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NIL

Nr. 39

Beilage zur Fuldaer Zeitung

16. Februar

thematiker".

Hanns Der stroff.

175

den Portier herbei und fragte ihn:

miJ

Gut, wenn es denn fein sollte, retten war. — Aber wenigstens

nach oben gekehrt, und es in der Nacht nicht daraufge-

nochmals das Register durch „Niemand dieses Namens",

Tür mit Gewalt ge- gewefsn sein? Diese einer Halden Stunde den Riegel ganz ge-

hierher gekommen? Lagen Bett oder hatte man sie ab-

und er»

nm das

der heute Nacht im Zimmer fragte ich dann.

war ein Wunder, daß ich treten war.

Wie waren die Nägel sie zufällig neben meinem sichtlich dort hingelegt?

wie eine Kette?

Er richtete sich auf. wenn er denn nicht zu

„Fuhr Nummer 175 allein weg?"

,jawohl", lautete die Antwort. „Er fuhr mit dem Frühexpreß nach Saraaolla und wollte nach Barcelone

Der Beamte sah ftfiütieüe den Kopf, klärte er.

„Fuhr der Herr, schlief, allein weg?

Der Beamte rief

Weiterreisen, wie er erklärte. Zur Bahn fuhr er dem Omnibus "

„Niemand mit ihm?"

„Niemand."

„Wcmn kam er hier an?" warf ich ein.

„Borgestern nacht —, er war allein und hatte eine Handtasche mit Deshalb verlangte ich auch, er ein Depot für die Zimmermiete erlege."

„Haben Sie ihn früher jemals gesehen?"

Das Kind hatte ihn so fassungslos angestarrt. Als ob es soviel Schlechtigkeit nicht vermutet hätte. Er hätte das eigentlich auch nicht gedacht, daß man ein Kind töten könnte. Er hatte es ja auch nur in der Not getan. Er war gezwungen worden. Sonst hätte er — weiß Gott, er hätte die Kleine in die Arme nehmen mögen und in ihr Bettchen zurücktragen und ihr sagen: Schlaf, schlaf, schlaf, das ist nichts für Dich!

Und nun ratterten die Räder weiter und weiter, und dort hinten lag ein totes Kind? Er und das Kind! Ge­hörte er nicht zu dem Kind? Und zu dem Alten eigent­lich auch? Konnte der nicht eigentlich auch kommen und sagen: Wir gehören zusammen, Freund? Einem Men­schen das Leben geben und das Leben nehmen, bedeutet das nicht eigentlich gleichviel? Ratterten es nicht die Räder, schrie es nichbuiberall im Wagen: Mord, Mord, Mord, Mord? Oh, dieses Räderraffeln, dieses Räder- raffeln!

Und nun mußte bald die Station kommen. Er horchte wieder an der Wand. Klirrte da nicht etwas

kein Fixstern fein; gegen einen Kometen sprach die nicht parabolische Bahn. Man vermutete in ihm einen Pla­neten und gab ihm den Namen Ceres. Im ganzen war dieser Stern nur etwa einen Monat lang zu beobachten gewesen und dann infolge seinen Sonnennähe unsichtbar geworden. Es galt jetzt, um ihn wieder aufzufinden, seine mutmaßliche Bahn zu berechnen und zwar aus Grund der ganz ungenügenden Beobachtungsergebnisse, die Vorlagen. Der Versuch mißlang. Im Herbst 1801 aber wurden Gauß die Beobachtungen Piazzis bekannt, und bereits drei Monate später veröffentlichte er die Bahnberechnung des Ceres, die am 1. Januar 1802 dazu führte, daß Olbers in Bremen den Stern genau an der von Gauß vorher berechneten Himmelsstelle wiederfand.

