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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Erscheint lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

57. Zahlt

m« "ll *m und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag ill’t» vl. der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

Freitag, 7. Februar 1930

:: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

Die Kassenlage des Reiches

Höhung.

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Der Leichsrak über die goung-Gesetze

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Der christliche Teil der Bevölkerung hält mit alle'.

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VDZ. Berlin, 6. Febr. (Gig. Meld.) Die ver­einigten Ausschüsse des Reichsrats beschäftigen sich heute und morgen vormittag mit dem Nach­tragshaushalt für 1929. Für morgen ist eine Bollsitzung des Reichsrats in Aussicht ge­nommen, in der der N a ch t r a g s h a u s h a l t verabschiedet werden soll.

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* Ankunft des neuen amerikanischen Botschaf­ters. Der neue amerikanische Botschafter Sackett ist in Begleitung seiner Gemahlin in Berlin ein­getroffen. Zu seinem Empfang hatten sich Vertre­ter des Auswärtigen Amtes und zahlreiche Mit­glieder der Berliner amerikanischen Kolonie ein­gefunden. — Frederick M. Sackett erklärte den Pressevertretern: durch frühere Besuche, die ihn al­lerdings vorwiegend nach Süddeutschland geführt hätten, sei ihm Deutschland und das gastfreund­liche deutsche Volk bereits bekannt; außerdem habe er in seiner fieimat Kentucky, unter deren führenden Persönlichkeiten sich eine große Zahl Deutschstäm­miger befindet, besonders gute Beziehungen zum Deutschtum unterhalten. In launiger Weise sprach der Botschafter von seinem Heimatstaat und des­sen Vorzügen, von seiner Washingtoner Arbeit als Senator und er kennzeichnete die amerikanische Einstellung zu den Fortschritten der deutschen Wis­senschaft und Wirtschaft als ein Element der freund-

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lassen, um es sozusagen präsent zu halten. Aus der anderen Seite würde der Reichswehrministec an anderen Stellen des Wehretats sehr viel grö - ßere Ersparnisse — man spricht von meh­reren Millionen — durchführen. Damit würde ohne Austrag der grundsätzlichen Frage vom Standprmkt der Finanznot des Reiches eine Zwi­schenlösung gefunden fein.

Schärfe an der konfessionellen Volksschule fest, uni zwar nicht aus irgendwelchen weltfremden Mo­tiven, sondern weil nach einer auch von aner­kannten Pädagogen, selbst solcher liberaler Rich­tung vertretenen Ueberzeugung, die Erziehung der .Kinder in vollkommenster Weise nur durch dies« Schuleinrichtung gewährleistet ist.

Auch- der liberale Lerer sollte infolge der Ent­wicklung in den letzten Jahren sich allmählich da­von überzeugt haben, daß Scheuklappen nicht durch konfessionellen Unterricht angelegt werden, daß religiöse Duldrmg, religiöser Friede und das für das Wohl des deutschen Volkes so notwendige fried­liche Zusammenleben der Konfessionen, daß kurz gesagt, der Sinn für Volksgemeinschaft nach bester Auffassung am sichersten durch die konfessionelle und nicht durch die Simultanschule gewährleistet wird. Der Raum reicht nicht aus, um dahin­gehende Aussprache bewährter Pädagogen hier anzuführen.

Wenn aber nach der Auffassung christlicher El­tern die konfessionelle Schyle die beste Erziehung sichert, wenn die christlichen Eltern auch nach der Versasiung von Weimar ein Recht daraus haben, die Schulen so eingerichtet zu erhalten, wie ee ihrer Weltanschauung entspricht, dann sollte aud ein von wirklich liberaler Gesinnung getragene: Mann die Richffgkest der Schlußfolgerung aner­kennen, die dahin geht: Der Erfolg des Unterricht: und der Erziehung ist mit in erster Linie beding durch die Persönlichkeit, die Tüchtigkest und dn Gesinnung des Lehrers!

