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«obnung ausgesetzt werden, unterzubringen. Bei L Unterbringung in der Sandhohle handelt es sich Ostverständlich grundsätzlich nur um eine vorübergehende rotstandsmahnahme; aber solange die Wohnungsnot be-

wird es nicht möglich fein, die Sandhohle ganz aus J sßelt zu schaffen. In anderen Städten bestehen übri- cns noch ganz andere Zustände. Die Bewohner der -andhohle sind auf Kosten der Stadt zum Teil noch besser ntergebracht, wie manche Familien auf ihre eigenen 'offen in der Altstadt.

Auf die finanzielle Seite der Anfrage geht

Vr. Danzebrink als Vorsteher des Wohlfahrtsamtes (n. Er führt aus: Um das Problem der Sandhohle ichtig beurteilen zu können, sei es zweckmäßig, sich inige Zahlen zu vergegenwärtigen. In der Scmd- iohle sind gegenwärtig 48 Familien untergebracht. )aDon sind 22 Familien als säumige Mieter aus hren Wohnungen herausgesetzt worden. 7 Familien inö berausa-setzt worden, weil sie sich als unfried- ertige Mieter gezeigt haben. 17 Familien sind mmittelbar von auswärts zugezogen, davon 8 in Wohn- ^^lufgabederStadtseies, der Wo hnungs- ivt zu steuern. Sie tut das, indem sie durch das Wohnungsamt die V e r m it t l u n g e n d e r W o h n u n- i c n übernimmt, indem sie Neubautener stellt und zurch das Mieteinigungsamt die Härten von den Mietern u nehmen sucht. In der Stadt Fulda ist zur Behebung ,er Wohnungsnot sehr viel geschehen. Seit 1920 wurden insgesamt 1563 Wohnungen er­stellt. 1116 davon befinden sich in Neubauten. Von liefen Neuwohnungen liegen 244 in städtischen Bauten.

DieSandhohleistdasErgebnisderheu- tigen Verhältnisse. Durch die Lockerung der Zwangswirtschaft vergrößert sich die Zahl der herausge­setzten Familien. Die Lage der Stadt Fulda bringt es mit sich, daß obdachloseFamilienausderUm- gebung nach Fulda zuziehen und hier eine Unterkunst ludjen. Man kann beobachten, wie gerade die gut funktionierende private und öffentliche Fürsorge in der Stadt die Obdachlosen von auswärts heranziehen. Besonders die von der Stadt eingerichtete A r b e i t s f ü r f o r g e ist die Veranlassung, daß Erwerbslose aus der Umgebung nach hier ziehen. Es kommt sogar vor, daß durchziehende Wanderer später wieder auf Fulda zurückkommen und sich hier nie­derlassen. Die Polizei muß für ihre Unterkunft sorgen. Auch die Einrichtung der Sandhohle ist eine polizei­liche Maßnahme. Sie ist nicht als dauernde Sied­lung geplant. Selbstverständlich sollen auch die von der Polizei untergebrachten Familien menschenwürdig behan­delt werden. Eine Aenderung kann nur durch weitere planmäßige "Neubautätigkeit der Stadt herbeigesührt werden. Der Stadtverordnetenversamm­lung werden deshalb auch in Kürze Vorschläge über die Fortsetzung des städtischen Bauprogramms zugehcn.

Was die Kasten der Unterbringung dieser obdachlosen Familien betrifft, so wurden für die Herstellung der 4 4 U n t e r k ii n f t s m ö g l i ch k e i t e n i n d e r S a n d- hohle in den Jahren 1924 bis 28 120 000 Ult. ausge­geben. Das macht auf eine Wohnmöglichkeit 2700 Mk. Das ist der Betrag, den man heute schon für die Beschaf­fung einer polizeilichen Unterkunft aufwenden muß.

