Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Nr. S
Erjcke-nl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt i im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» I :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :: |
Sonntag, 12. Ianuar 1930
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57. Zghrg.
Mampf der Meinungen zugespitzt!
Dr. Curkius gehl nicht nach Genf.
wtb. Haag. 11. Jan. (Eig. Meld.) Reichsaußenminister D r. Turtius stattete heute vormittag gegen 9 Uhr dem französischen Ministerpräsidenten T a r d i e u einen Besuch ab. Gleichzeitig hatte Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer eine Unterredung mit seinem französischen M-ni- sterkollegen C h - r o n. Im Anschluß an diese Besprechungen, die etwa eine Stunde dauerten, wurden die Verhandlungen der 6 im Ausschuß für deutsche Reparationen vereinigten einladenden Mächte wieder ausgenommen.
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mtb. Haag, 11. Ian. (Eig. Meld.) Die für heute vorgesehene Abreise des Reichsaußenministers Dr. Curtius wird wesentlich von dem Verlauf der zur Zeit im Gang befindlichen 6-Mächte-Sitzung ab- • hängen. Da die wichtigsten Fragen auch heute in den Vorbesprechungen der 4 Minister schwerlich eine ausreichende Klärung gefunden haben, ist es mindestens fraglich, ob das überwiegende Interesse an den großen augenblicklichen Aufgaben des Haags die an sich wünschenswerte persönliche Beteiligung des Reichsaußenministers an der Genfer Ratstagung nicht vereitelt.
Die Santtionsfrage.
wtb. Paris, 11. Jan. (Eig. Meld.) Der Außenpolitiker des „Echo de Paris" im Haag berichtet über den van ihm bereits dem „Daily Telegraph" mitgeteilten Plan, die Sanktionsfrage durch den Austausch von Erklärungen zwischen Deutschland und den Glänbigerländern zu lösen und bemerkt dazu, all das sei ziemlich vage gehalten: aber w i e könne man unter den gegen mär» tigen Umständen und bei dem Verlauf der Der- handlungen eine Genugtuung erhalten. Uebri- gens müßten, abgesehen von dem deutschen Widerstreben, noch andere ernste Hindernisse über, wunden werden. Ts werde z. B. gar nicht leicht sein, das Statut des internationalen Gerichtshofes im Haag der neuen Rolle anzupassen, die man ihm übertragen wolle, und vor allem die Zu- st i m m u n g Amerikas zu dieser Aenderung erlangen.
Auch der Außenpolitiker des „Matin" will eine Annäherung der Thesen in der Sanktionsfrage feststellen kynnen. Er berichtet: Bei der Erörterung über die deutsche und französische Nothabe man sich über eine gewisse Anzahl Punkte | geeinigt. Man frage sich jetzt noch, in welcher Weise man, ohne die Verhandlung der Beteiligten im Haag gegenüber der entfesselten Opposition der deutschen Nationalisten zu kompromittieren, im Falle einer flagranten Verletzung des Poung-Pla- »es das Wiederinkrafttreten des Versailler Der- träges sichern könne. Vielleicht gebe es nur ein Mittel, nämlich zu erklären, daß die Sonder- gnrantien, die der Poung-Plan Deutschland gebe, hinfällig würden, wenn der Plan selbst k, verschwinden würde.
