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26. Januar

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Die Wolke.

Von Sara Teasbale*)

t Ich bin eine Wolke hoch im Blauen, Die schönsten Sterne darf ich schauen;

' Ruhelos wechselnd, fessellos frei, Werf ich den Schatten auf Meer und Bastei, Doch wenn den Berg mein Spielen umfaht, S. Warum flüstern die Tannen:Rast!"?

t Ich breite den Mantel über den Mond, Verschlei're die Sonn', die am Mittag thront; Nichts kann mich zähmen, nichts mich binden, Ich bin ein Kind von sühllosen Winden; Doch wenn den Berg mein Tosen umfaßt, Rauschen immer die Tannen:Rast! Rast!" Berechtigte Uebertragung von Hans Rudolf Rieder.

weg führt zwischen vollen Lebensbäumen hinauf. n den Seiten und am Ende steingefaßte Brunnen.

Die Berge liegen jetzl ganz in blaugrauem Dunst halb welk. Hasen springen auf und rennen über schüt­zende Halden. Ich schreite zwischen Felder und einsamen Grashalmen nach dem Wachtküppel. Schon liegt Gers­feld unter mir wie ein vierstrahliger Stern. Aus der einen Seite Schloß und Park: der Adel, links davon Gehöfte: die Bauern, oben beim Bahnhof die neuen Häuser: Fremde, Beamte, zur Rechten das Sägewerk: die Industrie. Alles reinlich gesondert und seine Interes­sensphären im Stadtkern abgrenzend.

Die eBrge liegen jetzt ganz in blaugrauem Dunst. Auf einem Stoppelfelde macht sich ein Bauernbursche zu schaffen. Ich gehe näher und sehe, wie er Maul­wurfsfallen legt. Richt der Felle wegen, so erzählt er mir, fängt er die Maulwürfe. Da verlohnt sich nicht einmal das Abziehen . Man beseitigt diesen schönen

quenz aller ehrlichen Politik und jeder redlichen Wirt­schaft.

Verantwortung ist feierlichster Gottesdienst! Und wenn wir nur das Fenster im Abteil der Eisenbahn schließen, damit der andere sich nicht erkälte! Wieviel mehr: wenn wir uns um seine Seele sorgen ...

Dostojewski hat einmal wo gesagt:Jeden Tag, jede Stunde und jede Minute gib acht aus dich, damit dem Antlitz rein sei. Wenn du böse, mit einem schlechten Wort und haßerfüllter Seele an einem Kind vorüber­gehst, das du vielleicht nicht einmal beachtet hast, und es sieht dein häßliches und verzerrtes Gesicht siehe, so prägt es sich in sein schutzloses Herzchen ein. Du weißt es nicht einmal und hast doch Schlechtes in sein Herz gesät, und der schlechte Same wird aufgehen und das alles nur, weil du in Gegenwart des Kindes nicht auf dich achtgegeben hast und weil du keine umsichtige

und tatkräftige Liebe in deinem Herzen hegtest. - Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich An ei­nem Ende der Welt verursachtest bu eine Bewegung, und am anderen Ende der Welt hallt sie wieder.

Dichter sind halt poetisch! Schade: daß sie auch noch weltfremd und unpraktisch sind . . .

Aber .. .

Still mit dem Aber! Die Aber kosten Ueberlegungi (Lessing.)

Aber ein ungeschlachter Schlagbaum vor dem Tore der Erwartung. (Ludwig Bechstem.

*

Aber, Wenn und Gar Sind des Teufels War'. (Sprichwort)

*) Sara Teasdale gilt als die bedeutendste lyrische Dichterin Amerikas. Sie erhielt neulich den Dichterpreis der Universität Columbia.

Winker ohne Schnee.

