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Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

irr. 10

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Dienstag, 14. Ianuar 1930.

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57. Zahr,.

Am Vochenbeglun im Haag.

Dr. Schacht ist im Haag eingelroffen und verhandelt bereits mit.

wtb. London, 13. Jan. (Eig. Meldg.). Wie Reuter aus dem Haag meldet .erklärte Tardieu „ach Beendigung einer Konferenz, die er am Mon­tag vormittag mit Dr. Wirth hatte, sie hätten sich zwar noch nicht geeinigt, aber die Dinge gingen weiter. Während Reuter meint, das xnde der Konferenz sei in die Mitte gerückt und eine Einigung über so gut wie alle finan­ziellen Punkte erzielt, erklärte Pertinax im ,/Daiti) Telegraph", der legte Akt habe noch nicht einmal begonnen und die Hauptfragen seien durchaus noch nicht erledigt.

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Der Haager Korrespondent des „Observer" faßt hie Lage auf der Konferenz wie folgt zusammen: $5 war eine ausgesprochene Tendenz aus Seiten der Gläubigermächte zu verzeichnen, die Verhand­lungen zu beschleunigen und einige endgültige Vor­schläge von Deutschland zu erhalten. Es besteht eine angemessene Aussicht aus eine Regelung der ausstehenden Punkte der eigentlichen deutschen Re­parationsfragen, während noch Vereinbarungen zwischen den Franzosen und den Deutschen über die Frage der französischen „Sanktionen" erzielt werden müssen. Man hofft, daß die endgültige (Übereinkunft über die strittigen Fragen am Mon­tagnachmittag erzielt wird.

«wtb. Paris, 13. Jan. (Eig. Meldg.). Der Vorsitzende des Organisationsausschusses der B a nk sür internationalen Zahlungsaus­gleich, der amerikanische Bankier Reynolds, teilte gestern den alliierten Delegationen im Haag offiziell mit, daß die amerikanischen Bankiers den den Vereinigten Staaten vorbehaltenen Anteil wn 8 Millionen Dollars des G r u n d k a- vitals der Bank zeichnen würden.

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wtb. Paris, 13. Jan. (Eig. Meldg.). Sowohl „Motin" wie „Petit Pansien" vertreten den Stand­punkt, daß imLaufs des heutigen Tages eine Eini­gung inderSanktionsfrage zwischen der । deutschen und der französischen Delegation gefunden wird. Der Außenpolitiker des „Matin" berichtet «us dem Haag, der Text der Vereinbarung, der heute zweifellos angenommen werden würde, habe die Bedeutung, daß der Poungplan, der die Kom­merzialisierung und Mobilisierung der Schulden ?um Gegenstand habe, sich nicht auf andere Sank­tionen stützen könne, als die, die den deutschen Kredit betreffen. Falls dieser Plan aus Gründen, die Deutschland zu verantworten hätte, nicht mehr ausgeführt werde, hätten die Gläubiger das Recht der Handlungsfreiheit zurückerhal­

ten und zwar auf Grund des Völkerrechts und der bestehenden Verträge.

Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist nach dem Haag abgereist.

Dr. Schacht hatte bald nach seiner Ankunft im Haag eine Besprechung mit den deutschen Hauptdelegierten.

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wtb. Berlin, 13. Januar. (Eig. Meld.) Reichs­präsident von Hindenburg empfing heute den Reichskanzler zum Vortrag.

Die Saar-Arage.

wtb. Saarbrücken, 13. Januar. (Eigene Meld.) Auf einer von annähernd 500 Delegierten besuchten Saartagung des christlichen Metallarbei­terverbandes wurden gestern die brennenden Wirtschaftsfragen des Saargebietes behandelt, die sich bei und nach der Rückkehr des Gebietes zum Reich ergeben. Nach Ansprache des Bezirksleiters und des zweiten Verbandsvorsitzenden Schmitz- Duisburg wurde zur wirtschaftspolitischen Gliede­rung des Saargebietes eine Entschließung ange­nommen, in der es u. a. heißt: Vorbedingung einer im Interesse Deutschlands und Frankreichs liegen­den wirtschaftlichen Verständigung über das Saar­gebiet sei eine restlose Beseitigung jedes offenen oder versteckten französischen politischen Einflusses im Saargebiet. Der Christliche Metallarbeiterverband steht auf dem Standpunkt, daß die Saargruben an den bayerischen und preu­ßischen Staat rest- und vorbehaltlos zurückge- geben werden müssen.