I An das Frühstück, das die Vereinigung der Völkerbundsjournalisten am Freitag mittag zu Ehren der Delegierten der Haager Kon
ferenz im Hotel Witte Brug veranstaltete, nahmen mehrere hundert Personen teil, darunter Vertreter der niederländischen Regierung mit dem Außenminister Beelaerts van Blokland, Mitglieder des Haager Magistrats mit Bürgermeister Patijn an der Spitze sowie die meisten hauptdelegierten der Konferenzmächte und verschiedene Vorstandsmitglieder des Vereins der Völkerbundsjournalisten. Von deutscher Seite waren erschienen die Reichsminister D r. C u r t i u s und D r. Wirth. Die beiden bekannten Zeichner Dersö und Selen hatten in kunstvoller Weise die Menükarte gezeichnet, auf der der Haager Rittersaal dargestellt ist, zu dem sich ein Pilgerzug von Genf aus bewegt. Das Frühstück nahm einen sehr stimmungsvollen Verlauf. Snowden und T a r d i e u betonten in ihren Reden, daß sie selber aus den Kreisen der Journalisten hervorgegangen sind. Snowden wies auf seine 40jährige journalistische Tätigkeit hin. Reichsaußenminister Dr. C ur tius, mit besonders starkem Beifall empfangen, ließ gegenüber den stark optimistischen und angenehm klingenden Ausführungen der verschiedenen Vorredner und gegenüber dem festlichen Anlaß eines zehnjährigen Bestehens der Völkerbundssatzung, die ernste Note erklingen, die sich für Deutschland aus der Tatsache ergibt, daß es sich gleichzeitig um den zehnten Jahrestag des Inkrafttretens des Versailler Vertrages handelt, und daß die sehr schwere und verantwortungsreiche Arbeit im Haag bisher keineswegs abgesä losten ist.
Zahlungsbank und Mobilisierung.
wtb. Paris, 11. Ian. (Eig. Meld.) Der Außenpolitiker des Petit Parisien im Haag will melden können, daß die Zeichnung von 100 Mill Dollar für das Kapital der internationalen Zahlungsbank bereits als gesichert angesehen werden könne. Jetzt müsse man noch die höhe der ersten aufzulegenden Rate der zu mobilisierenden Zahlungen festlegen. hierüber sei eine Verständigung noch nicht erzielt worden.
keine Einigung.
wtb. Haag, 11. Jan. (Eig. Meldg.). Die Sitzung der sechs einladenden Mächte wurde, nachdem man ursprünglich mit einer besonders langen Dauer der Besprechungen gerechnet hatte, denen Snowden die Aufgabe hatte setzen wollen, die Verhand- lungsgegenstände „juristenreif" zu machen, wider Erwarten bereits um 11.30 Uhr holländischer Zeit (12.10 Uhr deutscher Zett) beendet. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat e n d g ü l t i g darauf verzichtet, persönlich nach Genfzu gehen, da in der Sanktionsfrage !n seiner heutigen Besprechung mit Tardieu ein Fortschritt nicht erzielt werden konnte und heute nachmittag 5 Uhr eine neue Besprechung zwischen den beiden Delegationsführern angefetzt werden mußte.
Auch in den verschiedenen materiellen Fragen, die heute in der Sechs-Mächte-Sitzung behandelt wurden, kam es nicht zu einer Verständigung: im Gegenteil hat sich der Kampf der Meinungen zugespitzt.
Was die Woche brachte.
die Haager Kämpfe mif dem Höhepunkt. — Die deutsche Delegation hat sich bislang gnt behauptet. Noungplau oder Sankiioneu. — Die entscheidende Phase der Konferenz. — And die Heimat? Der doppelte Haushalt. — Die übliche Aegleitmufik. — Hugenbergs Aeichsmsschuß auf Abbruch, politischer Slraßenkerror.
Von unserem besonderen Mitarbeiter.
Die Haager Konferenz, das hat der bisherige Verlauf der Verhandlungen erwiesen, ist nicht nur für Deutschland und Europa, sondern für die ganze Welt eine Angelegenheit allererster politischer und finanzieller Ordnung. Wenn wir zurückblicken auf den Weg, den wir von Versailles über die verschiedenen Konferenzen, unter denen London 1921 am wichtigsten war, bis zur Pariser Sachverftändigen- konferenz und jetzt zum Haag, müssen wir sagen, daß sich, wenn auch langsam, so doch zielsicher, die Gewalt verwandelte in nnrtschaftliche Vernunft.
