Einzelbild herunterladen
 

NILS

Nacht.

Wenn die Nacht, des Schlafes Wiege, In der Flur sich aufgestellt. Wenn in leisen Nachtgebeten Kinder vor den Vater treten

Riegeln sich die holden Himmel Herrlich allen Menschen aus. Und der Gute mit dem Hiricnstabc Wird den Suchern Augenlabe.

Nacht singt alte Lobgesänge, Mondschein blinkt wie Haargehänge Gotter von den Sternen Und d»e Wälder rauschen lang Und lobpreisend die Zisternen.

Franz Johannes W e i n r i ch.

Ein frischer Wind!

Die Iugend regk sich in manchen Parteien. Das junge Zentrum. Der Kampf der jungen Rechten. wer- den die christlich-konservativen Kräfte den christlichen, sozialen und nationalen volksskaat errichten?

In den letzten Jahren hat sich ein starker Drang der jungen Generation zur politischen Mitarbeit bemerk­bar gemacht. Manchem alten Parteiführer mag diese Unruhe unbequem gewesen sein, da die Jugend meist mit bestimmten Forderungen an die Parteien heran- trat und unbedenklich die Schwächen beim Nomen zu nennen wagte, die sich gezeigt hatten. Es entspann sich oft ein harter Kampf zwischen der Borkriegsgene­ration und den Jüngeren: manchmal gab es kein Ver­stehen. Die Geheimräte siegten, dann wanderte die Jugend aus. So gibt es heute Parteien in Deutschland, denen die Jugend fehlt. Auch das Zentrum war einmal in der Gefahr, die Jugend zu verlieren. Bei der letzten Reichstagswahl standen viele junge Katholiken wartend abseits. Dann trat aber ein Umschwung ein. Der Reichsjugendausschuß der Deutschen Zen­trumspartei wurde gebildet; namhafte Führer der jun­gen Katholiken traten ihm bei. Infolge des Verständ­nisses und Entgegenkommens der Melieren fand man eine Linie, auf der eine Zusammenarbeit möglich war. Die katholische Jugend hat erkannt, daß sie ihr politisches Wollen am besten im Rahmen einer gefestigten, starken, politischen Partei durchsetzen kann. Anstelle des Kamp­fes g e g e n und der Kritik an der Partei, ist der Wille zur Mitarbeit i n der Partei lebendig geworden. Man glaubt, daß es möglich ist, die Partei mit neuem ©cifte zu durchdringen. Die junge Generation ist mit Begeisterung bei der Sache, wie der Verlauf der Kom­munalwahlen am 17. November gezeigt hat. Ob es so bleibt, wird wesentlich davon abhängen, wie die Partei den Bestrebungen der Jugend Roum gibt und wie die von der Jugend herausgestellten Führer sich in dem poli­tischen Kampf bewähren.

Nicht in allen Parteien ist der Vorstoß der Jugend so erfolgreich verlaufen. In der Sozialdemokratie frei­lich ist von einer bewußten sozialistischen Jugend kaum etwas zu merken. Die sozialistische Arbetter- jugenb und die Jungsozialisten sind in eine geistige 23er« engung geraten, daß wir sie bei einer Betrachtung der politischen Strömungen der Jugend übergehen können.

Anders sieht es bei der nicht sozialdemokratisch wäh- londen Jugend aus. Zunächst die Jugend, die sich zu den liberalen Parteien bekennt,' für die Relchsge- meinfchaft junger Aolksparteiler. Von Interesse ist, was Manz G l e tz e l auf eine Umfrage der ZeitschriftDer Zwiespruch" darüber, wie sich die Jugend zur Politik stelle, sagt:

Die gegenwärtige Zersplitterung der politischen - Ära"e ^i all denjenigen Parteien, die nicht zum Marxis­mus gehören, sehen wir als verhängnisvolle Schädigung des otaatsgebantens an und vertreten daher die Auf- fafsung, daß eine zusammenfassende Parteineubildung er- orberlicf) ist, die sich sachlich als eine nationale «taats partei der Mitte charakterisieren läßt und die in Bezug auf die Führung zugleich die E i n - Ichaltung neuer politischer Kräfte herbei- slfU-j.rCn m.u6" Neue Personen und neue Ideen sind in gleicher Weise die Voraussetzung für das Gelingen des .^bsichtigten Durchbruchs. Die Frage nach der Wir- ung unseres Vorgehens kann bislang nur so beantwor- et werben, daß mir in der kurzen Zeit eines knappen gawen Jahres seit der Weimarer Tagung schon in allen eilen des Landes unsere Bewegung durchsetzen konnten

m sämtlichen Parteiinstanzen Auseinandersetzungen 1 °le Erneuerung des Programms führen.

