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Ar. 49

Beilage zur Fuldaer Zeitung

28. Februar

Vorfrühling.

M , Son Emmy Ficus.

«fcßhftny will nahm! Eisttare Starrheit vergchet, R«gsame Lüfte tauen den Tod aller Flur, Knospen recken den Trieb zmn Licht und zur Sonne, Hüßer Verheißung folgend auf fruchtbarer Spur. Ucker und Weide breiten die bräunliche Scholle, -Holger Empfängnis frohlockend zu köfllicher Saat: Paß mu der Sommer schenke des Brotes Segen! Daß eines Volkes N o t sich wende zur Gnad — Mtter tragen im Schoß das hoffende Werden, Strahlend grüßen die Blicke das wachsende Licht . . „Fdlhlmg! Erwartung! Erfüllung!" jauchzet die Erde. Wehre, mein deutsches Land, deinem Wunder nichtl

Fritz kommt in die Schule.

Verehrte gnädige Frau!

«e schickem nach Ostern Ihren Jungen ins Leden hinaus, in die Schule. Für Ihren Fritz ist das ein Ereignis, groß genug, feine Schatten voraus zu werfen. Wer auch Die sind davon berührt, besonders da Fritz 6er AÄteste ist, und Sie beraten mit Ihrem Gatten und >nit Tante und Onkel, was da zu tun ist. Soll Fritz vorbereitet roerben? Wie und wie weit? Sicher wür­den Sie gern die berufenste Instanz, die Schule, dar­über Horen, aber noch stehen Sie nicht im Kontakt mit Hr. Deshalb will ich versuchen, Ihnen in den folgenden Heilen die Wünsche und Anregungen der Schule zu ver» Mitteln. Ich bitte Sie mir zu glauben, daß ich damit nicht allein der Schule dienen will, sondern ebensosehr Ihnen nützen und Ihrem Jungen den Weg vom El­ternhaus zur Schule ebnen möchte.

Zu allererst rate ich Ihnen dringend: Schicken Sie -uns Ihr Kind nicht bepackt mit positiven Kenntniffen in wie Schusstube! Lchren Sie es also nicht lesen, schrei» -ben und rechnen! Sie rauben sonst Ihrem Fritz die schönsten Freuden der ersten Schulwochen, nämlich die !ungetrübte Lust am gemeinsamen Schaffen und den ge» ^wattigen Iupuls des Wettbewerbs — Freuden, die nur D der Klaffengemeinschast gedeihen. Machte es Ihnen Spatz, täglich von Fritz zu hören: Mutter, ich langweile mich in der Schule, ich kann ja schon alles? Zudem brächt« diese Meimmg Ihren Jungen in die Gefahr, zu gegebener Zeit dm Anschluß zu versäumen.

Doch ist die Schule durchaus nicht gegen jede geistige Betätigung des vorschulpflichtigen Kindes. Aber sie soll

M Gedenket öet Aeider-kammer des SL Elisabeth-Vereins Sie nimmt getragene Klei­dungsstücke für Bedürftige mit Dank in Empfang.

Abnahmestelle im tzaus des kokst. Arauanbundes, Schnlstratze Nr. i.

nicht Verstand und Gedächtnis betagten, sondern muß sich an Phantasie und Gemüt wenden. Das Spiel sei Domäne des kindlichen Tatendranges, sei einziges Un­terrichtsmittel. Im Spiel soll seine Einbildungskraft wachsen, spielend soll es sehm, anschauen, unterscheiden lernen, soll Eigenschaften, Tätigkeiten und Begriffe er* fahren. Freilich ist nötig daß Sie das Spielzeug der Begabung Ihres Jungen anpassen.

Modellieren und Zeichnen — später wesentliche Un­terrichtsfächer — soll Fritz einstweilen nur spielend be­treiben. Zwanglose Anleitmrg schadet nicht, doch möchte ich Sie tzaoor warum, ihn zuviel zu gängeln oder die Erzeugnisse seiner Kunst zu belächeln. Dem Kinde ist fein Tun ernst und abfällige Urteile ertöten seine Luft am Spiel und seine Neigung, Gedanken Gestalt zu geben.