Daß wir in verschiedenen Punkten eine Lockerung dec Versailler Fesseln durchgesetzt haben, ist ein historisches Ereignis. Allerdings sind wir noch chckt am Ziels Der er,te Gang im Haag läßt die Hoffnung keineswegs oufkomnien, daß nunmehr das Ziel der wirklichen Liquidierung des Weltkr'e- ges erreicht wird. Gewiß haben wir seitens der Eläubigermächte verschiedene Konzessionen gemach' bekommen, e.nzelne Erleichterungen erfahren. Aber es mußte mit zäher Energie darum gekämpft werden, und manches Mal schien es so, als ob besonders Tardieu nicht loskommen wollte von dem Geist, der uns in Versailles jenes in der Weltge- Ichickste einzig dastehendeZwangsdiktat gebracht hat.
Mit einer gewissen Befriedigung jedoch blicken wir auf die letzten Tage im Haag zurück. Die deutsche Delegation hat sich in den schweren End- klefechten des ersten Ganges sehr gut behauptet und JJ* den gefährliclstten Situationen gezeigt- daß sie >brer Aufgabe gewachsen ist, daß sie bestrebt bleibt, Deutschland die volle politische, wirtschaftliche und sinanstelle Souveränität im Haag zu verschaffen
Der Havas-Zwischenfall, der zwar geklärt und beigelegt scheint, der Zulammenstoß, oder bester ge= tagt, der Zweikampf der Finanzminister, welcher
auch Dr. (Turtius auf den Plan rief, ließen uns immerhin deutlich erkennen, daß Tardieu noch weit davon entfernt ist, dem Poungplan und seinen Bestimmungen die Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, welche die Sachverständigen in Paris als unbedingte Voraussetzung für seinen Garantieweit schufen. Etwas wie eine Gewitterluft verbreitete sich im Haag.
Und nicht ohne Befürchtungen sehen wir nunmehr dem zweiten Gang im Haag entgegen. Er bringt bitterschwere Schlußkämpfe, noch schwerer, als wir sie in der ersten Verhandlungsphase erlebten. Aber wir sind dessen sicher, daß die deutsche Delegation auch fernerhin mit der gleichen Entschiedenheit und Entschlossenheit auftreten und für Deutschlands Interessen sich einsetzen wird.
Es geht in den Kampf um die sogenannte Sanktionsfrage. Nach unserer Ansicht wird er die entscheidende Phase der Konferenz bilden. Die französische Sanktionsdenkschrift ist überreicht. Obwohl über deren Inhalt noch nichts Genaues bekannt geworden ist, können mir immerhin aus der offiziösen Erklärung der deut'chen Delegation dazu erkennen, daß die Franzosen es hart auf hart ankommen lassen werden, daß sie nicht gewillt sind, auf die Sanktionebestimmungen des Versailler Vertrages zu verzichten, obwohl der Poungplan ausdrücklich beftimmr, daß alle Sanktionen außer Kraft gefetzt werden müßten, weil sonst der Zahlungsplan jeden Wert verlöre und nicht geeignet wäre für die Befriedung Europas.
Die Franwsen betreiben hier eine nervenläh- mende Nadelstickpolitik und glauben scheinbar, die feste Haltung unserer Delegation zermürben zu können. Da täuschen sie sich aber ganz gewaltig. Wir haben Zeit in diesem Kampfe und können abwarten, ob die Vernunft bei unseren Derhandlungs-
gegnern nicht schließlich doch die Oberhand gewinnt über ihre jetzt eingefchlagene Taktik der Hinterhältigkeit. Für uns ist die Sanktionsfrage keine Bagatelle, sondern der wichtigste Bestandteil der ganzen Konferenzverhandlungen. Wir halten uns streng an den Youngplan, welcher in seiner Ziffer 96 eine eindeutige Erklärung dahin geliefert hat, daß die Möglichkeiten des Artikels 430 des Versailler Vertrages mit der Verwirklichung des Haager Abkommens logisch und rechtlich in keiner Weise vereinbar sind.