Die Bewohner der Sandhohle sind Gegenstand der besonderen und dauernden Fürsorge der Stadt. Auch die privaten karitativen Vereine nehmen sich nach Kräften der Notleidenden an. Die Leute woh­nen in den Baracken der Sandhohle, ohne Mieten zu zah­len. Außerdem beziehen sie das Wasser kostenlos. Von den 48 Haushaltungsvorständen beziehen weiter z. Zf. 25 Arbeitslosenunterstüung. 5 stehen in der Arbeitsfürsorge der Stadt. 5 sind Sozialrentner und 13 sonstige Hilfs­bedürftige. Für die laufenden Unterstützun­gen der Sandhohlenbewohner (Milch, Brot, Brand usw.) muß die Stadt monatlich 13 4 0 Mark aufwen­den. Dazu kommen noch die einmaligen Auf­wendungen, die große Betrüge ausmachen, sich aber nicht genau feststellen lassen. Eine besondere Ausmerkfamekit widmet die Stadt auch den

107 Kindern aus der Sandhohle. Während des Winters erhalten die Schulkinder ein warmes Frühstück. Eine Anzahl Kinder ist in den verschiedenen Kinderhorten in der Stadt unter­gebracht und erhält dort ebenfalls auf Kosten der Stadt ein warmes Frühstück. Seit dem 1. Dezember wurde für die Beschaffung von S ch u h w e r k für die Kinder 210 Mark ausgewendet. Die sittliche Ge­fährdung der Kinder ist da. Aber sie besteht leider auch sonst. Das Jugendamt beschäftigt sich mit dieser Frage sehr. Eine Anzahl Kinder ist im Waisen­haus und im Christinenheim untergebracht. In K r a nk- heitsfällen werden die Bewohner auf Kosien der Stadt t in Krankenhaufe unterge- bracht. Das Wohlfahrtsamt bemüht sich auch ftets darum, die eine ober andere Familie wieder aus b'-r Sandhohle heraus zu ziehen. Diese Umsiedlung stößt aber auf große Schwierigkeiten.

Abhilfe kann nur langsam durch eine weitere A u °- Dehnung der städtischen Bautätigkeit ge­schaffen werden. Wir können aber nur bauen, wenn verbilligte Ge Iber zur Verfügung stehen. Sonst werden die Mieten so hoch, daß sie auch der in Ar­

beit stehende Werktätige nicht mehr er­schwingen kann. Auch die Sozialpolitik hat ihre Grenzen. Ihre größten Feinde sind Die­jenigen, die ein übersteigertes Maß der Fürsorge an­streben. Wirtschaft und Fürsorge müssen ausgeglichen fein. Eine gewisse Grenze für die Fürsorge besteht in der Lebenshaltung d e r werktäti gen Bevölkerung. Es gibt heute eine ganze Reihe von Familien, wo der Vater zwar in Ar­beit steht, die sich vielleicht schlechter stehen als manche der in der Sandhohle untergebrachten Familien. Dr. Danzebrink schloß, daß wohl auch der neue Magistrat in dem hier aufgeführten Sinne weiter sich mit dem Problem Sandhohle beschäftigen werde.

Dr. Willms erklärt, daß die Sandhohle auf keinen Fall erweitert werden dürfe. Nachdem Stabte. Mchm noch einmal kurz zu feiner Anfrage Stellung genommen batte, war auch dieser Punkt der Tagesordnung er.e- bigt.

Kurz nach 8 Uhr konnte der Stadtverordnetenvor­steher die Versammlung schließen, die zum ersten Male wieder seit längerer Zeit über 3 Stunden gedauert hatte.

Von der Feuerwehr.

Schaum-Löscher, ein neuzeitlicher Feuerlöscher.

Man schreibt uns:

Es gibt eine Reihe Brandsälle, btt denen das Wasser als Löschmittel nur bedingt anzuwenden ift. Sei allen feuergefährlichen Flüssigkeiten, die sich mit Wasser mi­schen, w'e z. B. Spiritus und Alkohol, ist Wasser das beste Löschmittel. Dagegen bet denjenigen Flüssigkeiten, die sich mit Wasser nicht mischen, wie alle Mineralöle, besonders die gefährlichste Form derselben Benzin und Benzol, sind unter Umständen andere Läschmittel not­wendig. v

