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Ur. 45.

Sonntag, den 23. Februar 1930.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt

Druck der Julöaec Actiendruckeret, Fulda.

Rund um die Woche.

Der neue Herder kommt. — Der Hampelmann im Auto. — Nur kein Duckmäuser.—Der redende Stadlrat. — Das Varmädchen. — Skiläufer.

Der neue Herder kommt, das ist eine gute Llachricht, die, glaube ich, noch keiner vor mir in die Presse gebracht hat. So eine Nachricht läßt sich ein richtiger Zeitungsschreiber etwas kosten. Dafür fährt er den ganzen Rhein entlang bis nach Freiburg. Ich hab ja nichts gegen Meyer und stichts gegen Brockhaus. Die neuen Auflagen von ihnen haben wirklich ganz hervorragende Seiten. Aber, aber... Wenn in einem Konversations­lexikon die Auferstehung Christi angezweifelt wird, wenn da über das Christentum selber, wie jetzt im vierten Bande, vollkommen liberale Anschau­ungen feilgeboten werden, bann ist das doch nichts für ein christliches Heim. Solch ein Lexikon ist aber nun einmal die Universität im Heim. Zumal in der Zeit, wo man im Radio manches hört und hinterher allerlei nachschlagen möchte, da muß man ein Werk haben, das in den Kernfragen des Christentums grundsatztreu ist. Darum bin ich also bts nach Freiburg gefahren, um an Ort und Stelle festzustcllen: Kommt er oder kommt er nicht... Ja, er kommt. Er wird mit dem letzten Bande noch früher fertig sein als Brockhaus. Es wird das modernste Lexikon fein, das es gibt. Diese Nach­richt hat mich ganz froh gemacht, denn ich weiß, wie einst die französischen Neuheiden ihre be­rühmte Revolution gerade durch ein solches Lexi­kon vorbereitet haben. Sie heißen daher ja auch Enzyklopädisten. Ich weiß, wie Mussolini an einem solchen Riesennachschlagwerk arbeiten läßt, weil er damit seinen Faschismus zu stützen hofft. Das Herdersche Lexikon ist keine Verlagsangelegenheit, sondern eine Sache des gesamten gläubigen deut- schen Christentums. Damit ich an das Erscheinen eines Werkes, das auch für einen großen Verlag ein gewaltiges Unternehmen ist, auch recht glaube, darum hat man mir die Räume gezeigt, wo man schon lange daran arbeitet. Nachher steht so ein Werk friedlich im Schranke, aber welch ein Appa­rat ist dazu nötig! Du liest ja auch deine Zeitung, als wäre das nur etwas bedrucktes Papier, und du vergißt, welche Maschinen notwendig sind, um sie herzustellen, welch ein Redaktionsstab, vom hohen Chefredakteur angefangen bis zum letzten Stift, welch eine Masse von Räumen, von Kar- thoteken und was es alles ist... Also der neue Herder kommt. Schnell noch ein Alleluja, bevor es Aschermittwoch wird...

Ja, nun fängt es ja doch an, einem ein wenig in den Gliedern zu kribbeln vonwegen Fastnacht. Ich hab begonnen, das Leben da zu beobachten, wo es auf dem Kopse steht. Das ist sehr interessant, wie denn ja auch eine Landschaft ganz anders aussieht, wenn man sich selber auf den Kopf stellt. Steigt da ein Mann in fein Auto. Er ist frei­sinnig und sagt das bei jeder Gelegenheit. Nur aus seinem Fluchen kann man schließen, daß er noch hier und da an den Herrgott denkt. Aber in seinem Auto baumelt ein Hampelmann. Wenn dieser Hampelmann nicht an seinem Platze ist, dann fährt dieser fteisinnige Mann nicht los. Er wird jeden Tag dazu aufgelegt sein, über Zere- nvnie, über Rosenkränze, über Reliquien und ähn- iche fromme Gegenstände zu lächeln, aber fein Hampelmann muß im Auto fein, sonst fährt er ;ben nicht los. Ist das nicht interessant: Den Herrgott abschaffen und einen Hampelmann als Fetisch verehren? Es ist unheimlich, wie bei uns in Lande der Aberglaube unter dem Protektorat cner genannten modernen Bildung, die ohne Vie Fuldaer Zeitung Hist auch den Fuldaern, die in der II

Ferne wohnen, als Bote aus der

Heimat ein lieber Freund. I

Sie ist I>

las Fuldaer Heimak-Vlalk!

Hampelmann nicht spazieren fährt, aflenthalben anwächst. Man untersucht die Linien der Hand, matt fragt die Sterne, man wendet sich an die Zigeunerfrau. Gib einmal Acht, in wievielen Autos heute Hampelmänner zu sehen sind .... Habt noch so drollige Einfälle für den Fasching, an das Leben kommt ihr doch nicht heran!

