«UffWZCttUH'*. 4 1*!«* II
57. Zahrg
Freitag, 14. Februar 1930
M. 27
der
letarischen Weltrevolution.
Sogar
weiter geleitet.
*
der Papst, - der sich eben erst mit dem Bluthund Mussolini verbündet hat, schließt sich jetzt dem
Silcbeinl »echsmal wöchentlich. Wochenbeilagen. „Die Welt cm Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Perlao ver Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
wtb. Madrid, 13 Febr (Cig. M"ldg.) Der spanische Ministerpräsident machte dem Vorsitzenden der Madrider Presseveremigung die Zusage daß die Zensur allmählich und schließlich, wenn die Umstände es erlaubten, vollständig aufgehoben werden solle
Kampf gegen Sowjet-Rußland an. Er hat eine heuchlerische Bann-Bulle (Unruhe im Zentrum) gegen Sowjet-Rußland erlassen. (Präsident Lobe ruft den Redner zur Sache. — Laute Protestruse der Kommunisten. Abg. Jadasch (Kom.) erhält ei-
Die Bewegung der Freidenker.
Die deutschen Katholiken sind es, so weit sie n-cht in Berlin, Hamburg oder eine Industriestadt Sachsens aufgewachsen sind, tm allgemeinen gea mt, der Agitation der Freidenker nicht allzuviel Beo h- tung zu schenken. Sie wissen, daß schon das Wort, mit dem diese Hilfstruppe einer Revolution um jeden Preis sich bezeichnet, falsch und erlöge, ist, denn mit wirklich freiem Denken, so west ein 'olcher geistiger Vorgang überhaupt möglich ist, haben die Schreier, die immer wieder zum Au^.'stt aus der Kirche Hetzen, weniger gemein als ftlbft die bigotteste Sekte. Die souveräne Ueberlegenhcit, die der katholische Mensch nicht instinktmäßig in sich spürt, wenn er auf die wüste Propaganda der feg. „Freidenker" stößt, hat sicherlich ihr Gutes vnb ist ebenso berechtigt jede Wahrheit gegenüber jeder Sinnlosigkeit. einer Verachtung von Personen hat sie natürlich nichts zu tun.
Es scheint aber auch an der Zeit, der von den Freidenkerverbänden namentlich in den letzten Monaten entwickelten Rührigkeit etwas sorgfältigere Beachtung zu schenken. Zwar war es nichts weiter als dreiste Renommisterei, wenn die Freiden- kerorganifationen eine Gegendemonstration gegen den Freiburger Katholikentag veranstalten wollten. Sie fiel naturgemäß ins Wasser, und, was statt ihrer sich in Eßlingen tat, geriet so jämmerlich, daß der Verbandsvorstand der größten sozialistischen Freidenkergruppe selbst in einem Rundschreiben von dessem „schmählichen Ausgang" sprach. Das ist an sich nicht allzu verwunderlich, wenn man sich die Ziffern überegt, über die die Freidenker in Deutschland verfügen. Eine vorsihtige Schätzung gibt sie auf rund 770 000 an, worunter etwa 30 000 Jugendliche unter 18 Jahren sein könnten. Immerhin erhalten diese verhältnismäßig nicht allzu hohen Ziffern ein ernsteres Gesicht, wenn man feststellt, daß etwa vier Fünftel , zur proletarischen Freidenkerbewegung zu rechnen sind, die sich nun wiederum in eine so'ialdemokraiiiche und eine kommunistische spaltet. Selbstverständlich bekämpfen diese beiden Gruppen sich aufs schärfste, und was namentlich die Kommunisten sich auch auf diesem Gebiet leisten, kann man fast täglich in der Roten Fahne nachlesen.
