Einzelbild herunterladen
 

Froher Sinn.

Ohne Geld, doch ohne Sorgen! Was gleicht meiner Seligkeit?

Geld, ei Geld, das kann ich borgen, Doch wer ist, der Frohsinn leiht?

Heute sorget ihr für morgen. Morgen für die Ewigkeit!

Ich will heut für heute sorgen, Morgen ist für morgen Zeit.

Und die Zukunft? Wenn auch morgen

Mich der Tod zum Opfer weiht:

Frei von Schuld fein und von Sorgen Ist ja hier schon Seligkeit.

Grillparze?.

Vie wird es im Jahre 1930?

Unruhige Zeiten, die der Bürger glücklich überstan­den zu haben glaubte, um sich seinen kleinen Sorgen und Freuden hingeben zu können, sind wieder über Deutschland hereingebrochen. Die Not ist groß im Volke; die Unsicherheit zehrt an der schon an und für sich nicht großen Nervensubstanz. Man ist unruhig und erregt, hört deshalb leichter auf die Katastrophenpolitiker, b;e eine Gewaltkur als Allheilmittel anpreisen.

Man soll sich nichts Vortäuschen, wir stehen in Deutschland mitten in einer Vertrauenskrise, die eine radikale Agitation ohne Rücksicht darauf, ob daraus dem Lande Nutzen erwächst oder nicht, für parteiegoisti­sche Zwecke geschickt ausbeutet. Daß sie Erfolg hat, ist nicht abzuleugnen. Daß die radikalen Strömungen bei den schweren Zeiten, die bevorstehen, weiteren Zulauf bekommen werden, damit muß man rechnen. Die Ra­dikalen rechts und links werden umso leichtere Arbeit haben, je unsicherer und unentschiedener die Regierungs­parteien auftreten.

Im Volke herrscht eine dumpfe Unruhe über Miß­stände, die sich auch in dem neuen Staat eingeschlichen

haben. Wann kommt endlich die erlösende Reform? Wo sind die Männer, die einmal durchgreifen, die ein­mal ohne Rücksicht auf das Geschrei zur Rechten und zur Linken das tun, was sie als richtig erkannt haben?

Die staatstreue Jugend wird ihnen zujubeln. Sie wartet schon lange auf eine entscheidende Tat. Gesagt haben die führenden Männer der Zentrumspartei schon lange, was not tut. Sie haben auch schon manches ge­tan. Aber die Jugend im weiten deutschen Land sieht nicht immer die klare, eindeutige Linie.

Eines freilich hat die Jugend schon erfaßt: Wir Deutsche dürfen nicht alles vom Staat, von oben erwarten. Unter dem Einfluß der Gewohn­heiten aus den Kriegszeiten und der sozialistischen Ideen halten wir es meist für selbstverständlich, daß der Staat für alles sorgt. Jeder Stand jammert erbärmlich über seine schlechte Lage, schreit zum Staat um Hilfe und schimpft mörderisch auf die anderen, denen es angeb­lich etwas besser geht. Wenn wir aber ganz offen sind, müssen mir uns selbst sagen, daß wir uns heute manches leisten, woran unsere Väter und Großväter gar nicht gedacht haben. Was wird trotz der schlechten Zeiten heute z. B. für Kleider, für Rauchwaren, Alkohol usw. ausgegeben?

Wir Jungen wollen nicht schimpfen im begonnenen Jahr, sondern von unten mit der Erneuerungsarbeit anfangen. Wir sind uns dabei bewußt, daß alle Erneue­rung aus dem Geiste kommt. Von der Regierung erwarten wir aber endlich die innerpolitische Reform. Sie darf nicht zulassen, daß die Schreier und Nichtskön­ner in Deutschland heute den Mund am weitesten auf­reißen können.

Die Zeiten sind ernst und fordern Opfer von jedem. Deutschland wird aber auch im Jahre 1930 weiter auf­wärts steigen, wenn die nüchterne Erkenntnis und der Wille zur verantwortlichen Mitar» beit in uns allen wächst, und wenn die Regierung den M u t und die K r a f t z u r F ü h r u n g hat. Auf diese * Führung wartet die Jugend.