Eine wahre Goldgrube von geistiger Anregung ist ein gutes Bilderbuch. Der sonst so sragefreudige Mund verstummt, nur die Augen schassen. Sie fäugen die Bil­der ein und dann spielt die Phantasie, die große Künst­lerin, auf allm ©aiten der kindlichen Seele. Sie spricht mit dm Gestalten der Bilder, dichtet ihnen Eigmlchaf- ten und Handlungen an und versetzt sich in ihre Well. Darin liegt eben das Wertvolle des Bilderbuches, daß es das Kind aus der nüchternen Well der Erwachsenen in das wahre Kinderland, das Land der Phantasie, führt.

Der Uebergang vom Elternhaus in die Schule ift für Fritz hart. Der Zwang, sich zu bcherrschen, ruhig zu sitzen und zu schweigen, die Pflichim des Gehorsams und der Unterordnung — lauter Forderungen, die die Klassengemeinschaft aufstellt — bedeuten für einen fri­schen Jungen harte Eingriffe in feine gewohnte Freiheit. Da liegt es nun an Ihnen, gnädige Frau, die Zeit bis zum Sihuleintritt zu benützen, durch eine weise durchge­führte Willensschulung eine Brücke zu bauen vom Land des heiteren Spieles zu dem der Pflicht. Gewöhnm Sie Fritz jetzt schon daran, ohne Murrm auf das erste Wort zu gehorchen! Zwingm Sie ihn, einmal Begon- nmes zu vollendm, auch wenn er keine Lust mehr zeigt! Duldm Sie nie, daß er sich durch Lügen aus selbstver­schuldeten bösm Situationen zu retten sucht! Diese Maßnahmen, konsequent durchgeführt, roerben Fritz nicht nur dm Schritt vom spielendm Wollen des Hau­ses zum barten Müssen der Schule erleichtern, sondern ihm auch die Wege ins Leben ebnen.

Machen Sie Fritz aber keine Angst vor der Schule! Drohen Sie ihm nicht jetzt schon mit der Strenge des künftigen Lehrers! Sie rauben sonst Ihrem Kinde die Unbefangenheit vor dem Lehrer und verbittern chm viele Stunden.

Zum Schluß möchte ich Ihnm, verehrte gnädige Frau, noch einige prosaische Wünsche vertragen. Dor allem dm nach Erziehung des Jungen zur Selbständig­keit im An- und Auskleidm. Wenn Sie beben ten, daß der Lehrer 40 und mehr Kinder zu betreuen hat, so kön­nen Sie sich leicht ausmalm, in welche (Situationen er im Schulbad gerät, wenn ein Teil der Schüler ratlos vor den Geheimnissen der „Toilettenfünfte“ steht. Auch der Wechsel der Schuhe vor und nach der Turnstunde bringt jene in Ungelegenheiten, die nicht gelernt ha­ben, sich selbst zu bedienen. Daß die Forderungen der Hygiene nach täglicher Gesichts-, Zahn», Haar« und

Handpflege auch schon von einem Sechsjährigen erfüllt werden können, wird auch die nachsichtigste Mutter nicht bestreiten wollm.

Ich hoffe, sehr verehrte gnädige Frau, Ihnm und Ihrem Fritz mit meinen Anregungen gebient zu haben. Ich wollte ein Band knüpfen zwischen Elternhaus und Schule, heute schon, noch ehe sich beide gesehm.

Hauptlehrer A. Sei6, München.

Die Fuldaer Zeitung

tft hon SEitlhnortt hio in hör I UH i

ist auch den Fuldaern, die in der

das Fuldaer Heimak-Slatk!

Der Teppich emft und jetzt.

Bon W. Wölkerling-Stolp (Pommern).