Seit 1807 wirkte Gauß als Direktor der Sternwarte in Göttingen, seit 1830 zusammen mit dem chm eng befreundeten Physiker Wilhelm Weber. Jetzt häufen sich interessante Entdeckungen, Berechnungen, Abhandlungen, jetzt wird von diesem unerschöpflichen Hirn ein gewal­tiges Hochgebirge wissenschaftlicher Erkenntnisse in rast­loser Arbeit aufgetürmt. Gauß ersann die Meßapparate zur zahlenmäßigen Bestimmung der erdmagnetischen Kraft an jeder Stelle der Erdoberfläche. Er bestimmte rechnerisch im voraus die Lage der Magnetpole unseres Planeten, aufbauend auf der von ihm geschaffenen Theorie des Erdmagnetismus; den magnetischen Süd­pol fand am 1. Juni 1841 die Roßexpedition tatsächlich genau an der von Gauß vorausgesagten Stelle. Im „Absoluten Maßsystem", der ersten klaren Begriffsbil­dung physikalischer Größen, dem sogenannten Centi- meter-Gramm-Sekunden-System, hat er die Grundlagen gegeben für alle physikalischen Messungen, die heute auf der Welt ausgeführt werden.

Ganz nebenbei als Hilfsmittel für seine magnetischen Studien, d h. um in einen Schnellverkehr mit seinem Freund Weber vom physikalischen Institut treten zu können, baute er den ersten elektrischen Telegraphen, von dem er übrigens überzeugt war — damals schon: 1833 — daß „auf diese Weise auf einen Schlag von Göt­tingen nach Hannover und von Hannover nach Bremen telegraphiert werden könnte!" Er ist auch der Erfinder einer — im weitesten Sinne gesehen — „drahtlosen Te­legraphie", denn er schuf den Heliographen, jenes Spie­gelinstrument, welches lange Zeit für militärische Zwecke eine große Rolle gespielt hat, wobei Lichtblitze lreflek- tiertes Sonnenlicht) zur Nachrichtenübermittlung auf ver- hältnismäßig große Entfernungen benutzt wurde.

In der mathematischen Wissenschaft der Gegenwart, in dieser Disziplin des menschlichen Denkens, die heute die allergrößten Ansorderüngen an die Geistesschärfe des Hirns der abendländischen Rasse stellt, gibt es nur wenig Probleme, die nicht in irgendeiner Form in den mathematischen Erkenntnissen von Gauß ihren Aus­gangspunkt finden — und das nach 75 Jahren einer Entwicklung, die gerade für die Mathematik und die Na- turwisienschaften einen besonders steilen Aufstieg zu ver­zeichnen hat. Man darf dabei nicht vergessen daß Gauß mit seinen mathematischen Arbeiten zunächst in dem Deutschland seiner Zeit nur auf sehr wenig Verständnis stieß, denn der Beginn des 19. Jahrhunderts sah eigent­lich nur französische Forscher an der Arbeit, wie d'Alem- bert und seine Nachfolger, die im Reich der Mathe­matik sich vorwärtskämpfien. So wurde Gauß der Be­gründer der deutschen Mathematik der „Fürst der Ma-

sollte dann dies Rädergerassel ein Ende haben! Dann wollte er den Leuten zeigen, daß er sich nicht durch ein paar wahnsinnige Räder bis zur Verrücktheit foltern ließ. Und dies Schaukeln des Wagens! Fuhr der Zug denn zur Hölle?

Mit einem Satz war er an dem Notgriff. Er riß chn hin und her, bis er abgebrochen von der Decke hing.

Es gab einen jähen Ruck, so daß er auf die Polster fiel. Da kam ihm zum Bewußtsein, was er getan hatte. Er taumelte nach der Tür hin und versuchte sie zu öffnen. Wenn er sich jetzt auf die Schienen warf — noch war es Zeit. Aber hatte ihn denn alle Kraft verlassen. Die Tür gab nicht nach.

Nun stand der Zug. Türen wurden aufgerissen, das Bahnpersonal eilte hin und her. Ein Gesicht sah durch die Tür in sein Abteil hinein, dann wurde die Tür aufgerissen.