Durch die Automobilisierung des Verkehrs finden wir heute feuergefährliche Flüssigkeiten, besonders die Mine­ralöle, überall vertreten und zwar sowohl in kleinen, wie auch in recht großen Mengen. Das sog. Schaum- löschverfahren wird z. B. zum Löschen von Del* usw. Bränden als sehr wirkungsvoll empfohlen und lassen sich damit, im Gegensatz zu dem kleinen Handfeuerlöscher, mit dem man nur im Entstehen begriffene Brände lokali­sieren kann, auch größere Brandherde ohne weiteres ab« löschen. Die Löschmasse bei diesem Verfahren besteht aus einem zähen, kohlensäurehaltigen Schaum, der infolge seines geringen Gewichtes auf jeder Flüssigkeit schwimmt und diese so abdeckt, daß sie von der Luft vollständig abgeschlossen wird, zugleich macht sich eine abkühlende Wirkung bemerkbar. Der Grundsatz des Schaumlöschers ist jedoch der, daß jegliche Verbrennung ausgelöscht wird, weil der zum Brennen nötige Sauerstosf entzogen wird.

Der Schaumlöscher enthält in getrennter Behältern je eine chemische Lösung, die bei ihrem Zusammenstößen einen kohlensäurehaltigen, dicken, flüssigen Schaum bil­den, der durch die bei der chemischen Reaktion frei wer­dende Kohlensäure nach außen gedrückt wird. Dieser Schaum zeichnet sich durch seine große Beständigkeit und sein geringes spez. Gewicht aus.

Daraus folgt feine Verwendbarkeit sowohl zum Lö­schen von Bränden fester Gegenstände, als auch haupt­sächlich von Flüssigkeiten aller Art, bei denen der kohlen- fäurebattige Schaum als dicke Schutzdecke den Zutritt des Luftfauerstoffes, sowie die Weiterbildung entzünd­licher Dämpfe verhindert. Auch bei Schwefelpulver Naphta und Kohlenstaub, bei denen man bei Verwen­dung von Wasser auf Schwierigkeiten stößt, sind gute Löscherfolge erzielt worden. Maschinen, Transforma­toren, Anlagen in Telephon- und Telegraphenämtern können durch Wasser sehr beschädigt werden, und sollten hierbei ebenfalls nur sandfreie Trockenlöscher, Kohlen­säure oder Schaumlöscher Verwendung sinden.

Nur bei elektrischen Anlagen, die unter Spannung stehen, darf Schaum nicht verwendet werden, da er ein guter Leiter des elektrischen Stromes ist und die Mög­lichkeit besteht, daß der Löschende selbst durch Strom- Übertragung gefährdet wird. Man wird daher bei Brän­den in Gießereien, Oel- oder Fettsiedereien, Räucherkam­mern, Mineralöl-Lagerplätzen, Kohlen- oder Schlacken­hausen usw. von der Anwendung von Wasser Abstand nehmen müssen und dürste man nur mit dem Schaum­löscher Erfolg haben.

Das Schaumlöschverfahren ist das neuzeitliche Mittel zur Bekämpfung brennender Flüssigkeiten. Zur Ab- löschung brennender Flüssigkeiten benutzt man, wenn der Brand klein ist, den Schaum-Handseuerlöscher und bei größeren Bränden kommt der Schaum - Mörser und Schaum-Generator zur Anwendung.

Als leicht bewegliche Groß-Schaumlöschgeräte erzeu­gen diese Apparate an der Brandstelle durch Vermischung von Wasser und Schaumpulver tausende von Liter eines zähen Schaumes, der durch Schlauchleitungen an den Brandherd gebracht wird. Auch bei Tankbränden kön­nen fahrbare oder stationäre Schaum-Erzeugungs-An­lagen von besonderem großen Nutzen sein.

Kalhol. Arbeiterverein Der Sfcilpfarrei. Am vergangenen Sonntag hielt der Verein seine General­versammlung ab. Zu Beginn der Tagesordnung tat der