Zu den ältesten Erzeugnisien menschlicher Kunstfertig­keit gehören die meist aus Wolle geknüpften, gewirkten ober gewebten Teppiche, die ursprünglich nicht nur zu Bekleidung der sonst schmucklosen Zellwände, sondern auch als Matten zum Schlafen, wie solche bei ver­schiedenen morgenländischen Pölkern noch heute allge­mein im Gebrauch sind, Verwendung fanden. Zu üjrer Herstellung dienten der zähe Bast einiger Pflanzen, ge­trocknetes Schilf ober Rohr, bie aber wegen ihrer schnel­len Abnutzung oft erneuert werden mußten. An ihre Stelle traten bald besonders zubereitete Tierfelle und dickere, geknüpfte Decken aus Wolle, Kamel- ober Zie­genhaaren. Mit Einführung der Weberei, welche Kunst hauptsächlich die Frauen betrieben, benähte man die dazu hergestellten Gewebe mit bunten Streifen, ausgeschnitte­nen Figuren oder bestickte sie mtt farbigen Fäden und erhielt so die Grundform zu den späteren Teppichen, die sich schon zu Moses Zeiten in den Zellen der vor­nehmen Israeliten als Schmuck häufig vorfanden. Auch die Stiftshütte bestand als „Wohnung des Herm“ der Hauptsache nach aus Teppichen, die über ein Gerüst von Brettern und Balken ausgespannt waren. Bald ent- wickelte sich die Teppichweberei zu einem besonderen Ge­werbe. Als solches trat sie zuerst in Persien und in dem benachbarten Kleinasien auf, ht welchen Ländern sich viele Bewohner dadurch ihren Lebensunterhall er­warben. Auch der Apostel Paulus hat dieses Handwerk gelernt und es während feiner Missionstätigkeit gelegent­lich wahrscheinlich ausgeübt. Durch bie Griechen und Römer fand der Teppich im Abendlande Eingang und auch die heimkehrenden Kreuzfahrer trugen viel zu feiner Verbreitung bei. Zuerst faßte die Teppichweberei in England und In den Niederlanden festen Fuß. Dort gelangte sie im Laufe der Zeit zu ungeahnter Blüte. Noch jetzt erfreuen sich die Erzeugnisse der Stadt Ax- nrinfter in der Grafschaft Devoshire, bie Brüsseler und

Feme wohnen, als Bote aus der Heimat ein lieber Freund. Sie ist

Tournayer in der belgischen Provinz Rennegau eines Weltrufes. Eine geachtete Stellung nahmen auch die französischen Teppiche zur Zeit Ludwigs XIV. ein. wo­zu bie ©ebrüber Gobelin in Paris hervorragend bei­trugen. Beliebt waren hier bie geknüpften Savon- neries. Gegenwärtig stellt man bie verschiedenen Arien der Teppiche in den meisten europäischen Ländern fabrik­mäßig her, abgesehen von Persien und Kleinasien, wo noch die Heimarbeit üblich ist. Diese echten handge­knüpften und dann gleichmäßig geschorenen Erzeugnisie werden von der Handelsstadt Smyma in alle Welt ver­sandt.

Nach der Eigentümlichkeit des Gewebes unterscheidet man einfache und doppelte Teppiche. Die bekannten Ve­lours haben eine weiche, samtartige Oberfläche und wer­den ähnlich wie Plüsche und Velvets hergestellt. Sie sind wegen ihrer frischen Farbe und der Haltbarkeit bei einem mäßigen Preise recht beliebt. Ebenso häufig sind ferner die Brüssel-, Axminster und Tapestrieieppiche.

Lennen Sie Safusta?

Vorschläge von Mia Koste.

Aus Rußland und Schweden stammt die Sitte der „Sakuska“. Kleine eingelegte Fische jeder Art haben auf dieser Platte eine Vorzugsstellung: Sardinen, nor­wegische Brieslinge, Sprotten in Del, Gabelbissen, Appe- titsild werden einzeln oder zu zweien in kleine Muscheln oder auf Tellerchen kleinsten Formats gelegt. Dazu all bie andern guten Dinge, italienischer Salat, Lachs­röllchen mit Ostseekaviar gefüllt, russische Eier, gefüllte. Tomaten.