N . Morgen Hans! Mensch, übersetz' mir

Die Massenarbeit

Eine Tragikomödie.

. p Riegen die Ovide auf, und, während einzelne IMd, in der Eile mit ihren Nachbarn Verträge

Mi "rr . "utorSen Hans! Mensch, Übersetz' mir mal B j 11 2oid, ich kann nämlich keinen Slips!" Mit °« ®Drten stürmt Sekundaner Theo Peters in die lie und auf seinen Freund Hans Schnurr zu. » etnfte vielleicht, ich könnte was? Mir gehts genau j Aber, warte, ich will mal die Uebersetzung

MiAbern bischen fix!" Es läutet eben

Qy°n. einem Ruck ist das Zauberblättchen oben

übean^' un& m'e- Zwei wilde Tiere fallen sie bar» y Doch kaum haben die arbeitsamen Knäblein unh omlen heruntergerasselt, da öffnet sich die Tür. iicki v*m der beidenfleißigen" Schüler zeigt

: M die kräftige Gestalt des Professors Schmitt, des °i°'"lehrers der Klasse.

Rsmd Ur'* un& 'infacf) ist die Begrüßung, desto länger u nacyhaltiger wirken jedoch die Worte:Hefte gLi en en!" Nachdem sich der erste Schrecken gc- 3teihe *1 man nur "och aufgeregtes Tuscheln in den °er angehenden Einjährigen, und halblaute bas Thema der Arbeit übertönen das Han« vorgenommene Austeilen der Hefte. Auch beiter'<c^lrr ben die ersten Worte wie ein Blitz aus zu daß trafen, hat sich bald so weit beruhigt,

fcrQt* ,c^raft besitzt, seinen übrigen Borrat an Esels- j Uni nh °°EEren und für den Gebrauch bereitzulegen. g ettnafrh^ Q(Uc^ zu sein, daß chn die Obrigkeit nicht B ratlos h r cr seinem Nachbarn Theo, der ganz ®unhp<-a Lebewohl und läßt sich mit seinen treuen ' e,I"9e"°*'e.n 'N der letzten Bank häuslich nieder.

L iStaub h übersetzt aus dem Ooid bas Stück über ben K*iher droserpina'," verkündet jetzt Schmitt mit Aeriz.bn'lltimme.Eine Stunde steht euch nur zur galtet euch also dran. Jede Minute ist

abzuschließen und Korrespondenzen aufzunehmen, ar­beitet sich der brave Hans klopfenden Herzens mit dem Durchblättern feiner Träufe ab, und wirklich hat er bald die Stelle vom .Raube der Proferpina' gefunden. Gott fei Dank! Soweit wären wir!" denkt Hans zu­frieden über den gewünschten Erfolg.Jetzt heißt es vor allen Dingen: Laß dich nicht erwischen!"

Doch kaum kann er zu Ende denken, denn abermals wird die Stimme des Lateinlehrers vernehmbar. Dies­mal klingt sie aber etwas weicher und väterlicher.Hans Schnurr; warum hast du dich denn gerade in eine so unbequeme Bank gequetscht? Sieh mal, was hier noch für ein schönes Plätzen frei ist! Es ist doch 'ne Schande, daß du dir dahinten dein wertes Hinterteil verrenken mußt, während hier vorn die beste Sitzgelegenheit der Klaffe unbesetzt bleibt. Du scheinst aber in deinem ju­gendlichen Leichtsinn nicht an die Folgen einer Ver­renkung des Hinterteils zu denken. Sei also, bitte, nicht so töricht, sondern komm hier vor!"

Was bleibt dem Hänschen da zu tun übrig? Mit einem unterdrückten:Verfl.....Quatsch, daß bas

auch noch passieren muß!" rafft cr Heft, Feberhaltcr und Ovid zusammen, und es gelingt ihm sogar, mit einem schnellen Griff einen Teil seiner Hilfstruppen in Sicher­heit zu bringen.