Präses, Herr Stadtkaplan Krenzer, einen Blick rück­wärts in das Arbeitervereinsleben und ebenso einen sol­chen vorwärts. Die geistige Bilanz wurde ausgestellt. Was leistet und soll leisten der katholische Arbeiterver­ein im fozialpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Leben. Geschlossene Einheit und Einigkeit tut not. Dem denkenden, verantwortungsbewußten Arbeiter muß seine Beschäftigung eine hl. Sache, Berus sein; der Arbeiterstand muß eine einzige, geschlossene Berufsor­ganisation werden. Wenn so alle religiössittlich hoch­strebenden Kräfte sich einen, wird Großes und Achtung­gebietendes im Volksleben geschaffen. Die Berichte des Schriftführers Herrn Barnickel und des Kassierers Herrn Klüder gaben Kenntnis von der reichen und gesegneten Arbeit des verflossenen Vereinsjahres. Die Kasse weist einen erfreulichen festen Bestand auf. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig wiedergewählt Herr Au­gust Dehler; ebenso wurde Herr Aug. Reith als Vor­standsmitglied wieder gewählt. Neu zieht in den Vor­stand ein Herr Phil. Ziegler. Die Vertrauens eute ha- ben fleißig und gewissenhaft gearbeitet und wollen auch weiterhin auf ihrem Posten sein. Nach der freien Aus­sprache wurde der neue Arbeitersekretar Herr Sel­lin q s dem Verein vorgestellt. Er versprach zie-oe- wußte, emsige Arbeit für die Arbeiterveremsfache, for­derte aber auch Vertrauen und tatkräftige Mithilfe. So konnte der Präses, das letzte Jahr überblickend, wohl­verdienten herzl. Dank spenden. Mit neuem Mut und Gottvertrauen geht es hinein ins neue Vereinsjahr mit der Parole: Intensivere Agitation.

Jahres hauptversammlung Der Bayernvereini­gung Fulda. Am Samstag, den 18. d. Mts., hielt tue Bayernvereinigung Fulda ihre diesjährige Haupteer- sammlung ab, die sehr gut besucht war. Der 1. Bor- sitzende, Herr Weishaupt, erstattete Bericht über das verflossene Jahr. Es haben 12 Monatsversammlungen, 4 Vorstandsfitzungen und eine außerordentliche Gene­ralversammlung stattgefunden. In den wöchentlichen Uebungsstunden der Plattler-Gruppe hat diese wieder verschiedene neue Original-Tänze erlernt. Die Kaffe wurde durch 2 Revisoren geprüft und für richtig befun-

den. Dem Kassierer sowie dem Gesamtvorstand wurde ! Entlastung erteilt. Der 1. Vorsitzende dankte den Mit- - gliedern für die Zusammenarbeit im Verein. Bei bet - Neuwahl wurde der alte Vorstand unter Hinzuziehung ! eines weiteren Beisitzers einstimmig wieder gewählt. : In Erwägung wurde noch gezogen, am 1. Februar et« ! nen Maskenball abzuhalten, welcher in den vchul- theisschen Sälen zu Neuenberg stattfinden soll.

Dorkragsvereinigung. Man schreibt uns: Der glänzende Erfolg, den Frau Edith Herrnstadt- Dettingen aus Berlin in vergangenem Winter durch ihre Rezitation mehrerer Novellen von Björnson, Jen? Peter Jakobson, Knut Hamsun und Selma Lageriöf er­zielte, hat di« Vortragsvereinigung bewogen, die begna­dete Künstlerin nochmals zu einem Rezitationsabend einzuladen. Die Vortragende, die auch diesmal über nor­dische Dichtungen, besonders von Knut Hamsun und an­derer Dichter zu sprechen gedenkt, wird sich am Mitt­wochabend wieder als Meisterin ihres Faches zeigen. Der Vortrag der Künstlerin mit ihrem vollen, warmcn, männlich festen Organ, ihren sprechenden Augen und dem beweglichen, diskreten Mienen- und Höndespicl wird auch diesmal den Beifall der Zuhörer nicht ver­fehlen. Möge ein großer Besuch dem Rezitationsabend befchieden fein, um eine Vortragskünstlerin von sel­tenem Können und wundervoller Gestaltungskraft, wie sie Frau Edith Herrnstadt-Oettingen besitzt, kennen zu lernen. Ein genußreicher Abend ist jedem Zuhörer sicher.

66. Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden.