Was wollen die Freidenker? Einer ihrer Wortführer, ein Professor Schaxel in Jena, der in oer Abendausgabe des „Vorwärts" kürzlich zu Wort kam, stellt fest, daß nur der Sozialismus der ganzen Menschheit Friede und Freiheit bringe, daß aber der Äizialismus auch einen Andersdenkenden niemals kränken oder beschränken wolle. „Wir wollen die Welt verändern. Der religionslose, der gottlose Ueberbau wird sich bann von selbst ergeben." Das ist klar und deutlich. Man kann ungläubige Menschen, denen man die Religion genommen hat, leichter für den Sozialismus in leber Form gewinnen, als gläubige. Von hier aus ergeben sich auch ohne weiteres die Gegensätze, welche die proletarische Freidenkerbewegung in Sop.o'de- mokraten und Kommunisten spaltet. Den Kommunisten kann es in ihren Forderungen, in den Beschimpfungen der Kirche und in der gesamten Agitation nicht wüst genug zugehen. Sie betreiben die Freidenker-Bewegung genau so wie die P-ästik, und das sckMdet sie von den Sozilademokraten. Man kann daher auch annehmen, daß bei öen provozierenden Umzügen, welche kürzlich in Berlin die christliche Oeffentlichkeit aufs schärfste empör'en, mehr Kommunisten als Sozialdemokraten bete’Ogt waren. Jene, haben sich ,a inzwischen auch organisatorisch von dem ursprünglichen Verband für Freidenker ein eigenes Organ geschaffen. Aber auch der alte Verband darf nicht harmlos genommen werden. Auf fein Konto ist z. B. eine Revue. , Es werde Licht" zu setzen, die dadurch nicht akzep'abel wird, daß die „Rote Fahne" sie als lendenlahm und schlanp^chwänrig bezeichnet. Wüßte man rocht, daß die kommunistischen Freidenkergrupven die Schamlosigkeit der Verhetzung noch viel weiter trei- den, so könnte man meinen, schon diese Revue überschreite jedes Maß.
Und in der Tat sind vielleicht die Anstrenguir, gen der Sozialdemokraten, die Freidenkerideen iS. die Massen zu tragen und die Bewegung wenn irgend möglich, staatlich zu unterbauen, heute bas gefährlichste Kapitel der ganzen Angelegenheit. Zwar soll nach einem Bescheid, den der preuß: ch« Iusiizminister auf eine Anfrage der Zentrums'cak- tion gegeben hat, gegen em kommunistisch-frechln- kerisches Kasperltheater in Weißensee, bei dem sogar das Vaterunser cerung'impft wurde, vorgegangen werden. Aber Tausende christlicher Rundfunkhörer haben sich die Uebertragung einer sogenannten „Jugendweihe" anhören müssen, dis christlichem und überhaupt religiösem Empfinden in, Gesicht schlug. Der Allg. Deutsche Germrk- schaftsbund, also die Dachorganisation ber Freien Gewerkschaften, veröffentlicht in ihrer Zeitung Auswärts ein Freidenker-Sofortprogramm, das alle Freigewerk'chaftler auffordert, sofort, b. h. bis zum 31. März 1930, aus der Kirche auszutreten. Und worauf der große Verband hinauswill, ist nicht mehr und nicht weniger als die Erlangung der Körperschaftsrechte in derselben Weife, wie sie der anerkannten Religionsgemeinschaften gewährt wird Er stützt sich dabei auf gewisse Folgerungen die sich beim Abschluß des preußischen Konkordats ergaben. Das alles sind Erscheinungen, die uns nötigen, der Bewegung der Freidenker künftig mehi Beachtung zu schenken. Es wird daher an b:e et Stelle noch wiederholt von ihr die 9te.be sein muffen.
