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Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer AcNendruckerel, Fulda.

-27.

ntlkag. den 2. Februar 1930.

Das Caf6 / Die Konditorei

Dienstag, den 4. Februar

erster Knppenobend

Gesdhäffs- Dradttaditn in Schwarzdruck und einfarbigem | Buntdruck, sowie In Mehrfarbendruck ' liefert schnell und billig

Fuldaer ActlendruckercL Fulda«

Brähler L Nüchter

Inh. H. Nüchter Im Friedhofsgässchen — Fernsprecher 284

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daran erinnert, daß die Technik den Weg zur Seele finden muß Ganz gewiß wird der Bildunzs­rummel, der noch gestern das Feld beherrschte, bald ein Ende nehmen. Schon darum, weil der Mensch nichts so schnell leid wird, tci? eben den Rummel. Nun zeigt 'hm die Technik den Weg. Sie trögt in jedes Haus die Möglichkeit, sich wirk­lich zu bilden. Ich kenne eine Familie, wo man sich in billigen Ausgaben etwa die Operntexte anschafft, um darnach am Abend die Musik zu ver­folgen. Das Geld kommt reichlich wieder ein, weil ja der Eintritt nichts kostet. Man wird auch nicht gestört durch Sensationslüsterne, durch auf­dringliche Kleidung, durch alle möglichen Parfüme und dergleichen, was nicht zur Festlichkeit der Theaterstimmung beiträgt. Nimm doch teil an allen diesen Dingen, und du wirst sehen, welch ein Reich­tum ins Leben kommt.

Cs muß leider gesagt werden, daß gerade die Bolschewisten es sind, die mit manchen Dingen Ernst machen, die wir bisher leichtsinnig behan­delt haben. Der russische Künstler dient seiner Idee, und man bedauert nur oft, daß diese Idee so furchtbar gottlos ist. Weil er diesen starken Willen hatte, eine Idee auszusprechen, darum leistet er etwas im Tanz, im Film, im Drama. Da geht jetzt das Stück über die deutschen Bühnen, das sich nennt: „Brülle China". Mag es falsch sein, was diese Dichter uns sagen wollen, aber sie wollen doch etwas. Man spürt den Ernst tmb d e Ener­gie. Da sieht man geputzte Dirnen nur, weil sie zur sogenannten bürgerlichen Gesellschaft ge­hören, über die man wegwerfend lacht. Der ganze Gesellschaftskram mit dem berühmten Sekt und Kaviar wird in das Nichts verbannt, in das er gehört. An die Stelle wird gesetzt das eniste Rin­gen um eine Idee. Freilich, es ist eine fürchter­liche Idee. Ihr zu Liebe wird den Dingen Ge­walt angetan. Die Kulis, die sich beklagen über den weißen Mann, der sie ausbeutet, werden es ja nicht besser haben, wenn eines Tages bte Roten am Ruder sind. Durch Aenderung der wirtschaft­lichen Herrscher ändert man ja nicht die Systeme. Das kann nur von einem neuen Menschen her ge­schehen. Den finden sie nicht. Heber das Christen­tum machen sie sich lustig, indem sie es nur in jener Tüte mit Zuckerbonbons darstellen, die es ja leider Gottes bei manchen Menschen bedeutet. Christlicher Opfergeist, der sie begeistern müßte, versinkt in dem ganz materialistisch gedachten: Einer für alle!, wie es das Hordengefühl mit sich bringt. Der Ruf nach. Rache wird den Kampf ge­gen die Kanonen nicht unterstützen, braucht man doch selber diese Kanonen gegen die feindliche Klasse. Dennoch will hier irgend etwas auf- madjen, was ungeheuer stark in der Tiefe der ge­quälten Menschenseelen wartet. Ich roame! Mag mancher auf den Gedanken kommen, man müsse solche Stücke verbieten, ich meine, man sollte lie­ber so in christlicher Nächstenliebe leben, daß die Satire an der Wirklichkeit abprallt. Denn nicht die aufrührerische Tendenz an diesen Stücken ist so gefährlich, sondern der Umstand, daß die Kritik, die noch so einseitige, doch in vielen und wesentlichen Punkten richtig ist. Sieh da: Rußland nimmt sich der unterdrückten Chinesen an! Was aber tun die europäischen Mächte? Gewiß, hingebend arbeitet der Missionar, wir aber kümmern uns nicht um diese unglücklichen, Völker. Wie sagte doch der Lazaristenpater Vinzent Lebbe, der so viel für die Christianisierung der Chinesen, die in Europa wei-

F Rund um die Woche.