In irgendeiner Wirtschaft sitzt ein Schuhmacher- meister. Er hat es nicht leicht. Er muß manchen Pinn einschlagen und manches Stück Pechdraht drehen, bis er einen Zehnmarkschein verdient hat. Da endlich hat er genug. Er muß sich einmal aus­leben. Und nun sitzt er in der Wirtschaft, hat bald die Kumpane um sich und zecht und zecht und ist schließlich so weit, daß et seine Geldscheine zerreißt. Wäre da nicht der menschenfreundliche Wirt, er hätte auch das Letzte zerrissen, was er nicht mehr vertrinken konnte. So ist der Mensch. Es braucht ja nicht gerade ein Schuhmacher zu sein, die alle eine gewisse Neigung zum Philo­sophieren haben, sondern es könnte auch ein ande­rer Handwerker oder ein Gesell ober ein Arbei­ter oder ich weiß nicht wer sein. Wen kribbelt es nicht einmal in den Gliedern? Man muß die Welt nicht nach seinem Köpfchen zurecht drehen. Der Junge weiß, wann er Ball schlägt, wann er mit Klickern spielt und wann die Zeit für den Herbst- brachen gekommen ist. Das weiß er so genau, wie es die Schwalbe weiß, wann sie heimkehren muß. Merkts euch auch für den Fasching. Nehmt das Leben am Zügel wie ein junges Pferd. Es muß xinmal wiehern. Es muß nicht immer an der Deichsel sein. Es muß auch einmal springen. Aber immer am Zügel, das ist schon gut. Ich mag die Duckmäuser nicht und die Spielverdreher, denn eines Tages spielen sie doch ihr Spielchen und dann sitzt der Teufel dabei und hat die Trümpfe in der Hand. Das erzieherische Ziel muß sein, nicht ein Volksvergnügen abzuschaffen, sondern es in den rechten Grenzen zu halten und es zu einer richtigen schönen Freude zu machen.....

Nun ja, auch von dem Redner muß ich er­zählen, den es schon ost gegeben hat. Er weiß nicht, daß man an einer Festtafel essen und trin­ken will, nicht aber Reden hören. Im Gegenteil, er meint: Jetzt sag ich es ihnen .... Da, eine kleine Pause .... Sie klatschen, damit er auf­hört. Er aber deutet das anders und redet nun erst recht. Wieder eine kleine Pause, wieder der Bei­fall. Ei, bin ich ein Redner, hab ichs los. Und so geht das eine Stunde fort, und man muß es mit Respekt über sich ergehen lassen .... Hätte er nur seine Frau neben sich sitzen gehabt, dann hätte sie schon zeittg gesagt: „Gustav, nun Schluß

• es ist Zeit . . ." Sie kennt das ja von zu Hause. Ich habe übrigens still mich mit meinem Tellerchen beschäftigt und mich köstlich amüsiert. Ich brauche keinen Faschingsanzug, Stoff genug bietet jeder Tag ....

Ach, du armes Mädchen, dein Schicksal hat mich sehr beschäftigt. Man hat mir von dir erzählt, du hättest eine Stelle in einer Bar. Mußt jeden Abend den Herren für mindestens 60 Mk. Cham­pagner und Aehnliches verkaufen. Mit all den Mitteln eines Barmädchens. Da ist mir ja nun doch bas Lachen vergangen. So etwas gibt es. Am Ende schon an der nächsten Straßenecke. Sie lächelt, so sagte man, wie ein Bajazzo. Ja, grausam ist euer Fasching, grausam .... 3 Uhr morgens taumelt sie nach Hause. Atmet die reine Nacht­lust und betet zu Gott über den Sternen . . . . ;

Das sind so meine Neuigkeiten. In der Welt ist ja nicht viel los. Die einen reden über den Poung-Plan und die andern studieren ihn. Ich warte, bis die Letzteren fertig sind. Das dauert noch bis nach Fastnacht, denn dieses Gesetz ist ein Band von über fünfhundert Seiten .... Ach. die armen, armen Volksvertreter, die das lesen müssen . . . . Unglücklicher als sie sind nur noch die Ski­läufer, die auf Schnee warten . . . Warte nur, balde . . . regnet es noch mehr ....

Der Mann im Mond?.

Wahres Recht im Lichte des Christentums

Von Landgerichtsdirektor D r. Marx-Köln.

Im Januar 1926 hielt Laudgerichtsdirektor Dr. I. Stern in ber Berliner Philosophischen Gesell­schaft einen vieldemerkten Vortrag über den uni­versalen Gedanken im Recht, wobei er bereits auf Die Krisis der Rechtswissenschaft hinwies und be­merkte, daß nicht die Kenntnis einer Masse ton Paragraphen den Juristen mache, sondern ber von ber Gerechtigkeitsidee getragene Geist der Gesetzes- anwendung. Ohne eine gesicherte rechtsphiloso- phiscbe Grundlage tonne' auch kein gesundes Rechtsgefühl gedeihen. Die Rechtsidee oder der Rechtsgebanke walte über allen Völkern und müsse ständig zum Bewußtsein gebracht und gepflegt werden. Wir bedürften der Ersaffung eines „neuen Naturrechts", für dessen Vorhandensein der tatsiich- lich bestehende kritische Maßstab gegenüber dem positiven Recht spreche. Die letzte Quelle eines solchen neuen Natürrechts sei die Pflege und die Tugend der Gerechtigkeit Das neue Naturrecht müsse auf dem Grunde der Ethik beruhen.