* Dr. Am Zehnhoff 75 Jahre. Der frühere preußische Justizminister Dr. Am Zehnhoff, langjähriges Mitglied ber preußischen Zentrumsftak« Sion, vollendete am 18. Februar fein 75. Lebens-
, wtd. Varis, 13. Febr. (Eig. Meld.) Der Korrespondent des „Matm" in London kündigt an. die ttanzösstche Delegation werde hn Lause des heutigen Tages eine zusammenfassende Denkschrift über die istottenvolitik Frankreichs veröffentlichen, die foh io?e VcwWäse en^Q[f€n werde: 1. das Jihr 1h36 als einen Haltvunkt anzusetzen, um alsdann M einer neuen Konferenz festzustellen, ob die <t,"stlage eine neue Herabsetzung gestatte. (Gegen
Baupause im Jahre 1936 wendet sich übrigens "*etlt Parisien" mit ber Behauptung, dgß Frank- reich zu wenig und überdies veraltete Großkampf- jchtffe habe; wenigstens drei müßten ersetzt wor- 2 hie französische Flotte nicht über die im A>u befindlichen Fahrzeuge hinaus zu vergrößern. Dadurch werde, so glaubt der Matin, die französi- x , Delegation, die'schon die Tonnage bei ihren früheren Vorschlägen um 350 000 Tonnen herab- i^sttzt habe, eine neue Konzession machen. Dagegen verlange man aber Gegenleistungen seitens der anderen vier an der Seeabrüstungskonferenz teil- Nkbmenden Mächte. Jlali-n müsse nun auch etwas unternehmen. Seine Stellung sei sehr schwer ver- ?fn ar mit einer Politik des Friedens. Es be- ^ünke sich Darauf, fortgesetzt zu sagen, es wolle ’te Parität mit Frankreich.
Btianb hinter den Kulissen.
,C9lB Paris. 13 Febr. (Eig. Meld.) Die Rolle Irlands, der in den letzten Wochen von Tarbieu k.rQrt in den Schatten gestellt wurde, daß man ieine Anwesenheit bei den internationalen Ver
handlungen fast vergessen hatte, scheint nach Londoner Berichten wieder aktiver zu werden. Das Hauptziel der französischen Außenpolitik, die Aufrechterhaltung des „Status quo" durch Schaffung von Sanktionsmöglichkeiten gegen widerspenstige Staaten, hat Briand auch während der Fwtten- konserenz nicht aus dem wuge verloren. Wie das Oucure meldet, hat er gestern mit Hunderfon und Stimson „gewisse Maßnahmen zum Ausbau des Kelkogavaktes" erörtert, nachdem der Gedanke eines Mittelmeerpaktes, wie ibn Frankreich in feinem Memorandum vom 20. Dezemrer anger-at hatte, nicht das erwartete Echo gefunden bat. So gehen die französischen Bemühungen dabin, eine Verpflichtung ber Unter,ze'ch- ner bes Kelloga-Paktes zu erreichen, sich im Falle einer Kriegsdrohung zu verstmdioen, eine Verpflichtung, wie sie ^-"nkrstch, Amerika, Javan und Enalend binll-hllich des A^ko-^mens über den Süllen D*<mn vom D»z-mber 1921 übernommen haben. Damit würden die Einwendungen, die z. B. Rußland o-"n-n die ameri^nnllch-n Vorstellungen irn bat, k"nstia unmöglich.
Außerdem loll hie Verforonna e-n-s Landes. das d»n K^lcnna-Poet perfekt, mit Wallen, Munition und GebenmnitWn unterbunden w«rhon. Hierbei ro’"rbe sich Frankreich allerdings mit b^n ana-lsächsisch-f, Mächten ü-"r das grundlegende Drallem her Freiheit b»r Meere auseinanderzufetzen haben und man w-iß, daß aerobe der Präsident ber Rereiniaten Staaten die Unverletzlichkeit von Lebensmittelschiffen im Kriegsfall befürwortet.
Eine neue französische Denkschrift
Vanpanse im Jahre 1936.
nen Ordnungsruf).
Abg. Dr. Wendhausen (Christlich.-nat. Ar- beitsgem.) vermißt den amtlichen Widerruf t:-
Krtegsfchuldlüge im Haag.
Die Steuer-Probleme.
ERB. Berlin, 13. Febr. (Eig. Meldg.) Die interfraktionellen Verhandlungen werden weiter geführt, sobald die Fraktionen zu den Problemen Stellung genommen haben, die bisher zur Sprache gekommen sind. Im Vordergrund steht dabei auch weiter die Frage der Ar b e i t s l o f e n v e r s i ch e- r u n g. Wie gestaltet wird, das hängt in erster Linie davon ab, welchen Ausgang die Verhandlungen der Sozialdemokratie mit den ihr nahestehenden Gewerkschaften nehmen, die gestern eingelsitet worden sind und im Laufe des Tages weitergeführt werden dürften.
