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Fest der heiligen Familie.

Lingangslicd: Spr. 23, 24 und 25.

Hoch freut sich der Vater des Gerechten. Dein Da ter freut sich und deine Mutter; sie ist glücklich, die dich geboren hat. (Ps. 83, 2—3). Wie lieblich ist dein Zelt, o Herr der Heerscharen! Meine Seele sehnt sch und schmachtet nach den Hallen des Herrn.

Epistel: Sol. 3, 12—17.

Brüder! Ziehet an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte, mitleidiges Erbarmen. Güte, Demut, Bescheidenheit, Geduld. Ertraget einander und verzeihet euch, wenn einer sich über den andern zu beklagm hat. Wie der Herr euch vergeben, so sollt auch ihr tun. Vor allem aber habt die Liebe, sie ist das Band der Vollkommen­heit. Der Friede Ehristi frohlocke in euren Her­zen; denn dazu seid ihr ja als ein Leib berufen. Zei­get euch dankbar. Das Wort Christi wohne in euch mit seinem Reichtum. Belehret und mahnet einander in aller Weisheit. Preiset Gott dankba­ren Herzens mit Psamlen, Lobliedern und geist­lichen Gesängen. Alles, was ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus Chri­stus und danket Gott dem Vater durch ihn.

Der Priesterberuf . . .

Von Pierre l'Ermite *).

In Nancy fand jetzt einer der wichtigsten Kon­gresse des ganzen Jahres, der Ko n g r e ß für P ri e ste r n ach w u ch s. statt. Alles nur Mensch­liche ist vergänglich. Nur wenn der Mensch das Geistige und Göttliche, das in ihm schläft, weckt, erreicht er sein ewiges Ziel. Wer aber regt hier unten das Geistige, das Göttliche an? Der Prie­ster ist es. Das ist nun auch einer der Gründe- weshalb der Kongreß, dessen Zweck die Weckung von Priesterberufen ist, einer der wichtigsten Kon- gresse ist. Ich hätte gewünscht, bei diesem Kongreß das Wort ergreifen und über das große Elend sprechen zu können, das heute Frankreich heim­sucht . . ., das Land ohne Kinder und o h n e P r i e ft e r! Da hätte ich aber nur vor etwa 1000 Personen gesprochen, während ich vor: der Zeitungskanzel diesen Aufruf an Millionen Menschen richte, die ihrerseits ihn anderen über­mitteln können. An folgendes möchte ich sie erin­nern:

Der Priesterberuf ist, wenn er auf der Höhe seiner hehren Mission steht, de notwendigste, der schönste, der tröstlichste Bern;. Der notwendigste, weil er sich um die Seelen küm­mert, die Seele ober das Wichtigste chm Meni ist. Was nützt es dem Menschen, wenn er ö;e c Welt gewinnt, aber seine Seele verliert! Mut nen Augen habe ick gesehen, wie tief ein Dors ohne Priester sinken kann. Das Tier frißt, trinkt, arbeitet und schläft. Tut der Mensch nur dos, wird er allmählich dem Tiere gleich. Der Priester ist's, der sein Haupt nach oben wendet, ihm den Himmel zeigt, der in uns das Göttliche entfacht, unterstützt und erhebt. Wenig hat zu bedeuten, ob nun dieser Priester Bossuct, vc-- daire oder Bridaine heißt. Wesentlich ist r.: der

*) Entnommen der Wochenschrift „Das Neue Reich", Tyrolia-Wien.,

Wein des göttlichen Credo, dessen mehr oder min- mer wertvolles Gefäß er bildet.

Der Priesterberuf ist aber auch der schönste Be­ruf. Denn der Priester lebt im Erhabenen, nach einem höheren, die menschlichen Leidenschaften über­ragenden Plan. Er ist der Mann aller. Der Mann der Gerechten und mehr noch der Sünder; er ist der Freund seiner Freunde und mehr noch seiner Feinde. Als ich als Pfarrer nach Montmartre kam, sagte mir ein alter Mann der Gegend: „Sie wis­sen wohl, oder besser Sie wissen wohl nicht, dcß in Ihrer Pfarre mehrere Tausend Magdalenen vor der Bekehrung leben? ..." Ich antwortete: „Ich bin gerade der Pfarrer dieser Magdalenen." — All meine Amtsbrüder hätten dieselbe Antwort gegeben.