Wie könnte man überhaupt daran denken, privaten Kapitalisten Ansprüche auf deutsche Repara- tionsverpflichtungen zu übertragen, wenn man uns weiter mit politischen Kontrollen in der wirtschaftlichen Entwicklungsfähigkeit hemmen und mit Sankfionsmöglichkeiten bedrohen will! Wie könnte man hoffen, an dem internationalen Kapitalmarkt mit den Anleihen souveräner Staaten und selbständiger Wirtschaftsunternehmungen zu konkurrieren, wenn man den kommerzialisierten Anleihen ein unabsckätzbares politisches Risiko aufzuladen beabsichtigt! Das erkannten die Sachverständigen in Paris sehr deutlich und machten deshalb den Verzicht auf jede politische Kontrolle Deutschlands und auf jede Sanktion zur selbstverständlichen Voraussetzung für die Verwirklichung des Poungplans.
Damit diese Selbstverständlichkeit klar und deutlich aus dem Doungplan in das Haager politische Schlußprotokoll ausgenommen wird, kämpft die deutsche Delegation. Dabei kann es uns ganz gleichgültig sein, ob Tardieu und Briand aus innerpoll- tiicken Gründen für eine gewisse Beibehaltung der Sanktionsbestimmungen eintreten. Ihnen fei gesagt, daß die deutsche Delegation niemals vor dem Reichstag bestehen und von ihm die Annahme des Poungplanes erreichen kann, wenn in der Frage der Sanktionen nicht die vom ganzen deutschen Volke gewünschte Klarheit geschaffen ist.
Wie der zweite Gang im Haag enden wird, vermag niemand vorauszufagen. Wahrscheinlich werden diese Verhandlungen noch in die nächste Wocke bineinreicken. Denn inzwischen wollen Tardieu und Briand, aber auch Dr. Curtius, nach Gens. Crsteie wegen angeblich wichtiger Besprechungen mit den Japanern und Italienern wegen der kommenden Londoner Seeabrüstungsfonferenz, während Dr. (Turtius mit dem polnischen Außenminister Zaleski noch einmal das.deutsch-polnische Lmuidationsab- kommen zu behandeln beabsichtigt. Somit dürfen wir wohl kaum vor Mitte nächster Woche eine Entscheidung in der Sanktionsfrage erwarten.
Angesichts der erbitterten Kämpfe im Haag, der Entscheidungen für die Zukunft unseres Volkes und Reiches, ergibt sich Ne Frage, wie die Heimat sich einstellt, wie das Volk urteilt, wie die politische Oeffentlichkeit reagiert Und da sehen wir den ganzen Unsegen der inneren Zersplitterung. Anstatt daß wir uns in allen Teilen unseres Volkes auf unsere Pflicht besinnen, eine Einheitsfront schaffen, um das Rückgrat der deutschen Delegation und damit der deutschen Regierung stärken zu können auf ihrem schweren Ganoe, erleben wir sinnlose Opvo- sition, nörgelnde Kritik, hören wir zersetzende Urteile.
Man hätte doch annehmen dürfen, daß während der entscheidungsvollen Verhandlungen im Haag sich die deutsche Oeffentlichkeit daran gewöhnt, die Begebenheiten ruhig und sachlich so zu erörtern, wie es die deutschen Interessen bedingen. Wir haben keinen Anlaß zur Schwarzmalerei, ebensowenig zu Optimismus. Es kommt einzig allein darauf an, zu erkennen, um was es geht, zu wissen, was uns der Poungplan im Gegensatz zu dem Dawesplan bedeutend kann, welche Rechte auf politischem, wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet für uns im Haag zu erkämpfen sind. Dann werden wir auch zu dem notwendigen sachlichen Urteil kommen, das aber erst gefällt werden kann, wenn das ganze Ergebnis ans dem Haag vorliegt.
