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NILS

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Die Mode kostet Geld, viel Geld. Wieoiele haben schon ihre Familie am Notwendigsten ge­schädigt, um der Mode dienen zu können, haben selbst ihre Unschuld und Reinheit geopfert um der Mode willen. Waren nnr noch ein üppiges, rei­ches Volk! Mer wir sind Schuldsklaoen eines un­erbittlichen Kriegsgläubigers. Auch auf jedem Modedämchen lastet eine furchtbare Schuldhypothek des Krieges. Trotzdem leisten wir uns jede neue Mode, die Paris oder N e w P o r k oder Lon­don hat, und ein nimmersatter Kapitalismus weckr stets neue Modebedürfnisse.

Wenn man Länder bereist, wo man nod? Trachten trägt, Trachten, die oft recht kostbar sind, kann man sich des Gedankens nicht erweh­ren: Hier gibt man wohl nur die Hälfte dessen aus, was man im Bereich des Modekapitalismus für Kleidung wegwirft. Würden wir durch Nicht­beachtung der Mode, durch Verlangen nach ei­ner feinen, soliden, nicht jede Sai­son wechselnden Frauenkleidung die Produktion zur Umstellung zwingen, wieviel Volksvermögen würde gespart, wieviel industrielle Kraft, die im Dienste unnützer Produktion stehr, würde zur Erzeugung notwendigerer und lebens­wichtigerer Güter frei! Hat man schon einmal aus­gerechnet, wieviel Volksvermögen eingespart würde, wenn wir nach dem Rat des katholischen Nationalökonomen Franz Müller von der Mode zur Tracht übergingen! Wir leben in einer Zeit, wo der Staat sich weitestgehende, oft ungesunde Eingriffe in das Wirtschaftsleben und in die Le­bensführung des Einzelnen erlaubt, wo man in den Großstädten Friedhofsämter einsetzt, die den Toten oorschreiben, aus welchem Stein' und in welcher Höhe und nach welchem Kunstgeschmack sie ihr Grabmal Herrichten lassen müssen. Da wundert man sich, daß man in einer Zeit staatlicher und kommunaler Uebergrifse in die Rechte des Eiuzel- menschen den Lebenden nicht antut, was man bei den Toten riskiert. Wir befürworten keinen Ein­griff des Staates in die Mode, meinen aber, man müsse sich stets und überall konsequent bleiben . .

Ja, aber denken Six auch an das Schneiderge­werbe? Wieviele Existenzen würden brotlos, wenn wir von der Mode zur Tracht übergingen? Ist das so sicher, wenn die Mädchen statt Serienkleid­chen für 7.50 Mark, wie sie das Warenhaus $ren- nikmeyr u. Co. anbietet, wirklich feine individuali­sierte, kunstvolle Kleidung trügen? Und wenn wirklich Existenzen brotlos würden: durch Umstel­lung der Produktion gäbe es neue Wirtschafts­zweige, die sie aufnähmen!

M an wird jeden belächeln, der an Umstellung der Mode auf Tracht denkt. Man belächle ruhig auch uns, halte sich aber überzeugt, daß die Schä- deybedarfsweckenden kapitalistischen" Systems für Volk und Nationalwirtschaft nur behoben wer­den können durch eine neue Verbrauchermo­ral, die sich von der Mode nicht das Gesetz des Handelns vorschreiben läßt. P.

Kleine Mitteilungen.

Arbeitsgemeinschaft für Dorskaritas.