Man soll nicht denken, daß bie Sakuska besonbers teuer unb kostbar sein muß. Die Anordnung, das hübsche Farbengemisch sind bie Hauptsache. Mögen die Zutaten auch ganz einfach sein. Wie können uns selbst kleine grüne Heringe zu russischen Sarbineri zubereiten. Die gut gesäuberten, geköpften Fischchen legt man schichtweise mtt Lorbeerblatt, Zwiebel und reichlich bei­zenden Pfefferschoten, sowie einigen Löffeln gelber Senf­körner in ein Porzellantönnchen und übergießt sie mit kochendem gesalzenem Essig. Nach einer Woche nehmen die silberschimmernden Appetitanreger es mit den kräf­tigsten zungenbeißenden russischen Sardinen oder An­chovis auf. Sanfter in der Wesensart sind eingelegte grüne Heringe, die man schnell in halb Wasser, halb Essig mit reichlich geschnittenen Zwiebeln sowie Pfefferkörnern und Nelken aufkocht. Sie sind so zart im Fleisch, daß man mit der Uhr in der Hand ihren Aufenthalt im Koch­topf regulieren muß. Der Sud kocht! Achtung! Wir geben Ihnen die genaue Zett an — 4 Minuten. — Danke! Man nimmt sie mit dem Schaumlöffel heraus, schichte sie ohne die Nelken in ein irdenes Gesäß, streut gelbe Senfkörner darüber, und wenn der gut auf Essig und Gewürz geprüfte Kochsud erfaßet ist, ergießt er sich über die Heringe. Wer die Brühe gallertartig lieht, versetzt ihr einige Blatt Gelatine.

Auch gefüllte Salzgurken sind für Sakuska zu gebrau­chen. Man schneidet sie der Länge nach durch, entfernt ihre Kerne und streicht timen den hellen Bauch mit Mostricht aus. Streifig geschnittene Bratenreste, mit Mayonnaise vermischt, sind bie Füllung. Dünne Sch ei-

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hrtft1 e“te Mner« Stimme, Vorsicht! Du

^ich dennoch nicht verraten, Tochter des Pomer»

2?. 7er nW- Sie ist seine Gehilfin, seine Ber- Jr; spiele nicht mit Liebesgedanken! Dazu bist •“^t ausgezogen, dazu ward dir die Mappe nicht ge-

fc sich zusammen und gab sich einen Ruck.

Norweger. Was ging Olaf Lilloe an, ob Üfcr -$t€r fo °der anders hieß. Ob sie Polin

fon m5re- Er versuchte einen gleichgültigen ">Mchlagen.

Ünd Sie? Sie meinen Deutsch-Russin, avß» x,r ’ Elam, kann ich verstehen, daß ©ie keine loffe für Franzosen und Polen haben. Ich

für Norweger!"

immer einbegriffen," erwiderte sie ktzten «r>,es schien, kühlen Lächeln. Hatten feine fSfe etBen fachen Klang gehabt, oder reute mb Sie wurden beide plötzlich formell,

«a $[q6 l^e Verlegenheit griff zwischen ihnen bei- hen hatte das Gefühl, daß irgendetwas zwi-

6 kontern ^jlten bekommen hatte, gleichsam, als 6tte. unsichtbar neben ihnen Platz genommen n-ach _ fEe Verlegenheit hinwegzukommen, Aschen lr Sympathien und Antipathien, zwischen ^6 lein * ?mifäcn Völkern. Und sie unterstützte chev (Begumen, die Unterhaltung vom Persön- ^ünmrnt ld,e3 überleiten. Ob sie seine hneffat, oF® roertte ober nicht, konnte er nicht recht tt V üe war wieder die große Dame und er Qjjb । ttsfteund des Vaters.

