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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Berlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Donnerstag, 23. Januar 1930.

Monatlich 1,80 einichliegl. Pockgeoüyr (48 Ps.i ohne Juitcilg. An,eigen-Preise Kleinzeile Col.» lokal 0,15 auswärts 0,20 7Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 auswärts 0,80 H.H. Bei Wiederholungen Rabatt. Pollscheckk Franks, a. M 4051

57. Zahrg.

Hindenburg dankt der Delegation

Reichsminister Dr. Curtius erstattete dem Herrn Reichspräsidenten in ausführlichem Vortrag Be­richt über die Verhandlungen der Konferenz im Haag. Der Herr Reichspräsioent sprach nach Ent­gegennahme des Berichts dem Reichsaußenminister Dr. Curtius und der deutschen Delegation seinen Dank und seine Anerkennung für ihre Arbeit und ihre Haltung aus.

Haager Bita^

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter.

Nach wochenlangen harten Kämpfen ist der vor­läufige Schlußstrich gezogen unter ein Werk, das nicht nur Europa, sondern die ganze Welt in atem­loser Spannung hielt. Es ist keine leichte Aufgabe, jetzt schon die Kritik zu üben, welche notwendig ist, um alles zu würdigen, was geschaffen wurde, um alles herauszustellen, was uns nicht befriedigen kann.

Und doch dürfen wir mit einer gewissen Befrie­digung auf die Haager Konferenz und ihren Ver­lauf zurückblicken. Sie brachte bestimmt nicht die Endlösung". Denn derNeue Plan"trägt schon seine Revisionsnotwendigkeit in sich selbst. Aber er ist bestimmt der Anfang einer neuen Entwicklung, der gemacht werden mußte, wenn wir nicht den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch erleben wollten. Von den beiden Uebeln, für die wir uns zu entscheiden hotten, wurde das kleinere gewählt, um endlich eine erfolgversprechende Basis für un­seren Wiederaufbau zu schaffen.

Weil nicht alles erreicht wurde, was wir uns wünschten, wird der Neue Plan keine große Ferude bei uns auslösen können. Aber Vernunft und Ein­sicht zwangen uns zum Handeln, sicherten uns be­stimmte Erfolge, geben uns die Hoffnung, daß mit den Jahren noch vieles verbessert werden kann, was jetzt nicht zu erreichen war.

DerNeue Plan" ist nur durchführbar, wenn er beseelt bleibt von dem GeistederVerständi- g u n g, wenn er aufgebaut bleibt auf der vertrau­ensvollen Zusammenarbeit aller an ihm beteiligten Mächte. Ein neuer Entwicklungsprozeß muß und wird anheben. Die Bestimmungen des neuen Pla­nes werden lick durchsetzen müssen, wenn überhaupt jemals von der endgültigen Liquidierung des Welt­krieges gesprochen werden soll und kann.

Daß die Lasten und Verpflichtungen, die wir übernahmen und tragen sollen,ungemein schwer und hart sind, darüber ist sich jeder klar. Aber ebenso klar müssen wir uns darüber sein, daß wir nur erfüllen können, wenn wir einig und geschlossen an die Arbeit gehen. Alle unsere Kräfte anspannen, wenn wir willensstark sofort an die Reformierung unserer Finanz-, Steuer- und Wirtschaftspolitik Herangehen.

Unsere Außenpolitik hat sich, wenn wir die Zeitverhältnisse und die Zeitumstände betrach­ten, bestimmt als richtig erwiesen und bewährt. Die Ketten des Dawes-Planes sind gefallen. Die frühe­ren Kontrollrechte und das bisherige Sanktionsrecht gehören ein für allemal der Vergangenheit an. Der Neue Plan bringt uns ein neues Recht, das ertragbar ist, wenn eben der Geist der Verständi­gung in allen Staaten vorherrscht. Die besetz- ten Gebiete werden frei. Deutschlands Sou­veränität ist wieder hergestellt. Sind das keine Er­folge. Gewiß. Darum seien wir behutsam in un­serer Kritik, denken wir an das, was gewesen ist, noch mehr an das, was wir für die Zukunft zu schaf­fen und aufzubauen haben. Was radikale Jüng­linge, die nichts zu verlieren haben, über den Neuen Plan" von sich geben, ist völlig belanglos. Wer des Ernstes der Dinge sich bewußt ist, freut sich auch des kleinsten Fortschritts, zumal er weiß, daß die heutige Außenpolitik Deutschlands begin- en mußte auf dem blutigen Trümmer- |elb des Krieges, das das Ende der früheren ^ßenpolitik gewesen ift

"Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Am Donnerstag tritt die R e i ch s t a g s f r a k - !f Ott des Zentrums zu ihrer ersten Frak-

tionssitzung im neuen Jahr zusammen. Wenn auch auf dieser wohl erst einmal beraten werden muß über die Aufgaben der nur kurze Zeit dauernden Reichstagsperiode, werden sicherlich auch schon die gesamten innen- und außenpolitischen Fragen zur Diskussion stehen, wie sie sich nach der Haager Konferenz naturnotwendig ergeben. Irgendwelche Beschlüsse werden aber kaum zu erwarten sein, da aller Voraussicht nach die Fraktion über ihre zukünftige Haltung sich erst schlüssig werden wird, wenn der Vorstand der Zentrumspartei, der am Sonntag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Professor Dr. Kaas zusammentritt, Klarheit ge­schaffen hat über die Gesamthaltung der Partei.

Das Zentrum fühlt sich jetzt schon verpflichtet, alle Voraussetzungen zu schaffen für die schwere Zukunftsarbeit, damit diese auch gemeistert wer­den kann. Dabei wird es im Rahmen der volL- lichen und staatlichen Notwendigkeiten seine Kritik einsetzen an dem Haager Konferenzergebnis. Wir wissen, daß das Zentrum verschiedene Forderun- gen seinerzeit gestellt hat. Vieles davon ist nicht erreicht worden. Manche Fragen, die ihm dringend wichtig erschienen, konnten nicht gelöst werden. Das war nicht die Schuld der deutschen Delegation, aber es ist die Pflicht des Zentrums, sorgsam zu erwägen, ob nicht zu gegebenen Zeiten einiges nachgeholt werden kann, was jetzt nicht möglich werden konnte. Bedeutungsvoller noch sind die zu beschließenden Richtlinien für die inner- politische Zukunfts-, Aufbau- und Reform­arbeit. Hier wird das Zentrum mit aller Energie daraus hinarbeiten, daß sowohl in der Regierung wie in der sie stützenden Koalition feste bin­dende Verhältnisse geschaffen werden, daß Garantien gegeben werden, damit auch die kom­menden Eesetzesarbeiten fruchtbringend zu gestali- ten sind.

Oesterreichs Erfolg.

Bei der Ankunft des von Haag zurückkehrenden Bundeskanzlers Schober auf dem Wiener West­bahnhof hieß Vizekanzler Daugoin den Kanzler in einer Ansprache willkommen. Bundeskanzler Scho­ber antwortete u. a.:

Ich habe im Haag erklärt, daß ein Land, das nahezu 300 000 Arbeitslose zählt, nicht imstande ist, auch nur einen Grochen an das Ausland zu zah­len. Von allen Mächten wurde nach langen Ver­handlungen zugestanden, man müsse endlich dieses Oe st erreich freimachen. Den Krieg haben wir nicht verschuldet (lebhafte Zustim­mung). Die Sympathie der Großmächte und un­serer Nachbarn haben es ermöglicht, daß wir heute frei sind von Reparationen, daß wir frei sind vom Generalpfandrecht, und daß das, was mit Krieg, Waffenstillstand ufm. zusammenhängt und noch auf unserer Wirtschaft lastet, gegenseitig gestri­chen wird. Wir sind ein freier Staat und wollen als freies Volk nun an unsere Arbeit gehen, un­sere wirtschaftliche Lage so zu bestem, wie wir es alle wünschen.

*

Wie dieNeue Freie Presse" meldet, wird Bundeskanzler Schober die seit längerer Zeit be­absichtigte Reise nach Rom am 31. dieses Monacs antreten. Während des Besuches des Bundes­kanzlers in Rom werden Konferenzen über nock- schwebende finanzielle und handelspolitische Fragen stattsinden. Der Besuch Schobers in Berlin dürfte Mitte Februar erfolgen. Mit dem deutschen Au­ßenminister Dr. Curtius hat Bundeskanzler Scbo- ber im Haag wiederholt eingehenden Gedanken­austausch gepflogen.

