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t.33. Xßifiltifl 2. BK

»ntttofl» ®« Aebruar 1930. ▼▼ V Vf V fc^JS V V V J» Druck der Auwa« Ackiendruckerel, Fulda.

Rund um dle Woche

Aeühling au der Amstel. Die Insel der Seligen, oder Sozialismus? Vas moderne

Die Schneeglöckchen im Haag mußte ich doch tehen. Statt dessen fand ich viel mehr. Das ganze Land hier um Amsterdam herum ist voll von Magnolien, Rosen und Tulpen. Gewiß smd sie ge­wachsen in Treibhäusern, aber man verkauft sie im Freien. An den Grachten, an den Ufern der Amstel zieht sich stellenweise eine ganze Frühlingsgirlande von Blumen hin. Darüber steht die Lenzsonne, und in den Masten der Schisse singt die Amstel Dill nun doch aus den Verhandlungen im Haag ein Völkerfrühling erblühen? Oder werden es nur Treibhauspflanzen bleiben?

Wie anders sind doch Land und Leute in Hol­land! Kommt man als Deutscher hierher, so meint man, es bilde sich auf einmal fester Grund unter den Füßen. Hier gab es nicht Krieg und Inflation. Her tiefe Friede über den Wassern ist niemals ge­hört worden. Gleichmäßig und ruhig sind die Kähn- der Kauffahrer hin und hergezogen. Man hat in den bunten Häusern, die festlich und froh am Was­ser stehen, niemals die Furcht vor einem allgemei­nen Erdbeben gekannt. Ordnung, Sicherheit, Hu­mor, das alles ist hier niemals erschüttert worden. Bei uns aber allenthalben Nervosität und Un­ruhe. Noch haben die Menschen den Glauben an die Zukunft nicht rriedergefunden. Die Not einigt uns nicht, weil jeder sich die Rettung auf verschie­denen Wegen denkt. Man spart auch nicht genug, sondern stürzt sich lieber in einen sinnlosen Fa­schingstaumel. Uhren, Kleider, Möbel trägt man in Masse zu den Psandlkihern, nur um wenigstens noch einmal tanzen zu können. Ja wirklich, man fühlt sich hier aus einer vulkanischen Gegend auf die Insel der Seligen versetzt.

Man fragt hier wohl einmal ängstlich, wie es denn mit der Gefahr des Kommunismus bei uns stehe. Ich antworte, daß gegen den Bolschewismus das ganze deutsche Volk zusammenhalte. Nein, diese Gefahr ist unmittelbar nickt so groß. Aber der Bolschewismus hat manche Verbün­de t e, an die niemand denkt. Alle jene sind es, die während der Inflation ihr Vermögen verloren haben und eine heimliche Verbitterung dem Staat gegenüber in der Seele tragen. Alle jene, deren geschäftliche Grundlagen fragwürdig geworden sind.

Kommunismus Europa. Somniphön.

Alle jene Arbeitslosen, die doch einmal das gefähr­liche Gefühl gespürt haben, wie es ist, Geld ein­nehmen, ohne daß man gearbeitet, ohne daß man dafür Pflichten erfüllt hat. Es sind auch die Ge­bildeten, die nicht mehr die Sicherheit des Glau­bens besitzen. Ja, es hat jeder Mensch so einen Bolschewisten in sich, etwas, das nach irgendeiner unbekannten Freiheit lüstern ist, etwas, das sich der rauschenden Woge vertrauen möchte, die das Schifflein des Lebens auf die große Flut hinaus- ivirbelt, etwas, das einmal alles in Stücke schla­gen möchte, Spiegel und Stuhl, Gläser und Fla­schen. Ihr braven frommen Leute, tut nur nicht so, denn bisweilen kokettiert auch ihr einmal mit dem Schwänzlein des Teufels, der sich heimlich in den Schlupfwinkel eurer Natur versteckt hält. Aus der Welt des Bolschewismus weht manchmal et­was herüber, wie der Geruch der Menagerie. Wit­tern chn die zahmen Haustiere, so wacht in ihnen irrtümlich der Reit von Wildheit auf, der aus den Zeiten vor der Zähmung sich noch erhalten hat. Uebrigens zeigt gerade die grausame Kirchen­verfolgung in Rußland, daß man dort nicht mehr aus der Sicherheit, der bolschewistischen Idee lebt, sondern in den Anfällen von Fanatismus und Hy­sterie. Gerade in diesem Schrecken kündet sich das Ende an.