Dann haben die Eltern aber auch ein Recht darauf, daß die für diese Schulen bestimmten Lehrer der konfessionellen SchuleinriÄtung ent­sprechend vorgebildet werden. Das ist der Grund, das ist aber auch die verfassungsmäßige Rechts­grundlage des Verlangens der christlichen Eltern, daß auch die Lehrerbildung konfessionell eingerichtet ist und bleibt.

Die Zukunft wird beweisen, daß nur auf diesem Wege ein friedliches Zusammenwirken aller Kon­fessionen herbeigeführt werden kann. Unsere Zei: ist wahrhaft so schwer, daß sie nicht auch noch durch konfessionelle Streitig feiten belastet werden

Der Ausverkauf der R.P.D.

Der Sozialdemokratische Pressedienst teilt mit: „Es steht fest, daß fest der Meilen Hälfte des Ok­tober die maßgebende kommunistische Instanz be­müht ist, die Druckereien und Gebäude der KPD möglichst schnell zu veräußern, und daß als letzter Termin dieser Veräußerung der 1. Februar in Aussicht genommen war. Es wurden zu diesem Zweck u. a. nicht nur mit dem Hugenberg-Konzern. sondern zugleich auch mit dem Elbmühl-Konzern Verhandlungen geführt, in deren Verlauf ein­gehende Besichtigungen der kommunistischen Druk- kereibetriebe und Äontrollen stattfanden, die ins­besondere einen genauen Ueberblick über die Ver­schuldung der K.P.D. gestatten."

*

In der Hamburger Bürgerschaft erklärte laut „Vorwärts" bet der Aussprache über den mißglück­ten Aufstandsversuch der K.P.D. der sonaldemokra- tische Redner Senator Ehrenteit, daß der Groß­vater des durch eine Kugel tödlich verletzten Lehr­lings der als Unbeteiligter in die ersten Zusam­menstöße hineingeraten war, mitgeteilt fja*, bei ihm seien Vertreter des K.P.D. gewesen und hät­ten die Unterschreibung eines Reverses anoetragen, d i e Leiche seines Enkels der K.P.D zur Beerdigung auszuliefern. Die K.P.D. werde die Beerdigungskosten übernehmen und ihm cußerdem noch 2 000 Mar? bezahlen. Dieses An­sinnen ist von der Familie mit Entrüstung ar ge= lehnt worden. Diese Mitteilung löste in der Bür­gerschaft stürmische Entrüstung aus.

deutsch-amerikanische Schuldenabkommen und Liquidativnsabkommen angenommen.

Rauscher berichtet.

schaftlichen Beziehungen, deren Pflege er sich an­gelegen ein lassen, werde.

* Sächsische Landvolkfraklion beantragt Kür­zung der Beamtengehälter. Aus Dresden wird gemeldet: Die Landvoikfraklion Hai im sächsi chev Landtag einen Antrag eingebracht, der eine Her­absetzung der Gehälter der Staats­beamten um 5 Proz. fordert und,die Regie­rung ersucht, auf die Gemeinden in gleichem Sinne einzuwirken.

* Zum Verschwinden des Generals Kutiepow Ueber bas Ergebnis der Nachforschungen nad) dem in Paris verschwundenen ehemaligen russischen Ge­neral Kutiepow sind oerfdnebenartige Gerüchte im Umlauf. Währenb der „Paris Midi" von einet Spur spricht» die nad) dem Norden Frankreichs und nach dem Hasen von Le Havre führen toll, erwähnt das gleiche Statt auch, baß die Polizei auch ihre Nachforschungen nach La Rochelle hin orientiert habe, in der Annahme, daß General Ku­tiepow von dort aus über Marseille nach Konstan­tinopel verschifft worden ist. Ferner erklärt das Blatt, baß ber Handstreich von zwei aus Berlin gekommenen Tichekabeamten ausgeführt worben fein soll, von denen der eine Kabeluk heiße. Die polizeiliche Haussuchung, die in einem von einem ehemaligen russischen General, der jetzt bei ber Sowjethanbelsbelegation in Paris angeftellt ist, be­wohnten Haus in St. Germain vorgenommen würbe, soll ebenfalls mit dem Verschwinden des russischen Generals Kutiepow im Zufammenhang stehen.