Entfestigung In kehl.

wtb. kehl, 22. Jan. (Eig. Meld.) Mit dem heutigen Tage beginnen die Entfestigungsarbeiten am Brückenkopf Kehl. Nach den Veftimmungen des Versailler Vertrages hat Deutschland mit Rücksichi auf die bevorstehende Räumung durch die franzö­sische Besatzung im Laufe dieses Jahres die von den Franzosen inzwischen geräumten Befestigungs- tcerfe zu zerstören. Mit der Niederlegung des

Reichsaußenminister Br. Luclius (X) unterzeichnet das Schlußvrotokoll der Haager Konferenz.

zwischen Sundheim und Neumühl gelegenen Stütz­punktes an der Kinzig ist heute begonnen wor­den. Die weiteren Befestigungswerke gelangen gleichfalls in den nächsten Wochen zur Nieder­legung, abgesehen von den Werken, die bis zur end­gültigen Regelung noch von den Franzosen besetzt gehalten werden.

Politik der Faust.

Zu großen Ausschreitungen kam es Dienstag abend in einer von den Nationalsoziali­sten einberufenen Versammlung in einem Lokal am Friedrichshain in Berlin. In dem überfüllten Saal hatten sich zahlreiche Kommuni st en ein­gefunden, die wiederholt die nationalsozialistischen Redner durch Zwischenrufe störten. Auch vor dem Lokal hatten sich zahlreiche Kommunisten angefam- melt, die mit den Nationalsozialisten, die keinen Einlaß mehr gesunden hatten, in Streitigkeiten ge­rieten. Die Polizei schritt ein und nahm 10 Si­stierungen vor. Als gegen WA Uhr nachts die Versammlung für beendet erklärt wurde, begann im Saal ein ungeheurer Tumult, und die Kom­munisten fielen über die Nationalsozialisten her Es entstand eine wüste Schlägerei, bei der von Biergläsern, Stuhl- und Tischbeinen ausgiebig Ge­brauch gemacht wurde. Das Lokal wurde voll­ständig demoliert. Die Schutzpolizei, die Verstärkung erhalten hatte, griff bereits während des Kampfes ein und nahm eine Durchsuchung sämtlicher Beteiligter nach Waffen vor. Insge­samt wurden 21 Personen, darunter zwei

Frauen, fe ft genommen und der politifchen Abteilung des Polizeipräsidiums zugesührt, well man bei ihnen Schlagwerk zeuge aller Art vorgefunden hatte. Wiederholt mußte die Polizei bei dieser Aktion, die um Mitternacht beendet war, vom Gummiknüppel Gebrauch machen, da sie von der Menge angegriffen wurde, bzw. zahlreiche Ruhestörer sich durch die Flucht ihrer Feststellung zu entziehen suchten.

* Der Danziger Völkerbundskommissar beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident emp­fing den Kommissar des Völkerbundes in Danzig, Graf G r a v i n a.

* hedding für Zarden? DieGermania" teilt mit, daß, wenn der Ministerialdirektor im Reichs- finanzministerwrn Dr. Zarden tatsächlich aus dem Amt ousfcheidet, als fein Nachfolger Professor Dr. Hedding auserfefjen sei, der Abteilungspräsident im Landesfinanzamt Köln ist.

Aktion der Ost-Provinzen.

LautGermania" werden am Freitag, den 21. dieses Monats die sechs Landeshauptleute der Provinzen Grenzmark-Posen-Westpreußen, Nieder­schlesien. Pommern, Brandenburg und Ostpreußen dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler, dem Reichsinnenminister, dem preußischen Ministerprä­sidenten und dem oreußischen Innenminister eine umfangreiche Denkschrift über die Notlage des deut­schen Offene überreichen, in der diese eingehend ge­schildert und Abhilfemaßnahmen gefordert werden.

Wenn auch die Fragen der Kriegsschift-Tonnage, der U-Bootwaffe und der Kriegsschiff-Bestückung, die auf der Londoner Konferenz unter den Staa­ten Amerika, England, Frankreich, Italien und Japan verhandelt werden sollen, im Grunde ge­nommen nicht so wichtig, d. h. mehr die formalen Aeußerkichkeiten eines sich hinter ihnen verbergen­den weltpolitischen Geschehens sind, so dürfte es dennoch nicht des Interesses entbehren, die Gegen­sätze unter jenen Seemächten kurz zu skizzieren.