Man fragt auch viel nach dem Sozialismus. Geht man dieser Frage nach, so zeigt sich bald, daß der Sozialismus viel gefährlicher ist, als der Bol­schewismus. In diesem Sozialismus von heute ist ja nichts mehr von der heroischen Begeisterung für eine Idee. Wie die Philister eines verspäteten und erweichten Liberalismus, sc geht es unzähligen So- ,mattsten um nicht anderes, als um die wohlbesetzte Tafel der Tische des Diesseits. Wenn es nicht reicht für alle, so werden wir eben sorgen, daß es in Zu­kunft weniger essende Mäuler gibt. Um das zu er­reichen, muß man das Naturgesetz und die christ­liche Sitte in der Ehe zersetzen. Man vergißt nur, daß die Menschen, je weniger es werden, um so anspruchsvoller austreten. Und wer wird, wenn denn alle nur Brötchen essen wollen, diese Brötchen eigentlich backen. Das sollen wohl die Sklaven tun, die in der sozialistischen Gesellschaft der Zu­kunft so unentbehrlich sein werden, wie sie es im­

mer waren, wenn alle Bürger nur genießen wol­len.

Es ist übrigens merkwürdig, wie die Fragen, die es bei uns gibt, auch m den andern europäi­schen Ländern lebendig sind. Aus der Gemeinsam­keit der gleichen Sorgen kann man schon auf die wachsende Gleichförmigkeit der europäischen Kultur schließen. Auch die Zukunft formt sich in ähnlicker Weise. Die Kalverstraat ist nicht anders wie ir­gendeine Friedrichstraße in Berlin, eine Hohe Straße in Köln, der Graben in Wen ober über­haupt eine Geschäftsstraße in Paris, Warschau oder Brüssel. Neue mächtige Hochhäuser oder Aehnliches steigt auf. Wie in den Zeiten der Gotik, so brestet sich ein und der gleiche Stil über ganz Europa aus. Auch dieser Anblick ist schön und eine neue Offen­barung des Menschen, der auch über diese seine Zeit hin fein Alles zur Ehre Gottes verkünden soll.

Noch eine Kleinigkeit. Was ist Somniphön? Ich hörte das Wort und jagte Kannitverstan. Es wär in der Nähe einer Nervenheilanstalt. Denk dir, wenn man heute irrsinnig wird bei uns breitet sich das ja schrecklich aus so macht man folgende Kur: 3 Wochen liegt man platt auf der Matratze. Spritzen sorgen dafür, daß man die ganze Zeit schläft und nur eben wach wird bei der Fütterung. Erwacht man dann aus diesem Schlaf, so ist man zwei Tage ganz verrückt und dann geheilt. Gleich morgen beginne ich mit dieser Kur und rate sie allen an, die in modernen Universi­tät en und Parlamenten ihre fünf Sinne verloren haben. Das also ist Somniphön.

Der Mann im Monde.

* Schwierigkeiten beim Heidelberger Univerft. kätsneubau. Nach einer öffentlichen Erklärung der Vereinigung Heidelberger Baugeschäfte sollen die Universitätsneubauten ms Stocken geraten fein, weil die mit ihrer Ausführung beauftragte Bau- arbeitergenossenischaft in Zahlungsschwierigkeit ge­raten ist. Nack der vom 8. Januar aufgestellten Bilanz sei nicht nur kein Vermögen vorhanden, sondern es liege sogar eine Ueberschuldung von rund 25 000 RM. vor. Die Vereinigung Heidel­berger Baugeschäft: erklärt, daß bei der Arbeits­vergebung grobe Verstöße gegen die Verdingungs­ordnung für Bauleitungen vorgekommen seien, denn danach dürften nur solche Firmen berücksich­tigt werden, die für die Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen die notwendige Sicherheit bieten. Auffallend sei es, daß bei der vergebenden Stelle

trotzdem noch Geneigtheit bestehe, den Auftrag an die Baugenossenschaft aufrecht zu erhalten, obwohl diese in Uebernahmeverhandlungen mit einer aus- tmrngen Genossenschaft stehe, so daß es möglich träte, daß eine Firma die Arbeiten übernimmt, die an der Submission gar nicht beteiligt gewesen fei. __________________________________

Von den Hochschulen.

Berufung eines Heidelberger «Belehrten an bas Valäslina-Insttlul. Der außerordntliche Professor der Theologie Arthur W e i ß e r in Heidelberg hat einen Ruf als Leiter des Deutschen Palästina-Instituts für Alter- tmnsforschung in Jerusalem erhalten.