Sauersüß lächelnd, im Herzen ' dein Professor aber schwer grollend wegen seiner allzu großen Fürsorge für ihn, postiert sich Schnurr in die erste Bank ganz in die Nähe desGestrengen".

In diesem neuen Wohnort kennt Hans nun keine an­dere Ausgabe als die, eine günstige Gelegenheit abzu­warten, um wieder Zuflucht zu den Hllfstruppen nehmen zu können. Dies gelingt ihm auch in einem unbewach­ten Augenblick. Doch, o Schreck, was ist bas!? Wie sehr cr auch sucht, nichts ist von einemRaube der Proser- pina" zu entdecken. Vielmehr hat der launische Glücks­gott ihm die gute Note für die Arbeit und damit die Aussicht auf Versetzung geraubt.Erschossen wie Ro­bert Blume!" seufzt Hans und läßt die Rechte mit dem angekauten Federhalter sinken.

Ein Blick auf die Uhr sagt ihm:Roch 15 Minuten I bis Stundenschluß!" Da erwächst in ihm die Angst vor I dem Vater, der ihm im Falle einer Nichtversetzung zu Ostern schon bas Nötige angebroht hat. Er setzt alle Mittel in Bewegung. Die Versuche, bes Nachbarn Heft zu erwischen, scheitern an ber luchsähnlichen Aufmerksam­keit bes Klassenlehrers. Deshalb irren seine Augen un­aufhörlich in der Nachbarschaft umher, um ben Inhalt ber Hefte gierig zu verschlingen, während die langen Ohr­löffel fortgesetzt SOS in die Klasse funken. Seine. Ka­meraden, denen dieser Hilferuf schon zur Genüge von früher her bekannt ist, bemerken zwar die Not, in der bas Hänschen sich befinbet, können ihm aber wegen bes Augenpaares, bas alle ihr noch so kleinen Bewegungen überwacht, keine Hllfe bringen. Trotzdem läßt Hans die Hoffnung nicht sinken, und immer aufgeregter werden feine Notsignale, die jedoch ohne Erfolg im Zimmer ver­hallen. Erst das Ertönen des bekannten Glockenzeichens und der Ruf:Hefte abgeben!" befreien ihn von ber anstrengenden 'Arbeit des Funkens. Niedergeschlagen gibt cr das Heft ab, in dem nur die Uebcrfchrift, einige verschmierte Wörter und eine Sammlung von Finger­abdrücken als Strbeit von einer Stunde zu sehen sind. Dann seufzt cr tief auf und sagt:Ja, ja, wir Schüler sind doch geplagte Leute! Meint man die eine Not glück­lich hinter sich zu haben, so erscheint über Nacht wieder eine neue." R. G.

Die Mrast des Eichbaums.

Von M. M.

Es war einmal ein schöner, kraftvoller Eichbaum. Neben ihm standen andere Bäume verschiedener Art, aber keiner hatte eine solch kraftvolle Haltung Auch eine 'Pflanzung junger Bäumchen war in ber Nähe. Die großen Bäume sollten den kleinen zum Vorbild dienen. Sie sollten ihnen vom Wachstum nach oben er­zählen. Der Eichbaum machte die wenigsten Worte.

Dennoch schauten die jungen Stämmchen am meisten nach chm, sie spürten seine stille Kraft.

Schwere Gewitter kamen. Die Bäume bogen sich im Sturm. Die großen Bäume wollten die kleinen schüt­zen Der Eichbaum stellte sich dem Sturm entgegen und schützte nicht nur die jungen Stämme, sondern auch die alten. Als man ihn einmal fragte, warum er das tue, sagte er:Ich habe sie alle gleich lieb, darum schütze ich sie alle gleich." Seine Kameraden verstan­den bas nicht. Nur ber Himmel verstand es, denn nur der Himmel kennt die Kraft der Siebe.

