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Auf hoher See.

Still, still, Kind es war ein Traum.

2)ie Wellen grün und weiß der Schaum.

rollt durch den Sonnenschein, blitzt und zerstiebt, war ein Traum, daß es Rosen gibt!

war ein Traum, daß ein deutscher Wald hoch über dir seine Wipfel geballt, und daß dort, von Menschen wie du gesehn, Berge, Täler und Städte stehn!

Schon' seit Tagen sahst du kein Streifchen Land, hinter dir liegt, was du Welt genannt.

Mn gibt's kein Leid mehr und keine Lust, nun schlägt kein Herz mehr in deiner Brust! Das Segel blitzt, die Welle schäumt, es war ein Traum, wie ein Kind ihn träumt, der Schornstein raucht, die Möwe fliegt, nichts, nichts, so weit dein Auge steht — nur:

Himmel und Wasser!

Arno Holz.

3tmg Land, HeM

Lin Abkommen zwischen Jungmännerverband und Dolksverein.

Landvolk in Not! — so hört ihr es jetzt allent­halben durch deutsches Bauernland. Und es ist ja zu wahr. Ihr spürt es selbst am eigenen Leib. Ihr leidet es seit Jahr und Tag mit in eurer Familie, in eurer Wirtschaft. Und doch, ihr Jungmänner vom Lande, ihr dürst den Kopf nicht hängen, ihr dürft die Hand nicht sinken lassen! Gottes Sonne lacht noch im­mer über euren Fluren. Gottes Tau netzt noch immer eure Saaten. Gottes Allmacht schützt noch immer euren Herd. Gottes Liebe erlöst noch immer eure Herzen.

Darum ruft es zu Beginn des neuen Jahres 1930 mit uns stark und fröhlich ins Bauernland hinein: Jung Land, Heil!

Jung Land — woher aber der neue Name? Das brauch ich euch nur kurz zu sagen, und ihr werdet alle freubig einstimmen. Zwei katholische Organ!- sationen haben sich bisher um das katholische junge Landvolk gekümmert, um sein leibliches und geistiges Wohl mitgesorgt und mitgearbeitet: Der

Dolksverein

für das katholische Deutschland und der

katholische Jungmännerverband

Der Volksverein hat dem Landvolk in wirtschaftlichen, technischen und volkspolitischen Fragen Aufklärung ver­schafft in Versammlungen, Vorträgen und durch die Presse. Er hat im besonderen für die Jungbauern Kurse gehalten, Bauernhochschulkurse, um sie für ihren Beruf in der väterlichen Wirtschaft, wi« im Dorf und in der ganzen Landkulturarbeit vorzuschulen. Der Iung- männerverband hat seit zwei Jahren das gleiche getan, hat ebenfalls Jungbauemkurfe gehalten, Iungbauern- verfammlungen und Dorfführertagungen. Hat aber im blonderen sich auch der jüngeren Landjugend ange­nommen; hat wie seit Jahrzehnten so jetzt mit besonde­rem Eifer die katholische Landjugend in den Kongrega­tionen und Jungmännervereinen des Landes gesammelt und organisiert, um sie für ihre Lebensaufgabe vorzube­reiten. Da und dort stießen nun — das konnte nicht ousbleiben — die beiden Verbände in ihrer Arbeit auf­einander. Volksverein und Jungmännerverband kamen in die gleichen Orte, an die gleichen Leute. Und, was besonders schwierig war, beide wollten und mußten na­turgemäß auch dahin arbeiten, daß ihre beiden Zeit­schriften im Lande sich einbürgerten und verbreiteten. Das aber konnte nicht gut tun.