Schallplatte und Denkunlerrichk. — Technik und Bildung. —- Familien kulkur. — ^Brülle China.-.

Daß es eine „Deutsche Akademie" in München nibt, wissen viele Leute nur, weil ihnen die Fest­lichkeit der Einweihung vielleicht noch in der Er- innenmg lebt. Dennoch ist dort viel stille Arbeir geleistet worden, und welcher Deutscher möchte es mckr begrüßen, wenn sich diese Akademie um die Pflege unserer Muttersprache, besonders auch bei jjen Landsleuten jenseits der Grenzen, bemüht. Bor- bildlrch ist das Streben dieser Akademie zu nennen, aus dem „Akademischen" heraus zum Volke zu kommen. Prächtig der Einfall, diese Bestrebungen mit den modernsten Mitteln der Technik zu ver­binden, mit Radio und Schallplatte. Hat man es je erlebt, daß der Präsident einer solchen Akademie sich tapfer mit an die Spitze einer Bewegung stellt, die nun durch den Unterricht durch Schall- platten dem Berstöndnis des Deutschen ein Herold sein will. Die Gesellschaft „Organon", in pädago­gischen Kreisen schon bekannt, hat sich daran ge­geben, Schallplatten für den deutschen und nament­lich den Selbstunterricht herzustellen. Warten wir tue Erfolge ob, aber es berührt wohltuend, daß hier an die Bildung des Volkes gedacht wird, ge­rade auch an die bildungshungrigen kleinen Leute.

Den Gedanken begrüßt man umsomehr, als d'.e technischen Mittel, so gelehrt sie sich gebärden, ' doch mit all ihren Vorträgen, etwa im Rund­funk, eine gewisse Gefahr mit sich bringen. Diese Gefahr liegt darin, daß man eben nur hört und nicht mitarbeitet. Du weißt ja selbst, wie chwer es ist, eine Sache, selbst wenn man sie be- [ herrscht, doch in gutem Deutsch andern zu über­mitteln. Darum wird die Gabe des Unterrichts bei einem Lehrer so hoch geschätzt, während man osi etwas grob von Fässern der Gelehrsamkeit spricht, denen das Spundloch fehlt. Wie ringen ’ oft Dichter um den Ausdruck, gleichen sie auch noch lange nicht Nietzsche, der es für selbstverständ­lich Veit, daß man drei Tage an einer guten Seite Prosa arbeite. M:m stellte allen Radiohörern sa- M gen, bc*’ es nicht genügt, etwas anzuhören. Man muß darüber sprechen mit den Freunden, bi* ge­meinsam das Gleiche gehört haben. Erst wenn man sich arbeitend mit einem Gedanken beschäftigst erst dann beginnt man chn zu verstehen und erst bann wird er zum geistigen Eigentum. Ich w-eiß emen Menschen irgendwo auf dem Lande, der das sichere Bewußtsein hat, er trage eine Weisheit in der Seele, die er andern mitteilen müsse. Aber er kann es nicht sagen und nicht schreiben. Ach, wie viele Lieder nehmen mir mit uns ins Grab, die wir nie gesungen haben, weil wir der Seele ihr Instrument nicht bereiteten! Man sollte schon bei der häuslichen Erziehung darauf achten, daß die Kinder nicht halbe Sätze sprechen, daß sie sich , richtig ausdrücken, daß sie nicht sinnlos Zeug da- herschrrätzen. Weiß Gott, vielleicht wird der Kleine einmal Lehrer oder Pastor ober Parlamentarier ober Stadtverordneter. Ich habe auch nichts gegen die kindlichen Spiele, in denen zu Hause bis Pre­digt aus der Kirche noch einmal gehalten wird. Auch in seinen SB riefen sollte man daran' achten, ein gutes Deutsch zu schreiben. Wie wertvoll sind nicht manche Briefsammlungen der Geschichte, und wie betrachten wir heute jene Geschlechter mit ei­nem gewissen Neid, die noch Zeit hatten, sich in freundschaftlichen Briefwechseln auszusprechen.