Im Jahre 1924 rief Universitätsprofessor Dr. Franz Keller, Freiburg i. B., der sich seit mehr denn zwei Jahrzehnten theoretisch und praktisch mit dem Problem einer bodenständigen Karitas- pflege auf dem Lande besaßt und die grundsätz­lichen Fragen der Dorfkaritasbewegung, um die sich besonders der Deutsche Karitasverband ange­nommen, in seinenGrundzügen der Dorfkaritas" (Freiburg i. B., 1924, Karitasverlag) dargelegt hat, die Arbeitsgemeinschaft für Dorfkaritas (Sitz Freiburg i. B.) ins Leben. Sie hat den Zweck die auf dem Gebiete der Dorfkaritas in hervor­ragender Weise tätigen Persönlichkeiten in zwang­loser Weise zusammenzufassen und ihnen die Mög­lichkeit zu bieten, auf den Ausbau und die Gestal­tung der Karitaspflege auf dem Lande auch über die "engen Grenzen ihres eigenen Wirkungskreises hinaus Einfluß zu gewinnen, sowie einen gemein­schaftlichen Austausch der Erfahrungen bezüglich der besten und praktischsten Arbeitsmethoden, z. V. der Gründung von Schwesternstationen, der An­stellung von Landkrankenpflegerinnen, der Errich- Schmach. Stumm standen die Glockentürme, ihrer Seele der Glocken beraubt, doch allversöhnend und mahnend warf das Turmkreuz seine Schatten über die Häupter der demonstrierenden Gottlosen . . . denn viele Gläubige wurden gezwnugen, sich dieser Kund­gebung anzuschließen. So zog die Masse über den Roten Platz" Moskaus Heiligtum, dessen Boden mit Märtyrerblut getränkt ist, hin zur Erlöserkirche, wo eine prunkvolle Versammlung der Gottlosen abgebal­ten wurde, nach deren Verlauf man mit der öffentlichen Verbrennung der russischen Heiligtümer begann. Und abermals setzte sich der Zug in Bewegung. Laut gröh- lend zogen die Gottlosen durch die Straßen der Proto­metropolis und verkündeten mit nicht mißzuverstehen­der Geste, daß GlaubeOpium fürs Volk" sei. . Ueber- all wurden fliegende Versammlungen abgehalten, und die unfreiwilligen Zuhörer waren gezwungen, Läster­reden gegen Gott und die Kirche über sich ergehen zu lassen. Und als die Nacht heranbrach, da zogen die Scharen der Gottlosen hinein in die Kirchen, die noch nicht von der Regierung geschlossen waren. Mit dem KampfrufEs gibt keinen Gott! Nieder mit der Re­ligion!" drangen sie ein in die überfüllten wenigen Kirchen, wo trotz strengsten Verbots die Weihnachts- mctte gelesen wurden, vertrieben Geistliche und Gläu­bige, und wessen sie habhaft werden konnten, den peitsch­ten sie bis zur Bewußtlosigkeit oder gar zu Tode; schän­deten Altäre und Reliquien. Das aber, was unter der Wucht ihrer Fäuste nicht zerschellen wollte, wurde auf dem Kirchplatz verbrannt . . .

In panischem Schrecken flüchteten die Beter aus ih­ren Heiligtümern. Peitschenhiebe der Gottlosen be­schleunigten ihre Flucht. Vor den Kirchenportalen wur­den Posten aufgestellt, und durch die frostklare heilige Nacht klang ihr dumpfer Patrouillenschritt wie eine ewige Anklage . . .

Dann wurde es still in der Stadt. Dunkel hüllte sie ein. Hier und da beulte eiye Fabriksirene marker-

Die Enzyklika über die christliche Erziehung

bandes, Pfarrer I. B. Dieing, Freiburg i. B.. Werthmannhaus..

Es gibt nur nach 5 deutsche Diözesen, in denen die Arbeitsgemeinschaft nicht bereits, zum Teil wie­derholt, Wanderlehrgänge oder einzelne Tagungen abgehalten hat.

