Nr. 44.
Samstag, den 22. Februar 1930.
Fuldaer Zeitung
2. Blafi.
Druck der Fuldaer Aelle nüruckeret, Fulda.
katholisches Leben in der Großstadt.
Vertin im Zeichen der Katholischen Mion. — Zm Gedenken an Sr. k. Sonnenschein.
Von unserem besonderen Mitarbeiter.
Ein Slang von hohem Wert: Katholische Aktion. Witten im Tosen der Brandung des Großstadtverkehrs sucht die Seele des Tempo-Menschen unserer Tage Erholung und Frieden. Er eilt hin in die Stille der Kirche, sieht nicht den lockenden gleiß- nerischen Glanz der Großstadtsreuden. Er ist ein Kämpfer, aber ein Kämpfer Gottes, der Stärke und Kraft erfleht, Beistand in den tausendfachen Versuchungen vom Lenker der Geschicke.
Das ist die schöne Seite, die schönste sogar von Berlin. Das katholische Leben ist wie neu erweckt, die katholische Sammlung vollzieht sich. Katholische Saat reift. Katholische Früchte werden geerntet. Nicht ohne Mühen, nicht ohne Sorgen, auch nicht ohne Enttäuschungen. Doch kein Sieg ohne Kampf, kein Lohn ohne Arbeit.
Gewiß hat zu diesem Erwachen des katholischen Lebens in Berlin nach außen sehr viel beigetragen die Errichtung des Bistums Berlin. Mit Jubel und Begeisterung empfingen die Berliner Katholiken ihren neuen Seelenhirten, lauschten seinen Worten, haben volles Vertrauen zu ihm. Das bewiesen deutlich die letzten großen Kundgebungen im größten Saale Berlins, int Sportpalast. Auch die Umwelt horcht auf. Als vor einigen Tagen die Kacholiken Berlins sich zu einer imposanten Festfeier anläßlich des Krönungstages unseres Heiligen Vaters wieder versammelten, Weihestunden erleben dursten, sah man viele Andersgläubige, die tief ergriffen waren von den jedes äußeren Prunkes entbehrenden, aber von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Darbietungen. Und die Groß- ftadtpresse, die früher über katholische Veranstaltungen sich bewußt ausschwieg, sie konnte dieses Mal nicht die alte Taktik anwenden. Sie schrieb nicht nur ausführlich über die Kundgebung. Sie glaubte auch, die anderen Kirchen aufrütteln zu sollen zu gleichen Taten. Denn immer noch kann sie es nicht fassen, daß dieses katholische Leben Berlins heute schon einen so gewaltigen Einfluß auf die gesamte Oeffentlichkeit ausübt. Mit Staunen muß sie die Katholische Aktion auf allen Gebieten des sozialen und kulturellen Lebens feststellen. Sie muß anerkennen, daß hier große Kräfte ihr segensreiches Wirken entfalten.
Aber nicht ganz ohne Seitenhiebe erfolgt die Kritik. Man will wieder von Gefahren sprechen, die der „größten protestantischen Stadt des Kontinents" durch die Katholische Aktion angeblich drohen. Man sagt aber nicht, worin diese Gefahren eigentlich bestehen sollen, weil jeder Beweis dafür fehlt, weil im Gegenteil anerkannt werden muß, daß diese Katholische Aktion gerade in einer Großstadt für die Gesamtheit sich segensreich auswirkt. Es sind so alte Töne, die hier angeschlagen werden, die man stets dann vernahm, wenn große katholische Persönlichkeiten in die Oeffentlichkeit traten. Wir haben das erlebt beim Auftreten von Kaplan Fahsel. Da rief diese gleiche Presse: Der Mann ist eine Gefahr! Aber bald mußte man sich beugen vor der Macht seines Wissens, seines guten Wollens. Dasselbe rief man beim Erscheinen des neuen Bischofs Dr. Schreiber ohne Grund und ohne Zweck. Heute schon redet man wieder anders. Denn der Berliner hat sich ein anderes Urteil gebildet, als ihm eine gewisse Presse vortäuschen wollte. Es war eigentlich nur eine katholische Persönlichkeit Berlins, welche während der ganzen Zeit seines Wirkens wohl die Herzen aller Großstadt-
bewohner für sich hattd: Dr. Karl Sonnenschein. Vor einem Jahr, am 20. Februar, riß ihn der Tod aus seiner großen allumfassenden Berliner Gemeinde. Er war nicht nur das Sprachrohr der Berliner Katholiken. Allen war er Freund und Helfer. Seine große Liebe gehörte allen Menschen, die in der Verlassenheit und «eelenlosigkeit einer Großstadt zu ihm eilten, alle die Abgeirrten, Heimatlosen, Glaubenslosen und sogar Glaubenshöhnenden. Viel ist über den unvergeßlichen Toten, dessen Gedenken in diesen Tagen wieder so lebendig in uns wach wird, geschrieben worden. Aber seine Verdienste, sein Arbeiten, seine Mühen und seine Sorgen sind nicht in Worte zu fassen. Er, die Selbstlosigkeit in Person, der alle Titel und Würden ablehnte, muß durch sein Leben und kann nur durch dieses vollkommen erkannt und verstanden werden.
