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Zehn Iahre einer Staatskirche.

Von Dr. Jpf. Albert.

Am 8. Januar 1920 hatte sich in Smichow, einer »'östlichen Vorstadt Präge, der JUub der katholi­schen Reformprtest erschaft". eine Anzahl tschechischer, katholischer Priester zusammengefunden. (Sie proklamierten nach langer, lebhafter Diskussion mit «iner Stimmenmehrheit von 140 gegen 66 die neue Tschechoslwakische Kirch e", Wochen und Mo­nate vorher waren Verhandlungen mit dem Vatikan ge- l'flogen worden Der Papst sollte vor allem zwei Le- i'ingungen erfüllen: Er soMe die tschechoslowa­kische Kirchensprache erlauben und das Gesetz du: priesterlichen Ehelosigkeit aufheben. Aber Rom gab keiner der Forderungen nach. Acht Tage »ach der Neugründung erschien dann auch das päpstliche Dekret, das die allgemeine öffentliche Absage an die neue Kirche darstellte

Die Zeit des revolutionären Umsturzes, die nicht »Ilern die politischen, sondern auch die moralischen und religiösen Begriffe zerschlug, schien für eine kirchliche Neuorientierung günstig Wenn schon vor dem Kriege die Kirchenaustrittsbewegung im alten Oesterreich stark im Wachsen begriffen und die Zahl der Konfessionslosen recht erheblich groß geworden war, so stieg diese Zahl seit 1918 noch um ein bedeutendes. Der tschechische Na- rionalismus war mit allen Mitteln auf den Plan getre­ten und fing mit ausgebreiteten Armen die Führer- and Konfessionslosen auf. Der Nationalismus g:ng wie eine große Welle durch das Land, ließ Kirche und

Papst vergessen und präsentierte sich selbst als eine Art Religion.

Die rommüden Priester der Tschechoslowakei wußten von Anfang an genau, daß eine kirchliche Neugründung nur dann Erfolg habe, wenn der nationale Strom ge­schickt aufgefangen werde. Würde der Gebrauch der tschechischen Sprache als Kirchensprache nicht dem na­tionalen Gefühl bedeutend entgegenkommen? Würde auf diese Weise nicht eine wirkliche Volkskirche zustande kommen, die die Massen mächtig eine? Würde eine neue rein tschechische Kirche frei von außennationalen Gewalten wie Papst und lateinischen Bischöfen dem nationalen Enthusiasmus nicht noch erhöhen?

Die Idee der in Smichow versammelten Priester lief ursprünglich darauf hinaus, eine romfreie katholische Kirche zu schaffen. Trotz des Abfalles von Rom wollte ste katholisch bleiben. Aber wie so oft in derartigen Fällen segelt man schon in einem Fahrwasser, in das man eigentlich nicht hinein wollte. Der Liberalis­mus der tschechischen Nationalen färbte schon bald auf die neue Kirche ab. In eifrigem Bemühen, die politische Strömung auszunützen, verfiel man selb in den libe­ralen Geist dieser Strömung. Aus derromfreien katholischen" Kirche wurde die freisinnige Staatskirchc.

Bei allen derartigen Vorgängen nun in der Ge­schichte der Religionskämpie hat man beobachten kön­nen, wie zuerst in der Auffassung der Person Christi eine Wandlung eintrat. Die Gottheit Christi wurde ir­gendwie bezweifelt, sie wurde schließlich geleugnet. Diese Person Christi ist in der Tat immer der Prüfstein ge­wesen. An ihr schieden sich die Geister, weil hier der

Kerngedanke der christlichen Religion zum Ausdruck kommt. Auch die neue tschechoslowakische Kirche er­klärte schon nach kurzer Zeit Christus für ein religiöses Genie aber nicht für den Sohn Gottes. Er wsr nicht mehr als andere religiöse Geiste, z. B. Hus, der böhmi­sche Reformator aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Man erkennt sofort, worauf diese Degradierung Christi hin­ausläuft. Hus ist bekanntlich bei den Tschechen weniger der religiöse Erneuerer als vielmehr der nationale fieros. Es war eine kluge Berechnung, die in der Gleichstellung Christi mit dem böhmischen Eiferer Hus lag.

