendwie gearteter Enthusiasmus für die politischen Gedanken des neuen Deutschland, obwohl man ftc Genügsamkeit der neuen Machthaber mit Befriedigung konstatiert.
Die nominellen Leiter des Amts, die Minister, kommen und gehen. Eine bleibende Stätte aber haben die Geheimräte, die hochmögenden und wirklich dirigierenden Herren, denen die sonst vornehm ignorierte Demokratie in Deutschland allerdings höchst unsympathisch wird, wenn sie sich unterfangen wollte, ihnen in ihr Tun und Lassen hineinzureden.
Dabei ist es aber nicht etwa so, daß eine große einheitliche politische Linie die ganze Tätigkeit dieses Amtes tragen würde. O nein; in Wirklichkeit macht jede Abteilung fo ziemlich, was sie will und für gut hält; sie ist souverän und verteidigt aufs äußerste diese ihre Selbständigkeit.
Einig ist man nur in dem einzigen, nämlich in der Abwehr aller von „außen" kommenden Einflüsse, sowohl des leitenden Ministers wie des Parlamentes. Selbst Stresemann hat zuletzt vor dieser Einstellung resigniert kapituliert. Er hat auch mehr denn einmal Personen, deren austlärende Tätigkeit das Amt fürchtete und die es deshalb auch an ihn nicht herankommen ließ, empfehlen müssen, sich der Vermittlung seiner Angehörigen zu bedienen!
Heber die politische Dekonomie dieses Amtes mit dem Nimbus des Geheimnisvollen sich selbst umgebenden Amtes soll ein andermal geredet werden. Heute nur einige Ausführungen über dos finanzielle Gehaben dieser kleinen Götter . . .
Es erfüllte sie mit Befremden, daß das Parlament sich feit Jahren den Mut herausnimmt, auch gegenüber den Geldausgaben der Berliner Zentrale, wie der Außenposten eine Kontrolle durchzu- fiihren und sich nicht mehr mit der Bewilligung oer Mite! und den mehr öder weniger wahrheitsgetreuen Mitteilungen über ihre Verwendung be qniigt. Ihnen wäre es am angeiiehmsten, wenn alle Ausgaben des Amtes unter die „Geheimaus- -'gaben" fielen, die keinerlei Vermendungsnachwets unterliegen. Der dem Minister zur Verfügung flehende Geheimfonds, der vor Jahren noch 7 Mih lionen jährlich, dann 6 Millionen betrug, ist zu ihrem Leidwesen allerdings für das Jahr 1929 auf 4l- Millionen gekürzt worden. Sie haben aber noch mehrere Millionen-Fonds, die nur durch den Reichsschuldenausschuß geprüft werden.
Aber im übrigen läßt der Reichstag nicht locker, so hat er es nach hartem Ringen erreicht, daß die eine zeitlang geradezu unglaublich hohen Bezüge mancher unserer Auslandsvertreter auf ein erträgliches Maß herabgesetzt wurden. War es doch teilweise so, daß an manchen ausländischen Plätzen der Vertreter des verarmten Deutschen Volkes die höchsten Gehälter hatten. Doch sonst kümmert man sich verdammt wenig um das Budgetrecht des Reichstages. Der Bericht des Rechnungsunteraus- fchusses zur Reichsrechnung, 1928 gibt hiervon recht interessante Beispiele.
Trotz aller früheren Kritik des Reichstages ist auch im Jahre 1928 in gerade provozierender W >tfe drauflosgewirtschaftet worden. So war z. B. im Reichstag beschlosien worden, die Reichsstelle für Nachlässe und Nachforschungen im Auslande, die mit 15 Beamten besetzt war, aufzuheben, und ihre Ausgaben auf eine anders Abteilung des Auswär- "gen Amtes zu übernehmen, ohne daß dort neue Beamtenstellen einzurichten wären. Was tat bas Auswärtige Amt? Es ließ statt 15 nur drei Be
menbe Tageshelligkeit und die immer später ein
setzende Dunkelheit hat zur Folge, baß die im ,
Westen stehenden Sternbilder nun ziemlich rasch Frühlingsanfang, also der Augenblick, wo der verschwinden. Zwar bleiben die eigentlichen Wtn- terftembUber, also vor allem der Orion, der Stier und die Zwillinge noch den ganzen Monat über sichtbar; aber sie sind aus dem Haupidlickfeld herausgerückt und in den westlichen Teil des Himmels gedrängt. Den Hauptteil des Himmels nehmen die neuen Herren ein, nämlich die Frühlingssternbil-
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Die grüne Saffianmappe.
Roman von Harold Effberg.
Copyright by Carl Dunker, Berlin. 201 ____________
„Glauben Sie wirklich?"
»Die Tochter auch?"
„Rem, ft« ist hier geblieben und hat mir gejagt, er mme bestimmt Montag abend zurück."