Erst als er nicht mehr als Helfer und Mittler, ja man kann sagen, als treusorgender Vater unter uns weilte, haben wir erfahren, was mir verloren. Gleich, wo er stand, ob in großen Volksversammlungen oder auf der Kanzel, im kleinen Freundeskreis, in Konferenzen, überall brangen seine markanten Reden durch, machtvoll und geistig durchdacht. Niemals ein Wort des Tadels, immer nur Verstehen und Verzeihen. Von glühender Liebe, von tiefstem Glauben erfüllt waren seine Worte, waren seine Taten.
Ein Blick in seine Arbeitsstätte. Einfach die Einrichtung, überaus schlicht. Keine Diplomaten, keine Klubsessel. Der Arbeitstisch war zu gleicher Zeit fein Eßtisch. Und wie oft kam es vor, daß er seine karge Mahlzeit noch mit armen Besuchern teilte, die gerade hilfeflehend zu ihm gekommen waren. Denn er teilte das letzte. Davon zeugen auch die vielen Kartothekkästen. Jahrelange bitter- schwere Arbeit. Was können diese Karten nicht alles von ihm erzählen und von betten, bereu Namen barauf vermerkt finb. Das Elenb und das Leid von Einzelpersonen wie von ganzen Familien spricht aus ihnen, die Sorge von Eltern um ihre Söhne und Töchter. Und nicht zu vergessen die große Hilfe, die allen durch Sonnenschein zuteil wurde. Noch mehr und noch deutlicher reden die unzähligen Briefe, Bittgesuche, Zeugnisse, befürwortende Begleitschreiben.
Karl Sonnenschein ist nicht mehr unter uns, aber sein Geist schaltet und waltet noch heute und wird in aller Zukunft unter uns weilen. Denn das dankbare Berlin vergißt nie feinen Großstadtapostel. Aber auch die Katholiken des ganzen Reiches ehren in dankbarster Erinnerung das Andenken dieses neuen Franziskus. Und wenn die Berliner Katholiken sich zur Trauerfeier am 20. Februar an der Grabesftätte dieses vorbildlichen Priesters und edlen Menschenfreundes versammeln, dann werden heiße Gebete im ganzen Reiche von allen Katholiken zu Gott emporsteigen um die Seelenruhe von Karl Sonnenschein. Ist es doch uns fo, als müßte er zu jeder Stunde wieder unter uns aufstehen, gütige Worte sprechen, uns seine Hand reichen, seinen Rat erteilen. Wir wollen den Toten am besten dadurch ehren, daß wir ihm nachzueifern suchen in der Ausübung echter katholischer Tat, daß wir gleich ihm Apostel der Hilfe und des Trostes für die Allgemeinheit werden. Sein großes Werk gilt es zu erhalten durch unsere voll- tommene Tat.
Das Roggenproblem.