Aber auch der Name der neuen Kirche war darauf berechnet, alle Westslaven, d. h. sowohl die eigentlichen Tschechen in Böhmen und Mähren als auch die Slowa­ken inder sogen. Slowakei zu erfassen. Man paßte üch genau den neuen Grenzverhältnissen an, die durch die politische Verbindung der Tschechen und Slowaken nach Kriegsende entstanden war.Tschechosowakische Kirche" war der national klingend« Titel. Und überall, wo Tschechen und Slowaken wohnten, verkündete man die neue Lehre. Selbst dorthin wandte man sich wo in der erdrückenden Mehrheit andere Stämme wohnten, seien es Deutsche oder jene, die erst seit 1918 in das tschechoslowakische Staatsgebilde hineingezwängt waren: nach österreichisch Schlesien, nach den abgetretenen Tei­len Nordungarns und Niederösterreichs, dem tschech:- sierten Teil aus der preußischen Provinz Schlesien und sogar nach dem Hultschiner Ländchen. Es ging ja gleich­zeitig von Staatswegen die Tschechisierung der Beam­tenschaft vor sich, so daß auch alle von Magyaren, Ru»

thencn und Polen bewohnten Gebiete mit Prager Bim durchsetzt wurden und daher Anlaß zurMissionierung" boten.

Der Hauptführer der Bewegung war Dr. Farsky. der auch ein kurzgefaßtes Lehrbuch seiner Religion, einen Katechismus schrieb. Er hatte zunächst einen be­achtenswerten Erfolg. Im Jahre 1921 gab es in der Gesamttschechoslowakei über % Million Anhänger. Eine wie große Rolle bei der Ausbreitung der Lehre tatsäch­lich da» politische Element spielte, ersieht man auch hier sogleich aus der Tatsache, daß dies« halbe Million zum weitaus größten Teil nur in Böhmen, Mähren und Schlesien und zwar dort, wo die nationalen Tschechen maßgebend und vorherrschend sind sich rekrutierten. In ausgezeichneter Weise hatte hier ja die liberale Presse seit Jahrzehnten den Boden bereitet und alte Glaubensgüter unterwühlt. Die Slowaken dagegen, die 1918 in allzu voreiliger Weise sich der neuen mitteleuro­päischen Republik anschlossen und bis heute nicht zur Freundschaft mit den Tschechen kommen konnten, nah­men von Anfang an eine reservierte Haltung ein Ja sie lehnten fast ausnahmslos die neue Lehre ob. Nur eine winzige kleine Gemeinde bildete sich schließlich in Preß bürg a. d. Donau. Man muß bedenken, daß Preßburg tschechisch: Bratislava, ungarisch: Poszony die Hauptstadt der Slowakei mit dem größten und besten Donauhafen der tschechoslowakischen Republik ist und rund 100 000 Einwohner zählt.

Schluß folgt

Geh zum Fachmann!

4. Sonntag nach Erscheinung

eingangslieb: Pf. 96, 78.

Betet den Herrn ein. alle seine Engel. Das hört Sion und freut sich; es jauchzen die Töchter Judas. lPs. ebb. 1.) Der Herr ist König; es frohlocke die Erde, die Schar der Jn'eln freue sich.

Episkel: Röm. 13, 810.

Brüder! Bleibt niemand etwas schuldig, es sei denn die gegenseitige Liebe. Wer den Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn die Gebote: Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, kein falsches Zeugnis geben, nicht begehren, und alle andern Gebote sind in dem einen Gebot zusammengefaßt: Du sollst deinen Näch­st e n l i e b e n w i e d i ch s e l b st. Die Liebe tut 'dem Nächsten nichts Böi'es. So ist die Liebe dem­nach die Erfüllung des Gesetzes.

Mariä Lichtmeß.

Bon Generalsekretär Dr. Gerh. Kremer.