tung von Dorfheimen, der Mittelbeschaffung zur Durchführung der Karitasaufgaben und eine ge­genseitige Anregung und Befruchtung zu ermög­lichen. Die Geschäftsführung der Arbeitsgemein­schaft liegt in den Händen des Referenten für Dorf­karitas an der Zentrale des Deutschen Karitasver­

ist von ihrem Aufgabenkreis streng geschieden. Der Staat ist dem Kinde gegenüber nicht in Besitz irgendwelcher Vaterschaft. Seine Aufgabe ist die Beförderung des Gemeinwohles, derzufolge er den Familien den Frieden und die Sicherheit in der Ausübung ihrer Rechte zu gewährleisten, deren Eigenschaften er, soweit sie den seinen vor­anstehen, zu schützen, und auf das Recht der Kirche auf christliche Erziehung zu achten hat. Ferner obliegt ihm der Schutz der Eigenrechte des Kindes selber, wenn die Eltern aus physischer oder mo­ralischer Unfähigkeit an sich fehlen lassen. Sonst hat er die Eltern zu unterstützen, nicht aber sich an ihre Stelle zu setzen.

Seine Aufgabe ist ferner, die Erziehung und den Unterricht der Jugend zu fördern, indem er die Maßnahmen der Kirche und der Familie un­terstützt und sie durch seine eigenen Schulen er­gänzt. Er kann verlangen, daß seine Bürger ein gewisses Maß von Kenntnissen über ihre bürger­lichen und nationalen Rechte und Pflichten, sowie einen gewissen Grad geistlicher, sittlicher und phy- sischer Ausbildung sich aneignen, entsprechend den Forderungen unserer Zeit. Aber er hat nicht das Recht, seinen Bürgern ein Erziehungsmonopol aufzuzwingen, das die Familie nötigte, ihre Kin­der in Staatsschulen zu schicken, die den FvrÄ»- rungen des christlichen Gewissens oder auch nur ihren rechtmäßigen Vorrechten entgegen sind.

Unbeschadet dieser Vorrechte kann der Staat -jrfy die Gründung und Leitung von Schulen vorbei- ten, die für seine eigenen öffentlichen Dienste vr bereiten, im besonderen auch Militärfchulen, fern er nur dafür Sorge trägt, daß die Rechte 'c-.-c Kirche und der Familie nicht verletzt werden.

Die Betonung dieser Einschränkung ist darum angebracht, weil in unseren Tagen ein Natts- Holismus am Werke ist, der so Übersteiger: falsch wie dem wahren Frieden und der Woh'-- fahrt entgegen ist. So wird die Ueberschreitvng Rechtsgrenzen gang und gäbe. Eine miiifeife aufgezogene Organisation der physischen Jug?. - ansbildung will nicht nur die gesamte männlich-.' Jugend, sondern bisweilen sogar unter Beste Um­setzung der natürlichen menschlichen Gegebenheiten selbst die weibliche Jugend erfassen. Dazu nimmt sie oft genug den Sonntag in Beschlag und über alles Maß hinaus auch die Zeit, die der Erfüllung der religiösen Pflichten und dem Heiligtum des Familienlebens geweiht fein sollte.

Der Tadel des Papstes gegen diese Methoden richtet sich nicht dagegen, daß sie bei der Jugend den Geist der Zucht und einen in den rech- ten Grenzen bleibenden Mut ausbilden wollen, wohl aber, und ausschließlich gegen den Geist roher Gewalt und des übertriebenen Athletentums, der schon in den Zeiten des Heidentums das Absinken und den Verfall aller wahren physischen Ausbildung kennzeichnete.

Im Uebrigen wird allgemein dem Staate nahezu die ganzestaatsbürgerliche Erzie­hung" obliegen, nicht bloß der Jugend, sondern aller Altersklassen und Stände. Diese wird sich auf das Verständnis und die Mitarbeit an den staatlichen Einrichtungen zur Förderung des Ge- meinwohls zu beziehen haben, selbstverständlich in Einklang mit der sittlichen Norm und den Lehren der Kirche als der von Gott bestellten Lehrerin. Allgemein wird in den Erziehungsfragen, in denen Kirche und Staat einander begegnen, jener Grund­satz der christlichen Staatsordnung anzuwenden sein, den Leo XIII. so sorgsam formuliert hat in der EnzyklikaJmmortale Dei" undSpientiae christianae": Alles, was in den Menschheitsfragen sich auf das Seelenheil bezieht, ist Sache der Kirche; was zur bürgerlichen und politischen Ord­nung gehört, untersteht der Leitung des Staates. Christus hat befohlen, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