Die Beamten, welche eintraten, sanden einen Mann, bleich wie der Tod, mit tattern Schweiß auf der Stirn, auf den Polstern liegen. Irr sah er sie aus flackernden Lugen an.

.Lebt das Kind?" flüsterte er.

Man verstand ihn nicht.

Da streckte er ihnen die Hände hin. „Fesselt mich!" schrie er. „Fesselt mich!" Und dann brach es aus sei­nem Munde, das ganze grausige Geständnis.

öffnet hatte. Wer konnte es sonst Frage ließ mich nicht los. Nach stand ich nochmals auf und prüfte nau. Da wurde ich in meinem

Dies war ein bekannter Kniff der Hoteldiebe. Doch was bewies mir, daß der Advokat aus Burgos den TOegel so pränariert b^te? Ich konnte nicht feststellen, wann und von wem die Schrauben gelockert worden

abteil ausgeftiegen war. Das erforderte die einfachste Vorsicht. Wenn der aber nicht ausstieg? Wenn er bis zur Endstation reifte? Nun, dann blieb er eben auch bis dahin sitzen. Und dort mußte er sich ja zeigen — entweder — oder! Wenn es nur nicht so gefährlich wäre, aus dem Zug zu springen! Und dann zieht womöglich jemand, der es bemerkt, die Seine — Wenn wenigstens Nacht gewesen wäre! Aber früher Tag —, und der Zug kam schon vor Abend an feiner Endstation an. Es war zum Rasendwerden!

Leise stand er auf. Er horchte an der Wand. Kein Laut. Der Lärm des Zuges übertönte alles. Dieser un­glaubliche Lärm, den die Räder machten! Er war die äußerste Stille gewöhnt. Dann vermochte er zu denken und — zu arbeiten. Dann war er seiner sicher. Wer dieser Lärm — da war man ja allem hilflos preisgege­ben: Da konnte plötzlich irgendetwas geschehen, man wußte gar nicht wie. Er blickte nach dem Notgriff em­por. Wenn man doch nur diesen Lärm zum Stillstand bringen konnte!

Er warf sich in die Polster. Gut, daß er zweiter Klasse fuhr. So hatte er wenigstens Aussicht, allein zu bleiben. Er konnte nachdenken. Und wenn nötig, konnte er sogar — laut reden. Merkwürdig, was für ein Be­dürfnis, taut zu reden, er empfand! Und warum sollte er nicht? Vielleicht war das nötig in solchen Fällen.

Er war ja immer darauf gefaßt gewesen, daß er einmal würde einen Mord begehen müssen. Oft genug war er nur hart daran vorbeigekommen. Nun also! nur das Kind! Wenn nur das Kind nicht gewesen wäre! Das Kind wird ihn verraten haben. Er hätte doch noch ein wenig härter zuschlagen sollen. Dann wäre er wenig­stens sicher gewesen. Aber das Kind hatte ihn so voller Entsetzen angesehen, so fassungslos. — Blaue Augen hatte es gehabt und ganz helle Haare. Das hatte er im Augen­blick, da er zuschlug, bemerkt.

„Blaue Augen und ganz helle Haare", sagte er laur.

Nun war es heraus, das erste Wort. Er hatte fein Verbrechen bekannt. Der Herr im Nebenabteil mochte sich gratulieren! Hahaha! Er lachte ja sogar! Er lachte!

Wenn nur dies schauderhafte Geratter der Räder nicht gewesen wäre! Das nahm ihm noch den Verstand! Das war nicht zu ertragen!

Er stand auf. Wie lange er wohl schon gefahren war? Eine halbe Stunde. Noch eine halbe Stunde, bann hielt der Eilzug auf der ersten Station. Da konnte ihn das Verhängnis schon ereilen. Daß er daran gar nicht dachte! Er hatte nicht mehr viel Zeit zu verlieren, wenn er etwas unternehmen wollte. Aber was?

„Ich kann mich nicht erinnern."