Die Saar-Frage.
VDZ. Berlin, 13. Febr. (Eig. Meldg.). Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat folgende Interpellation eingebracht: Es ist der einmütige Wunsch des gesamten deutschen Volkes, daß nach ber Annahme des Aoungplcmes das noch vom Reich getrennte Saargebiet schnellstens mit dem Deutschen Reich, wieder vereinigt wird. Bei den Verhandlungen über diese Frage muß es die Aufgabe der Reichsregierung fein, dafür zu sorgen, daß die Saargruben in die deutsche Verfügungsgewalt zurückkehren und die früheren Staats- Gruben den Vorbefitzern Zurückgegeben werden Wir fragen die Reichsregierung, ob sie bereit ist, darüber Auskunft zu geben, ob die Verhandlungen von der deutschen Delegation in Paris in bie'ent Sinne geführt werden.
V. 3. Z.
wtb. Mailand, 18. Februar. (Eig. Meld.) Die Mitglieder des Slusschusses für die Organisation der Bank für internationalen Zahlungsausgleich traten in Mailand zu einer Sitzung zusammen. Im Laufe der Besprechungen wurde, wie die Agencia Stefani meldet, festgestellt, daß die Arbeiten für die endgültige Organisation der Bank für mteraationakn Zahlungsausgleich dank der herzlichen Zusammenarbeit aller an der Gründung beteiligten Emissions- banken und der amerikanischen Gwß-Finanz rasche Fortschritte machen. Es wurde vereinbart, «die Präsidenten der erwähnten Emissions- ken demnächst in Rom zusammenkommen sollen, um zur Konstituierung der Bank zu gelangen und eine Verständigung über die Wahl der Mitglieder des Verwaltungsrates zu erzielen.
dreinpolternden Abgeordneten von Freytagh-Loringhoven sagte Dr. Wirth, man könne ja jetzt hier keine Seminarübungen abhalten, aber, der Zentrumsführer Professor Dr. K a a s, geschult im kanonischen Recht, könne sich doch sehr wohl mit dem deutschnationalen Völkerrechtslehrer messen. Heitere Zustimmung im ganzen Hause.
Dr. Wirth behandelte dann den fogenannten Zerreißungsfall, der gegeben wäre, wenn eine deutsche Regierung den Vertrag nicht mehr gelten lassen wolle. Aber auch bann müsse der Wille Deutschlands, den Plan zu zerreißen, ausdrücklich vom internationalen Schiedsgericht festgestellt werden. Aber, so meint Dr. Wirth, selbst wenn eine solche Regierung einmal in Deutschland ans Ruder käme, so wäre sicherlich ihre erste Amtshandlung, diese Verpflichtungen anzuerkennen. Das habe gerade die Kapp- Regierung gezeigt, deren Mitglieder die ersten waren, die zu den fremden Botschaften liefen, um ihnen zu versichern, daß an den internationalen. Verträgen nichts geändert werden solle! Diese« Ausfühningen Dr. Wirths wurden immerfort von lebhaften Zustimmungskundgebungen des Hauses unterstrichen, während die Rechte sich verlegen über die peinliche Situation hmwegzuhelfen sucht.
Minister Dr. Wirth beschäftigt sich dann sehr eingehend mit den Schicksalsfragen des rheinischen Landes und Volkes und erfiärt unter lebhafter Zustimmung des ganzen Hauses, daß, wenn der Neue Plan für irgendwelche Sanktionen auch nur noch die geringste Stütze bieten würde, die rheinische Bevölkerung dann lieber die Ketten des Versailler Vertrages noch länger trüge, als sich solchen Bestimmungen zu unterwerfen.
Dr .Wirth fordert das Haus auf, „mit der Lupe in der Hand" die sogenannte Sanktionsformel im Neuen Plan zu prüfen. Die deutsche Regierung sei sich bewußt, baß sie im Interesse des besetzten Gebietes wie überhaupt des ganzen deutschen Volkes, das nach Lage der Dinge Beste erreicht habe. Aber nun endlich Schluß mit dem Wort Sanktionen!