Zwiegespräch zwischen einem Gesellen und Zungmann

m

Es ist Montag Morgen auf dem Bahnhof eines grö­ßeren Dorfes in der Nähe der Stadt. Dicht gedrängt stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen auf dem Bahn­steig. Da faucht der Zug heran in eine dunkle Rauch­wolke gehüllt. iDe Leute suchen ihr Abteil. Fertig, ruft der Schaffner. Der Fahrdienstleiter gibt das Zeichen zur Abfahrt. Da im letzten Moment kommt ein junger Mann angerast, gerade noch recht, um den Zug mit knapper Not zu erreichen. Sein Freund Karl steht schon in der offenen Tür, reicht ihm die Hand und zieht ihn in den Wagen.

Morgen, Adolf," spricht er,na beinahe wärst zu spät gekommen Zu lange geschlafen? Gestern abend wohl zu lange gezecht?"

Nein, Karl, das hab ich nicht. Gewiß etwas spät roars schon geworden, aber das kam so. Wir waren am Mittag bei dem Schulungskursus der kathol. Arbeitervereine und im Abend haben wir dann noch in unserem Gesellenverein zusammengesessen und über Verschiedenes disputiert, was man uns da vorge- roorfen hat."

Was hat man euch denn Schönes gesagt?"

Du, Karl, bist ja im Jungmänneroerein, du wirst ja billigen, was man über den Gesellenverein gesagt hat."

Nun was denn?"

Wir litten an Größenfimmel, an Organisations­egoismus. Ueberall würden wir Propaganda für den

Gesellenverein machen. In jedem Heckennest machten wir einen solchen auf, einerlei, ob Gesellen b a feien ober nicht. Das lassen mir uns nicht mehr gefallen. Jetzt wirb mal Krach gemacht."

Nur mal nicht fo hitzig, lieber Adolf."

Wir beginnen heute bie Aussprache über die Frage der Zusammenarbeit der kath. Ständesvereine und Organisatio­nen. Wir wissen, daß manche Meinungsverschie­denheiten und Reibungsflächen zwischen den ein­zelnen Gruppen bestehen, nicht nur zwischen den Gesellen und Jungmännern, sondern auch zwischen Gesellenverein und Jungmännerverein einerseits, dem Arbeiterverein andererseits, zwischen den ver­schiedenen Schülerbünden und nicht zuletzt zwi­schen den studentischen Verbänden. Daß dieser mehr oder weniger harte Streit der gemein­samen Sach«, der doch alle katholischen Orga­nisationen dienen wollen, nutzt, wird wohl nie­mand behaupten können. Eine offene und ehr­liche Aussprache ist notwendig, damit die Vereine in der heimatlichen Pfarrgemeinbe zu einer fruchtbaren Arbeitsgemeinschaft werben. Das Blatt Oer Jugend gibt vielleicht die geeignete Plattform für diese Aussprache ab, weil es, ganz mit dem Heimatboden verwurzelt, stets dem Verbands-

Ja, soll man da nicht in die Wolle geraten, wenn man überall so für die kathol. Sache eintritt, sich mit den Sozi herumschlägt und möglichst viele Mitkämpfer für die gute Sache gewinnen will und man fällt uns bann von ben eigenen Leuten in ben Rücken."

Adolf, das muß man sagen, ihr Gesellen habt Schneid, Familiensinn und vor allem Mut, für eure Ideale einzutreten, mehr oft als wir Iungmänner."

Das möcht ich doch auch meinen. Darum können wir gar nicht genug Gesellenvereine gründen und die jungen Leute für unsere Ideale, für Familie, Demokra­tie und Völkersrieden begeistern.

Wir wollen mal ruhig über die Sache reden, Adolf. Du weißt doch, ich bin Vorstandsmitglied in unserem jungmänneroerein und da kenne ich fo ein bischen die Bestrebungen unseres Verbandes."

Und was leisten wir nicht alles für die Weiterbil­dung unserer Gesellen in den Fach- und Schulungskursen unb für bie Wanderburschen! Nach unserem neuen Handbuch sind allein im Jahre 1928 nicht weniger als rund 194 000 Nachtquartier«, davon 180 000 unentgelt­lich gewährt worden, nicht zu reden von den vielen freien Mahlzeiten, die an wandernde Gesellen gegeben wur­den."