Schließlich ist der Priesterberuf auch der kcöst- lichste Beruf. Der Priester ist die Einheit der Pfarre im Lichte und in der Liebe. Der Priester ist der Mann des ewigen Verzeihens. Er ist der Stellvertreter dessen, der gesagt hat: „Ich setze mei­nen Fuß nicht auf den Zunder, der noch schmält... Ich vernichte nicht das geknickte Schilfrohr . . . " Der Priester ist wie sein" Meister, der Freund der kleinen Kinder. Er erteilt ihnen Religionsunter­richt, bereitet sie auf ihre Kommunion vor, behält sie während ihres späteren Lebens im Auge. Er ist der Freund der Krank'" un? hilft cknen bei dem furchtbaren Abschied vom Leben. Er ist der Freund der Verstorbenen und betet alle Tage für sie. Der Priester ist's, dem man alles sagt . . ., er, der keine Familie hat, gehört zu allen Familien, er ist's, der in der Verzweiflung das kleine Hoffnungsflätnmchen cntkocht. Wie sind doch die Familien zu bedauern, die fick vor einem Prie- fterberiö ’ .rchten! . . Es ist die traurige Ge­schichte vom reichen Mann im Evangelium. Aus Erbarmen verweigern sie ihm: Ich kenne meinen Sohn ... Er ist io liebebedürftig . . . Unmög­lich könnte ich mir ihn in einem öden und kalten Pfarrhaus vorstellen . . ., verloren in der Ein­samkeit eines Herzens ohne Liebe. Arme Frau! . . . Gott kennt deinen Sohn besser als du. Und das Herz des Priesters besitzt die Liebe desjenigen, der alle Liebe ist. Sie verweigern ihn aus Eifer­sucht. Nochmals: arme Frau! Immer wird dich dein Sohn verlassen, als Priester aber am wenig­sten. Andere Mütter verhindern, wenn sie mer­ken, daß „Gefock"" droht, daß diese Frage über­haupt zur Spr^' • kommt. Gott wird zum Wesen- iiber das man ckt mehr spricht! Aufgepaßt auf das anbrechende Licht! Es gilt, es geschickt zu ersticken. Man sorgt sich über den großen nachdenk­lichen Jungen. Man sucht und findet eine kleine Lolita, die man ihm in die Arme wirft. Und end­lich ist der Beruf eines Tages ertötet ... Es gibt einen Priester weniger .... einen Altar weniger. Die Kinder einer Pfarre werden nach Brot ver­langen und niemand ist da, es ihnen zu geben. Und der Fahnenflüchtige wird das Leben all der ande­ren gehen und war doch nicht wie „jedermann". Er wird oft die vergängliche Schönheit des armen Wesens betrachten, das ihn besiegt und an das den­ken, was hätte sein können. Die Mutter hat ihr Kind getötet . . ., ihr Kind, das Gott und sich selbst gehört, bevor es ihr eigen war . . . Glücklicher- weise gibt es noch andere Mütter! . . . Mütter, die es als Glück betrachten, einen Priester zum Sohne zu haben, — die liebevoll die jungen See­len beobachten, ob sich nicht die wertvolle Blume zeige. Und gewahren sie dieselbe, stimmen sie freu­dig das „Magnificat anima mea Dominum" an!

Zettgemätze Volksveremsarbett.

Von Generaldirektor van der Velden, M.-Gladbach.