s, Unsere Zeit ist mehr Erfinderin im Technischen els im Seelischen. Sie schenkt der Bildung mehr Propagandamittel, als neue Werte. Aber auch das ist schon schön, zumal sie sich mehr und mehr

Sein Lostag

Ein glückliches Leuchten geht über ihr Gesicht, ihr lie­bes Altfrauengesicht: „Schau, war hat denn nach mir g'schaut, bei die drei Maderln, es waren ja kane Pup- perln, aber blitzsauber hab' i's allweil beinanbg'habt. gelt? Wenn's so vor mir her gangen sein — und wie bas Büberl auch noch war, ich denk' gar nimmer an die Sorgen und die Schererei, bis man's so z'samm» bracht hat ost, i war ja so stolz, so stolz, mit dem schönsten Seid'nkladle ist arte nit so stolz, wie ich war, wer hat da noch mich anschau'n brauch'n, hab'n sich doch alle ganz in unsre Kinder verschaut!" Nun sitzt sie ganz in ein liebes Sinnen versunken an seiner Seite, aller Groll ist verflogen.

Der alte Manhart aber zieht mit feuchtglänzenden Augen die beste aller Mütter an feine Brust Schaut sie wieder an, wie ein Verliebter, froh und stolz: „Ja. ja, Weiberl, hast recht, hast das alles nit braucht, warst mir do immer die aller-, allerliebste, dein kraus- haarlet's, ehrwürdiges Grauhaar hat noch im Leben la Friseur unter der Hand g'habt — und deine Füßerln, aie so viel im Leben für uns ummerzavvelt sein. —. Jessas Alte, w-eviel hätten die ctwan so dünne Hadern- ftrümpf zerriss'n!"

„Du Vater, du alter, alter Großvater, red't man so?"

„Na, na, Großvater hin, Großvater her, nur tone Beleidigung, wart' wart' nur, wenn die Gitterl Hoch­zeit hat und ich mi wieder a mal recht sauber z'sam- men'schwanz. na wart du, da wer i dir no arnol 'was anschau'n lass'n!"

„Na ja. Vater, i glaub' dir's schon, schlecht ist's uns Gott sei Dank nie 'gangen. Spar'n und rauf’n nvt den Kreuzern, freilich, dafür aber war's sonst viel schö­ner in uns'rer Jugendzeit, ja. wir roar’n ein armes Paar!, aber g'wußt hab'n wir. wo wir hing'hör'n!"

So war alles bereitet bis auf die vier Wände und das Dach übern Kopf.

Halt im Kabinetterl weiter wohnen, Karl hott' sich nicht gesträubt, wenn es fein muß. obwohl er den glei­chen Vorschlag seiner Mutter glatt abgelehnt hat. H'er aber wieder schüttelte Mutter Manhart energisch das Haupt: „Nein Kinder, ich mein' wohl selber, daß ich grab keine Bißgrun mär’, hab' den Karl gern rote ein

Em Wiener Roman von Fanny Wibmer-Pedil. Copyright by Ne-De-Ko, Münster i. W.