Ihr habt wirklich Großes geleistet für eure Ge­sellen und damit auch für die Gesamtheit. Der Ge- sellenverein ist eine große soziale Einrichtung. Aber hör mal. Für wen hat denn Kolping dieses soziale Werk zuerst geschaffen? Ich denke doch, wie der Name sagt, für die Gesellen, d. h. für die Facharbeiter im Handwerk. Diese machen aber nach der Sta­tistik lange nicht 50 Prozent aller jugendlichen Arbeiter. Wo soll denn diese größere Mehrheit sich organisieren, wenn nicht im kathol. Iungmännerverbanb?"

Wir nehmen boch auch ungelernte Arbeiter auf unb Bauernsöhne. Das hat schon Kolping in seinen Schrif­ten klar ausgesprochen."

Gewiß, ausnahmsweise, aber i mP rinzip boch nicht. Denn wenn ihr prinzipiell alle Iungmänner in eurem Verein erfassen wollt, bann feib ihr doch kein Gesellenverein mehr, dann seid ihr ein allge­meiner Iugendverband. Die Folge wird sein, daß eure Eigenart unb Besonberheit verwischt wirb

egoismus entgegen getreten ist, wenn ber notroen« bige Ausdehnungsdrang ber großen Zentralen in Gegensatz zu ben heimischen Verhältnissen kam.

Fritz läuft Ski.

Von Rubi Sauer, Fulda.

Au, wie fein," rief Fritz, als er unter dem We'ch- nadjtsbaum ein paar prächtige Skier liegen sah. Jubelnd stürzte er daraus zu und prüfte sie mitKennerblicken". Aus feinem Gesicht konnte man lesen, daß er zufrieden mar. Während er die Bretter anschnallte, erzählte er feinen Eltern von der Kunst des Skilaufens, von der er soviel wie garnichts verstand. Er hatte aber genug darüber von seinen Freunden gehört.Das Skilauien", begann er wichtig,ist käseleicht. Man stellt sich nur auf die Bretter und es geht los. Aber das Bremsen und Lenken ist eine Sache. Beim Lenken muß man das eine Bein etwas verstellen. Das geht ja nicht so schwer. Das schwierigste ist das Bremsen. Denkt euch, einer fährt Ski und kann noch nicht bremsen. Da fährt er nun unb fährt unb sieht plötzlich einen dichten Wald oder sonst etwas vor sich. Das ist nun eine fatale Sach« für fo einen. Er saust auf feinen Brettern in den Wald hin­ein und gegen einen Baum und aus ist es mit feinen Skiern unb vielleicht auch mit seinem Leben. Unsereins aber hat ba verschiebens Mittel: ben Pflug mit Pf., ben Stemmbogen unb den Christianiasprung. Das sind Fach­ausdrücke, die ihr ja natürlich nicht versteht".Verstehst du sie denn?", warf lachend fein Vater ein. Fritz aber tat, als hätte er überhaupt nichts gehört, sondern schaute nach der Uhr.Oh, es ist schon bald 11 Uhr. Ich glaube, es wird Zeit, ins Bett zu gehen. Ich will boch morgen in bie Christmette", unb mit einem flüchtigenGute Nacht" rückte er ab.Wir dürfen stolz fein auf unseren Skiläufer" wandte sich der Vater mit lautem Lachen an die Mutter, bie die Kerzen an dem Weihnachtsbaum aus» blies.

Die Weihnachtstage vergingen, und zu Fritzens größ­tem Schmerz wollte es immer noch nicht schneien. Unter­dessen bebanhelte er leine Skierfachmännisch". Er

hatte gehört, man müsse die Skier ölen unb wachsen. Das tat er nun, als seine Eltern einmal ausgegangen waren. Er ging in die Küche unb nahm aus bem Schrank Del.Salatöl" stand auf der Flasche.Oel ist Del" dachte er unb arbeitete tüchtig drauf los. Als er glaubte, es sei genug, ging er ans Wachsen. Das wor schon schwieriger. Woher das Wachs nehmen und wie es auf die Bretter bekommen. Aber Fritz war ein schlauer Kopf und hatte es bald raus. Am Weihnachts­baum waren ja genug Kerzen. Kurz, er holte einige Kerzen unb bas anbere war auch einfach. Mit Mutters elektrischem Bügeleisen gings sehr gut. Was später ge­schah, als bie Eltern heimkamen, wollen wir nicht er­zählen.