Die völlig unerwartet erschienene Enzyklika des Papstes ist gegen den bisherigen Brauch der Ku­rie italienisch abgefaßt und beginnt mit den Wor­tenRappresentanti in terna". Datiert ist sie vorn 31. Dezember 1929. Damit will ihr der Papst den Charakter einer Weihnachtsgabe an die christ­liche Jugend geben, gleichsam zum Gedenken sei­nes Priesterjubiläums.

Der erste Teil der umfangreichen Enzyklika be­schäftigt sich mit den R e ch t s t r ä g e r n d e r E r- ziehungsgewalt.

Die Erziehung ist eine wesentlich soziale Aufgabe. In ihre Erfilllung teilen sich die drei Gesellschaften, in deren Kreis der Mensch notwen­dig hineingestellt ist: die Familie, die bür­gerliche Gesellschaft, die der natürlichen Ordnung, und die Kirche, die der übernatürlichen Ordnung angehört.

Die Kirche an er ft er Stelle: Sie hat einen doppelten Rechtstitel übernatürlicher Ordnung aUf die Uebernahme der Erziehungsaufgabe: das Wort Christi, das ihr Lehrauftrag und Lehrbefähigung verleihtGehet hin in alle Welt und lehret alle Völker", und ihre geistliche Mutterschaft, die ihr Christus verliehen ist, daß sie die Seelen wieder- gebäre, nähre und für den Weg der Gnade bilde. Sie ist daher int Vollbesitz des Rechtes und vollkom­men unabhängig, wenn sie sich der Erziehung be­mächtigt und bei ihr alle Mittel zur Anwendung bringt. Auch die physische Ausbildung ist hier aus­drücklich einzuschließen.

Durch diese kirchliche Erziehungstätigkeit ge­schieht den Staatsrechten kein Abbruch. Die Kirche widersetzt sich keineswegs dem Staatsanspru ch, daß ihre Schulen und Erziehungsanstalten bei den verschiedenen Völkern sich den recht­mäßigen Anordnungen der bürgerlichen Ob­rigkeit anzugleichen haben, und ist durchaus dazu bereit, sich vorkommenden Falles mit der bürger­lichen Obrigkeit über einen Ausgleich bei austreten­den Schwierigkeiten in Benehmen zu setzen. Sie Erziehungsausgabe der Kirche erstreckt sich auf alle Völker. Zunächst sind ihre eigenen Kinder ein­begriffen, dann aber auch die Nichtgläubigen, wie man aus den tausend und abertausend von den christlichen Glaubensboten gegründeten und gelei­teten Schulen nichtchristlicher Länder ersehen kann.

Die Erziehungstätigkeit der Kirche steht auch keineswegs im Gegensatz zu den Rechten der Fa­milie, ebensowenig wie zu den Rechten des Staa­tes oder denen des Einzelmenschen. Ihre Kultur ist auch durchaus auf der Höhe der Forderungen unserer Zeit.

Sie steht nicht im Gegensatz zum Recht der Fa­milie. Wie die Kirche in der übernatürlichen Ordnung, so ist die Familie in der natürlichen Ord­nung die Quelle des Lebens; sie ist darum von Gott mit der Aufgabe betraut, dieses Leben durch die Erziehung auszuformen. Diese Pflicht gewährt ihr somit ein Recht, das vor dem Erziehungsrecht je­der bürgerlichen und staatlichen Gesellschaft den Vorrang behauptet. Die Anschauung, das Kind gehöre dem Staate, setzt sich in Widerspruch mit der allgemeinen Ueberzeugung des Menschenge­schlechtes.