Das Tal ist grün. Vereinzelte Stellen des Berg­hanges sind von Wald bedeckt. Fichten. Ein paar Bu­chen, stark und stämmig. Eichen mit trockenen, braunen Blättern. Der Weg führt am Hang entlang, von Klein­holz und Bäumen umsäumt. An den Büschen scheinen bald vereinzelt, bald dichter die roten, leicht verhutzelten Hagebutten. An Wasser ist keine Rot mehr. Laut und voll rauscht unten der Bach. Ab und zu sehe ich zu ihm durch eine Lichtung hinab. Schlanke Erlen folgen sei­nem Lauf. Einige hat man gefällt. Drüben an der Bodenwelle, wo das Gras eine frische, grüne Farbe zeigt, schichten Männer das Reisig auf.

Heute ist das Wetter unklar. Ein leichter Schleier hängt vor dem Schwedenschanzemassiv, von wo verein­zelte weiße Flecken leuchten: Reste von Schnee.

Sparbrod beginnt mit einem sauberen blauweißen Hause. Zahlreiche Backhäuser aus Haustein mit ihren durchbrochenen Schloten scheinen den Namen des Ortes Lügen zu strafen. Seitlich an einem Wiesenhang, der sich zum Mühlgraben hinabzieht, breitet ein Mädchen Mist, verteilt und wendet ihn. Eine Frau kommt vorbei, die einen botanisiertrommelartigen Koffer mit blanken Nickelbeschlägen auf dem schwarzen Leder in der Hand trägt. Hinter dem Fenster der Wirtschaft steht die Wirtin mit einem Kinde auf dem Arm. Als sie sieht, daß ich hineinkommen will, verschwindet sie eilig.

Dor der Tür bleibe ich noch einmal stehen und schaue mich um Die Gehöfte liegen ungeordnet und quer. Graue Schindelgiebel blicken von oben herab. In den Gärten hängt Wäsche. Töpfe sind auf die Zäune ge­stülpt.

Als ich in die Stube eintrete, die so sauber ist. wie ich es nicht erwartet habe, steht die Frau allein da. wischt die Hände an der Schürze ab. Sie bedient mich freund­lich und zeigt sich redselig. Ihr verschlage es nichts, meint sie, daß es keinen Schnee gibt. Sie brauche bann weniger Kohlen. Wintersportler kämen ja dock» kaum in ihre Wirtschaft. Die besuchten lieber bie Gasthäuser Gersfelbs.

Dann sitze ich allein im Raum unb schaue an ben zahlreichen Topfblumen vorbei zum Fenster hinaus Es kommt niemanb außer einem kleinen Jungen, ber einen Maßkrug herbeischleppt unb sich artig benimmt, unb einem Bauern, ber feine Fuhre halten läßt, um sich einen Schnaps zu genehmigen. Am Mittag gehe ich nach Gersfelb hinüber. Ein Gasthaus am Marktplatz beher­bergt gut. Der Wirt klagt über das Ausbleiben des Schnees diesen Winter. Schlechte Geschäfte. Ein Rei­sender und zwei Monteure, die in ber Nähe arbeiten, «ssen hier zu Mittag. Nach einiger Zeit kommt noch ein alter Herr mit einem (Tlemenceaubart, ber, während er sein Mahl hastig vertilgt, mühsam über zerlestnen Jour­nalen brütet. Er ist scheinbar im Ruhestand unb ver­zehrt hier seine Pension.

Nachher schlenbere ich durchs Städtchen, werfe einen Blick in den sauberen Schloßpark, gehe durch den Fried­hof, der in feinem unteren Teile vernachlässigt ist, Seifen

Pelzträger vielmehr deshalb, weil sie durch das Auswüh- len des Bodens zu einer wahren Landplage geworden sind. Nur ein weißer Maulwurf wird gut bezahlt. Der aber ist selten.

Wir gehn zusammen zu Tal. Er schreitet mit den klobigen Holzschuhen über die runden Ackerschollen. Mir gefällt dies Bild so sehr, daß ich ihn bitte, sich photo­graphieren zu lassen. Er tut es gerne und bewundert den Apparat. Dann verabschiedet er sich und geht über eine Wiese zu seinem Weiler hinüber. Sein Bild hebt sich klar und deutlich vom Horizont ab. Lange schaue ich ihm nach.