„Auch ich nicht", bemerkte der Portier. „Er wollt? scheinbar nicht gesehen werden. Heute morgen reiste er plößlick: ab, ohne etwas zu nehmen, nicht einmal eine Tasse Kaffee."

„Er reifte also in aller Eile ab was?" rief ich aus imb wußte wohl, warum „Ich möchte gern den Direk­tor sprechen", fügte ich bann hinzu.

„Ich werde es ihm mifteilen," erwiderte der Be­amte und ging zum Telephon. Nachdem er gesvro- chen hatte, wandte er sich wieder zu mir und tagte-

„Das Büro des Direktors ist im ersten Stock. Te­nor."

Einige Minuten später faß ich im Büro eines alte»

Vielleicht hatte der Tapezierer tags zuvor in mei­nem Zimmer gearbeitet und die Nägel bei feinem Weg­gänge vergessen.

Ich hob einen Nagel auf und untersuchte ihn. Da stockte mein Atem.

Ich hob auch die anderen auf. doch mit großer Vor­sicht, denn an den Spitzen der Nägel befand sich eine farblose, durchsichtige Masse, die wie Vaselin aussah.

Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte mich. Vorsich­tig legte ich die drei Nägel in eine kleine Glasschale, die auf meinem Tische stand, und zog mich, so rasch ich konnte, an.

Nachdem ich den Kaffee, den mir der Kellner ge­bracht hatte, hinuntergestürzt hatte, ging ich ins Büro des Hotels hinunter und fragte den dort anwesenden Beamten nach Tenor Salavera. Er ging die Liste der Hotelgäste durch und erwiderte höflich:

„Ein Herr dieses Namens wohnt nicht bei uns. Te­nor."

„Was?" rief ich aus. „Er wohnte doch heute nacht hn Zimmer 175!"

in einem Menschen gewirkt, dessen äußeren Lebens- umftänbc ihm fast unüberwindliche Schwierigkeiten bei dem steilen Anstieg zu den höchsten Gipfeln geistiger Arbeit bereiten mußten.

Sein Vater war Lehmarbeiter, Maurer, später Metz­ger, bann Aufseher der Brunnenleitung ber Stabt Braunschweig unb zuletzt Bote einer Sterbekasse. Schon als breijähriger soll Karl Friedrich Gauß eines Tages feinen Vater beim Auszahlen von Tagelöhnern auf einen Rechenfehler aufmerksam gemacht haben, als zehn­jähriger beschäftigte er sich mit höherer Analysius; lesen lernte er selbständig, indem er sich bald von diesem, ball» von jenem Hausgenossen einen unbekannten Buch­staben angeben ließ. Schon auf der Katharinenschule in Braunschweig wurde seine außergewöhnliche Bega­bung entdeckt; er fand in dem Herzog Karl Ferdinand von Braunschweig einen Gönner, der ihm das Weiter- ftubtum ermöglichte.

Schon mit 24 Jahren begründete der junge Gelehrte mit einer eigenartigen Arbeit seinen Weltruhm: In der ersten Nacht des 19. Jahrhunderts hatte G. Piazzi einen kleinen Stern achter Größe entdeckt, der bisher auf feiner Sternkarte zu finden war. Da dieser Himmels­körper eine starke Eigenbewegung aufmies, konnte er

„Auf Zimmer 175 wohnte Tenor Salier", gab mir der Beamte zur Antwort. „Er bezahlte seine Rech, nung und reifte heute früh um sieben Uhr ab."

„Aber ich sah doch seine Jdentitätspapiere — sei­nen Paß und Briese die auf Tenor Salavera lauteten!"

„Das mag sein, Tenor" gab der Beamte zurück, „er meldete sich aber als Tenor Solier. Die Leute geben in den Hotels nicht immer ihre richtigen Namen an, denn sie wollen in den Fremdenlisten, die in den Zei­tungen veröffentlicht werden, nicht genannt werden."

„Wohnt vielleicht ein Herr namens Pedro Espabe im Hotel?" fragte ich.