In einer Entschließung zur Verkehrs-, Steuer-, Lohn- und Sozialpolitik wird die durch die Rück­gliederung bedingte Schaffung neuer billiger Ver­kehrswege zwischen Saargebiet und Süddeutschland gefordert.

Vor der 58. Ratstagung.

Am Vorabend der 58. Ratstagung haben sich, die Delegationen der 14 Ratsmächte volzählig in Genf eingefunden. Lebhaft bedauert wird, daß Reichsaußenminister Curtius in letzter Stunde im Haag zurückgehalten worden ist und seine sympa­thisch begrüßte Absicht aufgeben mußte, schon jetzt die Arbeit im Völkerbund persönlich aufzunehmen. Die Ankunft des italienischen Außenministers Gr an di vollzog sich ohne Zwischenfall und ohne größeren Andrang des Publikums. Roch am Sams­tag abend sind die ersten politischen Besprechungen zwischen den Führern einzelner Delegationen auf-

Auftakt zur Flatten-Konferenz.

Havas veröffentlicht den Wortlaut der eng­lischen Antwort auf das französische Memo­randum in der Flottenfrage vom 20. Dezember vorigen Jahres. Die englische Note geht ein auf den Unterschied, der in dem französischen Memo­randum zwischen dem Kellogg-Briand- P a k t und dem Völkerbunds st atut gemacht wird und regt an, beide Dokumente als einander ergänzend anzusehen. Der Kriegsächtungspakt könne von den Staaten, die Mitglieder des Völkerbundes seien, als Fertigstellung des Friedensgebäudes an­gesehen werden, das die mehr als einschränkenden Bedingungen des Völkerbundsstatuts vorläufig noch unvollendet gelassen hätte. Die englische Regierung nehme sämtliche Verpflichtungen des Völkerbunds­statuts vorbehaltlos an, doch dürften die fortschrei­tenden Abrüstungsmaßnahmen, deren Rechtferti- gung der Kriegsächtungspakt sei, nicht verzögert werden. Was die französische Bemerkung anlange, daß das Fehlen jeder Bestimmung im Kelloggpakt über seine methodische Anwendung zweifellos die englische Regierung verhindert habe, eine sub­stantielle Herabsetzung ihrer Seerüstungen ins Auge iu fassen, liege hier ein Irrtum vor. Es sei darauf zu erwidern, daß die englischen Vorschläge in Wirk­lichkeit eine sehr weitgehende Herabsetzung der Streitkräfte vorsehen, und zwar in sämtlichen Schiffkategorien, von den Großkampffchiffen bis zu den Unterseebooten.

Wenn die französische Regierung für eine Be­schränkung der Seerüstungen aufgrund der Gesamt - tonnage eintrete, so habe die englische Regierung fortwährend sich dafür ausgesprochen, daß man die Probleme der Seeabrüstung durch eine strikte Ein­schränkung der Typen, der Tonnagen und der Ar- tillerie sämtlicher Kategorien von Kriegsschiffen behandeln müsse. Jedenfalls aber studiere die eng­lische Regierung sorgsam den Vermittlungsvor­schlag, den die französische Regierung mache, und sei bereit, über die Möglichkeit irgendeiner aus diesem Vorschlag basierenden Abmachung zu ver­handeln. Die französische Regierung weise in ihrem Memorandum weiter auf die enge Verbundenheit der verschiedenen Rüstungsarten hin. Die Jnan- griffnahme des Abrüstungsproblems könne aber dadurch erleichtert werden, daß man es in seinen einzelnen Teilen behandele, wie es auf der Lon. doner Konferenz geschehen solle. Die englische Re­gierung nimmt zur Kenntnis, daß die französische Regierung einen gegenseitigen Garantie- und Nicht- angriffspakt für die Mittelmeermächte anrege. Da sämtliche Mittelmeermächte Mitglieder des Völker­bundes seien, schienen für die gegenseitige Befra­gung, falls hierzu Anlaß vorliege, bereits Mög­

lichkeiten zu bestehen. Schon jetzt sei ein erhöhter Sicherheitsgrad gegeben, doch würde die englische Regierung zu einem Meinungsaustausch mit sämt­lichen interessierten Mächten bereit sein.

Die Abschaffung der Unterseeboote.