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t Mutter Manhart war sparsam und hatte stütz schon mr ihre Töchter gesorgt, gingen die zwei älteren nicht ‘«er aus dem Haus, sollt' auch Gitta nicht Mangel lei­ben, gut und gediegen, einfach und nett in der Ausfüh­rung, lag alles bereit, wie stch's für kleine Leute ziemt, uenen unnützer Putz und schäbige Ware gleich verderb- «ch sind. Selbst das schlichte, schöne Mobllar war ge- luhert. Es standen alle zusammen voll Eifer, mit fiel» JIen und großen Opfern bereit, zu helfen. Karl und k mttas Gehalt gab in den Wintermonaten eine schöne ® Marne ab, denn sie waren in dieser wirtschaftlichen t Krise Gäste der Eltern Vater Manhart meint off Wschmunzelnd, wenn Gitta am Monatsersten ein wenig ^schämt und doch voll heimlichen Glückes ihr Gehalt ™ sich behalten darf: „Schau Menscherl, mach' kane ^'schicht'n, dein Dogerlmag'n spür'n wir wirklich nit in I "?r Kost, lebst ja eh nur mehr von der Sieb, wann's “ber do a mal fehl'n sollt, bann lass'n wir halt den X, Aunari aus!" Sonst aber zeigte es sich, daß die kleine, ’r ™e Mutter Manhart für ihre drei Töchter weit mehr auf bis hohe Kante gebracht hat wie Frau Müller für Men einzigen Karl. Vater Manhart hat es einmal "rredt in Gegenwart der andern. Es tat Karl nicht l8eb. dazu schätzte er die Eltern seiner Gitta viel zu hoch. !r war nur still und bedrückt. Nachher hat aber der ; schon recht feinen Brummer gekriegt, ordentlich b°s war feine Anna: „Du alter Dampfplauderer, ro‘e "unst dem Karl so weh tun, man muß die Leut' netz­en rote sie sind und nit wie man sie halt gern Hütt. ,Ie Müllerische ist eine fesche Frau, war's alleweil so sfUe mit dem einzigen Kind muß auch was auf sich kalten, das ist schon einmal so. anders, wenn du annfti" „Das hättest ja du auch können, was auf dich Asien!" . Red' nit so patschert daher, als wenn du “°a altnarrisch wärst. Vater, du lieber Gott, schau .

Unterhaltungs-Konzert.

Von Stuttgart: S nach dem Märchen

3um ZMSums-M- und zchrluruler in Berlin (1.—9. Februar)

len, getan hat? Er sagte: „Die Feinde von Re­ligion und Kirche sind unter den chinesischen Stu­denten in Europa eifrig an der Arbeit. Und wenn diese einmal in China Führer von Volk. Staat und Wirtschaft sind, können sie mit ein paar Federstri­chen alles niederreißen, was die aufopferitbe Ar­beit der Missionare mühselig aufgebaut hat!" Täte das christliche Europa aus feiner christlichen Idee heraus das für die Idee des Christentums, wo, das bolfchewistifche Rußland in der Welt für die des Kommunismus tut, es stände anders um uns und um die Welt . . . Die echten Menschen der neuen Bildung werden diese Fragen ernst und be­sinnlich anfassen. Irgendwo aber höre ich aus einer christlichen Schlafmütze bas gähnende Echo: Geduld. Alles zu seiner Zeit. Jetzt kommt erst mal Prinz Karneval! Der Mann im Monde.

des Grafen Matuschka, Schloß Vollrath bei Winkel im Rheingau": 2. „Landschaft und Landwirtschaft tm älte­sten Detschlaund", Vortrag 16: Von Stuttgart: Unter- Haltungs-Konzert des Rundfunkorchesters. 17.30: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: Das Lied der Lieder. Ein Hörspiel. 18.30: Stunde der Frank­furter Zeitung. 19: Sportnachrichten. 19.30: Aus dem Opernhaus Frankfurt a. M. (nach Stuttgart): Die chri- fanerin. Oper in einem Vorspiel und zwei Akten (S Bil­dern von Giacomo Meyerbeer. 22.30: Nach Stuttgart: Nachrichten. 23—0.30: Aus der Künstlerklause Groß- Frankfurt (nach Stuttgart): Tanzmusik der Kapelle Pm- kus Langer.

Die spanische Osfiziersmannschafi.

Von links nach rechts: Die Kapitäne I. G. Fernandos (Olympiasieger), Cavanillas, Sackcz Alesas (Führer der Truppe), Novarro (Olympiasieger), Lyra und de la Macorra.