Gex. Während des Aufenthaltes in Madrid er« eignet sich eines Nachts in Garfields Hotelzim­mer ein seltsamer Vorfall.

Er erzählte mir bann noch, daß er wegen eines großen Besitzes in Granada, auf dem einer feiner Klienten An­spruch erhob, nach Madrid gekommen fei.

«Ich werde mindestens eine Woche hier bleiben und hasse daher, daß Sie mir das Vergnügen schenken wer­den, einen Abend mit mir und Pedro zu verbringen. Wir wollen in einem Restaurant speisen und nachher in ein SBariete gehen."

Hch dankte ihm, und wir schieden als gute Freunde, mobei wir nochmals über unser seltsames Zusammen­treffen lachten.

Als ich in mein Zimmer zurückgekehrt war, unter­suchte ich den Riegel und fand, daß die Schrauben der Messinghulse mit Gewalt aus dem Holz gerissen waren und daß diese auf dem Boden lagen.

Dies erweckte meinen Verdacht aufs neue. Es mußte eine ziemliche Gewalt angewendet worden fein, um die Hülse von dem Holz loszureißen — und trotz­dem hatte ich nichts gehört!

waren, es konnte schon geschehen fein, bevor ich in das Zimmer eingezogen war, denn die Brotmasse war schon hart und bröckelig.

Mit dem Entschlüsse, am Morgen meine Erhebungen sortzusetzen, schlief ich ein. Ich muß sehr müde ge- wesen sein, denn es war schon neun Uhr vorbei, als ich erwachte.

Ich zog die Jalousien auf unb wollte eben um den Kaffee und um marines Wasser klingeln, da machte ich eine merkwürdige Entdeckung.

16. Kapitel.

Eine weitere, seltsame Entdeckung.

„Sein Geist drang in die tiefsten Geheimnisse ber Zahl unb der Natur. Er maß den Lauf ber Gestirne, die Gestalt unb bie Kräfte der Erbe. Die Entwicklung der mathematischen Wissenschaften eines kommenden Jahrhunderts trug er in sich" — diese Worte finden sich im Ehrensaal des Deutschen Museums in München unter dem Bildnis des „Fürsten ber Mathematiker": Karl Friedrich Gauß. Er ist in der ersten Stunde des 23. Februar 1855 — vor 75 Jahren — in Göttingen gestorben.

Der Name Karl Friedrich Gauß steht über einem ber genialsten Kapitel in ber Geschichte mensch­licher Geistesarbeit. ÜDiit diesem Namen unlösbar ver- knüpft sind die Untersuchungen über die Zahlenlehre, ist die Bahnberechnung der kleinen Planeten Ceres, die Erfindung und Verwendung des ersten elektrischen Te­legraphen, neue bis heute gültige Erkenntnisse über den Erdmagnetismus, die Ausstellung des heute in ber gan­zen Welt üblichen absoluten Maßsystems unb eine große Reihe bebeutenber Untersuchungen auf bem Gebiete ber reinen Mathematik.

Eine Aufzählung der wissenschaftlichen Großtaten eines Gauß würde mehrere Bände füllen, sollte sie lückenlos sein. Dabei hat diese geniale Schöpferkraft

Ich legte mich wieder nieder, ließ das Lickt brennen und dachte über das seltsame Erlebnis nach. ' Die Ent­schuldigung des Fremden hatte zwar ganz glaubwür­dig geklungen, trotzdem aber konnte ich den Gedanken nicht los werden, daß man meine '

Verdacht durch eine merkwürdige Entdeckung bestärkt. Während meiner Ab­wesenheit hatte jemand die Hülse des Riegels herun- tergenommen. die Schraubenlöcher erweitert unb mit zerknetetcm Brot verstopft; in diese Masse hatte er die Schrauben wieder eingeschraubt, so daß die Türe, ob­wohl ich sie verriegelt hatte, nicht gesichert war, denn beim leisesten Druck von außen konnte die Hülse von dem Holz losgerissen werden!