Die erste Sitzung des 66. Kommunastand- tages in Wiesbaden am Montag die erste nach der Neuwahl vom 17. November die in Vertretung des Oberpräsidenten vom Re­gierungspräsidenten Ehrler eröffnet wurde, beschäf­tigte sich zunächst unter Leitung des Alterspräsii- denten, des Abgeordneten Geil (Ztr.), mit der Wahl des Präsidiums. Zum Präsidenten wurde mit 43 von 52 abgegebenen Stimmen der Abgeord­neten Bürgermeister Gräf- Frankfurt a. M. (Soz.) gewählt, zum stellvertretenden Präsidenten Abg. Guckes (Christlich-Nationale Landvolk- und Bauernpartei). Zu Beisitzern wurden bestimmt die Abgeordneten Schweig (Soz.), Sznurkowski (Ztr.), Dr. Schulz (Wirtschaftsp.) und Finger (D.V.P.). Der Kommunallandtag nahm sodann die Waht des Geschäftsordnungsausschusses, der auf 15 Mitglieder erhöht wurde, und des Wahlprüfungs- ausschusses, der 7 Mitglieder umfaßt, vor. Zum Vorsitzenden des Geschäftsordnungsausschusses wurde Präsident Gräf, zum Vorsitzenden des Wahlprüfungsausschusses Abgeordneter K u p f - rian (Dn.) bestellt. Eine Reihe Anträge, die inzwischen von verschiedenen Parteien eingelaufen

war, wurde auf Die Tagesordnung der Sitzung am Dienstag, die um 12 llhr beginnt, gesetzt. Ferner sollen in dieser Sitzung die übrigen AuK- schüsse gewählt werden.

Briefkasten der Schrisileikung

Herrn Dnweneck, SanDhohle. Ihre Zuschrift nn der SpitzmarkeAn den Pranger" ist deshalb nicht nn Wortlaut zu veröffentlichen, weil wir nicht gern per­sönliche Dinge in den Kreis öffentlicher Betrachten; ziehen. Deshalb wollen wir den fachlichen Inhalt ihre Zuschrift hier kurz zusammensassen: Ein Bewohner bei Sandhohle, Sozialrentner, hat, wie Sie unb mcle einwandfreie Zeugen beweisen können, die Weihnachte- zuwendung zu erheblichem Teil in Alkohol umge,etzt auch für Auto und sonstigen Luxus verwendet. Ehe da: Gelb zu Ende war, wurde feine Frau von einem Schmo anfall getroffen und auf Kosten der Stadt ms Kran kenhaus gebracht. Gatte und Söhne feierten weiter Der Besuch der Kranken bot Ihnen einen erbarmener- reaenben Anblick. Der Mann gibt Ihnen gegenüber der Genugtuung Ausdruck, daß er im Fall des Ablebens der Kranken aus einer Sterbetage Geld bekomme, Sur Be­erdigungskosten will er nichts abgeben. Die Kinder verraten, daß mit dem Sterbegeld der Wegzug vor Fulda, wo es den Leuten nicht mehr gefällt, bezahl werden soll. Sie schließen: Beim Wohlfahrtsamt wün sche ich: Augen auf, damit nicht unnötig Geld ausgi geben wird Ihre Zuschrift im Original haben w , an das Wohlfahrtsamt weitergeleitet.

Neues aus Frankfurt.

Tätlicher Angriff auf einen Furforgebeamlen. Eil aufregender Fall ereignete sich am Montag vormittag im Büro der Kreisstelle des Fürsorgeamtes in Sach­senhausen. Dort war ein jüngerer Mann namens Deguili um Unterstützung vorstellig geworden. Wäh­rend der Verhandlung mit einem Beamten der Kreis- stelle griff er plötzlich einen anderen Beamten, einen verheirateten Stadtassistenten, mit dem er früher ver­handelt hatte, tätlich an, indem er ihm Messerstiche in den Oberarm und in den Ellenbogen versetzte. Das Messer war ein kleines Küchenmesser, das er sich zuk Ausführung seines Vorhabens mitgebracht hatte. De? Messerheld wurde polizeilich festgenommen. Der ner» letzte Beamte kam ins Krankenhaus.

Kunst und Literatur.

Maiblinger-Gedächinisseier in Rom. Anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages des in Rom jung ver­storbenen schwäbischen Dichters Waiblinger sand am Sonntag in Rom auf dem protestantischen Friedhof an der Ceftius-Pyramide eine Gedenkfeier statt, an der der deutsche Botschafter Freiherr v. Neurath mit dem ganzen Botschastspersonal. und die deutsche Kolonie neben zahlreichen italienischen Verehrern des Dichters teilnah­men. Die Gedächtnisrede hielt der in Rom anfäfffige Schriftsteller Wolfgang Ludwig Stein.

