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23. Februar

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Nr. 45

Eisgang.

Von Irmela Linde rg.

Da türmen sich gigantische Portale

Und Schlösser wachsen, schimmernd wie Kristall.

Es wirbeln dunkle Wasser schnell zu Tale Und überstürzen sich in wildem Fall.

Und gläsern steigen auf gezackte Riffe, An denen mit verzweifelt schrillem Klang Zerbersten segelnde Gespensterschiffe Und in die Tiefe sinken, todesbang.

Und ist ein stetes Kommen und Vergehen, Und alles treibt der dunklen Ferne nach Die hohen Ufer aber stehn und sehen In diesen Aufruhr, finster, lauschend, wach.

Und sind wie Wissend; -<nb wie Beschirmer, Tief unten ihnen braust's und tobt und schwillt Sie aber schweigen, ernste dunkle Türmer, Vor deren Blick ein Schicksal sich erfüllt.

Eine gigantische Lebensarbeit.

Zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. Adalbert Seih.

Die ganze Welt blickt heute mit Bewunderung auf einen Gelehrten, dessen wissenschaftliche Forscherarbeiten das Ansehen deutscher Intelligenz und deutschen Fleißes selbst in den fernen Zonen bedeutend gemehrt haben. Es ist der Schöpfer des weltbekannten Monumentalwer­kesDie Großschmetterlinge der Erde", das feit 1906 in drei Sprachen (deutsch, französisch, eng­lisch) erscheint und bis jetzt, trotz Krieg und Inflation, in 17 Doppelbänden mit mehr als 9000 Seiten Text, über 1300 Tafeln und mehr als 50 000 farbenlithogra­phischen, unerreicht getreuen Abbildungen vorliegt. Mindestens die Hälfte des Werkes hat Seitz daran allein geschafft. Außerdem arbeiten daran noch 29 andere Forscher mit, darunter 20 Deutsche, 3 Engländer, 2 Franzosen, 2 Amerikaner, 1 Schwede, 1 Norweger. Wie Wilhelm Bölsche einmal sagte: Eine ganze Forscher- generation hat hier ihr tiefgründiges Spezialwissen über eines der phantastischesten Gebiete der Natur niederge­legt und die bildliche Treue erscheint hier auf einen Gipfel getrieben, wie es für dieses ungeheuere Feld noch nie annähernd erreicht wurde. In der Tat blieb ein eng­lisches in diesem Stil gewagtes Werk nach mächtigem Aufwand stecken und wurde abgelehnt, da es nicht ge­lang, die Abbildungen in der naturgetreuen Reinhe-t wie in diesem deutschen herauszubringen. Es ist Pro­fessor Seitz hoch anzurechnen, daß er während der In- ffaition einem verständlichen Angebot, das Werk einem ausländischen Verlag zu übergeben, nicht nachgekommen ist. Wir wären unermeßlicher Werte aus weit gedehnten Forschungsreisen verlustig gegangen! Seit 1887 war Seitz in aller Herren Länder: 1887 in Australien, 1888-89 in Amerika, besonders in Brasilien, 1890 in Indien und China. 1891-92 in Japan, 1902 in Vorder­indien und von da ab auf verschiederen Touren in Afrika, von 1903 bis 1914 allein zehnmal in Algier; 1923 im Auftrag der Frankfurter Senkenbergschen No­turforschenden Gesellschaft in Barcelona. 1926-27 erneut in Brasilien, wo er zur Zeit wieder weilt, auf seiner 59. Forscherreise.