Die seltsame Größe des Eichbaumes wurde den an­deren alten Bäumen allmählich ungemütlich. Man tuschelte untereinander, der Eichbaum bilde sich zu viel ein und müsse unbedingt qedemütigt werden. Doch wie sollte man es anfangen? Wenn man mit ihm sprach, so war man gereizt, seine allumfassende Liebe nannte man Schwäche. Man rückte zwischen ihn und die jun­gen Bäumchen, sodaß diese ben Eichbaum nur noch non ber Ferne sahen. Der Eichbaum überlegte. Das Be­nehmen ber Anderen ging ihm ans Herz, er wollte sich wehren. Er wandte sich an fernstehende Bäume und bat um ihr Urteil. Das reizte die Umstehenden noch mehr. Er sollte, er mußte erniedrigt werden. Sie rückten näher an ihn heran und zogen chm die Kraft aus dem Erdreich. Da mußte das innerste Mark dec Eichbaums erschlaffen . Als er das merkte, erbebte er Er erzitterte wie eine Espe. Leise meinte er in sich hinein:Ich habe alle geschützt. Das ist nun der Dank.'

Als die Umstehenden die Erschütterung des Eich­baumes bemerkten, waren sie befriedigt.Nun ist er gebemütigt" dachten sie,und wird uns nicht mehr im Wege fein."--

Der Eichbaum steht noch auf demselben Fleck. Er hat nicht mehr das kraftvolle Aussehen wie früher, er ist klein geworden. Wer hatte das Recht, ihm Kraft auszusaugen?!

Und dennoch: Er lebt, er ist nicht gebrochen Denn seine größte Kraft ist die Sieb».

Verantwortlich fürDas Blatt der Jugend": Dr. uec. publ. Joseph Sauer» Fulda.

Für das neue Jahr habe ich nur ben einen Wunsch, baß ber von uns und einigen Freunbeskreisen gesche­hene Aufbruch auf breitester Front Gefolgschaft finden möge, damit die Umgestaltung ber Dinge in Deutschland nicht ben Mächten ber Plutokratie ober ber Masse über­lassen bleibt. Der Kamps geschulter Men­schen und verantwortlicher Persönlich­keiten gegen ben Apparat und um d i e Füh­rung ist die Parole für unsere Zeit."

Zu diesen Ausführungen nimmtDas junge Zen­trum", die feit Anfang 1930 in neuem Format erschei­nende Monatsschrift des Reichsverbandes der Deutschen Windchorstbunde, mit den nachfolgenden Bemerkungen Stellung:

Kampf gegen Vermasfung bes politischen Sehens und den politischen Apparat und seine Mc- ch a n i f, freies Feld für politische Führung und Einsatz junger polilischer Kräfte, bas ist Glatzels und feiner volks­parteilichen Freunde Parole. Sie ist nicht neu und schon viel früher erhoben worden. Daß nach Glatze! weiter die Deutsche Volksparteials ber strategische Ansatzpunkr für den Durchbruch ber neuen Kräfte" anzusehen fei, müssen wir doch sehr bezweifeln. Wirglaubennicht, daß der Liberalismus im Deutschland von heute politisch gestaltende Kraft besitzt und auf bas junge politische Geschlecht an« ziehend wirkt. Das junge politische Denken ist a n- filiberal, ist christlichkonservativ, ohne jede Spur von Reaktion, sozial-fortschrittlich und ganz bür­gerlich. Die größere Chance hat die j u n g e R e ch t e, nicht aber die junge Volkspartei, es fei denn, sie entwickle sich immer weiter vom Liberalismus ihrer Väter weg. Daß der Jungdeutsche Orden junges, konservatives und liberales Denken in sich zu vereinen für möglich hält, ist feine Tragik geworden. Die Entwicklung geht schon über ihn hinaus.