Gewiß dürfen wir neben der Außenpolitik, die jetzt im Vordergründe des Interesses stehen muß. nicht die innerpolitische Gegenwarts- und Zukunftsarbeit vergessen. Alles wird naturgemäß enffckeidend davon abhängen, wie wir im Haag bestehen und was aus dem Ponngplan werden wird. Wenn über die Erklärung Dr. Moldenhauers, daß im Reichsfinanzministerium alle Eventualitäten bei der Aufstellung des Reichshaushalts beriicksickt wurden, daß je nach dem Ausgang der Haager Konferenz zwei Pläne aufgestellt worden seien, vielfach hämische Kritik laut wurde, so ist uns das ganz unverständlich. Gerade die lautesten Sckreier in diesem Falle sind es doch immer gewesen. die tagtäglich das Reickskabinett, besonders den Reichsfinanzminister, drängten, die Finanz-, Steuer- und Wirtschaftspläne bekannt zu geben. Und die Aufgabe des Kabinetts wiederum ist es. sofort nach dem Haag den Etat vor den Reichstag zu bringen, damit wir an die notwendigen Ge- fetzesarbeiten Herangehen können.
Nun muß einmal die Möglichkeit berücksichtigt werden, daß der Doungplan angenommen wird, und zweitens, daß unter Umständen der Dawes- plan weiter in Kraft bleibt. Also handelt es sich nur um zweckmäßige vorsichtige Maßnahmen seitens des Reichsfmanzmmisteriums bei der Aufstellung eines doppelten Haushaltsplans.
Wir finden diese Kritiker vor allem in dem 5>ugenberg'schen Reichsausschuß auf Abbruch. Er will durch lautes Reden und durch Verhetzung sich noch eine Zeitlang über Wasser halten, nachdem feine wichtigsten Mitkämpfer, der Reichslandbund und die Chriftlichnationale Bauernpartei, ihren Austritt erklärt haben. Doch fein Schicksal ist be» fxgelt. Der „starke Block" Hugenbergs ist zu einem „flüssigen Brei" geworden. An dieser Tatsache ändert auch nichts die jetzt vorgenommene Hinzuziehung ganz radikaler Elemente aus Land- bund- und Stahlhelmfreifen in den Vorstand. Im
Gegenteil. Desto schneller erfolgt der Zusammenbruch der Aktion.
Nur eines ist bedauerlich, daß durch solche Demagogen immer mehr der politische Straßenterror sich breitmachen kann. Seine Hauptträger sind neben den Kommunisten ganz besonders die Nationalsozialisten. Und der Reichsausschuß hat außerdem in einer Kundgebung, die wir den staatlichen Behörden bringend empfehlen, weiter beschlossen, „zur Abwehr des zunehmenden Blutterrors der Linken besondere Maßnahmen zu ergreifen". Das soll doch nichts anderes heißen, ars daß sich in Zukunft das politische Rowdytum noch stärker bemerkbar machen soll, obwohl wir an blutigen Ueberfällen, Zusammenstößen und politischen Mordtaten schon reichlich genug erleben. Pllicht der Behörde ist es, angesichts dieser neuen Drehungen ganz energisch durchzugreifen.
* Rußland verlangt Auslieferung Befsedows- kis. Nach einer Agenturmeldung aus Moskau hat der Rat der Volkskommissare einen Beschluß gefaßt, wonach der zu 10 Jahren Gefängnis verurteilte ehemalige Sowjet-Geschäftsträger in Paris, Beffedowski, nicht als politischer Flüchtling angesehen werden könne. Deshalb werde die Sowjet- Regierung die unverzügliche Auslieferung Beffedowskis bei der französischen Regierung bean» tragen.
Zusammenstöße in Berlin.
wtb. Berlin, 11. Jan. (Eig. Meld.) Gesten, abend und in der vergangenen Nacht kam es in Berlin in der Jerusalemer Straße und m der Neuen Königstraße zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommu- nisten. Die Polizei mußte in beiden Fällen en- greifen und nahm 33 Personen fest, die der Abteilung 1 a zugefiihrt wurden.
In Eharlottenbura mußte gestern spät abends ein Zug von etwa 30 Antifaschisten, der fing mb und johlend durch die Straßen marschierte, aufgelöst roerben. Dabei wurden 3 der Antifaschisten zwangsgestellt. Kurz nach der Einlieferung in ?■c Revierwache erschienen dort etwa 40 Antifaicki- sten und ffanbalierten. Sie wurden schließlich aus- einanberaetrieben und zwei weitere Perionen zwangsgestellt. Die 5 Festg-nommenen wurden später der Abteilung 1 a zugeführt.