Aus der Hebe des Preußischen Landwirlschasts- minisiers Dr. Steiger. — Wichtige Lrnährungs- ftagen. — Notstand der deutschen Landwirtschaft und deutsche Volkswirtschaft.
Bei der Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung machte Landuüri- fchaftsrninister Dr. Steiger wichtige Ausführungen ZU der Roggenfrage. Wir lassen sie nachstehend im wesentlichen folgen:
Die schmierige Lage der Landwirtschaft kommt am stärksten in den gegenwärtigen, gänzlich unzit- reichenden Roggenpreisen zum Ausdruck. Diese
Sie grüne Saffianmappe.
Roman von Harold Effbcrg.
Copyright by Carl Bunter, Berlin. 14| ---------
- „Sie nehmen mir jede Hoffnung," sagte sie, indem sie ihn anlüchelte, „ich spreche kein einziges Wort norwegisch!"
Was mar das denn nun wieder, Koketterie oder Spott? Jedenfalls fand Leo schnell eine Antwort.
„toie brauchen nicht einmal den Mund aufzutun!" —
Ein bißchen lächelnd sah sie ihn von der Seite an und er begegnete ihrem Blick mit mehr Wärme, als es sti- "en am frühen Morgen gefaßten guten Vorsätzen entsprach.
Ein Zwischenfall enthob ihn des weiteren Nachden- kens. Sie standen gerade vor der Auslage eines der schonen Ledergeschäfte, als die Ladentür sich öffnete und ein junger, militärisch aussehendcr, schlanker Mann mit [ur3 gehaltenem Schnurrbart und Einglas im Auge •1eraustrat Beim Anblick von Christa strahlte förmlich sein Gesicht.
..Wie ist das möglich, Miß Horn, Sie hier in London?"
.,5a", die Hand Uten."
antwortete Christa fröhlich, indem sie ihm gab, „wir sind wieder nach London gekom-
„Das ist ja entzückend", erwiderte der junge Mann, •.feit wann sind Sie denn hier? Kommen Sie wieder nach Durham House zu meinem Onkel? Sehen Sie doch Zu, ob Sie es einrichten können, es ist sonst immer so •angmellig dort!"
»Ich glaube kaum, daß wir hinkommen werden, Papa hat hier nur ein par Tage geschäftlich zu tun, und dann fahren wir mit Herrn Lilloe nach Paris zu- -uck. Darf ich Sie mit Herrn Lilloe bekanntmachen?"
Die Männer gaben sich die Hand, wobei Leo auf« 'lef, daß der junge Mann gar nicht auf den Gedanken ram. seinen Hut zu lüften.
„Kommen Sie ein Stück mit", sagte Christa, „wir bummeln hier herunter und wollen um ein Uhr Papa 'M Carlton treffen. Wieso kommt es übrigens, daß Sie vormittags Zeit haben, Besorgungen zu machen?"
haben in der letzten Zeit sogar ihrem Geldbeträge nach unter den Vorkriegspreisen gelegen. Die Ur- fache für ben Zusammenbruch des Roggenmarktes ist in bem Rückgang des menschlichen Roggenver- zehrs in Deutschland gegenüber der Vorkriegszeit und in den beiden guten Ernten, die aufeinandergefolgt find, zu sehen. Um die Jahreswende ist nun versucht worden, dem Roggenproblem durch eine Erhöhung des Zollsatzes von 6.— Mark auf 9.— Mark je Doppelzentner beizukommen. Diese Maßnahme hat einen Erfolg nicht gebracht. Bei guten Jnlandsernten kann sich der Roggenzoll in unseren Jnlandspreiseit nicht auswirken. Durch diese Feststellung soll nicht etwa die Notwendigkeit des Roggenzolles angezweifelt werden; er behält
„Eine gütige Vorsehung veranlaßte meine Mutter, mich hierher zu schicken, um ein Hochzeitsgeschenk auszusuchen, sonst wäre ich des großen Vergnügens verlustig gegangen, gerade S'e hier zu treffen. Ich werde die wundervollen Tage nie vergessen, die ich mit Ihnen im Sommer auf der Themse verbracht habe."