Die Kirche schließt mit diesem Fest den We'h- nachtsfestkreis, und wie sie am ersten Adventssonn­tag in Vorahnung und seliger Weihnachtssehnsucht gebetet hat:Laß uns, o Herr, inmitten deines Tempels deine Barmherzig­keit erfahren, damit wir in Würdigkeit das kommende Fest unserer Erlösung feiern können", so ruft sie in dankbarer Freude und Erinnerung am heutigen Schlußtag der Weihnachtsfeier aus. Wir haben, o Gott, deine Barmher­zigkeit inmitten deines Tempels an uns erfahren." Em Dankesgebet entringt sich der Kirche, da sie an diesem letzten Tage der Weih­nachtszeit auf alle Freuden und Gnaden zurück­schaut.

Der Christ wird mit der Kirche zurückschauen und in etnster Gewissenserforschung sich fragen müssen, ob auch für ihn Weihnachtszeit Gnadenzeit gewesen ist, ob die gefeierte Menichwerdu^ des Gottessohnes nicht an seiner Ssele ohne Wirkung oorüberge- gangen ist. Schließlich sind alle Festtage und Gna­denzeiten der Kirche für jene Menschen ohne Sinn, die nicht aus ihnen den Antrieb und die Krafr zu sittlicher und religiöser Lebensführung schöpfen In diesem Sinne betet deshalb die Kirche an Mariä-Lichtmeß:Allmächtiger, ewiger Gott, mit bitten in Demut deine Maiestät: Wie dein einge­borener Sohn am heutigen Tage in unserer menschlichen Natur im Tempel ist dargestellt wor­den, so verleihe, daß auch wir mit gerei­nigter Seele vor dir stehen." Wie Chri­stus sich und sein ganzes Dasein Gott zum Opfer brachte, so muß auch der Christ sein Leben und sein Schaffen Gott zum Ovser darbringen. Das ist wahrste und höchste Religiosität. Unser Leib und Leben, unsere Seele und ihr Wollen, das alles soll unsere heilige und unbefleckte Opfergabe an Gott den Herrn fein. Wahrlich, als das Kind im Tempel auf den Armen der Mutter dem Herrgott zum Opfer dargestellt wurde, da sah der heilige Gott mit Wohlgefallen aus diese reine und un­befleckte Opfergabe.

Wie stellt sich unser Leben Gott demHerrndar? Auch als eine heilige, makel­lose, Gott wohlgefällige Oprcrgabe? O, mir müs­sen in aller Demut darum beten und ringen, daß wir mitreiner Seele" vor Gott dastehen. Dann werden wir auch etwas von dem Glück in uns ver­spüren, das durch hie Seele des greifen Simeon zog, als er das Kind, die Hoffnung feines Lebens und der Welt, auf seine Arme nehmen durfte. Es war ihm vom Heiligen Geiste geoffenbart worden, daß er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen." So halte er auf den Trost Israels gewartet und geharrt, und nun die Stunde gekommen war und all ein Sehnen in Erfüllung ging, da entquoll seiner freudetrunkenen Seele jener Lobgesang:Nun. o Herr, laß deinen Diener in Frieden scheiden.

denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhme deines Volkes Israel." Immer und im­mer wieder klingt dieser Jubelhymnus, dem Sinne des Festes entsprechend, durch die heutige Meß­feier. Aus ihm ist auch die Lichtmesse ent st and en und die Ltchterprozession; das Licht ist das Symbol für Christus, der da ist das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in der Fin­sternis", sagte der Heiland von sich.Er ist das lvahre Licht, das erleuchtet jeden Menschen, der in diese Welt kommt."Das aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht, denn ihre Werke waren böse." Der berühmte eng­lische Kardinal Newman, der sich aus der eng­lischen Hochkirche zum katholischen Glauben durch­rang, konnte von sich lagen:Ich habe nicht g e f ü n d i g t w i d e r d a s L i ch t." Ob wir das auch von uns sagen können? Oder haben wir nicht oft genug die Finsternis mehr geliebt als das Licht?