Es sprach noch Dr. Qua atz, der Helfershelfer Hugenbergs, der der Deutschen Dolkspartei einen „Fanatismus der Erfüllungspolitik" vorwars. Der Sozialdemokrat Heinia beschäftigte sich mit den Jnflationsgewinnen Hugenbergs. Es sprächen weiterhin einige Redner der kleineren Parteien, alle in ablehnendem Sinne. Ms Dr. Klön ne (Ehr. nat. Arb.-Gem.) das Wort erhalten sollte, stellte er den Antrag auf Unterbrechung der Sitzung, bis die Minister wieder erschienen wären. Daraus wurde die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen. In der wieder aufgenommenen Sitzung ergriff auch Reichssinanzminister Moldenhauer das Wort, um die Moratoriumsbestimmungen des Poungplanes zu erklären. Die daran geknüpften Befürchtungen feien übertrieben. Bei Ablehnung des Poungplanes sei unsere Lage weit schlimmer, beim dann müßten wir die weit höheren Beträge, wie sie durch den Dawesplan festgesetzt sind, bezahlen. Weiterberatung Donnerstag 12 Uhr.
Die Donnerstags-Sitzung.
VDZ. Berlin, 13. Febr. (Eig. Meldg.) Die erste Lesung der Nounggesetze wird fortgesetzt.
Abg. Stöcker (Som.): Im Ernst denken Sie (nach rechts) gar nicht an eine Bekämpfung der Ersüllungspolirik. Der Hauptgrund für die Verständigungspolitik war die Rettung ber kapital i st i s ch e n G e s e l i j ch a f t vor ber p r o-
FuldaerZeitung
H Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Iulda. Amtliches Kreisblatt.
C. N. D. Berl.n, 13. Februar. (Eig. Meld.) Eine her interessantesten Einzelheiten des neuen Reichshaushaltes ist die Tatsache, daß keine Rate für das „Panzerschiff B" vorgesehen ist. Man hatte ursprünglich daran gedacht, eine kleine Summe einzusetzen, die dann aus Einsparungen auf anderen Gebieten des Reichswehr-Etats so weit ergänzt werden sollte, daß mit dem Dau praktisch begonnen werden konnte. Angesichts des Fehlbetrages, den der Etat ohnehin aufweist, ist aber auch von diesem Plan Abstand genommen worden. Darüber hinaus dürfte der Verzicht aber auch starke politische Gründe haben, die vor allem dem Bestreben entspringen, der RegierungsKrali- twn weitere Belattungen zu ersparen. In politi- schen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die Etatsverhandlungen ohnehin außerordentlich schwierig sind und daß es deshalb unmöglich ist, erneut einen Konfliktstoff in die Debatte zu werfen, dessen Äen für den Zusammenhalt der Regierung r (Etatifierung des „Panzerschiffes A" bekannt sind. Da das Zentrnnr auf eine schnelle Wetterführung der Etatsberatungen drängt, würde nach Auffassung polittscher Kreise die Ansetzung des zweiten Panzerschiffes im Etat auch die Annahme des Pvungplanes fraglich gemacht haben. Unter diesen Umständen hat man es für richtig gefunden, den Bau zunächst zurückzustellen.
Die Reichstags-Debatte.
Nach der Rede des Abgeordneten Hoetzsch, die ein Zeugnis dafür war, daß man in Opposition stehen und doch sachlich bleiben kann und mit der darum in allen ihren Tellen auch eine sachliche Auseinandersetzung möglich ist, nahm unter gwßer Spannung des Hauses der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, das Wort.
Er gab ein ausgezeichnetes Expose der wirtschaftlichen wie überhaupt ökonomischen Grundlage des Poungplans in einer so meisterhaften und klaren Form, daß seine Ausführungen auch jedem berufenen sachverständigen Kritiker hätten Ehre machen können. Danach wandte sich Dr. Wirch dem Hauptteil seiner Ausführungen, nämlich der sogenannten Sanktionsfrage zu. Mit stärkster Zustimmung des Hauses rief Dr. Wirth aus: „Wie können wir überhaupt heute noch das Wort Sanktionen im Sinne des Versailler Vertrags in den Mund nehmen? Dieser Begriff ist ab geschafft und sollte von allen Parteien als ab« geschafft betrachtet werden!"