Die deutschen Katholiken sind in den letzten 50 Jahren nach jahrhundertelanger Zurückdrängung und Ohnmacht zur öffentlichen Geltung empor - gestiegen. Durch ihre geschlossene Einheit ha­ben sie nicht nur ihre religiöse Freiheit erkämpft, sondern auch erfolgreich im sozialpoliti­schen, wirtschaftlichen und staats­politischen Leben mitgearbeitet. Große Füh­rer weckten den Lebenswillen der deutschen Katho­liken, daß sie in einheitlicher Geschlossenheit und in stolzem Selbstbewußtscin sich durchsetzen konnten, obwohl sie nur eine Minderheit im Staatsganzen darstellten. Ihre Gegner sahen gerade in der ge­schlossenen Einheit der Katholiken das Geheimnis einer gewaltigen Kraft und eines starken Einflus­ses im öffentlichen Leben. Diese kraftvolle Einher? und das lebeflbige Einheitsbewußtsein sind aber im letzten Jahrzehnt insbesondere stark geschwöchk worden. Der politische und soziale Umsturz, der einen tiefen Bruch mit der Ueberlieferung des so- sialen und politsichen Denkens der deutschen Katyo- liken herbeiführte, dazu die unter ihnen weitver­breitete wirtschaftliche Unsicherheit und Not, nicht zuletzt die religiöse Krise haben seit Krieg und Revolution das katholische ^inheitsbewußtsein soweit herabgemindert, daß ernstliche Besinnung noltut. Um so schmerzlicher ist das drohende Zerbrechen der Einheitsformen unter den Katholiken, als gleichzeitig sich eine ge­waltige Einheitsfront zusammenballt, die den Le­benskräften des katholischen Volkes gefährlich zu werden droht. Ich nenne hier nur den Sozia­lismus, Kommunismus, das Freidsnkerlum. gerade die Geschlossenheit und starke Konzentra­tion dieser Gegnerschaft bedeutet eine nicht zu un­terschätzende Gefahr.

Je mehr der deutsche Katholizismus von ge­waltigen Massenfronten bedroht ist, die gegen alle christliche Ordnung anmarschieren, umsomehr tut chm not die Neubildung seiner Einheit für das gesamte öffentliche Leben. Der

Volksverein

für das katholische Deutschland war ’n der Vergangenheit d i e wohlaus- 8erüstete Abwehr - und Arbeits-Or­ganisation, die die Einheit der deut- ichen Katholiken im öffentlichen Le­

ben pflegte und an allen bedrohten Stellen verteidigte. Er suchte das deutsche katholische Volk zu erwecken, zu schulen und zu einigen. Auch heute mnß erst recht der Volksver­ein wieder die große Einheitsorganisation in un­serem katholischen Volke werden. Je mehr der Tatwille der Katholiken in den einzelnen Or­ganisation sich betätigt, um so mehr ist die Ein­heit nötig, denn in der Gemeinschaft werden an­dere Kräfte lebendig als im Einzelleben. Wer be- bauptet, die Arbeit des Volksvereins werde heute hinreichend in den einzelnen 'Standes- oder Berufsorganisationen geleistet, der be­greift nicht den Sinn des Volksoereins, der ein gro­ßer, heiliger Bund fein fall, in dem alle Kräfte verschiedenster Formung zu, einheitlichem Willen und Schaffen zusammengefaßt werden. Welche Stoßkraft hätten wir deutsche Katholiken im öffent­lichen Leben, wenn wir über alle Zerklüftung hin­weg in wirklich katholischer Gesinnung den großen katholischen Volksbund, den großen katholi­schen Zentralverein durch unseren Volks­verein schaffen würden. Damit hätten wir die Möglichkeit, in einem Gemeinschaftswillen die großen Gesamtausgaben des deutschen Katholizis­mus anzufassen und zu lösen. Es ist auch dann die Gefahr vermieden, daß die Katholiken in k a - t h o l i s ch e n Sonder gruppen die Einheit, Geschlossenheit und Machtstellung in der Pfleg» ihrer geistigen, weltanschaulichen Gemeinfchafts- güter verlieren. Alle katholischen Kreise ohne Un­terschied des Standes und der Organisationszuge- börigkeit sollen im Dolksverein ihr familienhaftes Zusammengehören ausprägen und betätigen, sollen hier am Reiche Gottes bauen, um auch im öffent­lichen Leben die katholischen Grundsätze, Glau­bens- und Gnadenkräfte zur Geltung zu bringen. Wir Katholiken find solche Gemeinschaftsarbeit un­serem Herrgott, unserer Kirche und nicht zuletzt unserem deutschen Vaterlande schuldig.