Leo, der, trotzdem ihm die Sprache ungewohnt war, jedes Wort des Engländers verstand, ging schweigend auf Christas anderer Seite. Er wußte nicht recht, war er nur neidisch oder etwa eifersüchtig. Diese Leute lebten doch ein anderes Leben, als wie er es jemals führen würde Die Sache war doch nicht so einfach, wie er sie sich gedacht hatte. Selbst wenn es ihm gelänge, die Rolle des Lilloe weiter zu spielen, und wenn er auch um die Fährnisse der Geldeinzahlung »orläuf'g herumgekommen war, so konnte ja sein Unternehmen nie so weit führen, daß er in den Kreis eintreten könnte, zu dem die schöne Christa und dieser elegante Engländer gehörten, dessen Namen sie nicht einmal genannt hatte. Nahm sie ihn eioentlich nicht für voll, daß sie :hn so einseitig vorgestellt hatte? Kaum hatte er das gedacht, als Christa sich zu ihm wandte:
„Major Kirby und ich waren im Sommer auf der Besitzung seines Onkels zusammen, von der mein Vater gestern abend sprach. Der Major ist ein fabelhafter Ruderer und hat mich mit aufs Wasser genommen. Die Themse fließt nicht weit von Durham House vorbei."
Christa sprach ein merkwürdig reines Englisch und stieg damit noch mehr in seiner Achtung.
„Rudern Sie auch?" üagte der Major höflich Lea. Und hie Unterhaltung wandte fick dem Sport zu, über den Leo aus seiner Schulzeit und den Jahren danach, als er in Hannover Lehrling war, einigermaßen Bescheid wußte. Aber auch bei dieser neuen Bekanntschaft blieb ihm ein Erschrecken nicht erspart. Denn im Saufe des Gesprächs fraafe ihn der Major, ob er Deutschland kenne. Er sei während des Krieges dort interniert gewesen und hatte eine schreckliche Zeit durchgemacht. Christa enthob ihn der Antwort, indem sie dem Major erklärte, Leo sei Norweger und kenne Deutschland nur oberslächlich.
Dor dem Riesenbau des Hotels Carlton verabschiedete sich der Major von beiden, ohne daß Leo darüber besonders traurig gewesen wäre. Der Engländer schien große Bewunderung für Christa zu hegen und machte
trotzdem eine große Bedeutung unb zwar besonders bei geringer Jnlandsernre. Mit der Zollerhöhung ist eine Erhöhung des Wertes des Einfuhrscheines nicht verbunden worden. Da dessen Erhöhung zu einer Erleichterung der Ausfuhr geführt haben würde, so hätte ich grundsätzlich eine höhere Wertbemessung begrüßt. Man darf sich aber dem nicht verschließen, daß einer Erhöhung des Wertes des Einfuhrscheines auch wesentliche Bedenken entgegen* stehen.
Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß die Aufnahmefähigkeit des Auslandes für Roggen häufig stark überschätzt wird. Der gesamte jährltäsc Zuschitßbedarf des Auslandes ist auf etwa 800 000 bis 1000 000 To. zu schätzen, während sich die deutsche Ernte des laufenden Wirtschaftsjahres auf über 800 000 To. beläuft. Dazu wird der Auslandsmarkt nicht nur von Deutschland allein in Anspruch genommen, sondern in ihn teilen sich noch Polen und Rußland. So sind die Ausfuhrmöglichkeiten verhältnismäßig gering.
Der Nachteil, der in der Nichterhöhung des Einfuhrscheines liegt, soll durch eine Verständigung u;it Polen, das unser .Hauptkonkurrent auf dem Auslandsmärkte ist, über den beiderseitigen !Kogqen= export ausgeglichen werben. Eine solche Vetttän- bigung muß als erwünscht bezeichnet werben Da hiernach von ber Ausfuhr große Erfolge zur Entlastung unseres Jnlanbsmarktes nicht erwartet werden können, hat sich die Reichsregierung zur Magazinierung von Roggen in größerem Umfange entschlossen. Der wunde Punkt dieser Aktion liegt indessen darin, daß auf diese Weise der Roggen nicht zum Verschwinden gebracht wird, und es sich jedenfalls zunächst nur um eine vorübergehende Entlastung des Marktes handeln kann.