Daum haben sich Volksverein und Iungmänneroer- band in mehreren Konferenzen mit der Sache befaßt und haben über ihre Zusammenarbeit für das junge Bauern­volk ein Uebereinkommen getroffen. Danach bleibt die volksbildnerische Aufgabe für das Landvolk vor allem Lache des Bolksoereins; feine Dolksbildungsarbeit, seine Kurse und seine Bauernhochschule soll von uns allen unterstützt und gefördert werden. Sache des Jung- männeroerbandes aber bleibt die Organisa­tion der Landjugend, der Jungen wie der Jung­männer, der Jungbauern wie der jungen Landarbeiter. Sie in unseren Kongregationen und Sodalitäten, in un­seren Jugend- und Jungmännervereinen zu sammeln und für Beruf, Familie u. Volk im Namen Christi und sei­ner Kirche zu bilden und zu schulen, dieser Landjugend über auch Freude zu bringen und eine frohe Jugend zu bereiten — das ist Aufgabe des Jungmänneroerband

Und die Zeitschrift? Das soll fortan eine fern: •Jung Land", Herausgegeben vom Jungmännerverband für die Jungmänner auf dem Lande. Für die Jun- Sen, 14—17 jährigen, bleibt ja wie bisher die Zeit- fchrist „Jung Wach t". Der Volksverein gibt für feine Kursteilnehmer nur noch ein Mitteilungsblatt heraus.

So ist das Uebereintommen. Ihr alle werdet euch des­sen freuen. Endlich wieder katholische Gemeinschafts­arbeit; in Einheit und Kraft voran! Und ihr werdet

deshalb um so freudiger einstimmen in das Jung Land, Heil!

Und nun an die Arbeit: Aloys Seyock, der Mann des Wortes; und David G a t h e n, der Mann der Feder, sie werden euch mit ihrem Wort und ihrer Feder dienen, mehr aber noch mit der ganzen Kraft ihres jungen Her­zens. Wissen und Bildung, Technik und Fortschritt sollen euch diese Blätter bringen. Mehr noch aber Frieden, Freude und Fröhlichkeit.

Aber auch ihr an die Arbeit! Es gilt nicht nur ein Lesen der Zeitschrift. Nein, es gill viel mehr: ein Mit- 6 ab eifein, ein Mitdenken und Mitfühlen, ein Mitarbeiten und Mitschaffen — es muß vorwärts gehen im Jugend- reich der Gotteskinder auf dem Lande! Große Aufgaben stehen vor uns. Gerade jetzt in der Notzeit des Bauern- volkes und feiner Jugend!

Darum setzt die Pflugschar in den ewig jungen Boden deutschen Bauernlandes! Fest die Hand darauf und vor­wärts den Blick. Reißt auf den Herzgrund deutschen Junglands! Auf daß rechter Same darein falle und tiefe Wurzeln greife. Auf daß neu werde, was unser ist. Es muß wachsen und sprossen die junge Saat. Es muß Ernte reifen. Es muß wieder Frühling werden froher Landmannshoffnung. Es muß wieder Sommer werden rechten, schlichten Baa- ernwohlstandes. Wohlan denn, setzt den Pflug tief ins junge Erdreich!

Und nun in Fröhlichkeit:

Frisch auf, wir sind bereit! Es helfe uns der liebe Gott Zum Sieg aus aller Not!

Generalpräses W o l k e r.

An alle, die Kaufmann werden.

Man schreibt uns:

Bald wird eine große Schar katholischer Jugend die Schule verlassen. Doller Erwartungen und Hoffnungen, mit dem Willen, vorwärts und aufwärts zu streben, wer­ben die meisten ins Leben hinausstürmen. Kaufmann zu werden, das wird vielen als das beste Ziel ihres Strebens dünken. Doch die Wirklichkeit des Berufes wird sie bald darüber belehren, daß auch hier die Tüch­tigkeit und der Erfolg nur schwer erkämpft wird. Die Enttäuschungen des Alltags im Berufsleben werden schon bald an den jungen Lehrling herantreten und vielleicht wird bald anstelle der Berufsfreude Berufsverdrossenheit

vorherrschen. Aber wollt Ihr das, katholische Kauf­mannslehrlinge?, oder ist nicht gerade im Kaufmanns- berufe eine ständige Spannkraft und Berufsfreude not­wendig?

Da scheint mir eine Jugendgemeinschaft das Rechte zu sein, um immer wieder von neuem beruf­liche Anregungen zum Weiterschreiten zu geben, eine Jugendgemeinschaft von gleichgesinnten Berufs- und Al­tersgenoffen auf derselben religiösen Grundlage. Den Jugendbund kann ich Euch nennen: Es ist der Jugend­bund im Verbände katholischer kaufmännischer Vereini­gungen Deutschlands, Sitz Essen, ober kürzer gesagt, der Jung-KKV. 12 000 katholische Jungkaufleute ent­bieten hier dem neuen Lehrling ihren Willkommen­gruß. Eine jugendfrohe und schaffensfteudige Gemein­schaft heißt den jungen Kaufmann in ihren Reihen schon jetzt willkommen!