Lerois Pfiff war diesmal noch länger. „Und was haben Sie getan?“
„Ich habe mit ihr im Savoy oetamt", erwiderte 2eo kleinlaut.
"^Q3 beste, was Sie tun konnten," war die lakoni- ™e Antwort. „Und was wollen Sie jetzt tun?"
.',Uni Zwei Uhr holt Sir Edwin Burnhill die Tochter mich zum Weekend auf feiner Besitzung ab."
„Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als N^rn^tzki und Sedlaczek zu beschatten", sagte Seroi. " torigen?, was haben Sie bis jetzt zu verlieren? Sie oen doch bis jetzt fein Geld in der Tasche, nicht er m .re' ®as heißt, ich muß mich verbessern, fein steens^Geih^. ^Dn^crn ^lcifosse oder Bloemen-
"Meinen Sie wirklich?"
mit den Achseln und zeigte dann auf die fier a1*' "Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, bet’” — Leo fand, daß er diesen Namen unnötig -l . ~~ würde ich an Ihrer Stelle mit Delafosse tele- dernlerCI* Sie ihm nichts von Sedlaczek, son-
I nj,.. “ornen Sie ihn nur, vorläufig keine Zahlungen ten Jl^en. Saget Sie, Sie fürchteten, es könn- ner Schwierigkeiten entstehen. Bitten Sie ihn fer- fg ' 'n Saturn nach Pomernatzki anzufragen. Ich Rtm»0 65 *° outf) tun, aber warum wollen Sie sich die : g»cn 'padjen, es handelt sich ja nicht um Ihr Geld. Büro -to'e ?amit einverstanden sind, will ich ferner unter .''' Paris sofort beauftragen, sich für die beid-n =£ bitten !‘,rC ieren" 'ch Sie um 20 Pfund Vorschuß
||„finb wie bekomme ich Nachricht?“
„Ihre Adresse ist mir ja bekannt. Sie können mich anrufen. Ausführliches schreibe ich Ihnen. Uebermor- gen ist allerdings Sonntag, da muß ich Ihnen einen Boten hinunterschicken, denn in diesem gesegneten Lande gibt es Sonntags keine Briefbestellung."
„Glauben Sie, daß Sedlaczek noch hier ist?"
„Nein", sagte Seroi, „Pomernatzki hat ja eine Wache zurückgelassen!"
„Wa—a—a—as" stieß Leo entsetzt hervor. „Meinen Sie etwa bie Tochter?!"
Seroi lächelte. „Wen denn sonst!"
Der gestrige Abend stand plötzlich vor Leos Augen. Dies bezaubernde Mädchen, in das sich zu verlieben er gestern auf dem besten Weg« war, sollte den ganzen Abend Komödie gespielt haben, um ihn zu umgarnen und zu bewachen? Aber es war ja noch gar nicht ausgemacht, daß der Vater ein Betrüger war, und wenn er cs tausendmal wäre, die Frau mit den klaren, offenen Augen, die nicht einmal seine Tochter war, konnte es doch nicht sein! Dieser Seroi übertrieb, machte aus einer Mücke einen Elefanten!
„Natürlich ist es gerade so gut möglich, daß Pomernatzki Montag zurückkommt und seine Reise wirklich nur barmloser Natur war, warf Seroi dazwischen. „Aber unser Institut ist doch nicht dazu da, um alles von der günstigsten Seite aus zu beurteilen. Der Anschein spricht augenblicklich gegen ihn, und deshalb warne ich zur Vorsicht. Seien Sie recht liebenswürdig zu der Barne, damit Sie nichts merkt!"
Seo erhob sich. ,Jch werde Ihren Rat befolgen. Ich werde Delafosse telephonieren und mein Verhalten im übrigen nach Ihren Mitteilungen einrichten. Montag früh hoffe ich bestimmt wieder hier zu sein, und dann komme ich jedenfalls zu Ihnen. Mein Zimmer im Hotel gebe ich auf, behalte aber die Adresse bei."
Seo ging diesmal die dunkle Treppe hinunter, die er hinaus gekommen war, und kehrte ins Hotel zurück. Er bestellte beim Telephonisten ein Gespräch nach Paris und setzte sich mit einer Zeitung in die Halle, bis er den Anschluß bekam. Aus seine Anfrage nach erhaltener Verbindung, ob er Delafosse persönlich sprechen könne, wurde chrn mitgeteilt, daß er vor einer halben Stunde das Büro verlassen habe, um nach Tours zu fahren, von
wo er erst am Sonntag abend zurückkäme. Auf eine weitere Frage, ob vielleicht Pomernatzki dagewesen fei, bedauerte man, ihm feine Auskunft geben zu können.