Abgesehen von der geringen Aufnahmefähigkeit des Auslandsmarktes spricht gegen die Erhöhung des Wertes des Einfuhrscheines noch der Umstand, daß wir durch die Ausfuhr von Roggen, der um den Einsuhrschein verbilligt ist, die Konkurrenz des Auslandes gegen uns selbst in tierischen Erzeugnissen steigern.
Leider Haden die bisher ergriffenen Maßnahmen ein weiteres Absinken der Roggenpreifs nicht verhindern können. Dies erklärt sich daraus, daß die bisherigen Maßnahmen das Roggenproblem im wesentlichen nur von der Seite ber Ein- unb Ausfuhr angegriffen haben. Dieser Fehler ist beim Weizen nicht gemacht worden. Die verhältnismäßig bessere Entwicklung ist vor allem auf ben Zwang zur Beimahlung von Jnlandsweizen bei Vermahlung von Auslandsweizen und auf die da- öurd' geförderte Inlandsnachfrage zurückzuführen. In Erkenntnis dieser Zusammenhänge habe ich auch beim Roggen bem inneren Absätzproblem meine größte Aufmerksamkeit gewibmet. So habe ich mich für die Verbesserung des Notierungswestns bei Weizen unb Roggen an ben preußischen Pro- duk!-"-törsen eingesetzt, damit der Landwirt nach ber V ualitäf seiner Ware bezahlt wird. Die Einführung der Notierung von Roggen unb Weizen nad-i bem Hektolitergewicht an den preußischen Produktenbörsen ist demnächst zu erwarten.
Ilm ferner das Rvggenangebot gleichmäßig über das ganze Wirtschaftsjahr zu verteilen, um vor allem ein Ueberangebot in den ersten Monaten n cch ber Ernte zu vermeiden, habe ich ben Ausbau des Lagerscheinwesens besonders zur erleichterten Lombardierung von Roggen befürwortet. Im Interesse der rationellen Verwertung des Roggens habe ich ferner die Verfütterung von inländischem Roggen anstelle von ausländischer Gerste propagiert.
Die stark gesunken Preise für Futtergerste machen aber im Augenblick leider den Ersatz von ausländischer Gerste durch inländischen Futter- roggen wohl auch bei einer Verbilligung des Futterroggens mit Reichsmitteln unmöglich. Bei dieser Sachlage sehe ich als einziges Mittel zur Behebung der Roggenkalamität, daß mir wieder darauf Bedacht nehmen, den Roggen verstärkt seinem eigentlichen Zwecke als menschliches Nahrungsmittel zuzuführen. Eine au f die Hebung des menschlichen Roggenkonsums gerichtete, geeignete Propaganda findet deshalb meine llnterftüßung.
Ich begrüße ferner be i Entwurf eines Brotgesetzes, durch bas in erster Linie ber Deklarationszwang besonders für das Roggenbrot angeordnet werden soll. Ich fürchte aber, daß die beste Propaganda und das Brotgesetz in feiner jetzt vorliegenden Fassung allein nicht ausreichen werben, um ber Schwierigkeiten Herr zu werden. Es sind einschnei- ihr gegenüber daraus keinen Hehl, andererseits schien er auch Christa recht gut zu gefallen, denn sie tauschte 1 mit besonderem Vergnügen Erinnerungen an den vergangenen Sommer mit ihm aus. Und obwohl Leo wußte, jedenfalls sich klar geworden war, daß Christo nichts weiter als eine Reisebekanntschaft für ihn bedeuten durfte, erfüllte ihn diese Gemeinsamkeit ihrer Erinnerungen mit Neid, von dem er jedenfalls nicht zugeben wollte, daß er mit Eifersucht gepaart war.