Spielformen desBolfchewismus

Von Friedrich Muckermann S. I.

Ein Großteil unserer Gebildeten hat jetzt Fa­schingssorgen. Es geht schon seit Wochen so. Man spart, um in diesen Tagen das nötige Klein­geld zu haben. Man stellt die Abende zusammen und die Gesellschaft. Wenn der Poungplanbes­sere Zeiten" zu versprechen scheint, so begrüßt man sie zunächst, weil das eine bessere Atmosphäre für das Festefeiern schafft. Ach, wenn sich doch die ganze Energie in christliche Nächstenliebe und in die große Sorge um die Zukunft unseres Volkes umsetzen ließe!

Solche Sorgen gibt es. Nicht alle feiern Feste! Abgesehen von den Notleidenden haben auch jene keine Zeit dafür, die eben immer arbeiten, weil sie ihr Leben einer Idee gewidmet haben. Vor allem geht das böse Prinzip in der Welt um, geht um wie ein brüllender Löwe. Nur wenige machen sich eine lebendige Vorstellung da­von, mit welcher Energie der Bolschewismus arbeitet. Groß geworden mit dem Glauben an die Kraft der Maschine und an die Größe des techni­schen Zeitalters bedient sich der Bolschewismus der ungeheuren Pwpagandamöglichkeiten, die ihm die modernen Erfindungen an die Hand geben. Ganz Rußland ist mit einem wohlorganisierten Radio­netz überzogen; in den einsamsten Dörfern lauscht der einfache Bauer mit gespanntem Atem und mit leuchtenden Augen der Botschaft Lenins, lieber ganz Europa und alle Erdteile hin arbeiten die russischen Sender, deren flammendes Programm an psychischer Suggestionskraft alle anderen über­trifft. Wie sehr es der russische Film verstanden hat, für den Bolschewismus zu werben, ist bekannt genug und beruht letzten Endes auch auf einer ge­wissen Wesensverwandtfchast von Bolschewismus und technischer Kultur.

Den Bürger bei uns beunruhigt das alles wenig. Erstens hat er zuviel zu tun mit seinem Fasching, wie bereits gesagt wurde. Dann denkt er: Rußland ist weit. Bei uns Deutschen kann dir bolschewistische Idee nur vorübergehende Erfolge haben. Zudem genügen Reichswehr und Schupo... Wer will das bestreiten? Natürlich wird der Bolschewismus uns nicht überrennen mit seiner roten Armee, wie immer es darum stehen mag. Daran denkt er nicht einmal selber. Das läßt sich doch alles viel billiger und viel nachdrücklicher machen. Seine Tätigkeit gleicht einem elektrischen Strömender um sich ein magnetisches Feld bil­det. Jede Veränderung eines solchen Stromes führt auch Veränderungen in diesem elektromag- netischen Feld herbei und weckt die sogenannten Jnduktionsströme. Das kann jeder Radioempfän­ger an seinem Apparat beobachten. Neben dem russischen Bolschewismus treten seine europäischen Spielarten, von ihm indirett ins Dasein gerufen. Alle die revolutionären Kräfte, die als praktische

Folgerungen aus gewissen philosophischen An­schauungen erwachsen, alle die Unzufriedenheit, die aus der Not des Lebens kommt, die Reattion selbst, die auf dem Umweg über die Revolution wieder an die Macht zu kommen hofft, sie erscheinen als solche bolschewistischen Spielarten. Aehnlich wie in China und in Indien der Bolschewismus nicht so sehr in seiner russischen Form, als vielmehr in einer Spielart arbeitet, die iedesmal das Gepräge des beftefsenden Landes annimmt, so wird das auch in Europa der Fall sein. Kein Zweifel, daß man die revolutionären Versuche, die sittlichen Grundlagen der Ehe zu untergraben, auch von dieser Seite aus sehen kann. Es ist das die Revolution am wesentlichsten und empfindlichsten Punkte der christlichen Gesellschaft.