Bald ging Fritzens Wunsch in Erfüllung. Eines Morgens, als er aufwachte, war es fo eigenartig hell im Zimmer. Fritz rieb sich die Augen unb konnte es sich gar nicht erklären. Dann aber sprang er aus bem Bett und mit einemAu, wie fein" (dies war fein Lieblingswort, das er bei allen paffenden unb unpassenden Gelegenhei­ten anbrachte) stürmte er ans Fenster. Endlich hatte sich der Winter besonnen, feine Pflicht zu tun. Fritz öffnete bas Fenster, ballte vor Freude aus dem Schnee, der auf der Fensterbank lag, einen Schneeball und warf ihn haarscharf an der Nase einesDämchens" vorbei. Sausjunge" sagte sie nur verächtlich.Flohmädchen" erwiderte Fritz keck und lachend schloß er das Fenster. Die hat ihren Senf", lachte Fritz beim Anziehen, dann aber hatte er alles wieder vergessen und dachte nur noch an seine Skier.

Stürmisch begrüßte er heute morgen feine Eltern. Na, dann kann es ja los gehen", sagte der Vater zu seinem Söhnchen.Wie wäre es Fritz, wenn du uns heute deine Skikünste zeigtest?"Davon rate ich euch ab", lenkte der hoffnungsvolle Sprößling ein.Wie leicht könntet Ihr euch bei dieser Kälte eine Krankheit zuziehen. Nein, nein, bleibt lieber zu Hause. Ein andermal, wenn es nicht fo kalt ist, könnt Ihr mitgehen".

und daß ihr in eine gewisse Kampfstellung zu dem großen kathol. Iugendverband kommt."

Unsere Eigenart wollen wir unter keinen Umständen aufgeben. Deswegen sind wir ja fo stolz auf unseren Verein unb das begeistert uns gerade für ihn. Das geht auch gar nicht. Sieh mal, Karl, wir können doch z. B. nicht unsere Gesellenhäuser, die einen Wert von mehre­ren Millionen Mark haben und zudem international sind, für den Iugendverband eines Volkes opfern. Was wür­den die Schweizer unb Amerikaner und die anderen Länder dazu sagen, die eigene Gesellenhäuser haben.

Das sehe ich recht wohl ein, Adolf. Aber darin liegt der Widerspruch in eurem Grundsatz und in eurem Handeln. Prinzipiell wollt ihr besondere Stan- besorganifation sein unb biefem Stande, dem Gesellen st an de nämlich, den Nöten ber Zeit ent­sprechen!, helfen, andererseits aber gründet ihr überall auch auf bem Lande und in kleineren Dörfern Vereine, wo doch für gewöhnlich nur wenige Gesellen sind. Ich glaube, hier hat bas Wort Drganifationsegoismus, bas gestern gefallen sein soll, seinen letzten Grund. Ja in eurem Handeln liegt sogar eine gewisse Gefahr für unsere kath. Jugend."

Nun bitt ich dich aber doch, Karl, Unser Gesellen- verein soll gefährlich fein!"

Adolf, du verstehst mich falsch. Nein euer Gesellen­verein ist nicht gefährlich, das ist eine herrliche, schöne Sache. Aber die Sucht, überall Gesellenoereine zu grün­den, das ist bedenklich. Sieh mal, überall, wo bei uns auf dem Land der Gesellenverein eingeführt ist, besteht ein geheimer oft sogar ein offener Gegensatz zu der übrigen katholischen Pfarrjugend. Es können und wol­len boch nicht alle kathol. Iungmänner, bie nicht Ge­sellen sinb, in den Gesellenverein eintreten. Das kann ihnen niemand zumuten. In einigen größeren Dörfern ist es sogar, wie du ja weißt, zu schwerem Kamps ge­kommen. Dieser Kampf aber zersplittert und schwächt gegenüber dem gemeinsamen Feind. Heute ist Zer­splitterung die größte Gefahr. Wir sehen es bei den Reichstagswahlen mit den vielen Splitterparteien. Wir erleben es tagtäglich in unserem Volk, das sich in den vielen Gruppen und Grüppchen bekämpft unb schwächt und sich schließlich auflöst. Nein heute, wo d-m Feind die Massen zu Gebote stehen, ba Müssen wir ge­schlossen sein unb gegebenenfalls auch in Mass« auf­marschieren können."