Durch eine kleine Tür an der Straße führte Christa die anscheinend gut Bescheid wußte, ihn eine schmale Kellertreppe hinunter zu dem Grill-Room des Carlton- Hotels, wo sie sich mit ihrem Vater treffen wollten. Nachdem er seine Garderobe abgegeben hatte, durch schritten sie einen Vorraum, in dem an kleinen Tischen, wie in einem Lesezimmer in illustrierten Zeitungen blätternd, Gruppen von eleganten Frauen und eine Menge gut angezogener Männer auf einen srciwerden- : den Tisch warteten, und traten in den eigentlichen Eßraum, der mit seinen weiß getäfelten, fensterlosen Wär den und seiner niedrigen Decke aussah, wie das Reftau- rant eines Amerikadampfers.
Der Eindruck wurde verstärkt durch die an zal)llofen kleinen Tischen sitzenden Gäiie, deren Stimmgewirr aus Brocken sämtlicher Sprachen der Welt zusammengesetzt zu sein schien. Am rückseitigen Ende entdeckten sie in einer Nische, die wie eine Schiffskabine aussah, Pomee- natzki mit einem hageren, großen Herrn, von desien frischem, rotem Gesicht die weißen Haare merkwürdig abstachen.
' Als Christa mit Leo an den Tisch trat, erhoben sich beide, und der Weißhaarige schüttelte ihr kräftig die Hand. Leo wurde ihm dann vorgestcllt. Er war der Onkel des Majors, der sie eben verlassen hatte, Sir Edwin Burnhill, der Besitzer von Durham House.
Als sie siäi gesetzt hatten und die unvermeidlichen Cocktalis vor ihnen standen, begann Sir Edwin die Unterhaltung in der gleichen Weise wie es in Paris $(oe- menstecn getan hotte, indem er die Beteiligung Leor an dem russischen Unternehmen mit freundlichen Worten begrüßte.
„Mein Freund Pomernatzki hat mir erzählt, warum Sie nach London gekommen sind. 3d) habe großes Interesse an der Sache. Ich weiß nicht, ob Ihnen Pomernatzki erzählt bat. daß ich Besitzer einer großen
benbere Maßnahmen notwendig. Ich bin deshalb für eine Beimengung von zehn Prozent Roggenmehl zum Weizenmehl eingetreten, nachdem Ber suche in bem vreußisckzen Institute für Bäckerei um? Mllerei ergeben hatten, baß durch einen ent sprechenden Zusatz weder die Backfahigkeit de, Mehls noch ber Geschmack unb bas Aussehen des aus diesem Mehl hergestellten Gebäckes irgendwie nennenswert beeinträchtigt werben.
Außerdem erscheint es geboten, das Ausmalsi Verhältnis bei Roggen herabzusetzen, um zugic-ck eine bessere Roggenkleie zur Verfütterung zu er halten. ’ _
Hierbei ist mir klar, daß gegen öte Durchführung solcher Maßnahmen von den vettchte- benften Seiten Einwendungen erhoben werden Alle Bevölkerungsschichten müssen sich aber bombet klar sein, daß es sich bei dem Notstand der Landwirtschaft um eine Angelegenheit handelt, die die gesamte Volkswirtschaft berührt. Eine letztuugs- fähige Landwirtschaft wird ber Jnbustrie weitgehende Beschäftigungsmöglichkeiten geben und zu einer Verringerung ber Arbeitslosigkeit beitragen. M. E. müssen beshalb gewisse Unzuträglichkeitei., bie sich aus ben erforderlichen Maßnahmen ergeben könnten, von ben beteiligten Berufsständen in Kauf genommen werden. Aber auch bie Land wirtfchaft wird zur Lösung des Roggenproblems das ihrige tun müsse», be muh ben Roggenanbau tunlichst einfchränken, unb es erscheint nicht angängig, besonbers im Westen, für Weizen geeignete Böden mit Roggen zu bestellen.
Jtatien feiert
totb. Rom, 21. Febr. (Eig. Meld.) Die verspätete Kälte in Italien hält weiter an. So wirb aus dem Apennin, der Romania und der Liguria berichtet, daß starke Schneefälle stellrnweisc den Postverkehr unterbunden haben.