Ist die Z e r r i s s e n h e i t ein Zeichen der Zeit, das die Notwendigkeit des Volksoereins verlangt, so ist die

Verweltlichung des gesamten Lebens

eine weitere Erscheinung, die dem Bolksverein große Arbeitsgebiete zumeist. Alles wird fäkulnri- fxrt. Ehe, Familie, Wirtschaft, Politik, Presse, Literatur, Kunst usw. zeigen eine rein diesseits ge­

richtete, gottabgewandte Lebens- und Weltanschau­ung. Noch glauben viele Katholiken an diese hei­ligen Werte, aber mir müssen diesen- Glauben 'stärker zum Bekenntnis werden lassen, denn auch der Gegner wird uns respektieren, wenn wir uns selbstbewußt und kraftvoll dazu bekennen. Di- Menschen glauben wieder an Ideen, wenn sie Menschen sehen, die daran glauben. Die apolo­getische Abteilung des Volksvereins, die in frü­heren Jahren fchon große Verdienste sich sammelte durch die Verteidigung des Glaubens gegen die Einwirkung des Liberalismus und Sozialismus, wird jetzt erst recht ihren Sinn behalten. Dazu bedarf es nicht nur des gesprochenen Wortes, dazu bedarf es auch der Presse, des Buches, der Flug­schrift und des Flugblattes. Die Entchristlichung verlangt nach wie vor die energische Arbeit des Volksvereins auf den bekannten vier Aufgabenge­bieten, die er bislang behandelte: Volk und Reli­gion, Volk und fiulfür, Volk und wirtschaft, Volk und Staat. Es bedarf hier der Bildung des christ­lichen Gewissens und Wissens, der Aufweisung eines Ordnungsbildes in dem Wirrwar der An­schauungen, das auf christlichen Grundsätzen auf­baut. Die einmütige Verteidigung und Pflege der christlichen Ordnung in der Volksgemeinschaft ist ja die eigentliche Wesensaufgabe des Volksvereins.

Die

Führerbildung,

die der Volksverein feit Jahrzehnten betreibt, ist in diesem Zusammenhang als besonders zeitgemäß

leicht erkennbar. Der Volksoerein schult das prak­tische L a i e n a p o st o l a t für das gesamte öf­fentliche Leben, das weithin profan, entchristlicht, heidnisch geworden ist und bietet so die Ergänzung zur Heranbildung des Laienapostolates in der Seelsorge, das mehr für die Erneuerung des in­nerkirchlichen Lebens der Pfarrgemeinde feine Kräfte einfetzt. Aus der Schule des Volksvereins kamen viele der Führer in den schwersten Jahren des Umbruchs in unserem Vaterland. Wenn wir nicht ohne Nachwuchs dastehen wollen, müssen wir diese Arbeit unbedingt energisch weiterführen. Dem dienen die vielen Kurie des Volksvereins im Lande, an der Zentralstelle oder im Franz Hitze- Haus in Paderborn.

Vor schweren Aufgaben steht der Volksverein, wenn er schaffen will an der Einheit der Katho­liken im öffentlichen Leben, wenn er die großen Ge­meinschaftsaufgaben des gesamten katholischen Volkes in Angriff nimmt. Wenn auch über Schwie­rigkeiten, wird der Weg doch zum Erfolge führen, wenn wir selbstlos in katholischem weltweiten Denken uns finden, wenn wir über alle Grenzen hinweg zu einer Einheit wollen, wenn wir arbeiten und auch materielle Opfer im Dienste des Volks­vereins nicht scheuen. Unser Lebenswille, den wir durch den Volksverein in geschlossener Einheit im öffentlichen Leben fruchtbar machen mallen, ver­langt von uns, das Erbe eines Windthorft, Brands und Hitze als ein heiliges Vermächtnis unserem Volke zu erhalten.

Die Philosophie Der ununterbrochenen Arbeitszeit in Sowiekrußlanb.

Unter dem gleichlautenden Titel veröffentlicht der Kommunist E. K o l m a n in der sowjetrussi­schen Zeitschrift „Die junge Garde" einen Artikel, der auch auf katholischer Seite nicht un­beachtet bleiben darf. Kolman erklärt: „Die Ge­schichte der Menschheit muß von rechtswegen unse­rerseits nur als Vorgeschichte der kommu­nistischen Gesellschaftsordnung betrachtet werden", und wenn der zeitgenössische Mensch zu allererst Mitglied einer Gesellschaftsklasse ist, dem es in erster Linie allein darum zu tun ist, sich einer Ge­sellschaftsklasse anzuschließen, so repräsentiert trotz­dem „die Internationalisierung der Wissenschaft und das naturwissenschaftliche Wirken eines seiner Ziele".