Berufliches Borwärtsstreben ist der Leitgedanke un­seres Gemeinschaftslebens. Ständige Anregungen in Vorträgen und Kursen, die von erfahrenen Leuten ge­halten werden, sollen uns im Berufe weiter ertüchtigen. Aber auch in den kaufmännischen Fähigkeiten, fo beson­ders in der Stenographie, schulen wir uns im Jung- KKV. Hieran schließen sich unsere besonderen Bran­chenzirkel. Es folgen Lernfahrten durch alle industriel­len Gegenden Deutschlands, die uns unseren Gesichts­kreis erweitern helfen. Noch auf mancherlei andere Art versuchen wir es, beruflich vorwärts zu schreiten. Bei all diesen Arbeiten steht uns Jung-KKVern als gro­ßes Ziel vor Augen, immer mehr in unseren Beruf hineinzuwachsen und hierin wirklich Tüchtiges zu leisten. Die heutige wirtschaftliche Lage zwingt ja jeden jungen Kaufmann dazu, alle seine Kräfte einzusetzen, um sich im Wirtschaftskampfe zu behaupten. Nur durch so­lides Wissen erobern wir die Welt!

Aber glaubt nicht, daß wir Jungen bloße Streber und Kopfhänger sind. Ein ftoher, jugendlicher Ton, ein echtes, jugendfrisches Gemeinschaftsleben, das sich auch in Spiel und Sport bei uns auswirkt, herrscht in unseren Reihen. Auch auf den anderen Gebieten geben wir uns gegenseitig Anregungen. Wer uns kennt und in unseren Reihen steht, wird das jedem von Euch be­stätigen können.

Kacholische Kaufmannslehrlinge, die 12 000 katholi­schen Jung-Kaufleute, die sich tm Jung-KKV, zu- sammengeschlossen haben, erwarten Euch. Sie bieten Euch ihre Hand zum Willkommengruße bar. Schlagt ein!

Af/zy

Schicksal ist, mitten in bie Zeit hineingestellt zu fein. Als katholische Menschen nehmen wir dieses Schicksal auf uns. Wir weichen vor den Schwierigkei­ten, die sich uns entgegenstellen, nicht zurück, sondern wir stellen uns mitten in die Front hinein und kämpfen für die Erneuerung: „Christus, Herr der neuen Z e i t". Damit ist der Weg der katholischen Jugend klar bestimmt. Ihre tieffte geistige und religiöse Le- grünbung findet diese Haltung in dem Aufruf des Hl. Vaters zur Katholischen Aktion, der geroiffer- maßen ein Besinnungsruf an unsere religiösen Kräfte ist, die stärker als bisher in der menschlichen Gesellschaft wirksam gemacht werden sollen. Die heutige Einstel­lung weitester Kreise der katholischen Jugend zeigt, daß dieser Ruf des Hl. Vaters bei ihr nicht ungehört ver­hallt ist. Auch die Gründung der „Katholischen Jugend Deutschlands" kann als der äußere Ausdruck der Akt,- vierung der katholischen Jugend für bie katholische Tat innerhalb der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung be­zeichnet werden."

Aus dieser Grunbeinstellung heraus wirb und mutz di« katholische Jugend an die Behandlung der praktischen Fragen Herangehen. Bon hier aus betrachtet sieht sie auch bie

sozialen und wirtschaftlichen Fragen.