In Berlin trat auf Initiative der deutschen 3ung- bcmotralen der Kongreß der radikalen Ju­gend Europas zusammen. In dem Ausruf hieß es: Eine 'Aussprache über die Situation der europäischen Demokratie herbeizuführen und die Möglichkeit zu einer gemeinsamen kameradschaftlichen und von dem tiefen Ge­fühl der Verantwortung für die Zukunft Europas ge­tragenen Zusammenarbeit zu schassen soll der Zweck eines Kongresses sein, zu dem wir deutschen Jungdemokraten unsere Kameraden aus den radikalen, liberalen und de­mokratischen Jugendorganisationen aller Länder Europas einladen", lieber formal demokratische und leere liberale Reden tarn der Kongreß nicht hinaus. Das ein­zige greifbare Ergebnis: Man gründete eine Union der radikalen Jugendverbände Europas. Die Demokratie ist in Europa in ein viel zu kritisches Stadium getreten, auch in Deutschland, als daß man sie mit demokratischen Re­den und Schlagworten aufrecht erhalten kann. Wir sind für den Volks st a a t und lehnen jegliche Diktatur ab. Gerade darum erblicken wir in demokratischen Schön­redereien eine Gefahr für wahre Volksdemokratie. Wahre deutsche Demokratie baut sich nie und nimmer auf poli­tischem und wirtschaftlichem Individualismus auf. Der deutsche Volksstaat muß auf den natürli­chen Gliederungen des deutschen Volkes weltanschaulicher, Heimat sicher und b e- rufs ständischer Art, und ihrer Einord­nung in ben nationalen Gesamtwillen er­stehen. Und diese Einordnung muß über bas Treuever­hältnis von Führer und Gefolgschaft vor sich gehen. Wer bas nicht erkennt, geht an ber Wirklichkeit vorbei.

Bon ganz besonderem Interesse ist für uns die Ent­wicklung im Lager der Rechten. An H u g e n b e r g schei­den sich die Geister. Aus ber einen Seite dieReaktion, die ewig Gestrigen, die konsequenten Bekämpser jeglicher Demokratie, die ausgesprochenen Machtpolitiker, die politisch Ungläubigen. Auf der anderen Seite gegen Hugenberg die Arbeiter und Angestellten, große Teile bes Sanbbunbes, bie lebendige Iu- g e n b und ein neu erwachtes politisches Selbstbewußt­sein weiter evangelischer Volkskreise. 12 Reich-- tagsabgeorbnete haben die Hugenbergfraktion des Reichs­tages verlassen. Unter ihnen Lambach vom deutschnatio­nalen Handlungsgehilfenverband, Hartwig und Hülser von den evangelischen Arbeitervereinen, Behrens vom christlichen Landarbeiteroerband, der bekannte Autzen- politiker und hervorragende Osteuropakenner Univ.-Prof. Hoetzsch, der Katholik Dr. Lejeune-Jung, der frühere Reichsinnenminister v. Keudell, der aus der evangelisch- sozialen Bewegung stammende Pfarrer Mumm, Männer der Industrie und Landwirtschaft wie Klonne und Schlange-Schöningen, die bekannten, im Lager der jun­gen Rechte» hochgeschätzten und allgemein im Reichstag angesehenen 'Abgeordneten Lindeiner-Wildau und Tre- viranus. Noch hat diese jung-konservative Be­wegung einen schweren Stand; denn Hugenberg hat den

Parteiapparat und die Presse. Was dem Diktator aber fehlt, ift die Jugend (ber Bismarckbund, ber sich zu einer Jugendschutztruppe Hugenbergs ent­wickelt hat, wird von ber jungen hündischen Rechten nicht ganz ernst genommen). Wir haben alle Ursache, die Ent­wicklung im Lager der Rechten aufmerksam zu verfol­gen. Wir verhehl?n keineswegs, daß der Aufbruch im Lager der Rechten unsere Sympathien findet. Nicht aus parteipolitischem Eigennutz, sondern weil wir dort Kräfte wachsen sehen, die mit unserer Einstel­lung vielfach verwandt, für den Neubau der deutschen Republik als eines christl., sozialen und nationalen Volks st aates um entbehrlich sind.

Der Nationalsozialismus, der heute auf jugendliche Kreise seine Anziehungskraft nicht verfehlt, wird an feiner Demagogie zu Grunde gehen. Wer feine politische Aufbauarbeit auf Jahre einfteUt, und nur der bewahrt sich vor Trugschlüssen kann über ben Nationalsozialismus hinwegsehen, barf aber niemals die iungkonservative Bewegung aus dem Auge verlieren. Hier sei noch auf zwei Zeitschriften verwiesen: Die ^ungnationalen Stimmen", herausgegeben von Dr. Dähnhardt, einem ber Führer ber hündischen Rechten und auf eine erst kürzlich erschienene Halbmo­natsschriftDas S t a a t s f d) i f f", dessen Herausge­ber der Schriftleiter amDeutschen", der Tageszeitung des Deutschen Gewerkschaftshundes, Peter Weber, ist. Im Staatsfchiff haben sich junge politische Kräfte aus dem katholischen und aus dem evangelischen Lager zu gemeinsamer politischer Arbeit zusammengeschlossen.