Wie wird das Wetter?

Ueber Nordeuropa ziehen fortgesetzt sehr kräftige Ttef- druckwirbel westwärts, deren Einfluß sich jedoch kaum bis zu uns erstreckt. Während am Montag im nord­westlichen Deutschland ein Tiefausläufer Regen verur­sacht hat, hat sich bei uns das zwar vielfach neblige, sonst aber meist heitere und trockene Wetter gehalten. Infolge der vorherrschenden vertikalen Temperaturvertei­lung, unten kalt, oben warm, kann auch zunächst noch mit dem Fortbestand trockener und auch vielfach nebliger und zeitweise wolkiger Witterung gerechnet werden.

Witterungsaussichten für M i 11 w o ch : Im wesent­lichen noch Fortdauer der heiteren Witterung, doch tags­über etwas milder.

Tschnik und Verkehr.

Ein neuer französischer höhenrekord. Der fran­zösische Flieger L e m o i g n e ist am Sonntag von dem Flugplatz Villacoublay ausgestiegen, um den französi­schen Höhenrekord zu verbessern, den der Flieger Sadi- Lecointe mit 11145 Meter bisher inne hatte. Nach 2 Stunden und 10 Minuten Flugdauer landete Semoigne. Seine Barographen zeigten eine erreichte Höhe von 11500 Metern an. Die Nachprüfung der Apparate wird ergeben, ob diese Höhe wirklich erreicht und der französische Höhenrekord mithin verbessert worden ist.

M-.-CTCTil.lllllll M.1.11..! .fllLIMWIM Sein Haus ohne .Fuldaer Zeitung"

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer, für die Anzeigen: Direktor Der Fuldaer Aetiendnickerei I. P a r z e l l e r.

Km 8.

Febr. 1930

großer Maskenbai

in sämtlichen Räumen des Restaurants

Hohenzollern.

16«: Put und Putothon heim Sechsfaserennen in Honolulu auf Opel RaK HL

Radsportklub Opel 1907 e. V. Fulda.

Eintrittspreise: Herren 1.50 Mk., Damen 1. Mk. Karten-Vorverkauf: Juwelier-Geschäft Ferd. Müller, Marktstraße; Restaurant Dalberg, Restaurant Hohenzollern.

Sem Lostag.

Ein Wiener Roman von Fanny Wibmer-Pedit.

Copyright by Ne-De-Ko, Münster i. W.

17] ---------

In weite Ferne verrinnt seinem Ohr das träumende Gemurmel ihrer ruhigen, leisen Worte.

Frieden, Ruhe! Ist es das Endziel der harten Wan­derfahrt? Ist es der Hingang in das große Nichts?

War ihm dieser Gedanke nicht schon so lange vertraut? Warum die namenlose Angst?

Aus dieser Angst ringt sich immer wieder der feit- Jam wirre, ringende Traum empor. Sie meinen, er Jchläfi .in großer Erschöpfung, weil sein Haupt sich so stef und schwer in die Polster gräbt. So nehmen sie Jtumnien Abschied von ihm, Gitta aber bittet, ob sie nach bleiben kann.

Der Traum hält ihn umfangen, er will sich aber wehren vor dem qualvollen Aufwärtsringen Er hat allez getan, was noch zu tun war auf dieser Welt, auch seiner Mutter verziehen! Hat er nicht das Gebot er« füllt, wie einer der Frommen?

l Ist nicht alles getilgt, alles zur Neige getrunken, lein Blut verspritzt, alle stolzen Hoffnungen aus seinem Kerzen gerissen, hat er nicht das Leben verachten ge- Ifrnt, den Tod nimmer fürchten? Nimmer fürchten? ^lein, nicht im Tumult des Kampfes, wie feine Welt in dümmer sank, taufend Tode hat er sich gewünscht, ge- lucht und ersehnt, die Brüder zu schonen, den Tag zu Zetten! Jetzt aber, weil er Tag um Tag die langen, Langen Nächte fein Bett umschleicht und lauert, den ^tllndenschlag mit ihm zählt, jetzt lernt er auch die To­desangst kennen!