Sie weiß, daß es nicht allein bie Form ist, bü zu ben heutigen unglückseligen Verhältnissen auf sozia- lern unb wirtschaftlichem Gebiete geführt hat, sondern daß die Wurzel letztlich im herrschenden Zeitgeist, jenem verstandesmäßigen, diesseitigen, materialistischen Geist begründet liegt. Diesem Zeitgeist gegenüber ist mit einer bloßen Zuständereform, wie sie der Sozia­lismus will, nichts getan. Notwendiger ist die innere Umgestaltung, bie der Sozialismus übersieht, wofür er keinen Sinn hat, weil er ebenfalls ein Produkt des Zeitgeistes ist. Dagegen lehnt katholische Jugend ben Sozialismus ab. Er wird nie eine soziale Er­lösung bringen, sondern nur Weiterführung des ver­derblichen Zeitgeistes. In diesem Punkte muh kacholische Jugend stark fein. Hier kann und bars sie keine Kon­zessionen machen. Mehr denn je sind gerade heute in dieser Frage klare Fronten notwendig. Und unsere Stärke wird um so größer, je klarer hier unsere Hal­tung und geschlossener unsere Front ist.

Auch im

Politischen

ist die katholische Jugend zu einer ft ä r f e r e n Akt, vitat erwacht Die weithin vorherrschende teilnahm- lose unb gleichgültige Haltung ber letzten Jahre ist ei­ner steigenden Anteilnahme am politischen Geschehen ge­wichen. Aber woran es bis heute bei uns noch fehlt, ist eine klare, einheitliche, geschloffene staats- unb par­teipolitische Haltung. Währenb rechts unb links von uns junge politische Bewegungen mit eigener staais- unb parteipolitischer Haltung sich formen, gibt es bei uns Menschen, die glauben, eine gewisse politische Neutralität beobachten zu müssen, weil hier und da die Meinungen auseinandergehen. Diese Einstel- lang ist auf die Dauer unhaltbar. Denn während mar. sich in ber katholischen Jugend einer gewissen politischen Neutralität befleißigt, brechen von allen Seiten politi- sche Strömungen in unsere Reihen ein, um bei uns Men­schen zu gewinnen. So wird unsere Neutrali­tät mißbraucht und einer Sache dienstbar, die wir nie und nimmer gutheißen dürfen. Sonst besteh: ■j.t große Gefahr, daß wir zwischen den von rechts und links ein stürmen den Bewegungen politisch noch mehr auseinanbergefprengt, zerrieben unb damit zur politischen Bedeutungslosigkeit herabge- drückt werden. Es ist höchste Zeit, daß wir demgegen­über mit aller Entschiedenheit Front machen unb unsere Kräfte zu einer staats- unb parteipolitischen Haltung ertüchtigen, die keinen Zweifel darüber aufkommen läßt, wo und wie wir als katholische Jugend politisch stehen, selbst auf die Gefahr hin, daß darob einzelne von uns weggehen und politisch ihr Heil in einem anderen Lager suchen. Die Zeit verlangt klare Entschei- düng und eindeutige Haltung. Aengstliche- Zurückweichen unb Unentschiedenheit ist gleichbedeutend damit, den anderen das Feld zu überlassen und unserer- feits auf politischen Einfluß zu verzichten.

Unser Volk steht besonders im Politischen vor schwe­ren Entscheidungen. Staatspolitisch nämlich spüren wir mehr und mehr, daß die äußere Form noch lange nicht den wirklichen Volks- ftaat gewährleistet, daß bie Erneuerung unse­res Staatslebens nur aus den inneren Kräften bes Dolkstums heraus kommen kann. Der heu­tige Staat wird nie der wirkliche Staat des Volkes fein, solange er sich vorwie- genb auf äußere formaldemokratische Einrichtungen stützt, solange es ihm nicht ge­lingt, die tiefsten Kräfte des Volkstums, ber Liebe, des Vertrauens, der Gemeinschaft und ber Sitte sich zu erwirken. Deshalb müssen wir uns auch hier in die Front stellen, bie biese innere Erneuerung des Staates aus den Kräften des Volkstum will.

Berantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec publ. Joseph Sauer- Fulda.

Um bie Einheit ber katholischen Jugend Deutschlaubs.