Diese Unternehmungen wurden für einige Jahre un­terbrochen dadurch, daß Seitz die Leitung des Frankfurter Zoo übernahm. Auch hier war sein Wirken erfolggekrönt. Der Tiergarten, 1892 bei dem Antritt von Seitz in einem nach jeder Richtung un­erfreulichen Zustand, wurde unter ihm, besonders für Aquarien und die Insektenhaltung, in aller Welt füh­rend und der Tierbestand derart umfangreich, daß er ge­radezu als das Depot für ausländische Tierfänger galt. Als Seitz 1908 die Leitung niederlegte, verzeichnete das Unternehmen die glänzendste Iahreseinnahme seit der Gründung und der Gelehrte verzichtete auf alle Pension zugunsten der Tiergartenarbeiter.

Solchen Willen, mit all seinem Wissen auch in soziale^ Hinsicht der Menschheit zu dienen, hat Seitz zeitlebens wiederholt bewiesen. Während des Krieges, als wir von

aller Welt abgeschlossen waren, unterzog der alte Prak­tiker die Möglichkeit einer Seidenraupenzucht eingehender Prüfungen, in der Absicht, unseren Kriegs­invaliden und Kriegshinterbliebenen neue Erwerbsmög- lichkeiten zu verschaffen. Mittellos war er bei feinen ersten Reisen genötigt, als Schiffsarzt zu fahren. 1888 hatte der Ausbruch der Traubenkrankheit auf Madeira die Bewohner dieser Insel brotlos gemacht, und Seitz überführte viele Tausende dieser Unglücklichen nach Süd­amerika, 1889 holte er in Irland weitere Tausende von Kolonisten und hatte mitunter als einziger Arzt ahne Assistenz auf einem Dampfer über 2000 Passagiere nach drüben zu bringen. Seine dabei gesammelten Erfah­rungen in der Hygiene wurden vom Norddeutschen Lloyd

so hoch geschätzt, daß dieser ihn mit noch zwei anderen Aerzten beauftragte, die gänzlich veralteten Schiffsapo­theken für Auswandererschiffe zu reformieren. Sein Reglement dafür blieb viele Jahrzehnte nicht nur be.m Lloyd in Geltung, sondern wurde auch von ausländi­schen Schiffslinien übernommen.

So hat das deutsche Volk allen Grund, sich den Glückwünschen anzuschließen, die der hessische Staatspräsident, die philosophische Fakultät Gießen Seitz ist gebürtiger Darmstädter sowie andere prominente Persönlichkeiten dem Gelehrten über das Auswärtige Amt durch die deutsche Bosschaft in Rio de Janeiro übermitteln werden.

Prof. Dr. Bänder.

Jastnachlskurzweil und -Spektakel-.

Kulkur-Surfosa gesammelt von Dr. P. I. v. Lone.

DenMummenschanz" zu Fastnacht hat man immer wieder verbieten wollen. Eine Verordnung des Rais zu Augsburg 1400:Es soll nieman mit verdecktem Antlitz in der Fasnacht go.n." In derOrdnung der Wachthuet" für Ingolstadt 1508:Item es soll auch nymant bey Tag oder Nacht in der Vaßnacht verbunden ober verkert, sonder mit offen Angesicht geen, auch sich unbekänntlich nit anstreichen oder malen lassen." Diewyl nun der Rat hernach oft Müh und Klag bekam und auch sah, daß Gott durch solches Sauffen und Fres­sen und solchen Uebermuth gröblich erzürnet wurde und solcher Handel auch nicht christlich oder göttlich war", versuchte der Magistrat von Münster in Westfalen anno 1565 die Fastnachtslustbarkeiten überhaupt abzuschaffen. Mit welchem Erfolg, beweist der Erlaß seines Bischofs von 1571, der dieMummerey" wenigstens für die Nachbarschaften wieder erlaubt fein lassen mußte. Es blieb aber auch da beim alten; in den Jahren 1578, 1628, 1632, 1652 und 1716 wurden die Verbote wieder­holt, letztes Mal mit der Klage,daß die Fastnachtstage ad 14 Tage und länger mit Sauffen, Tanzen, Fressen und anderen Ueppigkeiten von beyderley Gefchlechtsper- fonen pflegen celebriert zu werden, dadurch aber nicht nur allerhand Skandalen und andere Sünden veranlaßt werden . . nur noch die beiden Tage vor Aschermitt­woch wurdenfür eine ehrbare Ergötzlichkeit, woraus fern Aergerniß entstehen kann, verstattet". Ganz kurios mutet uns da der weitere münfterifche Versuch an, durch bis in die Einzelheiten gehende Ballordnungen (wie 1775, 1779 und 1812) dem liebet zu steuern.