* Wiedereinführung alter spanischer Gesetze. Aus Madrid wird gemeldet: Der Staatsanzei­ger veröffentlicht eine Verfügung, durch die die ge­setzlichen Bestimmungen über die Berwaüw'gs- arib Rechnungsführung des Staates restlos ? '

hergestellt werden.

nach der Meinung vieler erfahrener Pädagogen längst überholte Auffassung von der Vorzüglichkeit der Simultcmschule -scheint auch trotz aller Er­fahrungen unausrottbar.

Wie eine Sage aus alter Zeit mutet ein Ar­tikel in Nr. 43 des „Berliner Tageblatts" vom 25. Januar an. Er trägt die wunderbare Ueberftfjrift: „Dolksbildner mit Scheuklappen?" und wendet sich mit alten, verrosteten Argumenten gegen die Ein­richtung konfessioneller pädagogischer Akademien. Also das glaubt man noch in liberalen Kreisen, daß konfessionelle Volksschule, konfessionelle Bildung eine Bildung mit Scheuklappen darf teile? Hält man nicht auch in liberalen Professorenkreisen die­sen Standpunkt für längst überholt?

Bezaubernd sind die Schlußsätze des Artikels! Sie wenden sich mahnend an Berlin, das demnächst eine pädagogische Akademie erhalten solle. Sie er­heben die rührende Mahnung, daß „Berlin seiner Tradition, für das Reich kulturelle Pionierarbeit zu leisten, hier am allerwenigsten untreu werden dürfe". Grandios folgt der Schluß: „Berlin hat hinsichtlich der Lehrerbildung den in der Reichs-. Verfassung ausgesprochenen Simultanschulgedanken den Weg zu ebnen!"

Was nicht alles aus der Reichsverfassung ge­folgert wird! Gewiß, sie kennt auch die Simultan- schule. Sie stellt aber darüber als entscheidendes Moment nach Art. 120 den Elternwillen. Auf Antrag ber Erziehungsberechtigten sollen in allen Gemeinden Volksschulen des Bekenntnisses ober der Weltanschauung dieser Erziehungsberechtigten eingerichtet werden.

Schon in der Nationalversammlung von Wei­mar hat niemand geglaubt, daß auf Grund ber Verfassungsbestimmungen der Mehrheit noch Simultanschulen eingerichtet werden! Im Gegen­teil, sogar demokratische Redner haben zugegeben, daß etwa 90 Prozent ber Schulen Deutschlands auch nach ber Weimarer Verfassung konfessionell eingerichtet sein würben, bann vielleicht 7 oder 8 Prozent religionslos, io daß nur ein kleiner Teil für Simultanschulen übrig bleibt.

An dieser Auffassung ist bis jetzt keine Aende- runa einaetreten Eher hat die Wertüüätzun-» der

mehr als bisher zu befriedigen. Angenommen wurde dazu ein Antrag Berlins, Schuldverschreibungen inländischer kommunaler Körperschaften ebenso zu behandeln wie die des Reiches oder der Länder; desgleichen wurden J>a§ Reichsbahngesetz, das die

Der deutsche Gesandte in Warschau, Rauscher, ist in Berlin eingetroffen. Sein Berliner Aufent­halt dient, wie der Börsen-Courier mitteilt, den mit der Ratifizierung des deutsch-polnischen Liguida- tionsabkommen zusammenhängenden Verhandlun­gen, außerdem wird der Gesandte über den gegen­wärtigen Stand der Handelsvertragsverhandlungen berichten. Die Warschauer Besprechungen werden während Rauschers Abwesenheit fortgesetzt, und zwar von den Fachreferenten der guftänbigen deutschen Ressorts.