Als das Ergebnis eines langen Ringens unb einer starken geistigen Auseinandersetzung wächst langsam die einheilliche große Front der katholischen Jugend Deutsch­lands. Wohl gibt es viele Bünde inb Verbände, aber die meisten fühlen sich bewußt als Glieder einer gro­ßen Bewegung. Seinen sichtbaren Ausdruck hat diese Entwicklung in dem Zusammenschluß der kathol. Iu- genboerbänbe zur „Katholischen Jugend Deutschlands" gefunden. Jetzt gilt es, die Ge­danken einer katholischen Jugendgemeinschaft der Tat bis in das letzte Dorf hinauszuttagen und dort zu ver­wirklichen. Vielleicht können die Ausführungen, die Wil­helm Jansen in den „Stimmen der Jugend" macht, in dieser Richtung eine klein« Anregung geben. Er schreibt da u. a.:

„Die letzten 10 Jahre sind eines der leidvollsten Ka­pitel deutscher Jugendnot. Hilflos und erschüttert stand die Jugend nach dem verlorenen Kriege da. In der Revolution erlebte sie Deutschlands tieffte Not. Der politische, soziale und wiickschastliche Kamps im Innern ließ die lebendigeren Kräfte innerhalb der Jugend verzweifeln. Braucht man sich da zu wundern, daß diese Jugend, die in einen Zusammenbruch von solchen Ausmaßen hineingestellt war, seelisch erschüttert und ruhelos durch die Welt irrte? Daß diejenigen Men­schen, die innerlich heimatlos waren, sich abseits von ben öffentlichen Heerstraßen eine neue Welt schaffen wollten, «in eigenes Reich unter ber Parole „Losvom Alte n"? Es waren diejenigen, die mit Fiedeln unb Klampfen eine neue Welt erwandern wollten. Auf ein­samen Bergen, in Bauernstuben, bei Nestabenden mit Volksliedern und alten Dolksbräuchen fühlten sie sich wie­der zu Haufe. Allerdings ging der Strom des Le­bens weiter, an ihnen vorüber, ohne sich um sie zu kümmern.

Kann es uns wundern, daß andere, ungezählte Tau­sende, von dem Strom des Lebens willenlos mit- gerissen wurden, jede Bindung mit der Ordnung des Lebens verloren und hinabstürzten in eine Flut öde­ster Genußsucht? Unzählige, die vom Leben nichts anderes als Geld und Sichausleben erwarteten, gingen in dieser trüben Schlammslut unter.

Zweifellos gabs auch andere, bie nichts weiter woll­ten als weiter kommen unb vorwärtsgelangen, um in der zunehmenden Berufsnot, in ber zunehmenden Existenz­unsicherheit nicht zur großen Armee der Arbeitslosen zu gehören. Lernen und arbe iten war ihre Pa­role. Man sand sie in Studierstuben. Kursuszimmern

und Hörsälen. Es waren diejenigen, hie den Kamps mit der Wirklichkeit aufnahmen, die mitten im Leben standen.

Vielleicht wurde die katholische Jugend in ihrem Stern nicht so tief aufgewühlt wie die andere Jugend, wenn auch bei ihr manchmal die Meinungen chaotisch durcheinaittiergingen. Doch es mag sein wie es will, bas, was sich auch in der katholischen Jugend der Nach­kriegszeit zeigte, war die Reaktion auf ungeheures Schicksal, das erfaßte und miterlebte. Es war nichts anderes als Flucht der Jugend vor etwas, das zu quä­lend, zu unerttäglich auf ihr lastet«. Die Jugend­bewegung floh aus der alten Welt und glaubte durch ein anderes Leden in dem kleinen Kreis ihrer Gesin­nungsfreunde diese Welt umgestalten zu können. Aber die Welt blieb wie sie war. Unb mit der Zeit erkannten viele, daß mit dem Singen des Liebes „Mit uns zieht die neue Zeit" und mit Flammenreden und Wimpel­schwenken die neue Zeit noch nicht kam. Sie spürten es immer mehr, daß sie sich isoliert und weit vom Volke entfernt hatten. Und auch bei den anderen, die jede Verbindung mit der Ordnung des Lebens verloren hatten, wurden immer mehr Stimmen der Sehn­sucht laut, doch endlich aus diesem Sumpf herauszu­kommen und der Sinnlosigkett eines stumpfen und oben Genießerlebens ein Enbe zu bereiten.