Das stimmt wohl. Aber wir können doch getrennt marschieren und vereint schlagen."

Also du meinst, es sollten Gesellenverein unb Jungmänneroerein friedlich neben einanber wirken."

Ja, warum nicht?"

Dann haben wir ja mieber bie Zersplitterung und mit bem Frieden wird es bei ber gegenseitigen Konkur­renz auch nicht weit her fein. Aber ganz abgesehen ba­uen, wie sollen benn in den tleincn Landorten zwei Jugendvereine lebensfähig sein? Wer soll die vielgestaltige Vereinsarbeit lefften, wer d e Führung übernehmen? Oftmals kommt nur der einzige Geistliche in Frage, ber schon mit Arbeit überhäuft ist."

Das müssen bie Bereinsmitglieöer selbst machen." Dazu müssen sie erst burch jahrelange Vereinsarbeit geschult werden. Nein, lieber Freund, ich meine aus ben oben angegebenen prinzipiellen Gründen und wegen des Gemeinschaftsgeistes, den wir heute besonders pflegen müssen, daß auf unserem Land für die gesamte Pfarrjugend der kathol. J.ugend- und Jungmännerverband die gegebene Orga­nisation ist. In größeren Orten ober bei besonders gelagerten Verhältnissen, wo neben bem iungmänner- verein noch ein eigner Gesellenverein lebensfähig ist unb Leute zur Führung zu Gebot stehen, kann auch ber Gesellenverein eingeführt werden. Die gegebene Organi- fdtion aber für die gesamte Pfarrjugend tft der Jung- männeroerein.

Aber sollen benn bie Gesellen in unseren Dörfern vernachlässigt werden?"

Absolut nicht, bie sollen alle in ben Iungmänner- oerein hinein. Das ist ja ber Verein für bie gesamte Pfarrjugend. Der ländliche Gesell« findet im gutge­leiteten jungmänneroerein alles, was er für feine Wei­terbildung braucht. Es ist nicht angebracht, Nichtgesellen in den Gesellenverein zwingen zu wollen, der doch nach Organisation, Zeitschrift und Beittag auf die Gesellen zugeschnitten ist."

Aber es gehen doch auch Gesellen vom Lande auf Wanderschaft."

Du kennst doch das Abkommen von Neiße. Danach kann jeder wandernde Geselle, der dem jungmänneroer­ein angehört, sein Wanderbuch erhalten."

Das stimmt schon, aber..."

jn diesem Augenblick fährt der Zug in ben Bahnhof ein. Alles oussteigen, ruft der Schaffner, jm Nu 'ft

Sieh einmal an, wie besorgt auf einmal Fritz um uns ist," sagte Vater, ber ben wahren Sachverhalt ganz gut kannte.

Und so zog denn Fritz alleine los. Stolz marschierte er durch die Straßen der Stadt, die Bretter auf den Schultern. Da hörte er hinter sich seinen Namen rufen. Verflixter Bengel, kannst du dich mit deinen langen Dingern nicht inachtnehmen!" Erstaunt drehte er sich wieder um, und da sah er, wie ein alter Mann gerade seinen Hut aufhob, den Fritz mit seinenlangen Din­gern" heruntergeworsen Halle,jch bitte um Ver- zweisl. . ., Verzeihung", entschuldigte sich Fritz. Der Alt« erwiderte nichts, sondern ging weiter und brummte etwas m den Bart, das sich anhörte wiejugenb von heute".Menschenskind, wie kann man sich auch nur so bämlich anstellen", begrüßte ihn fein Freund Karl. Er begleitete Fritz bis vor bie Stabt, wo gutes Ski- gelänbe war. Fritz schnallte an, unb er war noch nicht ganz fertig, als die Hölzer schon losfuhren, ob er wollte ober nicht. Er hatte bie Stöcke noch nicht gefaßt. Ohne Stöcke aber fühlte er sich haltlos, und bald lag er im Schnee.Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen", redete er sich ein und brachte seine Beine wieder in bie richtige Sage. Ja, bas Aufstehen war auch so eine Sache unb vor allem ohne Stäbe. Halle er sich mit Mühe etwas auf bie Beine gebracht, ba fuhren bie Stier auch schon wieder weiter, unb mieber lag er im Schnee. Aber nach langer Arbeit war er wieder an Ort unb Stelle bei feinen Stöcken.