Tat.

Ich bin ich, unb du bist du. Welt wirst uns die Lose zu. Schicksal nimmt uns an bie Brust, Unb wir spielen unbewußt. Urteil reift im Drang heran: Tat weist neuer Tat bie Bahn, Urfein wirkt Ursächlichkeit, Ewiges zielt in Raum und Zeit. Gute Tat wirkt höchste Huld, Böse Tat gebiert die Schuld. Huld wird Wonne weltenweit, Schuld zeigt namenloses Leid. Daß wir uns zur Decke strecken, Hoch das Haupt aus Wolken recken, Ist des Schicksals weiser Sinn. Fassen wir's von Anbeginn! • Tat ist Tat, und Saat ist Saat. Korn keimt auf und ohne Gnad' Wuchert auch ber Keim des Bösen. Jauchzend will ich jäten, losen . . . Schuld und Huld sind bloße Namen Dem, der pflegt den guten Samen. Leben lächelt wissend: Amen!

F. S ch r ö n g h a m e r-H e i m d a l.

Das Gewissen.

Von E. A. S t e i n.

Nach einem letzten Blick auf das Bahnhofsportal schritt er eilig an die Sperre. Zitternd reichte er die Karte hin, und es erschien ihm unerträglich lange, bis ber Portier sie lochte. Dieses immerwährende Zittern in ber Hanb, das er nicht meistern konnte! Wenn ihn das mir nicht noch einmal verriet! Als er durch war, blickte er sich verstohlen um. Gleichgillig stand ber Pförtner unb lochte Karten, und mit gewohnter Langsamkeit ka­men bie Reisenben einer nach dem andern durch bie Sperre. Kein Uniformierter irgenbmo zu sehen! Freilich waren bie Uniformierten wohl auch weniger zu fürch­ten ...

Ein Gefühl des Gerettetfeins überkam ihn. Run schnell in ben Zug! Mit feinem Rundreisebillett wollte er bie Verfolger narren. Aber nur nicht zu laut benten! Am besten gar nicht benten! Denn man konnte nie wis- en, was man in einem unbewachten Augenblick von sich gab. Am besten nahm er ein leeres Abteil. Es war schon mancher Verbrecher burch ein Gespräch Über fein Verbrechen verraten worben. Aha, der Zug hatte ab- geschlossene Wtelle! Gut. Eine Minute bis zur Abfahrt noch. Dann also schnell hinein und wieder ein Hindernis Mischen sich unb bie Verfolger gelegt!

2Bie es nun wohl am Tatort aussehen mag! Da liegt ber Alte — mein Himmel, warum mußte er auch in ber Rocht aufwachen und sehen kommen? Er hätte ihm sonst kein Haar gekrümmt! Und hätte beffere Beute in feiner Tasche. Merkwürdig, daß er, wenn er zu einer Gewalttat gezwungen wurde, nie mehr an Beute denken konnte. Dann trieb es ihn wie mit Peitschenhieben von bem Tatorte weg. Nun hatte er nicht, gar nichts mitge­nommen. Um nichts einen Mord begangen. Zum ersten Wie! Einen nur? Daß ihm dies Kind bann noch in bte Quere laufen mußte! Das war ja schlimmer als der ®e! Em Kind morden — da konnte man sich fchüt- teln Daß er auch gleich so hart zugeschlagen hatte! Vielleicht mar es noch nicht tot. Kinder sterben nicht so schnell. Der Alte allerdings, ber kaum noch Blut hatte

Weg mit ben Gedanken!

Er zündete sich eine Zigarette an. Der Zug setzte sich m -Bewegung. Stieg da nicht noch im letzten Augenblick nF* aTm e.m' i)er f° merkwürdig scharf um sich blickte?

