Erinnerung.
Bon Franz Cingia.
Wi« manchmal schwebt dein Angesicht Aus einer Ferne, schön und rein.
Und deiner Augen zartes Licht Hüllt mich so zauberselig ein.
Dann bin ich immer ganz erfüll. Bon einer Liebe inniglich.
Die mir ein Wunder neu enthüllt, Das lieblich mir geschah durch dich.
So schenkst du über Raum und Zeit Von einem Glück den schönsten Klang. Der mich begleitet nah und weit Und mich durchströmt mit holdem Sang
Die Gesundheit -er Hausfrau.
Die Arbeit der Hausfrau ist an sich eine gesunde. Schon in der Abwechslung der Arbeitshaltung, durch die Vielgestaltigkeit der Tätigkeit ist sie körperlich und seelisch zuträglicher als die mechanische Teilarbeit der auherhäuslich erwerbstätigen Frau, besonders auch, da sie meist mit innerer Befriedigung für die eigene Familie geschieht. Trotzdem gibt es zahlreiche Hausfrauen, die oft ohne eigentlich krank zu sein, Leiden haben, die sie in ihrer Äistungsfähigkeit und Lebensfreude herabfetzen. Ich denke an Schwellungen der Beine, Krampfadern, Plattfüße, an Verlagerungen u. Senkungen der Organe, an die allgemein überlastete, nervöse Hausfrau Darum verlangt gerade die heutige Zeit mit ihrer wirtschaftlichen Enge, mit ihrem Mangel an häuslicher Hilfe, mit ihren Wohnungs- und Erziehungsschwierigkeiten der Kinder ein Mehr an körperlicher und geistiger Leistung, dem nur die gesunde, leistungsfähige Hausfrau gewachsen sein wird. Hausfrauenvereine und Hausfrauenzeitungen haben in letzter Zeit der Gesunderhaltung der Hausfrau ihre besonderen Aufmerksamkeit zugewandt. Von größter Wichtigkeit ist zunächst die richtige Körperhaltung. Am anstrengendsten sind langes Stehen, besonders in gebückter Haltung Nun lassen sich aber besonders viele Tätigkeiten, die bisher aus Gewohnheit im Stehen verrichtet wurden, kräftesparender im Sitzen erledigen: so Kartoffelschälen, Gemüseputzen. aber auch Geschirrspülen und Plätten. Man versuche nur einmal durch Absagen der Tischbeine oder durch das Legen des Plättbrettes auf die etwas erhöhten Sitzflächen zweier gegeneinander gekehrter Stühle die richtige Höhe zu schaffen und man wird sehen, welche Erleichterung das Plätten im Sitzen bietet, Heber« Haupt ist die richtige Arbeitshöhe von großer Bedeutung. Der Waschkorb, beim Aushängen auf den Tisch gestellt statt auf den Fußboden, spart viel unnötiges Bücken. Das erhöhte Untergestell beim Waschtrog (meist steht er zu niedrig) erleichtert das Waschen erheblich. Ein in der Höhe verstellbarer Küchenstuhl vermag viele Möglichkeiten für eine richtige Arbeitshöhe zu geben. Daß richtiges Gehen, richtiges Stehen (mit aufgesetztem äußeren Fußrand und angespanntem Fußgewölbe), ja selbst richtiges Sitzen (nicht mit hohlem, sondern mit anqelehntem Kreuz, nicht hart auf der Stuhlkante, sondern tief und fest auf dem Stuhl), ebenso wie richtiges Bücken, Heben und Tragen (nicht mit Bauch und Becken, sondern aus den Schultern her
aus durch Muskelkraft) oft erst gelernt werden muß. will mancher Hausfrau nicht einleuchten. In vielen Köpfen spukt noch die alte überkommene Idee, daß ..eine gute Hausfrau" nie müßig fein darf. Die Folge davon ist die immer gehetzte , über ihre Kräfte arbeitende nervöse Frau und Mutter. Die heutige Zeit dagegen verlangt die zielsichere Hausfrau, die ihren Arbeitsplan so aufzustellen vermag, daß für sie ausreichend Zeit zum Ausruhen, auch während der Tagesarbe't bleibt, dem Mittagessen und in liegender Haltung. Auch eine genügende Nachtruhe ist zur Erhaltung der Nervenkraft nötig.