* Der neue Oberpräsidenl von Pommern. Don de« preußischen Regierung ist, lautDass. Ztg,", für das Oberpräsidium in Pommern der bisherige Regierungs­präsident von Stettin v. Halfern in Aussicht genommen, der der Deutschen Dolkspartei nahesteht. Sein Nachfol­ger soll der bisherige Vizepräsident der Stettiner Regie- rung Terwil werden, der der Sozialdemokratischen Par­tei angehört. .

Wie wird das Vetter?

Heber Mitteleuropa herrscht in einer sehr gleichmäßl- gen Nordostströmung kräftiger Druckanstieg, der den Einfluß des über England liegenden Hochs rasch nach dem Festland hin sich ausdehnen läßt. Die Niederschläge, die heute überall als Schnee niedergingen, haben bereits sehr nachgelassen und sind im wesentlichen auf die Nord» ränder der höheren Gebirge beschränkt. Sei zunehmen­der Neigung zum Aufklären kommt die Ausstrahlung mehr zur Geltung, so daß die Temperaturen namentlich nachts noch erheblich sinken dürften.

Aussichten für Sonntag: Meist heiteres, trat« feites Frostwetter, abflauende Winde.

Temperatur-und VaromelerfiandinMda.

Mitgeteilt von Diplom-Optiker Sauerdorn.

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Barometerstand

Thermo-

(<mf Meereshöh« reduziert)

meterstand

7. 2. 6 Uhr abends

756,5 mm

+ 1,0° C

8. 2. 8 Uhr morgens

763,5 mm

1,0» c

8. 2.12 Uhr mittags

steigend 765 mm

- 0,5« C

Höchste Temperatur im Schatten am 7. 2. 4- 1,5* C

Höchste Temperatur in der Sonne am 7. 2. -f- 2,0° C

Niedrigste Temperatur

seit 7. 2.

- 3,6° C

Cigarette

rund

ohn e

UND CRlWER

Die tägliche Freude: meine RAMSES

Die grüne Saffianmappe.

Roman von Harold Effberg.

Copyright by Earl Dunker, Berlin.

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3n ihrer Jugend war es anders, da hatten sie in einem ktnen, eigenen Haus gewohnt, hatten die A nder die Zeften Schulen besucht, und im Sommer waren sie mit den Eltern und den belgischen Großeltern an die Nord­see nach Mittelkerke ober Nieuport ober nach Knokke gefahren Als Leo 15 Jahre alt war unb seine Schwe­ster 17 Jahre, waren sie einmal im Sommer sogar in Dftenbe gewesen und hatten die große Welt gesehen. Der Vater hatte Wert darauf gelegt, daß sein Junge nicht nur eine gute Schulbildung genoß, sondern daß et auch frühzeitig gute Manieren hatte und sich selbständig zu bewegen lernte. Durch die belgische Mutter hatten sie spielend Französisch gelernt, war es doch im wahrsten Tinne des Wortes chre Muttersprache, und für genü­gende Sprachkenntnisse im Englischen hatte die Schule ge­sorgt. Das war vor dem Knege gewesen. Wenn uns ber Vater jetzt sehen könnte, dachte Leo, als ihm dies olles durch den Kopf ging, und es ging ihm immer wieder durch den Kopf, wenn er in fein Zimmer trat Und das Silb der heiligen Cäcilie über seinem Bett ansah, das schon über seinem Kinderbett gehangen hatte.

Sem Vater hatte ihn mich daran gewöhnt, auf seine Garderobe zu achten.5e mehr Anzüge du hast", >atte der Vater immer gesagtdesto länger kannst du sie tragen, mit wenig Anzügen auszukommen, ist die übliche Sparsamkeit." Aber bas mockte auch das Motto des Tuchfabrikanten sein, der den Umsatz heben wollte. Und Leo hatte sich aus der Zeit, wo es ihnen noch gut g'ng, «ine ganze Reihe Anzüge seines Vaters mit nach Ber­lin genommen, die säuberlich auf Bügeln in dem ver­schlossenen Kleiberschrank hingen.Wat wollen Sie m;t de villen Anzüge?" hatte Frau Ritter einmal zu ihm ge­sagt". als sie versehentlich ben Schrank offen vorfand, ober es war ganz tu Anfang seiner Mietszeit gewesen, und da hatte der Anblick ihrem mit Dermieterpfandrecht Und ähnlichen Mietzinsvorst-llungen erfüllten Herzen »obigetan. Den gleichen Wert legte Seo auf schöne taffer, obwohl er diese jetzt so selten benötigte. Bor