Frankfurter Radio-Programm

Sonntag, den 2. Februar 1930.

fremden Ländern und Völkern die ersten Eindrücke und Erlebnisse eines Wanderers im fremden Erdteil", ein Vortag. 17.20—17.4o: Aus dem Rumpelmayer Frankiurt a. M. (ab 16 nach Stuttgart): Unterhaltungskonzert der Kapelle Bernd Buchbinder. 18: Efraim Frisch, Vorlesung aus eigenen Werken. 18.35: Nach Stuttgart: Englischer Sprachunter­richt. 19.30: Aus dem großen Saal des Saalbaues Frank­furt a M. 8. Monta'gskonzert. 21.15: Nach Stuttgart: Frankfurter Mundart. 22.15: Nach Stuttgart: Nachrich­ten. 22.40—23 40: Nach Stuttgart: Schallplattenkonzert.

7—8.15: Von Hamburg: Hafenkonzert auf dem Dampfer „Cleveland" der Hamburg-Amerika-Linie. 7: Die Glocken vom Großen Michel, dem Wahrzeichen der deutschen Seefahrer. 7.05: Hamburger Morgenruf. 9 bis 10: Katholische Morgenfeier. 1. Toccata für Orgel, I. S. Bach, 2. Pastorale (Violine, Cello. Orgel) Vivaldi, 3. Ansprache: Gottesgemeinschaft des Menschen, 4 Sonate (Violine, Cello, Klavier), Buxtehude Mirtwirkende: Uni­versitätsprofessor Dr. D. Steinbüchel, Gießen (An­sprache), 21. Brähler (Violine), G. Weckerliny (Cello). 11: Erziehung und Bildung: Elternstunde. „Die erzieh­liche Bedeutung des Handpuppenspieles", Vortrag. 11.30: Else Lasker-Schüler, Vorlesung aus eigenen Werken. 12: Stunde des Chorgesangs. 13: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden: 1. „Welche Maß­nahmen unterstützen die Herstellung der Bodengare?" 2. „Der Schnitt des selektionierten Rebholzes". 3. „Der Kohlgallenrüßler". 13.10: „Folklore in der modernen Musik", Vortrag. 13.30: Gesang vom Rundfunk. 14: Von Stuttgart: Stunde der Jugend: „Das falte Herz", nach dem Märchen von W. Hauff bearbeitet von K. Bach 15: Stunde des Landes: 1. „Reportage vom Weingut

Wie wird das Wetter?

Ein im Westen liegender starker Tiefdruckwirbel wird hauptsächlich über Frankreich jüdwärts nach dem Mit­telmeer abziehen. Dadurch hat sich die kalte Ostströmung verstärkt und auch in Deutschland eine mehr winter­liche Wetterlage verursacht Im Norden und Osten Deutschlands ist es bereits zu verbreiteten Schneefällen, die sich langsam nach Westen zu ausbreiten, gekommen.

Witterungsdauer für Sonntag: Meist bewölkt, stellen­weise Schneefälle, kälter, vorwiegend östliche Winde.

Schriftleiter: Dr phll. Johannes Kromer, Derantworüich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaei Actiendruckerei 3 Parzeller.

Montag, den 3. Februar 1930.

6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Volks­tümliches Sinfoniekonzert. 13.30—13.45: Werbekonzeri (Schallplatten) 15.15—15 45: Stunde der Jugend: Von — - ■ ----- ,Ein Tag in Newyork;

deutschen Aus-

eigen Kind, mit dem Schwiegersohn kommt einer Mut­ter immer ein Kind mehr ins Haus, aber ich sieh noch doch nit aus, ich sieh halt zu weit. Junge Leut' sotten allein sein, lieber, wenn's nicht anders geht, noch ein Zettl warten."

Die Schwäger sind auch da mit den Frauen und die Kinder furmen herum, wie diese Sachen wieder einmal aufs Tapet kommen. Die zwei Jungen senken traurig den Kopf, sie wollen sich schon gedulden, aber das War­ten ist hart. Wie rasch gehen die jungen, schönen Tage dahin in dieser schnellebigen Zeit. Die Mutter Manhart grübelt voll Sorgen und Erbarmen, o, sie kennt den Kampf der Jugend, die aufrecht bleiben will, die sich ihr Bestes wahren und sparen will für die bitteren Jahre der langen Gemeinschaft, an dem man voll gegen­seitigem Vertrauen zehrt bis ans Ende der Tage. O. sie fühlt noch immer den stillen, seligen Zauber, wenn der Vater ihrer Kinder, sei es in Freude, sei es in Sorge, seinen treuen Blick in den ihren senkt. Sie hat stch dies Glück auch in harter Stunde erringen müssen, an wen kommt sie nickt heran, der heiß und jung ist. In Angst und Liebe hat sie einmal gebittet: „Wahr' mich, ehr' mich! Ich bin ein armes Mädl und es ist mein ganzer, ftr’ier R^^tum!" ’Olcncs ginnen fc'e Wenigsten mehr heut. Arme, grausam mißhandelte Ju­gend!