Als Seo aus der Zelle trat, sah er Christa durch die Halle gehen, und zwar in Begleitung einer öfteren Dame, die sie anscheinend zu ihrem Wagen hinausbegleitete. Er sah, wie ein vornehmes schwarzes Coupe mit ihr davonfuhr und Christa wieder in die Halle zurückkam.
Das find doch alles Phantasien eines Detektivs, der überall was wittern muß. dachte er bei sich. Wenn einer ein Betrüger ist, war er es doch eigentlich selbst, und das war wahrscheinlich, was ihn so nervös machte. Jedenfalls wollle er den Dingen ihren Sauf lassen und seine Ferien mit der schönen Christa und ohne deren Vater genießen. Und wenn sie wirklich den Auftrag hatte, ihn zu bewachen, eine angenehmere Aufsicht konnte er sich doch nicht wünschen! Seroi hatte ja ausdrücklich gesagt, er solle sich nichts merken lassen. Sein glänzendes Geschäft mit Berckenseld fiel ihm wieder ein, das ihm in der Bestürzung über die Mitteilungen Serois völlig entfallen war. Das gab ihm feine Stimmung wieder.
Er ging daher auf Christa zu und begrüßte sie. — Sie drückte ihm herzlich die Hand. „So schöne Rosen haben Sie mir geschickt! Ich habe sic in meinem Zimmer im Wasser stehen, damit ich sie frisch mitnehmen farm. Wo wollen Sie jetzt noch hin?"
„Ich will jetzt noch etwas besorgen", sagte Seo, „ich sehe Sie um ein Uhr zum Lunch."
„Ich bin pünktlich in der Halle."
Seo, im Vollgefühl feines Reichtums, eilte auf die Straße und in das nächste Herrengeschäft. Morgens beim Packen für die lleberfiebtung nach Durham House war er gewahr geworden, daß er weder genügend Wäsche besaß, noch daß sie gut genug für die Gesellschaft war, in deren Kreis er jetzt treten sollte, zumal er wohl jeden Abend im Smoking zum Essen erscheinen müßte.
Infolgedessen kaufte er sich alles, was ein Mann non Welt an Wäsche brauchte und ließ sich von dem eifrigen Verkäufer schließlich auch einen Hemdenkoffer aufreden, da er mit seinen rnitgebwchten Koffern nicht ausge-
fommen wäre, und ließ diesen vollgepackt sofort, ins Hotel bringen.
Er eilte selbst dorthin zurück, packte seine übrigen Sachen und war um Punkt 1 Uhr unten in der Halle, wo Christa bereits auf ihn wartete. Seo war wieder von ihrem Aussehen entzückt. Für ihn war sie sicherlich die hübscheste Frau in dem ziemlich gefüllten Speise- saal. Er kam sich halbwegs vor wie auf der Hochzeitsreise, zumal als er wieder für beide bestellte, als ob es feine Frau wäre. Halbwegs, fagte er sich allerdings wehmütig, mehr durfte ja nicht sein,, mehr durste er ja nicht erstreben, wenn er noch einen Funken Ehre im Leibe hatte.
„Mich quält etwas, Herr Silloe", fing sie die Unter« Haltung an. „Sie müssen von meinem Vater und mir einen merkwürdigen Begriff bekommen haben, daß er mich scheinbar Ihnen so in einem fremden Hotel überlassen hat. Aber das dürfen Sie nicht! Wir russischen Flüchtlinge sind durch so viel unmögliche Situationen gegangen, haben so unmögliche Dinge erlebt, erlitten , wo Herkommen und guter Sitte ins Gesicht geradezu getreten worden ist, daß mein Vater nichts dabei sand, mich allein im Hotel zurück zulasten"
Merkwürdig, dachte Beo. den gleichen Gedanken hatte auch er gehabt. Das konnte doch unmöglich eine Abenteuerin sein, die ein so feines Gefühl für derartige Bedenken hatte!
„Aber ich bitte Sie, Fräulein Christa — ich darf doch Fräulein Christa sagen? Ich sagte Ihnen doch schon, wie dankbar ich Ihrem Vater bin."
Sie dürfen mich mit Vornamen nennen, Sie sind doch auch so schrecklich viel älter als ich. Sie sagten doch Sie seien bald an die Vierzig?"
Seo lachte, halb verlegen Glaube sie ihm sein Alter nicht? „Alter schützt vor Jugend nicht, ich warne Sie! Uebrigcns", setzte er ernster hinzu, „Ihr Vater ist doch so plötzlich abgereift .... falls Sie irgendetwas benötigen sollten . ... ich meine wegen des Hotels ich hoffe. Sie werden mir erlauben, das in Ordnung zu bringen!"
„Danke Ihnen tausendmal", erwiderte sie lachend, „so schlimm ist es nicht, die Zimmerrechnung ist bezahlt aber wenn es Ihnen Spaß macht, darf ick mich jetzt als Ihr Gast betrachten!“ (Forts, folgt).