Der Urlaub der Hausaugesteülen.
(Eine wichtige Entscheidung de» Landesarbeitsgerichtes.
Von Max S ch e i b e r t - Langen (Hessen).
Eine Hausangestellte, die drei Jahre lang in einer Stelle war, verlangte bei ihrem Austritt drei Wochen Urlaub, welcher ihr nach dem für verbindlich erklärten Tarif für Hausangestellte zustehe. Ihr Arbeitgeber verweigerte den Urlaub, da sie in den drei Jahren ihrer Tätigkeit acht Wochen Urlaub erhalten habe, während ihr nach dem Tarifvertrag im ganzen nur sechs Wochen zustehen. Die Hausangestellte klagte. Vor dem Arbeitsgericht forderte der Beklagte Abweisung dieses Ansinnens. Die Klägerin aber behauptet, daß sie im ersten Jahre zwei Wochen Urlaub gegen ihren Willen erhalten habe, weil die Herrschaften verreisten und sie, die Klägerin, nicht allein in der Wohnung zurücklassen wollte. Sie mußte, obwohl sie erst einen Monat in Stellung war, wieder für zwei Wochen zu ihren Eltern reisen und gleichermaßen sei sie im Jahre 1928 in Zwangsurlaub geschickt worden. Diese beiden Fälle könne sie nicht als Urlaub anerkennen.
Das Arbeitsgericht war zu der Abweisung der Klage gekommen mit folgender Urteilsbegründung: Die Klägerin hat während der drei Jahre ihrer Tätigkeit im ganzen acht Wochen Urlaub erhalten, während ihr nach dem Tarifvertrag nur sechs Wochen Urlaub zustehen. Es gehe nicht an, daß jede Hausangestellte auf ihrem Urlaub bestehen tarnt, sobald das Dienstjahr abgelaufen ist. Ebenso wie sich jeder Arbeiter und Gehilfe mit seinem Urlaub nach den Interessen des Betriebes richten muß, so muß auch die Hausangestellte es sich gefallen lassen, wenn ihr der Urlaub in der Zeit erteilt wird, wie es ihren Arbeitgebern paßt.
Das Frankfurter Landesarbeitsgericht ist als Berufungsinstanz — wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Rechtsstreites war die Berufung gegen das Urteil des Arbeitsgerichtes zugelassen worden — zu einem entgegengesetzten Urteil gelangt Der Beklagte wurde zur Zahlung des eingeklagten Betrages von 73 Mark verurteilt und in der Urteilsbegründung ausgeführt: Nach dem Frankfurter Tarifvertrag für Hausangestellte hat die Hausangestellte nach eiN'ähriger Beschäftiaunqsdauer Anspruch auf einen Urlaub von einer Woche nach zweijähriger Beschäftigunasdauer von zwei Wochen und nach dreijähriger Beschästigungsdauer von drei Wochen. Die Hausangestellte erwirbt demnach jemals pn dem ihrem Eintrittstag entsprechenden Kalendertag des nächsten Jahres als Gegenleistung für die vergangene Arbeitszeit den Anspruch auf Urlaub. In einer häuslichen Wirtschaft kann selbstverständlich eine Hausangestellte nicht Urlaub nehmen, wann es ihr beliebt.
Es ist auch zulässig, den der Hausangestellten tariflich zustehenden Urlaub bereits vor feiner Fälligkeit im voraus zu erteilen. Ein solcher Urlaub versteht sich aber nicht von selbst als Vorschußurlaub, vielmehr muß er, wenn er als Vorschuß u r laub gelten soll, als solcher zwischen Herrschaft und Hausangestelller vereinbart werden. Ist eine solche Vereinbarung zwischen den beiden Parteien nicht ausdrücklich getroffen, so gilt jeder vor dem Fälligkeitstermin erteilte Urlaub als eine außertarifliche Sondervergünstigung, die den tarifmäßigen Urlaub für das betreffende Beschäftigungsjahr nicht berührt. Der Beklagte hat aber selbst nicht behauptet, daß er der Klägerin bei dem Antritt eines jeden Urlaubs erklärt habe, mit diesem Urlaub sei der ihr tarifvertraglich zustehende Urlaub für das Beschäftigungsjahr abgegolten. Die verschiedenen Freizeiten, welche die Klägerin in den drei Dienstjahren erhalten hat, müssen deshalb als übertarifliche Vergünstigungen in Frage kommen. Stillschweigende Vereinbarungen gibt es nicht ohne weiteres. Es fehlt auch an jedem Anlaß, wonach die Klägerin geglaubt haben sollte, daß der ihr vor- zeitig gewährte Urlaub als der tariflich zustehende Urlaub zu gelten habe. Aus diesem Grunde mußte der Beklagte antragsgemäß verurteilt werden. Gegen dieses Urteil ist ein weiteres Rechtsmittel nicht gegeben.