,.Lroomi59li^ Sar ins Nebenabteil? Verflucht, daß «• sich am Fenster gezeigt hatte! Womöglich hatte je- . „ ' ~er ihn am Tage vorher vor dem Haus bemerkt Satte, ober das Kind, wenn es lebte, eine Beschreibung non ihm gegeben. Dann war es aus. Dann war er

oren. Jedenfalls durfte er unter feinen Umständen «n Zug verlassen, ehe nicht ber Mann aus bem Neben-

An Großer starb vor 75 Zähren!

Aum Gedenken an einen Frühvollendeten: Kart Friedrich Gantz

Auf dem Boden, neben meinem Bett, lagen drei Teppichnägel mit Mefsingkopfen, die scheinbar aus ei­ner Schachtel herausgefallen waren. Die scharfen Spitzen der Nägel waren

i Das Gift.

Roman von William Le 2 u e u x.

Elle Rechte d. Grete v. UrbaniÄd, Wie», »earb. v.Dr.OttoBorichke. 13) _______

Snljalf des bisher abgebrntffen Romanabschnittes.

Ausgangspunkt ber Handlung bildet ein erfmurbiger Vorfall, ber einem jungen englischen Q«Sxnteur namens Garfield im Hause des Millionärs Oswald de Gex begeg- hsri hörend er sich mit bem Hausherrn unter» ertönt plötzlich ein Schrei aus bem Neben- Oswald be Gex, ber sofort hinausstürzt, der Nachricht zurück, daß soeben seine Ä Gabriele Cngledue einem Herz- „Liegen sei. Garfield läßt sich bewegen, r? ^menschein über Gabriele zu unterschreiben, darauf schwinden ihm die Sinne. Einige in Jpa^r findet er sich in einem Hospital bie lSrei^ ro,ebeJ- Erst ganz langsam kehrt nn„ J?-ine,r,un0Jln das Geschehene zurück, bas er b-ra™11 En Mitteln auszuklären sucht. Er folgt fefirrw J Fiorenz und fordert von ihm Rechen-

mein h, dieser will von nichts wißen unb te’L ■ "b- Zufällig begegnet er einige Tage Gnni»hemer ?ame- die ber totgeglaubten Gabriele ein nam-r,aU ar l)aar gleicht. Ihr Begleiter ist gewisser Arzt mit Namen Moroni, der umy m Beziehungen zu Oswald de Gex steht, ficb iim'v Garfield zur Gewißheit, daß es Totgeglaubte handelt. Nach ihrer ra London sucht er sie dort auf. Bei ieiik^ Gelegenheit erfährt er Näheres über das ireeignis, das der jungen Dame — sie iü Gabriele Tennison — zugestoßen nerrn, 1 be2? hat sie ihr Gedächtnis vollkommen nifie=reri- ®as Datum des rätselhaften Gescheh- G>' nimmt mit dem merkwürdigen Erlebnis in J , , genau überein. Eine gewisse Rolle ,nrJ2r fettfamen Angelegenheit scheint ein fron« [en Bankbeamter namens Suzor zu fpie- '“Ffielb folgt ihm, begleitet von feinem Harry Hambledon, bei einer Reise hn? r^ans und von dort nach Madrid. Suzor tat hier eine heimliche Zusammenkunft mit De

Schritte, auf die ich lauschte.

Von Rodert Huber.

Ich sitze in der Rahe des offenen Fensters. Es ist so dunkel, daß ich nicht die Hand vor den Augen sehe. Draußen läßt ein trüber Schein die Umriffe der Ge­genstände gerade noch sichtbar werden. Hier drinnen aber brütet die Dunkelheit. Alles ist versunken, es gibt nur Abstraktes. Mein, was das Ohr in das Reich des Konkreten erhöht, erscheint aus ber Fessel des Rein- Begrifflichen befreit. Ich laiüche angestrengt, bemühe mich, jedes Geräusch möglichst scharf zu erfassen.

Zuerst Schritte! Müde, etwas schlürfend, selbstbe­wußt aber und bestimmt. Ein Arbeiter glaube ich, der von ber Arbeitsstätte zurückkehrt! Müde, froh der ge-