Desgleichen in ganz Deutschland in allen Jahrhun­derten immer wiederkehrende Fastnachtsverbote blieben selbst dann ohne Erfolg, wenn man das sonst am sicher­sten wirkende Mittel, die Verpönung, anwandte, das Lächerlichmachen. Es ist doch eigentlich verwmcherlich, daß sogar dieser Spott Sebastian Brants in seinem Weltbuch" von 1534 ohne jede Wirkung blieb: Die Verkleideten seien in Wirklichkeit gar nichtverkleidet": im Gegenteil, sie sindin Wahrheit das, was sie anzei­gen. Wenn sie ein anderer einen Narren schilt und Esel- ohren zeigt, so wollen sie zürnen, hauen und stechen und hie beichten sie willig und offensichtlich vor jeder­mann selbst, wer sie sind."

Dabei müssen mir bedenken, daß es an den Fast- nachtstagen in derguten" alten Zeit viel ausgelassener herging als heute, wo der Ernst unserer Zeit doch viel Wasser in bas Feuer gegossen hat. Wir haben wenig­stens keinen ®ritnb, unsere Vorfahren hier vorbilblich zu halten.Es ist doch ein gemeyn Ding an viel Orten mit den Murnrnereyen, so doch nichts Nachteiligeres mag den guten Sitten erdacht werden, insonderheit, do eyner syn Weib, Dochter, Basen oder Derwandtin mit» nimpt. Es bringt nichts Guets. Alle Buberey wurd in den Mummereyen ußgericht: was man sonst nit fan zu wegen richten ober uf bi Pan bringen, das unber'tet man in ben Mumereyen. Es hats niemand, ban der bös Gaist erdacht. Was wunderbarlicher Exempel roeren deßhalber zu vermelden, da einer ein fromm Frauen ober Dochter hat mit sich in die Mummerey genommen und hat wieder ein Huren heim Pracht." Ebenso scharf

wie hier die sicherlich nicht zimperlicheChronik deren von Zimmern", verurteilte der ebengenannte Sebastian Brant bas Fastnachtsallotria als derrömischen Christen Bacchanalia", wo die Leute wie unsinnig durch die Straßen liefen,die Frauen in Mannskleibern unb die Männer in weiblicher Waat, und ist fürwahr Scham. Zucht, Ehrbarkeit, Frumbheit an diesem christlichen Fest teuer, und geschieht viel Buberey. Alle Unzucht unb Boßheit ist an diesem Feste. . ., in Summa, man fachet daran allen Mutwillen und Kurtzweil an. Etliche krie­chen auf allen Vieren wie die Tiere, etliche brüllen Nar­ren aus, etliche sind Könige. Mönche ... auf diesem Fest, etliche gehen auf hohen Stelzen unb Flügeln mit langen Schnäbeln, sind Störche, etliche Bären, etliche wilde Holzleute, etliche Teufel, etliche Affen . . ."

Selbst solche Unappetitlichkeiten nahm man unbesehen mit in den Kauf, wie sie uns in der Chronik des münfte» rischen Domkantors Rächell berichtet werden: Man leß beim Trinken die Masken auf, und zwar trugen die Vermummten silberne ober zinnerne Rohren um den Hals, burch bie sie sogen, unb wenn sie aufhörten zu saugen, ließen sie das, was in der Rohre blieb, nreber in die Kannen und Becher laufen, daß es einen totalen mochte, der nach timen daraus trinken mußte" Nichts­destoweniger,bar versoffen unb oerbraffeben faken die Gesellen so vielle uf diesen Vastelabent, daß sie barna das Ja er Kummer moeften lithen".