In Maiersdorf fließt viel Wasser in kleinen und klein­sten z. T. frisch aufgeworfenen Gräben und Bächen. Dor den Häusern liegt Holz. Aus einem Schuppen schauen viele Dutzende neugeschnitzter, heller Rechen. Kinder spielen auf der Straße. Aus dem Fenster eines Hauses sieht man mir nach.

Auf der Sttaße rattert ein Wagen. Der Bauer grüßt freundlich unb läßt mich gerne mitfahren. Ihm ist der kalte Winter recht. Nur für den April prophezeit er mir viele Stürme unb schlechtes Wetter.

Günther Willms.

Verantwortung.

Bon Hans H o r a n b t.

Hinter mir kommen zwei junge Frauen. Vielleicht Lehrerinnen. Ober auch Stubentinnen. Und ich fange von ihrem Gespräch die Worte auf:Das geht nicht. Ich fühle mich verantwortlich . . Der Lärm eines Autos verschlingt das andere---.

Man achte einmal auf die Gespräche der Menschen Und ob wohl je darin das Wort oorkommt:--

ich fühle mich verantwortlich."

Kommt es denn in unserem eigenen Reden vor? Oder gar in unserem Tuen? . . .

Wir leben so oft: als ob wir nur für uns allein da wären! Oder: als ob die anderen nur für uns da wären! Etwa: damit sie für uns arbeiten; uns bas Leben möglichst angenehm machen; unser Ansehen he­ben; unser Gelb vermehren. (Dafür werben sie ja von uns mehr ober weniger bezahlt!) Ader Ver- antroortung gegen sie? ... Für ihr« Gesunbheit; ihre Familie; für bie Seele in ihnen---: das ist

sentimental! Und steht in keinem Arbeitsvertrag!

Es gibt noch andere Menschen. (Außerhalb der Ta­rifverträge.) Menschen: die irgendwie in unserem Le­benskreis stehen. Don der Wohnküche bis zur täglichen Straßenbahn. Sie alle werden vielleicht irgendwo und irgendwann einmal von uns beeinflußt: durch das. was wir denken, was wir reden, was wir lesen, was wir essen, was wir tun! Und wie wir das alles tun! Wenn das Geheimnis ber suggestiven Beeinflus­sung unserer Haltung auf andere je gelüftet werden könnte! Wenn wir selber einmal wüßten: wieviel wir nur darum so tun, weil wir es bei den anderen festen.

Wir sollten darüber nachdenken! lieber die Macht, die uns gegeben worden ist. Unb uns ber Verantwor­tung bewußt werben. Es müßte paradiesisch zu lebet sein: wenn der eine sich für den anderen verpflichte fühlte . .

Das ist das Myfterium aller Liebe! Letzte Konfe

Allerlei vom Papagei.

Der todbringende Vogel. Vapageienzuugen als Delikatesse. Papageie» halfen Amerika entdecken! Vapageienpfychologie. Der Almen-Papagei-

Dielleicht ist es bloß Sage, vielleicht ist es auch wahr: Als einer ber Jnkasfürsten zum ersten Male einem ber | spanischen Eroberer gegenübertrat, trug der aus ber Schulter, an einer gofbenen Kelle, einen Papagei Kaurn hatte biefer ben Spanier erblickt, ba flog er mit wildern Kreischen auf ihn zu. Die Kette hinderte ihn zwar ben Spanier zu erreichen, aber er vergiftete ihn mit feinem Atem, so daß er erkrankte unb starb. Hat sich hier zum ersten Male an einem Europäer bie Papageienkrankheit, bie Psittakose, gezeigt, bie späterhin von Zeit zu Zeit epibernisch in Europa auftrat, bie bavon Betroffenen mit dem Tode bedrohend?