Das geänderte Reichsbankgeseh

Die „Vosi. Ztg." veröffentlicht einen Auszug an­der Begründung zu der Aenderung des Reichsbank­gesetzes, in der auch Stellung genommen wird zur Ernennung des Reichsbankpräsidenten und des Generalrates der Reichsbank. In dieser Begrün­dung heißt es u. a.:

Die Wahl des Präsidenten durch den Generalrat war beibehalten, wobei dem Reichsbankdirektorium entsprechend seiner kollegialen Verfassung das Recht, vorher gehört zu werden, neu zugestand-'N worden ist. Ebenso erfolgt auch weiterhin die Er­nennung der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums nach Zustimmung des Generalrates durch den Prä­sidenten. — Bei voller Wahrung des Grundsatzes ber Unabhängigkeit der Reichsbank erschien es "je­doch angebracht, das bisherige beschränkte Destäti- gungsrecht des Reichsbankpräsidenten in ein echtes Bestätigungsrecht umzuwandeln. Ebenso ist die Be­stellung der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums fortan von ber Bestätigung durch den Reichspräsi­denten abhängig gemacht worden. Auf denselben Erwägungen beruht der Zusatz, wonach die Abbe- rufung des Präsidenten ober eines Mitgliedes des Direktoriums ber Bestätigung burch den Reichs­präsidenten bedarf. — Wahrend die schon bisher für eine Zuwahl oder Ergänzung des Reichsbank- birektoriums durch Wahl eines neuen Kandidaten erforderliche Zustimmung des Reichsbankdirekto­riums auf Grund eines einfachen Mehrheitsbeschlus­ses erteilt ober versagt werden konnte, soll jetzt die Zustimmung nur bann als versagt gelten, wenn Zweitdrittel der Mitglieder gegen den zu Wählen­den gestimmt haben. — Die neue Bestimmung, wo­nach eine Fühlungnahme des Vorsitzenden des Generalrates oder seines Stellvertreters mit ber Reichsregierung über die vom Generalrat für die Wahl in Aussicht genommenen Mitglieder vorge­sehen ist. bezweckt, der Reichsregierung die Mög- lichkeit zur Stellungnahme und zur Aeußemng etwaiger Wünsche über die Stellenbesetzung zu geben

Das Panzerschiff „Bu.

In ber Presse vaar die Behauptung aufgeftell: worden, die Frage der Etatsansätze für das Pan­zerschiff ,/B" werde einen wichtigen Raum in den Kabinettsberatungen über Den Haushaltsplan spie­len. Das dürfte, wie das „Berl. Tageblatt" mit­teilt, nicht der Fall gewesen sein. Das Kabinetr bemüht sich vielmehr, den Konflikt in seinen eige­nen Reihen zu vermeiden. Als ein Weg hierfür, wird in Regierungskreisen ber Vorschlag betrachtet, das Schiff im Etat mit einem nomiellen, gering­fügigen Betrag — 100 000 Mark — erscheinen ru

bürg und Niederschlesien ab. Der sächsische Ge­sandte erklärte, daß Sachsen trotz schwerster Be­denken für den Poungplan stimmen werde. Bei der Abstimmung enthielten sich außer den schon genannten Ländern auch die Bayern der Stimme.

Im Reichsrat wurde weiter das Reichsbank­gesetz mit einer Entschließung angenommen, in der "die Reichsbank ersucht wird, auch den dmmu- nalen Bedarf in den entlegenen Reichsgebieten

wtb. Berlin, 6. Febr. (Eig. Meld.) Nach Mit­teilung des Reichssinanzministeriums stellte sich die Kassenlage des Reiches am 31. Dezember 1929 wie folgt: Kassen-Sollbestand 1857 Mill. Verwender wurden von diesem Betrag 1823 Mill. Der Kai- fenbestand bei der Reichshauptkasse und den Au­ßenkassen betrug also Ende Dezember 34 Mill. Die Reichsschuld betrug am 30. September 1929 8429,6 Mill. Mark, am 31. Dezember 1929 8416,8 Mark, die schwebenden Schulden am 30. November 1319,2, am 31. Dezember 1691,1 Millionen Reichsmark.