wenigen Tagen noch hatte ihm sein Kollege, der Buck?« Halter, fern Leid über feine verfehlte Spekulation geklagt, und er hatte ihm aus lauter Lust an dem Besitz einen fast nagelneuen Toilettenkoffer mit silberner Einrichtung abgekaust. Glücklicherweise hatte der Mann sich den Koffer nicht mit Buchstaben versehen laffen, und jetzt lag er, fein säuberlich in Papier verpackt, oben auf dem so schön gefüllten Kleiderschrank. Leo setzte sich an seinen Schreibtisch aus dem bas Bild seiner Mutter, ein Bild seiner Schwester Sophie und in einem billigen, kleinen Rahmen eine anscheinend auf einer Postkarte gefertigte Photographie seiner Freundin stand. Vorsich­tig legte er die grüne Sastianmappe hin, um sie in das Schubfach seines Schreibtisches einzuschließen.

Plötzlich fiel ihm ein, die Mappe aukzumachen, um sestzustellen, wem sie gehörte: vielleicht war auch eine Adresse darin, und dann hätte er sie selbst dem Besitzer zurückbringen können. Bis 7 Uhr abends hatte er so­wieso Zeit und nichts zu hm. Vielleicht malte er sich aus, würde ihn der Besitzer einlaben, wenn er sie ihm brächte, und er würde wieder Gelegenheit haben, mit einem Menschen zu sprechen, der ber Gesellschaft ange­hörte, in der er früher sich zu bewegen gewohnt ge­wesen war. Bei seiner jetzigen Beschäftigung war fein größter Schmer, das Fehlen des Verkehrs mit Leuten, gleicher Herkunft und Bildunasstufe, Einmal die schö­nen Anzüge in einer gleichgestimmten Welt zu tragen, einmal wieder im Smoking durch ein mit dicken Teppi­chen belegten Spefferaum zu gehen, einmal wieder an einem schön geheckten Tisch mit gut angezogenen und feingebildete Menscken -u sitzen, das war fein Traum gewesen von dem Augenblick an wo er der kleine Bank­beamte in ber Devositenkasie am Kurfü-siendamm ge­worden war und die Kollegen von der Bank sein Um­gang wurden. M't ber Schwester kam er selten zusam­men. Die hatte es besser als er. die kam durch ihren (The? in feine Kratze wu-de auf Reisen mitgenoinmen wohnte in feinen Hotel« und mußte hin und m'eber mit dem Cd»f und seinen (Se<*5ftsf'eimben in schonen Re­staurants speisen. Da bll-b nicht viel Zeit für den klei­nen Bruder. Ja selbst Sonntag« leat° der ^-lchsao auf sie, wenn es nötig war, denn für diesen Mann hatte die Arbeitswoche 7 Tone.

Langsam hatte stch Leo an seine Umaebung gewöhnt, langsam feinen Geschmack dem seiner Mitarbeiter an- aevcckt, war schließlich mit ihnen abends ausgegangen.

Erst war es das übliche Glas Bier gewesen, in der verrauchten Stammkneipe, dann war es ein Kegel­abend der Beamtmvereinigung feiner Bank, schließlich ein Abend m einer Bundesversammlung, wo die Interes­sen der Beamten, die jetzt so schön Belange hießen, be- fprochen wurden, und dann, in einer vorgerückten Stunde, das Tanzlokal in Halensee und die dazu gehöri­gen Mädchen. Hier hatte er auch eines Abends Hilde kennengelernt, die eine Freundin irgendeines Kollegen zu seiner Gesellschaft mitgebracht hatte. Hilde, die ihn heute abend um 7 Uhr, wie immer am Samstag, abho­len mürbe.