Warum zögert er noch immer und legt die kreischende g äge nicht an den verdorrten Baum feines Seb-ms! *Wes ist getan und getilgt, aller Bitterkeit Bodensatz Neige getrunken, fein Blut versvritzt und nur mehr le Fieber seiner Schmerzen jagen die Pulse.

Sein Blut? Horch, was sind das für Ströme, bi ^ch zu feinem Herzen rasen, neue Begier erwecken? 'ltfienbmo ist noch ein köstlich ungeleerter Rest, Der ihm

winkt und ihn lockt, sein letztes Verlangen, sein letzter Hunger und Durst! Gitta? Gitta? Nichts mehr ist nach'dieser Stunde, Leere, Oede, Ewigkeit nennen sie es, Seligkeit lügen sie! Reiß an dich, was dein ist, um das du dich Tor in einer schwachen, tölpischen Stunde ge­bracht hast, wenn auch deine Arme ermatten, reiß es an dich in der wilden, gewollten Begier deines Herzens!

Gitta!" Verzerrt ist fein Mund, die Augen flackern ihm aus den geweiteten Lidern und' er preßt ihre Hand mit einer wilden, grausamen Leidenschaft. Sie versteht nicht sein Toben und meint, sein Körper bäumt sich in Schmerzen. Sie ist vor seinen langsam erwachenden, gierigen Augen und schaut ihm voll erbarmender Liebe tief in die Seele, sie ist ja bei ihm geblieben, ihre Mission zu erfüllen.

Er ist gebannt von ihrem hingebungsvollen, wahren, wirklichen Liebesblick, alle wüsten Träume verebben. Nein, sie ist kein Schaumwein, kein köstlich ungeleerter Rest, sie ist Fülle, sie ist der klare Bergquell in feiner heißen Mittagsnot, kniend muß er sich nahen und mit reinen Händen schöpfen, will er sich nicht den Trunk vergiften.

Langsam kommt ihm volles Besinnen und schwarze Schleier ziehn vor seine Augen, verhüllen den suchenden Blick, nur sein Denken ist seltsam klar, nicht erschöpft und hinfällig wie sein Leib, die Sehnsucht ist wach und le­bendig, die Sehnsucht nach ihrem lichten, reinen Blick.

Warum ist sie nicht mehr da, keinen Abschied hat er genommen und er fühlt doch, wie es zu Ende geht. Warum hat sie ihn verlassen?Gitta!" Schmerzlich und sehnend ruft er nach ihr.

Und sie ist da, voll Ruhe, wie ein lieber Trostengel an seiner Seite, er kann sie wieder sehen, die Schleier verdünnen sich wie ein Hauch, lösen sich auf und er sieht, wie die Abendsonne über die vielen weißen Betten huscht, wie sie Gittas weißes Haar umgolbet und drau­ßen vom großen Spitalsgarten tönt Amselschlag herein. Frieden kommt über ihn und ein stilles, heiliges Ver­zichten.

Gitta, du bist stark, du bist das Einzige, was ich sehnend zurücklasse, du bist es, daß ich die Welt nicht mit einem Grausen, mit einem Fluch verlasse, daß ich nicht um alles betrogen aus diesem Leben gehen muß, wie soll ich nur deine Liebe dir danken, fo arm bin ich.

grausam ist das Ende, furchtbar das Wort:Es gibt kein Wiedersehen!" Wi eschön war das Märchen meiner Kindheit, warum kann es nicht wahr fein? Du aber glaube, es ist ein Trost! Und ich will stark fein."

Abgerissen und stoßend kommt Satz um Satz aus sei­ner wunden Brust, nicht das Denken macht ihm mehr Mühe, aber das Reden.

Trost ist es, Karl! Trost und Verheißung! Karl, bring dich nicht um das Letzte, tu mir nicht so weh! Du heißest mich an etwas glauben, das du selber verneinst! Karl, du warst nie ein Lügner, schließ mich nicht aus dei­ner letzten Not! Deswegen bin ich ja hier geblieben, dir zu sagen, daß Er vor deiner Tür steht und wartet!"

Mädel, so weise bin ich auch," haucht er mit stillem Grauen,da sitzt er an meiner Seite schon die ganzen Tage und lauert, wenn du mir nichts Lieberes mehr zu sagen hast, red nicht von dem, dem ich verfallen bin, die Zeit ist kostbar."