Ein Gesetz in der Zeit des Fortschrittes und der Hu­manität ist eine Geißel der menschlichen Gesellschaft. Im ersten Jahr der Ehe überhaupt kein Anrecht auf ein Heim! Bis das Heim erwartet und ersehnt ist, sind sie entweder müd und entfremdet oder sie ziehen zusammen bevor ihre Neigung reif zur Liebe ist. einer Formsache zu genügen, einen elenden Wisch in Händen zu haben schlemmen und verprassen sich und bis der Tag des Glückes und der Weihe kommt, sind sie ausgeleert bis zum widerlichsten Boden satz. Der armselige Rest soll dann genügen für ein Leben lang Glück und Leid. So sinnt und grübelt die Mutter vor sich hin.

Die Männer bereden es grollend und sind sich einig, daß es anders werden müsie.

Die Kinder jauchzen in die Sorgen der Alten, die haben es aut!

Der Mutter Manhart Augen leuchten auf einmal auf: „Kinder, ich hab's!" Sie trommelt mit den Fäusten um Ruhe, ganz übermütig, daß die blumigen Kaffeetas­sen bedenklich zu tanzen beginnen. Alle schauen auf sie, voller Erwartung. „Jetzt komrnt's halt auf meine lie­ben Bub'n drauf an", und sie schaut auf die Schwieger­söhne. Die werfen sich in die Brust: „Zusammenhelfen müßt ihr aber alle fest. Ich denk' mir, schaut euch ein­mal euren Schrebergarten an, er ist ja nicht gar so weit draußen, mär’ nit ein bißl Platz für die zwei? Könnt' man neben das putzige Sommerhäus'l nicht noch ein größeres ftell’n? Ihr, mit euren geschickten Händen, grab für die Not halt, daß sie den kommenden Som­mer und wenn's efin muß auch den nächsten ein Platzerl hätten, wo sie ein bifferl allein und für sich selber wären. Die harten Wintermonate dann da im Kabinetterl, wer bis fünf Monate ist man einander seltsam und wenn sie dann einmal eine Wohnung haben, hättet ihr wieder für den Sommer ein schönes Platzer! mit den Kindern. Jetzt, was meint ihr?"

Es sind alle einmal still, will keins den andern et­was vorwegnehmen. Nur Karl und Gitta drücken sich unter dem Tischtuch heimlich die Hände, froh und hoffend wie Kinder, denen eine schöne Freude versprochen ist Jetzt ist gar der Ferdi der erste, der reden will, schwer legt er die wuchtigen Arme auf den Tisch, daß seine Annerl ängstlich und schnell das Geschirr vom Tisch roegräumt. „Ist aber immer schon so, beim Reden feir die Weiberleut' die G'schwinderen! Denkt hab' ich schon lang an den Ausweg und da wär' auch so a klans Zeichnung, unser junger Bauzeichner hat mir’ g'macht, er kann mi gut leib’n, weg' dem Mat'rial tunnt i mit unfern Chef reb’n. daß wir's nit so teuer in die Hand frieg’n. alsdann da mär’ das Bild', wenn wir fest z'samm'schau'n, kunnt's im Mai wohl fertig sein das ist die schöne Heiratszeit, gelt Annerl!" Und er schaut treuherzig zu seinem jungen Weib hinüber, die den Hanserli im Sckoß hält. Das Büblein kröhlt luftig nach dem weißen Papier, über das sich ein Kreis vo» Köpfen schließt.

(Fortsetzung folgt.)