In einer Abrüstungsrede in Sheffield (Eng­land) erklärte der Erste Lord der Admiralität, Alexander, Unterseeboote und Zerstörer seien Waf­fengattungen, die eng miteinander in Beziehung ständen. Die Regierung, so fuhr er fort, habe einen Vorschlag der völligen Abschaffung der Untersee- bootswaffe ausgearbeitet, und wenn dieser Vor­schlag zur Annahme gelangte, könnten wesentliche Ersparnisse bei der Zerstörerklasse gemacht werden. Im Falle der Ablehnung des Vorschlages würde indes schon eine wirkliche Herabsetzung der Unter- seebootstonnage ausreichend sein, um die Ausgaben für die Zerstörer merklich zu verringern.

Die amerikanischen Bemühungen um die Flotten­abrüstung.

Staatssekretär Sftmson wird, wie aus Was­hington gemeldet wird, am kommenden Samstag, einen Tag nach seiner Ankunft in England, noch in letzter Stunde den Versuch machen, den franzö­sischen Standpunkt in der Flottenfrage mit dem Geist der Seeabrüstungskonferenz der fünf Mächte in Einklang zu bringen und zu diesem Zweck eine private Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu haben. Danach wird Stimson mit dem Delegierten Italiens, Grandi, eine Besprechung abhalten.

Spanien und die Marinekonferenz.

wtb. London. 13. Jan (Eig. Meldg.). Times meldet: Der spanische Botschafter hat dem Staatssekretär des Aeußern die Ansichten seiner Regierung über die Marinekonserenz mitgeteilt. Danach ist die spanische Regierung selbstverständ­lich der Ansicht, daß der Wunsch der wichtigsten Seemächte, ihre besonderen Probleme untereinan­der zu erörtern, vollkommen gerechtfertigt ist. Wenn aber die Frage eines Mittelmeerabkom- m e n s zur Erörterung gelange, dann wünsche Spanien als eine der unmittelbar interessierten Mächte, auf der Zusammenkunft vertreten zu sein. Aehnliche Mitteilungen sind von der spanischen Re­gierung in Paris und Rom gemacht worden. In London wird hierzu erklärt, daß die Frage eines Mittelmeerabkommens schwerlich sofort zur Erör­terung kommen wird und daß daher die Frage der spanischen Teilnahme an der Erörterung noch nicht akut ift

genommen worden. So fand zwischen Staatssekre­tär Schubert und dem polnischen Außenmini­ster Z a l e s k i eine längere Unterredung statt, die die für Genf erwarteten deutsch-polnischen Bespre­chungen über die schwebenden Fragen eingeleitet hat. Die Aussprache, für die auch der deutsche Ge­sandte in Warschau, Dr. Rauscher, hier weilt, wird, wie verlautet, in weiteren Unterhaltungen fortgesetzt werden.

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wtb. Gens, 13. Jan. (Eig. Meldg.). Die öffentliche Sitzung wurde mit einer eindrucksvol­len Gedenkrede für das verstorbene deutsche Ratsmitglied Dr. Stresemann eingeleitet Sichtlich bewegt erhob sich der neue Ratspräsident. der polnische Außenminister Z a l e s k i, um stehend seinem verstorbenen Ratskollegen einen warm empfundenen Nachruf zu widmen, indem er auf die starke Persönlichkeit Dr. Stresemanns und seiner rastlose Arbeitskraft, hinwies, die er in den Dienst einer Reihe hervorragender Unternehmungen stellte.

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wtb. Genf, 13. Jan. (Eig. Meldg.) Den Hauptpunkt vor der heutigen Genfer Sitzung der

58. Ratstagung bilden die verschärften Wachen- und Sicherheitsmaßnahmen, die seit An­kunft der Delegationen in Genf in Kraft sind. Aufsehen eregte die Verhaftung eines 20jäh- rtgen Schweizers nm Eingang des Völker­bundshauses. Man fand in feinem Besitz einen Revolver, der aber nur mit Zündkapseln geladen war. Der Verhaftete ertlärte der Polizei, daß er die Zündkapseln im Ratssaal zur Explosion bringen wollte, um die Aufmerksamkeit der Rats­mitglieder auf die Notwendigkeit der Förde­rung der Krebsforschung zu lenken. Sein Vater liege an Krebs schwer darnieder. Die Poli­zei hat den Eindruck, daß es sich um einen Irr­sinnigen handelt.

Repubtik-Schntz-Gesetz.