Ja, Fastnacht wurde gleich toll gefeiert, mochte auch die Unfallschronik Fälle wie diese in Thorn 1440 ver­zeichnen müssen, wo viele als Teufel maskiert auf ben Straßen herumliefen unb ein Bauer ben Spaß nicht oerftanb, als man feiner alten Mutter zu nahe trat ba erschlug er einen berTeufel" in dem Glauben, es mit bem Gottseibeiuns selber zu tun zu haben.

Bis über benäscherigen Mittwoch" hinaus ging bie Mummerei, wenn man ben Prinzen Karneval auch zu Grabe trug.Etliche klagen und suchen die Fastnacht mit Fackeln und Laternen bei Hellem Tag, schreien kläg­lich, wohin die Fastnacht kommen sey. Etliche tragen einen Haring an einer Stange unb ftareien: Nimmer Wärst! Haring! mit viel seltsamer Abenteuer, Fast­nachtsspiel, Gesang unb Reimen, laufen sie burch die Stabt"; erst am nächsten Sonntag, fährt Brant fort gibt man ber Fastnacht Urlaub, verbüßt unb verhüllt sich aber, trinkt sich voll, spielen und rafften zuletzt".

Man hat diese Auswüchse der Fastnachtszeit bie sich übrigens nicht auf bie paar Tage beschränkte, son­dern über bie ganze Zeit von Januar bis zum ersten Fastnachtssonntag ausdehnte damit erklären und entschuldigen wollen, bie Menschen hätten sich eben vor Beginn der langen Fastenzeit noch einmal gütlich tun wollen. Doch bas trifft für die Erklärung des Namens Fastnacht" nicht zu. Dies Wort hängt vielmehr zufam- men mit unfermfaseln", tolles und dummes Zeug re­den und treiben.

Auf eine ganz bissige Art wurde dieses Wort Fast­nacht alsFast-Nacht" im Februar 1849 benutzt in einem Spottlied auf bie Reaktion, die dem Dichter Gott­fried Kinkel den Prozeß gemacht hatte. Da lesen wir in

Aphorismen.

Von Werner Fuchs-Hartmann.

Allzu großes Glück macht unfruchtbar im sonnen- durchglühten Boden verdorren die Keime der Saat!

*

Ein Rückschritt kann immer noch der Anlauf zu einem großen Sprung fein. Erst der Stillstand bedeutet ein Absterben ber Kräfte.

Mancher bekennt sich zu seinen Fehlern nur deshalb, damit seine Mitmenschen sich bemüßigt fühlen, auch seine guten Seiten zu beachten und sie dann schließlich für bedeutsamer zu halten, als sie sind.

Für viele Menschen ist der zur Schau getragen- Pessimismus nur eine Rückversicherung gegen zu hoch gespannte Hoffnungen.

Erfolg ist eine Marktware: ohne Gewähr für die Güte ber Leistung, abhängig vom Geschmack ber Menge und was das schlimmste ist käuflich!

*

Denke nicht zu viel an dich selbst, sonst beginnst du, dich zu loben. Setze dich nicht durch Selbsttadel in ben Augen anderer herab, aber kenne deine Fehler, um sie zu bessern.

dem zu Köln erscheinenden RevolutionsblattDer Wächter am Rhein":

Hort, Ihr Leute, und habet acht!

Als Fastnacht wir halten im vorigen Jahr Fast Nacht es noch in Deutschland war.

In ben Fasttagen ging auf die Freiheitssonne, Fast tagen wollt es zu unserer Wonne. Anstatt aber kräftig zuzufassen,

Verschrieb sich Deutschland politisches Fasten.

Man legte sich aufs Ohr, statt zu halten Wacht Und F a st n a ch t ist wieder und wieder Fast

Nacht!"