Das Recht d er Familie dagegen ist von all jenen Nationen als gültig anerkannt, die in ihren staatlichen und gesetzlichen Einrichtungen das Na t u r r e ch t anerkennen. So hat der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten Nordameri­kas noch 1925 erklärt, daß der Staat keineswegs das Recht habe, die gesamte Jugend zum Emp­fang einer gemeinsamen Erziehung in den Staats­schulen zu zwingen, und zwar eben darum nicht, weil das Kind nicht ein Geschöpf des Staates ist, und feine Bildung den Eltern obliegt.

Dieser Rechtsprimat der Kirche und der Familie ;n Erziehungsfragen tut darum dem Staat doch keinen Abbruch. Seine Aufgabe

fchütternd in die Nacht hinein. Es war jazweiter I n d u str i e a l i s i e ru n g s t a g", und die Beleg­schaften arbeiten zu Gunsten des Jndustriealisierungs- fonds. Lautlos rollten die Achtzylinder-Wagen der staatlichen Polizei (Tscheka) durch die nächtlichen Gas-- sen sie haben den Auftrag, nach Weihnachtsbäumen zu fahnden. Dort, wo ein Lichterbaum angetroffen wird, ist eine Strafe von 100 Rubel fällig! Doch ver­geblich sucht die Tscheka. In ganz Moskau brennt fein Weihnachtsbaum, und keine Christkerze wirft ihre Schlaglichter auf den holprigen Bürgersteig . . . Weih­nachten? Für Rußland gibt es keine Weihnacht! Nur eineBeerdigung der Religion!"

Das, was Europa für unmöglich gehalten hat, ist Tatsache geworden: das russische Volk ist fei­ner Religion beraubt! In den Tagen vor Weihnachten sind allein in Zentralrußland 579 Kir­chen geschlossen worden. Im Baschkirengebiet (Ural) wurden am 24. Dezember 7 Kirchen und 45 Moscheen, im Wolgagebiet, und zwar allein in den Kreisen Marxstadt, Pokrowsk und Fedorowsk, 36 Kir­chen geschlossen. Die Glocken von sämtlichen Kirchen werden eingeschmolzen. Das find offizielle Tat­sachen, vom statistischen Amt der Sowjetunion veröi- fentlicht und von authentischer Seite bestätigt! Doch wieviel geschlossene Kirchen sind nicht registriert?

Angesichts dieser erschütternden Tatsache sind wir geneigt zu fragen: wie ist überhaupt alles dies mög­lich? Nun, der Kreml beantwortet diese Frage gern. Es ist der Wille des russischen Volkes, sich von der Religion zu lösen", und bestätigt diese Erklärung ml umfangreichem . . . Zahlenmaterial, das in Moskau gleich einemVolksentscheid" gewertet wird. Mit dem Volksentscheid" aber hat es folgende Bewandt­nis:

Der MoskauerVerband der Gewerkschaf­ten" veranstaltete unter den Arbeitern Moskaus eine Rundfrage, die u. a. die Frage enthielt, ob die Arbeiter­

schaft für ober gegen Gott sei. Auf der Kopfseite des Fragebogens stand aber:Wer für Gott ist ist ein Verräter am Proletarier st aat der Sowjet s." Der Fragebogen mußte mit Vor- und Zunamen unterzeichnet werden, mit genauer Angabe des Wohnorts und der Arbeitsstelle. Die Situation der befragten Arbeiter und Arbeiter ist fast jeder in Moskau war nicht zu beneiden. Schreibt der Be­treffende, er fei für Gott und Beibehaltung der Reli­gion, dann ist er einVerräter am Proletarierstaat der Sowjets", und die Folgen sind: fristlose Entlassung aus dem Betrieb, ohne jemals ein Recht auf Arbeit zu ha­ben, Entziehung der Brot- und Lebensmittelkarte und die Erklärung fürv o g e l f r e i". Das aber bedeu­tet: Hunger und Tod. Schreibt er nun, er fei gegen Gott und Religion, dann gilt er für einenrechtschaffe­nen Bürger des Proletarierstaates", der ein verbrieftes Recht hat auf Geben, Arbeit, Verdienst, Brot und son­stige Kostbarkeiten des Sowjetparadieses. Es ging um Leben und Tod, und 75 Prozent der Moskauer Arbei­terschaft hat sich entschlossen, gegen Gott zu stimmen, nur um nicht verhungern zu müssen und Frau und Kind in Tod und Verderben zu jagen . . . Doch 25 Prozent haben für Goll gestimmt und werden für ihr heldenmütiges Bekennen stumm den Märtyrer­tod sterben, ohne von Europa viel beachtet zu werden, weil es eben . . . Russen sind. Der Kreml aber rech­net mit derMehrheit" der Befragten und bekämpft die Religion im Namen dieserVolksmehrheit".