VDZ. Berlin, 13. Januar. (Eig. Mld) Im Strafrechtsausschuß des Reichstages wurde heute das Republikschutzgesetz in erster Lesung ohne wesentliche Aenderungen nach der Regierungsvor­lage angenommen. Die zweite Lesung im Ausschuß erfolgt in ungefähr 14 Tagen.

Der Papst über die Zugenderziehung.

Ernste Worte gegen ^Rationalismus und faschistische Staats- Vergötterung.

Der Papst hat soeben eine neue Enzyklika erlas­sen, die von der christlichen Erziehung der Jugend handelt. Bezeichnend ist, daß der Urtext in i t a- lienisch er Sprache geschrieben ist und ins La- teiltzsche übersetzt wurde. Damit ist die Adresse, an die sie besonders gerichtet ist, unzweideutig gekenn­zeichnet.

Die Enzyklika verficht den vom Faschismus durchaus nicht anerkannten Grundsatz, daß die Grundlage der Erziehung der Kinder d e r K i r ch e zu übertragen sei, dann den Familien und z u- letzt er st dem Staat zur ergänzenden Aus­bildung. Die Enzyklika tritt auch dagegen auf, daß der körperlichen Erziehung der Kin­der, wie es jetzt oft geschieht, der D o r z u g gegeben wird.

Das zielt deutlich gegen die vom Faschismus betriebene, überaus frühzeitige Einreihung der Her­anwachsenden Jugend in die faschistischen Verbände, die sich hauptsächlich der körperlichen Ausbildung unter Betonung der militärischen Form widmen.

Aus dem Inhalt der päpstlichen Enzyklika über Jugenderziehung sind noch folgende Punkte hervorzuheben:

Dom Staate verlangt der Papst, daß er die Bestrebungen der Kirche und der Familie in Er­ziehungsfragen unterstützen solle, und zwar beson­ders deshalb, weil er über weit mehr Machtmit­tel verfügt als Kirche und Familie. Zwar habe der Staat das Recht, zu verlangen, daß die Ju­gend einen klaren Begriff von ihren nationalen und bürgerlichen Pflichten bekomme und diese erfülle: Unrecht wäre es jedoch und unsittlich, wollte der Staat sich ein Erziehun g s- und S ch u I m o • nopol anmaßen, durch das die Eltern gezwungen werden, ihre Kinder nur in Staatsschulen zu schik- ken.

Der Papst bedauert ferner einen auf die Spitze getriebenen Nationalismus, wie er sich in letzter Zeit verschiedentlich gezeigt hätte. Auch machte er darauf aufmerksam, daß die militä­rische Erziehung der Jugend in rechten Grenzen gehalten werden müsse. Der Geist der Kraft sei nickst zu verwechseln mit dem Geiste der G e w a l t.

Bei dieser Gelegenheit bedauert der Papst auch die übertriebene Bedeutung, die man heuten den fpcit- lichen Wettkämpfen beimesse; das sei schon im Al­tertum ein Zeichen von Dekadenz gewesen. Zu der Frage der Rechte des Staats bei der Erziehung wiederholt der Papst die Gedanken seiner Reden, die er vor einigen Monaten gehalten hat. Er weist auf die Schädlichkeit des Materialismus in der Pädagogik hin, der die Erbsünde und die Gnaden­lehre leugne und die Jugend vom göttlichen Ge­danken entferne. Des weiteren tadelt der Papst die starke Betonung der sexuellen Aufklä­rung, die jetzt modern sei, als ob durch die Auf­klärung allein die Jugend vom Laster fern ge­halten werden könne. Gegen eine individuelle sexuelle Aufklärung unter gewissen Umständen habe die Kirche sich nie gesträubt, wenn sie sich als notwendig erwiesen hätte Der Papst verwirft auch das System der Kvednkat ion, welche auf den Naturalismus zurückzunihren sei, und verlangt die Trennung der Geschlechter nicht nur beim Unter­richt, sondern auch bei Leibesübungen und bei der Erholung. Gegen die neutrale oder Laien- schule erklärt sich der Papst mit aller Entschie­denheit. Eine solche Schule sei nichts anderes als eine irreligiöse Schule, weshalb der Papst die Vor­schriften und Bei! nnnungen seiner Vorgänger und die kirchliche Gesetzgebung gegen den Besuch von nichtkatholischen oder neutralen oder gemischten Schulen erneuern. Nur in Ausnahmefällen, nach bischöflicher Begutachtung und unter gewissen Vor­sichtsmaßregeln könne der Besuch einer solchen Schule geduldet werden. Katholiken dürsten auch keineswegs eine gemischte obligatorische Schule be­suchen, wo den Katholiken zwar katholischer Reli­gionsunterricht erteilt, wo sie sonst aber von nicht- katholischen Lehrern und gemeinsam mit nichika- tholischen Schülern unterrichtet werden, eine Schule sei noch lange keine katholische, wenn in ihr kcuho- lischer Religionsunterricht erteilt würde.