Die Frau im Beruf.
f. eine Organisation der Geflügelzüchterinnen wurde während der „Grünen Woche" in Berlin gegründet. Es gibt bereits zirka 200 geprüfte Geflügelzüchterinnen allein in Preußen. Die Organisation bilbet eine Fachgruppe des Reichsoerbandes der Beamtinnen und Fachlehrerinnen in Haus-, Garten- und Landwirtschaft, Sitz Berlin. Sie verfügt über einen eigenen Vorstand and bezweckt weiteren Ausbm, des Berufes, befriedigende Anstellungsbedingungen usw.
f. (Eine neue Prüfungsordnung für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen ist am 1. Januar 1930 in Preußen in Kraft getreten. Sie tritt an die Stelle der fchulwissenschaftlichen Vorprüfung und berechtigt zur Aufnahme in Kindergärtnerinnen-, Hortnerinnen- fo- zialpädagogische Seminare und Fachschulen für ländliche Haushaltungspflegerinnen und dient zugleich als Nachweis ber Schulbildung für die Zulassung zur Ausbil- düng als Privat-Musiklehrerin. Die Prüfung geschieht schriftlich und mündlich vor einem Prüfungsausschuß des Provinzial-Schulkollegiums. Bewerberinnen müssen das 17. Lebensjahr vollendet haben und mindestens eine abgefchloffene Dolksschulbildung nachweisen. Erforderlich bei der Anmeldung ist auch ein amtsärzüiches Gesundheits-Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis.
Die Frau als Hausarzt.
f. Bei Krampfanfällen empfiehlt es sich, den Kranken auf die linke Seite zu legen. Atembeschwerden und Bewußtlosigkeit treten dann wohl für einen Augenblick auf, aber die Zuckungen geben sich, weil der kräftige Herzschlag, der durch die linke Seitenlage hervorgeru- fen wird, bet verstärktem Blutumlaus das Gehirn günstig beeinflußt.
f. Nach überstandenen Krankheiten stellen sich häufig Gelüste nach sckiweren oder pikanten Lieblingsspeiken ein. Gibt man dem Kranken nach und besorgt ihm bw gewünschte Essen, so kann man das Schlimmste erle
ben, denn ebenso wie sich die Muskeln und Nerven bei Geh'- und Leseversuchen als schwach erweisen, sind auch die Verdauungsorgane zu größeren Leistungen unfähig. In der ersten Zeit der Genesung zeigt sich der charakteristische Zug, daß das Verlangen nach Wünschen heftig hervortritt, aber das Vermögen, das Gewollte zu vollbringen, nicht vorhanden ist. Dem Gesunden selbst fehlt vielfach die Fähigkeit, seine Kräfte abzuschätzen, und er begeht darum leicht schwerwiegende Fehler. Aufgabe der Pflegerin ist es nun, ihn vor Mißgriffen zu behüten. Auch Erwachsene müßen in dieser Zeit gewissermaßen als Kinder behandelt werden.
Die Arau in der Küche.
f. Hammelniere mit Champignons. Die Nieren werden wie üblich bereitet, ebenso die Sauce, nur nimmt man am besten leichten Weißwein dazu. Kleine Champignons werden in Butter gedünstet, in die Sauce gegeben, die Nieren dazu und alles zusammen in einer tiefen Schüssel angerichtet.
f. Rehragout. Brust, Hals, Schulter und Kopf werden mit einer Beize wie bei Sauerbraten übergossen und einige Tage stehen gelassen, dann kocht man das Fleisch in dieser Beize, fügt Pfeffer, Salz, einige Pilze und etwas Suppenwürze hinzu, verdickt die Sauce mit brauner Einbrenne, gibt noch etwas Zucker und Zitro« nenschale daran und läßt nochmals auskochen.
praktische Muke.