Als Meilenstein auf dem Wege zu dieser In­ternationalisierung kann die Liquidation des julia­nischen Kalenders angesprochen werden, den die Sowjetregierung durch den gregorianischen ersetzt hat. Aus diesem Anlaß wurde auch das metrische Maß- und Gewichtssystem eingeführt und die „El­fen, Sashen, Pfunde, Werst usw. aus Großvaters Zeiten und Erbe des satanischen Zarenregimes, dem Archiv der russischen Revolution einverleibt". Doch scheint die Einführung der ununterbrochenen Arbeitszeit keine Annäherung Rußlands an die üb­rige Welt bei der alten Sieden-Tage- Woche, und nur Rußland hat die F ü n f - T a g e- Woche... Ueberalt gibt es einen Montag, einen Dienstag ufw., — in Rußland aber: Siche l, Hammer, Elektrifizierung usw.....

„Aber", behauptet die „Junge Garde" kühn, „es besteht kein Zweifel, und die übrigen Länder der Welt Werden dem Beispiel unseres Landes bald folgen. Schon jetzt wären die Geschäftskreise der kapitalistischen Welt froh, die Vor­züge unseres Kalenders begrüßen zu können, wenn dreierlei Gründe sie nicht daran hindern würden: 1. bekämpfen die Arbeiter in kapitalistischen Län­dern die Fünf-Tage-Woche, weil sie in einer Fünf- Tage-Woche nur die Festigung der kapitalistischen Unternehmen sehen, nicht aber das Wohl der Ar­beiter, 2. stoßen sie auf Widerstand von Seiten der Kirche, 3. weil sie aus angeborenem Hochmut die Errungenschaften der Sowjetunion verwerfen und nicht anerkennen wollen."

Bekanntlich sieht das neue „ununterbrochene Arbeitsjahr" nur fünf (im Schaltjahr sechs) all­gemeine und obligate Ruhetage vor. Der Sonntag und die Feiertagsruhe sind ab geschafft und jede Arbeitergruppe feiert an einem der fünf „ununterbrochenen" Wochen­tagen, während die übrigen Gruppen arbeiten. Die „Junge Garde" hebt hervor, daß die „sowjetrus­sische Kalenderresorm nicht nur eine riesige und bis jetzt nie geahnte Arbeitssteigerung zur Folge haben wird, sondern — und das ist die Haupt­sache — sie ist ein tödlicher Schlag gegen d i e Religion und ihren jahrhundertealten tra­ditionellen Fetischismus. Die Umgestaltung in der

Organisation technischer Prozesse und die Umge« ftaltung in der Organisation der Menschen unter­graben und erschüttern für immer die Grundfeste und die sittliche Starrheit der Religion".

Auch die französische Revolution hat seinerzeit dasselbe erkannt und versucht, den Ka­lender zu reformieren; der Versuch mißlang. „Zur Zeit der sranzösischen Revolution wurden die Na­men der Heiligen an deren Namensfesten und Feiertagen durch Tier- und Pflanzennamen er­setzt, was äußerst charakteristisch die Halbheit einer bourgeoisen Revolution bestätigt", führt Kolmann an, und beschließt seinen Artikel mit der patheti­schen Phrase: „Im Reich des Sowjets wird der Kalender unter der Losung einer Massenindu- strialisierung reformiert", und sollte „das Proletariat der Welt als Sieger über seine Be­drücker hervorgehen, dan wird der russische Ka­lender die alte, unsinnige, Heilige' Zeitrechnung priesterlicher Vampyre ersetzen ..."

Nun, wir wollen abwarten. Noch ist nicht aller Tage Abend, und der Morgen ist klüger als der Abend, sagt ein altes, russisches Sprichwort.

Reue große Kommunistengefahr in China.