Noch gefährlicher ist jenes Verhalten mancher Gebildeten, die auch in Sachen des Bolschewismus zu wenig konkret denken. Da war vor kurzem ein Kreis von etwa vierzig Intellektuellen beisammen. Ein Bolschewist entwickelte seine Lehre. Und alle diese Vierzig waren begeistert. Solcher Art bol­schewistischer Apostel gibt es heute schon ziemlich viel. Es ist das gleiche Verhalten, wie man es auch dem Sozialismus gegenüber feststellm kann. Ir­gendeine geheime Sympathie mit dem Gegner läßt starke Aktionen gegen ihn nicht recht aufkommen. Man vergißt ob der Sprache schillernder Theorien die ganz andere Sprache, die das Leben spricht. Man berauscht sich an soziologischen Utopien, ob­wohl man doch die Wirklichkeit, die ihnen entspricht, heute mft beiden Händen greifen kann. Diesen Idealisten wäre eigentlich zu wünschen, sie gerieten einmal eine Zeitlang unter die Herrschaft der be­rüchtigten Tscheka. Sie wärm dabei, wenn irgend­wo eine Kirche geschlossen wird. Sie müß­ten einmal den Aufenthaltsort, auf dem im Nordmeer die katholischen Priester elendiglich da- hmsiechen, als Sommerfrische erleben. Wie schnell würden sie ihre Theorim ändern und mit aller Kraft einen Feind bekämpfen, der die liebensrnür- digsten Phrasen von Volksbeglückung mit denglei- cben Lippen spricht, die lächelnd Todesurteile far­men und der christlichen Kultur die Vemichtung ansagen.

Der tiefere Grund für das mangelnde Ver­ständnis des überzeugten Gegners liegt immer in der Schwäche der eigenen Uederzeu- gung. Man erschrickt nicht über das Wort Atheis­mus, wenn man selber nicht weiß und nicht erfährt, was Gott dem eigenen Herzen ist. Man regt sich nicht für die Verteidigung der höchsten Güter der Religion, wenn man nicht tief durchdrungen ist von dem Segen, dm sie der Menschheit bringen. Diese Ueberzmgung und diese Erfahrung aber hat man nur, wenn man ganz kauftet denkt und jederzeit selber die Folgerungen aus den eige­nen Gedanken zieht. Leben, viele von uns wirk­lich nicht zu weit weg von dm Kampffeldem, auf denen die großen Entscheidungen für die Zu­kunft fallen? Jeden Abend betet der Priester: Seid nüchtern, Brüder, denn euer Widersacher geht umher wie ein brül­lender Löwe und sucht, men er ver­schlinge... Es wäre das heute gewiß das beste Gebot auch für alle die Laien, auf deren Schul­tern größte Verantwortung ruht.

Aus dem katholischen Berlin.

Am 2. Febr. wird der Apostolische Administra­tor von Berlin zum ersten Male in St. Hedwig der zukünftigen Kathedrale von Berlin, die P r i e- ft e r w e i h e spenden. Es dürfte sich um die erste Priesterweihe handeln, die überhaupt in Berlin stattfindet, weil Berlin vor der Reformation nicht Bischofssitz gewesen ijt. Die Zahl der Ordi- nanden ist gerade nicht stattlich, sind es ja nur neun. Immerhin beweist auch diese Zahl, daß die Reichshauptstadt auf dem besten Wege ist. für den notwendigenNachwuchsimKlerus selber zu sorgen. Uebrigens waren im vorigen Jahre bei der in Breslau stattgehabten Ordination

Denk an Deine Augen!

im Februar von 33 Neupriestem 11, also genau der dritte Teil, aus dem Delegaturbezirk, so daß dieser verhältnismäßig besser vertreten war als das engere Bistum Breslau.