Richt erst mit den Spanier jedoch sind die Papageien nach Europa gekommen. Seit über zwei Jahrtausenden bereits sind sie als zahme Hausvögel in Europa be­kannt. Die ersten Papageien soll Alexander der Große von seinem indischen Feldzuge mitgebracht haben. Heute noch bezeichnet man einen indischen Papagei, der übri­gens zu den größten gehört, die es gibt, unb bis zu einem halben Meter lang wirb, alsAlexandersittich". Einen wahren Papageienkult trieb man im Rom ber Kai­serzeit. Sprechende Papageien ftanben hoch im Preise unb kosteten soviel wie ein Sklave. Oft tauschte man Sklaven gegen Papageien ein. Der Dichter Ovid hat einem Papageien sogar ein Gedicht gewidmet. Berühmt geworden sind die sprechenden Papageien ber Heliogabal, allerdings nicht durch ihr Sprechenkönnen, sondern da­durch, daß der Eigentümer bei einem Festmahl seinen Gästen ihre Hirne und ihre Zungen als Delikatesse vor­setzen ließ. Eine der lukullischenGroßtaten" des Roms ber Kaiserzeit!

Auch in Deutschlanb waren bie Papageien bas ganze Mittelalter hindurch bekannt. Allerdings waren sie bis zu den Kreuzzügen eine große Seltenhell. Die Kreuz­fahrer brachten sie vielfach von ihren Zügen in die Hei- mat mit. Merkwürdigerweise findet man auf mittelalter- lichen Gemälden, die bie heilige Familie barstellen, zu- weilen einen Papagei. Er ist also offenbar sogar ein reli­giöses Symbol gewesen; was er bebeutete, ist jeboch nicht sicher; vielfach wirb angenommen, baß er bie unbefleckte Empfängnis ber Gottesmutter versinnnbilbete, was viel­leicht mit einer alten, unbekannten ßegenbe Zusammen­hängen mag.

Währenb alle bis bahin bekannten Papageien indi­scher ober afrikanischer Herkunft waren, kam mit ber Entdeckung Amerikas auch der amerikanische Papagei nach Europa. Run erst entstand so recht die Papageien- mobe. Bei ber Entdeckung Amerikas selbst spielten bie Papageien übrigens eine Rolle. Als Columbus im Zweifel war, welche Richtung er einschlagen sollte, er­blickte er eines abends eine Papageienschar, bie nach Süb» westen flog. Mit Heller Freube begrüßten bie Seefahrer bie Dügel; schienen sie ihnen boch Bürgen bafür zu fein, daß Land in ber Nähe war. Sofort würbe ber Kurs ge­ändert, bie Schiffe schlugen bie Richtung ein, in ber bie

Papageien geflogen waren, unb erreichten tn kurzer Zeit ßanb. Es besteht keine Deranlassung, biese lieber- lieferung anzuzweifeln. Die meisten Papageienarten allerbings sind kurzflügelig unb weniger zum Fliegen als zum Klettern befähigt sie klettern übrigens nicht mit ben Füßen, fonbern mit bem Schnabel, haken biefen ein unb ziehen ben Körper nach, es gibt jedoch auch langflügelige Arten, bie weite Flüge unb SEßanberungei unternehmen.