Diesmal war er vorsichtiger unb bie Bretter fuhren erst ab, als er bie Stöcke in ber Hand hatte. Unb er kam auch ein ganzes Stück weiter. Bald bie Beine weit aus» einartberfpreifcenb, bald eng zusammenprefsend unb ohne Absicht bie schönsten Gymnastikübungen machend, fuhr er dahin. Während des Fahrens dachte er:So, jetzt lenrft du erst einmal das Lenken". Er stellte, wie er vo: feinen Freunden gehört hatte, das eine Bein ctw:c vor; ber Erfolg war, daß er einen herrlichen Flug, ab :

der Zug leer. Rasch eilt jeder an fein Tagewerk. Zwi­schen Hämmern und dem Zischen ber Sötflammen summt Abolf vor sich hin: Wo e Meins Hüttte steht. Karl steht an seinem Webstuhl, bie Spulen laufen, bie Maschine ar­beitet. Während sein Auge das buntgewirkte Tuch be­trachtet, will ihm gar nicht der Liedrefrain aus dein Sinn: Mit uns zieht die neue Zeit! Mit uns zieht b'« neue Zeit!

Stubenfetttagung in Esten a. b. Ruhr.

Wir tagten in Essen. Denn wir wollten zeigen, baß mir nicht roie bie Ewig-gestrigen verkalkt in Irabition unb versponnen in unwirkliche Träumereien ber Ro­mantik mit Hohn unb Haß an unserer Zeit vorbeileben, sondern baß mir da, mo die Probleme sich drängen, mo die Not brennt, daß mir überall dort dabei sein wollen, mo opferfreudiges, tatbereites und wirklichkeitsfrohes Ar­beiten für die Gesamtheit des Volkes notwendig ist. In den rußigen Straßen Essens wollten wir dem Mann aus der Grube und vom Amboß unsere Banner zeigen, damit er sehe, daß feine Studenten an der Stätte [ei­ner Arbeit ihren achtungsvollen Besuch abftatten. Daß dieser Besuch ftattfanb, war ein Gebot ber Stunde; denn nicht immer und allerorts haben die jünger der Wissenschaft jene heiligen Gesetze gewahrt, die Achtung des Brudermenschen unb Adel der Arbeit proklamieren. Dieses und andere Versäumnis, bie uns nicht mehr be­trifft als anbere, haben wir erkannt und gutgemacht. Und wir konnten nicht ohne Stolz in jener Stunde, da ein Bischof und ein Kanzler, heroorgegangen aus un­seren Reihen, vom Geist unserer Korporationen Zeugnis ablegten, feststellen, daß unserem Streben und Mühen im Dienste für die Gemeinschaft Erfolge nicht versagt bleiben.

Aus bem fundamentalsten unserer Grundsätze erstand der Wille zu dem Besuch in Essen. Aus seiner 23er» wirklichung ward uns doppelte wertvolle Erkenntnis. Unsere Freunde aus ben Bergen unb aus ben weiten Ebenen des Ostens, aus ben süddeutschen Universitäten und aus Oesterreich mußten in dieser Stadt bie bru­talsten Konsequenzen bes Wirtschafts- geifte? im kapitalistischen Zeitalter ken- nen lernen. Aber sie erkannten zugleich mit uns allen, mit welch stürmischer Aktivität sich Menschentum ben Mächten ber Finsternis gegenüber zur Wehr setzt.

Die Aufgabe des christlichen Akademikers, fo ist es einmal formuliert worden, fei bie, ber große Beunruhi- ger zu fein in ber Sorge, baß die Liebe zu Gott und feinen emigteüsbeftimmten Geschöpfen nicht erlösche. Daß dieser Aufgabe entsprochen wird, dafür war die Essener Tagung Zeugnis. Sie war ein Markstein in unserem Kampf um die Gliederung der Stände, war Anregung und Erkenntnisquelle für bie Nöte ber Zeit, und war glanzvolle Heerschau.