Moldenhauers Pläne.

Das Reichskabinett hat sich mit dem Etat für 1930 und mit der Sanierung der deutschen Finan­zen beschäftigt. Am Freitag soll mit den Parteisüh- rern über diese Frage verhandelt werden. Der Reichsfinanzminister rechnet mit einem Defizit im neuen Etat in Höhe von 700 Millionen Mark. Zur Deckung dieses Defizits will der Reichsfinanzmini­ster den Haushalt des Reiches zunächst von den Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung be­freien. Schätzungsweise würde die Summe, die diese Versicherung im neuen Etat in Anspruch neh­

men würde, sich auf rund 400 Millionen belaufen. Moldenhauers Plan geht dahin, der Arbeitslosen­versicherung die Kredite, die sie nötig hat, durch die Angestelltenversicherung und die Landesver­sicherungsanstalt geben zu lassen. Diese Regelung soll zunächst für zwei Jahre gelten. Es ist aber damit zu rechnen, daß von sozialdemokratischer Seite gegen diesen Plan Widerspruch erhoben wird. Der verbleibende Fehlbetrag soll durch eine Er­höhung der Diersteuer, die 180 Millionen ein- bringt und eine Erhöhung der Umsatzsteuer um V-i Prozent (Ertrag 190 Millionen) gedeckt werden. Im Falle der Ablehnung der Umsatzsteuer im Reichstag denkt man sogar an eine Verdoppe­lung der geplanten Sier ft euerer-

Attentat in Mexiko.

Wie Associated Preß aus Mexiko melde! : ein junger Mann se chs S ch üs se auf den P räji- deuten Rubio ab, als dieser nach der Ein­führung in fein Amt den Nationalpalast ver> ließ. Der Täter wurde festgenommen. Der Wager des Präsidenten setzte die Fahrt nach der Privat­wohnung Rubios fort.

Nach einer Meldung der Associated Preß feien die Schußverletzungen des mexikanischen Präsiden­ten, obwohl ein Knochenstück am Unterkiefer ent­fernt werden dürste, nicht als gefährlich auzusehen und die Aerzte hoffen, daß der Präsident in einigen Wochen wieder hergestellt sein wird.

Durch die von dem Attentäter abgegebenen sechs Schüsse wurden auch die Gattin des Präsiden­ten und seine kleine Nichte Ofelia Ortega leicht verletzt.

Der Attentäter erklärte bei seinem Verhör im Nationalpalast, er heiße Daniel Flores und sei 22 Jahre alt. Er sei ein Anhänger von Jose Vasconcellos, des Kandidaten der Partei gegen die Wiederwahl eines Präsidenten, der im Wahlkampf bon Rubio geschlagen wurde.

Der Reichsrat hat den „Neuen Plan" mit 48 : 6 Stimmen bei 12 Stimmenthaltungen ange­nommen. Desgleichen das Reichsbahn- und das Reichsbankgeset^ Bei der Entscheidung über bas Rahmengesetz für die verschiedenen ßiqu’bafions» abkommen beantragte ber Vertreter Ostpreußens die Streichung des polnischen A b f o m« me n s. Dieser Antrag wurde mit 37 : 21 Stim­men bei 8 Stimmenthaltungen abgelehnt und das Rahmengesetz, also einschließlich des polnischen Liguibatiansabkommens, mit 43 : 12 Stimmen bei 11 Stimmenthaltungen angenommen.

Während ber Sitzung kam es zu einer Ansei- nanberfetzung zwischen dem bayerischen Mi­nisterpräsidenten und den Reichsministern E u r t i u 5 und Moldenhauer. Der bayeri­sche Ministerpräsident stellte nämlich den Antrag auf Vertagung der Beratungen bis zu dem Augen­blick, wo man die Vorlage gleichzeitig mit dem Etat und dem Finanzausgleich verabschieden könne. Ohne eine Sanierung ber Reichsfinanzen sei es unmöglich, das Haager Abkommen zu erfüllen. Ueberdies fei dies Abkommen wiederum auf der Kriegsschuldlüge aufgebaut. Darauf erwiderte ber Reichsaußenminister Dr. Eurtius mit folgender

Erklärung:

„1. Die gegenwärtige Reichsregierung hat, wie alle anderen, stets gegen das Kriegsschuldurteil des Versailler Vertrages protestiert und wirb alles daran fetzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

2. Die Reichsregierung hätte niemals einen Ver­trag vertreten, der die Anerkennung dieses Kriegs- schuldurteils in sich geschlossen hätte."