Ueberhaupt herrscht in ber Familie ber Papageien ein, sehr große Mannigfaltigkeit. Es gibt große und stark Arten, die wie ber Kea auf Neuseelanb sogar Schase an greifen, unb Zwergarten, bie nur Sperlinggröße errei chen. Manche sehen wie Eulen ans unb sinb wie biefi auch Nachtvögel, anbere sinb zierlich unb munter Singvögel. Für alle bezeichnenb aber ist ber hakensör mige, krumme Schnabel, ber nicht nur ihr charakterist. sches Merkmal, sondern auch ihre stärkste Waffe dar stellt. Wo sie wie in den Tropen wild lebend in Schwär men auftreten, richten sie mit diesem Schnabel mitunt-i aus reiner Zerstörungswut unglaubliche Verwüstungen in den Fruchtpflanzungen und Felbern an. Zu Tausen- den fallen sie mitunter in bie Reis- unb Maisfelder ein unb es bleibt bann kaum ein Körnlein übrig. In man chen Gegenben wird ihnen daher von den Eingeborene: scharf nachgestellt, in anderen aber, wie zum Beispiel auj Ceylon, gelten sie als heilig. Was aber wären die tro pischen Wälder ohne die Papageien! Sie erst geben der Wäldern ßeben und Farbe. Ein herrliches Schauspie­ls! es, wenn mitunter eine ganze Reihe von Bäumen vor ihnen pyramidenartig besetzt sind und in allen Färber förmlich zu flammen scheinen. An manchen Plätzen, bii ihnen als Schlafplätze dienen, hat man Hunderttausend' von Papageien auf einmal gezählt. Man kann sich den­ken, welch ein Börm hier kurz vor der Nachtruhe und am Morgen wieder nach dem Erwachen herrscht. Kein Tier wagt sich in die Nähe solcher Plätze.

Dies ßeben in Schwärmen und das Aufsuchen be­stimmter Massennachtguartiere hat der Papagei mit dem Affen gemein. Und nicht nur bas. Seine ganze Art unb fein Verhalten ist so, bah man ihn nicht mit Unrecht den Affen der Vogelwelt nennt. Er lebt übrigens auch mit dem Affen im besten Einvernehmen. Im allge- meinen besitzen ja die Vogel keinePhysiognomie", b. h keine Ausdrucksfähigkeit. Der Papagei macht eine Aus­nahme. Sein rundes, lebhaftes, ausdrucksfähiges Auge der hakenförmige Schnabel, ber plumpe und boch turne risch geroanbte Körper unb vor allem bie zu allen Mo- bulationen fähige Stimme ergeben ein ganz eigenartiges Charakterdilb, aus bem nun jeher einzelne Vogel (eine Jnbividualität entwickelt. Es wäre weit gefehlt, wollte man annehmen, ein Papagei fei wie ber andere. Wer einen Papageien zähmen ober erziehen will, wird bald merken, daß das nicht weniger Ueberlegung und Ge- wandtheit kostet wie die Kindererziehung. Von oornberem

Das Gift.

Roman von William Le Qusux.

Alle Rechte d. Trete v. Urbanitzkv, Wien. Bearb. v. Dr. Otto Borschke 11] -------

Anhalt de« bisher abgedruckten Romanabschnittes.

Hugh Garfield, ein jünger englischer Dip­lomingenieur, hatte eines Abends in London ein seltsames Erlebnis. Ms er sich auf dem Wege zu seinem Onkel befand, wurde er in ber Stetton Street plötzlich von einem Diener in Livree ange­sprochen unb bringend gebeten, ihn in das nahe­gelegene HauS seines Herrn zu begleiten, den ein schwerer Kummer bedrücke. Garfield kommt nach einigem Zögern ber Bitte nach unb wird von dem Diener in ein palaisartiges Haus geführt. Es gehört Oswald de Gex, einem bekannten Mil­lionär. Der Hausherr, dem ber Besuch anscheinend sehr angenehm ist, schüttet in längerer Unterhaltung dem Gast sein Herz aus. Plötzlich ertönt ein Schrei aus dem Nebenzimmer. De Gex stürzt hinaus und überbringt kurz darauf bie Nachricht, daß so­eben seine Nichte Gabriele Engledue an Herz­schlag gestorben sei. Er führte Garfield in bas Zim­mer, wo ein junges Mädchen leblos auf einem Bette liegt. De Gex überredet Garfield, einen Totenschein über Gabriele zu unterschreiben und bietet ihm eine hohe Geldsumme als Belohnung. Kurz darauf schwinden Garfield die Sinne. Vier Wochen später findet er sich in einem Hospital der französischen Stadt St. Malo wieder. Wie er dorthin kam, ist ihm völlig .rätselhaft. Nur ganz langsam und allmählich dämmert die Erinnerung wieder auf. Nach London zurückgekehrt, sucht Garfield das rätselhafte Geschehnis aufzuklären. Als er erfährt, daß de Gex inzwischen nach Florenz abgereift ist, fährt er ebenfalls dorthin und sucht ihn auf. Doch dieser tut so, als ob er Garfield nie im Leben gesehen habe und von einer Nichte Gabriele über­haupt nichts wisse. Die Erzählung des jungen Engländers erklärt er für Hirngespinste einer ver- rückten Phantasie. Garfield verläßt empört das 6au5. mietet sich in Florenz ein Zimmer und ist