Petroleum al» Hilfe beim Feuer-Anmachen.
Zu dem in der letzten Frauenbeilage erschienenen Artikel über das „F e u er - A nm ach e n" schreibt uns ein Leser unseres Blattes als alter Praktiker:
Dort, wo Gas ober Elektrizität als Behelfsmittel nicht vorhanben sinb, brenufjt es durchaus nicht „eine Selbstverständlichkeit zu sein" sich des Petroleums zum Feueranstecken nicht zu bedienen. Dies kann nämlich ohne Gefahr auf folgende Weise geschehen: Man legt wallnußgroße Holzkohlen ober Koksstückchen in ein Gefäß und übergießt diese irrt Petroleum, das erstere sofort aufsaugen. Durch die Mitte des sauberen Feuerrostes schiebt man ein Stückchen Papier, das man unter diesem etwas hervorragen läßt, damit es als Lunte dienen kann. Ein weiteres Papier muß die Unterlage für bas petroleumgetränkte Kohlenstück geben, neben welches beiderseitig je ein Holzstück gelegt wird. Dann folgt eine Querlage von zwei kürzeren Stücken, bann drei bis vier Langhölzer, diesen wieder Querhölzer. Den Schluß machen wieder Langhölzer. In Summa sinb also 4 Quer- und 8 bezw. 10 SanahnUer für diese Art Feuer-Anmachen nötig. Ist die Ladung fertig, bann beckt man die Ofen- ober Herdplatte zu und zündet die obenerwähnte Lunte an. Ist bas Holz trocken, entspre- chenb btinn gespalten, die Zünbkohle genügenb groß und getränkt, so wird es kaum einen Blindgänger geben.
f. Ilm gebrückten Sammel aufzufrischen, lege man ihn mit ber Vorberseite auf bie Borsten einer Kleiderbürste, befeuchte bie nun oben liegende Rückseite mit etwas Spiritus und plätte bie gedrückten Stellen mit einem mäßig heißen Eisen. Der Stoff muß babei m:: Hilfe einer zweiten Person über die Borsten gespannt werden, damit ber Sammet locker aufliegt.
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Sein Lostag.
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Copyright by Ne-De-Ko. Münster i. W.
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Der Ferdi kommt auch, nicht lange und selten, 'M- mer in seinem blauen Arbeitskittel; er muß sich sparsam und weise oertellcn zwischen Beruf, Weib und Kindern und zukünftigen Schwager. Diese zwei aber verstehen sich prächtig. Sie sitzen im dunkelschattigen Spitalsgarten, schauen in die leise rauschenden Baumkronen und schweigen.
Und weiß doch einer vom anderen bas tiefste, innerste Geheimnis und freuen sich dessen. Ist ein dritter, von den allen Freunden Karls einer, zugegen, jo kann sich der in Grimm und Wut nichts anderes denken als „bie zwei Duckmäuser!"
Ist aber Gitta als dritte dabei, so schweigt sie getreulich mit, ist glücklich und zufrieden, in der ruhigen Stunde bei ihm sein zu können. Manchmal hatscht der Wickerl vorbei, lächelt zu ihnen her, breit und grinsend. Der Arzt heißt ihn einen Schwindler. Dann tut er noch kläglicher, schimpft und winselt in einem Atem. Was wissen die Herren Doktoren, was das heißt, ein Bett, ein Essen haben, ein Patient sein, ein Mensch — und nicht nur allweil ein Gauner, ein Lump, er ist nicht mehr der Jüngste. Ach, neben.Leuten sein können, bie, wenn es grab einmal ist, „Herr Mur" zu ihm sagen! — Die Herren Doktoren wissen es schon, sonst läg er schon längst auf dem öfter* Dnin aber steht er boch einmal vor Karl Müller zum Abschiednehmen, ein wenig selbstbewußt und ein kleines Gleißen in den Augen. .Ja. W'-'erl. b'--*> -"'stnd und wo denn hin nun?" „Ich weiß nit, am End gar in bie Krim, von der roten Hilfe halt!" Ein bißchen heimlich sagt ers. daß es der andere nicht hört. Karl spürt auf einmal eine wehe Müdigkeit, er zwingt sich zum Heitersein und sagt: „Denk manchmal an uns noch, Wickerl!" Der geht ein Bett weiter. Jetzt reichen sie sich die Hönde und das nächstemal werben iie wieder ...»