Nur wenn man diese Tatsache berücksichtigt, und nicht anders, läßt sich die Verfolgung der Religion in Ruß­land erklären. Nur so allein läßt es sich erklären, warum am Weihnachtsfest die Glocken der russischen Kirchen stumm waren und warum von den Altären der russischen Heiligtümer fein Gloria in excelsis in die Her­zen jener drang, die guten Willens waren . .

Weihnachten in Rußland.

^nftatt der Geburt ChristiBeerdigung der Religion". " Rußland ohne Deihnachtsgottesdienst. 622 ftir- fcn enteignet.Es ist der Dille des Volkes, sich von der Religion zu töfen.

Am 24. Dezember erklärte die Sowjetregierung den Schulkindern, daß in diesem Jahre dasChristkind jM)t mehr kommen wird", und für alle Zeitennicht nunen wird", weil esnie existiert habe", und Wech- '°chten fei überhaupt abgeschafft. Und in der Tat, Rußland hat das Christfest abgeschafft!

, In den Weihnachtstagen boten die russischen Städte ungewohntes, tieftrauriges Schauspiel: sie feierten Beerdigung der Religion". Riesige Transparente Gottlosen gierten die Straßenzeilen, prangten an dstl Häuserfluchten, und in den Schaufenstern der staat- 'schen Konfumläden hingen sarbenbunte Plakate: ein Mger Arbeiter, mit dem Kommunistenstern an der $ruft, wirft denchristlichen, jüdischen und muselmani- Ichen Gott" die Treppe hinunter . . . Auf den Markt- Sätzen der Großstädte wurden Heiligenbilder, die man "us Kirchen und Privatwohnungen zwangsweise ge­bubt hat, öffentlich verbrannt; man warf Kartonkir- tyen und Priesterpuppen in den Scheiterhaufen, ver­kannte demonstrativ prunkvoll geschmückte Weihnachts- öume, um damit dieBeerdigung der Religion" und 6ie Ausmerzung des Christfestes zu symbolisieren.

Am traurigsten jedoch war es in Moskau. Jenes Moskau, die Stadt dervierzigmal vierzig" Gotteshäu- !er, der ungezählten Kapellen, der altehrwürdigen Klö- ?er, mo einst die Glocken die Luft mit ihrem tiefen, ^erlichen Tönen erfüllten, wo das Gnadenbild der Muttergottes von Jberien in sechsspänniger, schwerver- Solbeter Kutsche durch die Straßen gefahren und von den "arübergehenden andächtig und ehrfurchtsvoll begrüßt dllrde, es stand diese Weihnacht im Zeichen der .

Zweiter Sonntag nach Erscheinung.

(Eingangslieb: Ps. 65,4.

Die ganze Erde soll dich anbeten, o Gott, und tir fingen, ein Loblied singen deinem Namen, Al­lerhöchster. (Ps. ebb. 12.) Preiset Gott in Ju­belliedern, alle Lande; singt Psalmen seinem Na- jnen, gebt dem Liede festlichen Klang.

Epistel: Röm. 12, 616.