fest entschlossen, das Geheimnis trotz allem zu lüf­ten. In einer Weinschenke wird er mit Robertson, dem Kammerdiener von de Gex, bekannt, von dem er vergeblich etwas über Gabriele Engledue zu erfahren sucht. Ms er eines Tages in der Kathe­drale Santa Maria bei Fiore weilt, bemerkt er zu seiner größten Ueberraschung eine von einem Herrn begleitete junge Dame, die der totgeglaubten Gabriele Engledue aufs Haar gleicht. Der Beglei­ter ist ein gewisser Arzt, namens Moroni. Um ihn näher kennen zu lernen, begibt sich Garsteld in seine Behandlung. Bei einem seiner Besuche härt er im Nebenzimmer eine Unterredung zwischen Moroni und De Gex, dellen Hausarzt ersterer ist. Sie verabreden für den Abend ein Zusammentref­fen im Park der De Gexschen Villa. Garfield ist unbemerkter Zeuge der Aussprache, bie ihm wich­tige Aufschlüsse gibt. Einige Minuten später hört er ein geheimnisvolles Gespräch zwischen De Gex unb einer Frau Cullerton mit an. De Gex heu­chelt ber Dame gegenüber selbstlose Freunbschaft. In Wirklicykett ill -v wie Gars elb aus ber Unter­haltung des Millionärs mit Moroni entnommen bat, aus iraenb welchen Gründen ihr erbitterter Feind, der sie zu vernichten tradjtet. Bei einem Besuch enthält b Cnllertnn die Ge­fahr, in der sie schwebt. Einige Tage sväter fährt er nach London zurück. Im Zuge trifft er einen Franzosen namens Gaston Suzor, dem er schon früher einmal begegnete. Zu seinem Erstaunen sieht er denselben am andern Taae mit Gabriele Ten ni- s 0 n, jener ihm bereits in Florenz durch ihre über­raschende Aehnlichkeit mit Gabriele Engledue ausge­fallene Dame zusammen. Bei einem Besuch in der Wohnung Tennisson erfährt Garfield Näheres über die rätselhafte Krankheit Gabrieles unb über ihren Aufenthalt in Florenz.

Freunbin? Nein, meine Feindin!"

Früher einmal war sie boch ihre Freunbin. Haben Sie sich mit ihr gestritten? Weshalb denn?"

Das ist meine Sache," erklärte sie kurz.Ich warn« Sie, trauen Sie ihr nicht."

Was ist mit Jack, ihrem Gatten?"

Ah, der ist ein netter Mensch viel zu gut für fiel"

Warum haben Sie eine solche Antipathie gegen die Dame?" fragte ich sie.Bitte, sagen Sie es mir, es kann meine Nachforschungen sehr erleichtern."

Was für Nachforschungen?"

Ich schwieg einen Augenblick, bann sah ich ihr in bie Augen unb sagte ernst:

Ich stelle Nachforschungen darüber an, Fräulein Tennison, was Ihnen während ber Zeit Ihres Ver­schwindens zuAistoßen ist unb will biejenigen ihrer Strafe zuführen, bie für Ihren gegenwärtigen Zustand verantwortlich sind."

Traurig schüttelte sie den Kopf und ein schwaches Lächeln zuckte um ihre Lippen, doch sie schwieg.

Sagen Sie mir Näheres über Frau Cullerton," fuhr ich fort.Sie hielt sich in Florenz auf, als Sie auch dort waren."