Ein neuer Panzerkreuzer?
Ans Berlin wird uns geschrieben:
Es ist schon einige Zeit her, daß man darüber informiert wurde, daß die Reichsmarineleitung im Etat für 1930 einen ersten Teilbetrag in Höhe von acht Millionen Mark für den Bau eines zweiten Ersatz-Panzerschiffes (Panzerkreuzer B „Er- satz Lothringen") angetorbert habe. Die Mitteilung erschien etwas lurios, wenn man der leidenschaftlichen Kämpfe gedachte, die die Anforderung der ersten Rate für den Panzerkreuzer A entfesselt hatte, und die heute noch keineswegs abgetlungen sind. Man glaubte, daß die Reichsmarineleitung zunächst einmal nur einen Versuchsballon loslassen wollte, um die Meinung des Reichskabinetts und der nächsten Reichshaushaltsverantwortlichen im Reichstag zu erforschen. Außerdem war die Reichs- finanzlage ja auch nicht derart, daß sie zu Rüstungsausgaben besonders anreizen konnte. Die Anforderung machte jedenfalls nicht den Eindruck, daß sie wirklich ernst gemeint fei. Inzwischen hat eine demokratische Korrespondenz, die der Sache etwas ntuhgegangen ist, die Mitteilung verbreitet, daß der Betrag tatsächlich angefordert, aber bereits bei den ersten Beratungen zwischen den Reichsressorts gestrichen worden sei. Die Reichs- marineleitung war also durch die aufregenden Debatten um den ersten Panzerkreuzer A noch keineswegs eingeschüchtert worden, sie ist im Gegenteil sehr lebhaft bestrebt, die vier Schiffe der neuen Panzerklasse in Dienst zu stellen, die bei der Anforderung des Panzerkreuzers A im Ganzen vorgesehen waren.
Nun ist in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zu lesen, daß die Darstellung der erwähnten Korrespondenz unzutreffend sei. Da der ganze Etat noch gar nicht fertiggestellt fei, schwebten auch über die Anforderungen der Marineleitung noch Verhandlungen, die in feiner Weise abgeschlossen feien. Sparsamkeit im Staatshaushalt sei gewiß unbedingt erforderlich, aber es wäre Verschwendung, sie bei den Ausgaben für die Landesverteidigung beginnen zu lassen. Unser Verhältnis zu Vo'en sei keineswegs derart, daß man auf den notwend'aen Schutz der Küste und die Seeverbindung mit Ostpreußen verzichten könnte.
Wir glauben nun trotz dieser Feststellung der „Deutschen Allgemelinen Zeitung", daß man im Reichskabinett die Zeit für die Auflegung des Panzerkreuzers B im Augenblick noch nicht für gekommen hält und vermuten, daß auch der Reichsfinanz- mtnifter Moldenhauer, obwohl er seinem parteipolitischen Bekenntnis nach sicher feine grundsätzlichen Einwendungen gegen neue Panzerkreuzerbauten erheben wird, ebenfalls dabei fein Veto vortragen wird. Aber es scheint doch nicht so ganz sicher zu sein, ob sich auch der Reichswehrminister einer solchen besseren Einiicht fügt und der Reicksmarine- leitung ein längeres Abwarten anrät. Es ist also nicht gänzlich ausgeschlossen, daß die Panzerkreuzerdebatten demnächst nach ihrer allgemein-grund- sätzlichen, wie auch nach ihrer konkret-politischen Seite hin wieder von neuem beginnen. Das Motiv „deutsch-polnisches Verhältnis", das die „Deutsche Allgemeine Zeitung" bereits anfpringen läßt, ist ein aufreizendes Signal dafür.
Nun müssen wir uns gewiß damit abfinden, daß die neue Panzerkreuzerklasse, bestehend aus