öckzubrinc,^^^ 65 ihm nicht schwer, sie ins Hotel zu­ll dankenDor ih^r Tür für den schönen Abend ffle, vaz .. sich,gehorsamst zu empfehlen. Das ein« ** otü versagen konnte, war, ihre kleine

Lippen zu berühren.

Und als er in sein Zimmer trat und die Tür hinter sich und dem ersten Erlebnis seines Herzens schloß, da sagte er sich, daß es so besser sei. Trotzdem tat es ihm weh, daß es so fein mußte, tat es ihm mehr weh, als er sich zugeben wollte, und ließ ihn lange nicht zur Ruhe kommen.

Am nächsten Morgen ganz ftüh, wurde er durch den Telegraphenboten geweckt, der ihm die Antwort Bersten- felds auf fein Telegramm an Sophie brachte. Cs lautete:

„Verkaufe meta euch cif london 20 000 tons mittel- steine 36 shilling stop hiesiger preis 30 drahtet bestim- mtmg disponierret halbe Differenz.

berkeld berfin."

Jetzt war guter Rat teuer. Waren diese Hiero- glyphen etwa deuffch und was sollten sie bedeuten? Nach langem Hin- und Herüberlegen rechnete sich Leo aus. daß die halbe Differenz 60 000 Shilling, das heißt 3000 Pfund ausmachten, die anscheinend ihm gehören sollten, wenn Burnhill die Kohlen abnahm. Er ließ sich mit Burnhill verbinden, als es 9 Uhr geworden roar^ unb hatte auch das Glück, ihn zu dieser frühen Stunde zu erreichen. Burnhill dankte ihm mtt überschweng­lichen Worten und ließ sich Berckenfelds Adresse geben, dem er zu drahten und zu schreiben versprach.

Leo schwindelte es Mit einem Telegramm und einem Telephongespräch hatte er ein durchaus ehrliches Geschäft gemacht und dabei die für chn ungeheuere Summe von 60 000 Mark verdient, die sich höchstens um die Spesen verringern würden. Dieses Geschäft ging Lllloe jedenfalls nicht das geringste an. Wenn jetzt auch alles andere fehlsck>lüge, würde er als ein für feine Ver­hältnisse reicher Mann nach Hause zurückfahren. Dor allem war er aber jetzt in der Sage, mit gutem Ge­wissen die Schweizer Franken anzugreifen, die eigentlich Lilloe gehörten. Es war ihm ja jetzt die Möglichkeit gegeben, den ganzen Betrag aus eigenen Mitteln zu ersetzen. Er hatte schon gefa-nt abend im Savoy-Notel einen Tausender wechseln müssen, da fein eigenes Geü> bald aufgezehrt war.

Er verließ sein Zimmer nach dem Frühstück, ohne bei Christa angeklopft zu haben unb schickte ihr unten mit einigen bunfelroten Rosen — wie unpassend, fand ,

er, dunkelrote Rosen bedeuten Liebe! — ein Brieschen hinauf, in dem er sie bat, um ein Uhr mtt ihm im Hotel zu lunchen, da sie damit rechnen müßten, daß Burnhlll sie um zwei Uhr abholen würde. Dann drahtete er an Berckenield die Adreffe von Bunhills Firma mit dem Ersuchen um Uebersendung eines Barschecks auf London für den ihm zukommenden Betrag in einem eingeschrie­benen Brief an Leo Ortrand, v. A. Credtt Lyonnais, London.

Das schien ihm die einzige Möglichkeit, auf den Na­men Solloes Ge8> zu bekommen, ohne mit diesem Na­men quittieren zu müssen Sophie würde er am glei­chen Abend von Durham House eine schriflliche Erklä­rung zu geben versuchen.

Dann ging er zu Fuß den kurzen Weg zu Emerson. Seroi u. Emerson, aufs höchste gespannt auf das, was er dort erfahren sollte.

Nach kurzem Warten empfing ihn Seroi hn selben Zimmer.

„Wir haben, gleich nachdem Sie uns verlassen hat­ten," fing Leroi an, „mit unserem Pariser Büro tele­phoniert und folgende Auskunft erhalten."