So hat in den letzten Jahren in den Reihen der ka­tholischen Jugend eine erst kaum bemerkbare, aber stei­gende Ernüchterung unb Selbstbesinnung Platz gegriffen. In weiteren Kreisen ist eine innere Umwanblung fest- zustellen. Fast gleichzeitig mit der stärkeren Aktivie­rung der katholischen Kräfte überhaupt hämmerte auch in der katholischen Jugend die Einsicht auf, daß weder eine radikale Abkehr unb Absonderung, noch viel weniger aber ein hemmungsloses Sichgehenlassen uns aus bem Zusammenbruch unserer Zeit rettet, sondern daß jeder in der Wirklich­keit des Lebens, jeder in feinem Stande, an dem Platz, wo ihn der Herrgott hingestellt hat, mithelfen, sich plagen unb behaupten muß, wenn eine Neuordnung überhaupt kommen soll. Zunehmend gewinnt ein unerschütterlicher Glaube an Boden, daß nur die Weckung eines neuen Geistes, die Pflege der verschütteten Kräfte des Volkstums, der Religion und der Gesittung unb die tatkräftige Mitarbeit an einer neuen Ordnung zur Erneuerung führen wird.

Die heutige Haltung der katholischen Jugend kann man wohl mit folgender Parole kennzeichnen: Unser

Betirrt in der Camargue.

Von Kurt Witt.

Der Blick landwärts. — Da war wieder Camargue. Kraftlos und öde, wie ich sie trostlos noch nie gesehen. Blitft man nicht schon eigenartig und beklommen von der Mauer des alten Aigues Mortes auf die schwarzen moorigen Wasser, die „toten Wasser", wie die Provence tagt, diese Waffer, aus denen der Tod selbst zu sprechen scheint? Aber man sah hinter sich doch Menschen, le- •enbtge gebräunte Menschen, sah Fischernetze, bie mensch- k)e Hand durch bie Moorwasfer gezogen. — Hier aber üchts wie endlos scheinende bleierne Fläche, durch die sqrblos graue Grasflächen zogen als wollten sie den toten See zudecken. Das war einer jenen großen sump­figen (Stangs, wie sie sich im Delta vielfach finden und tüe sie der Camargue ihr Gepräge geben. Ganz hinten log sich ein dunkler Waldstreifen hin. Irgendwo schien es wie Steppe. Aber — von der Kirche von Saintes Startes nichts zu sehen. Was sind das für Stunden, das Meer lag still unb einsam. Ohne Mast, ohne Rauch­sohne. Der bleigraue Sumpfsee blickt stumpf und seelen- tos. Camargue! Das blaue Meer unb ber nächtliche Sternenhimmel hatten mich hineingezogen. — Wie? Stein, man kann es nicht sagen. —

— Wie klingt es doch aus den Hunderten von Zi- jeunerwagen, die zum Fest der Reliquien in ben Mai- rgen die einsamen Steppenwege nach Saintes Maries liehen? Wie singt doch ber «infame Guardian, der bachts in sich versunken an seinem Lagerfeuer träumt?

.. Du greifst nach uns, wir wissens nicht — Wuy — Das schwarze Wasser läßt uns nicht — Wuy — Wir reiten bis in ben brennenden Tag — Wuy — Hin zum Ort unsrer Liebe — Wuy.--"

Das ist die Camargue. —

— Abgeschüttelt ben Traum. Die Sonne steigt höher und höher unb der Weg ist sandig und unbekannt. Eine halbe Flasche Wasser noch. — Das Brot und die letzten gut verpackten Trauben waren durch den überall hin bringenden Flugsand fast ungenießbar geworden. Ein frisches Morgenbad mußte brüberroeg helfen. Aber nun weiter. Es begann bereits bedenklich heiß zu werden.

Ein Gedanke tauchte noch einmal auf: Zurück nach Le Grau? Aber der Weg war weit und ohne mensch­liche Siedlung. Die Sonne war bald wieder brennend heiß und ich merklich müde geworden. Das Ziel konnte nicht mehr fern fein. In der Nacht sah ich einmal Feuerschein vor mir. Ob bas Ziel nicht bald hinter dem fernen Grünstreifen erreicht war? Also weiter.