♦ Die Kulmbacher Mordaffäre. Oberstaatsan walt Döll teilte der Presse mit, daß Kommerziell rat Meusdörffer, der bekanntlich unter ben Verdacht des Mordes an seiner Gattin in Haft gc nvmmen worden war, gegen eine Sicher Heilsleistung von 100000 Mark aus dec Haft entlassen werde. Wie der Landesdienst des Süddeutschen Korrespondenz-Büros erfährt, ist dieser Beschluß darauf zurückzuführen, daß erstens keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht und zwei-
Rechtsanwalt Dr. B.
ist ein weit berühmter Verteidiger. Ruhig, sachlich - und doch eindringlich und überzeugend sind seine Plädoyers. Er beherrscht stets die Materie bis ins Letzte. Seine Gegner fürchten seine Schlagfertigkeit, seine Klienten bewundern die Mensdtenkenntnis, mit der er auch die geheimsten Beweggründe und die Tücken überreizter Nerven versteht.
„Viele Ehekonflikte - sagt er oft - sind nichts weiter als ein Versagen der Nerven. Wieviel froher und glüddichei würden viele Menschen leben, wenn sie stets den unschädlichen Kaffee Hag tränken. Coffein kann eben nicht jeder vertragen. Ich trinke Hag seit Jahren und möchte ihn auch wegen seines unübertrefflichen Geschmatics nicht missen."
Eisen- und Stahlwerkes bin. Sie kennen vielleicht die Firma E. T. Brunhill u. Co. in Tilburg? Meine Firma würde sich sehr für die Hafenanlagen interessieren, deren Bau wir zum Teil übernehmen können.
Pomernatzki hat mir auch erzählt, daß Sie, Herr Lilloe, wegen der Konzession Bedenken haben. Ich glaube, das wird in Ordnung gebracht werden können, sobald Sie mit Krassin gesprochen haben. Ich habe mit den Russen hier auch schon Fühlung, obgleich man das nicht laut sagen darf, weil diese Hunde von Bolschewiste» den verfluchten Kohlenstr-ik hierzulande finanzieren. Sü machen sich keinen Begriff, was die Leute uns hier ?üi Schaben zufügen!"
Leo hatte interessiert zugehört. Pomernatzki schie. wirklich über gute Beziehungen zu verfügen. Dieser weißhaarige Mann machte einen ebenso feinen Eindrur wie fein Reffe, der Major, den sie vorhin getroffen hatten. Nach allem, was er von Durham House gehört hatte, mußte Burnhill auch ziemlich vermögend sein. Umso merkwürdiger erschien ihm die Freundschaft jto;- scheu Pomernatzki und dem Polen Sedlaczek, der durchaus nicht in diesen Kreis paßte.
„Wie war es auf der russischen Botschaft, Herr Pomernatzki," fragte er,
Pomernatzki hatte wieder das verbindliche Lächln das Lc'o nicht leiben konnte.
„Es ist eine dumme Geschichte. Krassin ist anscheinend wegen des Kohlenstteiks nach dem Norden gefahren und wird erst Montag früh zurückerwartet. Wir werden ihn wohl kaimi vor Dienstag fpreefoen können Ich persönlich lege ja keinen großen Wett darauf, denn wie ich Ihnen schon sagte, die Vettängerung ist eine reine Formalität, ober da Sie unb auch bie übriger Herren es wünschen, werden wir wohl solange hin bleiben müsien. Ich hoffe, es wird Ihre Disvositioneu nicht stören. In der Zwischenzeit können wir ja mit Sir Edwin, wenn es seine Zeit erlaubt, mit den Vorarbeiten beginnen. Ich denke mir dann, baß wir nächste Woche wieder in Paris mit ben übrigen Herren zusammenkommen können. Sir Lwin hat sich bereit erklärt, mit dem Flugzeug hinüberzukommen, falls es feine Zeit und der Kohlenstreik erlaubt. Sir Edwin :si nämlich auch im Parlament und fitzt in dem Kohlenausschutz."
(Fortsetzung fotzt.)