Ein Schauer schüttelt Karls Leib. Nach etlichen Tagen bekommen sie eine Karte aus ber Krim. Der Nachbar schupft sie in bie Labe des Nachtkästchens, „na halt ja, da wird er schon wieder recht werden!" Karl Müller aber hält sie lange in Händen. Was mag er wohl sinnen? Heber alles, was hüben und drüben ge= fehlt und geirrt wird.
Er haßt der Worte gewuchtigen Schwall, ihn ödet das Primitive hinter den prächtigen Kulissen so an. Er sehnt sich nach dem stillen, unermüdlichen Wirken, das der großen Tat einhergehen muß. Er will einer der vielen kleinen Treuen sein. Er sehnt sich nach Arbeit. Er sehnt sich wieder nach dem Leben. Seine Genesung schreitet mit jedem Tag weiter, weil der Wille ihn drängt und stählt, der Wille zu einem neuen, anderen Leben. Er will dem Wunder seiner Gnade nicht bie Tat seines Lebens schulbig bleiben!
Biel Wunderliches muß auch Frau Müller erleben in der Zeit ber Genesung ihres Sohnes. Ein neues Kind ist ihr geschenkt in diesem vielbemeinten Sohn. Sie lernt mit Eifer und Mühe, mit Staunen und Unbehagen, aber sie lernt, lernt mit Liebe ihr großes, neu« geschenktes Kind verstehen.
Er aber tritt mit Ehrfurcht in den verlassenen Garten seiner Kindheit ein.
Viel ist verwüstet von fremden, ungebetenen Gästen, sorgsamer will er nun das Herztürlein seiner Mutter hüten, daß die zer,zausten Halme im herben, remen Morgentau ihrer Leiden wieder erstarken. Es wird kein blühender Anger mehr, wie etwa bie Heimstatt ber Manhartkinder, aber ein Stück Heideland soll es werden umzäunt und geborgen in seiner liebenden Achtung Stürme sind barübergebrauft er will vergessen will i'ebevoll hegen, was im tiesiten Kern ihres Wesens noch immer fein geblieben ist, eingedenk der Worte: Jede Mutter tut was sie kann!" Will dankbar und treu fein um das Geringste.
Karls Vater ist wie träumend, er bindet feine Krawatten noch immer schlecht und nachlässig, begleitet seinen Sohn mit ungebügefter Hose auf dem ersten Spaziergang nach der langen Svitalszeit. Alle Flottigkeit ist von ihm gefallen wie dürres Herbstlaub von den Bäumen. Er möcht am liebsten ber Kammerdiener sei
nes Sohnes sein. Freund und Berater für Karls neuen Weg, bas aber vermag er nicht zu werben. War er früher einmal vielleicht nur unbewußt feig ober vorsichtig, klug, jetzt ist er ängstlich, erschreckt „Armer Vater", benkt sich oft Karl, „er ist aus dem Gleise gerissen wie eine Maschine "
Viele Kämpfe muß Karl bestehen, sie sind nicht mehr schwer, aber schmerzlich und Opfer fordernd. Seiner Laufbahn, bie schön und lockend begonnen, sind Grenzen gesteckt, und er muß sich bescheiden. Wär er nicht in de' Tüchtigkeit seines Berufes viele Male erprobt, er faß in einem gefährlichen Glashaus. Sich behaupten auf dem Platz, wo man steht, ist vielleicht alles, was er auf Jahre hinaus erringen mag. Zäh und bedächtig geht er weiter. Verräter und Querulant und viele andere spitze Steine sausen ihm in diesen ttäumerisch schönen Herbsttagen an Herz und Hirn. Stumm und klaglos, stark und treu geht er durch den endlos langen Kampf dieser Tage. Laut schmähen sie ihn. heimlich bewundern und neiden ihn viele. Dafür aber blühen auf allen seinen Kreuzwegen die lichtblauen Vergißmeinnicht seiner lieben Brigitta und stille Abende bei den Manhart- leuten schüren die Flämmlein der Liebe von Mensch zu Mensch, zum heiligen Feuer.