Es tat wohl, mit bloßen Füßen über den festen feuch­ten Strandsand zu gehen, da wo immer wieder von Zeit zu Zeit eine letzte Welle über die Füße spülte. Das ging wohl so an die zwei Stunden. Der ferne Grünstreifen schien kaum näher gekommen. Dazu wurde es drückend heiß, und Hunger und Durst meldeten sich. Das not­wendige Wasser mußte noch einmal ein Bad ersetzen. Da war? wenigstens kühler. —

Der Boden wurde schwärzer und schaumiger. Bald zogen sich Wasserlachen zur Linken hin, die größer und größer wurden. Die kahlen Sandwehen traten zurück.

in dem weichen Boden wurde das Gehen schwerer unb schwerer. Die Wasserlachen wurden zahlreicher. Bald war es schwierig, sich durch sie sicher hindurchzuschlängeln. Vom Meere mußte ich schon lange abweichen. Nun ging es über tiefbraunen Grund, ber hart und brüchig war. — Wie ein Fischfriedhof sah der Boden aus. Oft ragten erstaunlich große bleiche Fischgerippe aus bem harten Grund. Kleinere tote Fischkörper gabs unzählige. Es roch übet. Das ging mehr als eine Stunde so. Ich muß wohl über das sehr breite ausgetrocknete Mün­dungsbett eines Rh^iearmes gegangen fein. —

Endlich kletterte ich über einen kleinen hartgedorrten Graswall — unb blieb gleich darauf überrascht stehen. — Dahinter dehnte sich wieder ein weites Feld von Wassertümpeln und braunschlammigem Grund, aber — kaum fünfzig Schritte entfernt standen regungslos und gravitätisch steifbeinig — eine ganze Schar Flamingos. Sie fallen sehr selten sein an der nördlichen Mittelmeer­küste. Näher hinzugehen durste ich nicht wagen, denn der Grund schien gefährlich. Aber es war auch so ein eigenartig schönes Bild, diese rosaroten schönen Gefieder in der Sonne leuchten zu sehen Sie standen ganz re­gungslos. Nur ab unb zu grünbeite einer träge im Waffer. Eine ganze Reihe origineller kleiner Turm­bauten ragten wie Baumstümpfe aus dem Wasser. Die Nester. Das Bild war schön. Man vergaß dabei für einen Augenblick sogar die große Mattigkeit, bie unter dieser unbeschreiblichen „Wüstensonne" einen ankam. — Weiter. — Der Durst wollte quälend werden. Nach der Uhr war schon fänaft bas wenige Wasser abaeteilt, bas

ich noch besaß Alle zwei Stunden'einen Schluck. An­ders gings nicht.

Ja, jetzt begann es mit einem Male ernst zu werden Vom Meere war ich schon lange abgekommen. Links weiter fast unwegsamer Grund, rechts Morast und Was­ser. Nirgends ein Baum ober ein Strauch. Ich mußte meiner Bodenschwelle folgen. Unglaubliche Hitze unb dieser abscheuliche Sumpfgeruch unb die Mattigkeit, bie stärker und stärker ankam. Vor ben Augen begann ee zu flimmern. — Es kam etwas wie trockene Steppe, weniges hartes Gras, kein Daum. — Das ging nicht mehr, konnte nicht mehr fo weiter gehen. Hätte ich Waffer gehabt. Wie im Traum setzte ich einen Fuß vor den anderen. Weiß nicht wie lange. Hab wohl ein ober zwei Schluck Wasser getrunken. Irgendwie flimmerte etwas wie Baumgruppen. Dahin, sonst geht? nicht weiter. Immer noch Steppe. Die Baumgruppe rückte näher. Drei, vier dürre Pinien strebten auseinander als wollten sie dieser Dürre entfliehen. Etwas stachliches Ge­wächs dazwischen. Fast kein Schatten. Eine tote Schlange lag platt und verdorrt im Sande, den Kopf in ben Sand gegraben. * Irgendwo, wo ich Schatten glaubte, ließ ich mich fallen. Nur schlafen. Schlief wohl 3—4 Stunden, denn als ich erwachte, stand die Sonne schon tiefer. Jetzt erst merkte ich, baß ich mich vorher noch in mein weißes Kopftuch «ingeschlagen hatte. Es tat wohl, doch eine Viertelstunde unter meinem primitivem Zelt mit geschlos­senen Augen zu ruhen. Man konnte doch wieder den­ken. —

Fortsetzung folgt