Der Voll auf Riddarsholm.

Von E. Trost.

In einer kalten Vorfrühlingsnacht des Jahres 1691 faß Karl XL, König von Schweden, noch spät in seinem Arbeitszimmer auf Schloß Riddarsholm am hellbren­nenden Saminfeuer und las. Außer ihm weilte nur noch fein Leibarzt im Gemache, doch der König schien dessen Anwesenheit vergessen zu haben und wandte emsig Seite um Seite, ohne auf das Entfliehen der Stunden zu achten. Endlich, nachdem die Uhr schon längst die Mitternachlstunde geschlagen hatte, legte ber König bas Buch beiseite, erhob sich und ging langsam im Raume hin und her. Er trat an das Fenster, stieß es auf unb lah eine Weile auf die im Mondschein schimmernde Eis­fläche des Mälarfees hinaus, bis auf einmal feine Aufmerksamkeit von einer Reihe hellerleuchteter Fea­ster in dem gegenüberliegenden Flügel des hufeisenför­mig gebauten Schlosses gefesselt wurde. Eine Sekunde lang vergewisserte er sich,daß diese Fensterflucht dem gro­ßen Fest- und Audienzfaale angehörte, dann schlug er das Fenster zu und wandte sich heftig an den Arzt: Wer hat Befehl gegeben, jetzt, zu dieser Stunde den Festsaal zu erleuchten?"

Der Arzt wußte es nicht. Aus des Königs Befehl Holle er den diensttuenden Kammerherrn sowie den Ka­stellan des Schlosses herbei, doch niemand hatte die Be­leuchtung gesehen, niemand sie veranlaßt. Der Kastellar wies dem König sogar die Schlüssel vor. welche bii Türen des Saales sperrten, und erklärte, dieselben be­reits seit Tagen nicht aus der Hand gegeben zu haben.

Der Herrscher überlegte. Es schien nach all bem zweifellos, baß Unbefugte im Saale weilten. Sollte sich ba brüben etwa gar eine Verschwörung gegen ihn vor­bereiten? Er war beim Hochadel, dem er manche- Privileg entzogen hatte, nicht beliebt, das w""'e e:

Das Gift.

Roman von WUliam Le Queux.

Alle Reckte b. Trete v. Urbanitzkv. Wien. Beerb, v. Dr. Otto Borfchke.

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Inhalt des bisher abgedruckten Romanabfchnittes.

Den Ausgangspunkt der Handlung bildet ein merkwürdiger Vorfall, der einem jungen englischen Ingenieur namens Garfield im Hause des Londoner Millionärs Oswald de Gex begeg­net. Während er sich mit dem Hausherrn unter» hält, ertönt plötzlich ein Schrei aus dem Sieben» zimmer. Oswald de Gex, ber sofort hinausstürzt, kommt mit ber Nachricht zurück, daß soeben seine Nichjx Gabriele Engledue einem Herz­schlag erlegen sei. Garfield läßt sich bewegen, einen Totenschein über Gabriele zu unterschreiben. Kurz darauf schwinden ihm die Sinne. Einige Wochen später findet er sich in einem Hospital in Frankreich wieder. Erst ganz langsam kehrt bie Erinnerung an das Geschehene zurück, bas er nun mit allen Mitteln aufzuklären sucht. Er folgt oe Gex nach Florenz unb fordert von ihm Rechen­schaft. Doch dieser will von nichts wissen unb weist ihn ab. Zufällig begegnet er einige Tage später einer Dame, die der totgeglaubten Gabriele Engledue aufs Haar gleicht. Ihr Begleiter ist ein gewisser Arzt mit Namen Moroni, ber auch in Beziehungen zu Oswald de Gex steht. Bald wird es Garfield zur Gewißheit, daß es sich um die Totgeglaubte handelt. Nach ihrer Rückkehr nach London sucht er sie dort auf. Bei dieser Gelegenheit erfährt er Näheres über das seltsame Ereignis, das der jungen Dame sie nennt sich Gabriele Tennison zugestoßen ist. Seitdem hat sie ihr Gedächtnis vollkommen verloren. Das Datum des rätselhaften Gescheh, nisses stimmt mit dem merkwürdigen Erlebnis Garfields genau überein. Eine gewisse Rolle in der seltsamen Angelegenheit scheint ein fron» zöstscher Bankbeamter namens Suzor zu spie­len. Garfield folgt ihm, begleitet von seinem Freund Harry Hambledon, bei einer Reise nach Paris und von dort nach Madrid. Während