Das hier kurz beleuchtete Streben der politischen Ju­gend läßt vielleicht in vielen bie Hoffnung aufkeimen, daß einst alle christlich-konservativen (nicht zu verwechseln mit reaktionären) Kräfte in Deutschland sich zum 2lufbau eines wahren, nicht nur formaldemokrati­schen, deutschen Volksstaatcs zusammenschließen. Dann wird endlich das Zentrum nicht mehr gezwungen fein, aus bitterer politischer Notwendigkeit allein mit der liberalen Sozialdemokratie zusammenzugehen, was die christliche Volkspartei tun muß, solange in Parteien, die sich national und konservativ nennen, dieReaktion sich verbirgt. Es kommt eine neue Zeit, auch in der Politik.

An die Arbeit!

Aus dem Fuldaer Gefellenverein wird uns ge­schrieben:

Daß in verschiedenen Nummern besBlatt ber Ju­gend" über bas ThemaGesellenverein und Jungmän- nerverein" Erörterungen gemacht wurden, bezw. als Antwort auf ben Dialog:Karl n. Adolf" gemacht werden mußten, ist meines Erachtens nicht erfreulich. Diese Form der gegenseitigen Auseinandersetzungen ist doch überholt und nicht mehr zeitgemäß, da die Angelegen­heit:Gefellenverein und Jungmännerverein" nicht nur theoretisch, sondern auch für bie Praxis längst ihre Re­gelung durch die allein maßgebenden Instanzen gefun­den hat. Es haben sich ja beide Verbände im Ab­kommen von 1928 verpflichtet, sich gegenseitig als gleich­berechtigte Glieder in der Organisation der kath. Jugend anzuerkennen. Diese Gleichberechttgung für Stadt und Land braucht sich also ber Gesellenverein, zumal in den Augen aller, die ihn wirklich kennen, nicht erst durch eine Zeitungsdebatte zu erkämpfen.

Wesen und Ziel bes Gesellenvereins sind in seinem Programm klar formuliert und festgesetzt, seine beson­deren Zeitaufgabe« burch bas Wiener Manifest fürFa­milie, Demokratie und Völkerfrieden" eindeutig vorge­zeichnet. Was ber Gefellenverein ist, ober sein soll, ist nicht abhängig davon, was irgend jemand irgendwo von ihm meint oder meinte. Eindeutig maßgebend und bahnweisend sind hier: Das General st atnt, bas Programm und die Anweisungen der Zen­trale in Köln, bie im Einklang mit ber kirchlichen Behörde erfolgen. Dementsprechend finden im Gesellen­verein prinzipiell nicht nur Handwerker, sondern alle Jungmannen Ausnahme, die sich in die Kolpings-Fa- milie einorbnen wollen, und die sich nach drei Mo­naten provisorischer Mitgliedschast für die Ausnahme wür­dig erweisen. Daß der Gefellenverein es ablehnt, sich in dieser ureigensten Familienangelegenheit von nicht berufener Seite Vorschriften machen zu lassen, die ihn in Propaganda und Entwicklung behindern würden, ist einfach eine Pflicht der Selbstachtung.

Auch in Fulda war der Gesellenverein niemals nur Handwerkeroerein. Seit 75 Jahren hat er bie Jugend aller Art in seine Reihen ausgenommen, wie es dem Gesellenvater Äolping bei seinem Abschied in Elberfeld im Jahre 1849 gewünscht wurde:Gott möge Dir bie männliche Jugend aller Arten zusüh-

r e n". So leiteten denn auch bis vor lingstongregationen unserer Stabt ihre Siebzehnjährigen in den Gesellenverein über. Es wird aber wohl nie­mand behaupten wollen, die Iiinglingsvereine hätten nur Handwerkslehrlinge in ihren Rechen gehabt! Anders wäre auch die Bestimmung des Abkommens zwi­schen Jungmänner-Verein und Gefellenverein unver­ständlich, wonach an Orten, wo kein Jungmännervereiii besteht, der Gefellenverein die Fortsetzung des Iugcnd- uereins fein soll.

Was bie Zusammenarbeit ber kathoi. Vereine in der Stabt Fulba betrifft, so haben wir doch unser bewähr­tes Katholikenkomitee, zumal eine Arbeitsge­meinschaft der Jugend-Vereine allein sich in der Vergangenheit bereits als wenig fruchtbringend er­wiesen hat.