Von den diesjährigen Neupriestem stammen sieben aus Großberlin, einer ist in Karlsruhe ge­boren, einer stammt sonst aus der Provinz Bran­denburg. Zufällig ersehe ich aus einer Zeitung, daß auch in Bamberg ein Berliner, übrigens Kon­vertit, zum Priester geweiht worden ist, aber für die Erzdiözese Bamberg. So ist die Reichshaupt­stadt doch noch ein günstigerer Boden für einen bo­denständigen Priefternackmuchs als das übrige Bis­tum. Bilden die Katholiken in Berlin auch nur ein Zehntel der Bevölkerung, so stehen sich die ein­zelnen Katholiken doch näher, es besteht ein l e b» hafteres Zusammengehörigkeitsge­fühl als draußen, wo sie nur drei Prozent der Bevölkerung bilden, wo meist nur ein kümmerliches kirchliches Leben gedeihen, wo ein großer Teil nut dürftigen religiösen Unterricht erhalten kann, wo der Priester vielfach nur einmal im Mo­nat erscheint, wo die Katholiken bewußt oder un­bewußt am Minderwertigkeitsgefühl kranken. Da ist es schwer, daß geistliche Beruf« geweckt, gepflegt und gefördert werden können.

Die Errichtung des Bistums Berlin findet in bei betvächtlichkn, wenn auch nicht genügenden Stellung von Priestern aus der eigenen kathol. Bevölkerung einen Grund der Berechtigung. Hinwiedernn wird, so steht zu hoffen, die Errichtung des Bis­tums mit dazu beitragen, daß der Sprengel nock mehr und in genügendem Maße für seinen eigener Priestsrbedarf auffommen wird. Vorläufig wer den einerseits die bisher im Berliner Sprengel täte gen Priester aus der engeren Diözese Breslau, vor allem die Pfarrer oder Kuraten, d. h. die nich vom Staat besold.eten. aber mit allen seelsorglicher Pfarrechten ausgestatteten Priester, auf ihren Po sten verbleiben. Außerdem wird die Diözese Mün fter weiterhin hie Geistlichen für die beiden Berit ner Pfarreien St. Matthias und St. Ludgerusk di ehemalige Matthiaskopette) abgeben. Endlich wer den eine Anzahl von Kurati en der Reichsbaupt stadt und sonst von verschiedenen Ordensgesellschaf ten verwaltet- bayerische Augustiner, Dominikaner (2), Jesuiten (2), Missionare vom hl. Herzm, Stey ler, Oblaten, Salvatorianer. Diese Genossenschaf ten haben ja bereits auch selber Mitgli-der bei Ordens aus Berlin gewonnen. G. Br.

Aus den Missionen.

Katholische Aktion in Mexiko.

Mit lobenswertem Eifer nutzen die mexikant- schen Katholiken die kürzlich zugunsten der Kirche erlassenen Verfügungen aus. DieLiga zuni Schutz der Glaubensfreiheit", die in den letzten drei Jahren so erfolgreich tätig war, um die katholische Aktion zu festigen, bemüht sich jetzt, einen Volksentscheid zustande zu bringen, und die Lage ist im Augenblick derartig, daß die Hoff­nung auf einen Erfolg dieser Aktion durchaus ge­rechtfertig erscheint. Nicht nur haben sich die Be­ziehungen zwischen Kirche und Staat seit kurzem bedeutend gebessert, fonbem auch die öffentliche Meinung hat ihre Gefühle in zahlreichen Gesuchen um Abschaffung der religionsfeindlichen Gesetze zum Ausdruck gebracht, die der Regierung mit Hundert­tausenden von Unterschriften vorgelegt worden sind. Diese Gesuche waren auch von Männern unterzeich­net, die bisher als eifrige Antikatholiken bekannt waren. Sie begründen den Wandel ihrer Einstel­lung damit, daß die Verfolgung sich als Mißerfolg erwiesen und dem Lande unberechenbare Verluste zugesügt habe.

Lebensweisheit.

Der Staub, wie hoch der Wind ihn auch erhebt Bleibt doch gemein.

Der Edelstein, den man in Staub begräbt, Bleibt Edelstein.

Badenstedt.

Diplom-Optiker Sauerborn

Fulda, Steinweg 12