Die Gefahr für die katholischen Missionen Süd- chinas ist augenblicklich so groß, wie nie feit der roten Invasion im Jahre 1927. Ueberalt ist die kommunistische Aktion neu aufgeflammt. An man­chen Orten gab es offene Revolten schon jetzt, in anderen wartet der Kommunismus nur auf den Augenblick zum Losschlagen. Der Kommunismus kann zurzeit nur durch ruhelose Unterdrückung und ständige Wachsamkeit niedergeschlagen werden. Ganze Distrikte in Fukien und Krvantung sind schon wieder in Händen der Kommunisten. 24 Missionsstationen der spanischen Dominikaner in Fukien sind zerstört, das Personal wurde teil­weise gefangen genommen. Man mußte mehrere Missionare loskaufen. Noch ist in Kanton Ruhe. Aber die rote Gefahr nähert sich rasch. In Kckn- ton sitzen viele Kommunisten, die mit etwa an­rückenden roten Armeen gemeinsame Sache ma­chen werden. Ende 1927 hielten die Kommunisten Kanton besetzt und konnten erst nach schrecklichen Greueln und Brandschatzungen vertrieben werden. Sie Hauptstreitkräfte der Kommunisten waren die berüchtigten „Eisernen Männer" unter General Tschangfatkwai. Sie retteten sch zum Teil ins Innere und haben in einem kleinen Gebiet allein 1560 Christen getötet. Litschaisun, der Befreier Kantons, führte einen erbarmungslosen Kamps ge­gen die „Eisernen Männer"; als aber der Ge­neralissimus Tschangkaischek gen Norden zog, „ver­gab" er den „Eisernen Männern" und nahm sie in feine Armee auf. Tschanfatkrncü benutzt nun die Gelegenheit, wo die Zentralregierung militä­risch an zwei Stellen engagiert ist, um die Be­drohung Kantons zu wiederholen.

Kleine Mitteilungen.

Ein Gedenkbuch zum Jubeljahre des Papstes.

Um die Festlichkeiten und bedeutenden Ereig­nisse zu Rom während des nunmehr zu Ende ge­henden Jubeljahres des P a p st e s in Er­innerung zu halten, hat das Zentralkomitee für das Jubeljahr ein großes Werk vorbereitet, ähnlich wie für das Heilige Jahr 1925, das binnen kur­zem in der Tipografia poliglotta Vaticana erschei­nen wird. Darin werden alle Pilgerzüge, ferner die Anzahl und die Art aller Geschenke, die der Papst erhalten hat, die im Vatikan eingelaufenen Briefe und Telegramme und die Besuche der be­deutendsten Persönlichkeiten genau beschrieben. Weiterhin sollen in diesem Gedenkbuch die Anspra­chen des Hl. Vaters und die interessantesten Presse­betrachtungen aufgenommen werden. Selbstver­ständlich wird auch des Abschlusses der Lateranveo- träge besonders gedacht werden.

Konkordat und Diözese Ermland.

Nach den Bestimmungen des Konkordates be­trägt die Zahl der preußischen Diözesen nach Neu­gründung der Diözesen 2Iad)en und Berlin ein­schließlich der Prälatur Schneidemühl 13. Alle diese Diözesen werden in die drei Kirchenprovinzen

Köln, Paderborn und Breslau zusammengefaßt. Die Breslauer Kirchenprovinz ist bei weitem die größte und umfaßt 1010 Pfarreien. Die Diözese Ermland war bisher ein dem Heiligen Stuhl un­mittelbar unterstelltes (exemtes) Bistum, und der Bischof ist mit dem Pallium und dem Vortragkreuz ausgezeichnet. Nach dem Konkordat wird der Bi­schof von Ermland Suffragan des Erzbischofs von Breslau. Außerdem gehen an der Kathedrale in Frauenburg zwei Domherrnftellen ein, so daß nur acht verbleiben. Das Konkordat kennt keine Ehren­domherrn, sondern spricht nur von „residierenden" und „nichtresidierenden" Domherren. Das Bistum Ermland ist nun wieder so abhängig vom Erzbis­tum Breslau, wie ehedem vom Erzbistum Riga, bis es nach der Glanbensspaltung exemt wurde

H. Al.

Lebensweishett.

j Das erste Gesetz des guten Tones sei: Schone fremde Freiheit! Das zweite: Zeige selbst Frei­heit!

*

Am meisten ist und wahrsten der mein Freund, der warm, nicht heiß, das Gute, das ich habe, und streng nicht, doch genau, den Fehl' auch sieht.

Klovktock.