Er suchte unter den auf dem Tisch liegenden Pa­pieren und zog dann einen Zettel hervor.

„Matthaeus Sacharowitsch Pomernatzki M em S November 1877 zu Warschau geboren und war dort im Bankgeschäft seines Vaters tätig. Später zog er nach Riga unb warf sich auf den Getreide handel. Sein Ge­schäft dort muß als gutgehend bezeichnet werden. Er verheiratete sich dort mit der Witwe des Kaufmanns Emil Horn, die ihm eine Tochter. Ehrfftine, im Alter von vierzehn Jahren mtt in die Che brachte. Gerüchte wollen wissen, daß die Ehe unglücklich war unb baß bie Ehefrau infolge der zerrütteten Eheverhältnisse krän­kelte und bei einer Grippeepidemie den Tod fand. Wäh­rend der deutschen Besatzung gab Pomernatzki plötzlich sein Geschäft auf, bas wohl infolge des Krieges keinen Bestand mehr hatte und verließ mit seiner Tochter die Stadt. Im Jahve 1923 tauchte er in Paris auf und machte dort frcmko-ruMche Geschäfte, zmn Teil größeren Stils, wobei er gut verdient haben soll. In letzter Zeit sollen ihm mehrere Geschäfte fchlgeschlagen sein. Sei­nen Verpflichtungen ist er bisher, soweit bekaimt, pünkt­

lich nach gekommen, doch soll Vorsicht geboten fein. P. einen größeren Kredit etnjuräumen, erscheint untunlich, da er anscheinend kein Vermögen besitzt. Zurzeit ist er Geschäftsführer einer franko-risssischen Gesellschaft zwecks Ausbeutung eines russischen Unternehmens. An diesem ist ein erstes Haus beteiligt."

„Das klingt nicht schlecht", sagte Leo, ,chaß der Mann kein Vermögen besitzt, ist erklärlich, er wird es in Ruß­land verloren haben. Aber haben Sie etwas über Seb- liczek unb Kilinski erfahren?"

„Dswegen habe ich Sie hergebeten, sagte Seroi. „lieber Kilinski haben wir noch nichts Näheres erfahren kön­nen, wenigstens in dieser kurzen Zett, dagegen ist Ste­phan Sedlaczek eine mit großer Vorsicht zu genießende Person. Sehr lange kann die Freundschaft zwischen Pomernatzki und Sedlaczek nicht bestanden haben, denn Sedlaczek fft erst hn März dieses Jahres aus dem Sante-Gefängnis entlaffen worden, wo er einundein­halbes Jahr wegen schwerer Urkundenfälschung unb Be­trug gesessen bat!"

Seo wurde blaß. Don wann datterte doch die Kon­zession, vom 21. Juli 1923! Sedlaczek mußte daher, wenn er einundeinhalbes Jahr im Gefängnis gesessen hat, im September 1924 abgeurteilt worden fein! Das konnte mtt der Konzession sicherlich nicht zusammenhäa- gen. Wenn er die etwa gefälscht hätte, dann wäre er auch so vorsichttg gewesen, das Datum besser zu fälschen, so daß das Bedenken wegen des Ablaufs des Vertrages zwei Jahre nach der Unteischrist bei ihm nicht hätte entstehen können.

„Was wissen Sie sonst noch von Sedlaczek?" fragte Seo ziemlich bedrückt. „Es ist mir unverständlich, wieso Delafosse bas- nicht festgestellt hat. Gegen Delasossr liegt doch nichts vor?"

„Ausgeschlossen! Delafosse ist bas erste Haus, von dem in der Auskunft bie Rede ist."

„Was soll ich nun machen?"

„Sprechen Sie doch mit Pomernatzki über Seb« laczek."

„Pomernatzki ist gestern Hals über Kopf, ohne sich bei mir zu verabschieden, nach Paris zurückqefahren!"

Leroi pfiff. „Sieh da, sich da! Ihr Besuch bei mir!" (Forts- folgt).