Die Sanktionen des Versailler Vertrags waren Maßregeln der Gewalt, die von uns von vornherein als „nicht-feindselige" und als „gerechtfertigte" Handlungen hingenmnmen werden mußten. Sanftionen in diesem Sinne sind nunmehr aus der Welt geschafft. Man hätte doch erwarten können, so sagte Dr. Wirth, daß wenigstens in diesem Falle die gesamte Opposition in der Der- tretung der Auffassung, daß nunmehr diese Sank- twnen verschwunden sind, mit allen Volksgenossen einig wäre. Leider ist das aber nicht der Fall. Der deutschnationale Abgeordnete Freytagh- Loringhoven hat den Bestimmungen des Wungplans eine Deutung gegeben, die den Nationalisten in Paris die gewünschte Gelegenheit bot, ihrerseits unter Zitie- nmg dieses deutschen Völkerrechtslehrers neue Forderungen zu erheben. Der Reichstag war über ein solches Verhalten eines deutschen Volks- verfteters und Professors auf das äußerste empört.
Dr. Wirth sprach aus, daß, wenn auch nur im geringsten der Begriff der Sanktionen im „Neuen Plan" eine Stütze fände, dann dieser Plan abge- lehitt werden müßte. Gerade im Zentrum hätten sich ja führende Männer sehr krittsch und entschieden zu diesen Dingen eingestellt. Dem immer wieder
„Panzerschiff B.“ nicht im Aal
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* Zwischenfall an der russisch-rumänischen Grenze. Dem Bester Llond wird aus Kischinew gemeldet: An der rumänisch-russischen Grenze ist es zu einem Geplänkel mit russischen Grenzwächtern gekommen. Mehrere Kuriere versuchten, rumänischen Boden zu erreichen, wurden aber von der rumänischen Wacke beschossen und mußten in ihren Booten auf russisches Gebiet zurückkehren. Einer von ihnen wurden verhaftet. Man fand bei ihm eine beträchtliche Summe m Dollars und Geheimurkunden. Im Zusammenhang mit dieser Verhaftung wurde in Bukarest ein leitender Beamter der Sicherheitspolizei, der wahrend der Regierung Bratianu Präfekt in Bessarabien war, als Haupi der russischen Spionageorganisation in Rumänien verhaftet. Weitere Verhaftungen sollen noch be- oorstehen. _____
WM-Schwierigkeiten in Vayeru.
Die Entscheidung des bayerischen Slaatsgerichls- hofes. — Die Artikel 42 und SS des bayerischen Landeswahlgesehes verfassungswidrig.
wtb. München, 13. Febr. (Cig. Meldg.). Der bayerische Staatsgerichtshof hat nach eingehenden Beratungen in der Frage der Verfasfungsmäßig- keit des bayerischen Landtagswahlgesetzes folgende Entscheidung ergehen lassen: Die Artikel 42 und 58 des bayerischen Landeswahlgesetzes in der Fassung vom 30. März 1928 verstoßen gegen die Reichsversassung.
Die vom Dersaisungsgerichtshof beanstandeten Artikel des Wahlgesetzes betreffen die Bestellung der 15 Landtagsabgeordneten, die bekanntlich nach dem Gesamt-Stimmenverhältnis von den Vertrauensmännern der einzelnen Parteien bestimmt werden. Der Landtag hat nunmehr auf Grund der Entscheidung des Staatsgenchtshoses die Wah.prü- fung vorzunehmen. Er wird auch nicht umhin können, das Landiagswah gesetz entsprechend der Entscheidung des Staatsaerichtshofes abzuändern.
Die Lage in Spanien.
wtb. Barcelona, 13. Febr. (Eig. Meld.) Die Studenten haben den Rücktritt des Rektors und des Zivil-Gouverneurs gefordert und zu diesem Zweck Straßenumzüge veranstaltet, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Studenten haben an die Ministerien telegraphisch ihre Forderung nach Abberufung des Zivil-Gouverneurs