Auf der Washingtoner Marinekonferenz 1921 bis 1922 ist bereits unter denselben Staaten ein Abkommen getroffen werden, das aber nur die Flugzeugmutterschiffe und die Schlachtkreuzer über 10 000 Tonnen betrifft. Damals wurde für diese Schiffsgattungen ein Verhältnis von 5:5:3 verein­bart, Amerika und England sollten hier gleich feestark fein, während sich die drei anderen See­mächte auf eine Schlachtkreuzerflotte beschränken sollten, die sich zu der Englands oder Amerikas im Verhältnis von 3:5 verhielte. Vor Antritt der Amerika-Reise Macdonalds im oortgen Herbst hat­ten sich nun England und die Vereinigten Staaten dahin verständigt, daß auch für die Kriegsschiffe von 10 000 Tonnen an abwärts unter ihnenPari­tät" herrschen sollte, doch wurde dieser Vegriff nicht mathematisch genau genommen, da die See-Inte­ressen Englands ja wesentlich anders gelagert sind als die Amerikas. Letzterem sollten 315 000 Ton-, nen, England 339 000 Tonnen eingeräumt fein. Der Ausgleich sollte in der Bestückung angestrebt werden. Man war sich auch darin einig geworden, für die Abschaffung der U-Boote zu plädieren.

Inzwischen sind Vomerhandlungen mit Japan geführt worden. Dabei ergab sich, daß dieses Land die Abschaffung der U-Boote ablehnt. Für die größeren Kreuzer will es die Verhältniszahlen 5:5:3 nicht für sich gelten lassen, sondern bean­sprucht die Formel 10:10:7. Es hat auch den Ge­genvorschlag gemacht, die Verwendung von Han- delsschiffen zu Kriegszwecken zu verbieten, ist da­mit aber auf den Widerspruch Englands gestoßen. Immerhin scheinen die japanischen Delegierten Weisung bekommen zu haben, möglichst eine Eini­gung mit den angelsächsischen Staaten anzustre- ben, so daß man angesichts der großen Schwierig­keiten, die einer Verständigung Frankreichs mit Italien oder Frankreichs mit England und Amerika noch entgegenzustehen scheinen, bereits von der Eventualität eines Drei-Mächtevertrags statt eines Fünf-Mächtevertrags zu sprechen beginnt.

Frankreich bat die Gleichstellung seiner Flotte mit der italienischen ebenso alatt abgelehnt wie die Beseitigung der U-Bootwaffe, ist aber unter der Voraussetzung zu Konzessionen bereit, daß sich England an einem sogenannten Mittelmcer-Lo- camo beteiligt. Dieser Vorschlag ist jedoch von London mit dem Hinweis auf den Kellogg-Pakt, das Haager Schiedsgericht und die Garantien des Völkerbundes abgelebnr worden. Frankreich hat feine Meinung zur Flottenabrüstung in einem be­sonderen Memorandum an die Labour-Regierung ausführlich dargelegt. Danach trift es der Londoner Konferenz nur den Charakter einervorbereiten­den" Tagung zubilligen. Sie hätte das Material für den Völkerbund zu sichten und zu bearbeiten, denn die fünf eingeladenen Staaten genügten für eine allgemeine Seeabrüstungspolitik nickt. Außer­dem könne die Flottenabrüstung grundsätzlich nicht allein für sich, fondern nur unter Berücksichtigung aller Rüstungen in der Luft und zu Lande vorge- nommen werden. Die Labour-Regierung hat fidh diese Auffassung nicht zu eigen gemacht, so daß hier die Gegensätze schroff gegeneinander stehen und es nicht zulassen, dem Ausgang her Londoner Kon­ferenz ein günstiges Horoskop zu stellen.