seines Aufenthaltes in Madrid macht Garfield eines Nacht in feinem Hotelzimmer eine seltsame Entdeckung, aus ber hervorgeht, daß man einen Anschlag auf fein Leben versucht hat. Ein ge­wisser Rodriguez, einer der gefährlichsten Verbrecher Spaniens, hat seine Hand dabei im Spiele.

Eine Kopie dieses Bildes hier, bas im Gefängnis in Barcelona ausgenommen wurde, befinbet sich bei jeder Polizeistelle in Spanien", lautete die Antwort. Rodriguez Despujol ist der gefährlichste und geschick­teste Verbrecher, den ich kenne", fuhr er dann fort. Zweifellos nahm er an. daß Sie etwas sehr Wert­volles in Ihrem Besitze hätten, unb feine Absicht mar, Sie zu betäuben und bann zu berauben, doch Sie wa­ren ihm zu rafch. Mich überrascht nur, daß er nicht fein Messer zog unb Sie angriff."

Ich hatte boch eine Pistole!" warf ich ein.

Despujol fürchtet sich nicht vor einer Pistole," er­widerte der Polizist,bevor Sie noch hätten abbrücken können, wäre er Sie schon wie eine Katze angesprun- gen."

Jedenfalls hat er mich ganz irregeführt," rief ich aus,ja ich entschuldigte mich sogar bei ihm wegen mei­nes Verhaltens!"

Die drei Herren mußten herzlich lachen.

Sie sind also der Ansicht," setzte ich fort, ,chaß Despujol sich in Frankreich aufhält unb zeitweise über bie Grenze herüberwechsell?"

Ja", erwiderte Senor Andrade,zumindest erhiel­ten wir vor ungefähr einem Jahr diese Nachricht. Wahr­scheinlich lebt er als armer, doch ehrlicher Mann in einem ber entlegenen Gebirgsdörfer in ben Pyrenäen unb wird dort vielleicht von allen hochgeschätzt. So war es auch bei bem berüchtigten Maurice Tricoche ber Fall, ber uns vor Jahren entschlüpfte unb ber bann in der Nähe von Luchon lebte, bis er von einer Frau ver­raten wurde, deren Mann er mißhandelt hatte Viel­leicht wird Despujol auch verraten werden, wir hoffen es wenigstens."

Ich kann nicht begreifen, wie es ber Bursche wagen konnte, hierher nach Otabrib zu kommen, wo er boch weiß, wie eifrig wir ihn suchen," bemerkte Senor Ri-

vero, zu mir gewendet.Er muß Ihnen schon mit der bösen Absicht gefolgt lein."

Ich fühlte mich schon verleitet, den Polizisten den ganzen geheimnisvollen Fall von ber Stretton Street zu erzählen unb von meinem schweren Verbacht gegen ben internationalen Fmanzmann, ber gegenwärtig in: Hotel Ritz wohnte. Doch ich zögerte aus zwei Gründen; erstens fürchtete ich, daß man mir nicht glauben würde, und zweitens war ich doch zu bem Entschluß gekommen, bas Rätsel allein zu lösen unb bie Schuldigen ihrer Strafe zuzuführen.