Er hat sich nicht in Haß von seinen Brüdern gewendet. Wo er geht und steht, grüßt er hinüber. Er schaut mit klugen Augen und warmem Herzen, wie Raum auf Erden wäre für eine schöne, breite Straße, auf ber alle, alle wandern könnten in Frieden und Eintracht.
Freilich, wenn er manchmal aus sich herausgeht und diese wunderbaren Pläne schmiedet, mahnt ihn Mutter Manhart leise zur Wirklichkeit. „Karl, sollst nie vergessen, es ist nur Welt, in der wir leben, kämpfen und leiden müssen, es ist alles nur Welt!"
„Ja, wie arm wären wir Menschen ohne Sehnsucht und Wünsche", so spinnt er ihren Faden weiter. In ruhsamen Abendstunden wandert er gern mit Gitta zu den Schwägern. Es sind ihm kleine Lehr- und Wanderfahrten, er lernt an den beiden biederen Männern und ihren Familien eine ihm noch unbekannte, vielge- schmähte Volksschicht kennen. Sie sind seinem gründlichen Forschen besonders wertvoll in ihrer köstlichen Zweiart, die dasselbe hohe Ziel verfolgt, und recht hat
ein jeder, ber rasche Brausewind und der wägende Zauderer.
Ihre blühenden Kinder geben ihm Beweis und Zeugnis, daß auch strenge Zucht nicht Knechte erzieht, denr ihre Augen strahlen hell und froh, einer seligen Kindhest voll. Ihre bescheidenen Frauen sind ihm schöne Anwartschaft auf das eigene zu erwartende Glück. Einmal, es war auch so ein lieber Abend, sie saßen zu zweit, er und Gitta, am Kinderbettlein des kleinen Hanserle, pausbackig und rosenrot blühend ist ber Kieme geworden. Die Frau Annerl war fort, noch was zu besorgen, ber Heller Hansl noch nicht dahemi. Da gedachte Gitta ber verzagten Stunden, wie sie bie heißen, verzweifelten Tränen über das Büblein gemeint. Ein Iubelton, schluchzend vor Glück, ringt sich aus ihrem Herzen, daß Karl sie froh unb zitternd umfängt. Halb erratet er ihren sehnenden Glücksgedanken Da erzählt sie ihm alles, was sie bisher verschwiegen.oon ihrem Vorhaben, von ihrem Opfer, das ein gütiger Gott nut um des Opfers willen erhört hat, das wie ein prunkende-: Riesengeschenk in ihre Hände zurückgelegt ist, das sie immer noch ein wenig ungläubig unb befangen nicht zu fassen vermag. Gesteht ihm, wie damals beim Anblick des Kmdleins dieser Verzicht sie ins innerste Herz getroffen hat, wie sie der Jammer eines einsamen Hebens heimgesucht. Wie ihr die Mutter von des Weibes leid- voller Sendung gesprochen, sie aufgerichtet und in ihrem Vorsatz aufs neue gestärkt hat. „Karl, es war in ber Stunde, wie der Priester zu dir gekommen!" Da kniet er zu ihren Füßen, legt fein Gesicht in ihre offenen Hände, daß drinn seine Zähren ungesehen verrinnen können Ihre Hände, fühl und lind und ein wenig herbe, sie waren viel unb strenge gefaltet in letzter Zeit. Sie wühlen nicht gierig, nicht mehr von Leidenschaften durchbebt in seinem dunklen Haar. Streichen leise drüber hin, kühle Glutstörme seines Blutes, dämmen schäumende Wellen seines Verlangens, hüten bie Heiligkeit ber Liebe: „Gitta, ich bin bein Schuldner unser Leben lang, nicht meinetwegen bin ich dir erhalten blieben. Gott weiß am besten, daß bie Well, daß unsere Zei* gute Mütter braucht!"
(Forttetzunc folat.)