Dieser Vortrag Sterns war ein tiefangelegrer Vorstoß gegen den Rechtspositivismus, der '.'er­langt hatte, daß man selbst „das niederträchtigste Gesetz als verbindlich anerkenne, sofern es nur kor­rekt erzeugt fei". lBergbohm „Jurisprudenz und Rechtsphilosophie" I. S. 144).

Es hat bann auch in ben folgenden Jahren nicht an Versuchen gefehlt, eine unerschütterliche Grund­lage für echtes, lebendiges Recht zu suchen und sicherzustellen. Meist fußte man bei diesem Vor­gehen auf ber Philosophie Kants. So hat neuer­dings noch Unioersitätsprofeffor Oberlandesgc- richtsrat Swoboda in Graz in feinem sehr aeisi- reichen Buche „Die Neugestaltung der Grundbe­griffe unseres bürgerlichen Rechts, ihre Bedeutung für die Gegenwart und das Privatrecht der Zu­kunft" den Gedanken vertreten, daß nur aus Kant- scher Auffassung heraus ein ideales Gesetzbuch für die Zukunft zu erwarten fei.

Kants ethisches Streben soll nun keineswegs verkannt werden. Es ergibt sich schon aus der be­rühmt gewordenen Stelle feiner „Kritik der prak­tischen Vernunft", wo er sagt: „Zwei Dinge er­füllen das Gemüt mit immer neuer und zuneh­mender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und nachhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkel­heiten verhüllt oder im Ueberfchwenglichen, außer

meinem Gesichtskreise suchen und bloß vermuten. Ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtsein meiner Existenz. ,Kant glaubte auch, das Dasein Gottes als ein notwen­diges Postulat praktischer, sittlich orientierter Ver­nunft bargetan zu haben, aber eben nur als ein Postulat, das er in seiner Tugendlehre und Rechts­lehre nicht weiter verwandte. Er hatte in seiner „Kritik der reinen Vernunft" eine scharfe Trennung ber inteUigiblen Welt von ber Welt der Erfahrung vorgenommen und das Dasein Gottes als wifsen- fchaftlich ganz unbeweisbar hingestellt. Das ver­führte ihn dazu, auch bei den sittlichen Motiven die Rücksicht auf das Dasein Gottes beifettezu- schieben und die Moral unter Ablehnung göttlicher Autorität nur aus rein menschlichen Motiven zu begründen. Bei Kant ist Sittlichkeit nicht die Er­füllung göttlicher Gebote, sondern selbstlose Er- süllung eigenen, autonomen Gesetzes. Das bewirkte, baß Kant auch den Zweck des Rechtes, das er zu­dem noch von der Moral gänzlich trennte, in der Sicherung ber Freiheit der individuellen Perfönlitt- teit sah, die nicht durch einen vom Schöpfer be­stimmten Zweck des Lebens eingeschränkt wird In der moralischen Selbstherrlichkeit erblickte Kani die eigentliche menschliche Würde. Die Ausschaltung des vom Schöpfer bestimmten Zweckes des mensch­lichen Lebens führte dann zu recht eigenartigen Er­gebnissen, die eigentlich schon deutlich gezeigt haben sollten, daß der von Kant beschrittene Weg falftt ist, zumal Kant selbst lehrte, daß eine Theorie, die für die Praxis nicht tauge, keine wahre Theorie fei, sondern eine Vertiefung erfordere. Man be­trachte doch nur einmal Kants Stellung zum Rechtsinstitut der Ehe, die er lediglich als eine Verbindung zur gegenseitigen Befriedigung des Gefchlecbtstriebes auffaßte: in seiner „Rechtslehre" (Teil I § 25) stellt er sogar den Satz auf, daß der Ehegatte jederzeit unweigerlich den anderen Ehe­gatten „gleich als eine Sache" in feine Gewalt zu- tückbringen dürfe. Man kann hier nicht mit swo- beba annehmen, Kant habe damit nur gegen die t on ihm sonst so hochgehaltene menschliche Würde verstoßen, fei also inkonsequent gewesen. Nein, von feinem Standpunkte der Ausschaltung des Schöpfers aus konnte Kant garnicht zu der richtigen Berücksichtigung des Zweckes des Lebens und der tiefsten Natur des Menschen gelangen. Kants Ein­fluß auf das Recht war daher nichts weniger als

kostbare Funde auf den Prunkfchiffen des Cattgula.

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Das erste aus dem Nemisee gehobene Schiss Des Kaisers Eine vergoldete Janus-Siiule ron

....... Caligula. ______ ' 1 ,n Höhe, die auf dem zweiten

■’ Schiff gefunden wurde.

Nachdem das erste der beiden Prunkschiffe Caligulas aus dem Nemisee vollständig gehoben ist, wird auch an der Freilegung des zweiten gearbeitet. Nach den Funden, die bereits gemacht wurden, scheint die Ausbeute etwas lohnender zu werden als bei dem ersten Schiss.

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