Wenn Despujol verhaftet werden sollte, bin ich gerne bereit, gegen ihn auszusagen bas heißt, wenn ich bann noch in Spanien bin", versprach ich.

Doch bie beiden Polizisten zuckten die Achseln und ber Detektiv bemerkte:

Es scheint wenig Hoffnung zu fein, daß wir ihn je erwischen, trotzbem wollen wir alles daran setzen."

17. Kapitel.

TBas der Professor sand.

Als ich am selben Tage um zwei Uhr mit meinem Freund Hambledon am vereinbarten Ort jufammentraf, erzählte ich mein seltenes nächtliches Abenteuer.

Sein Erstaunen wuchs noch, als ich ihm mitfeilte, daß bie Polizisten in bem harmlosen Advokaten aus Burgos den berüchtigten Verbrecher Despujol erkannt hätten, ber in ganz Europa gesucht wurde.

Merkwürdig ist die Sache mit ben Teppichnägeln", bemerkte Hambledon.

Gewiß. Die Polizisten messen chnen zwar keine Bedeutung bei, doch ich bin anderer Ansicht."

Ich ebenfalls, übrigens wird vielleicht das Gutach­ten des Professor Vega Licht in die Sache bringen."

Morgen gehe ich ins Spital zu ihm," sagte ich und erkundige mich bann bei meinem Freund, was es be­züglich De Gex und des Franzosen Neues gäbe.

Er hatte nicht viel zu berichten. De Gex war nicht aus dem Hotel gekommen, während Suzor um elf Uh: vormittags Zigarren einkaufen gegangen war. Wäh­rend dieser Zeit hatte De Gex, nach dem Berichte des

Portiers, einen Besuch empfangen, und zwar eine Spa­nierin in mittlerem Alter.

Der Zimmerkellner hatte wieder aufgepaßt und hatte gehört, daß der Finanzmann mit der Frau, die den mittleren Volksschichten anzugehören schien, englisch ge­sprochen hatte.

Sehr bös!" hatte er De Gex sagen gehört.Doch ich bin froh, daß Sie gleich zu mir gekommen sind. Sie bekamen ein Telegramm aus Siguenja?"

Dor einer Viertelstunde, Herr," hatte bie Frau ec- rn ibert.

De Gex hatte ihr scheinbar etwas gegeben- und sie wieder fortgeschickt.

Cm Telegramm aus Siguenja?" rief ich aus Siguenja liegt boch an ber btreffen Linie gegen bii Pyrenäen und die französische Grenze! Das lelegramn- kann von Despujol auf feiner Flucht aufgegeben wor­den fein. Die Polizei hat ihm an ber Endstation, ent­weder in Jaca oder in Pamplolona eine Falle gestellt. Ob er wohl in diese Falle gehen wird?

Er konnte nach Saragossa weiterfahren unb von bort nach Barcelona ober Marseille," warf Hambledon ein.

Die Grenze ist überall bewacht, ein Entkommer- scheint daher ausgeschlossen."

Am nächsten Tage, gegen Mittag, begab ich mich ir bas große Spital in ber Calle Alberto Aguilera, rot man mich sofort zu Professor Vega führte.

Es freut mich, baß Sie gekommen finb", begrüß-; mich ber Professor.Die Nägel, bie Sie mir brachten unb die oft von Tapezierern verwendet werden, haben in toxikologischer Hinsicht so manches Interessantes er­geben."

Was?" rief ich überrascht aus.Waren sie viel­leicht vergiftet?"

Ohne Zweifel", antwortete der Fachmann,nock dazu von jemandem, ber mit bem neuentdeckten Gift ge­nau Bescheid weiß. Ich suchte nach Akalolden und Glu kosiden und machte die Proben nach Marne, Mayer Scheiblen und Dragendorff. Seit Sie mir die Nage brachten, habe ich mich die ganze Zett damtt beschäftigt denn der Fall intereffiert mich sehr. Zum Schluß