Brüder! Wir haben Gaben, die verschieden sind, u nach der Gnade, die uns verliehen wurde. Hat einer die Gabe der Weissagung, so gebrauche er jie in Uebereinstimmung mit dem Glauben. Hat einer ein Kirchenamt, so bleibe er bei diesem. Wer lehrt, lehre weiter; wer ermahnt, ermahne wei- ter. Wer spendet, gebe in Einfalt. Wer vorsteht, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude. Die Liebe sei ungeheuchelt. Hasset ba« Böse, verharret im Guten. Seid einander zu­getan in brüderlicher Liebe, kommt euch in Ehr­erbietung gegenseitig zuvor. Erlahmt nicht im Eifer, seid feurigen Geistes, dienet dem Herrn. Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Trübsal, beharrlich im Gebete. Kommt den Hei­ligen zu Hilfe in ihren Bedrängnissen, befleißigt euch der Gastfreundschaft. Segnet, die euch ver­folgen; segnet, aber fluchet nicht. Freut euch mit bert Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern laßt euch zu niedrigen Dien­sten herbei.

Königin Mode.

Die neue Frauenmode liebt längere Kleider. Drollig sieht es aus, wenn man in diesen Wiuter- tooen Damen durch die Straßen eilen sieht, die wohl das neue Modekleid, nicht aber den dazu ge­hörigen Wintermantel sich anschaffen konnten vielleicht fehlten die Mittel trotz aller Einsparung sonstiger notwendigerer Lebensbedürfnisse. Und -so flatterten unter dem kurzen, auf das Zeigen ter Beine auch bei schärfster Winterkälte einge- ilellle Mantel die zackigen, züngelnden Stoffetzen des neuen verlängerten Rockes lustig im Winde. So schlagen um die Beine wie Ueberreste von Fast- aachts-Papierfchlangen die bunten Bänder, mit denen Königin Mode die Säume des neuen Mode­rockes schmückt. Man hat den Eindruck, als wenn dieModeschöpfer es diesmal sehr eilig gehabt hät- :en. Allzulange hatten sie wohl sestgehalten an den 'urzen Röckchen, die als Symbol unsererbefreiten" Frauenkultur galten. Als sie, um neuen Bedarf iu wecken, zum verlängerten Rock übergingen, kam ter Winter zu schnell. Viele Frauen hatten nun feine Zeit und kein Geld mehr, den verlängerten Winterrock anzuschafsen, nachdem sie im Spätsom­mer den verlängerten Sommerrock anschassten.

Ja, wie die Mode sich wandelt! Jüngst sah ich ein Photo aus den ersten Tagen des Weltkrieges, dümen mit großen breitrandigen Hüten und lau­fen Kleidern reichten ausrückenden Truppen eine Equickung.Unmögliche Röcke", dachten viele vor einem Jahr.Mögliche Röcke", sage ich heute, oochdem ich die neuen Modeschöpfungen gesehen jabe. Vorläufig sind sie halblang und langzackig, tarn länger und kurzzackig, dann vielleicht pluder- Menartig eingeschnürt, dann wieder hofenförmig lind kürzer, bis primitivster Anstand und euro­päisches Klima eine wettere Verkürzung ausschlie- 6en. Die Mode geht im Zeitalter desbedarf- erweck enden Kapitalismus" immer dar­auf aus, sich so zu gestalten, daß die Leute "euen Stoss taufen müssen, daß man die kurzen Röcke nicht verlängern, die langen nicht verkürzen kann. Wenn man unten bald am Bade- foftüm angelangt ist, verlängert man oben bis zur Halskrause, ist man oben beim Badekostüm ange- iangt, geht man unten bis zur Grenze der noch ^glichen Fußfreiheit. Und die Fabrikanten der ieblichen schwarzlackigen Rufsenstiefelchen zittern st:on jetzt vor dem kommenden Winter, wo viel­leicht ein noch längerer Rock diese Stieselchen nicht !W zur Geltung kommen läßt. Deshalb schon fetzt Umstellung auf neue Schuhtypen und entspre- äfende Zusammenarbeit mit den' Pariser Mode­salons.