Leo öffnete bie vor ihm liegende Mappe und zog ein darin befindliches Aktenbünbel heraus. Die Mappe trug auch auf der Innenseite keinen Namen, keine Adresie. Er schlug den Aktendeckel auf. Das Erste, was feine Augen erblickten, war ein norwegischer Paß, ver­ziert mit dem schönen Wappen Norwegens. Das Zweite, das seine Aufmerksamkeit als Bankbeamten mehr fesselle, war ein Scheck des Credet Lyonnais zu Paris auf 20 000 Schweizer Franken an Herrn Olfa Lilloe, nrt einer langen, unleserlichen Unterschrift. Das chm fofart daran auffiel, war, daß er nicht gekreuzt war. Nein, so ein Leichtsinn, sagte er sich, den kann ja jeder abhe­ben! So etwas trägt man doch nicht in der Aktentasche! Und das Dritte, was er in der Mapve fand, war ein Brief mit einem darangeheffefen größeren Aktenstück, Da seine Untersuchung von der Absicht ausgegangen war, den Eigentümer der Mappe aus dieser herauszu- finden, begann er den Brief zu lesen. Gerichtet war dieser Brief en Herrn Olaf Lilloe, Holzgroßhändler, in Drammen in Norwegen, und der Briefschreiber besten Unterschrift wiederum unleserlich war. hatte vorsichti­gerweise seinen Namen und seine Adresie auf dem Kopf des Briefes angebracht. Dieser Briefkopf trug den un- gewöhnlicken Namen Mottahus Sacharowitsch Vomer- natzki und datiert mar der B^ef f>otel L<"-d Byron. Rue Sord-By'wn. Vcn^s. d-n 22 Ostober 1926

Anscheinend gehörte allo b:e Mappe Herrn Olaf Lilloe, unb bas war wohl ber Herr mit dem fremdlön- bischen Akzent gewesen, der mittags den norwegischen Sckeck präsentiert hatte.

Leo blätterte werter, denn die Adresie in Norwegen konnte ihm nichts nützen. Aber das Aktenbündel, das | dem Brief anhing und anscheinend wohl mit dem Brief ' übersandt worden war, enthielt kein« Adresse, sondern £

wie Leo oberflächlich feststellte, «ine russische Konzessions­urkunde mit beglaubigter französischer Übersetzung so­wie Abschriften von verschiedenen Gutachten in sranzö- fischer und deutscher Sprache. Auch ein englisches Gut­achten schien dabei zu fein. Am Schluß kam noch ein Anhängsel mit einer ganzen Reihe Zahlen, bas wohl eine Rentabilitätsberechnung darstellte.

See entfaltete nunmehr den Paß, obgleich er sich bann eine Berliner Adresse nicht versprach. Der Paß lautete auf Olaf SiHoe, geboren am 11. Mai 1888 tu Drammen in Norwegen, war norwegisch geschrieben unb daher für Leo unverständlich. Das einzige, was für ihn lesbar war, war ein Dauervisum der deutschen Gesandt­schaft in Oslo und der Vermerk der deutschen Grenz­behörde vom 29. Oktober 1926. Aha, sagte er sich, ber Lilloe ist auf ben Brief aus Paris nach Berlin gefahren, ist am 29. abenbs angekammen unb hat am 30 fein schönes norwegisches Geld in deutsches umgewechselt, will dann nach Paris «eiterfahren und mit Herrn Pomernatzki über das Geschäft verhandeln, bas tr ihm in feinem Briefe vom 22. Oktober vorgefchlagen hat. Jetzt wirb ber gute Mann nicht abreisen können, wenn er nicht vorher feine Mappe wieder hat. Also auf Wiedersehen, Herr Lilloe, am Montag morgen. N S. wenn du noch weißt, wo du die Mappe gelaffen hast?

Er packte alles darin wieder zusammen und verschloß sie in seinem Schreibtisch. Dann steckte er sich seine Weife an und setzte sich mit der unterwegs besorgten Abendzeitung in einen bequemen Stuhl am Fenst-e, Nachdem er eine Weile gelesen hatte, ließ er die Zei­tung fallen So ein Mann hat es doch gut. ging es ihm durch den Kopf, ist Holzgroßhändler, also doch wahr» scheinkick wohlhabend, führt ein schönes Leben und be­kommt Briefe aus Paris von unbekannten Leuten die ihm große Geschäfte antragen, die ihn veranlasten, sein ichönes L-ck-n in Drammen Gott weiß, wo das liegt zu verkästen, sich in e-ren schönen Schlafwagen zu legen, ben ibn feine Sekretärin reserviert Hat. tmb noch Berlin und Papis zu fahren. Unb unfereing sitzt von neun bis ein Uhr unb drei bis sieben Tag für Tao an unserem Schalter, macht saubere Eintragungen in Bü­cher unb bas einzige, was uns »erboten ist, ist selb­ständiges Denken und selbständiges Geldverdicne».

tertfepuna folgt