Reichsfinanzminister Dr. Mo Ibenhauer gab den sachlichen Zusammenhang zwischen den Haager Vereinbarungen und der Finanzresorm durchaus zu. Er habe sofort nach Uebernahme sei­nes Amtes die nötigen Arbeiten eingeleitet. Diese feien zwar durch die Haager Konferenz aufgehal­ten, aber auch während der Haager Tagung weiter verfolgt worden. Er mache daraus aufmerffam, daß gegenüber der Finanzlage im Dezember Ver­schlechterungen eingetreten seien, namentlich durch die Steuerrückgänge und die stärkere Arbettslofen- ziffer. Dies habe zusammen mit dem Schulbentil- gungsgesetz einen „Neuen Plan" nötig gemacht. Auch die großen Länder rechnen mit einem Defi- 3tt. Das Kabinett wird sich heute mit dem „Neuen Plan" beschäftigen. Ende nächster Woche werden die Finanzminister der deuffchen Länder in Berlin zusammenkommen. Es fei fein Geheimnis, daß aud) der Etat für 1930 mit einem nicht unerhebli­chen Defizit abschließe. Schon die Frage der Auf­bringung der Mittel für diesen Etat berühre den Finanzausschuß gleich sehr stark. Er sei daher durchaus damit einverstanden, daß die Frage der Sanierung gemeinsam mit den Ländern geprüft und gemeinsam mit den Ländern durchgeführt werde. Während aber die Sanierungsfrage gelöst werden müsse, sei es unmöglich, in 8 ober 14 Ta­sten die Finanzreform zu verabschieden. Es liege auch nicht im Interesse der Länder, wenn das Reich diese Frage lediglich vom Standpunkt der Energie aus lösen wollte. (Bewegung). Die größt­mögliche Beschleunigung sage er zu. Vorausset­zung jeder Sanierung fei aber die Annahme des Boungplanes und zwar ohne lange Verzögerung. Erst nach dieser Annahme s-i die Sanierung prak­tisch möglich. Am ernsten Willen dürfe man nicht zweifeln. Den Antrag des bäuerischen Minister­präsidenten auf Absetzung der Abstimmungen bis zur Erledigung der Finanzreform bitte er abzu- lehnen, weil seine Annahme die Interessen der Länder selbst schwer schädigen würde.

In ber Abstimmung fand der Anttag Bayerns auf Vertagung nicht die nötige Unterstützung. „ Dor der Gesamtabstimmung über den Poung- Plan gab der mecklenburgische Gesandte die Er- tlärung ab, daß Mecklenburg-Schwerin ^war den Boungplan verwerfe, aber sich der Abstimnmng enthalte, um nicht den Vorwurf auf sich zu la­den, daß es die Befreiung der Rheinlande ver­zögere. Der thüringische Bevollmächtigte erklärte, daß Thüringen gegen den Poungplan stimmen werde. Eine gleiche Erklärung "gaben die Vertreter dar Provinzen Ostpreußen. Pommern, Branden-

Die Einrichtung unseres Volksschulwesens

Von Reichskanzler a. D. Dr. Marx, M. b. R

Die starken Gegensätze in der Beurteilung ber I konfessionellen Schuleinrichtung noch zugenommen konfessionellen ober simultanen Einrichitung unseres 1 rr-l< ------UXft •~u

Dolkssckiulwesens scheinen auch im Laufe ber Zeit eine Milberung nicht erfahren zu habe«. Die alte,

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