Die Essener Fanfaren sind verklungen. Nun gilt es unermüdlich stille Arbeit zu tun!

(Aus denAkademischen Monatsblättern" (K. V.)

David Gothen kommt!

Der Schriftleiter der jungrnännerzeitfchrif- tenDie wacht" und3unglanb kommt in dieser Woche in unsere Diözese. Er wird an verschiedenen Orten Konferenzen für die Geistlichen, Lehrer, und jung- männer abhalten und sich dabei hauptsächlich mit Pros. DessauersKooperativem Wirtschaftssy» ft em" befassen. Der Führer der jnbuftrieju- genb im Jugend- und jungmänneroerbanb wird hier allen sicher brauchbare Gedanken über bie Neuorbnung unserer Wirtschaft aus christlichem Geiste zu sagen ha« ben.

Gathen spricht:

am Mittwoch, ben 15. Januar, in Neuhof, und zwar nachmittags 3 Uhr und abends 8 Uhr.

Donnerstag, ben 16. Januar, in Somborn nachmit­tags unb abenbs.

Freitag in Großenlüder, nachmittag 3 Uhr und abenbs 8 Uhr.

Samstag in Fulda, und zwar am Mittag um 3.30 Uhr für die Lehrer und Junglehrer; abenbs 8 Uhr fürbiejungmänneraller23ereine (Dom-, Stadt-, Heiliggeist- und Sturmius-Pfarrei). Der Ver­sammlungsraum wird noch bekannt gegeben. Auch die Iungmänner aus Vereinen ber näheren Umge­bung (Bronnzell, Johannesberg, Neuenberg, Hora« usw.) werden zu dem Vortrag erwartet.

Die Interessierten aus der katholischen Oesfentlichkeil und aus ben katholischen Vereinen, insbesondere die A r» beitervereine unb ber Winbthorstbund- Fulba sind zu der Veranstaltung ebenfalls herzlichst ein» geloben.

nicht mit Pf., fonbem nur mit F. tat. Wehegetan aber hatte er sich Gott fei Dank nicht.

Ziemlich niebergeschlagen von ben zwei Mißerfolgen wollte er mieber aufstehen. Aber bie Beine unb bie Bretter waren fo ineinanber verwickelt, daß er kaum wußte, wo fein linkes und wo sein rechtes Bein war. Wenn du ba reingekommen bist, mußt du auch wieder rauskommen", sagte Fritz zu sich selbst und begann sich zu drehen und zu winden, um die Beine wieder an Ort unb Stelle zu bringen. Aber umsonst. Fritz bachte nach, was zu machen sei. Plötzlich sagt« er laut zu sich: Mensch, Fritz, baß bu nicht darauf gekommen bist", unb er schnallte einfach die Skier ab unb bie Beine waren bald wieder in der richtigen Sage.

Aller guten Dinge sind drei"; Fritz schnallte wieder seine Bretter an und fuhr weiter. Seine Unterneh­mungslust war aber stark gesunken, er machte deshalb keine neuen eVrsuchs, sondern ließ die Skier laufen, wo­hin sie wollten. Er bekam eine immer größere Ge­schwindigkeit. Fritz hatte feine Helle Freude daran. Aber allmählich wurde es ihm doch ungewöhnlich. Wie sollte er benn bremsen. Fritz, wenn das gut ausgeht! Stemmbogen, Pflug. Christianiasprung? ja leichter gesagt, als getan. Vereinzelt standen hier Bäume unb man mußte schon etwas können, um hier heil durchzu­kommen. Bald bremsten die Hölzer von selbst, aber so plötzlich, daß Fritz vornüberstürzte und mit der Nase in den Schnee plumpste. Er wird gegen einen Baum ge­fahren. Obwohl er sich heftig wehgetan hatte, war er doch froh, baß die Skier nicht mehr mit ihm fuhren. Für heute hatte er bas Skiläufen satt unb wollte abschnallen, ba sah er bie Bescherung: Der liebe Ski war Witwer geworden; denn der rechte war kopfskürzer.Na, mit den Stier ist es aus", dachte Fritz,aber wenigstens mit mir nicht so ganz." Er packte feine traurigen lieber- refte zusammen unb steuerte geknickt der Heimat zu . . . Was es dort gab, darüber schweigt des Sängers Höflich­keit.