In Florenz?" rief bas Mäbchen erstaunt aus. Was wollte sie bort?"

Sie bewohnte mit ihrem Gatten eine Villa unb besuchte wieberholt Herrn De Gex, ber oben in Fiesole wohnte. Wissen S*e bestimmt, daß Sie ihn nicht kennen?" fragte ich nochmals.Er wohnt in der Villa Clementini sind Sie nie dort gewesen, sagt Ihnen der Name nichts?"

Sie sann einige Augenblicke nach unb sagte bann:

Ich glaube, von ber Villa gehört zu haben boch in welchem Zusammenhänge, weiß ich nicht mehr "

Sennen Sie den Eigentümer der Villa bestimmt, nicht?" fragte ich neuerlich unb beschrieb ihn noch ein­mal auf das Genaueste.

Doch leider konnte sie mir nichts sagen.

Aus welchem Grunde war Moroni nach London ge­kommen und hatte sie nach Florenz mitgenommen? Alles, was ich bisher festgestellt hatte, ergab zusammen ein Rätsel, dessen Lösung fast ausgeschlossen schien.

Der Anblick der bleichen, trnaiWn Gestalt vor nrr empörte mich noch mehr gegen diejenigen, denen sie zum Opfer gefallen war, denn es hatte den Anschein, als r-b die Zerrüttung ihres Geistes willkürlich zu irgendeinem Zwecke geschehen wäre.

Die Hände müßig im Schoße gefaltet, saß sie ba unb wieberholte immer roieber bie Worte:Rot, grün und goto! Rot, grün und aold!"

.Können Sie sich hinsichtlich dieser Farben denn an gar nichts erinnern?" fragte ich sie.Denken Si< einmal nach wo haben Sie denn die Farben ge­sehen?"

Ich kann mich nicht erinnern ich kann mich an gar nichts erinnern."

Manchmal starrte sie vor sich hin, wie ich sie in der Via Calzajoli in Florenz gesehen hatte, als ich sie für blind gehalten hatte. In solchen Momenten war sie ganz geistesabwesend unb schien alles um sich her zu vergessen. Dann roieber war sie ganz normal, nur konnte sie sich nicht erinnern, roas ihr während ihrer Abwesenheit zugestoßen war.

War es möglich, daß man bei uns beiden das gleiche teuflische Betäubungsmittel angeroenbet hatte unb ^ ich, als ber kräftigere, mich roieber erholt hatte, während ihr Geist gelitten hatte?

Es schien wirklich so der Fall zu fein. Je mehr ,ch darüber nachdachte, um so mehr reifte in mir ber Ent­schluß, bas Geheimnis zu entschleiern unb bie Schul­digen ihrer Strafe zuzuführen.

Außerdem hatte man sie damit erschreckt, baß man ihr gesagt hatte, ich wolle sie umbringen. Moroni hatte ihr bi es absichtlich eingerebet, {ebenfalls tn ber Voraus­setzung, baß wir Zusammentreffen würden. Er hatte sie in Florenz auf mich aufmerksam gemacht unb sie vor mir, als ihrem erbittersten Feinb, gewarnt. War es baher wunder zu nehmen, daß sie mir nicht mehr sagte, als sie gerade mußte?

Können Sie sich erinnern, jemals einen Franzosen, namens Monsieur Suzor, kennen gelernt zu haben?" fragte ich unvermittelt.

Sie wechselte einen raschen Blick mit der Haus­hälterin.

Rein", erwiderte sie und schlug bie Augen nieder ich kenne den Herrn nicht."

Ich wollte schon die Bemerkung fallen lasten, daf ich sie mit dem mysteriösen Franzosen im Park gesehen hatte, boch ich hielt mich zurück Die beiben wußten ja nicht, daß ich selbst sie beobachtet hatte.

Etwas Geheimnisvolles lag über bem Franzosen Es war mir nicht entgangen, baß unser erstes Zusam- mentreffen am Taae vor meinem Abenteuer in bei