Karl, den meine ich nicht. Der Lichte, der Ewige, der wartet an deiner Tür, daß du ihn rufen sollst, der. an den du selber mich glauben heißt!"

Wär er früher gekommen!" seufzt Karl dumpf und verzweifelt.Wär er gekommen an jenem grausigen Mittag, wo war er da, der Retter aus aller Not? Ich hält ihm als erster zugejubelt! Viele hätten wieder glauben können, wenn er in der Stunde gekommen wär!"

Gitta redet zu ihm, leise und dringlich, mit sinkendem Mut und dennoch beharrlich.

O, Karl, sie hätten ihm doch nicht geglaubt sie hät­ten alles ihrer Klugheit vor ihrem Mut zugeschrieben, ihn weiter verleugnet und in der Stunde des Hasses verbirgt sich Gott der Herr den rasenden Menschen, in Not und Leiden erst schlägt die Stunde seiner Einkehr in unsere Herzen, und Siebe muß feinen Weg bereiten, Karl, meine Siebe bittet dich, ich weiß, du hast nicht Menschenfurcht, lass' ihn ein! Ruf ihn! Karl, ich hab ein Gelöbnis getan . . ."

Ein Gelöbnis, Gitta, wie meinst denn das. was für ein Gelöbnis?" Grübelnd furcht er die fahle Stirn und sucht ihren gesenkten Blick. Sie schrickt ein wenig zurück mit ihrem übergehenden Herzen. Das versteht er noch nicht, davon muß sie schweigen, sonst bäumt sich aufs

neue fein Trotz. Schritt um Schritt muß sie sich durch alle verwilderten Dornenbüsche kämpfen.

Keine sorgliche Hand hat gejätet auf diesem üppiger edlen Grund.

Und einfach sagt sie:Dir zu helfen, um jede; Preis, weil ich dich so liebe, über alles Glück und alli Freude dieser vergänglichen Welt so liebe."

Er umklammert ihre Hand:Gitta, es gibt fein« Hilfe mehr, wir schulden einander so viel, alles, was le bensroert ist; es gibt keine andere Sendung in diesen verlogenen, undankbaren Beben, als selber glücklich zu sein, wie ein Narr bin ich gewesen unter den anderen wie ein armer Narr!"

Sturm peitscht wieder Woge um Woge um seine heif umstrittene Seele, ein Unsichtbarer will sie aus Gitta« flehenden Händen reißen:Alles hab ich verpaßt uni versäumt um das Narrenspiel, dich auch und jetzt saus, der Schlagbaum nieder und ist noch lang nicht der halb» Weg!"

Karl, was kommt jetzt wieder alles über dich; id hab mich so gefreut wegen der Vergißmeinnicht, weil dr io froh an die Stunde gedacht, sie nicht vergessen hast schau, Karl, ich hält mich nicht zu kommen getraut, wem es anders gewesen wär, wenn der Vater mit Recht mid geschmäht hätt. Was du sonst getan, ist kein Narrenspiel ist was Rechtes und Gutes in allem Irren und er, unfe aller, wahrer Vater, hat es angemerkt, alles alles!

Ja, Gitta, du hilfst mir, so machst du mirs leichter bleib bei mir, bleib doch bei mir, bis alles vorbei ist hilf mir!" Er schlummert vor Ermattung unruhig, m: zuckenden Händen. Gitta fragt leise die diensthabend« Schwester, ob sie noch bleiben darf.

Cs wird ihr erlaubt. Morgen soll an Karl Mülle, die Operation vorgenommen werden, es ist aber wenig Hoffnung, daß er sie übersteht. Biele von den Patien­ten schlafen, von der Besuchsstunde ermüdet, auch Karis Nachbar, der Humpelnde, röchelt und schnarcht, ein un­heimlicher Geselle hak ihm Wein gebracht. Schwestern gehen lautlos hin und her, manchmal hört man ein dumpfes, schmerzliches Stöhnen, ober es knistert eine Zeitung in den zitternden Händen, mit fiebernden Wan gen und glühenden Augen wird sie verschlunaen, bai Haßevangelium Der Unentwegten