Zu den Gefahren, denen heute die Jugend aus­gesetzt fei, rechnet der Papst insbesondere das Le­sen häretischer sowie auch schlüpfriger Bücher, fer­ner gewisse Filmvorführungen und gewisse Radio­darbietungen.

Vatikanischer

Don unserem eigenen

Es ist von Zeit zu Zeit gut und notwendig, auf das Wesenhafte der vatikanischen Politik und der vatikanischen Bestrebungen hinzuweisen. Besonders in diesen Tagen, da es einfach an Far­ben fehlt, um den Reichtum der Ereignisse im Bilde festzuhalten, ist es nützlich, sich daran zu er­innern, daß es dem Vatikan im allgemeinen und Papst Pius XI. im besonderen, ganz und gar nicht an der Entfaltung glänzender, aufsehenerregender Feiern und Feste liegt, wndern an der Förderung dessen, was das Wesen der Kirche und des Chri­stentums ausmacht. Nur soweit erstere diesem letz­teren dienen, werden sie in vatikanischen Augen gewertet. Und man hütet sich ängstlich, auch nur den Schein aufkommen zu lassen, als läge an den bunten Ereignissen irgendjemandem.

Das muß nicht zuletzt auch deshalb unterstrichen werden, weil Mussolini, soweit er überhaupt wünscht, daß die Beziehungen zwischen Vatikan und Quirinal sich immer freundlicher und herzlicher ge­stalten, ganz offenkundig bemüht ist, die Kirche Vorspanndienste für seine besonderen staatlichen Interessen leisten zu lasten. Man hat das natür­lich vom Vatikan aus längst erkannt, und es wird jeder sich bietende Anlaß benutzt, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, als ob man doch in etwa diesem faschistischen Sensationsstreben nach­zugeben bereit sei. Mussolini hat sich mit sei­ner Taktik für jeden nüchternen Beobachter in den letzten Jahren mehr und mehr auf eine Fährte begeben, von der man nicht absehen kann, wie sw einmal gut auslaufen soll.

Grundakkord.

römischen Mitarbeiter.

Schon heute sind die glanzvollen und die Mas­sen aufpeitschenden Ereignisse einfach nicht mehr zu überbieten. Das Volk wird in einer ständigen Narkose von rauschenden Festen gehalten. Feierte man zunächst nur die besonderen faschistischen Ge­denktage durch umfassende Aufmärsche, zu denen Abordnungen aus allen Teilen des Reiches in Mas­sen herbeitransportiert mürben, so ist nun schon leit einem Jahre, beginnend mit der systematisch ge­steigerten Spannung um die Lösung der Römischen Frage, das Volk nicht mehr zu Atem gekommen. Der jüngste Fürstenaufmarsch — muß man schon sagen — aus Anlaß der Kronprinzenhochzeit in Rom fetzt allem im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf. Nimmt man den grenzenlosen 23er- kehrswirrwar hinzu, in den die faschistische Ver­waltung durch die Derkehrsumwälzung die rö­mische Bevölkerung gestürzt hat, so gleicht die Haupfftadt in diesen Tagen einem aufgeregten Ameisenhaufen, in dem alles wie sinnlos durchein­anderwirbelt. Man wird unwillkürlich an die alle römische Devise von Brot und Spiele er­innert. Auf der einen Seite bemüht sich der Fa­schismus krampfhaft, durch das Experiment der kollektiven Wirtschaftsordnung mit all dem noch unübersehbaren Neuformungen des Wirtschaftskor- pers irgendwie Brot zu schaffen, das endlich der im Hintergrund lauernden finanziellen Krise etwas von der bedrohlichen Gefahr nimmt.

Auf der anderen Seite verfolgen die regelmä­ßig eingestreuten Feste, für die ein ungeheurer Apparat aufgeboten wird, offenkundig den Zweck,