Denn auch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Italien und Frankreich sind noch sehr groß. Die jüngsten Besprechungen zwischen den Außenministern Briand und Grandi in Genf haben sie auch nicht aus der Well ru schaffen ver­

mocht. Italien hat auch für die Kriegsschiffe von 10 000 Tonnen an abwärts die Gleichstellung mil Frankreich verlangt. Unter der Voraussetzung daß ihm diese zugebilligt ward, ist es zu jedem Grade der Seeabrüstung bereit. Im Gegensatz zu Frank­reich billigt es auch die Abschaffung der U-Boote. In ein Mittelmeer-Locurno will es Spanien ein­begriffen wissen. Bei den Besprechungen in Gens soll Grandi nun in Wiederholung alter Andeutung die italienische Bereitwilligkeit zum Ausdruck ge­bracht haben, sowohl die Forderung nach der Fl'ot- tenparität fallen lassen, wie auch in der U-Boot- frage sich den französischen Standpunkt zu eigen machen, wenn Frankreich die ihm seit Jahr und Tag geforderten territorialen Genugtuungen in Afrika gewähren würde. Es handelt sich dabei um eine Grenzberichtigung in Tunis zugunsten der ita­lienischen Cyrenaika, sowie um die Abtretung des Hinterlandes von Tunis bis zum Tschadsee. Brioi d ist auf diesen Vorschlag nicht eingegangen, doch >ft es nicht ausgeschlossen, daß dieser auf der Londoner Konferenz wieder auftauchen wird. Immerhin be­steht jetzt für Frankreich die Gefahr, daß Ito! n die Front der angelsächsischen Mächte verstärke, je daß Frankreich selbst gänzlich isoliert würde.

Der Redner-Reigen

in der Eröffnungssitzung der Flottenkonferenz 'N London wurde nach dein König, dem englisi n Premierminister, dem amerikanischen Etaatssekre . t und dem Sprecher Kanadas fortgesetzt durch den französischen Ministerpräsidenten Tardieu. Tas Experiment dieser Konferenz hat, so erklärte er, eine bestimmte und endgültige Bedeutung, denn von der Abrüstung zur See hängt die allgemc.ie Abrüstung ab. Erleidet unser Uu.ernehmen einen M.ßerfolg, so ist auch die allgemeine Abrüstung äußerst gefährdet. Ministerpräsident Tardieu un er- strich die Schwierigkeit des Problems und schloß sich dem Vorschlag Macdonalds an, ;.e Bedürfnisse jeder Seemacht zunächst festzusteii.u, um auf diesem Wege zum Ausgleich zu gelangen.

Nach Tardieu unterstrich der Oberkommissar von Indien, daß Indien ein friedliebendes Land sei, er werde deshalb die Bemühungen für den Frieden mit allen Kräften unterstützen.

In den Gedankengängen der Vorredner be- wagten sich auch die Ausführungen des Vertreters des Freistaates Irland. Er hob dabei besonders hervor, daß sich Irland durch Bande des Blutes und der Freundschaft mit Amerika verbunden fühle.

Nach dem irländischen Delegierten ergriff der italienische Außenminister Grandi das Wort. Er dankte in englischer Sprache namentlich für den schönen Empfang, den das englische Volk der italienischen Delega.ion bereitet habe. Italien stehe in den Bemühungen für den Frieden keinem ande- ren Lande nach. Abrüstung und Sicherheit seien untrennbare Begriffe. I alien habe ein großes Arbeitsprogramm ausgestellt, und Mussolini brauche zu seiner Verwirklichung nichts weiter als den Frieden. Zur Erreichung eines dauernden Frie- de ns sei Verständigung notwendig. Alle Völker erwarten, daß die Probleme der Konseren- e:ner Lösung entgeaengefl hrt würden. Grandi rahn besondere Veranlassung, dem amerikanischen Prä. sidenten Hoover für die Initiative zu danken, aus der diese Konferenz entstanden sei.

*

wtb. Warschau, 22. Januar. (Eig. Melo.) Wi, die polnische Presse meldet, wird der iialienische Außenminister Grandi nach Beendigung der Lon- doner Seeabrüstungskonferenz der polnischen Regierung in Warschau einen auf zwei bis drei Tage berechneten amtlichen Besuch abstatten in Erwiderung des vor längerer Zeil erfolgten Besuches des Außenministers Zalrski in Rom. Dieser Besuch Erandis, der von der pol­nischen Presse schon für den vergangenen Sommer angekündigt wurde fom bekanntlich im Vorjahr» nickt Zustande.

Die Gegensätze ans der Londonerkonseeenz