Keine Ueberorganifation! Mehr prak­tische Arbeit! Rund zwei Millionen kath. Jung- mannen Deutschlands stehen noch außerhalb unserer zwölf kath. Jugendverbände, nur eine halbe Million ist erfaßt. Ist das Zahlenverhältnis für Fulda günstiger? Da mutet es merkwürdig an, wenn Kompetenzstreitig­keiten bezüglich der aufzunehmenden Mitglieder zwischen unseren Vereinen ausgetragen werden.

Seien wir doch einig! Philosophieren wir nicht! son­dern arbeiten wir! An Arbeitsmöglichkeit fehlt es uns doch offenbar nicht!

Aus der Gruppenarbeit.

Elternabend der Fuldaer Jtormannffeiner.

Man schreibt uns:

In diesem Schuljahr werden es 10 Jahre, daß die Gruppe der Fuldaer Normannsteiner unter dem Namen desA l b e rt u s - V e r e i n s" gegründet wurde. Diese kurze Zeitspanne hat infolge der großen Span­nungen in unserem gesamten Volkskörper und durch die schweren geistigen Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen und besonders der katholischen Jugend ein unverhältnismäßig schweres Gewicht. Die Normann­steiner standen stets aktiv mitten in diesem Kampf. Mit jugendlicher Konsequenz haben sie den Gedanken der Jugendbewegung zu Ende gedacht und sich doch wieder selbstlos und aus freien Stücken in bie Reihen ber katholischen Jugend Deutschlands eingegliebert. Durch die gesamte katholische Jugend geht ja heute cm einheitliches Wollen, zu kämpfen für die Erneue­rung des eigenen Selbst und der Gesell­schaft im Geiste Christi. Die Normannsteiner lehnen es aber ab, sich in irgend eine Organisation hin­einzwängen zu lassen. Sie sind natürlich bereit, sich mit Gleichgesinnten in ganz Deutschland zusammenzuschlie­ßen. So geschieht es auch. Zuerst waren es ganz we­nige. Aber langsam wächst bie Zahl. Neue Gruppen schließen sich derFreischaar" an. Wie sich bie Gruppe an ben einzelnen Orten nennt, ist Nebensache. Organisation ist nicht das Ziel, sondern höchstens ein Mittel. Die besondere Aufgabe der Normannsteiner ist es, dafür zu soraen, daß innerhalb ber katholischen Jugend stets Bewegung und frisches, selbständiges Leben ist.

In der vergangenen Woche hielten die Fuldaer Normannsteiner ihren alljährlichen Elternabend im Bürgerverein ab. Musikvorträge, luftige Lieder und Spiele wechselten in bunter Folge mit einander ab. Viel­leicht hatte der Abend nicht den einheitlichen Stil, wie man ihn sonst gewohnt war, aber dieser Mangel wurde durch die Tatsache wettgemacht, daß saft alle Gruppen- mitglieder sich bemühten, ihren Eltern einige frohe Stunden zu bereiten. Am Schlüsse sprach Pater H i p- p o l y t u s Böhlen O. F. den Eltern den herzlichen Dank für die treue Mitarbeit aus und warb für eine fruchtbare Zusammenarbeit von Elternhaus und Gruppe.

Meine Mitteilungen.

Ob in Fulda auch so etwas möglich wäre?

In das Handelsregister zu F r an k s u r 1 a. M. ist bie FirmaZentrale ber katholischen Für­sorge" G. m. b. H. eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist die Förderung aller Mittel körper­licher Ertüchtigung und Errichtung hierzu dienlicher An­lagen, im Dienste und im Geiste katholischer Fürsorge. Die Gesellschaft ist berechtigt, alle hiermit mittelbar ober unmittelbar zusammenhängenden Geschäfte anzuschließen und Grundstücke zu erwerben. Die Gesellschaft, die sich aus der ehemaligen Frankfurter Sport-Gesellschaft ent­wickelt hat, kann als die Dachorganisation der kathott- schen, Jugendpflege treibenden, Verbände angesprochen werden. Sie gibt ber Frankfurter katholischen Jugend in ihren fportlichen Bestrebungen den notwendigen ideellen und finanziellen Rückhalt.